Klare Verhältnisse. Über manch Irrwege und falsche Relationen in der Energiewende-Diskussion

13 03 2013

Die politisch heftig umstrittene sog. Energiewende in Deutschland hinterlässt auch ihre Spuren in Österreich. Wie schon zuletzt beschrieben wird die Debatte rund um Kosten und Barrieren des Ausbaus erneuerbarer Energie auch hierzuland genutzt, um Stimmung gegen die Energiewende im Strombereich zu machen.  Und tatsächlich ist es so, dass die Systemintegration der Erneuerbaren in die Stromversorgung einige Fragestellungen mit sich bringt, die zu lösen sind. Darum geht es in diesem Beitrag aber nicht. Sondern es geht um das Kernargument vieler Energiewendegegner, die gegen eine Kostenlawine durch Strom aus Erneuerbaren wettert.

Ein genauerer Blick zeigt, wie sehr mit einseitigen Relationen, falschen Argumenten, aber auch bewusst gesetzen Spins die Debatte beeinflusst wird. Die Diskussion orientiert sich in hohem Maße an Deutschland, wo der tatsächlich deutlich höhere Ökostromzuschlag (EEG-Umlage 5,3 ct/kWh im Jahr 2013) spürbarer ist als z.B. in Österreich. Hier sind die durchschnittlichen Kosten für den Haushalt um zwei Drittel geringer. Dennoch: mehrere Energieversorger (allen voran der Verbund), die sozialpartnerschaftlich organisierten Interessensvertreter wie die IV und die AK wettern gegen den Ökostrom als großes Kostenproblem. Schaut man sich jedoch die Verhältnisse an, sieht man, dass wir ein ganz anderes Energiekostenproblem haben als den Ökostromzuschlag. Ein Blick nach Deutschland:

Anteil der Stromkosten wie vor 20 Jahren

Wie Andreas Löschel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg und tätig am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), kürzlich bei einem Vortrag in Wien erläuterte, betrugen die Gesamtausgaben für Elektrizität in Deutschland (inkl Abgaben und EEG-Umlage aber ohne MWSt) im Jahr 2011 63,3 Milliarden Euro.  Dieser Betrag ist nach dem Preisverfall kurz nach der Liberalisierung der Strommärkte zuletzt tatsächlich wieder signifikant gestiegen (2012 Richtung 70 Mrd Euro), aber in Relation zum BIP liegt dieser Anteil auf ungefähr dem gleichen Niveau wie vor 20 Jahren. Löschel sieht übrigens einige Aspekte der sog. Energiewende kritisch, in diesem Punkt verweist er aber richtigerweise auf die Relationen, welche die Kostensituation deutlich weniger dramatisch zeigen als öffentlich kommuniziert wird.

Auf Seite 100 der Stellungnahme der Expertenkommission zum 1. Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ ist dies graphisch erfasst:

kosten_energiewende_monitoring

Klar, dieser Anteil wird weiter steigen, aber es relativiert sich doch etwas, wenn man ständig das mediale Pauken über das Ökostromdesaster zu hören bekommt. Wir reden von aktuell 2,5% und vielleicht in naher Zukunft von 3% Anteil am BIP. Für den gesamten Strombereich!

Strom ist ein relativ kleiner Faktor bei Haushaltsausgaben

Aufgrund des ungleichen Verhältnisses zwischen Industrie und Haushalten bei der EEG-Umlage (viele Industriezweige haben Ausnahmegenehmigungen) ist es insbesondere vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Energiearmutsdiskussionen wert, einen Blick auf die Kostenstruktur von Haushalten zu werfen.

Der Monitoring-Bericht „Energie der Zukunft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Deutschland hat die Verhältnisse gut aufbereitet:

Der Strompreis ist in den vergangenen Jahren für Industrie- und Gewerbekunden ungefähr gleich geblieben. (siehe Graphik). Bei Haushaltskunden hingehen ist er im selben Zeitraum von ca 20ct/kWh auf durchschnittlich 24 ct/kWh gestiegen. Man sieht also die innere Verhältnismässigkeit der Kostenaufteilung. Der Strompreis für stromintensive Industiekunden ist übrigens in den letzten Jahren sogar leicht gesunken. Insofern könnte man die Warnungen etwa der Arbeiterkammer vor Entwicklungen wie in Deutschland sogar verstehen. Wenn da nicht noch ein anderer maßgeblicher Faktor wäre:

Die Stromkosten machen bei durchschnittlichen Haushalten zwischen ca. 2 Prozent (Ein-Personen-Haushalt) und 3 Prozent (Vier-Personen-Haushalt) am Nettoeinkommen aus.  Bei einkommensschwachen Haushalten liegt der Anteil zwischen 3 und rund 4 Prozent.

Heißt das, dass die Energiekosten irrelevant sind für das Haushaltseinkommen? Nein. Denn bei deutschen Durchschnittsverdienern beträgt der Anteil der Energiekosten am Jahresnettoeinkommen zwischen 7 und 11%. Bei niedrigen Einkommen zwischen 1o und 16%. Man sieht eines wieder mal: der Strom macht den kleinsten Anteil der Energiekosten aus. Die liegen in erster Linie bei der Raumwärme und vor allem bei den Treibstoffkosten. Jeder zweite Haushalt ist in Deutschland übrigens gasversorgt. Hier die zwei dazugehörigen Graphiken, aus denen ich die oben genannten Stromanteile berechnet habe:

energiekostenanteile_durchschnitt

Hier die Graphik mit den einkommensschwachen Haushalten, ebenso aus dem Monitoringbericht der deutschen Bundesregierung.

Wie Spiegel Online kürzlich berichtet, hat sich die Situation für Öl- und Gasheizer deutlich verschärft. Haushalte, die mit Heizöl heizen, hatten 2012 die höchsten Kosten ever.

Die Verhältnisse sind in Österreich übrigens nicht unähnlich. Die Energiekosten steigen. Aber auch hier hat der Strom nur einen geringen Anteil. Und der Ökostrom-Zuschlag ist völlig vernachlässigbar. Die steigenden Kosten werden angetrieben von jenen Bereichen, die von fossiler Energie am meisten abhängig sind. Also Treibstoff und Raumwärme. Angesichts von über 700.000 Ölheizungen, die z.B. völlig unverständlicherweise  im Energiepreismonitoring der Arbeiterkammer nicht erfasst sind, ist völlig klar, worüber man eigentlich diskutieren sollte, wenn man über den Preistreiber Energie spricht.

Es wird Zeit, dem teils irrationalen und weitgehend von Eigentinteressen beflügeltem Lobbyismus gegen die Energiewende im Strombereich etwas entgegen zu setzen. Z.B. klare Verhältnisse, wenn wir über Kosten reden.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass Österreich auch einen Monitoringbericht zur Energiewende bräuchte, der von unabhängigen Fachexperten begleitet wird.





Geht es wirklich um “Climate Crimes”? Eine Kritik zur laufenden Doku

12 02 2013

Aktuell ist im deutschprachigem Raum die Doku „Climate Crimes“ des Umwelt- und Naturschützers Ulrich Eichelmann zu sehen (vergangene Woche auch im ORF/„Kreuz & Quer“). Der Film beleuchtet einige Beispiele  von Umwelt- und Naturzerstörung, die – wie er suggeriert – im Namen des Klimaschutzes erfolgen. „Climate Crimes“ wird teils intensiv diskutiert und hinterlässt manch verstörten Besucher. Das regt zum Nachdenken an, kann aber meiner Meinung auch eine falsche Botschaft hinterlassen.

Ohne mich als Dokumentarfilmkritiker zu sehen, erlaube ich mir wie beim Film Bulb-Fiction einige inhaltliche Anmerkungen. Denn der Film ist inhaltlich im Kern hochinteressant, bringt richtige Fakten und starke, emotionalisierende Bilder, aber meiner Meinung nach kontextualisiert er falsch, indem Klimaschutz pauschal mit Umweltzerstörung gleich setzt. Das ist natürlich eine PR-technisch interessante Botschaft, aber die Pauschalisierung ist angefangen beim Titel mehr als heikel. Denn meiner Meinung ist der Antrieb der meisten genannten Projekt nicht der Klimaschutz, sondern schlicht und ergreifend Profitinteressen in massiv wachsenden Ökonomien und aufstrebenden Industriezweigen. Und das hat viel weniger mit der teils berechtigen Kritik an Green Growth Konzepten zu tun als im Film resumiert wird.

Vorweg zum Film, damit klar ist, worum es geht:

Die “Reise zu den Tatorten der grünen Energie” begibt sich auf folgende Stationen:

  • Brasilien im Amazonas Regenwald, wo der gigantische Belo-Monte-Staudamm (unglaubliche 11.000 MW) am Xingu-Fluss eine Waldfläche größer als der Bodensee überschwemmen soll und damit viele Arten bedroht und 20.000 Menschen zum Umsiedeln zwingt.
  • In die Türkei, wo der Ilisu-Damm durch die Umleitung des Tigris nicht nur eine der ältesten Städte Anatoliens, Hasankeyf, zerstört, sondern südlich im Irak auch zur Austrocknung der mesopotamischen Sümpfe führen wird, die Lebensgrundlage für viele Menschen ist.
  • Nach Deutschland, wo riesige Mais-Anbauflächen Grundlage für die Gewinnung von Biogas sind.
  • Indonesien, wo in Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, der Regenwald riesigen Palmölplantagen Platz machen muss und die letzten Orang Utans ihren natürlich Lebensraum verlieren.

Um es gleich vorweg zu sagen: jedes der genannten Projekte ist kritikwürdig.  Aber es ist nicht der Klimaschutz, der dafür verantwortlich zu machen ist. Konkreter:

Sind es wirklich Climate Crimes?

Im Standard-Interview erläutert Eichelmann, “warum der derzeitige Klimaschutz Mensch und Natur mehr schadet als der Klimawandel“. Und hier passiert der Fehler, denn die genannten Projekte stehen meiner Meinung nach nicht für den “derzeitigen Klimaschutz”. Der Klimaschutz, der sich ja international politisch eben nicht durchsetzt, sondern dramatischerweise massiv opponiert wird, hat nur bedingt mit der Entstehungsgeschichte der genannten Projekte zu tun, wiewohl er manchmal missbräuchlich als Argument eingesetzt wird. Diese Differenzierung ist aber wichtig. Inhaltlich verweist der Film richtigerweise auf einen relativ hohen Treibhausgas-Impact der Projekte (z.B. durch die Methanfreisetzung der zuvor gefluteten Stauseen und die Abholzung der Regenwälder).

Als Anlaß zur Beweisführung nutzt Eichelmann die Klimakonferenz in Cancun und spricht mit einzelnen Teilnehmern. Die sind aber auch nicht repräsentativ für Klimaschutz. Man muss dazu sagen, dass bei diesen Konferenzen mehr als 10.000 TeilnehmerInnen dabei sind, von denen viele als NGOs gewertet werden, die aber nur teilweise zivilgesellschaftliche Organisationen sind. Auch Interessens-Vereinigungen aus dem Businessbereich sind zu Tausenden dabei. Die stehen für Eigeninteressen und Business-Repräsentanz, aber nicht für echte Klimaschutzinteressen. Das ist auch eine Lobbyingveranstaltung. Es wär fair, dies auch nicht anders wirken zu lassen.

Wachstum als “major drive”

Was ist der Treiber für die genannten Projekte?

