knapp daneben…ist manchmal weit am ziel vorbei

23 03 2009

Die aktuelle Inseraten-Auseinandersetzung zwischen Wiener FPÖ und Wiener SPÖ erweckt auch mein Interesse. Max Kossatz stellt auf  Wissen Belastet im heutigen Posting zwei Inserate gegenüber. Ich hab mich gestern schon bei der Lektüre der Kronen Zeitung geärgert. Und zwar über das Inserat der Wiener SPÖ:
knapp_daneben

Ich verstehe nicht, welches Ziel dieses Bild verfolgt. Ok, die Botschaft ist ein Statement gegen HC Strache. Das Bild mit dem Kreuzeck soll wohl die Assoziation Fußball wecken und damit Interesse bei bestimmten Zielgruppen generieren  (?). Möglicherweise ist das ein Hinweis, dass vor allem Jugendliche die Adressaten sind. Man denke nur an die hohe Szenezugehörigkeit Jugendlicher zum Thema “Fußball” (siehe zB. T-Factory)

Aber für wen macht man so ein Inserat?

Option 1:  Für die substantielle Schnittmenge zwischen SP/FP-WählerInnen?

Die werden aber durch dieses Bild von gar nichts überzeugt. Es gibt null inhaltliche Botschaft, was denn an Strache schlecht sei. Und zu glauben, dass man dasden  WählerInnen im gemeinsamen SP/FP-Potential nicht erläutern müsse, ist schlicht falsch. Und wie gesagt, das gemeinsame Potential ist quantitativ nicht unerheblich.

Option 2: Für SP-SympathisantInnen oder Personen aus dem Rot/Grün Potential mit dem Ziel, vorhersehbare Zustimmung (weil gegen Strache)  zu erzielen?

krone_wahlverhaltenDie erreiche ich aber über die Kronen Zeitung kaum. Ich erinnere nur an die Auswertung nach der Nationalratswahl, wen Kronen Zeitung-LeserInnen wählen. Genau hier würde die Kampagne SP-FP WählerInnen erreichen. Insofern ist das Inserat aber falsch platziert, denn – siehe oben – genau dafür biete ich keine Botschaft.

Ich glaube immer noch, dass die Antwort auf die FPÖ eine inhaltliche und zugleich emotionale sein muss. Insbesondere jugendliche WählerInnen, die derzeit stark von der FPÖ vereinnahmt werden , brauchen klare Antworten, die zeigen, dass die FPÖ überhaupt kein substantielles Konzept hat, sondern nur Sündenböcke für soziale Probleme bietet.  Nicht alle davon sind rechtsaußen sozialisiert, sondern werden derzeit – offenbar mangels Alternativen – zur FPÖ verleitet. Es wäre Aufgabe insbesondere der SPÖ, aber auch der anderen Parteien, hier zu antworten.

Ein zweites Beispiel ist das FPÖ-Coverinserat im Bezirksjournal für die “Freiheitlichen Arbeitnehmer”. Die Botschaften sind Förderung der Lehrlingsausbildung, Freifahrt für Berufssschüler, aktives und passives AK-Wahlrecht ab 16 usw… so blöd es klingt: die bieten zielgruppenadäquaten Inhalt.

unter_30Die Daten der WählerInnengruppe der “Unter 30jährigen” hatte bewiesen, wie erschreckend schwach sie SPÖ in diesem Segment geworden ist und dass ihre Jugendkampagnen offenbar ihre Zielgruppen nicht erreichen; zugleich ist die FPÖ genau in diesem Segment stark.

Die Antwort darauf muss Substanz bieten, nicht nur ein weitgehend  inhaltsleeres Motiv.





Spendenabsetzbarkeit: “Ja”, “Ja”, “Ja, “Ja”, Ja” – und was jetzt?

