New Sustainable Cities Blogposting on electric cars

26 08 2009

I´ve written a new blogposting on sustainablecities on the electric car and the development of mobility solutions.

The development of electric cars is a chance for sustainable mobility. But only when developers think in systems and not only in technologies. The cities will be the playfield of innovation again.

Here´s the direct link.

Follow-Up next week.





Es geht um die Mobilität der Zukunft, nicht nur um das Auto der Zukunft

18 08 2009

Die Dynamik der vergangenen Monate in Sachen Elektromobilität ist prinzipiell sehr erfreulich. Lange – zu lange – hat die Automobilindustrie die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Elektromotor als moderne Antriebstechnologie unterschätzt. Jetzt könnte man fast den Eindruck gewinnen, alle wollen noch schnell auf den Zug aufspringen.

trendcoverSehr viele Konzeptfahrzeuge wurden zuletzt präsentiert. Der Tesla ziert samt Verbund-Generaldirektor das Trendcover; jede Autobeilage hat regelmäßig Specials zum Elektroauto. Kaum ein Automobilkonzern kann es sich leisten, das Thema zu ignorieren. Eine sehr gute Übersicht über die historische Entwicklung und den Stand der Dinge findet sich hier auf dem Ökoenergie-Blog. Auch für die Stromwirtschaft bietet sich nicht nur ein neuer Markt für den Stromabsatz, sondern in Kombination mit den intelligenten Netzen (Smart Grids) offenbaren sich lange ungeahnte Synergien. Insofern ist auch die Achse zwischen Verbund, Siemens, Magna, KTM , AVL und AIT im Rahmen von Austrian Mobile Power zu begrüssen. Es ist  gut und richtig, wenn sich einige big Player im Land zusammentun. Auch die Plattformen wie e-connected rund um den Klimafonds oder – auf ganz anderer Ebene – der neue Bundesverband Nachhaltige Mobilität zeigen den Wunsch nach Austausch und Organisation.

Strom statt Benzin, so wird vermittelt, lautet das Motto der Zukunft.

Doch halt. Wird es so einfach gehen? Ist es wirklich so, dass wir überall Ladestationen als Tankstellen haben werden und wir das Auto in gleicher Art und Weise  nutzen werden wie jetzt?

Obwohl ich das Geschehen in der Elektromobilität seit Jahren mit positiver Grundhaltung und Optimismus verfolge, glaube ich: nein! Die Debatte greift derzeit zu kurz: nicht um das Auto der Zukunft geht es, sondern um die Mobilität der Zukunft. Und darüber wird zu wenig diskutiert. Daher ein paar Gedanken dazu:

Das Auto der Zukunft muss neu gedacht werden

tesla@grafeneggIch find ihn ja auch cool, den Tesla. (hier ein Bild von der Präsentation im Rahmen des Save the World Kongresses vor einigen Wochen in Grafenegg in Niederösterreich). Er ist ein Türöffner, weil er zeigt, was geht. Design matters!

Mit ihm weckt man Interesse und öffnet die Sinne des Homo Motoricus meist männlicher Prägung. Noch besser gefallen mir aber die norwegischen Think Fahrzeuge, wie unten am Bild einer aus der Vlotte. Er spricht mich nicht nur von der Ästethik her an, sondern er kommt dem näher, was das Elektromobil realistischerweise in den kommenden Jahren sein wird: ein leichtes, kompaktes Fahrzeug. Hervorragend geeignet für kurze und mittlere Strecken und Ballungsräume (nicht zwingend nur die Stadt)

vlotte@grafenegg

Was derzeit manche in der Automobilindustrie vermitteln, ist, dass Elektrofahrzeuge die fossilen Fahrzeuge 1:1 ersetzen werden. Nicht, dass dies technisch unmöglich sein wird, aber die Kosten- und Ressourcenfrage (Batterie, Rohstoffe,..), die noch fehlende Infrastruktur bzw. das Netz, und auch der kulturelle Wandel brauchen mehr Zeit als manche derzeit glauben. Es ist weiters aus energie- und klimapolitischer Sicht nicht egal, woher der Strom kommt. Auch wenn das Stromaufkommen durch die Elektromoblität nicht eklatant steigen dürfte (siehe PWC Studie im Auftrag des Klimafonds), sollte die Strategie an Strom aus zusätzlichen erneuerbare Energiequellen orientiert sein. In Österreich klingt das machbar; aber international?

Das Auto der Zukunft darf daher nicht so wie das Auto der Vergangenheit gedacht werden. Es geht um die Nutzung, nicht um den Erwerb und Besitz des Autos. Klar, schlechte Nachrichten für den Kfz-Handel, aber die Entwicklungen ändern sich nunmal in einer Gesellschaft. Und genau das wird in Krisenzeiten cachiert, wobei genau jetzt das Fenster für echte Veränderungen offen ist.