Es sind wirtschaftliche Interessen und meist der Energiehunger aufstrebender Regionen und Staaten, die neue Energiequellen erschliessen. In Brasilien ganz spezifisch auch durch den enormen Energieverbrauch im Bergbau und insbesondere durch die stark wachsende Aluminiumindustrie. Es wird prognostiziert, dass in den kommenden Jahren der brasilianische Stromverbrauch um mehr als 500 Terawattstunden (Twh) bis 2020 ansteigen wird. Brasilien ist ja nicht ein kleines, unbedeutendes Land, sondern wir reden von der weltweit sechstgrößten Wirtschaftskraft, die enorm hohes Wirtschaftswachstum (meist über 4% jährlich) aufweist, starke  Exportzuwächse verzeichnet und seine Leistungsbilanz in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert hat. Siehe unter anderem einige beeindruckende Zahlen im Länderprofil “Brasilien” der Wirtschaftskammer.

Es geht um Wachstum für ganz konventionelle Industriezweige und nicht um nette Klimaschutzprojekte. Es geht auch nicht einmal um das im Film angesprochene Green Growth. Es geht nur um economic Growth!

Dass eine Sprecherin von Electrobas wie im Film am Rande des Klimakonferenz in Cancun die brasilianische Wasserkraft Projekt als sauber und grün verkauft, mag sein, aber das ist weder der Kern noch der Antrieb für das Projekt. Oder anders: auch ohne jegliches Klimaschutz-Comittment gäbe es die Riesenstaudamm-Projektpläne.

Nicht viel anders ist es bei Ilisu. Der Stromverbrauch der Türkei steigt um über 7% jährlich. (siehe auch steigender pro Kopf Energievebrauch) Die Kosten für Energieimporte werden ebenso immer höher. Erklärtes Ziel der Projektbetreiber ist mehr Wachstum, Infrastruktur, weniger Energieimporte. Klimaschutz ist weitgehendst kein Thema.

Insofern ist es irreführend, wenn im Film reißerische Textpassagen kommen wie:

Ist das der Preis für den Schutz des Klimas?”, “Todesursache: Klimaschutz.”, “Menschen würden verdursten, in Folge grüner Energie

Dass sich die letzten Minuten der TV-Fassung noch mit Wachstumskritik und den ökologischen Grenzen auseinander setzen, ist OK, aber es ändert nichts am gesamten Klimaschutz-fokussierten Frame des Filmes.

Ähnlich aber doch anders verhält es sich bei den anderen Beispielen. Tatsächlich hat es in Deutschland einen enormen Biogas-Boom gegeben, der jedoch 2012 nach einer Beschränkung für Mais im deutschen EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) deutlich abflachte. (siehe Zahlen der deutschen Biogasvereinigung) Dies wird möglicherweise für die Verarbeitung im Film ein zu aktueller Trend gewesen sein, ist aber wichtig, weil nun verstärkt Kriterien berücksichtigt werden. Weiters wird meiner Erinnerung nach im Film nicht erwähnt, dass der Anteil der energetischen Nutzung im Vergleich zur Futtermittel-Produktion immer noch relativ gering ist. Schauen wir uns die Zahlen des absoluten Boomjahress 2011 an: Die Gesamt-Ackerfläche für Silo- und Körnermais machte deutschlandweit insgesamt 2,5 Mio. Hektar aus. 1,8 Mio. Hektar dienen der Futtermittelgewinnung. Energiemais für die Biogasproduktion macht 2011 ca. 0,7 Mio. Hektar aus. (Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe) Wie gesagt, aufgrund der Kritik und der mittlerweile tatsächlich bestehenden Flächenkonkurrenz wurde das Wachstum nun begrenzt.

Unerwähnt bleibt auch, dass Energiemais nur eine Form der Biogas-Nutzung darstellt. Die z.B.sinnvolle Verwertung landwirtschaftlicher Abfälle (oder sonstiger biogener Abfälle – etwa in Kommunen) zur Produktion von Strom und Wärme bleibt völlig unerwähnt. Diese Form der Pauschalisierung ist kontraproduktiv.

Berechtigt ist die Kritik an der Palmöl-Gewinnung in Indonesien. Aber es ist auch hier anzumerken, dass der größte Teil des Palmöls von der Nahrungsmittelindustrie verbraucht wird. Zu finden ist es als “pflanzliche Öle” in Backwaren, Fertiggerichten (z.B. Pizza, Suppen), Chips, Aufstrichen, Schokoware, Margarine etc. Auch in der chemischen Industrie spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Ja, die energetische Nutzung ist zusätzlich hinzukommen und sie ist klimapolitisch kritisch zu sehen. Die Treibhausbilanz ist immer sehr stark von der Art der Flächennutzung abhängig und von der Gesamtenergiebilanz. Das im Film portraitierte Indonesien ist mit rund 23 Millionen Tonnen pro Jahr zum weltweit größten Hersteller von Palmöl geworden. Die Motivation der Regierung:  Motor für wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten (3 Millionen Beschäftigte), Steigerung der Exportquote (Hauptabnehmer EU und Indien), konkrete Business-Interessen etc.

Kein zentraler Motor: Klimaschutz.

Fossile reiben sich die Hände

Bei aller persönlicher und inhaltlicher Wertschätzung für den ausgewiesenen Experten und Aktivisten Ulrich Eichelmann, scheint mir diese Form der Pauschalierung und des Framings informativ, aber kontraproduktiv. Nicht der Klimaschutz zerstört die Natur, sondern – wie zuletzt im Film angemerkt – das ungebremste Wachstum und Profitinteressen,  wobei wir als westliche Industriewelt der Intention insbesondere in Schwellenländern ja auch schlecht entgegen treten können. Der Konflikt Öko gegen Öko ist nicht das zentrale Gefecht, wiewohl sich schon einige der Klimaskeptiker des Filmes mit Vergnügen annehmen. Siehe etwas das Posting zum Film der Global Warming Policy Foundation oder auch des Blogs NoTricksZone. Jetzt darf man deren Rolle nicht zu ernst nehmen. Aber es ist schon schräg, dass die fossile Industrie nach und nach ihr Schiefergas- und Tight Oil Revier erobert, die mediale Landschaft vereinnahmt (siehe Das Imperium schlägt zurück), ganz spitz ist auf die Ausbeutung des Amazonas (siehe Amazonas Beitrag im Oil & Gas Journal oder die Potenzialkarte in der Welt) und wir führen den Öko vs. Öko-Konflikt. Dass die inhaltlich in “Climate Crimes” aufgeworfenen Fragen relevant sind, ist keine Frage. Dass es eine Grenzziehung geben muss, ebenso:

Antworten auf bestehende Zielkonflikte

Dieser Blogbeitrag soll keinen Wischi-Waschi Kompromiss abbilden, sondern letztlich geht es wie häufig auf Guensblog um ein Plädoyer für Differenzierung. Wie mehrmals erläutert sind viele Umweltfragen höchst komplex. Wer auf einfache Antworten auf komplizierte Probleme hofft, wird scheitern. Es braucht Lösungen und einen Diskurs, der fähig ist, zu differenzieren und das eigentliche Problem benennt. Und das ist nicht der angewandte Klimaschutz, sondern der fehlende Klimaschutz.

Daher ist es auch nicht zu verschweigen, dass die sogenannte Energiewende tatsächlich Zielkonflikte mit sich bringt. Der Ausbau der Wasserkraft ist ein Teil davon. Fragen der Flächennutzung ein anderer. Für viele zählen z.B. auch Landschaftsbildfragen dazu. Bei dieser letztgenannten Frage bin ich ehrlich gesagt relativ Hardcore auf Seiten der Erneuerbaren. Grenzziehung muss manchmal auch manchmal Grenzerweiterung.

Daher ist es wichtig, den Weg zu skizzieren, wie der Weg raus aus der fossilen Energienutzung aussieht. Dazu gehört einerseits die deutliche Reduktion des Energieverbrauchs aber auch ein massiver Ausbau erneuerbarer Energie. Dort wo es Interessenskonflikte etwa mit dem Naturschutz gibt, braucht es klare Kriterien, an denen sich die Energiewirtschaft orientieren muss. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man in Österreich jedes Fließgewässer zubauen muss, sehe aber sehr wohl noch Potenzial für den weiteren Ausbau.

Viel gäbe es dazu noch zu sagen, aber der Beitrag ist eh schon zu lang.

Letztlich und wiederholt: Die Energiewende ist viel mehr als eine technische Frage. Er ist ein kulturelles Projekt, das auch in unser Konsumverhalten eingreifen wird. Das Schwarzenegger Modell – “Klimaschutz ist nur super, wenn ich mit meinem Pflanzenöl-betriebenem Hummer weiterfahren darf” – wird ebenso scheitern. Denn genau hier greifen die Ressourcengrenzen.

Dieser Diskurs ist zu führen. Aber bitte nicht, indem der Klimaschutz pauschal für etwas verantwortlich gemacht hat, was er nicht zu verantworten hat.

(Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Film ist auf klimaretter.info zu lesen.)





Der Shale Hype: Das Imperium schlägt zurück

29 01 2013

Wer die internationalen Medien zur Entwicklung der Energiemärkte verfolgt, wird signifikante Änderungen in der Schwerpunktsetzung festgestellt haben. Die Debatte rund um die Energiezukunft dreht sich in eine völlig andere Richtung. Schiefergas (Shale Gas) und Schieferöl (Tight Oil) geben nun den Ton an. Auch vor Österreich wird diese Trend nicht Halt machen. In diesem Beitrag geht es nicht nur um hochbrisante inhaltliche Dimension der nicht-konventionellen Gewinnung von Öl und Gas, sondern auch darum, wie sehr sie die medienöffentliche energiepolitische Diskussion beeinflusst und von den Proponenten der Energiewende keineswegs unterschätzt werden darf. Denn justament in Zeiten, wo es um massive Investitionen in die Energieinfrastruktur der Zukunft geht, ist das kein Zufall.

Terry Macalister, seit vielen Jahren beim Guardian verantwortlicher Redakteur für Energie, schrieb in einem Tweet im Dezember 2012:

“In two decades I have never come across such heavy lobbying than for shale gas. What a pity renewables cant get that financial muscle.

Und tatsächlich ist dies kein britisches Spezifikum. Shale ist international das große Energiethema. Erst vor wenigen Tagen – am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos – haben die Ukraine und Shell einen 10Mrd US-D Deal zur Gewinnung von Schiefergas präsentiert, der das Land mit dem drittgrößtem Schiefergaspotenzial in Europa erschließen soll. Die Fragezeichen, die dahinter stehen  – es beginnt ja erst die Exploration – sind nicht mehr öffentliches Thema. Shell Generaldirektor Peter Voser sagt in diesem BBC-Interview, dass man erst nach der Exploration entscheiden könne, ob die Kosten der Gewinnung überhaupt marktkompatibel seien. Ein entscheidender Punkt: denn ua durch unterschiedlichen geologische Voraussetzungen variieren die Kosten der Shale Gas Gewinnung enorm.

