Wann, wenn nicht jetzt: Förderalismusreform am Beispiel der thermischen Sanierung?

30 06 2009

Vergangene Woche, am 26.6., meldete das Lebensministerium: “Förderung thermischer Sanierung für Privathaushalte abgeschlossen”. Damit ist nach rund zehn Wochen eine der Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgelaufen. 50 Millionen Euro wurden für energetische Sanierungsmaßnahmen  aber auch den Heizkesseltausch auf erneuerbare Energieträger bereitgestellt; ebenso 50 Millionen Euro für Betriebe. Im privaten Bereich war die Nachfrage also derart hoch, sodaß die Förderung nicht wie geplant bis Jahresende läuft, sondern eben nur für etwas mehr als zwei Monate offen war. Da die Regierung vorerst nicht plant, die Förderaktion zu verlängern, müssen sich private Interessenten wieder ausschließlich an das jeweilige Bundesland oder manchmal auch Gemeinden wenden. Zum Verständnis: die Bundesförderung konnte zusätzlich zu Landes- oder Gemeindeförderungen beantragt werden.

Im folgenden will ich kurz erläutern, was wir daraus lernen können und will argumentieren, warum der Rückschluß Anlaß für eine schon lange notwendige Reform im föderalistischen Fördersystem sein sollte.  Zugebenermaßen bin ich nicht sicher, ob die Sache zu Ende gedacht ist, aber es ist einen Versuch wert.

Warum die Bundesförderung erfolgreich gelaufen ist:

  • Zunächst muss man festhalten, dass 50 Millionen Euro für energetische Sanierungsmaßnahmen im privaten Wohnbau wenig Geld ist. Mindestens die fünffache Summe wäre angemessen gewesen.
  • Dennoch zeigt sich, dass es offenbar Nachfrage und Investitionsbereitschaft Privater gibt, um thermische Sanierungen umzusetzen.  Laut Lebensministerium wurden “seit dem 14. April 2009 wurden rund 12.000 Anträge für nicht-rückzahlbaren Zuschüssen für die Dämmung der Außenhülle eines Gebäudes sowie den Tausch von Heizkesseln und Fenstern eingereicht. Die durchschnittliche Förderhöhe betrug rund 4.300 Euro mit der Investitionen in der Höhe von durchschnittlich 34.000 Euro getätigt werden. Allein durch die Sanierungstätigkeiten der privaten Haushalte werden somit rund 400 Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen initiiert”. 12.000 Anträge in diesem Zeitraum sind meiner Meinung nicht übel. In Zeiten wie diesen muss investiert werden; und Privatpersonen sind offenbar bereit dazu!
  • Der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist jedoch, dass diese Förderung im Gegensatz zur sonst üblichen Wohnbauförderung einige Vorteile hatte: sie war konkret,  leicht verständlich ist, wurde relativ unbürokratisch über die KPC abgewickelt, und bot als nicht-rückzahlbarer Zuschuß auch den effizientesten weil direktesten Mitteleinsatz. Klar, die Sonderaktion hat nicht alle Bereiche der Wohnbauförderung erfasst, sondern nur die energetische Sanierung und den Kesseltausch. Aber immerhin. Seit Jahren sagen Wirtschaftsforscher, dass die energetische Sanierung enormes Potential für Beschäftigung, Energieeinsparung und Treibhausgasreduktion bietet.
  • Dies ist im krassen Gegensatz zur Förderkultur in einígen Bundesländern erfolgt, wo unterschiedliche Modalitäten und Standards gelten. Die 15a Vereinbarung zwischen Bund und Ländern schafft hier zwar Mindeststandards, aber dennoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Sowohl inhaltlich wie auch abwicklungstechnisch. Vom unterschiedlichen Beratungsangebot ganz zu schweigen.

