Blick über den großen Teich: wie geht´s dem Shale-Boom? Teil 1: Der Klimaschutz-Effekt.

31 01 2014

Motivation: Häufig ist in der europäischen Energiedebatte zu hören, dass der US-Shale Boom die Grundlage für eine wirtschaftliche Renaissance ist und dabei auch noch einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz leistet, weil die die CO2-Emissionen durch den Ersatz von Kohle durch Gas sinken würden. Dieser Beitrag versucht – jetzt wo man nach einigen Jahren des Booms eine erste Zwischenbilanz ziehen kann – einige Pro-Shale Argumente kritisch und sachlich unter die Lupe zu nehmen. Nicht nur die Argumente der Kritiker verfolge ich, sondern insbesondere auch jene der Shale-Promotoren. Drei Beiträge sind vorerst geplant: 1. Zum Klimaschutzaspekt 2. Zu Ökonomischen Effekten in den USA 3. Zu weiteren ökologischen Fragestellungen und europäischen Perspektiven.
Here we go…

Der US-amerikanische Shale Boom ist angesichts der erhöhten Öl- und Gasproduktion tatsächlich eine der bemerkenswertesten Energie-Entwicklungen in den vergangenen Jahren. Der Boom dient auch als Anlass für Akteure aus dem Energiesektor und der energieintensiven Industrie, stark Richtung Shale Optionen für Europa zu pushen und für billigere Energie zu werben. Die sogenannte Reindustrialisierung der USA wird einer möglichen Deindustrialisierung Europas entgegengesetzt. Zudem wird vermittelt, dass Schiefergas die Klimabilanz der USA nachhaltig verbessert, weil die Kohle aus dem Markt gedrängt wird. Zuletzt beschrieb der neue Siemens-Chef Kaeser die USA als Energiewende-Vorbild (siehe Tagesspiegel), ebenso wie in Österreich schon E-Control Vorstand Walter Boltz (siehe USA als besserer Klimaschützer in der Presse) und gerade erst vor wenigen Tagen Standard Redakteur Eric Frey.

Ein konkreter Blick:

Ersetzt Schiefergas die Kohle?
Tatsächlich zeigen die US-amerikanischen Energieverbrauchsdaten einen Rückgang der Kohlenutzung von 2008 bis 2012 (bei gleichzeitigem Anstieg des Kohleexports – insbesondere nach Europa und auch nach Österreich).
Ein Grund dafür ist der in diesem Zeitraum geringer gewordene Preisunterschied zwischen Kohle und Gas in den USA. Dazu hat einerseits die erhöhte Gasproduktion bei zugleicher schwächelnder Energienachfrage (Krisenjahre post 2008) und andererseits ein Anstieg des Kohlepreises geführt.
houser6567Vor wenigen Wochen wurde vom Peterson-Institutes for International Economics das sehr lesenswerte Buch “Fueling Up” präsentiert, in dem sich – übrigens mitfinanziert von Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie und dadurch definitiv nicht dem üblichen Kritikerlager zuzurechnen – die Autoren Trevor Houser und Shashank Mohan intensiv mit den Folgen des neuen Öl- und Gasbooms beschäftigt. Sie erläutern die Entwicklung am Beispiel Stromproduktion folgendermaßen: Zwischen 2000 und 2007 lag der Kohlepreis bei durchschnittlich 1,42 US-$ pro MMBtu (Million British thermal Units), während Erdgas $ 5,81/MMBtu kostete. 2010 und 2011 änderten sich die Preise schon auf $ 2,30 für Kohle, während Gas auf $ 4,90 fiel. Und 2012 lag das Niveau bei durchschnittlich $ 2,41 für Kohle und $3,43 für Gas. Also innerhalb von 5 Jahren änderte sich das Verhältnis von 1:4 auf 1:1,4. 2012 bot den geringsten Spread seit Anfang der 70er Jahre, wie die Autoren erläutern.
Der Anteil der Kohle an der Stromproduktion fiel in diesem Zeitraum von 48 Prozent auf 32,6 Prozent im April 2012, während der Erdgas-Anteil von 21 auf 32,3 Prozent stieg.

Jedoch zeigen die ganz aktuellen Daten der EIA, dass dieser Trend möglicherweise gestoppt ist. 2013 ist der Kohleverbrauch auf ähnlichem Niveau wie 2012.

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Und auch die preisbezogene Grundlage für den Trend dürfte sich ändern, denn der Erdgaspreis zieht aktuell – weitgehend unbemerkt in Europa – wieder stark an. Das ist teilweise witterungsbedingt (kalter Winter), aber nicht nur. Nach Einschätzung vieler Experten wird die Förderung von Schiefergas auf dem geringen Preisniveau der vergangenen zwei Jahre nicht profitabel sein. (dazu mehr in Teil 2)

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Entwicklung der US-Treibhausgasemissionen
2012 lagen die US Treibhausgas-Emissionen – nach gängiger Berechnungsmethode (siehe später) – 12 Prozent unter dem Niveau von 2005. Zum Vergleich: jene der EU-Staaten waren 10 Prozent niedriger als 2005. Im Vergleich zum Kyoto Basisjahr 1990 sieht die Bilanz der EU jedoch deutlich besser aus als jene der USA. Im Gegensatz zu Europa sind die USA-amerikanischen Emissionen immer noch höher als 1990,  obwohl die USA generell einen deutlich höheren pro Kopf Ausstoß verzeichnet.
usenergyInteressant ist die Analyse, warum die Emissionen in den USA in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Im Vergleich der CO2-Emissionsverringerung mit den ursprünglich angenommenen Szenarien stellt die Studie „Fueling Up“ fest, dass zwei Drittel des Emissionsrückgangs 2012 der deutlich geringeren Wirtschaftsleistung nach 2008 zu verdanken ist. Der Energieverbrauch ist zurückgegangen. (siehe Graphik/Datenquelle EIA) Der Wechsel von Kohle zu Gas hatte zwar einen signifikanten Effekt bei der Stromproduktion, wo er laut Hochrechnung zu 65 Prozent des Emissionsrückgangs zwischen 2005 und 2012 beiträgt. Bemerkenswerte 30 Prozent werden übrigens dem ebenso stark gestiegenen Windkraftanteil zugerechnet. Ein Faktor, der in der europäischen Debatte über den US-Weg häufig vergessen wird.
Aber auch hier zeigt sich. Der Trend wurde 2013 gestoppt. Die Treibhausgasemissionen sind nach aktuellem Berechnungsstand um zwei Prozent gestiegen. Der Grund ist klar: die Konjunktur springt wieder an; der Kohleverbrauch ist nicht weiter gesunken.