Die Rolle des IEA World Energy Outlook

Der World Energy Outlook 2012 der Internationalen Energie Agentur (siehe ua eine Analyse auf Guensblog) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Zug in diese Richtung abfährt. Die Kernbotschaft wurde in die ganze Welt gespinnt: Die USA werden dank unkonventioneller Öl- und Gasgewinnung “energieunabhängig”! Dass dies bei genauer Betrachtungsweise zwar nur dank des signifikant sinkenden Energieverbrauchs zu bewerkstelligen ist, wurde kaum mehr kommuniziert. Aber dennoch sei auch an dieser Stelle festgehalten: die Trendwende in den USA ist tatsächlich bemerkenswert. Auch wenn noch nicht abschätzbar ist, wie lange diese Entwicklung anhält, so denke ich auch, dass er von Peak Oil Experten unterschätzt wurde. Hier eine Graphik der US Energy Administration zur Shale Gas Entwicklung der vergangenen Jahre:

USShaleGasProd

Die Implikation des Booms sind weitreichend. Kommuniziert werden 600.000 neue Jobs in den USA; mit Ziel 3 Millionen bis 2020. Da Erdgas in den USA billig ist, der Strompreis für die Industrie ebenso, werden energieintensive Branchen in die USA gelockt (die Voest folgt diesem Ruf); insbesondere die chemische Industrie feiert ein US-Revival, was sich auch in Anlage- und Investmentstrategien niederschlägt (siehe Welt Artikel)

Der World Energy Outlook, mit Fatih Birol als Chief Economist als wichtigsten Kommunikator, der nun wochenlang schon mit dieser Botschaft auf Welttour ist, gibt der Öffentlichkeit die Sicherheit, dass sich dieser Trend durchsetzt. Dankenswerterweise vergisst Birol nicht darauf zu erwähnen, dass wir alle Klimaziele verpassen, aber dieser redundanten Botschaft fehlt wohl die mediale Attraktivität.

Die Shale Diskussion in Europa – ist der US Boom transferierbar?

Die Schiefergasdebatte ist schon länger in Europa angekommen; es gibt in einzelnen Staaten (etwa Frankreich) Förderverbote aufgrund von Umweltbedenken (Grundwasserverschmutzung); andere wie Polen wollen bei Non-Conventionals einsteigen. Die Kommission berät heuer gemeinschaftliche Strategien.

Es wird medial großer Druck aufgebaut. Europa würde Terrain verlieren, wenn es sich den Non-Conventional verschliesst. (siehe FT-Artikel va zur Petrochemie oder Europe must be sold on shale´s merits) Auch in Österreich wird diese Meinung mittlerweile stark vertreten. (siehe ua OÖN “Österreich kann auf Schiefergas nicht verzichten oder Presse Interview mit OMV Roiss und Huijskes “In Österreich ist nicht mal Nachdenken erlaubt)” Es war kein Zufall, dass die OMV den World Energy Outlook 2012 in Wien präsentiert hat, sondern der perfekte Anlass den Shale Boom in Österreich zu platzieren.

Der Spin hat sich tatsächlich in den vergangenen Monaten gedreht. War vor einem Jahr noch von “Energieunabhängigkeit” die Rede, meinte man energieunabängig auf Basis Erneuerbare Energie. Jetzt ist dieser Begriff international vom Shale Boom vereinnahmt worden. Angesichts der gigantischen Summen, die für Energieimporte drauf gehen, kein Wunder, dass großes Thema ist. Wie ProPellets kürzlich aufgezeigt hat, importierte die Europäische Union nach Angaben der DG Energy im Jahr 2005 4.510 Milliarden Barrel Rohöl. im Jahr 2011 waren es durch Einsparungen und den Umstieg auf erneuerbare Energie nur mehr 3.870 Milliarden Barrel. Trotz der gesunkenen Menge stieg in diesem Zeitraum der finanzielle Aufwand der EU für Rohölimporte von 232 Milliarden $ auf 427 Milliarden $, ein Plus von fast 200 Milliarden $. Grund: der gestiegene Preis.

Nun ist die Shale Situation in Europa in vielerlei Hinsicht anders als in den USA. Exxon Mobile ist in Polen mit der Shale Exploration gescheitert (“no demonstrated sustained commercial hydrocarbon flow rates”/siehe FT-Artikel); die Umweltauflagen sind dankenswerterweise höher. Die Besiedelung ist meist dichter – auch in Nähe der vermuteten Shale Vorkommen. Auch die Preiszusammensetzung ist in Europa anders als in den USA. Dies alles ist sowohl in der Strategieentwicklung wie auch in der öffentlichen Debatte zu berücksichtigen. Diese Strategie braucht es auf politischer Ebene, denn was aktuell passiert, ist, dass die fossilen Multis schnell agieren und ihre Reviere sichern. (“We go where the resources are”  Peter Voser/Shell im oben erwähnten BBC Interview) Und angesichts der Tatsache, dass sich die Liste der gewinnstärksten Unternehmen der Welt wie ein Who is Who der Öl- und Gaskonzerne liest, ist klar, wie voll die Kassen gefüllt sind, um weitere Eroberungen abzuschließen. Doch wie schaut unsere Antwort darauf aus?

Was jetzt wichtig wäre:

  1. Don´t simply trust the hype! Dass der US-Shale Boom wie eine Blase zerplatzt (wie manche Experten meinen) glaube ich mittlerweile nicht. Es wird in einigen Regionen auf Teufel-komm-raus gefracked. Die Perspektive einer neuen Industrialisierungswelle ist in den USA zu verheissungsvoll. Aber dieser Weg ist nicht 1:1 transferierbar. Geologische, ökonomische aber auch politische Gründe sprechen dagegen und sind in der Analyse aber auch Berichterstattung zu berücksichtigen. Würde sich jeder industriell intendierte Medienhype schnell realisieren, müssten wir alle schon superflockigen Elektroautos rumkurven. Also: Ball flach halten.
  2. Es gibt Klarheit: Peak Oil wird das Klima nicht retten. Angesichts einer versagenden Klimapolitik war die Hoffnung da, dass die Implikationen des Peak Oil das Problem quasi von selbst lösen. Und tatsächlich ist der Peak Conventional Oil evident, ebenso wie das 4-fache Niveau des Ölpreises im Vergleich zu den Jahren vor 2008.  Aber dennoch: es ist noch genug gebundender Kohlenstoff in der Erde da, mit dem wir das Klima völlig ins Kippen bringen können. Ergo:
  3. Es braucht eine klare Priorität der Politik: Klimaschutz! Nicholas Stern, der im Jahr 2006 den weltberühmten Stern-Report zum Klimaproblem herausgegeben hat, meinte kürzlich sinngemäß: Ich hab mich damals geirrt beim Klimawandel. Es ist noch viel schlimmer als gedacht. Stern erläutert (siehe Guardian), dass wir aktuell Richtung 4Grad C globale Temperaturerwärmung hinarbeiten, was dramatische Konsequenzen mit sich bringt. Die internationalen Instrumente des Klimaschutzes versagen völlig. Der Shale Boom darf jedenfalls nicht losgelöst von der Klimafrage eingeschätzt werden. Wir haben es schlicht mit einem öffentlichen Comeback der Fossilen zu tun. (Real waren sie nie weg)
  4. Kommt es zum alten Konfliktmuster Umwelt gegen Wirtschaft? In gewisser Weise ja: viele der unkonventionellen Fördermethoden gehen mit massiven Umweltauswirkungen (neben dem Klimawandel) einher. Sei es durch den Einsatz von Chemikalien, gigantischem Wasserverbrauch aber auch durch die Erschließung neuer Gebiete – Stichwort Antarktis. Es braucht eine klare Trennlinie und NoGo´s, die Natur- und Umweltschutz voranstellen. An dieser Stelle sei auch auf den sehr gut aufbereiteten Greenpeace Bericht “Point Of No Return” verwiesen.
  5. Dem medialen Zerrbild etwas entgegen setzen: Was kostet welche Energiewende? Schiefergas billig – Erneuerbare teuer. So ist zur Zeit das mediale Abbild. Und es ist falsch. Wie der World Energy Outlook 2012 gezeigt hat, sind 2011 88 Milliarden US-D an öffentlichen Subventionen in Erneuerbare Energie gegangen (+24% im Vgl zu 2010) und 523 Milliarden US-D an öffentlichen Förderungen in fossile Energie (+30% im Vgl zu 2010). Auch die Diskussion zur Energiewende in Deutschland ist stark davon geprägt, dass die Ökostromumlage weitgehend dem Haushalt überantwortet wird. Es braucht Kostentransparenz. Es sind die fossilen Energieträger und eine verschwenderische Energiekultur, die Energiearmut forciert und zu hohen Kosten führt.
  6. Die Energiewende als kulturelles Projekt: Die Energiewende ist  mehr als der einfache Austausch von Energieträgern im selben System. Es geht auch um einen kulturellen Wandel, der den Verbrauch wieder stärker ins Zentrum rückt und der dezentralen Produktion mehr Bedeutung einräumt. Die Energiewende ist nicht von oben verordnet; sie geht von den Menschen selbst aus, die ihrerseites unabhängiger werden wollen und einen Beitrag für eine saubere zukünftige Energieversorgung leisten wollen.  Die vielen BürgerInnen-Beteiligungsprojekte sind ein gutes Beispiel dafür.
  7. Capacity Building: Österreich ist zwar in einer privilegierten Situation, weil die Erneuerbaren nicht nur das Rückgrat der Stromversorgung bilden, sondern auch auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Dennoch hat man zur Zeit den Eindruck, dass es kaum eine politische wie auch Kommunikationsstrategie gibt, wie man auf internationaler Ebene der enormen Dynamik am Energiemarkt gerecht werden kann. Es ist wichtig, dem aktuellen Medienhype auch kritische Analyse entgegen zu halten. Sei es aus den konventionellen Institutionen heraus oder auch durch neue Akteure.
  8. Es braucht eine Strategie zur enormen Dynamik am Energiemarkt. Shale Hype, Ökostrom Boom, geopolitische Verschiebungen, Klimakrise. Man hat den Eindruck, dass die Politik diesen Trends, die tatsächlch viel Veränderbarkeit mit sich bringen, ohne klare Strategie gegenüber stehen. Dabei haben die Erneuerbaren in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht. Auch in Österreich. Die Vorteile der erneuerbaren Energiewende liegen auf der Hand: Klimaschutz, regionale Wertschöpfung, Beschäftigungspotenzial, mehr Unabhängigkeit.Es wird jedoch noch mehr Dynamik kommen. Innovative Speichertechnologien, effizientere Verfahren, Siedlungsentwicklung, neue Marktmodelle – durch eine Fortschreibung der gängigen Konzepte werden wir den Weg in eine nachhaltige Energieversorgung verpassen. Wir müssen schneller und in der Analyse besser werden. Das ist Aufgabe der Politik, aber auch der öffentlich agierenden Institutionen. Sonst haben andere das Heft in der Hand. Mit Eigeninteressen. Die Energiefrage ist aber viel zu wichtig, um sie Eigeninteressen anderer zu überlassen.




World Energy Outlook 2012: The difference between scenario and forecast

16 11 2012

The IEA World Energy Outlook 2012, recently released in London and presented by Fatih Birol at an OMV event in Vienna last Wednesday, is a kind of shock for many environmentalists. The rise of non-conventional oil and gas, especially the radical shift in the US energy landscape is massively affecting future energy scenarios. The reaction in media has been intense; a key message  is very clear: a comeback of fossil energy. The US will become energy sufficient based on developments of non-conventional oil and gas, especially shale gas and tight oil.