Neue, integrierte  Angebote: Mobilität statt nur Vehikel verkaufen

Wilfried Sihn, Österreich-Chef der Fraunhofer Forschungsgesellschaft, argumentierte im Kurier vor einigen Tagen völlig richtig: “Verkauft wird in Zukunft nicht das Auto, sondern die Mobilität. Wenn ich also als Autokunde in der Stadt bin, erwerbe ich mir eine Mitfahrgelegenheit oder ein Elektroauto, für längere Strecken aufs Land nehme ich mir an diesem Tag ein Benzinauto. Ich kaufe mir also nicht ein Fahrzeug, sondern die Nutzungsmöglichkeiten. Das sind aber natürlich noch Zukunftsmodelle”

Klar, Carsharing gibt´s schon lange, wurde aber nie wirklich breitenwirksam. Die Kultur des eigenen Autobesitzes ist auch bei Stadtmenschen weit ausgeprägt. Aber gerade wenn jetzt Geld für neue Modelle in die Hand genommen wird, dann bitte nicht nur für die Entwicklung des Autos. Das macht die ganze Welt derzeit. Ein Fahrzeug ist etwas, das in erster Linie einer konkreten Nutzung dient. Und diese Nutzungen sind sehr unterschiedlich. Transporte, Wochenendausflüge, Familienkutsche, kurze Wege, Pendeln von/aus der Stadt…die Vielfalt ist groß. Warum nicht auch das Angebot für den einzelnen vervielfältigen?

Ein Auto zu besitzen, kostet viel Geld. Und wer glaubt, dass ein Elektroauto in der Anschaffung substantiell weniger kosten wird, irrt. Die “Treibstoff”kosten werden tatsächlich sinken. Dass der Besitz eines Autos Normalität geworden ist, ist einerseits zu akzeptieren, andererseits ist die ökonomische Bilanz meist eine Katastrophe. Die Kosten für Mobilität sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Und steigen weiter. Laut Verkehrsclub Österreich wurden im Jahr 1970 noch zehn Prozent des Haushaltseinkommens für Mobilität ausgegeben, hingegen werden es im Jahr 2020 bereits 25 Prozent sein. (siehe VCÖ) Eine derartige Verteilung (neben dem dominanten Teil “Wohnkosten”) ist völlig sinnentfremdet.

Neue Modelle und neue Akteure für die Mobilität der Zukunft

Wo entsteht Innovation? Meist nicht in der zentralen Planungsabteilung, sondern durch Trial & Error in periphären Strukturen (nicht örtlich, sondern organisationstechnisch gemeint). Daher ist genau jetzt die Zeit, neue Sachen auszuprobieren und  entstehen zu lassen.

Was neue Modelle auslösen können, beweist Shai Agassi mit dem Better Place Projekt. Toll, was er bewirkt, aber ob das wirklich das sich durchsetzende Modell sein wird, kann derzeit noch kein Mensch sagen.

Wir brauchen daher nicht nur die Achse aus Technologieunternehmen, E-Wirtschaft und Automobilbranche, sondern Player, um die es derzeit noch recht ruhig in Sachen Elektromobilität ist. Z.B.

  • Kommunale Verkehrsbetriebe, die sich als integrierte Mobilitätsdienstleister verstehen und dabei eine Vielfalt an Möglichkeiten offerieren, auch die Elektromobilität.
  • Taxi-Unternehmen und Autoverleiher, die über Infrastruktur verfügen und damit auch einfache Lademöglichkeiten.
  • Bauträger, die in Wohnprojekten nicht nur Wohnraum anbieten, sondern z.B auch Mobilitätsnutzungen (warum nicht bei größeren Bauprojekten gleich die Mobilität als Angebot mitverkaufen? Ich biete nicht ein Auto, sondern viele Nutzungsformen inkl Stromtankestelle am Siedlungsgelände)
  • Große Unternehmen, die in ihrem eigenen Bereich auf Elektromobilität bauen und ebenfalls über Infrastruktur verfügen. Das Elekto-Dienstfahrzeug ist leichter zu versorgen als die Privatkutsche, die immer woanders steht.
  • Die ÖBB, die über nachgerade ungeahnte Möglichkeiten verfügt, wenn sie denn nicht ständig andere Sorgen hätte.
  • und viele viele mehr. Als Teil einer Projektentwicklungsgruppe in diesem Bereich diskutieren wir viele Konzepte und es stellt sich heraus, dass sich die Kernfrage nicht primär um das Auto dreht, sondern um die Infrastruktur. Aber diese ist vorhanden. Und zwar nicht an der klassischen Tankstelle.