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(Graphik: US Treibhausgasemissionen sind 2013 wieder gestiegen)

Blick in die Zukunft
Bei allen Unwägbarkeiten, die in der Entwicklung von Szenarien bestehen, können sie doch aufschlussreiche Fingerzeige liefern sein. Während in unseren Breiten mancherorts kommuniziert wird, dass der US-amerikanische Weg dank Schiefergas Boom das Klimaproblem gleich mitlöst, sind fundierte US-amerikanische Einschätzungen vorsichtiger. Langfristig sehen etwa die Autoren von “Fueling Up” nur einen bescheidenen Klimaschutz-Effekt, was bei der Präsentation der Studie für einige enttäuschte Reaktionen sorgte. Alle drei Szenarien der Studie gehen von einem Anstieg der Treibhausgasemissonen Richtung 2030 aus. Zwar dürfte das Niveau unter jenem von 2005 bleiben, aber zugleich über jenem von 1990. Dass die Emissionen übrigens nur leicht steigen werden ist insbesondere dem Umstand zu verdanken, dass in den USA Effizienzstandards insbesondere im Transportsektor greifen werden. Ein Umstand, auf den schon die Internationale Energie Agentur verwiesen hat. Eine Folge von – hört hört – entsprechenden Regulativen und des kontinuierlich über 100 US-$ liegenden Öl-Weltmarktpreises.
Der Kern der Aussage ist, dass der Energieverbrauch weiter ansteigen wird, insbesondere wenn Energiepreise niedrig bleiben (was man anzweifeln kann). Es gibt sozusagen auch hier den viel zitierten Reboundeffekt. Die einzige Variante, in der die Autoren eine signifikante Reduktion der Treibgasemissionen errechneten, ist jene in der ein eine CO2-Steuer bzw. ein Preis von 15 US-$ pro Tonne CO2 in den Markt einwirkt. Nicht unähnlich übrigens den Annahmen des World Energy Outlook, nur dass das Preisniveau noch deutlich höher angesetzt wird, um die aus Klimaschutzgründen notwendige Reduktion zu erreichen.
Was das bedeutet, ist aus meiner Sicht klar: will man die Treibhausgase reduzieren, braucht es einen entsprechende Preis für fossile Energie. Die Verfügbarkeitsgrenzen wurden durch den Schiefergasboom temporär ausgedehnt, aber das Konzept Billige Energie ist hauptverantwortlich dafür, dass wir am Klimaschutz scheitern werden.

Höhere Treibhausgasemissonen durch Leakage
Kurz zu einem Aspekt, der möglicherweise ebenso unterschätzt wird und Gegestand von mittlerweile einer Reihe von Analysen mit unterschiedlichen Ergebnissen ist. Denn nicht einberechnet in die Treibhausgasbilanzen ist, dass die Schiefergasförderung möglicherweise mit deutlich höheren Methanemissionen einhergeht. Methan ist für 9% der Gesamttreibhausgasemsisionen der USA verantwortlich) Laut US-Umweltagentur EPA trägt die Produktion, Umwandlung und der Transport von Erdgas 25% der US-Amerikanischen Methanemissionen bei. Der Verlust durch Leakage wird mit 1,5% Leakage angenommen.
Wie auch der deutsche Energieexperte Werner Zittel (Ludwig Bölkow Systemtechnik) kürzlich als Gast des Klima- und Energiefonds und des EEÖ in Wien ausführte, ist diese Annahme deutlich optimistischer als Studien etwa der Cornell University. Mehrere Quellen gehen von durchschnittlich über 3% Leakage aus. Siehe auch diesen Nature Artikel. Insofern sind jedoch die oben dargestellten Emissionsdaten mit Vorsicht zu genießen. Entweicht mehr Methan durch die ausgedehnte Schiefergas-Förderung, zeigt die Kurve wieder stärker nach oben.

Die Autoren von “Fueling Up” schliessen aus ihren Analysen:„On balance, the oil and gas boom is neither the environmental saviour that industry proponents claim nor the existential threat that many in the environmental community see.”

Meine Rückschlüsse daraus:

  • Ein Rückgang der US-Treibhausemissionen kann zwischen 2008 und 2012 konstatiert werden. Gestiegene Methanemissionen aus der Schiefergas-Förderung sind  dabei jedoch ein Unsicherheitsfaktor.
  • Haupttreiber des Emissionsrückgangs war die Wirtschaftskrise, die den Energieverbrauch drosselte. Seit 2013 zeigt die Emissionskurve leider wieder nach oben.
  • Schiefergas löst das Klimaproblem nicht. Es kann unter Voraussetzungen wie in den USA ein temporäre Alternative zur Kohle sein, wird aber nicht wirken, wenn nicht unabhängig davon regulative oder preissteigende Maßnahmen für die CO2-Schleuder Kohle ergriffen werden.
  • Jede Strategie, die darauf abzielt, fossile Energie möglichst billig anzubieten, wird letztlich zu einem Anstieg des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen führen – auch wenn das die Lobbies einzelner Branchen nicht gerne hören.

Teil 2 folgt demnächst.





Buchpräsentation: “Der geplünderte Planet” (mit Ugo Bardi)

9 12 2013

Kommenden Mittwoch, am 11.12.2013, findet in Wien die Präsentation von Ugo Bardis Buch “Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen” statt. Die Veranstaltung im Rahmen von Wachstum im Wandel  wird Anlaß sein, Einblick in den Status Quo der Entwicklung kritischer Rohstoffe zu erhalten und gemeinsam mit dem Buchautor und den Ökonomen Sigrid Stagl (Professorin für Umwelt- und Regionalwirtschaft, Wirtschaftsuniversität Wien) und Kurt Bayer  (langjähriger Boarddirector der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) darüber zu diskutieren, wie der Umgang mit limitierten Ressourcen in einem gleichzeitig völlig wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystem aussehen könnte.

Alle Details zur Veranstaltung sind auf der Wachstum im Wandel Seite zu finden. (hier auch englischsprachig; die Veranstaltung wird in englischer Sprache stattfinden) In Kooperation mit der ÖGUT organisieren wir diese Veranstaltung.

Ugo-Bardi_Der-geplünderte-Planet1-182x300Das Buch, das zugleich 33. Bericht an den Club of Rome ist, kann sehr empfohlen werden. Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität in Florenz, zeigt gemeinsam mit 15 weiteren renommierter Experten die Zusammenhänge von Ressourcen, Umwelt, Wirtschaft und Politik auf. Ausgehend von der Geschichte des Bergbaus erhält man ein Update über viele Rohstoffe, die zentral für unser wirtschaftliches Handeln sind.  Bardi verweist bereits in seiner Einleitung auf die viel zitierten Limits to Growth vor über 40 Jahren. Es sei eines der großen Missverständnisse im öffentlichen Umgang mit Limits to Growth, dass viele der besagten  Rohstoffe einfach ausgehen würden. Die ökoligischen aber auch ökonomischen (und teils auch politischen) Implikationen von schlicht steigender Nachfrage bei zugleich kritischer Verfügbarkeit sind die zentrale Message. Ein wesentlicher Faktor dabei ist der Preis. Neue Technologien werden uns nur teilweise helfen können, das Dilemma eines wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems bei limitierten Ressourcen zu lösen. Teurer wird es jedenfalls. Ob Seltene Erden, Kupfer, Zink, Nickel, natürlich Erdöl und viele mehr – ihr Fördermaximum könnte bald erreicht sein. (Phosphor ist ebenfalls ein gutes Beispiel. siehe auch den Beitag aus dem HEUREKA Wissenschaftsmagazin)

All das ist nicht nur aus ökologischen Gründen hochbrisant, sondern auch unser Wirtschaften wird nachhaltig von der Rohstoffentwicklung beeinflusst. Doch lauten die Prioritäten derzeit andere. Billiger müsse unserer Standort laut Industriellenvereinigung werden; quantitatives Wachstum scheint die zentrale Strategie aller europäischen Regierungen zu sein. Differenziert wird kaum, welche Bereiche wachsen sollen und welche kontraproduktiv seien. Die enormen Risiken dieser Strategie werden weitgehend ausgeblendet. Politisch teilsweise verständlich, denn aktuell bedeutet schwachses Wachstum mehr Arbeitslose.