It is obvious that this message adresses the political playfield, too. Europe will have to react, playing a less important role in future. And of course the impact on climate politics is obvious. Fatih Birol, Chief Economist of IEA, emphazises the importance of energy efficiency and the focus on climate strategies, but it is clear that the market development goes in a opposite direction. The IEA says: “Taking all new developments and policies into account, the world is still failing to put the global energy system onto a more sustainable path.“  Some key points:

* “Global energy demand increases by over one‐third in the period to 2035. Energy‐related CO2 emissions rise from an estimated 31.2 Gt in 2011 to 37.0 Gt in 2035, pointing to a long‐term average temperature increase of 3.6 °C.

* Demand for oil, gas and coal grows in absolute terms through 2035, but their combined share of the global energy mix falls from 81% to 75% during that period.

* The United States, which currently imports around 20% of its total energy needs, becomes all but self‐sufficient in net terms by 2035 thanks to rising production of oil, shale gas and bioenergy, and improved fuel efficiency in transport.
Falling US oil imports mean that North America becomes a net oil exporter by around 2030.”

From a climate politics perspective one could say: “We´ve lost”

But wait…

The World Energy Outlook is really a great source of information providing excellent statistics and tons of scenarios. It´s one of the most important annual documents for international energy policy. But the great misunderstanding in media and politics is that the future projections are scenarios not forecasts. That´s why IEA offers different scenarios. The report clearly states that WEO 2012 projections “are subject  to a wide range of uncertainties” (page 38) Especially the link between economic growth and energy demand are the biggest source of uncertainity in the medium term.

So, the annual World Energy Outlook sometimes had to fail with its scenarios.

Example 1: One of the major shift in the last decade has been a dramatic change of the oil price which is 3 to 4 times higher than 10 years ago. It has not been foreseen by IEA. I collected the data of some old WOE reports just to show the difference:

Of course no one did foresee this price explosion a few years before, except some of the Peak Oilers who were critized for an “apocalyptic view”

I did the same graph with nominal price projections that of course looks more extreme. (see  chart on the left) You can see that former price assumptions by the IEA World Energy Outlook were signficantly wrong for many years. It mostly projects the current price niveau with some increase but high stability. But the dramatic change which might be linked very much to Peak Conventional Oil has not been anticipated until it has been there. (WEO 2008)

Another less dramatic example are the scenarios on  wind energy.

  • WEO 2002 projected wind power to increase by 10% a year over the 30-year projection period, to reach 539 TWh in 2030.
  • WEO 2008 projected global wind power output is to increase from 130 TWh in 2006 to more than 660 TWh in 2015 (not that much difference to the WEO 2002 projection for 2030) and 1.490 TWh in 2030. Its share in total electricity generation has been asumed to rises from less than 1% in 2006 to 2.7% in 2015 and 4.5% in 2030.
  • WEO 2012 now is based on  342 TwH in 2010 and projects 2.680 TWh in 2035 pushing up its share in total electricity generation from 1,6 to 7,3%.

So within 10 years the World Energy Outlook scenarios changed the assumption for wind energy to a number 4-5 x higher.

But what will be the projection of the World Energy Outlook in 2015? Maybe it will again be significantly different due to technological developments, political priorities etc. There is no one to blame but it´s important to be aware of the change of scenarios.

There are a lot of uncertainties in future energy scenarios.  E.g.

The history of tight oil and shale gas is very young and they are very much linked to each other (see the excellent analysis by Fiona Harvey in the Guardian points that out “Shale offers freedom and security – but it could be a trap”) or Gail Tverberg´s analysis on shale future projections) The exploitation of non-conventional oil and gas is not cheap. It is based on the rise of energy prices and benefits from the current situation. Decline rates are not promising for industry and the trend that it will be fracked as hell in the US might create severe conflicts.  So I am still sceptic on the development of non-conventionals although it is obvious that most of us have underestimated their potential. The ASPO2012 conference I have co-organized provided a lot of expertise on that very matter. (especially Arthur Berman´s video presentation)

Another example: The role of Irak providing enormous amounts of crude oil is highlighted in WEO 2012, too. A good example how important the geopolitical perspective is. But how will the geopolitical playfield change in future? Will China really grow the same way as projected? Revolutions, environmental and other catastrophes, conflicts never have been part of these projections. It´s the “above ground factors” that offer most of the uncertainties for a future prognosis.

Birol clearly stated in Vienna that the role of politics is crucial. The following  numbers really show the current priorities:

In 2011, global subsidies for renewable energy reached $88 billion, an increase of 24% compared to 2010.

In 2011, global subsidies for fossil-fuel consumption totalled $523 billion, almost 30% higher than in 2010

(source International Energy Agency, World Energy Outlook 2012)

So, it´s about politics. The World Energy Outlook 2012 gives enough reason to be sceptic for the future. But it´s not hopeless. For a conclusion I just want to quote WEO 2008:

But many of the key policy drivers (not to mention other, external factors) remain in doubt. It is within the power of all governments, of producing and consuming countries alike, acting alone or together, to steer the world towards a cleaner, cleverer and more competitive energy system. Time is running out and the time to act is now.”





Energiewende in Bürgerhand. Weil es nicht nur um GEA geht…

21 10 2012

Der Fall GEA gegen FMA erhitzt derzeit die Gemüter. Durchaus zu Recht. Medien (siehe ua den Kurier) berichten ausführlich und viele auf Facebook, Twitter oder per Mail solidarisieren sich mit Heinrich “Heini” Staudinger (siehe auch Kopf des Tages im Standard), dem von der Finanzmarktaufsicht eine beträchtliche Strafe droht, weil sein Finanzierungsmodell für Investitionen (wie eine Halle oder mehrere Photovoltaik-Anlagen) als Einlagengeschäft nach dem Bankwesengesetz gilt und er logischerweise keine Bankenkonzession hat. Er erhält das Geld schlicht und einfach von Kunden und Freunden, die ihm vertrauen und nicht vom Kapitalmarkt. Die Symbolik ist stark, Heini Staudinger ist alternativer Unternehmen und geniesst das Vertrauen vieler (auch meines); der FMA steht man kritisch gegenüber, weil sie – wie viele andere Kontrollinstitutionen – kaum in der Lage war, die für uns  alle teuren Ausuferungen des Kapitalmarkts zu unterbinden.

Es geht meiner Meinung nach dabei aber nicht nur um GEA gegen FMA, sondern um eine Vielzahl an Energieprojekten in Österreich, die auf Basis von BürgerInnen-Beteiligungsmodellen entstehen. Deshalb dieser Beitrag. Denn die Energiewende ist auch ein kulturelles Projekt, weil dezentrale erneuerbare Energie gepaart mit der Investitionsbereitschaft vieler Menschen enorme Chancen bietet. Aber mir greifen einige der Kurz-Statements (Heini super – FMA booh) zum gegenständlichen Fall eben zu kurz. Auch meine Solidarität gilt selbstverständlich Heini Staudinger. Aber es geht nicht nur darum, dass er den Konflikt gewinnt, sondern darum auf politischer Ebene kluge Vorschläge durchzusetzen, wie man die Regeln verändern kann, um die Energiewende nicht nur in Bürgerhand zu legen sondern dies auch auf sicherem Untergrund. Denn selbstverständlich brauchen wir auch Regeln, die Missbrauch bei Beteiligungsmodellen verhindern.

Eine Frage des Vertrauens – aber nicht nur!

Man könnte es natürlich grundliberal angehen und sagen, wer wo wie sein Geld anlegt ist jedermanns eigene Sache. Wenn er betrogen wird, ist er selber schuld. Hätte er halt den richtigen Menschen vertraut. Eine legitime Position, denn schliesslich – wie ein befreundeter Energieexperte kürzlich meinte – ist ja der Verlust bei Investments in Aktien auch eine Möglichkeit. Diverse Solaraktien haben dies in den vergangenen Jahren hinlänglich bewiesen. Aber so wie in anderen Bereichen, die zum Schutz der BürgerInnen vor Missbrauch entsprechend geregelt sind, ist dies auch bzw. insbesondere am Kapitalmarkt notwendig. Ja, in vielen Bereichen hat die Kontrolle versagt (sonst wären wir als Gesellschaft nicht viele Jahre so von Finanzmarktakteuren abgezockt worden)

Im Falle der Bürgerbeteiligungsanlagen geht es jedoch nicht nur bzw. nicht in erster Linie um ein Finanzprodukt. Es geht um den Inhalt eines Projekts: Die gemeinsame Beteiligung an der Errichtung an einer Anlage zur Produktion von erneuerbaren Strom.  Ein Ansatz mit viel Erfolg und Tradition. In Deutschland sind aktuell über 500 Energiegenossenschaften aktiv (stark steigend) mit über 80.000 Beteiligten, die eine Vielzahl von insbesondere PV-Projekten umsetzt. Die Geschichte der Windkraft ist in Österreich eng mit den Beteiligungsmodellen von Anlagenbetreibern verbunden, etwa der WEB. Es geht bei diesen Projekten in hohem Maße um eines: inhaltliche Identifikation! Genau auf dieser Ebene ist das Vertrauen wichtig. Aber genau deshalb ist auch das Vertrauen auf betriebswirtschaftliche Ebene wichtig. Denn eine PV-Anlage hat eine Lebensdauer von 20 Jahren und mehr. Idealerweise 25-30 Jahre. Diese Lebensdauer beinhaltet jedoch auch Risiken. Es kann viel passieren in 20 Jahren. Vor einigen Risiken kann man sich absichern (Anlagenschäden etc.), aber nicht vor allen. Und ja, auch der erneuerbare Bereich ist vor Missbrauch nicht gefeiht.

Mögliche Modelle auf unsicherem Terrain

Es gibt aktuell unterschiedlichste Wege, Bürgerbeteiligungsanlagen zu realisieren. In Wien, wo ich an der Entwicklung des Projekts im Auftrag der Stadt Wien mitwirken konnte, hat sich der Betrieber Wien Energie auf das Sale-and-Lease-Back Modell geeinigt. Mit Erfolg. 5 Kraftwerke wurden bereits in Windeseile verkauft (www.buergersolarkraftk-wien.at) Dabei verkauft der Betreiber (in dem Fall Wien Energie) den Beteiligten die Photovoltaikpaneele. Mit dem dadurch eingenommenen finanziellen Mitteln errichtet er das Kraftwerk. Die Paneele zur Stromerzeugung werden von den BürgerInnen am jeweiligen Standort zurückmietet. Als Gegenleistung bekommen die BürgerInnen eine Vergütung aus der Vermietung (3,1% jährlich) und erhalten am Ende der Laufzeit ihr gesamtes Geld zurück. Auch die Gründung einer Kommanditgesellschaft wird beispielsweise von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich als gesicherte Möglichkeit gesehen. Die ENU bietet hier einige interessante Informationen zum Thema.

Eine PV-Beteiligungsanlage in Bregenz erfolgt auf Basis einer schon länger bestehenden Genossenschaft. Prinzipiell ist auch das eine interessante Variante.

