Erstmals in Wien: Athlete

23 10 2009

Dieser nachgerade unglaubliche Konzertherbst führte erstmals auch die britische Band Athlete nach Wien. Ort des Geschehens war das passabel gefüllte Flex. Athlete hat mit Tourist aber auch Vehicles & Animals zwei exzellente Indie-Pop/Rock Alben herausgegeben, die bei mir vor einigen Jahren rauf und runter gespielt wurden. Man muss sich fragen, warum aus dieser Band niemals sowas wie Coldplay oder Snow Patrol geworden ist. Vielleicht fehlen ihnen da und dort die Kanten? Oder auch sowas wie Charisma? Der Gig war jedenfalls gut. Ihr Songwriting ist sehr klassisch, liefert großartige Bridges, bei manchen Nummern gibts gute Spannungsbögen mit Steigerungen am Ende (gestern zB. bei “24 hours” – starke Version), die Musiker sind alle sehr souverän, die Stimme hat auch was. Am besten gefiel mir ja der linke Fuß des Drummers. Der weiß nämlich sehr genau, wann und wie er ihn anheben muss, um die Hihat zu öffnen. Nicht zuletzt das verleiht den Nummern live mehr Dynamik als auf Scheibe.

Wer weiß, vielleicht fehlt auch nur der eine große Song zum internationalen Durchbruch. Das Potential wär eigentlich da.

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Take back the city … Snow Patrol in Copenhagen

21 05 2009

Kopenhagen ist eine äußerst nette Stadt. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit; Radfahrer sind in Scharen präsente und zugleich meist respektvolle Verkehrsteilnehmer; es sorgt für basses Erstaunen bei den Menschen, dass es zuletzt sowas wie eine Schießerei gegeben habe, denn sowas gibts hier einfach nicht; es gibt viel zu entdecken; das Wasser beruhigt die Seele und es gibt eine Reihe spannender Menschen, mit denen man interessante Gespräche führen kann.

snowpatrol_vegaDa trifft es sich gut, dass genau zur Zeit meines Besuchs (also am 19.5.), ein Auftritt von Snow Patrol in einer wunderbare Location namens  Vega stattfindet. Overwhelming sympathy, könnte man meinen, wenn Sänger Gary Lightbody das Publikum daueranstrahlt. Gesanglich ist der Mann an diesem Abend übrigens in ausgezeichneter Verfassung (was nicht immer der Fall ist wie man auf diversenYoutube Videos verfolgen kann)

Doch die durchdringende Freundlichkeit wird einem allmählich nicht geheuer. Zumindest mir. Nach einer halben Stunde regt sich in mir Unmut: Irgendwas stimmt nicht bei diesem Gig. Was ist los mit Snow Patrol?

Sollten sie also zb kommende Woche im Wiener Gasometer (ein denkbar ungünstiger Ort für diesen Act) das Snow Patrol Konzert besuchen, könnten Sie sich nach einer halben Stunde denken, dass

… die Leadguitar äußerst dünn daher kommt und selbige als Rhythmusgitarre einen faden, trockenen Ton aufweist, der bieder ist und  nicht mitreisst

…die sogar perkussiv unterstütze Rhythmuspartie wenig Druck erzeugt, insbesondere das Schlagwerk nachgerade traumwandelt

… die Nummern souverän aber ohne spezifische Dynamik gespielt werden

… das alles so wahnsinnig positiv ist, aber genau das eben nicht die spezfische Stärke der hits dieser Band ist (es sind eher die dramatischen Elemente und das Antreiben auf den Achteln/Vierteln – je nach Nummer)

… die in einigen Nummern wichtige zweite Stimme nirgendwo ist

etc.