Letztendlich schauen die Szenarien dann folgendermaßen aus: Der World Energy Outlook 2013 der Internationalen Energie Agentur ist dafür ein gutes Beispiel. Er geht in den zentralen Szenarien von einem globalen jährlichen 3,6 Prozent BIP Wachstum ist. Klingt vielleicht für manche harmlos, bedeutet aber letztlich eine nahezu Verdopplung des Gesamt-BIP innerhalb von gut 20 Jahren (exponentielles Wachstum). Dieses Wachstumsszenario basiert zu über drei Viertel auf fossiler Energie, dessen Verbrauch ebenso mitsteigen wird.

weoenergydemand(Quelle World Energy Outlook 2013)

Ein weiteres Szenario, das kürzlich bei einem Vortrag vom Stefan Giljum von der Forschungsgruppe „Sustainable Resource Use“ an der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ gezeigt und kritisch betrachtet wurde: der globale Ressourcenverbrauch der vergangenen 30 Jahre und die Projektion in die Zukunft. Siehe auch dieses lesenswerte orf.at Interview mit Giljum.

materialscenarioQuelle ist der äußerst interessante und gut aufbereitete Bericht “Greening economies around the world? (ua. SERI)

Weiterwachsen lautet das Motto. Die Treiber dafür sind insbesondere die Nicht-OECD Staaten. Etwaige Preiseffekte aufgrund limitierter Verfügbarkeit bei steigender Nachfrage sind hier übrigens nicht berücksichtigt. Wie generell Ressourcenknappheit keine Auswirkungen auf die Szenarien und entsprechende Politiken haben dürfte. Was zur simplen Frage ungeachtet aller zentralen ökologischen Fragestellungen führt: wie soll sich das alles ausgehen? Martin Kugler beschrieb zuletzt in der Presse einige aktuelle Forschungsarbeiten, die zeigen, dass sich das angestrebte Wirtschaftswachstum  nicht auf umweltschonende Weise erreichen lässt.

Technologie allein wird dieses Problem nicht lösen. Der Ruf nach billigerer Energie schon gar nicht. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt aber auch nix, denn sogar dieser wird zum hochbegehrten Rohstoff des Bausektors.

Also bleibt die Frage, wie die Alternative aussieht?

Möge uns der 11.12.  einige Hinweise liefern.
to be continued…





WEO 2013 or The Art of Reframing the Energy Challenge (part 1)

15 11 2013

Preface: this blogpost has been written in collaboration with Austrian energy experts Michael Cerveny and Andreas Veigl. Thanks for their substantial contributions!

A few days ago the new World Energy Outlook has been released by the International Energy Agency (IEA). For many experts, consultants, stakeholders it is like an annual “bible” providing tons of informations, scenarios, graphics, and analysis on a high level. And indeed it is worth reading. But even more important than the 700+ pager itself are the summaries and the presentations to press. There is intense media coverage of the report and statements by IEA chief economist Fatih Birol. The question of media focus is decisive for the energy debate in many countries. Vienna again had the privilege to host a presentation of the World Energy Outlook only one day after the worldwide release in London. Again OMV invited to magnificent Hofburg for the WEO presentation and a panel discussion with Birol, OMV CEO Gerhard Roiss and Fabrizio Barbaso, who represents the EU-Commission. A webcast of the event can be watched online.

Why is that important? As the WEO provides so many different information the question is what do decision makers and stakeholders take with them? In 2012 the public message was clear: shale revolution, Saudi America, new geopolitical situation, enormous importance of China. It left traces in the public energy debate. Everybody believed the shale boom, substantial critics were overheard for a long time.

So what message can be picked this year? WEO2013 provides a variety of possibilities.

weo_carbonIn Fatih Birol´s presentation it became very obvious that the challenge of tackling climate change is substantial and – according to the “New Policy Scenario” (the central one of the WEO) – we are now on track to a global warming of 3,6 degree C. A real disaster remembering the messages of the recently published IPCC-report. In his chart Birol very clearly pointed out that after 2035 we have nearly burned up our carbon budget to keep the 2 degree C target. Until 2035 a further increase of energy demand and fossil energy supply is projected with only a weak decrease of the fossil energy share.  (82 percent now to 74 percent in 2035) The increase will primarily come from non-OECD countries. (source: World Energy Outlook: Presentation to press)

So what have the main stories been in European media?

Has it been the climate disaster we are facing? Has it been the message that the shale revolution looks like a temporary phenomenon as Birol stated too? No, a new disaster has been identified. Some examples:

Guardian: US’s cheap energy pricing out UK industry

Neue Zürcher Zeitung claims Europe to become the loser on energy markets “Europa ist der Verlierer am Energiemarkt

Der Spiegel focuses on shale gas, price and competitiveness: “Fracking verschafft US-Industrie Vorteile gegenüber Europa

Sueddeutsche Zeitung “Quellen der Angst“ (mentioning at least some critical aspects on this sort of industrial panic)

See also FAZ here (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/welt-energiebericht-amerika-wird-groesster-erdoelproduzent-der-welt-12660919.html) or Austrian “Die Presse” and “Kurier” and many others.

So the focus has been lead from climate change to competitiveness powered by this chart taken from the presentation to press. It shows a scenario for the development of market shares for energy intense goods between 2011 and 2035:

share_energyintenseindustry(source: World Energy Outlook: Presentation to press)

The inability to understand the implications of exponential growth

The media attendance to WEO2013 highlights the relation between energy and competitiveness. Disparities in energy prices between countries and regions, especially for natural gas and electricity, have widened significantly and will – according to the IEA – not vanish completely in the next two decades. Especially the fact that the US-industry enjoys gas and electricity prices that are two to three times lower than in Europe has fueled the “hype” for “cheap” shale gas around the world. Industry leaders in Europe are pushing governments clearly into the direction of making fracking possible and of reducing the “market-distorting” subsidies for renewables. Fatih Birol himself stated several times that he is not optimistic that the US shale boom can be transferred to Europe and China. (eg this interview a few days ago)

The slide above is a major reference for industry representatives like Georg Kapsch, who is President of the Federation of Austrian Industries. In his opening speech in Hofburg he interpreted it as “a nightmare for us” to lose one third of our energy intensive industries exports till 2035.

BUT!

Is Europe’s energy-intensive industry[1] really going to lose one third of its exports according to the IEA’s World Energy Outlook? Does it lose anything?

No, not at all! Austrian energy experts Michael Cerveny and Andreas Veigl allowed themselves to calculate the growth based on the data in the WEO: Having a closer look at the growth rates in this scenario Europe’s exports of energy-intensive goods will grow by 2.2 percent per year!

annualgrowthrates
How did they calculate this figure? On page 33 the IEA reveals the underlying assumptions for their scenario. The growth rate for world GDP is assumed with 3.6 % per year (from the base year 2011) through to 2035. As the IEA does not reveal which growth rate for the exports of the energy-intensive industry they assumed,  above mentioned annual growth rate of 3.6 % for world GDP has been taken into account. (a plausibel assumption in our view) The graph shows the result of applying the IEA’s assumption of exponential growth to the export volume.
Within the 24 years period between 2011 and 2035 the global volume of exports of energy-intensive goods grows by a staggering 134 %. As usual the implications of (exponential) growth over a longer period are ignored by most people.
exportmarketintensivegoods
Europe’s loss of ten percent-POINTS of the market-SHARE does not mean that the European exports are set to shrink. In fact they are going to grow by more than two percent per year. As even higher growth rates for other countries or regions (e.g. 5.2 to 6.6 % per year for China, India and Middle East) are predicted by the IEA the logical result is the loss of Europe’s market SHARE. By the way, China’s natural gas and electricity price levels are and will be in the same range as those in Europe. So there might be other reasons for the “low” growth rates of Europe’s export industry than just the price of energy.