Die Gefahren lauern überall, wo man aber an das Einlagengeschäft streift. Wie ein Beitrag der Rechtsanwälte Marco Steiner und Manuel Innerhofer in der Presse vom 21.5.2012 argumentiert, besteht bei Darlehensmodellen die Gefahr, beim Betreiber als bankenkonzessionspflichtiges Einlagengeschäft im Sinne des Bankwesengesetzes (BWG) qualifiziert zu werden. Ein Beteiligungsmodell läuft wiederum Gefahr der Prospektpflicht nach §2 Kapitalmarktgesetz (KMG) unterworfen zu sein. Ein entsprechender Prospekt ist jedoch mit beträchtlichen Kosten verbunden. Auch Anteile an den unterschiedlichsten Gesellschaftformen können als Veranlagungen im Sinne des KMG gesehen werden und unterliegen regelmäßig einer Prospektpflicht. Jedoch definiert das Gesetz auch bestimmte Ausnahmen, wie Markus Dellinger (Raiffeisen Verband) bei einem Vortrag im Rahmen der Klima- und Energiefonds Veranstaltung zu Modellregionen erläuterte. Er hat im Auftrag des Klima- und Energiefonds eine Studie zum Thema ausgearbeitet und verweist auf eine durchaus restriktive Gesetzgebung. Die Studie ist auf der Website einsichtig.

Den Rechtsrahmen für den energiekulturellen Wandel schaffen

Auch wenn es jetzt schon Möglichkeiten gibt, Bürgerbeteiligungskraftwerke sauber auf den Weg zu bringen, sind meiner Meinung nach Adaptionen in der Rechtslage notwendig. Eine derart restriktive Ausgestaltung könnte zukünftige Projekte verhindern und zur Zeit schießen die Projektvorschläge bzw. teilweise auch Realisierungen wie Schwammerln aus dem Boden. Ich kenne relativ viele von ihnen und glaube behaupten zu können, dass Heini Staudinger nicht der einzige ist, der noch von der FMA hören könnte. Ich denke auch, es ist wichtig, Qualitätsstandards für Bürgerbeteiligungskraftwerke zu entwickeln. Nicht alle diskutierten Modelle finde ich gleich großartig; manche sehe ich skeptisch. Ein derartiges Projekt ist eben nicht ein Kapitalmarktinvestment wie jedes andere. Da letztlich nahezu alle Anlagen derzeit deshalb errichtet werden können, weil sie entweder durch das Ökostromgesetz (Umlagesystem) oder durch Investförderungen (Budget) öffentlich mitfinanziert werden, hat die öffentliche Hand mehrfach Interesse, dass es zu keinen Schädigungen kommt. Wer die Energiewende will und damit auch den kulturellen Wandel in Form von Dezentralisierung und zugleich alternativer Finanzierungsmodelle, hat ebenso Interesse an einem funktionierenden legalen Rahmen. Überlegungen dazu gibt es, etwa über die Ausnahmeregelungen von der Prospektpflicht. Auch ein Aufleben der Genossenschaftskultur könnte ein mögliches Vehikel sein. Es muss ja nicht immer der Raiffeisenverband sein.

Und ja, diese Formen der Finanzierung brauchen nicht zwingend Banken dazu. Diese haben auch in den vergangegnen Jahren Kredit verspielt und müssen halt selbst wieder um entsprechende Glaubwürdigkeit und Vertrauen kämpfen. Zu Recht fordert Volker Plass, Sprecher der Grünen Wirtschaft, in einem offenen Brief Wirtschaftskammerpräsident Leitl auf, Modelle für Mikrokredite zu unterstützen und einen entsprechenden rechtlichen Rahmen zu entwickeln.

PV-Bürgerbeteiligungsmodelle sind nicht in erster Linie renditegetrieben, sondern leben von ihrer inhaltlichen Identität und vom Vertrauen zum Betreiber. Sie brauchen einen entsprechend sicheren Rahmen. Die kommenden Monate und auch den Fall GEA vs. FMA können dazu beitragen, genau dieses Verständnis in Politik aber auch im Finanzsektor zu verbessern. Es geht um nichts anderes als um einen weiteren Baustein im Schaffen vernünftiger Grundlagen für die Energiewende.

More to come…





“Wohin unser Geld geht” am Beispiel Energie

10 09 2012

Dieses Posting ist (nicht am Gewinnspiel teilnehmender) Teil der Blogparade “Und wohin soll Dein Geld gehen?” des Oekoenergie-Blogsportals.
Viele aktuelle Fragestellungen bieten sich zur Zeit an, das Thema zu behandeln. Von der Finanz- und Währungskrise über Anlagestrategien bis hin zur Zukunft fossiler bzw. erneuerbarer Energie oder auch der Biotreibstoffe.
Dazu ist jedoch eine Frage zentral:

Wohin geht denn derzeit unser Geld? Insbesondere durch unseren Energieverbrauch.
Ein aktueller Anlaß: Zu Recht wird derzeit über die Nutzung der Biotreibstoffe diskutiert. Verständlich ist die Angst, dass es zu einem Konkurrenzverhältnis zwischen Lebensmittel- und Treibstoffproduktion kommt. Angesichts des Umstands, dass 40% der Maisernte in den USA für die Herstellung von Treibstoff verwendet wird, ist dies nicht außer Acht zu lassen. Allerdings: weltweit nehmen Biotreibstoffe noch einen geringen Anteil ein. Was viele außer Acht lassen ist die hohe Nutzung von Getreide als Tierfutter. Die Fleischproduktion ist seit 1970 von 100 Millionen Tonnen pro Jahr auf 300 Millionen Tonnen gestiegen. Die Auswirkungen auf Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen sind enorm. Es braucht eine differenzierte Sicht auf die Entwicklung und Produktion von Biotreibstoffen. Aber warum ich schreib ich das hier? Weil intensiv darüber diskutiert wird, woher Biotreibstoffe kommen, was es in den Herstellerländern auslöst, welche ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien man an die Produktion und den Import anwenden kann etc.

Das ist richtig und gut so, aber es stellt sich die Frage, welche Kriterien wir denn an die Nutzung fossiler Energie gekoppelt haben und ob jene ähnlich sind?

“Unser Geld” für fossile Energie
71% des österreichischen Energieverbrauchs (Stand 2010) werden laut Statistik Austria und Umweltbundesamt mit fossilen Energieträgern gedeckt: Erdöl und Erdölprodukte verzeichnen einen Anteil von 38%, Gas liegt bei 24% und Kohle hat einen Anteil von 10%.
Die Importabhängigkeit bei fossiler Energie liegt bei deutlich über 80%. Woher kommt z.B. das in Österreich verbrauchte Öl, das für mehr als die Hälfte der fossilen Energieimporte verantwortlich ist? 2011 z.B. aus Kasachstan (29%), Nigeria (17%), Russland (16%), Saudi-Arabien (11%), Irak (11%), Libyen (7,1%). (Quelle: Mineralölbericht Österreich)
Das Energiehandelsdefizit Österreichs beträgt über 11 Milliarden Euro.
Was passiert mit diesem Geld, das die ÖsterreicherInnen für den Konsum fossilere Energie ausgeben?
Geht es in Strukturen und in Wirtschaften, die unterstützenswerte demokratische, soziale, ethische Grundsätze befolgen? Angesichts der Importliste muss man klar sagen: Nein! Aber im Gegensatz zum höchstenergierelevanten Bereich der Agro-/Biotreibstoffe stellen wir die Frage bei der sonstigen Energieproduktion nicht mehr. Und das ist falsch.

Fossile Energie fördert Ungleichheit
Ein Aspekt noch dazu, zum Nachdenken. Eines der größten Probleme unseres Planeten ist neben ökologischen Herausforderungen die enorme Ungleichheit. In ihr stecken Armut, Ausbeutung, authoritäre Regime, Kriege, Hunger.
Kürzlich wurde eine Studie präsentiert, die Steueroasen analysiert.
Autor James Henry war früher Chefökonom bei Mc Kinsey und hat in der Studie für das Tax Justice Netzwerk die Geldflüsse in diese Steueroasen analysiert. Neben den gigantischen Summen, die hier fliessen, ist insbesondere auch interessant, aus welchen Staaten das Geld kommt. Hier ein Artikel im Guardian und die dazugehörige Karte:

Die These mag gewagt sein, aber ist es wirklich Zufall, dass viele der betroffenen Staaten wichtige Öl- und Gasproduzenten sind und über entsprechende Ressourcen verfügen? Dass es gerade jene sind, die ressourcenreich sind, aber häufig dennoch von Armut betroffene Staaten? Die Grundannahme ist, dass “unser” Geld, das wir dank fossiler Industrierevolution und Wachstumsabhängigkeit in Öl, Gas, Kohle stecken, massiv zu Ungleichheit, Ausbeutung und Kriege führt.

Und die Kohle für die Kohle?
Schauen wir in das Land mit der weltweit diskutierten Energiewende, Deutschland. Neben dem ambitionierten Ausstieg aus der Atomkraft und dem Forcieren der erneuerbaren Energie ist eines auffallend: Die enorme Kohleabhängigkeit. Über 40% der Stromproduktion erfolgt in Deutschland auf Basis von Kohle. Ein Irrtum, wer glaubt, dies wäre primär die geförderte deutsche Kohle. Ein Anteil von 70% wird importiert. Die Steinkohle kommt aus: 25% Kolumbien, 23,5% Russland, 18,7% USA, 10% Australien (Daten 2011). Nur als Beispiel: Neben den globalen Folgen der Kohleverbrennung (Klimawandel) sind auch etwa in Kolumbien Menschenrechtsverletzungen, massive Konflikte mit den Einheimischen, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Landnutzungskonflikte und auch in Folge dessen auch Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion bekannt. Aber wer diskutiert darüber?
Hier eine interssante Website einer deutschen NGO zum Kohleimport

Heilsbringer nicht-konventionelle Förderung?
Nun gehört es zur Strategie vieler Staaten, unabhängiger werden zu wollen. Auch die immer schon im Naheverhältnis der Ölindustrie befindlichen US-Republikaner predigen mittlerweile Energieunabhängigkeit. Tatsächlich hat es eine erste Trendwende gegeben (siehe diesen Bericht) Die Hoffnung der US-Amerikaner, dass die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas, also z.B. Öl und Gas aus Schiefergesteinen, Sandstein, Tiefseebohrungen etc., ihre Lösung sein wird, ist skeptisch zu betrachten. Nicht nur, dass auch hier die Abgängigkeit von fossilen Energieträgern prolongiert wird, sondern auch durch die zunehmenden Konflikte rund um Landnutzung, ökologische Konsequenzen (Chemikaliennutzung, Wasserverbrauch) gibt es teils massive Widerstände. Nicht nur in den USA (siehe diesen aktuellen <a href=TAZ-Artikel), sondern auch in Europa (teils mit Erfolg – siehe Frankreich mit dem Schiefergas-Verbot) und Südamerika wächst der Widerstand.
Dass auch die ökonomische Einschätzung von Schiefergas auf unsicheren Beinen steht, hat Arthur Bermans Vortrag bei der ASPO-Konferenz in Wien gezeigt:

Ressourenkriege als Folge von fossiler Abhängigkeit
Die ASPO-Konferenz Ende Mai in Wien hatte mit den Fragen nach geopolitischen Zusammenhängen und Energiesicherheit ein wichtiges Feld aufgebracht. Mit Michael Klare war einer der weitweit anerkanntesten Experten Redner zu diesem Thema. Sein Vortrag gibt eine gute Übersicht über die Zusammenhänge und aktuelle Konfliktfelder. Er zeigt auch, wie sehr die weltpolitische Aufmerksamkeit Richtung China notwendig ist.