Und hier meine Empfehlung nach dieser halben Stunde: BLEIBEN SIE – GEHEN SIE NICHT WEG!

snowpatrol_erstrahlDenn es kommt die grosse Wende. Mit jener Nummer, die auch für die Band die Wende zum großen Erfolg war. „Run“! Diesmal zu Beginn solo gespielt von Lightbody. Zwei Verse, ein Refrain akkustisch, dann die gesamt Band. Und auf einmal kippt der Gig. Ins Wundersame. Es ist alles da…. Die Achteln (oder auch Vierteln) werden in Gleichklang von Gitarre, Bass, Schlagzeug druckvoll gespielt, was eigentlich der Motor für fast all diese Nummern ist. Der Sound wird fetter, hin und wieder kommt die wohl subcutane Aggressivität hervor, die in dieser Band ja steckt, man muss sie nur rauskitzeln.

Es folgt ein Feuerwerk der großen Hits (davon sind manche auch einfach personal favourites). Chasing Car.  Crack the Shatters, Take back the City, Make This Go on Forever und am Ende des regulären Sets ein begeisternd dargebrachtes “Open Your Eyes”

Schade nur, dass die Zugabe zwar mit dem “The Lighning Strike”  eröffnet wird, aber hier nur der erste Teil dieses Opus Magnum des letztem Album gespielt wird.

snowpatrol_byeWas bleibt ist, dass Snow Patrol auch live eine Band ist, die einige wirklich große Nummern hat, hin und wieder aber auf den berüchtigen Kick-Ass  vergessen sollte. Und das hat gar nix damit zu tun, wie schnell oder langsam ein Song ist.

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Sofa Surfers live: getrieben im Rhythmus der Stadt

10 02 2009

Seit vielen Jahren (fast Anbeginn) sind die Sofa Surfers ein konstanter, hoch geschätzter Begleiter meiner Playlists. Ihre Liveevents zählen fast immer zu den Highlights (kleine Ausnahmen eigentlich nur dann, wenn der lokale Sound überfordert wird)

Gestern war nach recht langer Zeit wieder Gelegenheit, die Sofa Surfers auch mit neuem Material live zu hören. Das noch dazu in der wunderbaresten Musiklocation der Stadt, dem Porgy & Bess. Eingeladen hat Monkey Music, Rahmen war die Präsentation des neuen Music Store von Nokia.

sofa2Was soll man sagen. Die Sofa Surfers gehören schlicht zu den aufregendsten Bühnenperformern des Landes. Die treibenden Beats, schweren Bässe, subtile aber teils knallharte Instrumentierung und der seit dem letzten Album (2005) agierende Sänger Mani Obeya geben ihren Nummern etwas ganz spezifisches. Die Sofa Surfers haben trotz ihrer ständigen Erneuerung einen spezifischen Sound kreiiert, mit dem sie sofort identifizierbar sind. Das neue Material hat gestern  gleich erstaunlich gut funktioniert; teils sehr direkt – Sofa Surfers Metal hab ich mir mal zwischendrin gedacht, aber zugleich immer nuanciert und treibend.

bild303Und die Sofa Surfers zeichnet noch was: mir ist kaum eine Band bekannt, die ihre Visuals derartig explizit in ihre Musik einbaut und damit die Brücke zwischen Musik, Film und mE auch Architektur schafft. Das war immer so und es ist kein Wunder, dass die Sofa Surfers seit Jahren für erstaunliche Filmprojekte wie die Wolf Haas Verfilmungen herangezogen werden. Sie erzeugen auch dort genau jenes düstere Klangbild, das  der Stimmung der Geschichten entspricht. (zumindest in meinem Kopf). Genial vor einigen Jahren übrigens auch das “Life in Loops” Filmremix-Projekt von Timo Novotny, der Michael Glawoggers Megacities neu gestaltet hat. Auch bei den gestrigen Visuals war Stadt & Architektur omnipräsent. Hier ein interessantes CHilli.cc Interview mit Novotny zur Arbeit an Life in Loops.

Die Sofa Surfers spielen in den kommenden Wochen einige Gigs zu ihrem Soundtrack:  Triple score of private eye “Brenner”.  Nicht verpassen!

Danke an Peter Drössler für das erste und dritte Foto!

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bonustracks to the ´08 best of music lists

30 12 2008

The good thing with Christmas holidays is that there is time for listening to music one might have missed during the year. Actually that´s why it´s useful to read the “best of lists” in newspapers, blogs etc.