Da derzeit viel über die Verwaltungs- und Staatsreform geredet wird, wäre es interessant, die Erkenntnisse aus dem Erfolg der Sanierungsförderung des Bundes mit einer Reform der Wohnbauförderung zu verknüpfen, welche der Verländerung des Fördersystems einmal entgegen tritt. In Österreich ist dies seit Jahren undurchsetzbar, aber zugleich: wir sind derzeit mit schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, deren Folgen bei weitem noch nicht angekommen sind. Wie eine gestige Diskussionsveranstaltung mit Alexander Van der Bellen, Wirtschaftswissenschafterin Helene Schubert und Investmentbanker Willi Hemetsberger gezeigt hat, ist die Krise bei noch lange nicht ausgestanden. Und die Frage, who pays the bill, ist noch ungelöst. Denn die gleichzeitige Überschuldung vieler Staaten wird eine gigantische Zinslast mit sich bringen. Wenn die Krise nicht der Anlaß für strukturell tiefgreifende  Maßnahmen für die Zukunft ist, wann ist dann der richtige Zeitpunkt? Oder anders gefragt: kann man sich neun unterschiedliche Verwaltungssysteme zur Abwicklung von FÖrdermaßnahmen zur energetischen Sanierung leisten?

Warum denken wir nicht darüber nach, das Fördersystem im Wohnbau so umzudefinieren, dass es eine einfach abwickelbare Bundesförderung gibt, die engagierte aber realistische Mindesstandards legt (Experten halten es zB. für nur schwer möglich, dass derzeit eine Luftwärmepumpe wie in der burgenländischen Förderung eine Jahresarbeitszahl von 4 erreicht). Zugleich wird über einen Verteilungsschlüssel festgelegt, dass es eine faire Mittelvergabe quer über die Bundesländer geben muss (angedacht z.B. derzeit bei der Photovoltaik-Förderung des Klimafonds). Und: die Länder könnten über eigene Fördermittel zusätzliche Add-Ons formulieren und dabei z.B. noch strengere Standards zusätzlich fördern oder eigene Schwerpunkte und den Förderanteil erhöhen setzen. Diesmal war ja die Bundesförderung ein Add-On.

Aber: der Sockel würde nach diesem Gedankengang von einer einheitlichen Bundesförderung getragen werden und nicht umgekehrt.

Klar. So etwas wäre eine Kraftakt, da dies Wohnbauförderung und damit auch den Finanzausgleich betrifft. Und nicht zwingend würde dies insbesondere kurzfristig mehr Effizienz und Investitionen bringen. Aber wie gesagt: Wann, wenn nicht jetzt! Österreich kann es sich als kleines Land bald nicht mehr leisten, in der Förderlandschaft derartig viel Mehrfachstrukturen aufzuweisen.

Oder seh ich da was falsch? Widerspruch erwünscht!





LED statt Glühbirne – ein Verbot als Innovationsmotor

22 12 2008

Viele Pro´s und Contra´s gab´s in letzter Zeit zum Glühbirnen-Verbot in der Europäischen Union. DNahezu alle Medien haben darüber berichtet. Der Kurier hatte eine kontroverse Diskussion, auch im Standard erschien ein interessanter, kritischer Beitrag eines Lichtplaners. as Ökocenter Blog hat die aktuellen Entwicklungen rund um das Glühbirnen-Aus kürzlich in einem Posting zusammengefasst.

Prinzipiell habe ich auch für jene Verständnis, die Bedenken äußern, insbesondere was die Qualität der Energiesparlampen betrifft (wobei manche Kritikpunkte insbesondere im Haushaltsbereich  leicht zu entkräften sind). Bei vielen Produkten, die am Markt erhältlich sind, gibt es tatsächlich Problem mit Lichtqualität, Haltbarkeit und Dimmbarkeit. Es flackert schlicht bei einigen Energiesparlampen grausam, wenn man versucht die zu dimmen – ich kenn das Problem.

Warum ich dennoch der Meinung bin, dass das stufenweise Glühbirnen Verbot sinnvoll ist, ist der enorme Innovationsschub der für neue Produkte ausgelöst wird. Insbesondere in der LED Technologie, aber auch in der Weiterentwicklung der Energiesparlampe.