Investments in die Zukunft
Die Vorstellung einer erneuerbaren Energiezukunft soll keine naive sein. Wir werden noch einige Jahrzehnte brauchen, um den großflächigen Umstieg zu schaffen. Aber es braucht jede Ambition in diese Richtung, um den Shift zu erreichen. Denn das Geld soll in die Zukunft angelegt werden – sei es durch unsere (reduzierten) Energieverbrauch, oder auch durch Investments in erneuerbare Energie. Die Erfolge der BürgerInnen-Beteiligungskraftwerke (wie etwa in Wien) oder der 80.000 Energiegenossenschafter in Deutschland zeigt, dass Menschen zunehmend bereit sind, auch ihr eigenes Geld für die Energiewende in die Hand zu nehmen. Denn letzlich soll (hier aber auch in vielen anderen Staaten) im positiven Sinne Wert geschaffen und nicht nur durch fossile Energieabhängigkeit Ungleichheit, soziale Probleme und der Klimawandel weiter forciert. Denn diese Rechnung zahlen wir mehrfach.

Nachtrag 30.09.2012:
An dieser Stelle sie auch auf die anderen Beiträge dieser Blogparade hingewiesen:





Steht die Ökostromgesetz-Demontage bevor? Ein typisches Beispiel österreichscher Interessenspolitik.

31 07 2012

Vorweg, dieses Posting ist schnell und kurzfristig geschrieben; man möge mir einen Mangel an Elaboriertheit und Flüchtigkeitsfehler verzeihen.

Aber dieser Kurier-Artikel “Ökostrom: Laute Kritik an zu hoher Förderung” offenbart Ärgernisse. Schon zuletzt hat sich nach Interviews von Energieregulator Walter Boltz angekündigt, dass etwas im Busch ist. Zur Erinnerung mein damaliger Beitrag zum Argument “Preistreiber Energiewende“.

Es regen sich derzeit – offenbar unmittelbar vor Festlegung neuer Einspeisetarife für Ökostromanlagen – mehrere Stimmen aus E-Wirtschaft und E-Control, die das Fördersystem des Ökostromgesetz massiv kritisieren und neu aufstellen wollen. Es sei zu teuer, man solle auf Investitionsförderungen statt der bewähten Einspeisetarife umsteigen und Verbund-Chef Anzengruber will überhaupt ein Quotensystem für Energieversorger und kein Fördersystem mehr.

Dazu muss wissen: Die dafür verantwortliche Rechtsgrundlage, das aktuelle Ökostromgesetz 2012, ist gerade mal vier Wochen in Kraft! Vier Wochen! Und schon wird dran herumgezerrt. Es ist bemerkenswert, dass manche, die immer nach Investitionssicherheit rufen, wenn es um eigene Interessen geht, sofort und unmittelbar an jenem Gesetz rütteln, dass Ökostromanlagenbetreibern nun mehr Planungssicherheit gibt.

Auf die lange Geschichte des Ökostromgesetzes, das auch mein Leben schon über 13 Jahre lang begleitet (im on-off Modus wie das in wilden Beziehungen eben so ist) , bin ich vor einem Jahr in dieser Analyse zum aktuellen Gesetz eingegangen. Das ÖSG 2012 kann sich als wichtiger Meilenstein der Umwelt- und Energiepolitik herausstellen, da es einen massiven Ausbau von Strom aus erneuerbaren Energieträgern bringen wird. Es schreibt verbindliche Mindestziele vor und beinhaltet weitgehend die Instrumente, die es für die Erreichung braucht. Es ist nicht perfekt, aber ziemlich gut und vor allem deutlich besser als die Ökostromgesetze davor. Es kann aber auch zum Rohrkrepierer werden, wenn wenige Tage nach Inkrafttreten maßgebliche Akteure an dessen Demontage arbeiten. Wenn es so läuft wie zuletzt geplant, werden wir die Ziele in der Windkraft und Photovoltaik aufgrund der günstigen Marktentwicklung sogar übertreffen können. Und das ist gut so! Aber stört einige.

Ein paar Gegenargumente zu den derzeit meist gehörten Argumente der Ökostrom-Gegner:

Ökostromförderung: Umstellung von Tarif auf Invest wäre Bremsklotz für Ausbau

Im Kurier-Artikel steht geschrieben, dass die E-Control die Ökostrom-Förderung auf eine Investitionsförderung umgestellen wolle. Das mag in einzelnen Bereichen  – bei entsprechender Budgetierung! -  zweckmässig sein. Etwa bei kleinen oder gewerblichen Photovoltaikanlagen, wo es auch sinnvoll ist, dass der Strom idealerweise selber vor Ort genutzt wird und nur der Überschuss eingespeist wird (der dann aber ebenso mit fairen Tarifen vergütet werden sollte – hier wäre ein wichtiger Zukunftshebel!)

Aber die geplanten Investitionen bei der Windkraft, großen PV-Kraftwerken, Biomasse-KWKs, die über mehrere Jahre gerechnet in Summe Milliardeninvestitionen sein werden, anteilig sofort aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren, lässt die Kosten für den kurzfristig Fördergeber enorm in die Höhe steigen. Wir reden dann nicht von durchschnittlich 35 Eur/Jahr für den Haushalt, sondern von kurzfristig mehreren hundert Euro pro Haushalt. Die Folge wäre: eine massive Deckelung und ein sehr großer Bremsklotz beim Ökostromausbau.

Dass ausgerechnet die Förderung kleiner PV-Anlagen durch den Klimafonds als Vorzeigebeispiel genannt wird, ist absurd. Da diese Förderung in einigen Bundesländern innerhalb weniger Minuten ausgeschöpft ist und die Nachfrage bei weitem nicht abgedeckt werden kann, sondern viele enttäuschte Erwartungshaltungen investitionsbereiter Betreiber (meist Privatpersonen) zurückbleiben, ist dies definitiv nicht in großem Stile nachahmenswert. Zudem schafft die Investförderung weniger Garantien für einen entsprechend langen Betrieb der Anlagen.

Der irrwitzige österreichische Umgang mit eigenen Zielen
Wie gesagt, das Ökostromgesetz legt für die einzelnen erneuerbaren Energieträger Mindestziele fest. Und zwar nicht prozentuell, sondern in MW, was ich für sehr wichtig halte. An diesen Zielen haben sich die entsprechenden Instrumente zu orientieren, also auch die Tarife. Was ist daran so schwer? Eigentlich nichts. Wie kann es dann sein, dass sofort nach Inkrafttreten des Gesetze, Pläne geschmiedet werden, diese Ziele zu konterkarieren? In diesem Fall durch E-Control Boltz und durch Teile der E-Wirtschaft. So oft höre ich genau aus diesem und dem Industriebereich, was für ein Blödsinn denn die Kyoto-Ziele gewesen seien. Ja, wenn ich als Interessensvertretung gleich die Umsetzung der festgelegten Ziele konterkariere, ist es ja kein Wunder, wenn wir unsere Ziele nie erreichen. Politik ist in diesem Land wirklich ein seltsames Wesen.

Decoding Mellach
Mellach kommt nun häufig als Argument für die böse Energiewende. Diesbezüglich habe ich schon zuletzt argumentiert, dass das Problem für die Wirtschaftlichkeit Mellachs nicht die Erneuerbaren sind, sondern die teureren Gasimporte. Gas wird teurer, insbesondere bei den langfristigen Lieferverträgen. (Russland; der Spotmarkt ist aktuell deutlich günstiger) Willkommen in der Welt fossiler Abhängigkeit.

Da nun aber immer öfter geschrieben wird, dass Mellach dazu diene, als Kompensation für den schwankenden Wind- und Solarstrom einzuspringen und auch im Sinne der Erneuerbaren einen Beitrag darstelle, lege ich hier gerne nach. Das 850MW- Riesenkraftwerk war immer ein riskantes Projekt. Ich erinnere an Aussagen des langjährigen Verbund-Vorstands Michael Pistauer: “Wir haben nie gesagt, dass wir Mellach tatsächlich bauen werden. So wie es jetzt aussieht, rentiert sich das Gaskraftwerk nicht.” (…)  Derzeit liege der Großhandelspreis für Strom bei 32 Cent je Kilowattstunde, um die Investition rentabel zu machen, seien aber 40 Cent notwendig.” [Anm. 01.08.2012: gemeint müssen 3 bzw. 4 Cent/kWh sein] Quelle: Wiener Zeitung, 30.03.2005. Lang lebe das Archiv. Und hier ein Blick auf den Großhandelspreis für Strom in den vergangenen Jahren:

Quelle: E-Control bzw. EXAA

Man sieht, der Spotpreis für Strom ist aktuell immer wieder unter 40,-/MWh. Auch das gehört zum unternehmerischen Risiko.

Klar hat man vor einigen Jahren die Entwicklung der erneuerbaren Energien am Strommarkt unterschätzt, aber es ist nicht so, dass damals niemand einen entsprechenden Trend vorhergesehen hätte.

Es spricht meiner Meinung nach einiges für effiziente Gas-KWK-Anlagen, die Kohle und Öl ersetzen, wie das teilweise im Falle Mellach argumentierbar ist. Aber die aktuelle strategische Argumentation zu Mellach, dass eigentlich die Erneuerbaren am möglichen wirtschaftlichen Misserfolg von Mellach schuld sei, ist irreführend und meiner Meinung nach falsch!

Strategieschwäche der Energiepolitik - Weg mit ideologischen Scheuklappen bei Biomasse
Tatsächlich ist die Frage, wie die Verstromung von Biomasse und Biogas zu bewerten ist, inhaltlich nicht unheikel. Es ist auch Zeit zu sagen, Ja, man hat die Entwicklung vor einigen Jahren anders eingeschätzt, was die Brennstoff- und Logistikkosten (va feste Biomasse) betrifft und Ja, es sind einige Anlagen den Bach runtergegangen. Experten aus der Branche sagen mir, dass es zu massiven Fehlplanungen gekommen sei, die man teilweise korrigieren kann; teilweise auch nicht.

Wo könnte Politik ansetzen? Genau in der Analyse der Fehler, dem Entwickeln von Learnings und den Herausarbeiten einer Strategie, die den Fokus festlegt, wo und wie Biomasse und Biogas in der energetischen Nutzung sinnvoll sein werden. Das inkludiert neben der Stromproduktion auch die Wärmeerzeugung und bei Biogas die Nutzung als Treibstoff. Davon ist all den Argumenten zu den Tarifen wenig zu hören. Ich kann Martin Grafs (E-Control) Argument verstehen, wenn er im Kurier sagt: “”Müssen wir wirklich jede Anlage retten, koste es was es wolle?” Die Frage ist mehr als legitim.

Zu sehen sind jedoch tief verankerte ideologisch geprägte Muster. Spricht man mit der SP-Seite, heisst es “Das ist ja nur eine Bauernförderung der Agrarlobby”. Auf VP-Seite hört man oft unglaubliche Szenarien, wieviel die Biomasse als Energieträger abdecken kann und verweigert sich häufig der Tatsache, dass es Fehleinschätzungen gab.

Die ideologischen Scheuklappen gehören runter, denn der differenzierte Energiemix der Zukunft braucht eine entsprechende Strategie. Das bestehende Ökostromgesetz, das für Biomasse und Biogas übrigens keine übertriebenen Mindestziele festgelegt hat sondern Spielraum lässt, ist dafür eine entsprechende Säule. Eine schleichende Demontage wäre ein herber Rückschlag.

Es heisst jetzt: im Sinne der Energiewende dagegenhalten. Dann erreicht Österreich vielleicht auch mal die eigenen, gesetzlich festgelegten Mindestziele.