So after my personal best of ´08 list - here are some further final recommendations of 2008 releases:

  • Unkle -End Titles…Stories for Film: Only for people in favor of pathetic music. Some tracks are great stuff like Nocturnal or Chemical featuring Josh Homme. The CD is a kind of collection of different music by James Lavelle for movies, games etc.
  • radio.string.quartet.vienna feat. Klaus Paier – Radiotree: Saw them @ Porgy & Bess some days ago. Excellent musicians, very good string arrangements. The accordion and bandoneon of Klaus Paier fits perfectly to radio.string.quartet.vienna, which made a great debut CD ´celebrating the mahavishnu orchestra´. I´m not a friend of all sorts of crossover projects, but this one is worth listening.
  • Fennesz - Black Sea. Metacritic.com top 2008 ranked the album of Austrian electronic musician Christian Fennesz on nr .12. – quite a sensation. It´s a brilliant album – no doubt about that. Needs some replays to get into one or the other track.
  • Alex Machacek: I somehow rediscover Alex´music during Christmas holidays and I simply don´t get it out of my mp3 playlists having some winterruns. Alex Machacek is a fantastic jazz/fusion guitar player from Austria who now successfully works and lives in Los Angeles. After the release of the great Improvision album in 2007 there is now a 2008 release of “The official Triangle Sessions” with Alex Machacek, Jeff Sipe and Neal Fountain. (Abstract Logix) This music is not only performed with technical virtuosity, but the compositions are somehow warm and passionate, too. John Mc Laughlin writes: “Alex Machacek’s music starts where other music ends.”

So that´s it with music for 2008 – we´re now looking forward to 2009.





Best of ´08 – music

23 12 2008

So here´s the list of lists, part 1 category music.

I´m not a friend of a rankings, but of good old ´best-of´lists like in Nick Hornby´s book “High Fidelity”. Actually it´s a good method to fall asleep thinking about new top 5 categories (especially for insomniac guys like me)

This year there are a lot of categories with different numbers of artists named. So less sleep means more categories ;)

Here we go…this is a personal list of music favourites this year. Primarily but not only pretty new stuff.

Tracks of ´08

  • In Trains (Angst is not a weltanschauung/CD 2008) by B. Fleischmann
  • Free the Dogs (Loving Custodians/CD 2007) by Mauracher
  • Sunday ( Colour The Small One/2004) by SIA
  • Leucocyte I-IV (Leucocyte /2008) by e.s.t.
  • All Alright (Með suð í eyrum við spilum endalaust) by Sigur Ros
  • If Only (Distance and Time  2007)by Fink


Best Album 2008

Best Concerts 2008


Personal “Torture Music” 2008

  • I Kissed a Girl by Katie Perry – (approx. 10x in a row Saturdays and Sundays – thank you neighbor)
  • All Summer Long by Kid Rock (all summer loooooooooooong)
  • Last Christmas by Wham (it´s not my mistake that this song is played everywhere exactly the time these lists have to be written…)

Best Songs in Running Shoes  2008

Best “Help Me Falling Asleep Songs”  2008 (in a positive way)


Best “Hey nice shoes, wanna dance?” Song 2008

Best “Happy Pepi” Song 2008 (no translation on dict.leo.org)

Best “Wow! Never Heard Before – Artist” 2008

Best “Still Quite on Top on Itunes Lists” in 2008

For all friends of lists like that have a look at Metacritics.com





GLOBAL 2000 Geburtstag mit Mauracher et al.

15 12 2008

Mit GLOBAL 2000 verbindet mich eine langjährige Geschichte. Die ersten wichtigen Jahre meiner politischen Auseinandersetzung im NGO-Umfeld hatte ich dort. Die Mission von Global ist die gleiche geblieben und es gibt auch nicht weniger zu tun – auch wenn sich nach 26 Jahren die Rahmenbedingungen geändert haben und z.B. das Umweltthema deutlich akzeptierter und etablierter ist als damals.