Talking about disaster… and the industrial spin.

So the interpretation of the WEO2013 chart is really misleading as it indicates that the European energy-intensive industry is about  to shrink.  Despite scepticism that the assumed growth rates in the WEO scenario will be possible (talking about “Limits to Growth”) the WEO2013 data is not a substantial reason to panic for European industry. Expect possibly one: the fact that if the IEA-scenario will come true, our climate will collapse and this might be the real disaster of our and coming generations. But that is not part of a spin succesfully placed by industry represenatives.

Postface: This blog post is an invitation for further discussion. Do not hesitate to comment (and criticize) our assumptions and interpretations.

Another interesting blog post on the WEO2013 has been written by Andreas Lindinger.

A different German language FactSheet on the messages of WEO2013 can be found here: Klima- und Energiefonds


[0] Wikipedia:  Framing in the social sciences refers to a set of concepts and theoretical perspectives on how individuals, groups, and societies organize, perceive, and communicate about reality. Framing is commonly used in media studies, sociology, psychology, and political science.

[1] The energy-intensive industry employs almost 10 % of all industry jobs and comprises the following industries: Chemicals, Aluminium, Cement, Iron and steel, Pulp and paper, Glass, Refining





Vor dem World Energy Outlook 2013: der Shale Boom wird überschätzt, die Kosten des fossilen Booms ignoriert.

8 11 2013

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Die Energiewelt wird ihre Augen nach London richten, wo wie jedes Jahr der World Energy Outlook (WEO2013) der Internationalen Energieagentur präsentiert werden wird. Der WEO ist wesentlicher Gradmesser für Szenarien und Trends der globalen Energieentwicklung und ein maßgeblicher Einflussfaktor in der energiepolitischen Debatte. Doch mehr noch als der überaus lesenswerten Bericht sind die Kernbotschaften der Präsentation im medialen Fokus. (siehe auch meinen Guensblog Kommentar zum WEO2012).  Im vergangenen Jahr hatte die Präsentation des WEO stark dazu beigetragen, den US-Boom durch die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas zu etablieren. (Stichwort „Saudi America“ und US-Energieunabhängigkeit) Dies hat die Debatte über die Energiezukunft substanziell beeinflusst. Nicht mehr die erneuerbaren Energieträger gelten für viele als Weg zur Energieunabhängigkeit, sondern die Fossilen auf Basis nicht-konventioneller Fördermethoden wie z.B. für Schiefergas oder Schieferöl. (Tight Oil)

Doch die – auch von massivem internationalen Lobbying begleitete – Welle für die neuen fossilen Energiequellen wird möglicherweise nicht halten, was sie der Öffentlichkeit und den Kapitalmärkten verspricht. Eine Veranstaltung des Klima- und Energiefonds und von Erneuerbare Energie Österreich diskutierte kürzlich die Perspektive des kommenden World Energy Outlook vor dem Hintergrund des aktuellen IPCC-Berichts und die Frage, ob der Shale Hype gerechtfertigt ist. Schliesslich trägt er dazu bei, die Erneuerbaren in der öffentlichen Debatte unter Druck zu bringen.

Boom or Bubble?

Ein Jahr nach dem WEO 2012 werden nun auch die kritischen Stimmen wahrnehmbarer. Viele geologische, ökonomische und ökologische Faktoren wurden beim Shale Hype außer Acht gelassen. Einige Schiefergas-Explorationsversuche wurden mangels Erfolg und nicht darstellbarer Profitabilität wieder eingestellt ( z.B. Polen). Mehrere große Unternehmen verzeichneten zuletzt hohe Abschreibungen, weil sich Shale-Projekte als nicht profitabel herausstellten. Sogar Shell-CEO Peter Voser meinte kürzlich (6. Oktober 2013) in der Financial Times, dass noch negative Überraschungen bei Schiefergas- und Schieferöl Explorationen bevorstünden und die Shale Revolution „overhyped“ sei. “Unconventionals did not exactly play out as planned. We expected higher flow rates and therefore more scalability for a company like Shell” wird Voser in der FT zitiert.

Ein wichtiger Grund für die wachsende Skepsis (sogar bei US-Energy Information Agency wird man vorsichtiger) ist die „Depletion Rate“. So geht etwa die Ausbeute im größten Revier, der Bakken Formation, nach einem Jahr um 69% und nach fünf Jahren um 94% zurück. In Barnett, einer weiteren wichtigen Formation, geht die Ausbeute nach 5 Jahren um 50% zurück. D.h. nicht, dass nicht weiter gefördert wird, aber es wirkt sich auf die Profitabilät aus. David Hughes, Geologe und Autor des Reports „Drill Baby Drill“(Post-Carbon Institute) meinte im Mai dieses Jahres nach einer genauen Feldanalyse: „The cheap price bubble in the US will burst within two-to-four years”.  Zu Bakken ist auch dieser Beitrag von Christoph Senz lesenswert.

Steffen Bukold, Keynote-Speaker bei der Veranstaltung, erläuterte, warum Shale Gas in Europa keine relevante Option in naher Zukunft sein wird:

  • Die Mengen in Europa sind zu gering, um die Importabhängigkeit nennenswert abzubauen
  • Weltweit gibt es noch über Jahrzehnte hinweg mehr als genug konventionelles Gas
  • Shale Gas ist in Europa nicht billiger als konventionelles Erdgas
  • Die Gewinnung ist ein industrieller Produktionsprozess; es braucht tausende von Bohrungen – ein großer Unterschied zur konventionellen Öl- und Gasgewinnung
  • Hohe Umweltrisiken (Große Fracjobs benätigen in den USA: 50.000 t Sand; 1 Mio. Tonnen Wasser; 30.000 Tonnen Chemikalien)
  • Klimabelastung durch Methanemissionen

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Die Folie aus dem Vortrag von Steffen Bukold zeigt, dass auch Shale Oil keinen maßgeblichen Anteil an Weltölversorgung beitragen wird. Die konventionell förderbaren Mengen gehen jedoch zurück – im Sinne dessen, dass die Förderrate zurückgehen wird. Um die Steigerbarkeit der Öl-Fördermenge zu erreichen, muss also der gesamte Mix an nicht-konventionellen Öl Methoden herhalten. Das wird jedenfalls teuer und auch riskant im Sinne massiver Umweltzerstörung.

Es wird Zeit über die Kosten fossiler Energie zu reden.