28 11 2008

Galt früher das Archiv als natürlicher Feind des Politikers ist es heute wohl – zumindest in diesem Sinne – Youtube. Das beste Beispiel: das klare Bekenntnis aller im Parlament vertretenen Parteien bei der sog. ORF Elefantenrunde zur Absetzbarkeit von Spenden für Non-Profit-Organisationen. Alle Fraktionsvertreter antworten auf die Frage von Ingrid Thurnher kurz mit “Ja”, “Ja”, “Ja, “Ja”, Ja”. Ein seltener Konsens. Dann wird bissl gegrummelt, Werner Faymann lacht herzlich (aber nicht, dass alle dann NGOs werden), Molterer will das aber nur dort, wo Spenden sinnvoll eingesetzt werden. Na bitte, dafür gibt´s sogar ein Gütesiegel, das sog. Spendengütesiegel (siehe Website der Interessensgemeinschaft Gemeinnütziger Organisationen)

Viele der betroffenen Organisationen haben vorgestern mit einer Protestaktion an dieses wichtige Anliegen erinnert. Im Regierungsübereinkommen ist das nämlich nicht vorgesehen.  Kein Wort dazu.

Am 9. Dezember kommt lt. OTS von Werner Kogler ein diesbezüglicher Antrag in den parlamentarischen Finanzausschuß. Kommt die Spendenabsetzbarkeit nicht, rechnen die heimischen NGOs wie Ärzte ohne Grenzen, Caritas, Diakonie, GLOBAL 2000, Greenpeace, Hilfswerk, Rotes Kreuz, WWF und viele mehr mit weiteren gravierenden AUswirkungen, da im Zuge der Wirtschaftsflaute das Spendenvolumen sinken wird; der Bedarf an NGO Leistungen wird jedoch steigen. Eine kritische Situation, wo genau jetzt der Staat durch entsprechende Rahmenbedingungen steuern kann und muss.

Hier nochmals der diesbezügliche Reminder ua mit dem zukünftigen Bundeskanzler.

    




We just made history – Obama´s mail

5 11 2008

Also, wunderbar. Es gibt doch keinen 5. November, an dem wir alle in kollektive Depression verfallen müssen.

Eines der meist unterschätzten Medien der Obama Kampagne ist meiner Meinung nach übrigens das simple E-Mail gewesen. Viel wurde über die Web 2.0. Kampagne geschrieben und gesagt, die auch wirklich genial war. Aber der direkte Kontakt über Mail war schlicht perfekt. Schnell, Exklusivität vermittelnd und persönlich formuliert. Mal von Barack Obama, mal vom Kampagnenleiter, mal von Michelle oder den Clintons als Absender. Man erinnere sich nur an die Obama SMS Aktion zur Bekanntgabe des Vize-Kandidaten.

Und während man in Österreich am Tag danach standardmässig “DANKE” Überkleber über die alten Wahlplakate pickt und jeder Kandidat auch bei hohen Verlusten sein Sprücherl “Lassen mich zuerst die Gelegenheit nutzen, mich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken”, schreibt die Obama Kampagne wenige Stunden nach dem Triumph ein Mail.

Der Person, die diese Mails formuliert, ist ua dieser Wahlsieg zu verdanken:

Georg --

I'm about to head to Grant Park to talk to everyone gathered there, but I wanted to
write to you first.

We just made history.

And I don't want you to forget how we did it.

You made history every single day during this campaign -- every day you knocked on
doors, made a donation, or talked to your family, friends, and neighbors about why
you believe it's time for change.

I want to thank all of you who gave your time, talent, and passion to this campaign.

We have a lot of work to do to get our country back on track, and I'll be in touch
soon about what comes next.

But I want to be very clear about one thing...

All of this happened because of you.

Thank you,

Barack




Neuwahlen = höhere Wahlbeteiligung?

10 10 2008

Dem Motto folgend, dass fachliche Selbstgeißelung nicht nur Übel bringt, will ich kurz einen meiner großen Irrtümer vor dieser Wahl reflektieren. Die Annahme, dass die Wahlbeteiligung signifikant sinken würde, war total falsch. Ich hatte damit gerechnet, dass eine Art Politikverdrossenheit und die Unsicherheit vieler Wähler, dazu führt, dass viele einfach nicht zur Wahl gehen.