Zwischenzeitlich werden auch immer wieder gute Feste gefeiert – diesmal, also kommenden Mittwoch, kann sich insbesondere das Musikprogramm sehen lassen. Man merkt, dass mit Martin Aschauer dort jemand tätig ist, der aus der Musikkultur (FM5)  kommt. Besondere Freude kommt beim Namen “Mauracher” auf. Denn bevor ich meine “Best Of´08″ Listen durchüberlege, ist mir eins gewiß. Mauracher wird dort mehrmals vorkommen.  Weiters im Programm: Russkaja, Guadalajara, 78Plus, Harri Stojka, Hörspielcrew

Wann? Am Mittwoch, 17. Dezember, ab 19 Uhr

Wo? Im WUK, Währinger Straße 59, 1090 Wien

Wie viel? 14 Euro (Abendkassa), 10 Euro Vorverkauf (wienXtra jugendinfo)


Geholfen wird an dem Abend dem Projekt Tschernobyl-Kinder.

Weitere Infos auf der Global Website; der dazugehörige Spot ist auf Youtube zu finden und auch auf GOTV zu sehen.

Empfehlung meinerseits!





Strukturen im Wandel. Wie das Netz Österreichs Musiklandschaft verändert.

17 11 2008

Der von mir geschätzte personifizierte Musikhub (hub =bedeutsamer Knotenpunkt eines oder mehrerer Netzwerke) Walter Gröbchen schreibt Kluges im heutigen Profil und auf seinem Blog zur österreichischen Musikszene. Er beschreibt die Vielzahl an spannenden Künstlern, die fernab von Ö3 und Starmania aus Nischenbereichen kommen und immer erfolgreicher werden.

Tatsächlich tut sich seit einigen Jahren Erstaunliches in der österreichischen Musikszene, insbesondere im Indie-Bereich. Die Anzahl interessanter Acts nimmt laufend zu und die unentdeckten Talente kriechen dank günstigerer Produktionsmethoden und dem Netz (myspace) aus ihren Löchern und ermutigen damit  weitere MusikantInnen aus ihren Höhlen hervorzukommen. Irgendwann sind es dann soviele, die angeführt von ein paar ganz Erfolgreichen ein Bild von etwas Größerem vermitteln. “Da tut sich was in Österreich.” Vielleicht fehlt es noch an diesen 1-2 Berühmten, um wirklich international als Szenephänomen Aufmerksamkeit zu erregen (einzelnen KünstlerInnen wie Gustav oder Clara Luzia) gelingt dies jedoch bereits. Wer weiß, vielleicht wird es aber auch ein noch recht unbekannter aber wunderbarer Act wie Martin Klein sein, der im großen Stil für Furore sorgt?

Ich kann mich erinnern, als wir in Wien vor vielen Jahren mit den Grünen und in Kooperation mit der SP die allererste Creative Industries Förderung initiiert haben, galt unser Augenmerk der elektronischen Musikszene. Für viele Nicht-MusikliebhaberInnen hatten die zwei Namen: Kruder & Dorfmeister. Die kannten mittlerweile alle. Und die hatte es jedoch gebraucht, um verständlich zu machen, dass dahinter viele strukturelle Faktoren liegen, die ökonomisch relevant sind (Label, Vertrieb, Produktion, Booking, Clubszene, Magazine etc. -). Departure hat einige Hebel in die richtige Richtung gesetzt, aber es gibt noch viel zu tun.

In gewisser Weise ist die durch das Netz veränderte Musiklandschaft auch mit der Politik vergleichbar. Wer das Netz nicht versteht, wird sich in Zukunft auch in der Politikkommunikation schwer tun. Obama ist nur das beste Beispiel dieser Entwicklung, aber nicht das einzige. In Österreich passiert das alles langsamer, weil auch hier Österreich strukturkonservativ ist und kulturell nicht grad offen. Je näher an Politik, desto starrer, möchte man meinen. Und so wie immer noch die Ö3´s und Starmanias den Musikmarkt der Masse diktieren, sind auch jetzt noch in Österreichs Politik die Mainstreammedien dominant. Doch im Ö3-Stream von Politik wird keine Innovation entstehen, sondern more of the same.  Emergenz entsteht nicht aus dem Nix, nur weil´s unerwartet ist, sondern aus einem Umfeld, wo kleine Teile den Wandel beschreiten. Und wer weiß, vielleicht könnte es auch in der Politik bald soweit sein, dass eine neue Kommunikationskultur sich von der Nische hinausbewegt und aus vielen kleinen Nischen der Blogosphere was grosses entsteht? Vielleicht fehlt´s aber auch einfach an den Kruder & Dorfmeisters der Politik. Nicht weil sie die besten sind, sondern weil sie symbolisch für etwas gestanden sind, das viele kannten. Und jetzt hat sich´s ausgekruderdorfmeistert, denn eigentlich kann ich´s als Beispiel nimmer hören…gibt wirklich so viel andere.