Boom or doom? Oder irgendwas dazwischen… Teil 1 der ASPO-Nachlese

6 07 2012

5 Wochen nach der ASPO-International Konferenz in Wien, dem weltweit größten Treffen von Peak Oil ExpertInnen im heurigen Jahr, ist es Zeit für eine Nachlese. Denn in den vergangenen Wochen hat sich die Diskussion um das Maximum der Ölförderung noch einmal verschärft; man könnte sogar konstatieren, sie ist in der Bewertung von Peak Oil und der zukünftig förderbaren Ölmengen in einer entscheidenden Phase.

Neben der medialen Berichterstattung zur Konferenz (einige Beispiele sind hier zu finden) sei voran noch eine Übersicht zu Blogbeiträgen gestellt, die sich mit der Konferenz auseinander gesetzt haben. Erfreulich, dass der kritische Diskurs durchaus weitergeht.

Steht ein neuer Ölboom bevor?

Diverse Berichte und Beiträge vermitteln derzeit, Peak Oil sei eine These gewesen, die sich als unrichtig herausgestellt hätte. Eine Steigerung der Kapazitäten (die auch eine entsprechende Nachfrage abzudecken hätte) sei ohne weiteres möglich sei.

George Monbiot meint im Guardian überhaupt “We were wrong on peak oil. There’s enough to fry us all”. (Eine deutschsprachige Übersetzung gibt es dazu auf www.freitag.de) Er bezieht sich dabei auf einen Bericht “Oil – The Next Revolution” von Leonardo Maugeri, Senior Fellow der Harvard University (John Kennedy School, Belfer Center for Science and International Affairs) und langjährigen ENI-Manager. Demnach sei es kein Problem, die heutige Ölfördermenge von knapp über 90 Millionen Barrel Tagesproduktion auf über 110 Millionen Barrel Tagesproduktion bis 2020 zu steigern. Voraussetzung dafür sei ein Ölpreis von 70 US$ pro Barrel. Es sei nur eine Frage von Technologie und Politik. Aus Sicht Maugeris hätten die Beschränkungen der vergangenen zehn Jahre mehr finanzielle als geologische Gründe gehabt.  Aber die hohen Preise der vergangene paar Jahre hätten die Investitionsbereitschaft erhöht und damit neue Potentiale erschlossen. Neben dem Irak wird insbesondere in den USA ein neuer Ölboom beschrieben, der auf den unkonventionellem Öl, vor allem Schieferöl basiert. Monbiots Schlußfolgerung: “Es befindet sich genügend Öl unter der Erdoberfläche, um uns alle zu frittieren, und es gibt kein Mittel, um Regierungen und Industrie davon abzuhalten, es dort rauszuholen.

…oder ist es nur der neue Spin des fossilen “Technology will fix-it” Mainstreams?

Dem stehen viele kritische Stimmen entgegen. Richard Heinberg schreibt etwa über den Peak Denial. Einige Fakten seien schlicht nicht zu leugnen. Etwa die deutlich gestiegenen Preise für die Ölexploration und Rohöl selbst. Die größten Ölfelder, die immer noch 60% der weltweiten Rohölproduktion ausmachen, sind alt und eine Verringerung ihrer Produktionskapazität unausweichlich. Die neu entdeckten Ölfelder sind bei weitem nicht in der Lage, einen entsprechenden Rückgang zu kompensieren. Eine gute Zusammenfassung über diese Peak Oil Kernargumente bieten die ASPO-Vorträge der ersten Session von Kjell Aleklett und ex-BP Petroleum Ingenieur, Jeremy Gilbert. Siehe links eine der Illustrationen von Olle Qvennerstedt aus dem Aleklett Buch.

Jeremy Leggett, Mitglied der UK Industry Taskforce on Peak Oil and Energy Security, argumentiert in einem Guardian Gegenbeitrag zu Monbiot, dass es ein grundsätzliches Missverständnis sei, zu glauben, dass es bei Peak Oil in erster Linie um die Gesamtmenge ginge, die noch in einem Ölfeld zu vermuten sei. Viel mehr ist die Durchflußmenge, die aus den Ölfeldern gewinnbar sei, entscheidend. Wie hoch kann die tägliche förderbare Menge gehalten bzw. erweitert werden? Und zu welchem Preis? Er argumentiert, dass die Akteure im ASPO-Netzwerk selbst ja meist aus der Ölindustrie kommen und nun offener über die Problemlage sprechen könnten. Der Zugang zu gesicherter Information ist im Ölmarkt schwierig und Misstrauen höchst angebracht. Also kein Grund zu Optimismus für die Öl- und Gasindustrie.

Offensichtlich sind übrigens auch die Preisverschiebungen und eine deutlich gestiegene Volatilität. Vor 10 Jahren war die Weltwirtschaft 20-25 US-Dollar pro Barrel Rohöl gewohnt. Jetzt schreiben schon viele Medien von einem beispiellosen Sinkflug, wenn wir mal  unter 90 US-Dollar landen. Vielleicht ist dies aber auch nur ein Beispiel für die Kurzfristigkeit des Markt- und Mediendenkens. Aber dieser Shift ist nicht zu leugnen.

“All numbers are wrong: that much we know…

The question is: how wrong?” Diese ältere Zitat von Colin Campbell zeigt auf welchen unsicheren Boden sich auch Experten bewegen. Insofern geht es auch nicht darum, wer nun recht hätte. Die Welt und damit auch die Information über sie entwickelt sich ständig weiter. Es ist kein Wunder, dass sich die Prognosen auf allen Seiten laufend verschieben. Insofern ist das Duell zwischen Leggett und Monbiot eigentlich nicht derKern. Dennis Meadows hatte bei der ASPO-Konferenz völlig recht, als er sagte, dass jeder zur Bestätigung seiner These immer neue Daten finden könne, aber dass es darum nicht ginge. Es geht nicht mehr darum, vor Peak Oil zu warnen, sondern zu einem besseren Verständnis beizutragen, um Gegenstrategien -und maßnahmen zu entwickeln. Hier das Video der bemerkenswerten Diskussion bei der ASPO-Konferenz zwischen Kjell Aleklett, Jeremy Gilbert, Dennis Meadows und Nebosja Nakicenovic (IIASA, TU-Wien, Global Energy Assessment)

Es ist genug unter der Erde…

Eine realistische Einschätzung der Non-Conventionals ist nicht leicht, weil mit sehr unterschiedlichen Annahmen gerechnet wird. Wer die  Präsentation des schottischen Energieexperten und Oildrum Autoren Euan Mearns sieht, kommt zum Schluß: es ist genug fossiles Material in der Erde, das grundsätzlich für die energetische Nutzung gewinnbar ist.

Aber der fundamentale Wandel ist, dass nicht-konventionelle Quelle wie Ölschiefer, Schiefergas, Teersande etc. ökonomisch aber auch in ihrer geologischen Charakteristik völlig anders zu beurteilen sind als konventionelles Erdöl und Erdgas. Die Gewinnung selbst ist deutlich teurer, die Förderkurve ist unterschiedlich (sie fällt bei Shale Gas teilweise rapide ab nach dem Fördermaximum), der Energy Return On Investment (EROI) ist deutlich schlechter, was bedeutet: Wir werden immer mehr Energie brauchen, um neue Energie zu produzieren.

Der “große Goldrausch” in den USA (siehe den äußerst sehens- und hörenswerten Vortrag von Arthur Berman) aber auch Teilen Europas zu Shalegas, der zur aktuellen Euphorie führt, ist geblendet vom Wunsch nach kurzfristigem Profit. Aber langfristige Versorgungssicherheit ist dadurch noch nicht absehbar. Dass dabei über Umweltinteressen hinweg gefahren wird, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

…aber das Problem liegt oberhalb.

Auf die Frage, ob die Non-Conventionals letztlich ein Gamechanger sein können, meint Mearns: “Peak cheap oil was the game changer. Unconventional oil and gas production is the system response to the new game.”

Daher ist es verantwortungslos, dem Mainstream der Öl- und Gascompanies blind zu folgen. Auf den bestehenden Daten über nicht-konventionelles Öl- und Gas kann aktuell noch keine langfristige Strategie aufgebaut werden. Wie Nebojsa Nakicenovic ausführt, braucht es in der aktuellen Transformationsphase politisch notwendige Langzeitentscheidungen, was bei der enormen Preisvolatität der auf Fossilen aufgebauten Energiemärkte extrem schwierig ist. Es geht nicht um ein bisschen hier und bisschen dort, sondern um echte Transformation. Denn richtigerweise sieht er in erster Linie den Klimawandel als Kernargument, den es zu bekämpfen gilt (was manche im ASPO-Netzwerk anders sehen)

Unser Planet ist kein Spielplatz.

Wie ich schon im Posting vor der ASPO-Konferenz beschrieben habe, ist es Michael Cerveny (ÖGUT) und mir bei der Organisation der Konferenz nicht darum gegangen, auf die  Frage nach dem “WANN kommt Peak Oil” zu fokussieren, sondern viel mehr die Struktur der Energieversorgung noch besser verständlich zu machen, die Unwägbarkeiten und Risiken zu thematisieren, und mögliche  Strategien und Wege zu beschreiben.

Die hohen Öl- und Gaspreise der vergangenen Jahre haben stark zu einem Bewusstseinswandel beigetragen, der letztlich auch den politischen Wunsch bestärkt hat, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern  zu reduzieren. Es braucht ohne Zweifel Strategien, die eine signifikante Reduktion des Ölanteils und letztlich ein nahezu Phase-Out von Öl bewirken. (siehe Nakicenovic) Der Klimawandel ist der wichtigste Grund dafür, aber nicht der einzige. Die Unsicherheiten der Öl- und Gasversorgung mit allen umweltbezogenen Konsequenzen (Fracking etc.) gehören weiterhin dazu genauso wie die geopolitischen Facetten (siehe nächster Teil der ASPO-Nachlese)

Oder wir Richard Heinberg in seinem Beitrag “Peak Denial” so schön geschrieben hat:

The Peak Oil debate is not a sporting event. What matters is not which side wins, but what reality awaits us.”





Preistreiber Energiewende?

26 06 2012

Einer der beiden E-Control Geschäftsführer, Walter Boltz, hat im heutigen Wirtschaftsblatt ein Interview gegeben, indem er der Energiewende für angesagte +25% Strompreis in den nächsten Jahren die Schuld gibt. Da dieses Interview in vielen online Medien übernommen wurde (sehr groß auf orf.at “Energiewende verteuert Strom“, auch news.at “Preistreiber Energiewende”) möchte ich einige Gegen- bzw. Zusatzbetrachungen einbringen.

Nun, in der prinzipiell Aussage, dass Strom teurer werden wird, ist Boltz gar nicht zu widersprechen und auch, dass die Transformation in die erneuerbare Energiezukunft dafür mitverantwortlich sein wird, ist korrekt. Dennoch ist die Argumentation von Boltz sehr einseitig und unpräzise, denn wesentliche Faktoren blieben dabei unberücksichtigt.


Vorweg: die Kosten für Ökostrom sind 2011 gesunken!