So blieb es dann eine der großen Überraschungen, dass die Wahlbeteiligung diesmal nicht gesunken ist. Ein interessantes Phänomen: Ein Blick auf die Nationalratswahlen der letzten Jahrzehnte zeigt, dass es sogar meist so ist, dass bei Neuwahlen – also vorgezogenen Wahlgängen – die Wahlbeteiligung höher war als davor. Bei der Wiederwahl 1995 war das frappant der Fall (damals sind auch die Grünen arg abgestürzt); 2002 war das so und jetzt – in schwächerem Ausmaß – wieder. Der generelle Trend zeigt natürlich abwärts, aber dennoch gibts eben Brüche (siehe rote Linien)

(click auf´s bild für volle größe)

Folgende Erklärungen könnte es geben:

1. Neuwahlen geht meist ein schwerwiegender politischer Konflikt voraus – das hilft den beteiligten Parteien bei der Mobilisierung.

2. Wahlkämpfe werden dadurch emotionaler. Es ist leichter vermittelbar, dass es “diesmal” (aber ganz wirklich) um was geht. Politik ist was emotionales – auch wenn das nicht alle Parteien immer vermitteln können.

3. Wenn es ein Auffangbecken für Proteststimmen gibt, wird die allgemeine Zufriedenheit mit der Politik eben dort ausgedrückt – siehe NR-Wahl 2008. Geht auch leichter, wenn eine Regierung krachen gegangen ist.

4. Die Briefwahl stellt natürlich ein zusätzliches Instrument dar, doch zu wählen. Ob es wirklich signifkant dazu beiträgt, dass die Wahlbeteiligung nicht sinkt, ist schwer zu sagen. Aber zumindest ein kleiner Teil dürfte 2008 drinnen stecken.

Ob der Zusammenhang Neuwahl = höhere Wahlbeteiligung auch für die Zukunft gilt, lässt sich daraus kaum ableiten. Aber die Annahme Neuwahl = geringe Wahlbeteiligung war definitiv falsch. Interessant übrigens ist zu sehen, wie selten die volle Legistlaturperiode ausgeschöpft wird. (umso skurriler wirkt die Ausdehnung auf 5 Jahre…)





Jugend wählt blau! Bedauerlich, aber nicht neu.

3 10 2008

Viel wird derzeit darüber diskutiert, wie es passieren kann, dass so viele Jugendliche bei der Nationalratswahl FPÖ gewählt haben. Sowohl die SORA-Wahlanalyse wie auch Gfk haben die FPÖ bei den Werten der “Unter 30-jährigen” vorne. Für viele ist das ein Schock. Ua.  Standard Online und die aktuelle Ausgabe der Zeit halte ich für lesenswert.

WIe immer, empfehle ich jedoch einen Blick auf die längerfristigen Entwicklungen der Stimmenanteile. Die Erkenntnis daraus: So neu ist das nicht! Schon bei Haider´s über 20% Ergebnissen in der 90er Jahren war das so. Damals hatte die FPÖ in dieser Altersgruppe 35%. Neu ist hingegen, dass BZÖ und FPÖ gemeinsam noch mehr rausholen.

Für Vollansicht Graphik anklicken! (Quelle: Gfk Wahltagsbefragungen: Daten 86-06: Plasser/Ulram: Wechselwahlen. Analysen zur Nationalratswahl 2006; Daten 2008: Presse 30.9.)

Ein mehr als betrübliches Signal ist das Ergebnis hingegen für SPÖ und Grüne.

  • Für die SPÖ, weil sie einen deutlichen Schwerpunkt auf den Jugendwahlkampf mit Laura Rudas an der Spitze gesetzt hat. Hier ist es nicht gelungen, die Zielgruppe zu überzeugen. Offenbar war es viel leichter, in der Opposition bei der letzten Wahl zu punkten.
  • Für die GRÜNEN, weil sie in dieser Gruppe zuletzt signifikant bessere Werte hatte (bei der letzten Wahl über 20%) als in allen anderen Altersgruppen. Und diesmal hat sie anteilsmäßig deutlich mehr bei unter 30-Jährigen verloren als in den anderen Alterskategorien. Ein Zeichen dafür, dass die GRÜNEN neue Wege, Kommunikationskanäle und auch Personen brauchen, um die Zielgruppe zu erreichen. Ein Nachdenken muss insbesondere darüber einsetzen, wie man diese Altersgruppe in Milieus erreicht, die nicht von vornherein grün-affin sind. Also nicht nur Alternatives und Indies.