Die Modellregionen wie die Vlotte in Vorarlberg, jene von Austrian Mobile Power und anderen Projekten werden viele Learnings bringen, aber dabei soll es nicht bleiben. Mutige Unternehmen und Projekte braucht das Land, die jetzt Neues probieren.

Und es braucht auch eine mutige Politik. Eine Politik, die auch ihre Verantwortung in der Stadt- und Regionalentwicklung wahrnimmt und dabei nicht primär für die fossile Automobilität einzelner plant, sondern den Ansprüchen und Bedürfnissen der Zukunft versucht, gerecht zu werden. Das wäre dann einer jener Ansätze, wo der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur als Worthülse verwendet werden könnte. Auch das gehört zentral für die Mobilität der Zukunft mitgedacht.

More to come…





Guestblogging auf SustainableCities.dk

7 07 2009

sustainable-cities-screenshIch freue mich, seit kurzem Gastblogger des international renommierten dänischen Portal Sustainable Cities zu sein. In unregelmäßigen Abständen werde ich über Projekte, Themen und Initiativen zur nachhaltigen Stadt bloggen und dabei auch aus Erfahrungen in Wien berichten.

Mein erster Beitrag auf dem Sustainable Cities Blog setzt sich mit zwei umgesetzen Projekten in Wien auseinander, deren Ausgangspunkt ua. in Kopenhagen lag.

Sustainable Cities wird vom Dänischen Architekturzentrum betrieben. Ein Portrait dieser Initiative und der Akteure demnächst hier zu finden.

Neben dem Blog bietet SustainableCities.dk eine sehr wertvolle, sich laufend erweiternde Datenbank, das Best Practice Beispiele aus unterschiedlichsten Städten beleuchtet und portraitiert. Der Ansatz des Portals entspricht sehr meinem eigenen. Man kann von realisierten Ideen und Projekten anderer Städte extrem profitieren, was nicht heißt, sie 1:1 zu übernehmen, sondern auch in der eigenen Kultur zu integieren und weiterzuentwickeln. Aber man muss nicht alles von Grund auf selbst erfinden. Außerdem sind internationale Projektreferenzen immer nützlich, um auch im eigenen Lebensraum Ideen umzusetzen. In den kommenden Tagen werden auch einige Beispiele aus Wien zu finden sein.





Radverkehr: Copenhagenize it

25 06 2009

Inspiriert von Christoph Chorherrs gestriger “Grundsatzrede” im Wiener Gemeinderat zum Radverkehr kann man immer nur auf das Beispiel Kopenhagen verweisen.

Erst kürzlich hatte ich die Gelegenheit, die Fahrradkultur dieser Stadt zu erleben. Meine Gesprächspartner haben bestätigt, wie dieser Weg möglich war: Ua.

  • durch massiven Ausbau hochqualitativer Infrastruktur
  • Einstiegsangebote wie das Gratis-Verleihsystem (klappt nun auch in Wien sehr gut; dass man dafür einen kleinen Beitrag zahlen muss, find ich ok)
  • durch Akteure, die den Radverkehr promoten und leben
  • durch eine Politik, die sich traut und veränderungswillig ist
  • dadurch, dass Radfahren als sicher empfunden wird, was auch mit der Kultur der Autofahrer zu tun hat
  • durch die Innovationsfähigkeit der Akteure
  • und ja auch durch eine grundsätzlich dagewesene kulturelle Verankerung

Ja, es geht um Kultur. Und dieses Video von Thorsen Dreyer zeigt dies sehr gut. Quelle ist das übrigens außerordentlich empfehlenswerte Copenhagenize.com Blog, das immer wieder spannende Updates und Ideen liefert. Der Kernsatz ist mittendrin: Bicycling is mainstream! Interessant ürbigens, dass dieses Video auch von öffentlichen Stellen und dem Tourismusverband gefördert wird. Radfahren ist Teil der Identität dieser Stadt.





Von der Subprime-Crisis zur Suburb-Crisis. Spannendes zum Verhältnis von Erdöl und Weltwirtschaft.

22 06 2009

Wie zuletzt schon erläutert, glaube ich, dass der Konnex zwischen der Weltwirtschaftskrise und der Energiekrise unterschätzt wird. Ob die Ölpreisentwicklung in den Jahren 2007 und 2008 der eigentliche Motor der Rezession ist, wage ich nicht unmittelbar zu behaupten, es gibt jedoch erstaunliche Zusammenhänge wie dieser lesenswerte Artikel von Andreas Postner darlegt. (via Blog von Johannes Rauch). Auch der Konnex zwischen Subprime-Crises und den Folgen der insbesondere in den USA ausgeprägten Suburbanisierung rund um Ballungszentren ist spannend. Die energiewirtschaftlichen Aspekte von Verkehrswegen bleiben in der Diskussion weitgehend unterbeleuchtet.

