Von Spargel zum Wachtelei – die Macht der Symbole und das Web 2.0

10 09 2008

Ok, die Schlacht um das Wachtelei ist noch nicht entschieden. Aber dennoch ist die Entscheidung grad an der Kippe. Nein, ich meine nicht die Frage, ob das Wachtelei hinkünftig mit 5 oder 10% besteuert wird, sondern vielmehr interessiert mich, ob sich der Begriff Wachteleikoalition durchsetzen wird.

Und das ging so: Völlig zu Recht bloggt Johannes Rauch von den Vorarlberger Grünen über die skurrile Ausnahmeregelung für sogenannte Luxusnahrungsmittel. Er kreiert den Titel die “Rot-blau: Die Trüffel-Wachtelei-Koalition

Christoph Chorherr zieht in seinem Blog nach, und empört sich ebenso über dieses mehr oder minder politische Ansinnen. Auf standard.at und in den Blogs werden weitere mögliche Ausnahmen diskutiert (die Liste von rot-blau umfasst stereotype Bilder von Luxusgütern wie Hummer, Langusten und Garnelen) .

Alexander Van der Bellen übernimmt den Begriff aus der Onlinediskussion und konfrontiert HC Strache in der TV Konfrontation damit. Die Wachtelei-Koalition hat sich vorläufig als Begriff etabliert.

Nun, die nächsten Tage in den Printmedien rund um die parlamentarische Sitzung werden entscheiden, ob das Wachtelei einen änhlichen Verlauf nimmt wie der Spargel anno dazumal. Wir erinnern uns noch an das legendäre Spargelessen 2003 zwischen Haider und Gusenbauer, das wegen des Bildes und der symbolischen Bedeutung für Aufsehen und nachhaltigen Schaden im Image Gusenbauers gesorgt hatte (nicht in jenem Haiders).

Ohne Spargel hätte diesem Treffen das Symbol gefehlt. Der Spargel machte es (kulinarisch übrigens ungerechtfertigt) lächerlich. Ähnlich wie das Wachtelei derzeit.

Nun, was zeigt uns das:

* Es brauch Symbole (ja, in dem Fall geht es auch um Lächerlichkeit), und Begriffe, die spezifisch sind und Erinnerungswert bieten

* Das Web 2.0. ist ideal dafür geeignet, die Kreativität der politische Interessenten und Blogger zu fordern und zu fördern. Die Diskussionen rund um das Wachtelei sind durchaus angeregt und gar nicht unpolitisch.

* Es ist dann vor allem entscheidend, wenn es crossmedia verwendet wird. Rauch (Blog) -Chorherr (Blog) -Van der Bellen (TV) haben das gestern gut gezeigt, weil sie schnell waren.

Und das erleben wir in der österreichischen Politikkommunikationskultur noch selten.





Greening the Ballhausplatz

8 09 2008

Heute hat Greenpeace eine interessante Presseaussendung gemacht. Unter dem Titel “ÖVP predigt Wasser und trinkt Wein” kritisiert die Umweltorganisation, dass die ÖVP Klimaschutz propagiert, und gleichzeit jedoch über zwanzig SUVs für den Wahlkampf verwendet. Die stark CO2 emittierenden “Sportgeländewagen” der Marke Toyota RAV 4 dienen der Volkspartei als fahrende Werbeflächen in den Städten, wo Autos dieser Größenordnung und dieses Treibstoffverbrauchs eigentlich nichts verloren hätten, so die Greenpeace Aussendung.

Vorweg, Greenpeace hat Recht. Sowas sollte nicht passieren, auch wenn nicht jede Sünde gleich in die Hölle führt. Das bringt mich aber auf die Idee, endlich über ein Programm zu schreiben, das mich im Rahmen der Ecocity Konferenz in San Francisco schwer beeindruckt hatte: “Green the Capitol”.

Denn wo unglaubliches Klimaschutzpotential liegt, ist der eigene Bereich der Verwaltung bzw. öffentlichen Hand: als Vorbild, als Auftraggeber, als Nachfrageimpuls. Und natürlich ist es interessant, die Parteien selbst im Auge zu haben. Daher der Bezug zur Greenpeace-ÖVP Aussendung.

Aber zurück zu Greening the Capitol. In einem wirklich beeindruckenden Referat präsentierte Dan Beard, der Verwaltungschef des Repräsentantenhauses ist und der Vorsitzenden Nancy Pelosi direkt untersteht, diese Initiative. Sie hat letztlich zum Ziel, das Repräsentantenhaus zum ersten CO2-neutralen Verwaltungskörper weltweit zu machen (was genau genommen ein rechnerisches Unterfangen ist, aber dennoch ein spannendes Modell)

Es wurde ein detailliertes Maßnahmenprogramm erarbeitet, das von der Energieeffizienz in Gebäuden, über die Beschaffung, die Beleuchtung, der Stromverbrauchsreduktion im Nutzerverhalten (dort arbeiten immerhin 10.000 Leute), der Fahrzeugflotte, dem Plastikgeschirr in der Küche und dem Abfall nahezu alle Bereiche umfasst. Der wichtigste Schritt zu Beginn: eine eingehende Analyse – mit teils erstaunlichen Daten.