Der Krone-Effekt

1 10 2008

Nach ein paar Tagen Blogstille, die weniger mit post-elektoraler Depression als mit den unterschiedlichen Haufen Arbeit am Desktop zu tun haben, beginne ich mit einer kleinen Serie an Einschätzungen zur Wahl.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass es falsch ist, gleich am Wahlabend oder dem Tag danach alle Analysen und Erklärungen parat zu haben, weil es meistens nur darum geht, das zu bestätigen, was man “eh schon immer gesagt oder gedacht hat”. Ich gestehe offen, dass ich in einigen Einschätzungen daneben gelegen bin.

Wohltuend hebt sich auch Helge´s Analyse zu den GRÜNEN ab. Er hat in vielen Punkten Recht, insbesondere was die Medieneinschätzung betrifft, aber auch die Kommunikationsarbeit als Partei oder eben Mittlerweile-Zu-sehr-Partei.

Aber kommen wir zu was anderem und zugleich auch wieder nicht: Der gestrige Standard hat die Gfk Daten interessant aufbereitet und auch solche enthalten, die nicht in der Ulram/Plasser Presseaussendung drin waren. Nämlich ua. zum Wahlverhalten der LeserInnen bzw. Nicht-LeserInnen der Kronen Zeitung. Die folgende Graphik auf Basis dieser Daten zeigt,

  • einerseits den jeweiligen Anteil der WählerInnen nach unterschiedlicher Kronen Zeitungsnutzung (z.B. Exklusivleser der Krone machen 17% der Gesamtheit aus),
  • andererseits wie innerhalb dieser Nutzungsgruppen die Personen gewählt haben.

Es zeigt sich, dass die Exkusivleser der Krone überproportional SPÖ wählen (surprise surprise) und die FPÖ.  ÖVP und noch extremer die Grünen sind in der Gruppe weit unter ihren Werten. Nun hat das natürlich nicht nur mit Mediennutzung, sondern auch mit Milieu, Bildung etc. zu tun, aber sieht man sich folgende Zwischenbilanz in der subjektiven Präferenz der Krone-Berichterstattung an, ist klar, wie der Hase läuft. Das BZÖ wird z.B. nicht mehr überdurchschnittlich von Exklusiv-Krone Lesern gewählt, hat aber auch in der Berichterstattung weniger positiven Rückenwind erhalten.

Die letzte Wahlkampfwoche sowie andere Zeitungen sind noch in Auswertung., Dank an Brigitte Naderer für ihre diesbezügliche Arbeit.

Interessant übrigens in der Graphik oben ist die Kategorie Nicht-Leser von Tageszeitungen. Der hohe Wert der GRÜNEN (12%): wächst da eine Generation an InternetNewsern an, die auf das gedruckte Blatt nicht mehr angewiesen ist? Wär spannend zu wissen.

more to come…





Wahlwetten – Trends aus drei Wochen Betmonitoring

26 09 2008

Rund drei Wochen hab ich mir nun nahezu jeden Tag die Quoten der einzelnen Wettanbieter in Österreich angesehen, um einen Stimmungsbarometer aus Sicht der Buchmacher zu erhalten. Nicht, dass dies treffsicherer ist als Umfragen; jedoch fliessen Eindrücke aus Konfrontationen, Berichterstattung etc. teilweise stärker ein. Meines Erachtens ist dies ähnlich zu den Wettbörsen. Und gar nicht uninteressant. Seit meinem ersten Eintrag dazu hat sich doch einiges getan – nicht nur in der Qualität der Excel Graphiken ;)

Zeit also für ein kurzes Resumée.

The rise of SPÖ and fall of ÖVP

Das ist doch sehr eindeutig. Jedenfalls klarer als bei den Umfragen. Auch in den letzten Tagen wurde nochmals der Trends verstärkt, dass die SPÖ nun klarer Favorit ist, stimmenstärkste Partei zu werden. Die ÖVP ist zum Außenseiter geworden. Verstärkt hat dies eindeutig die Performance von Wilhelm Molterer bei den TV-Konfrontationen. Dieser Trend ist bei allen Wettbüros gleich; auch wenn die Quoten Unterschiede aufweisen.