Es gilt jedenfalls, die strukturellen Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern auch im Sinne einer langfristigen Wachstums (sofern jene nicht überhaupt wieder hinterfragt werden wird – was ich ja nicht glaube) zu lösen, sonst stehen wir nach der Krise unmittelbar vor der Krise.

peakoil_vbgIm Artikel ist übrigens eine Studie erwähnt, die mir bislang unbekannt war.  “Peak Oil…Die internationale Diskussion und mögliche Auswirkungen auf Vorarlberg”, datiert mit November 2008. Autoren sind Andreas Postner und Willi Sieber vom Österreichischen Ökologieinstitut. Sehr ausführlich wird hier im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung auf Ursachen und Folgen der Erdölverknappung eingegangen. Im Sinne was bedeutet die Preisexplosion bei fossilen Energieträgern durch die nicht mehr entsprechend gedeckte Nachfrage nach Öl für das Land? Details dazu alsbald.

Zu finden auf der Website der Vorarlberger Landesregierung.





Quo vadis Automobilindustrie?

29 10 2008

Die Automobilindustrie ist natürlich einer der ersten betroffenen, “realwirtschaftlichen” Bereiche der Finanzkrise. Der Konsument wird vorsichtiger, Umsätze sinken, Arbeitsplätze wackeln.  Während das Klimaproblem zu keinerlei maßgeblichen Änderung in der Automobilwirtschaft geführt hat, ist nun die Frage, was Energiekrise und Finanzkrise für Folgen mit sich bringen. Es wird wohl nicht änderbar sein, dass es jetzt zu einem Einbruch kommt. Aber möglicherweise kann man die drei Krisen unserer Jetztzeit, also den Kollaps im Finanzsystem (ein Kollaps ist noch nicht das Ende),  die Klimakrise und die Energiekrise nutzen. Auch für die Frage der Subventionen stellt sich die Frage, wohin? Wo lohnt es sich, zu investieren?

Leider hat es die Automobilindustrie nahezu tutto completto verschlafen, in den letzten 10-15 Jahren neue Konzepte der Automobilität zu entwickeln. Ein verheerender Fehler, der nur durch Interessenskonstellationen und Blindheit erklärt werden kann.  Es heißt oft, die Politik denke nie länger als bis zur nächsten Wahl; aber ist es in der “Wirtschaft” wirklich anders?

Aber von der Vergangenheit in die Zukunft – jede Krise ist eine Chance. Und die heißt Innovationsentwicklung, neue Modelle, neue Achsen.

- Innovationsentwicklung: Wie zuletzt berichtet, hatte ich kürzlich die Gelegenheit, in Berlin den Eco-move Kongress zu besuchen. Mittlerweile hat auch der Pariser Autosalon stattgefunden und es zeigt sich der Trend ganz klar: die Big Player entwickeln endlich (wieder!!) Richtung Elektromobilität. Chevrolet Volt, der fesche Nissan Nuvu (hier ein schöner Bericht der Oekonews), Peugeot, Ligier, der Mini E und viele viele mehr – sind Beispiele, dass der Weg zu neuen Antrieben führt. Jene werden neue (Infra-)strukturen brauchen, neue Standards. Sarkozy hat schon 400 Mio EUR für den Infrastrukturausbau in der Elektromobilität angekündigt. Hier sind Investitionen angesagt (und ich weiß – Dilemma: weil Frankreicht Nuklearenergie)

- Neue Modelle: richtigerweise würden Ökologen gleich einwenden, dass das Automobil strukturell ein Problem ist (Stichworte: Grenzen des Wachstums, Ressourcencverbrauch). Ja, daher braucht es neue Mobilitätsmodelle. Von Carsharing, über Verleihstationen über sinnvolle EInbindung in Gesamtverkehrskonzepte. Warum soll das kein Thema für die Branche sein? Der strukturelle Shift wird aber auch mehr als ein paar Jahre dauern.

- Neue Achsen: Automobilindustrie – E-Wirtschaft – Solarwirtschaft. Lange haben die miteinander nix zu tun gehabt. Die Elektromobilität erfordert hier, wenn sie sinnvoll gestaltet ist, neue Kooperationsachsen. Einerseits um neue Innovationen zu ermöglichen, andererseits um zu Standards zu kommen. Die Big Player haben sich ehrlich gesagt nicht als große Öko-Innovatoren ausgezeichnet; vielleicht kommen die Innovationen aber über Kooperationen. Hier gilt es Barrieren abzubauen. In Österreich wird darüber leider kaum diskutiert

Wie am BEWAG Ökocenter Blog richtig erläutert wird, sind in naher Zukunft insbesondere lokale, regionale und städtische Konzepte verheißungsvoll. Denn es wird noch Jahre dauern bis wir standardisierte Infrastruktur zur Verfügung haben.