Hier sieht man z.B. den gigantischen Anteil, den die Kühlung am Energieverbrauch der Gebäude einnimmt. Nur nur ein us-amerikanisches Problem, sondern überall ein Riesenthema.a.

Die Daten sind aus dem Bericht zu Green the Capitol.

Nur ein Beispiel: derzeit versorgt ein Kohlekraftwerk das Repräsentantenhaus mit Strom – in Zukunft wird es zu 100% mit Strom aus Windkraft versorgt.

Weiteres Ziel ist die Halbierung des Energieverbrauchs innerhalb von zehn Jahren.

Hier das Szenario von Green the Capitol. Was mir daran so gefällt, ist der kulturelle Zugang, nämlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im März 2007 begann das Green the Capitol Programm. im Dezember darauf gab es schon den ersten Fortschrittsbericht mit einer Vielzahl an Maßnahmen.

Man kann umweltpolitisch viel über die US-Amerikaner schimpfen und tatsächlich sind sie in vielen Bereichen ökologisch hinten, aber diesen Spirit des Anpackens und Durchziehens bei konkreten Initiativen vermisse ich manchmal in Österreich. Wie wär´s z.B. mal mit Greening the Ballhausplatz nach dem 28. September?

Hier der Vortrag von Dan Beard bei der Ecocity Konferenz in San Francisco.

Mehr Informationen auf der Website von Green the Capitol





Der Visual Effekt auf großer Bühne

2 09 2008

Zum gelungenen Arenapalooza Fest wird an anderer Stelle richtiges geschrieben, zB. auf FM4 oder in der Presse. Zugegeben, auch die Fotos dort sind besser. Was jedoch häufig vergessen wird (leider auch von den Musikern selbst) ist der Einsatz von Visuals.

Roisin Murphy bietet eine wunderbare Performance, musikalisch, gesanglich, tänzerisch – ganz große Klasse. Aber wie würde das auf großer Bühne ohne Visuals wirken?

Da hatte es Madita (siehe Foto unten) schwieriger. Die haben auch sehr gut gespielt, die beiden Alben bieten (insb. – aber nicht nur – für österreichische Verhältnisse) besonderes, aber natürlich hat man einen Nachteil, wenn man bei Tageslicht den frühen Abend bestreitet. Schön, dass das Publikum dennoch mitgegangen ist. Insofern, ein großer Erfolg für Madita und die Couchrecords Crew.

Hier ein paar Eindrücke – sorry leider wieder Handycam.

4x große Roisin Murphy Show vor beeindruckenden Visuals.

Madita: coole Musik, tolle Stimme, schöne CD, hoffentlich große Zukunft …aber Tageslicht-auf-großer-Bühne Nachteil





Energie: Erstaunliches Burgenland

1 09 2008

Das Burgenland ist ja in vielerlei Hinsicht ein erstaunliches Bundesland. Unter anderem auch in Sachen Energieversorgung.

Erst kürzlich hat ein Artikel in der renommierten “Zeit” das international viel beachtete Energiewunder Güssing portraitiert. Güssing ist schon seit Jahren zu 100% energieautark und setzt in der Energieversorgung auf einen Mix aus erneuerbaren Energieträgern (Biomasse, Solar) und Energieeffizienz. Auch in Sachen Technologieentwicklung und wirtschaftlich tut sich viel in Güssing. Lt. “Zeit” haben sich dank des erneuerbaren Energiebooms bereits über 50 Firmen in Güssing angesiedelt und dabei mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadtverwaltung hat dabei ihre Energiekosten von 6,5 auf knapp drei Millionen Euro gesenkt. Laufend kommen internationale Delegationen, um das Energiewunder zu besuchen. Es zeigt sich, dass die Energiewende tatsächlich eine Investition ist und auch ökonomisch Sinn macht.

Die Geschichte der Windkraft im Burgenland ist ähnlich bemerkenswert. Aufgrund der hervorragenden Standorte und des Ausbauprogramms des Energieversorgers Bewag bzw. vieler engagierter Initiativen werden seit 2006 über 1 Milliarde Kilowattstunden aus Windenergie produziert. Der Haushaltsbereich kann im Burgenland rechnerisch komplett aus erneuerbarer Energie abgedeckt werden.

Nicht zuletzt diese energiewirtschaftlichen Spezifika des Burgenlands machen ein Projekt interessant, das seit vergangener Woche online ist. (und bei dem ich in Kooperation mit den Blogexperten von Knallgrau mitwirke): das neue Ökocenter Blogportalder Bewag. Dabei stellen sich die Fachexperten der Bewag dem Diskurs zu mehreren Schwerpunkthemen der Öko-Energie: Solar, Biomasse, Windkraft, Wärmepumpe, Energiesparen. Die Experten bloggen regelmäßig Beiträge zu diesen Themen, was sicher einen neuer kommunikativer Zugang für einen etablierten Energieversorger in Österreich ist. Dabei werden sowohl Informationen für allgemeine Interessenten als auch spezifische Beiträge für Energieexperten geboten. Interessant z.B., warum gerade die Parndorfer Platte als Windstandort so besonders ist; oder eine Einschätzung der Photovoltaik Förderung im Burgenland.

Bild: Das neue Ökocenter Blogportal der Bewag








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