Daher back to music, zwei Empfehlungen: Donnerstag bis Samstag das spannende Bluebird Festival der heldInnenhaften Vienna Songwriting Association. Seit Jahren ein kleine Festival Highlight in Wien.  Dienstag eine wohl interessante Standard Diskussion im Haus der Musik: Die Grenzen der Weltberühmtheit.





First things first: Fink in Berlin

19 10 2008

Was für ein Timing. Nicht nur die Last Shadow Puppets spielen ihren einzigen Deutschland Gig grad, wenn ich dort bin, sondern auch Fink is in town. Ebenso eine Seltenheit, denn es ist das erste mal, dass Fink eine Headliner Tour nach Deutschland führt. Und es ist noch dazu sein letztes Konzert heuer. Auch Fink hat´s leider nicht nach Wien verschlagen.

Fink heißt eigentlich Finian Greenall und ist über viele Jahre als DJ bekannt geworden. Mittlerweile hat er zwei Alben herausgebracht. “Distance and Time” ist ganz wunderbar. Ruhige, hervorragend geschriebene Songs irgendwo zwischen Folk, Pop, Songwriter, manchmal auch bluesig, jazzig – getragen jedenfalls von Fink´s großartiger Stimme.

Als regelmäßiger Leser von Doris Knecht bin ich erstmals über ihre Kolumne auf Fink gestoßen. Da ich ihre Zeilen aber nicht nur oft, sondern auch manchmal schnell lese, dachte ich zunächst, das wär irgendein Vorarlberger, mit dem sich Frau Knecht immer wieder zum jassen trifft (geschickt konnte ich jetzt umgehen, ob man “jasst” oder anders schreiben würde, any suggestion?). Dann dachte ich, nachdem ich “This is the thing” gehört hab, wow arg, welche coolen Songwriter mit tollem Englisch Vorarlberg hat. Bis Jutta mich auf das Gesamtwerk von Fink aufmerksam machte und ich feststellen konnte, der ist doch aus Brighton.

Auch ok, er war jedenfalls gestern in Berlin. Samt Bassist und Schlagzeuger, die nebenbei bemerkt noch hervorragende Zweitstimmen sind. Und es war unglaublich gut.

Die Location namens frannz in der Kulturbrauerei ist ebenfalls sehr fein; Sennheiser sponsorte irgendwas bei dem Event; jedenfalls ich war einer von ca 50 der insgesamt ca 200 Besucher, die kein Sennheiser Band um den Hals gewickelt hatten.

Kurzum: die Stimme von Fink ist unglaublich. Schon bei den Aufnahmen kommt das zur Geltung; live aber noch mehr. Er singt tief, weich und kann so rauh werden, dass er an manchen Stellen an den leider viel zu früh im Drogenmix verstorbenen Layne Staley erinnert, dem Sänger der Rockband Alice in Chains, die in der Grungeära der 90er Jahre klasse Alben herausgebracht hat . Klar, anderes Genre, aber stimmlich eine Assoziation des Abends.

Extrem stark die Band von Fink. Drummer Tim Thornton beherrscht das dynamische Spiel mit den Beserln perfect und bringt auch leicht triphoppige Elemente rein; Bassist Guy Whittaker spielt durchaus anspruchsvolle Linien; und Greenall selbst ist ein wirklich passabler Gitarrist. Die Band war bester Laune; das Publikum schwer begeistert. “Trouble is what you´re in” wurde extra für das Berlin Konzert ins Programm genommen und davor noch nie live gespielt.  Eine glänzende Idee. Exzellent auch die Version von Kraftwerk´s “The Model”, die grad als Vinyl Single herausgekommen ist. Die Hits wie This is the thing” waren natürlich auch dabei.