Aber auch hier gilt es, von aktuellen Fahrzeugen zu z.B. Stadtautos zu kommen, die in Sachen Design, Funktionalität und Effizienz in einer anderen Liga spielen. Der Weg dorthin ist wohl nicht mehr aufzuhalten; aber genau sind jetzt Investitionen in Modelle, Technologie und soziale Innovation als Antwort auf die drei großen Krisen unserer Zeit gefragt.





eco-move berlin: was bewegt uns morgen?

16 10 2008

Ja klar, die Finanzkrise zieht berechtigerweise die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Notfallspakete für angeschlagene Banken sind zentrale Schritte gewesen. (wer weiß, vielleicht tragen sie ja auch noch zur Identitätsstiftung Europas bei? internationale Krisen brauchen Kooperationsstrukturen – vielleicht begreifen das auch die Europaskeptiker)

Dadurch werden jedoch auch die anderen großen Krisen unserer Zeit ein wenig verdrängt: z.B. die Energiekrise und der Klimawandel.

Daher Szenenwechsel: Ich bin derzeit in Berlin und nehme ua. am eco-move Kongress (samt Ausstellung) teil, der sich mit Zukunftskonzepten und aktuellen Entwicklungen der Mobilität auseinandersetzt und vom Bundesverband Solare Mobilität veranstaltet wird. Das Motto lautet  “Was bewegt uns morgen?” Im Fokus: die Elektro-Mobilität.

Wer sich mit der Energiefrage länger auseinander setzt, weiß, dass das Elektroauto schon vor ca. zwanzig Jahren großes Thema war. Insbesondere Kalifornien galt als Vorreiter bei emissionsarmen Fahrzeugen – bedingt durch den Clean Air Act und teils rigorosen Maßnahmen und Quoten für emissionsfreie Vehikel. Leider kam es dann durch massives Lobbying der Auto- und Fossilindustrien und – wie ich einschätzen würde – einen generellen politischen Backlash für Ökothemen in der Reagan-Ära zu Rückschritten und einem Einfrieren vieler innovativer Entwicklungen.  Meine Aufenthalte in Kalifornien haben mir das immer wieder gezeigt. Im Elektrobereich hat letztlich aber die Automobilindustrie weltweit viele Pläne auf Eis gelegt.

Werner Zittel, einer der renommiertesten Peak Oil Experten im deutschsprachigen Raum, erläutert im Rahmen von eco-move, dass man sich nicht täuschen lassen darf vom derzeit aktuell gefallenen Ölpreis. Denn erstens liegt der Ölpreis immer noch auf deutlichem höheren Niveau als vor 2-3 Jahren (und all die Jahrzehnte davor). Und der Anstieg um 100% zwischen Juni 2007 und Juni 2008 auf rund 140$ pro Faß ist nicht nur auf eine Spekulationsblase zurückzuführen. Der explodierende Ölpreis blieb übrigens nicht ohne Folgen. So ist der Ölverbrauch der USA 2008 bislang um 10% geringer als im Vorjahr. Zittel meint zu Recht, dass man erstmals die Vorläufer und Folgen des weltweiten Ölfördermaximums spürt, das knapp bevor steht.  Manche meinen, wir hatten schon Peak Oil; andere sagen, er würde erst kommen. Am strukturellen Problem und dem notwendigen strukturellen Wandel ändert das nichts.

Der Mobilitätsbereich ist dabei einer der vielen Schlüssel (für ein Mehrfachschloß namens Energiewende). Und ehrlich gesagt, die strukturellen Schwierigkeiten, die wir aufgrund der Abhängigkeit vom Automobil haben, werden nicht so schnell zu lösen sein. Dafür haben sich unsere Siedlungsräume zu wenig nachhaltig entwickelt (Stichwort Zersiedelung). Die Frage, wie das Auto der Zukunft aussieht, ist daher essentiell. In einigen Bereichen wie Elektrofahrrädern oder Scootern gibt es derzeit schon marktnahe und -taugliche Modelle; beim Auto selbst schaut die Sache noch diffiziler aus.