Es gibt genug Beispiele, wo ohne ordnungspolitische Maßnahmen der Druck für neue Innovationen nicht ausreichend gewesen wäre. All die Alternativen zu den FCKW in den 80er und 90er Jahren hätte es kaum gegeben, wäre nicht klar gewesen, dass es zum (nahezu) weltweiten Phase-out kommt. Auch die Autoindustrie hätte wahrscheinlich deutlich früher schärfere Effizienzkriterien gebraucht. Denn der Markt interessiert sich nicht für Energieeffizienz relativ wenig.

Aber nochmals zur Alternative in der Beleuchtung.

LED steht für Licht Emittierende Diode. LED-Beleuchtung ist schon seit längerem im Einsatz, vor allem in der Signal- und Reklamebeleuchtung; jedoch aufgrund vergleichsweise geringer Lichtausbeute und fehlender Verfügbarkeit aller Lichtfarben nur in Nischen im Einsatz und kaum im Haushalt.

Das wird sich jedoch ändern. Alle großen Unternehmen im Beleuchtungsbereich arbeiten an neuen LED Lösungen. Und insbesondere für die kleinere Unternehmen, die schon lange innovativ in diesem Segment forschen, ist nun die Chance größer.

zetalux_led_buy_now_mediumErst kürzlich wurde ein Produkt präsentiert, das zeigt, dass es in die richtige Richtung geht. Earth LED ist schon seit einigen Jahren im LED Bereich aktiv und hat nun mit der Earth LED ZetalLux Leuchte ein weiteres interessantes Produkt vorgestellt, das  sich offenbar schon den Qualitäten der Glühbirne nähert. Die 7 Watt Lampe ist vergleichbar mit einer herkömmlichen 60 Watt Glühbirne. Mit rund $ 50,-  ist der Ankaufspreis natürlich nicht gering; die Betriebskosten sind jedoch derart gering, dass es einen Versuch wert ist. (ich erlaube mir einen Selbsttest) Insbesondere das Lichtspektrum macht die Sache qualitativ interessant.

Ich bin gespannt; die Produktbeschreibung und einige Onlinetests versprechen einiges (siehe unten). Und das ist nur Beginn einer Vielzahl neuer innovativer Entwicklungen.

Klar gäbe es Innovationen auch ohne Verbot – aber zumindest eine Beschleunigung der Entwicklungen und ein Rennen um den Wettbewerbvorteil wird erreicht.

“ZetaLux is built upon the latest LED Engine from CREE allowing for amazing efficiency, high output and a new benchmark in Color Rendering Index (CRI) performance. CRI is a a good way to determine the quality of light and its faithfulness to render colors correctly, EvoLux features a a CRI of 75 for cool white and 80 for Warm White making them exceptional for LED Light Bulbs.

The ZetaLux has been designed to the most exacting standards of any LED light bulb currently on the market. From its oversized aluminum heat sink to its flame retardant plastic, to its shatter proof lens, the ZetaLux is built to perform safely and efficiently for over 50,000 hours. The ZetaLux’s rugged design also allows it to perform under the harshest conditions including frigid -50 degree frost all the way up to scorching 180 degree heat with 95% humidity.”

(Quelle Pressetext ZetaLux)

via Cleantechblog





Deutschland plant Energieeffizienz-Gutschein – gut so!

17 10 2008

In nehreren deutschen Tageszeitungen ist heute zu lesen, dass der deutsche Umweltminister Gabriel plant, schon im November einkommensschwachen Haushalten einen Zuschuss von bis zu 150 Euro zu zahlen, damit sie sich stromsparende Kühlschränke anschaffen können. Neben der Süddeutschen (die leider den Bericht online dazu nicht hat), gibt es ua. in FAZ und TAZ Artikel dazu.