Unterschiedliche Einschätzung Wahlbeteiligung

Diese Wette ist in den vergangenen Tagen bei bet-at-home und schon länger bei Bwin hinzugekommen. Interessant, dass die Einschätzungen doch sehr variieren. Während bei bet-at-home die Quoten massiv zurecht gestutzt wurden, im Sinne die Wahlbeteiligung wird unter 80% liegen (hier kann man nur unter bzw. über 80% wetten), ist bei bwin die Quote auf “über 80%” gesunken. Jedoch auf deutlich höherem Niveau. Hier muss man jedoch genauer setzen, da vier Intervalle angeboten werden. Meines Erachtens war bet-at-home zu Beginn doch zu optimistisch, was die Wahlbeteiligung betrifft.

Der Absturz des nunmehrigen Außenseiter Fritz Dinkhauser…

Wer weiß, vielleicht täuschen sich ja alle und die Liste Fritz sorgt für eine Überraschung. Vorstellen kann ich mir das aber nicht. Dinkhauser´s Kurve ist eindeutig. Wurde vor drei Wochen noch mit seinem Einzug spekuliert, ists er jetzt totaler Außenseiter. Und zwar bei allen Wettbüros. Das hat wohl nicht nur mit seiner geringen Präsenz rund um die TV-Konfrontationen sein.

… und der Aufstieg von Jörg Haider

Aus Sicht der Buchmacher ist der Wahlkampf von Jörg Haiders BZÖ gut gelaufen. Die Quoten haben sich im Verlauf der vergangenen Wochen enorm entwickelt. Die Meßgrößen wurden immer wieder adaptiert. War zu Beginn noch die Frage, ob das BZÖ 5% erreicht, muss man jetzt teilweise auf 9% over/under wetten. Bei Admiral z.b. konnte man am am 7.9. noch setzen, dass das BZÖ bei einer Quote von 1:1,95 über  6,9% kommt; mittlerweile gibt es eine ausgeglichene Quote von 1:1,8, dafür dass es 8,9% erreicht,

Die 5% Wette gibt es noch bei bet-at-home, ist jedoch unattraktiv, da man für das Überschreiten der Grenze nur 1:1,2 erhält. Sollte das BZÖ drunter bleiben, gibts 1:3,6 (am 7.9. waren es noch 1:2,7)


Weniger Bewegung bei FPÖ und Grün

Wenig Bewegung gab es hingegen bei den Grünen, wo es nur marginale Änderungen der weitgehend ausgeglichenen Quoten zwischen 1,8 und 1,9 dafür gab es, dass die Grünen 11% (Admiral) oder 12% unter- oder überschreiten (bwin und bet-at-home). Die FPÖ wird zwischen 18 und 19% gewettet. Auch hier weniger Verschiebungen in den letzten Wochen.

Ach, schwankend Lif

Das Liberale Forum war ein wenig flatterhaft aus Sicht der Buchmacher. Die Affäre und um mittlerweile ex-Vorsitzenden Alexander Zach hat sich doch ausgewirkt in der EInschätzung der Wettbüros. Über einen längeren Zeitraum betrachtet werden die Chances des Lif als intakt gesehen; jedoch wie gesagt mit einem Dämpfer gegen Ende.

Aja, und falls wer Außenseiter-Wetten mag: Wer darauf setzt, dass Wolfang Schüssel nochmals Kanzler wird, kriegt für 10,- Eur 300,- retour. Da kann man fast schon auf Alfred Gusenbauer setzen. Der hat eine Quote von 1:200 bei bet-at-home :)

Alle Quotenangaben ohne Gewähr. Die aktuellen Quoten sind auf den Websites von Admiral, Bwin und Bet-at-home zu finden.





Der Parlamentsmarathon am Schirm – eine Würdigung und mehr

25 09 2008

Die gestrige Sitzung des Nationalrates brachte nicht nur interessante Mehrheiten, Beschlüsse und Emotionen, sondern auch die Medienbeobachtung regt zum Nachdenken an.

Ich kann mich nicht erinnern, dass so viele Menschen eine Plenardebatte bis spät in die Nacht verfolgt haben. Nämlich einerseits im Fernsehen, andererseits Online. Am Nachmittag sahenlaut ORF-Quotenangaben mehr Menschen die Nationalratsdebatte (um 13:11 waren es 179.000) als im besser gelegenen Vorabendprogramm Sendungen wie “Scrubs und die Anfänger” (135000) oder der Straßenfeger “Anna und die Liebe” (118.000). Die Zahlen von TW  1 liegen mir nicht vor, aber rein subjektiv haben gar nicht wenige auch am späten Abend noch die Debatte verfolgt.