Ich werde in den kommenden Tagen einige meiner Eindrücke der Konferenz bloggen, hier eine erste ZUsammenfassung:

  • Die Zeit, wo die großen Autoproduzenten Elektromobilität ignorieren konnten, sind vorbei. Dahezu alle Big Player investieren derzeit massiv in Konzeptfahrzeuge; einige schon in serienmäßige Modelle. Der Hybrid wird weiterentwickelt. Großes Thema derzeit ist der Plug-in-Hybrid, bei dem man den Akku zwischenzeitlich an´s Netz hängt und auflädt und er damit noch effizienter wird. Außerdem kündigen sich effiziente Hybride in deutlich mehr Autoklassen als derzeit an.
  • Am Markt sind derzeit Nischenmodelle, etwa Leichtfahrzeuge wie der Twike, der auch vor Ort ausgestellt wurde. Aber es ist kein Zufall, dass bei den großen Automessen, etwa dem derzeitigen Autosalon in Paris, Konzeptfahrzeuge für Serienmodelle präsentiert werden. Das neue herausgekommene Magazin Eco-mobil gibt eine beeindruckende aktuelle Marktübersicht.
  • Infrastruktur, Akku, Reichweite und – wie ich es nennen würde – Design (z.B. das „Tank“konzept) bleiben die zentralen Fragen, an denen intensiv gearbeitet wird. (mehr dazu in einem der kommenden Beiträge)
  • Die Stadt als dichter Raum ist der ideal Raum, um die Elektromobilität voranzutreiben. Insofern ist es völlig richtig, dass der Klimafonds mit der aktuellen Ausschreibung hier einen neuen Schwerpunkt setzt.
  • Generell: ohne staatliche Aktivitäten und Initiativen wird´s nicht gehen. Denn die Verquickung von Infrastruktur, Versorgungsfragen, Technologie, einheitlicher Standards uvm. braucht einen gemeinsamen Rahmen und Anreize. Israel zeigt diesbezüglich, wo´s lang geht.
  • Die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist natürlich stark davon abhängig, aus welchen Quellen der Strom produziert wird. Wenn China (was durchaus der Fall ist) auf E-Mobilität setzt, ist das innovativ, aber aufgrund des massiven AUsbaus von Kohlekraftwerken nicht zwingend nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes. Daher ist klar: wir sollten primär über Elektromobilität auf Basis erneuerbare Energiequellen reden.
  • Das Thema Netzintegration von Elektrofahrzeugen wird sehr spannend. Hier wird´s auch für die E-Wirtschaft, also in dem Fall die Netzbetreiber interessant, denn die netzintegrierten E-Fahrzeuge können ein idealer Speicher für die schwankende StromProduktion sein. (in Deutschland z.B. mit der Windkraft ein Thema). Es ist Zeit, dass Solarwirtschaft und E-Wirtschaft, die historisch ein eher angespanntes Verhältnis haben, möglicherweise genau hier eine Brücke bauen.
  • Die Elektromobilität ist derzeit DAS Megathema der Szene. Und das ist gut so. Auch für Österreich bieten sich hier Chancen. Einerseits aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils Erneuerbarer an der Stromproduktion, andererseits durch konkrete Technologieentwicklung – etwa im Bereich Batterien und Solar.





hei solar light: design + innovation made in Vienna

2 10 2008

Wer meint, dass die Photovoltaik eine Technologie sei, die ausschließlich Unternehmen im Ausland zum Erfolg verhilft, liegt total falsch. Firmen wie der Wechselrichter-Erzeuger Fronius oder Solon Hilber beweisen das seit vielen Jahren.

Vergangenen Dienstag war ich bei der Klimafonds-Präsentation einer neuer Innovation im Photovoltaikbereich aus Österreich: hei solar light™ ist eine netzunabhängige, autarke Solarleuchte, die keinen Stromanschluss benötigt und ausschließlich durch Sonnenenergie betrieben wird. Entwickelt wurde das Produkt von HEI, einem Unternehmen aus Wien, das ua. bei gebäudeintegrierten Solarfassaden mit erstaunlichen Produktinnovationen für Furore gesorgt hat. Aber zurück zur Solarleuchte:

Vieles spricht für diese Neuentwicklung. Der Strom aus Sonnenenergie ist kostenlos, die Leuchte braucht keine Erdarbeiten für Zuleitungen oder Straßenquerungen, keine Kabelverlegungen, keine externe Stromversorgung, sie bietet Allwettertauglichkeit und ist aufgrund hochwertiger , langlebiger Komponenten wartungsarm (im Gegensatz zu manch solaren Gimmicks) und last but not least: LED´s ziehen keine Insekten an (genau, das Problem kennen wir alle!)

Die Leuchte wirkt ideal für viele Anwendungen im privaten und öffentlichen Raum. Und genau deshalb wird sie jetzt breit getestet. Der Klimafonds finanziert ein Projekt, in dem in 50 Klimabündnisgemeinden unterschiedliche Erfahrungen mit der neuen Solarleuchte gesammelt werden. Die Referenz wird für die Entwicklung und letztlich Marktdurchdringung entscheidend sein. Ein kritisches Thema derzeit ist z.B. noch die Beleuchtungsstärke, die für gewisse Anwendungen im öffentlichen Raum nicht ausreicht.