Neben dem wichtigsten Aspekt, der Klimafrage, ist auch eine ökonomische Bewertung der fossilen Energiezukunft notwendig. Während Teile von Politik und Industrie nach billiger Energie rufen, steigen die jährlichen Kosten für fossile Energieimporte um Milliarden. War ein Barrel Öl vor einigen Jahren $25-30 wert, ist der Preis mittlerweile konstant bei rund $100. Die Verfügbarkeit von billigem Öl ist deutlich zurückgegangen.  Die gängigen Szenarien gehen jedoch von einer weiteren Steigerung der Nachfrage aus.

bukold_kostenfossiledeBukold hat in einer Studie für die Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag die Kosten der fossilen Energieimporte berechnet und für die Zukunft projeziert. Die Graphik zeigt den enormen Anstieg der Kosten für fossile Energieimporte. 2012 waren es 94 Milliarden Euro. Zehn Jahre davor waren es noch 33 Milliarden Euro. Bei den Regierungsverhanldungen ist dies jedoch kein Thema. Sehr wohl die Kosten für den im Land selbst produzierten Ökostrom. Es ist offensichtlich, dass die Politik hier die fossile Seite ignoriert und im aktuellen Machtkampf der deutschen Energiepolitik die Erneuerbaren gezielt unter Beschuss steht. Ungeachtet notwendiger Adaptionen im deutschen und auch europäischen Strommarkt, ist dies ein Ungleichgewicht in der Debatte, das sich ändern sollte. Wir müssen über die Kostenbelastung durch fossile Energie reden!

Auch Fatih Birol warnt vor überzogenen Shale Erwartungen!

Die Erwartungshaltungen an Shale sind – insbesondere fernab der USA- deutlich übertrieben, eine Transferierbarkeit des US-Shale Booms auf Europa oder China ist aktuell nahezu unmöglich und die Ära billigen Öls ist definitiv vorbei. Sagt das eine der Peak Oil Forscher? ASPO? Nein, das sagte Fatih Birol, Chiefeconomist der IEA und Hauptverantwortlich für den World Energy Outlook, vor wenigen Tagen. Ein Indiz dafür, dass die IEA den Spin, der im vergangenen Jahr aus dem WEO2012 herausgelöst wurde, heuer relativieren wird. Man beachte dieses Interview, das vor wenigen Tagen in Channel NewsAsia gegeben hat. Mögen auch die europäischen Medien diese Differenzierung wahrnehmen:

birol(picture link to ChannelNewsAsia)

Es wird Zeit, den massiven, heftig lobbyierten fossilen Spin der vergangenen Jahre wieder zurechtzurücken.





Der Shale Hype: Das Imperium schlägt zurück

29 01 2013

Wer die internationalen Medien zur Entwicklung der Energiemärkte verfolgt, wird signifikante Änderungen in der Schwerpunktsetzung festgestellt haben. Die Debatte rund um die Energiezukunft dreht sich in eine völlig andere Richtung. Schiefergas (Shale Gas) und Schieferöl (Tight Oil) geben nun den Ton an. Auch vor Österreich wird diese Trend nicht Halt machen. In diesem Beitrag geht es nicht nur um hochbrisante inhaltliche Dimension der nicht-konventionellen Gewinnung von Öl und Gas, sondern auch darum, wie sehr sie die medienöffentliche energiepolitische Diskussion beeinflusst und von den Proponenten der Energiewende keineswegs unterschätzt werden darf. Denn justament in Zeiten, wo es um massive Investitionen in die Energieinfrastruktur der Zukunft geht, ist das kein Zufall.

Terry Macalister, seit vielen Jahren beim Guardian verantwortlicher Redakteur für Energie, schrieb in einem Tweet im Dezember 2012:

“In two decades I have never come across such heavy lobbying than for shale gas. What a pity renewables cant get that financial muscle.

Und tatsächlich ist dies kein britisches Spezifikum. Shale ist international das große Energiethema. Erst vor wenigen Tagen – am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos – haben die Ukraine und Shell einen 10Mrd US-D Deal zur Gewinnung von Schiefergas präsentiert, der das Land mit dem drittgrößtem Schiefergaspotenzial in Europa erschließen soll. Die Fragezeichen, die dahinter stehen  – es beginnt ja erst die Exploration – sind nicht mehr öffentliches Thema. Shell Generaldirektor Peter Voser sagt in diesem BBC-Interview, dass man erst nach der Exploration entscheiden könne, ob die Kosten der Gewinnung überhaupt marktkompatibel seien. Ein entscheidender Punkt: denn ua durch unterschiedlichen geologische Voraussetzungen variieren die Kosten der Shale Gas Gewinnung enorm.

Die Rolle des IEA World Energy Outlook

Der World Energy Outlook 2012 der Internationalen Energie Agentur (siehe ua eine Analyse auf Guensblog) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Zug in diese Richtung abfährt. Die Kernbotschaft wurde in die ganze Welt gespinnt: Die USA werden dank unkonventioneller Öl- und Gasgewinnung “energieunabhängig”! Dass dies bei genauer Betrachtungsweise zwar nur dank des signifikant sinkenden Energieverbrauchs zu bewerkstelligen ist, wurde kaum mehr kommuniziert. Aber dennoch sei auch an dieser Stelle festgehalten: die Trendwende in den USA ist tatsächlich bemerkenswert. Auch wenn noch nicht abschätzbar ist, wie lange diese Entwicklung anhält, so denke ich auch, dass er von Peak Oil Experten unterschätzt wurde. Hier eine Graphik der US Energy Administration zur Shale Gas Entwicklung der vergangenen Jahre:

USShaleGasProd

Die Implikation des Booms sind weitreichend. Kommuniziert werden 600.000 neue Jobs in den USA; mit Ziel 3 Millionen bis 2020. Da Erdgas in den USA billig ist, der Strompreis für die Industrie ebenso, werden energieintensive Branchen in die USA gelockt (die Voest folgt diesem Ruf); insbesondere die chemische Industrie feiert ein US-Revival, was sich auch in Anlage- und Investmentstrategien niederschlägt (siehe Welt Artikel)

Der World Energy Outlook, mit Fatih Birol als Chief Economist als wichtigsten Kommunikator, der nun wochenlang schon mit dieser Botschaft auf Welttour ist, gibt der Öffentlichkeit die Sicherheit, dass sich dieser Trend durchsetzt. Dankenswerterweise vergisst Birol nicht darauf zu erwähnen, dass wir alle Klimaziele verpassen, aber dieser redundanten Botschaft fehlt wohl die mediale Attraktivität.

Die Shale Diskussion in Europa – ist der US Boom transferierbar?

Die Schiefergasdebatte ist schon länger in Europa angekommen; es gibt in einzelnen Staaten (etwa Frankreich) Förderverbote aufgrund von Umweltbedenken (Grundwasserverschmutzung); andere wie Polen wollen bei Non-Conventionals einsteigen. Die Kommission berät heuer gemeinschaftliche Strategien.

Es wird medial großer Druck aufgebaut. Europa würde Terrain verlieren, wenn es sich den Non-Conventional verschliesst. (siehe FT-Artikel va zur Petrochemie oder Europe must be sold on shale´s merits) Auch in Österreich wird diese Meinung mittlerweile stark vertreten. (siehe ua OÖN “Österreich kann auf Schiefergas nicht verzichten oder Presse Interview mit OMV Roiss und Huijskes “In Österreich ist nicht mal Nachdenken erlaubt)” Es war kein Zufall, dass die OMV den World Energy Outlook 2012 in Wien präsentiert hat, sondern der perfekte Anlass den Shale Boom in Österreich zu platzieren.