Extrem sympathisch, generell eine coole Socke und trinkfest ist der Mann auch. Immer wieder der Griff zur Rotweinflasche und unter dem Motto “first things first” kräftig einschenken. Der wunderbaren Stimme schadet´s eindeutig nicht.

Große Klasse!





kurz, aber groß: The Last Shadow Puppets in Berlin

18 10 2008

Die beste Art, eine Stadt zu entdecken, ist für mich als Mensch mit hoher musikalischer Affinität, der Besuch von Konzerten. Teil 1 war gestern und das hatte fast was Exklusives: The Last Shadow Puppets bei ihrem einzigen Deutschland Konzert in Berlin (Österreich ist leider nicht am Tourplan – generell ist die Europatournee eher kurz gehalten, abgesehen von England wird in keinem Land mehr als ein Konzert gespielt) Mit dem Album The Age of the Understatement haben sich Arctic Monkeys Sänger Alex Turner und The Rascals Gitarrist Miles Kane für ein Bandprojekt zusammengetan, das heuer gleich für Aufsehen gesorgt hat. Und weitgehend sehr gefiel. Schon das Album besticht durch die Streicher-Arrangements, für die sich wieder ein anderer Szenestar auszeichnet: Owen Pallett, besser bekannt als Final Fantasy.

Also, die Gunst der Stunde genutzt und nix hin wie ins Tempodrome zu einem Abend voller Überraschungen.

Überraschung 1: es kommt doch auf die Größe an

Beim Eingang wird mir leider gleich meine CANON Eos 400d abgeknöpft. Sie wäre zu groß, wird mir gesagt. Ich fragte noch betont freundlich, ob sie als potentieller Wurfgegenstand zu gefährlich wäre, oder ob Fotographieren nicht erlaubt sei, kam die freundliche (wirklich!) Antwort, dass professionelle Kameras nicht erlaubt seien – und die werden durch Größe bestimmt. Na gut, kommt vor.

Überraschung 2: Auf den Sitz(!)platz – fertig – los

Das Tempodrome vermittelt den Charme der Stadthalle in einem Zirkuszelt. Arenahafte Sitzplatzgallerien und erstaunlicherweise Sitzplatzreihen auch in der Mitte.

Der Vorteil: man sieht hervorragend;

der Nachteil: how to move ass?

Überraschung 3: Kommt man 20 Minuten zu spät hat die Vorband schon fertig gespielt.

Tja, mein Fehler (die U1 ist auch nicht gefahren, aber ist ja egal), und ich erspare mir clichéhafte Andeutungen über deutsche Pünktlichkeit und zugleich wiederum nicht, sonst hätt ich diesen Satz jetzt nicht schreiben dürfen.

Überraschung 4: Großes Orchester.

Die zwei 22jährigen Burschn wagen es also tatsächlich, gleich mit Orchester auf Tournee zu gehen.  Mutig, kann man nur sagen. Denn sowas kann gigantisch in die Hosen gehen. Ich mag ja den Einsatz von Streicherensemles in der Popmusik durchaus; ewig in Erinnerung bleibt mir der fantastische Auftritt des 50 Mann/Frau Heritage Orchestra beim Wilsconic in Bratislava 2007. Die Last Shadow Puppets werden auf ihrer ersten richtigen Konzerttour von einem 16-köpfigen Orchester begleitet, zu ihrer Liveband gehört übrigens unter anderem Produzent und Simian Mobile Disco-Mastermind James Ford. Dem Mann sei auch gedankt; der hat Großes geleistet mit den Last Shadow Puppets.

Überraschung 5:  der Sound

Als vor Konzertbeginn das Schlagwerk noch kurz gecheckt wird, ahne ich übles. Nämlich, dass die Halle die Kombination Rockband und Orchester nicht verträgt: Großer Irrtum: der Sound war fantastisch; lediglich die Vocals waren zu Beginn etwas abgehoben, aber auch das wurde wunderbar eingebettet.