Was mir an dem Projekt so gut gefällt, ist die Kombination aus technologischer Innovation und Design. Ein Schlüssel für nachhaltige Produkte, der immer noch unterschätzt wird. Die Brücke zwischen Innovatoren, Energietechnologien und z.B. der produktorientierten Kreativwirtschaft wird zu selten geschlagen; das Potential ist enorm. Mit HEI hat beispielsweise das Wiener Industriedesign-Büro GP designpartners aus Wien kooperiert.

Nun, wie funktioniert die Solarleuchte: Der Clou ist das völlig neuartige Photovoltaik-Element in Rohrform. Dazu werden hocheffiziente Photovoltaik-Zellen in ein gehärtetes Glasrohr eingebracht. Die senkrechte Orientierung des PV-Moduls und die allseitige Anordnung der PV-Zellen sorgt für Wintertauglichkeit.

Eine speziell dafür entwickelte LED-Technologie ermöglicht individuelle, an den Standort angepasste Lichtgestaltung. Gespeichert wird die Sonnenenergie in einem in die Leuchte integrierten Solarakku. Ausgeklügelte Elektronik überwacht den Ladezustand des Energiespeichers, sodaß die Beleuchtungsstärke adaptiert werden kann und sich am Bedarf orientiert (z.B. bei Schlechtwetter)

Wenn die zuverlässige Ganzjahrestauglichkeit der Leuchte erwiesen ist, wird sie zur echten Alternative für Straßen-, Platz- oder Gehwegbeleuchtung – und das völlig autark und ganz ohne Stromanschluss.

Weitere Informationen gibt´s auf der Website von HEI.






Greening the Ballhausplatz

8 09 2008

Heute hat Greenpeace eine interessante Presseaussendung gemacht. Unter dem Titel “ÖVP predigt Wasser und trinkt Wein” kritisiert die Umweltorganisation, dass die ÖVP Klimaschutz propagiert, und gleichzeit jedoch über zwanzig SUVs für den Wahlkampf verwendet. Die stark CO2 emittierenden “Sportgeländewagen” der Marke Toyota RAV 4 dienen der Volkspartei als fahrende Werbeflächen in den Städten, wo Autos dieser Größenordnung und dieses Treibstoffverbrauchs eigentlich nichts verloren hätten, so die Greenpeace Aussendung.

Vorweg, Greenpeace hat Recht. Sowas sollte nicht passieren, auch wenn nicht jede Sünde gleich in die Hölle führt. Das bringt mich aber auf die Idee, endlich über ein Programm zu schreiben, das mich im Rahmen der Ecocity Konferenz in San Francisco schwer beeindruckt hatte: “Green the Capitol”.

Denn wo unglaubliches Klimaschutzpotential liegt, ist der eigene Bereich der Verwaltung bzw. öffentlichen Hand: als Vorbild, als Auftraggeber, als Nachfrageimpuls. Und natürlich ist es interessant, die Parteien selbst im Auge zu haben. Daher der Bezug zur Greenpeace-ÖVP Aussendung.

Aber zurück zu Greening the Capitol. In einem wirklich beeindruckenden Referat präsentierte Dan Beard, der Verwaltungschef des Repräsentantenhauses ist und der Vorsitzenden Nancy Pelosi direkt untersteht, diese Initiative. Sie hat letztlich zum Ziel, das Repräsentantenhaus zum ersten CO2-neutralen Verwaltungskörper weltweit zu machen (was genau genommen ein rechnerisches Unterfangen ist, aber dennoch ein spannendes Modell)

Es wurde ein detailliertes Maßnahmenprogramm erarbeitet, das von der Energieeffizienz in Gebäuden, über die Beschaffung, die Beleuchtung, der Stromverbrauchsreduktion im Nutzerverhalten (dort arbeiten immerhin 10.000 Leute), der Fahrzeugflotte, dem Plastikgeschirr in der Küche und dem Abfall nahezu alle Bereiche umfasst. Der wichtigste Schritt zu Beginn: eine eingehende Analyse – mit teils erstaunlichen Daten.

Hier sieht man z.B. den gigantischen Anteil, den die Kühlung am Energieverbrauch der Gebäude einnimmt. Nur nur ein us-amerikanisches Problem, sondern überall ein Riesenthema.a.

Die Daten sind aus dem Bericht zu Green the Capitol.

Nur ein Beispiel: derzeit versorgt ein Kohlekraftwerk das Repräsentantenhaus mit Strom – in Zukunft wird es zu 100% mit Strom aus Windkraft versorgt.

Weiteres Ziel ist die Halbierung des Energieverbrauchs innerhalb von zehn Jahren.

Hier das Szenario von Green the Capitol. Was mir daran so gefällt, ist der kulturelle Zugang, nämlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im März 2007 begann das Green the Capitol Programm. im Dezember darauf gab es schon den ersten Fortschrittsbericht mit einer Vielzahl an Maßnahmen.