Der Spin hat sich tatsächlich in den vergangenen Monaten gedreht. War vor einem Jahr noch von “Energieunabhängigkeit” die Rede, meinte man energieunabängig auf Basis Erneuerbare Energie. Jetzt ist dieser Begriff international vom Shale Boom vereinnahmt worden. Angesichts der gigantischen Summen, die für Energieimporte drauf gehen, kein Wunder, dass großes Thema ist. Wie ProPellets kürzlich aufgezeigt hat, importierte die Europäische Union nach Angaben der DG Energy im Jahr 2005 4.510 Milliarden Barrel Rohöl. im Jahr 2011 waren es durch Einsparungen und den Umstieg auf erneuerbare Energie nur mehr 3.870 Milliarden Barrel. Trotz der gesunkenen Menge stieg in diesem Zeitraum der finanzielle Aufwand der EU für Rohölimporte von 232 Milliarden $ auf 427 Milliarden $, ein Plus von fast 200 Milliarden $. Grund: der gestiegene Preis.

Nun ist die Shale Situation in Europa in vielerlei Hinsicht anders als in den USA. Exxon Mobile ist in Polen mit der Shale Exploration gescheitert (“no demonstrated sustained commercial hydrocarbon flow rates”/siehe FT-Artikel); die Umweltauflagen sind dankenswerterweise höher. Die Besiedelung ist meist dichter – auch in Nähe der vermuteten Shale Vorkommen. Auch die Preiszusammensetzung ist in Europa anders als in den USA. Dies alles ist sowohl in der Strategieentwicklung wie auch in der öffentlichen Debatte zu berücksichtigen. Diese Strategie braucht es auf politischer Ebene, denn was aktuell passiert, ist, dass die fossilen Multis schnell agieren und ihre Reviere sichern. (“We go where the resources are”  Peter Voser/Shell im oben erwähnten BBC Interview) Und angesichts der Tatsache, dass sich die Liste der gewinnstärksten Unternehmen der Welt wie ein Who is Who der Öl- und Gaskonzerne liest, ist klar, wie voll die Kassen gefüllt sind, um weitere Eroberungen abzuschließen. Doch wie schaut unsere Antwort darauf aus?

Was jetzt wichtig wäre:

  1. Don´t simply trust the hype! Dass der US-Shale Boom wie eine Blase zerplatzt (wie manche Experten meinen) glaube ich mittlerweile nicht. Es wird in einigen Regionen auf Teufel-komm-raus gefracked. Die Perspektive einer neuen Industrialisierungswelle ist in den USA zu verheissungsvoll. Aber dieser Weg ist nicht 1:1 transferierbar. Geologische, ökonomische aber auch politische Gründe sprechen dagegen und sind in der Analyse aber auch Berichterstattung zu berücksichtigen. Würde sich jeder industriell intendierte Medienhype schnell realisieren, müssten wir alle schon superflockigen Elektroautos rumkurven. Also: Ball flach halten.
  2. Es gibt Klarheit: Peak Oil wird das Klima nicht retten. Angesichts einer versagenden Klimapolitik war die Hoffnung da, dass die Implikationen des Peak Oil das Problem quasi von selbst lösen. Und tatsächlich ist der Peak Conventional Oil evident, ebenso wie das 4-fache Niveau des Ölpreises im Vergleich zu den Jahren vor 2008.  Aber dennoch: es ist noch genug gebundender Kohlenstoff in der Erde da, mit dem wir das Klima völlig ins Kippen bringen können. Ergo:
  3. Es braucht eine klare Priorität der Politik: Klimaschutz! Nicholas Stern, der im Jahr 2006 den weltberühmten Stern-Report zum Klimaproblem herausgegeben hat, meinte kürzlich sinngemäß: Ich hab mich damals geirrt beim Klimawandel. Es ist noch viel schlimmer als gedacht. Stern erläutert (siehe Guardian), dass wir aktuell Richtung 4Grad C globale Temperaturerwärmung hinarbeiten, was dramatische Konsequenzen mit sich bringt. Die internationalen Instrumente des Klimaschutzes versagen völlig. Der Shale Boom darf jedenfalls nicht losgelöst von der Klimafrage eingeschätzt werden. Wir haben es schlicht mit einem öffentlichen Comeback der Fossilen zu tun. (Real waren sie nie weg)
  4. Kommt es zum alten Konfliktmuster Umwelt gegen Wirtschaft? In gewisser Weise ja: viele der unkonventionellen Fördermethoden gehen mit massiven Umweltauswirkungen (neben dem Klimawandel) einher. Sei es durch den Einsatz von Chemikalien, gigantischem Wasserverbrauch aber auch durch die Erschließung neuer Gebiete – Stichwort Antarktis. Es braucht eine klare Trennlinie und NoGo´s, die Natur- und Umweltschutz voranstellen. An dieser Stelle sei auch auf den sehr gut aufbereiteten Greenpeace Bericht “Point Of No Return” verwiesen.
  5. Dem medialen Zerrbild etwas entgegen setzen: Was kostet welche Energiewende? Schiefergas billig – Erneuerbare teuer. So ist zur Zeit das mediale Abbild. Und es ist falsch. Wie der World Energy Outlook 2012 gezeigt hat, sind 2011 88 Milliarden US-D an öffentlichen Subventionen in Erneuerbare Energie gegangen (+24% im Vgl zu 2010) und 523 Milliarden US-D an öffentlichen Förderungen in fossile Energie (+30% im Vgl zu 2010). Auch die Diskussion zur Energiewende in Deutschland ist stark davon geprägt, dass die Ökostromumlage weitgehend dem Haushalt überantwortet wird. Es braucht Kostentransparenz. Es sind die fossilen Energieträger und eine verschwenderische Energiekultur, die Energiearmut forciert und zu hohen Kosten führt.
  6. Die Energiewende als kulturelles Projekt: Die Energiewende ist  mehr als der einfache Austausch von Energieträgern im selben System. Es geht auch um einen kulturellen Wandel, der den Verbrauch wieder stärker ins Zentrum rückt und der dezentralen Produktion mehr Bedeutung einräumt. Die Energiewende ist nicht von oben verordnet; sie geht von den Menschen selbst aus, die ihrerseites unabhängiger werden wollen und einen Beitrag für eine saubere zukünftige Energieversorgung leisten wollen.  Die vielen BürgerInnen-Beteiligungsprojekte sind ein gutes Beispiel dafür.
  7. Capacity Building: Österreich ist zwar in einer privilegierten Situation, weil die Erneuerbaren nicht nur das Rückgrat der Stromversorgung bilden, sondern auch auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Dennoch hat man zur Zeit den Eindruck, dass es kaum eine politische wie auch Kommunikationsstrategie gibt, wie man auf internationaler Ebene der enormen Dynamik am Energiemarkt gerecht werden kann. Es ist wichtig, dem aktuellen Medienhype auch kritische Analyse entgegen zu halten. Sei es aus den konventionellen Institutionen heraus oder auch durch neue Akteure.
  8. Es braucht eine Strategie zur enormen Dynamik am Energiemarkt. Shale Hype, Ökostrom Boom, geopolitische Verschiebungen, Klimakrise. Man hat den Eindruck, dass die Politik diesen Trends, die tatsächlch viel Veränderbarkeit mit sich bringen, ohne klare Strategie gegenüber stehen. Dabei haben die Erneuerbaren in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht. Auch in Österreich. Die Vorteile der erneuerbaren Energiewende liegen auf der Hand: Klimaschutz, regionale Wertschöpfung, Beschäftigungspotenzial, mehr Unabhängigkeit.Es wird jedoch noch mehr Dynamik kommen. Innovative Speichertechnologien, effizientere Verfahren, Siedlungsentwicklung, neue Marktmodelle – durch eine Fortschreibung der gängigen Konzepte werden wir den Weg in eine nachhaltige Energieversorgung verpassen. Wir müssen schneller und in der Analyse besser werden. Das ist Aufgabe der Politik, aber auch der öffentlich agierenden Institutionen. Sonst haben andere das Heft in der Hand. Mit Eigeninteressen. Die Energiefrage ist aber viel zu wichtig, um sie Eigeninteressen anderer zu überlassen.




