In Österreich wird a meiner Meinung nach recht schlampig mit Umfragen umgegangen. Insbesondere die recht kurzfristigen Abfragen mit bspw. 400er samples sind – im gewählten Design – meist kaum aussagekräftig. Die Ausweisung von Samples erfolgt in manchen Medien oft gar nicht; die Auswertung von Subgruppen bzw. gekreuzten Auswertungen wird meist nicht mehr mit den Erhebungsdaten (Anzahl der Personen) versehen. Der teils gezielten Fehlinterpretation wird Tür und Tor geöffnet, was natürlich nicht pauschal gelten soll.
Sehr gut gefällt mir hingegen die Flashanimation der Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland. Hier sind z.B. die Sonntagsfrage-Daten von Anfang Februar (n=2000) dynamisch ausgewertet. D.h. ich sehe extrem übersichtlich und spielerisch z.B. die demographische Verteilung der einzelnen Wählergruppen nach Parteien, oder auch berufliche Segmentierung, Ost/West Gefälle etc. Fein ist, dass man bei jeder Anwendung gleich die Gruppengrösse erfährt. Wenn ich z.B. sehe, dass 20% der grünen WählerInnen über 60 Jahre als sind, habe ich gleich die Information mitgeliefert, dass es sich um 30 Personen handelt, die in diese Gruppe reinfallen, was natürlich die Repräsentativität beeinflusst. Auch die Differenzierung zwischen “allen Befragten” und “Befragte mit Parteipräferenz” ist relevant, sodass auf Nichtwähler und Unentschlossene Rückschlüsse gezogen werden können.
Fein auch, dass man alle Daten direkt mit den Bundestagswahlen 1998, 2002 und 2005 vergleichen kann. Interessant z.B., wie sehr “Die Linke” immer mehr zur Männerpartei wird. (derzeit über 60% Männeranteil), während Grüne konstant leicht überproportional mehr weibliche WählerInnen haben.
“Wer wählt was” ist eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit infratest dimap/ARD DeutschlandTREND und der Köln International School of Design
Gut wäre noch, wenn man die einzelnen Gruppen nach Parteipräferenz darstellen könnte, also nicht nur, wieviele Prozent der Grünen sind über 60 Jahre alt, sondern wieviele der über 60jährigen wählen Grün.
Wäre schön, wenn es so ein Projekt auch in Österreich gäbe. SORA macht zwar die Flashanimationen für die Wählerstromanalysen, aber für die Entwicklung der Sonntagsfrage habe ich vergleichbares im Netz noch nicht gesehen. Falls es das doch gibt, wäre ich für Information dankbar.
via Netzpolitik.org



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