Man kann umweltpolitisch viel über die US-Amerikaner schimpfen und tatsächlich sind sie in vielen Bereichen ökologisch hinten, aber diesen Spirit des Anpackens und Durchziehens bei konkreten Initiativen vermisse ich manchmal in Österreich. Wie wär´s z.B. mal mit Greening the Ballhausplatz nach dem 28. September?

Hier der Vortrag von Dan Beard bei der Ecocity Konferenz in San Francisco.

Mehr Informationen auf der Website von Green the Capitol





Von der visionären Idee zur Realität: das Biomassekraftwerk in Wien

5 08 2008

Der Ursprung der Projektgeschichte liegt eine Weile zurück.

Es war im Jahr 2000, als erstmals in kleinen Zimmer des Klubobmanns der Grünen im Rathaus, Christoph Chorherr, die Idee eines Biomassekraftwerks für Wien angedacht wurde. Biomasse? In Wien? Für viele eine verrückte Idee. Als damaliger Mitarbeiter von Christoph Chorherr hatte ich die Gelegenheit bei der Ideenentwicklung, politischen Betreuung und dem Projektmanagement der ersten Jahre dabei zu sein.

Letzte Woche, wir schreiben das Jahr 2008, hatte ich endlich Gelegenheit, das vor zwei Jahren eröffnete Kraftwerk der Wien Energie gemeinsam mit einigen der beteiligten Experten zu besichtigen. Und wenn ich daran denke, welch skeptischen Reaktionen unsere Idee von damals zunächst erntete, können heute viele Projektbeteiligte auf die Realisierung stolz sein.

Ich will kurz beschreiben, wie es letztlich zum Projekt kam und in weitere Folge, welche Bausteine (politisch, energiewirtschaftlich, strategisch-kommunikativ) meiner Meinung nach wichtig waren, dass am Ende tatsächlich das größte Waldbiomassekraftwerk Österreichs in Betrieb gegangen ist. Viele Bedenken mussten im Verlauf der Jahre aus dem Weg geräumt werden (gibt´s so viel Holz? Hält das der Kessel aus? Ist das wirtschaftlich betreibbar? Macht das in der Stadt einen Sinn? Funktioniert das überhaupt?)

Vorweg: ohne Politik wäre es nie zu diesem Projekt gekommen. Das Biomassekraftwerk ist ein Beispiel dafür, dass Politik auch in einem komplexen, liberalisierten Bereich wie dem Energiemarkt, mit Gestaltungswillen zu tun hat. Und das es geht. Wenn man will und Bündnispartner findet.

Im Mai 2001 – nach der Gemeinderatswahl in Wien – wurde zwischen SPÖ und GRÜNEN 23 gemeinsame Projekte vereinbart. Ergebnis der Verhandlungen war eine schriftliche Projektvereinbarung, die vom Wiener Bürgermeister Häupl und dem Klubobmann der Grünen, Chorherr Chorherr, gemeinsam präsentiert wurde.

Vereinbar wurde, dass eine Machbarkeitsstudie alle Rahmenbedingungen für ein Biomasse Kraftwerk in Wien klärt: technisch, wirtschaftlich, standortbezogen. Die laufende Unsicherheit über die Rahmenbedingungen des Ökostromgesetzes machten die Planungen schwierig. Ohne die Inputs wichtiger Experten wäre es ebenfalls kaum zur Realisierung gekommen.

Der Knackpunkt in der Meinungsbildung von Stadt Wien und „Wien Energie“ war interessanter weise ganz ein anderes Erlebnis: nämlich eine Reise nach Skandinavien, zur Besichtigung von damals schon bestehenden Kraftwerken wie zb. Eskilstuna in Schweden.

Ich werde nie die langen Busfahren zwischen den Kraftwerksbesuchen vergessen, in denen die Experten ihre Eindrücke austauschten und so im Für und Wider ein echte Perspektive für das Projekt entstand. Und der Wille, wir schauen uns das ganz genau an, ob es geht.

Die Anlage hat nun eine Brennstoffwärmeleistung von 66 Megawatt. Die Wald-Biomasse wird am Hackplatz am Alberner Hafen (Bahn, Schiff, Lkw- Anschluß) der Österreichischen Bundesforste, aufbereitet. Das Kraftwerk ist für rund 600.000 Schüttraummeter ausgelegt. In geplanten Normalbetrieb bedeutet das Kraftwerk eine CO2-Vermeidung von 144.000 Tonnen. Rund 12.000 Haushalte können mit Wärme und 48.000 mit Strom versorgt werden.

Dass es dabei auch heikle Punkte gibt, wird im nächsten Beitrag dazu nicht verschwiegen…