Die Idee ist nicht neu, wird aber gerade in Zeiten der Finanzkrise noch wichtiger. Der Ansatz erinnert mich daran, was Christoph Chorherr mal den intelligenten Heizkostenzuschuß genannt hat. Nur, dass es diesmal um stromsparende Geräte geht.

Die Debatte läuft schon länger und wie immer liegt der Hund im Detail. Das Konzept sieht vor, dass es einen Öko-Bonus an die Empfänger von Hartz IV-Leistungen geben soll. Das Umweltministerium will mit sozialen Organisationen, wie etwa der Caritas zusammenarbeiten. Diese will Berater einstellen, die die Haushalte im Energiesparen beraten und nach der Beratung einen Gutschein für den Kauf eines Kühlschranks oder Herdes der höchsten Effizienzklasse (A++) verteilen. Der Bonus von 150 Euro soll die Differenz zwischen einem billigen und einem energieeffizienten Kühlschrank ausgleichen.

Aus meiner Sicht sollte erwogen werden, dieses Modell nicht nur für Kühlschränke gelten zu lassen, sondern auch für andere Haushaltsgeräte der höchsten Energieklasse. Jedenfalls sollte es die Bindung an qualifizierte Energiesparberatung geben. Evtl überlegenswert wäre auch die Ausweitung der Ziel- bzw. Nutzergruppen. Aus mehreren Gründen wirkt das sinnvoll:

  • Man hilft jenen, die sich energieeffiziente Geräte nicht leisten können, ihre Stromkosten zu reduzieren. Das ist viel treffsicher als jede Lebensmittel-Ust Senkung.
  • Die Maßnahme ist konjunkturfördernd, da der Handel dadurch unterstützt wird und jener durch die rezessive Stimmung mit Einbußen konfrontiert sein wird.
  • Energiedienstleistungen wie Effizienzberatung werden dadurch stimuliert; ohne Finanzierungsanreize werden insbesondere einkommensschwache Haushalte nicht auf diese Wissens-Investition setzen. Daher liegen auch hier wichtige, qualifizierte Arbeitsplätze, denn die Finanzkrise wird sehr bald den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen.
  • Der Druck wird erhöht, dass Produzenten noch stärker auf effiziente Geräte setzen. Am besten nicht nur beim Kühlschrank, sondern auch vielen anderen Haushaltsgeräten.

Zeit, dass auch in Österreich derartige, öko-soziale Maßnahmen lanciert werden.





Greening the Ballhausplatz

8 09 2008

Heute hat Greenpeace eine interessante Presseaussendung gemacht. Unter dem Titel “ÖVP predigt Wasser und trinkt Wein” kritisiert die Umweltorganisation, dass die ÖVP Klimaschutz propagiert, und gleichzeit jedoch über zwanzig SUVs für den Wahlkampf verwendet. Die stark CO2 emittierenden “Sportgeländewagen” der Marke Toyota RAV 4 dienen der Volkspartei als fahrende Werbeflächen in den Städten, wo Autos dieser Größenordnung und dieses Treibstoffverbrauchs eigentlich nichts verloren hätten, so die Greenpeace Aussendung.

Vorweg, Greenpeace hat Recht. Sowas sollte nicht passieren, auch wenn nicht jede Sünde gleich in die Hölle führt. Das bringt mich aber auf die Idee, endlich über ein Programm zu schreiben, das mich im Rahmen der Ecocity Konferenz in San Francisco schwer beeindruckt hatte: “Green the Capitol”.

Denn wo unglaubliches Klimaschutzpotential liegt, ist der eigene Bereich der Verwaltung bzw. öffentlichen Hand: als Vorbild, als Auftraggeber, als Nachfrageimpuls. Und natürlich ist es interessant, die Parteien selbst im Auge zu haben. Daher der Bezug zur Greenpeace-ÖVP Aussendung.