Ja, das mag gleich einige überraschen. Aber der Finanzierungsbeitrag aus dem Ökostromgesetz, der sich aus der Differenz der festgelegten Einspeisetarife für Ökostromanlagen und dem Marktpreis ergibt, hat sich 2011 reduziert. Und zwar von 348 Millionen Euro auf 297 Millionen Euro. Der Grund dafür ist in erster Linie der höhere Strommarktpreis gewesen, der eben die Differenz zum Finanzierungsbedarf verringert. Vergleicht man die vergangenen 5 Jahre, sieht man, dass die eingespeiste Mengen relativ konstant geblieben ist, die Schwankungen beim Förderbedarf jedoch unterschiedlich ausfallen. Grund dafür ist wie gesagt die Abhängigkeit vom Marktpreis.

Ökostrom inkl Kleinwasserkraft/Jahr 2007 2008 2009 2010 2011
Marktpreis ct/kWh 5,1 6,4 5,9 4,6 5,3
Unterstützungsvolumen Mio/a 315 252 280 348 297
Ökostrom-Einspeisemenge in TWh 5,7 5,4 5,1 5,9 5,4
Datenquelle: E-Control

Insofern ist es richtig, dass aufgrund der neuen Ökostromgesetzes und des damit einsetzenden Ausbaubooms insbesondere in der Windkraft die Finanzierungskosten steigen werden. Auch die 350 bis 400 Millionen Euro/a in den kommenden Jahren klingen plausibel.

Worauf ich jedoch hinaus will, ist, dass dies nicht so unglaublich viel ist und weit weg von +25% des Gesamtstrompreises.
Nun entspricht die ins Netz eingespeiste Ökostrommenge rund 10% der Gesamtabgabemenge in Österreich (2011 knapp 59.000 GWh)
Wenn ich mir nur zum Vergleich den Marktpreis (5,5 ct/kWh) für 59.000 GWh ansehe, komme ich schon auf eine Summe von jährlich über 3,2 Milliarden Euro. Sorry, aber da beeindrucken mich die Zusatzkosten der Ökostromproduktion, die in den kommenden Jahren einen deutlich höheren Anteil der produzierten Strommenge ausmachen werden, wenig. Sollte der Strompreis steigen, hält sich der Förderbeitrag ohnehin in Grenzen.

Neue Kraftwerke werden mehr kosten – aber welche werden errichtet?

Was Boltz zudem ausblendet, ist, dass es jedenfalls neue Kraftwerke in Österreich geben wird. Auch europaweit ist die Kraftwerksinfrastruktur veraltet. Die Frage ist, welche Kraftwerke werden errichtet werden? In welchen Energieträger wird für die nächsten 30,40, 50 Jahre auf Basis welcher Kostenannahme investiert? Und diesen Vergleich scheut Boltz. Denn es ist Unsinn, die wahrscheinlichste Alternative, nämlich Gaskraftwerke, als kostengünstige Option zu rechnen. Im Vergleich zu den Entwicklungen am Gasmarkt, sind die Erneuerbaren ja ein Hort der Stabilität.

Die Erhöhung der Preise für fossile Energieträger hat deutlich mehr zum Anstieg des Strompreises gesorgt als die Erneuerbaren. Hier nur ein Blick auf die indexierte Entwicklung des durchschnittlichen Erdgasimportpreises (Quelle: E-Control)

Warum kritisiert Boltz nicht angesichts dieser strompreissteigenden Gaspreisentwicklung die Eröffnung des mit 830MW leistungsstärksten Gaskraftwerks Mellach? Wirtschaftlich ist diese KWK-Anlage trotz höchstmoderner Anlagentechnik kaum darstellbar. Nicht, weil Gaskraftwerke generell keine Zukunft haben, aber weil diese enorme Kapazität wirklich schwer argumentierbar ist, wiewohl ein Teil davon die Kohlekraftwerke ersetzen soll. Taktisch interessant war ja, dass bei der Eröffnung von Mellach darauf hingewiesen wurde, dass es das Kraftwerk auch brauche, um die Schwankungen von Wind und PV auszugleichen. Nur zum Vergleich: aktuell sind in der Steiermark 53 MW Windkraft installiert. Positiv gesprochen könnte man es als Ansporn sehen, nun tatsächlich einige hundert MW in der Steiermark zu errichten. Jetzt, wo man schon das kleine Ausgleichskraftwerk errichtet hat…

Notwendiger Infrastrukturausbau

Dass die erneuerbare Energiezukunft insbesondere in ihrer internationalen Dimension mit Investitionen in die Infrastruktur verbunden sein werden, ist klar. Dass es Kraftwerke (etwa Windparks) geben wird, die zusätzliche Netze notwendig machen, ebenso. Die argumentative Strategie von E-Wirtschaft und in diesem Falle Boltz, die gesamten Mehrkosten des Netzausbau nur den Erneuerbaren anzurechnen, ist jedoch zynsich. Seit jeher fordern E-Wirtschaft und insbesondere Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten. Jahrelang lag hier lagen hier Pläne in der Schublade, wurden Forderungspapiere zwar geschrieben, wurde auch für den Netzausbau lobbyiert, aber es kommt wohl manchen nun zupass, dass man Windkraft und Photovoltaik als argumentatives Schutzschild und im Falle Boltz als argumentative Waffe vor sich her tragen kann?

Es wäre wichtig, präzise, unabhängige Informationen darüber zu haben, welchen Netzausbau es für welches Szenario genau brauchen wird. Als unabhängig sehe ich dabei aber nicht die Netzbetreiber und auch die E-Control fällt aufgrund einer derart einseitigen politischen Positionierung eher aus. Die Effekte der Dezentralisierung sind in der Analyse übrigens ebenso zu berücksichtigen.

Viel gäbe es noch zu sagen zur kostenminierenden Rolle der Erneuerbaren, aber ein vorläufiges Fazit: ja, die Energiezukunft wird Geld kosten, was unter anderem daran liegt, dass keine Kostenwahrheit in der Energieproduktion gegeben ist und Strom in den vergangenen Jahrzehnten nahezu unglaublich billig gewesen ist. Eine Verteuerung ist unausweichlich. Aber es läuft etwas falsch, wenn in der öffentlichen Debatte nur den Erneuerbaren alle Kosten umgehängt werden, während man fossile Energieträger (und in europäischem Kontext Nuklearenergie) als normalen, kostengünstigen Weg betrachtet. Die Notwendigkeit einer Transformation Richtung Erneuerbare ergibt sich nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch daraus, dass das Zeitalter von billigem, konventionellen Öl und Gas vorbei ist. (siehe www.aspo2012.at) Dies sollte endlich strukturell begriffen werden.





Die geopolitische Dimension von Peak Oil und Ressourcenknappheit – ASPO Konferenzvorschau (Teil 2)

27 05 2012

Leider komme ich aktuell nicht in jenem Ausmaß zum bloggen wie erhofft. Es sind nur mehr wenige Stunden bis zum Beginn der ASPO-Konferenz in Wien. Nach einer ersten Übersicht, warum die “Lessons Learned” gerade in der  Peak Oil-Diskussion so relevant sind, widme ich den heutigen Beitrag kurz der geopolitischen Perspektive.

Wer die internationalen Nachrichten verfolgt, wird in Konfliktfällen häufig direkt oder indirekt auf Ressourcenfragen aufmerksam. Ob im Nahen Osten, im Sudan, aktuell im südchinesischen Meer (siehe ARD-Bericht), im wieder aufkeimenden Konflikt rund um die Falkland-Inseln (siehe Spiegel Bericht). Sehr oft steht der Streit um Ansprüche an Ressourcen und insbesondere Öl und Gas im Zentrum. Siehe etwa auch die Folgewirkung auf nervöse Märkte und Öffentlichkeit im Rahmen der Auseinandersetzungen in Libyen oder mit dem Iran (Straße von Hormus)

Es wäre wohl reduzierend, wenn man jeden internationalen Konflikt auf Energiefragen runterbrechen würde, aber ein Zusammenhang ist offensichtlich. Daher widmet sich die ASPO auch ausführlich der internationalen Politik und zentralen Fragestellungen rund um Energiesicherheit und geopolitische Aspekte. Die Above-Ground Faktoren werden schlicht immer wichtiger in der Analyse.

Die Abhängigkeit von Importen bei Öl und Gas führt auch zur politischen Abhängigkeit. Die Rohölimporte Österreichs beliefen sich im Jahr 2010 auf etwa 6,8 Mio. Tonnen, wobei Österreichs wichtigste Rohöllieferanten im genannten Jahr Kasachstan (1,8 Mio. t), Libyen (1,6 Mio. t) und Russland (0,7 Mio. t) waren. In den Jahren 2008 und 2009 war noch der Irak an zweiter Stelle. Nicht viel anders is das Bild bei Erdgas. 80% Prozent des österreichischen Gasbedarfs wird importiert, davon der überwiegende Teil aus Russland.

Es ist daher eine große Ehre, dass mit Michael Klare einer der renommiertesten Experten zum Themenkomplex “Internationale Konflikte” und Ressourcen zur ASPO-Konferenz nach Wien kommen wird. Klare hat kürzlich das Buch “The Race for What´s Left. The Global Scramble for the World’s Last Resources” veröffentlicht. (hier ein Beitrag auf Huffington Post zum Buch) Er ist Five-College Professor zu Friedens- und Sicherheitspolitik und unter anderem auch Korrespondent für sicherheitspolitische Fragen von “The Nation”.  In seinem Buch gibt er einen sehr guten Überblick über die Verquickung von Ressourcenfragen mit den aktuellen Konfliktherden. Es zeigt deutlich, wie zentral die Frage des Zugangs zu Energieressourcen und entsprechendem Vermögen für viele Staaten ist und dass entsprechend keine Wege und Mittel gescheut werden, den Zugang sicherzustellen oder zu erhalten. Bedingt bzw beschleunigt wird dies eben dadurch, das Öl und Gas nicht mehr in jenem Maße bzw zu jedem Preis verfügbar ist wie früher.

Zur Frage der Energiesicherheit Erneuerbarer Energieträger (mit ebenso einer spezifischen geopolitischen Einschätzung) wird Karen Smith-Stegen sprechen. Sie ist Professorin für Erneuerbare Energie und Umweltpolitik an der  Jacobs University und am Bremer Energie Institut.

Weitere Experten am Podium sind Karin Kneissl, Jörn Richert und Daniele Ganser (ASPO Schweiz)

Karin Kneissl ist in Österreich als Nahost-Expertin bekannt und publiziert seit vielen Jahren auch zu Energiethemen, siehe u.a. “Der Energiepoker“  Wie eng die großen Infrastrukturprojekte im Energiebereich mit höchst brisanten, politischen Fragen verknüpft sind, ist auch am Nabucco-Projekt zu sehen, worüber Karin Kneissl kürzlich diesen lesenswerten Kommentar in der Presse geschrieben hat.

Vor zwei Jahren hat die Bundeswehr Studie “Peak Oil – sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen” für enormes Aufsehen gesorgt. Auch hier werden die unterschiedlichsten Facetten im Verhältnis Ressourcen/Energie und Sicherheitspolitik, internationale Konflikte analysiert. Jörn Richert vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr, Dezernat Zukunftsanalyse, wird ein Redner am Podium sein, der die Studie und Folgeaktivitäten bestens kennt.

Die Diskussion soll zu einem noch besseren Verständnis der komplexen internationalen Zusammenhänge beitragen und auch einen anderen Blickwinkel auf das Weltgeschehen ermöglichen. Letztlich ist dieses Verständnis auch wesentlich für Fragen der Energiesicherheit und eine entsprechende strategische Ausrichtung, die nicht nur durch sicherheitspolitische, sondern auch durch energiepolitische Entscheidungen getragen werden muss.








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