World Energy Outlook 2012: The difference between scenario and forecast

16 11 2012

The IEA World Energy Outlook 2012, recently released in London and presented by Fatih Birol at an OMV event in Vienna last Wednesday, is a kind of shock for many environmentalists. The rise of non-conventional oil and gas, especially the radical shift in the US energy landscape is massively affecting future energy scenarios. The reaction in media has been intense; a key message  is very clear: a comeback of fossil energy. The US will become energy sufficient based on developments of non-conventional oil and gas, especially shale gas and tight oil.

It is obvious that this message adresses the political playfield, too. Europe will have to react, playing a less important role in future. And of course the impact on climate politics is obvious. Fatih Birol, Chief Economist of IEA, emphazises the importance of energy efficiency and the focus on climate strategies, but it is clear that the market development goes in a opposite direction. The IEA says: “Taking all new developments and policies into account, the world is still failing to put the global energy system onto a more sustainable path.”  Some key points:

* “Global energy demand increases by over one‐third in the period to 2035. Energy‐related CO2 emissions rise from an estimated 31.2 Gt in 2011 to 37.0 Gt in 2035, pointing to a long‐term average temperature increase of 3.6 °C.

* Demand for oil, gas and coal grows in absolute terms through 2035, but their combined share of the global energy mix falls from 81% to 75% during that period.

* The United States, which currently imports around 20% of its total energy needs, becomes all but self‐sufficient in net terms by 2035 thanks to rising production of oil, shale gas and bioenergy, and improved fuel efficiency in transport.
Falling US oil imports mean that North America becomes a net oil exporter by around 2030.”

From a climate politics perspective one could say: “We´ve lost”

But wait…

The World Energy Outlook is really a great source of information providing excellent statistics and tons of scenarios. It´s one of the most important annual documents for international energy policy. But the great misunderstanding in media and politics is that the future projections are scenarios not forecasts. That´s why IEA offers different scenarios. The report clearly states that WEO 2012 projections “are subject  to a wide range of uncertainties” (page 38) Especially the link between economic growth and energy demand are the biggest source of uncertainity in the medium term.

So, the annual World Energy Outlook sometimes had to fail with its scenarios.

Example 1: One of the major shift in the last decade has been a dramatic change of the oil price which is 3 to 4 times higher than 10 years ago. It has not been foreseen by IEA. I collected the data of some old WOE reports just to show the difference:

Of course no one did foresee this price explosion a few years before, except some of the Peak Oilers who were critized for an “apocalyptic view”

I did the same graph with nominal price projections that of course looks more extreme. (see  chart on the left) You can see that former price assumptions by the IEA World Energy Outlook were signficantly wrong for many years. It mostly projects the current price niveau with some increase but high stability. But the dramatic change which might be linked very much to Peak Conventional Oil has not been anticipated until it has been there. (WEO 2008)

Another less dramatic example are the scenarios on  wind energy.

  • WEO 2002 projected wind power to increase by 10% a year over the 30-year projection period, to reach 539 TWh in 2030.
  • WEO 2008 projected global wind power output is to increase from 130 TWh in 2006 to more than 660 TWh in 2015 (not that much difference to the WEO 2002 projection for 2030) and 1.490 TWh in 2030. Its share in total electricity generation has been asumed to rises from less than 1% in 2006 to 2.7% in 2015 and 4.5% in 2030.
  • WEO 2012 now is based on  342 TwH in 2010 and projects 2.680 TWh in 2035 pushing up its share in total electricity generation from 1,6 to 7,3%.

So within 10 years the World Energy Outlook scenarios changed the assumption for wind energy to a number 4-5 x higher.

But what will be the projection of the World Energy Outlook in 2015? Maybe it will again be significantly different due to technological developments, political priorities etc. There is no one to blame but it´s important to be aware of the change of scenarios.

There are a lot of uncertainties in future energy scenarios.  E.g.

The history of tight oil and shale gas is very young and they are very much linked to each other (see the excellent analysis by Fiona Harvey in the Guardian points that out “Shale offers freedom and security – but it could be a trap”) or Gail Tverberg´s analysis on shale future projections) The exploitation of non-conventional oil and gas is not cheap. It is based on the rise of energy prices and benefits from the current situation. Decline rates are not promising for industry and the trend that it will be fracked as hell in the US might create severe conflicts.  So I am still sceptic on the development of non-conventionals although it is obvious that most of us have underestimated their potential. The ASPO2012 conference I have co-organized provided a lot of expertise on that very matter. (especially Arthur Berman´s video presentation)

Another example: The role of Irak providing enormous amounts of crude oil is highlighted in WEO 2012, too. A good example how important the geopolitical perspective is. But how will the geopolitical playfield change in future? Will China really grow the same way as projected? Revolutions, environmental and other catastrophes, conflicts never have been part of these projections. It´s the “above ground factors” that offer most of the uncertainties for a future prognosis.

Birol clearly stated in Vienna that the role of politics is crucial. The following  numbers really show the current priorities:

In 2011, global subsidies for renewable energy reached $88 billion, an increase of 24% compared to 2010.

In 2011, global subsidies for fossil-fuel consumption totalled $523 billion, almost 30% higher than in 2010

(source International Energy Agency, World Energy Outlook 2012)

So, it´s about politics. The World Energy Outlook 2012 gives enough reason to be sceptic for the future. But it´s not hopeless. For a conclusion I just want to quote WEO 2008:

But many of the key policy drivers (not to mention other, external factors) remain in doubt. It is within the power of all governments, of producing and consuming countries alike, acting alone or together, to steer the world towards a cleaner, cleverer and more competitive energy system. Time is running out and the time to act is now.”





“Wohin unser Geld geht” am Beispiel Energie

10 09 2012

Dieses Posting ist (nicht am Gewinnspiel teilnehmender) Teil der Blogparade “Und wohin soll Dein Geld gehen?” des Oekoenergie-Blogsportals.
Viele aktuelle Fragestellungen bieten sich zur Zeit an, das Thema zu behandeln. Von der Finanz- und Währungskrise über Anlagestrategien bis hin zur Zukunft fossiler bzw. erneuerbarer Energie oder auch der Biotreibstoffe.
Dazu ist jedoch eine Frage zentral:

Wohin geht denn derzeit unser Geld? Insbesondere durch unseren Energieverbrauch.
Ein aktueller Anlaß: Zu Recht wird derzeit über die Nutzung der Biotreibstoffe diskutiert. Verständlich ist die Angst, dass es zu einem Konkurrenzverhältnis zwischen Lebensmittel- und Treibstoffproduktion kommt. Angesichts des Umstands, dass 40% der Maisernte in den USA für die Herstellung von Treibstoff verwendet wird, ist dies nicht außer Acht zu lassen. Allerdings: weltweit nehmen Biotreibstoffe noch einen geringen Anteil ein. Was viele außer Acht lassen ist die hohe Nutzung von Getreide als Tierfutter. Die Fleischproduktion ist seit 1970 von 100 Millionen Tonnen pro Jahr auf 300 Millionen Tonnen gestiegen. Die Auswirkungen auf Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen sind enorm. Es braucht eine differenzierte Sicht auf die Entwicklung und Produktion von Biotreibstoffen. Aber warum ich schreib ich das hier? Weil intensiv darüber diskutiert wird, woher Biotreibstoffe kommen, was es in den Herstellerländern auslöst, welche ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien man an die Produktion und den Import anwenden kann etc.