Klar, es ist Wahlkampf und daher spannender.

Das eigentliche Highlight spielte sich jedoch woanders ab. Der Standard Online ist wieder mal seinem Ruf als eines der besten Online Medien gerecht geworden. Zumindest was die Live-Coverage betrifft. Mehrere RedakteurInnen verfolgten gestern die Debatte teils im Saal, teils vor dem Schirm und begleiteten die Geschehnisse auf kompetente und witzige Art. Fakten zur Sitzung, Stimmungen, Beobachtungen, Erlebnisse in der Kantine und insbesondere die Interaktion mit Usern waren Teil der Show. 6.000 Postings ist absolut rekordverdächtig. Erfreulich dabei: Der Anteil an destruktiv-dummen Postings und überraschenderweise auch an klassischen Parteikampfpostern hielt sich in Grenzen.

Ob die “Lange Nacht des Parlaments” (c Martin Putschögl, standard.at) tatsächlich eine Sternstunde des Parlaments war, darüber lässt sich streiten. Das Husch-Pfusch und Populismus Argument lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Aber dennoch kann man viel mitnehmen:

  1. Klar, ohne neue parlamentarische Kultur wird alles schwierig. Das polit-kulturelle Merkmal, dass die Regierung alles determiniert und keine freien Mehrheiten möglich sind, muss – auch von einer Mehrheitsregierung – aufgebrochen werden. Weg mit der übertriebenen Koalitionsdisziplin. Die führt nur in den Frust. Wir brauchen Diskurs, Widerspruch, gepflegten Konlikt und dennoch konkretes politisches Handeln. Mal zu scheitern, muss erlaubt sein. Auch im Parlament. Auch in der Öffentlichkeit.
  2. TW 1 könnte österreichischer Parlamentssender werden. Die Auto-, Kultur-, Tourismus und Sportsendungen sollen schon weiterlaufen. Aber während Parlamentssessions sollte TW 1 live dabei sein. Immer! Das erscheint mir fast sinnvoller als die kurzen Übertragungen bei Dringlichen bzw. Sondersitzungen auf ORF 2. Denn da streiten sich alle peinlicher Weise um die Rede- und Sendezeiten udn lassen pursten Populismus nur für die Kamera vom Stapel. Wie Hans Peter Lehofer erläutert, gibt es hier durchaus rechtliche Diskrepanzen mit dem Auftrag von TW1. Die Verschränkung ist  nicht unheikel. Da braucht es wohl eine saubere Lösung. Aber man sollte das ernsthaft andenken.
  3. Dass Parlament spannend sein kann, haben die Sitzung und der Standard Online bewiesen. Die enorme Beteiligung kann ein Impuls sein, dieses Format weiterzuentwickeln. Der Live Online Journalismus bietet durch Tempo & Interaktionsmöglichkeit definitiv Mehrwert  in der politischen Auseinandersetzung. Doch auch hier gilt: wenn die herkömmlichen Akteure des politischen Geschehens (= die Parteien) das Forum  nur als Schlachtfeld verstehen, wo es ausschließlich darum geht,  die aktuellen Sager durchzubringen, ist´s vorbei mit der Attraktivität.

Und hier mein Lieblings-Maschekvideo aus dem Hohen Haus, das ich hin und wieder auch in Seminaren zeige. Ich schaff es immer noch nicht, beim Zusehen ruhig zu bleiben.





„Politik im TV“ zum Abgewöhnen – erste Rückschlüsse

24 09 2008

Wenn man mit Politikkommunikation zu tun hat – sei es beruflich oder aus Berufung – ist man einiges gewohnt in Österreich. Aber das gestrige TV Duell Molterer-Faymann (Kanzlerduell???) war ein Sinnbild dafür, wie sehr der politische Diskurs in Österreich am Boden grundelt. Schlicht: Politik zum Abgewöhnen.

Man sieht dieser niveaulosen Schlammschlacht zu und denkt sich, ok kriegt der Strache halt doch 20%. Ich weiß, ein Widerspruch zu meinem letzten Beitrag, wo ich den Grünen noch eine Chance zurechne, deutlich zuzulegen und damit das Rennen um Platz 3 nicht aufzugeben. Nur zur Präzision: Ich schrieb über ihre Chance. Nicht davon, dass die Grünen jedenfalls gewinnen werden.