Überraschung 6: 22 jährige Rockstars

Wenn denen nix passiert, sind die am Weg zu großen Rockstars. Turner und Kane sind stimmlich absolut top, harmonieren miteinander, dass die Gallagher Brüder blass werden müssen, spielen rockig aber extrem präzise, integrieren Band und Orchester perfekt und haben enormen Spaß dabei.

Ich hatte – auch aufgrund der musikalischen Anlehnungen an die 60er und 70er Jahre und der passenden Anzüge der jungen Herren – das Gefühl, sowas wie die jungen Beatles zu sehen. Aber in der heutigen Zeit angekommen, mit ihrem eigenen Stil. Dass das mit Orchester passt, dachte ich  vorher nicht; war aber ganz großartig.

Beim letzten Stück des eine gute Stunde dauernden Konzerts (mehr ist bei grad einem einzigen Album einfach nicht drin) – Standing Next To Me – tobt die Halle: Nicht fixierte SItzplätze werden ignoriert.

Großer Abend, großes Orchester, tolle Band, und zwei kommende Stars!

Ob es “The Last Shadow Puppets in Berlin – Ich war dabei” T-Shirts entzieht sich meiner Kenntnis. Man will ja nicht auf wichtig machen hier… ;)

Heute abend, Teil 2. endlich die Gelegenheit, Fink zu sehen.





Unheimlich…unheimlich schön: Leucocyte von e.s.t.

18 09 2008

Es ist nicht leicht. Kann man sich ein unabhängiges Urteil über eine CD bilden, wenn man weiß, dass der zentrale Akteur einer Band kürzlich tragisch verunglückt ist und dass einen dieser Umstand sehr traurig macht?

Vielleicht nicht – und doch muss man alle Bezeichnungen als Vermächtnis Album, das post mortem erscheint, mal bei Seite lassen. Auch wenn Titel wie Ad Mortem oder Ad Infinitum das schwer machen und angesichts der Tragik mehr als unheimlich wirken.

Denn Leucocyte von e.s.t. ist eine der wunderbarsten Aufnahmen, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. e.s.t. hatte schon davor Großes herausgebracht. Das fading maid preludium vom Album Tuesday Wonderland gehört z.B. zu meinen persönlichen Alltime-Highlights der jüngeren Jazzgeschichte. (ja, da ist es wohl wieder, das alltime – die Unendlichkeit – es geht also nicht, das mal beiseite lassen…)

Das neue Album ist ein kleiner Bruch gewesen, aber ein wundersamer zugleich. Dieses als Improvisation in Australien aufgenommene Meisterstück strotzt vor Energie; aufregenden Sounds (viel Elektronik wie wir sie auch von anderen Skandinaviern Marke Eivind Aarset kennen), komplexen rhythmischen Geflechten und oft auch einfachen Motiven, die nur schwer aus dem Kopf gehen. Manchmal – wie im kurzen Stück Ajar - ist es auch der einfache, klare Ton in Svenssons Klavierspiel, der den Raum erfüllt.

Das Werk ist schlicht ganz, ganz groß. Unabhängig vom Ableben Esbjorn Svenssons. (ein lesenswerter Nachruf ist in der Zeit erschienen)  Das Video auf der Website von e.s.t. ist übrigens ebenso sehenswert. Es zeigt die Dynamik und den neuen Sound von e.s.t. auch auf visuell eindrucksvolle Art. Die Musik von e.s.t. sprengt Genre-Grenzen ohne den Jazz an sich revolutionieren zu müssen. Sie ist eigenständig, und doch Traditionen-verwurzelt; höchste Improvisationskunst und zugleich kollektive Stärke zugleich.

Und ja, die Tatsache, e.s.t. nie live gesehen zu haben, zeigt, dass man derartige Gelegenheiten im Leben nicht versäumen sollte, denn sie könnten sich unerwarteterweise nicht wiederholen. Selber schuld, kann man sagen. Aber darum geht´s ja nicht.

Was bleibt ist die Musik, und die bleibt für immer.