Das ist richtig und gut so, aber es stellt sich die Frage, welche Kriterien wir denn an die Nutzung fossiler Energie gekoppelt haben und ob jene ähnlich sind?

“Unser Geld” für fossile Energie
71% des österreichischen Energieverbrauchs (Stand 2010) werden laut Statistik Austria und Umweltbundesamt mit fossilen Energieträgern gedeckt: Erdöl und Erdölprodukte verzeichnen einen Anteil von 38%, Gas liegt bei 24% und Kohle hat einen Anteil von 10%.
Die Importabhängigkeit bei fossiler Energie liegt bei deutlich über 80%. Woher kommt z.B. das in Österreich verbrauchte Öl, das für mehr als die Hälfte der fossilen Energieimporte verantwortlich ist? 2011 z.B. aus Kasachstan (29%), Nigeria (17%), Russland (16%), Saudi-Arabien (11%), Irak (11%), Libyen (7,1%). (Quelle: Mineralölbericht Österreich)
Das Energiehandelsdefizit Österreichs beträgt über 11 Milliarden Euro.
Was passiert mit diesem Geld, das die ÖsterreicherInnen für den Konsum fossilere Energie ausgeben?
Geht es in Strukturen und in Wirtschaften, die unterstützenswerte demokratische, soziale, ethische Grundsätze befolgen? Angesichts der Importliste muss man klar sagen: Nein! Aber im Gegensatz zum höchstenergierelevanten Bereich der Agro-/Biotreibstoffe stellen wir die Frage bei der sonstigen Energieproduktion nicht mehr. Und das ist falsch.

Fossile Energie fördert Ungleichheit
Ein Aspekt noch dazu, zum Nachdenken. Eines der größten Probleme unseres Planeten ist neben ökologischen Herausforderungen die enorme Ungleichheit. In ihr stecken Armut, Ausbeutung, authoritäre Regime, Kriege, Hunger.
Kürzlich wurde eine Studie präsentiert, die Steueroasen analysiert.
Autor James Henry war früher Chefökonom bei Mc Kinsey und hat in der Studie für das Tax Justice Netzwerk die Geldflüsse in diese Steueroasen analysiert. Neben den gigantischen Summen, die hier fliessen, ist insbesondere auch interessant, aus welchen Staaten das Geld kommt. Hier ein Artikel im Guardian und die dazugehörige Karte:

Die These mag gewagt sein, aber ist es wirklich Zufall, dass viele der betroffenen Staaten wichtige Öl- und Gasproduzenten sind und über entsprechende Ressourcen verfügen? Dass es gerade jene sind, die ressourcenreich sind, aber häufig dennoch von Armut betroffene Staaten? Die Grundannahme ist, dass “unser” Geld, das wir dank fossiler Industrierevolution und Wachstumsabhängigkeit in Öl, Gas, Kohle stecken, massiv zu Ungleichheit, Ausbeutung und Kriege führt.

Und die Kohle für die Kohle?
Schauen wir in das Land mit der weltweit diskutierten Energiewende, Deutschland. Neben dem ambitionierten Ausstieg aus der Atomkraft und dem Forcieren der erneuerbaren Energie ist eines auffallend: Die enorme Kohleabhängigkeit. Über 40% der Stromproduktion erfolgt in Deutschland auf Basis von Kohle. Ein Irrtum, wer glaubt, dies wäre primär die geförderte deutsche Kohle. Ein Anteil von 70% wird importiert. Die Steinkohle kommt aus: 25% Kolumbien, 23,5% Russland, 18,7% USA, 10% Australien (Daten 2011). Nur als Beispiel: Neben den globalen Folgen der Kohleverbrennung (Klimawandel) sind auch etwa in Kolumbien Menschenrechtsverletzungen, massive Konflikte mit den Einheimischen, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Landnutzungskonflikte und auch in Folge dessen auch Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion bekannt. Aber wer diskutiert darüber?
Hier eine interssante Website einer deutschen NGO zum Kohleimport

Heilsbringer nicht-konventionelle Förderung?
Nun gehört es zur Strategie vieler Staaten, unabhängiger werden zu wollen. Auch die immer schon im Naheverhältnis der Ölindustrie befindlichen US-Republikaner predigen mittlerweile Energieunabhängigkeit. Tatsächlich hat es eine erste Trendwende gegeben (siehe diesen Bericht) Die Hoffnung der US-Amerikaner, dass die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas, also z.B. Öl und Gas aus Schiefergesteinen, Sandstein, Tiefseebohrungen etc., ihre Lösung sein wird, ist skeptisch zu betrachten. Nicht nur, dass auch hier die Abgängigkeit von fossilen Energieträgern prolongiert wird, sondern auch durch die zunehmenden Konflikte rund um Landnutzung, ökologische Konsequenzen (Chemikaliennutzung, Wasserverbrauch) gibt es teils massive Widerstände. Nicht nur in den USA (siehe diesen aktuellen <a href=TAZ-Artikel), sondern auch in Europa (teils mit Erfolg – siehe Frankreich mit dem Schiefergas-Verbot) und Südamerika wächst der Widerstand.
Dass auch die ökonomische Einschätzung von Schiefergas auf unsicheren Beinen steht, hat Arthur Bermans Vortrag bei der ASPO-Konferenz in Wien gezeigt:

Ressourenkriege als Folge von fossiler Abhängigkeit
Die ASPO-Konferenz Ende Mai in Wien hatte mit den Fragen nach geopolitischen Zusammenhängen und Energiesicherheit ein wichtiges Feld aufgebracht. Mit Michael Klare war einer der weitweit anerkanntesten Experten Redner zu diesem Thema. Sein Vortrag gibt eine gute Übersicht über die Zusammenhänge und aktuelle Konfliktfelder. Er zeigt auch, wie sehr die weltpolitische Aufmerksamkeit Richtung China notwendig ist.

Investments in die Zukunft
Die Vorstellung einer erneuerbaren Energiezukunft soll keine naive sein. Wir werden noch einige Jahrzehnte brauchen, um den großflächigen Umstieg zu schaffen. Aber es braucht jede Ambition in diese Richtung, um den Shift zu erreichen. Denn das Geld soll in die Zukunft angelegt werden – sei es durch unsere (reduzierten) Energieverbrauch, oder auch durch Investments in erneuerbare Energie. Die Erfolge der BürgerInnen-Beteiligungskraftwerke (wie etwa in Wien) oder der 80.000 Energiegenossenschafter in Deutschland zeigt, dass Menschen zunehmend bereit sind, auch ihr eigenes Geld für die Energiewende in die Hand zu nehmen. Denn letzlich soll (hier aber auch in vielen anderen Staaten) im positiven Sinne Wert geschaffen und nicht nur durch fossile Energieabhängigkeit Ungleichheit, soziale Probleme und der Klimawandel weiter forciert. Denn diese Rechnung zahlen wir mehrfach.

Nachtrag 30.09.2012:
An dieser Stelle sie auch auf die anderen Beiträge dieser Blogparade hingewiesen:








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