Aber zurück zu den Medien. Christoph Chorherr hatte ja kürzlich das interessante Gespräch mit Florian Klenk im Videoblog. Wichtige Punkte wurden da angesprochen.

Und ich erlaube mir, (nicht nur) nach dem gestrigen TV Duell ein paar erste Rückschlüsse zum Thema „Politik im TV“:

  1. Alarmglocken: Der politische Diskurs ist in Österreich in verheerendem, alarmierendem Zustand. Schuld daran sind die handelnden Akteure, also Politiker und Medien und strukturelle Defizite der Medienlandschaft. Es ist dringend an der Zeit, aus dieser Spirale im auszubrechen und darüber öffentlich zu diskutieren.
  2. ORF – no more of the same: Der ORF braucht nach der Wahl eine äußerst kritische Reflexion seiner Diskussionsformate. More of the same, geht nimmer. Es braucht da keine Adaption, sondern eine Revolution. Es wird so viele in neue Unterhaltungsformate investiert – genau das braucht´s auch in den politischen Diskussionssendungen. Ob die Sonntag abend Sendung „im Zentrum“, „Offen Gesagt“, „In Form“ oder „Statt Inhalt“ heißt, ist egal. Es ist immer das gleiche Format und das gehört geändert; und neue entwickelt. Internationale Beispiele muss es ja genug geben.
  3. Privat-TV als Chance? Die Privat-TV-Sender nehmen hoffentlich aus dem Wahlkampf mit, dass Politik ein Quotenbringer sein kann. Sowohl PULS 4 wie auch ATV hatten die höchsten Einschaltquoten ever. Das PULS 4 Format war übrigens überraschend gut. Vielleicht entwickeln sich ja die Privat-TV Sender endlich als Innovatoren?
  4. Mehr Akteure: Warum diskutieren – auch in Nicht-Wahlkampfzeiten – eigentlich immer VertreterInnen der Parteien und meist die gleichen ExpertInnen (von denen einige schon ok sind)? Is Austria too small for more communicators? Was ist mit der Zivilgesellschaft (da gibt´s auch mehr als Attac und Greenpeace)?
  5. Steigende Bedeutung Webdiskurs: Der aktuelle Peak in der politischen Web 2.0. Kommunikation darf nach der Wahl nicht wieder stark abfallen, sondern muss weiter gehen. Je mehr Akteure und Beteiligung, desto mehr wird auch Crossmedia passieren. Ideen, Diskussionen aus dem Webdiskurs werden zunehmend von anderen Medien aufgegriffen werden. Und das heißt nicht nur Frage-Antwort über Youtube Videos einsenden zu können, sondern den inhaltlichen Diskurs in der Substanz aufzugreifen. Das ist ja einer der Gründe, warum in den USA Web 2.0. politisch ernster genommen wird. Es gibt höhere Reichweite bei Meinungsbildern und mehr Rückwirkung auf andere Träger der öffentlichen Kommunikation ein. (Der noch wichtigere Grund ist die enorme Fähigkeit von Web als Organisatonsinstrument)
  6. Gefahr Mehrheitswahlrecht: Die Diskussion über den Zustand der Demokratie in Österreich wird nach der Wahl kommen. Doch Vorsicht: die Gefahr ist groß, dass sie primär genutzt wird, das Mehrheitswahlrecht zu lancieren. Nicht nur, dass ich inhaltlich davon nichts halte, sondern insbesondere vor dem Hintergrund der Krise des politischen Diskurses in Österreich wäre es falsch, genau hier anzusetzen. Ein Mehrheitswahlrecht würde erst recht die Vielfalt der Akteure reduzieren und eine Fokussierung auf den Boulevard und die absolute Mehrheitsfrage bewirken. Es geht wie immer um die politische Kultur im Land. Und die verändert auch ein Mehrheitswahlrecht keineswegs zum Besseren.

Die Liste kann freilich stark erweitert werden…





Warum die Grünen noch eine Chance haben…

22 09 2008

In vielen Gesprächen und Kommentaren hört und liest man derzeit, dass die Chancen der Grünen schwinden, bei der kommenden Nationalratswahl zuzulegen. Platz 3 wird ihnen nicht mehr zugetraut. Auch die Umfragen sehen die FPÖ weit vor den GRÜNEN.

Ich glaube, dass die GRÜNEN sehr wohl noch Chancen auf einen Erfolg haben. 3 Gründe und ein Bild dafür:

1. Das Parteienspektrum: Die meisten fischen im anderen Teich

Die Grundthese, die ich schon in den letzten Beiträgen zur Wahl kurz angesprochen habe, lautet, dass sich nahezu alle Parteien um die potentiellen FP-WählerInnen kümmern wollen.

  • Die SPÖ, indem sie die Krone Achse geschmiedet hat, seitdem intensiv pflegt und ihre EU-Position entsprechend angepasst hat.
  • Die ÖVP, die seit 2002 glaubt, ohne FP-PotentialwählerInnen keine Wahlen gewinnen zu können, daher wird Deutschkurse vor Zuwanderung plakatiert etc.
  • Das mit Haider als Spitzenkandidat stärker werdende BZÖ, das ohnehin auf diese WählerInnen abzielt.
  • Und natürlich die Strache-FPÖ selbst.

Es gibt natürlich viele WählerInnensegmente, aber ganz grob kann man sie als Abgrenzung in zwei Bereiche differenzieren.

  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die FPÖ zu wählen (FP-Potential), und
  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen (Grün-Potential)

Hier gibt es nahezu keine Überschneidungen. So schaut derzeit meines Erachtens der Wahlkampf aus:

(Anklicken zum vergrößern; vielen Dank an Jutta für die Illustration)

Klar, alle Parteien haben in unterschiedlichem Ausmaß StammwählerInnen (insb. SPÖ und ÖVP), nach denen man nicht extra fischen muss (die aber dennoch mobilisiert werden müssen)

Da sich SPÖ und ÖVP auf den rechten Teich konzentrieren, müsste sich für die Angler im bildbezogen linken Teich mehr Möglichkeiten für den Stimmenfang bieten. Denn auf die Köder für rechts beißen die Fische im anderen Teich meist nicht an – ganz im Gegenteil. Und ob die Botschaften derart differenziert werden können? Da hab ich meine Zweifel.

2. Der verunsicherte Wähler und die Wahlbeteiligung

These 2 ist, dass viele WählerInnen maximal verunsichert sind. Der Grad der Unentschlossenen ist hoch wie selten zuvor. Und viele Menschen sind ang´fressen auf die Politik – und gehen vielleicht gar nicht zur Wahl. Genau deshalb entscheidet die Mobilisierungsfähigkeit der Parteien.

Generell gilt: Je geringer die Wahlbeteiligung, desto höher der Anteil der GRÜNEN und Liberalen am Stimmenanteil, da deren WählerInnenschaft tendentiell eher schon zu einer Wahl geht als das klassisch rot-blaue Soziomilieu.

Demokratiepolitisch ist das zwar nicht gut, aber meines Erachtens gibt es da eine Korrelation.

3. Platz 1 dürfte entschieden sein.

Nicht nur bei den Wettquoten wird klar. Wenn es nicht noch ein großes Momentum für die ÖVP gibt, in dem sich die Stimmung dreht, wird die SPÖ Erster. Es könnte sich daher die Richtungsentscheidung auf Platz 3 konzentrieren. Und da kämpfen Grüne gegen Blaue.  Bei der letzten Wahl war das ein entscheidendes Mobilisierungsargument für grüne WählerInnen. Meist leiden die GRÜNEN darunter, dass sie im Rennen um Platz 1 nicht mehr vorkommen. Es entscheiden die kommenden Tage, welches Rennen wichtiger ist.

Klar, möglicherweise liegt das alles völlig daneben. Denn letztlich wird entscheiden, wer zur Wahl hingeht. Aber genau aus diesem Grund seh ich die aktuellen Umfragewerte mit Skepsis. Mehr als allgemeiner Trend ist da nicht rauszulesen. Und wie sagte Josef Broukal schon einmal bei einer Hochrechnung: Meine Damen und Herren, eines kann ich jetzt schon sagen, es bleibt kein Stein auf dem anderen…