Aber zurück zu Greening the Capitol. In einem wirklich beeindruckenden Referat präsentierte Dan Beard, der Verwaltungschef des Repräsentantenhauses ist und der Vorsitzenden Nancy Pelosi direkt untersteht, diese Initiative. Sie hat letztlich zum Ziel, das Repräsentantenhaus zum ersten CO2-neutralen Verwaltungskörper weltweit zu machen (was genau genommen ein rechnerisches Unterfangen ist, aber dennoch ein spannendes Modell)

Es wurde ein detailliertes Maßnahmenprogramm erarbeitet, das von der Energieeffizienz in Gebäuden, über die Beschaffung, die Beleuchtung, der Stromverbrauchsreduktion im Nutzerverhalten (dort arbeiten immerhin 10.000 Leute), der Fahrzeugflotte, dem Plastikgeschirr in der Küche und dem Abfall nahezu alle Bereiche umfasst. Der wichtigste Schritt zu Beginn: eine eingehende Analyse – mit teils erstaunlichen Daten.

Hier sieht man z.B. den gigantischen Anteil, den die Kühlung am Energieverbrauch der Gebäude einnimmt. Nur nur ein us-amerikanisches Problem, sondern überall ein Riesenthema.a.

Die Daten sind aus dem Bericht zu Green the Capitol.

Nur ein Beispiel: derzeit versorgt ein Kohlekraftwerk das Repräsentantenhaus mit Strom – in Zukunft wird es zu 100% mit Strom aus Windkraft versorgt.

Weiteres Ziel ist die Halbierung des Energieverbrauchs innerhalb von zehn Jahren.

Hier das Szenario von Green the Capitol. Was mir daran so gefällt, ist der kulturelle Zugang, nämlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im März 2007 begann das Green the Capitol Programm. im Dezember darauf gab es schon den ersten Fortschrittsbericht mit einer Vielzahl an Maßnahmen.

Man kann umweltpolitisch viel über die US-Amerikaner schimpfen und tatsächlich sind sie in vielen Bereichen ökologisch hinten, aber diesen Spirit des Anpackens und Durchziehens bei konkreten Initiativen vermisse ich manchmal in Österreich. Wie wär´s z.B. mal mit Greening the Ballhausplatz nach dem 28. September?

Hier der Vortrag von Dan Beard bei der Ecocity Konferenz in San Francisco.

Mehr Informationen auf der Website von Green the Capitol





Das Strompickerl gegen die “Fernseh-SUVs”

29 08 2008

Sehr interessant ein Spiegel Artikel kürzlich zum Thema “Wie grün ist ihr Fernseher?” (danke an reinhard für den hinweis!)

Oft reden wir richtigerweise über die Energiesparlampe und die Energieeffizienzklassen bei Kühlschränken und Geschirrspülern, wo dankenswerter weise endlich die Menschen einen schärferen Blick auf´s “Pickerl” werfen. Völlig unterschätzt jedoch andere elektronische Geräte, wo es noch (!) keine Kennzeichnung gibt. Auf EU-Ebene laufen derzeit Vorbereitungen dafür, und die Art und Weise bzw. entsprechende Benchmarks werden maßgeblich für die Weiterentwicklung des Stromverbrauchs sein.

Und jener ist nicht unerheblich.

Der Spiegel schreibt:Gemäß einer Aufstellung der Deutschen Energieagentur verschlingt ein altes Röhrengerät mit 76 cm Bildschirmdiagonale 176 Kilowattstunden Strom im Jahr. Ein neuer 141 cm großer Plasmabildschirm bringt es sogar auf 730 Kilowattstunden. Das sind, je nach Stromanbieter, rund 130 Euro. Zum Vergleich: Gute Kühlschränke verbrauchen zwischen 100 und 200 Kilowattstunden – trotz Dauerbetriebs. Für den Strompreis eines einzigen schicken Plasmafernsehers ließen sich also bis zu sieben Kühlschränke parallel betreiben.

Ich hab mir die im Spiegel zitierte Studie des Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) “Ecodesign of EuP Products” angesehen. Die Zahlen sind beeindruckend:

In den kommenden Jahren wird es einen weiteren Schub an TV-Gerät-Verkäufen geben. Zwischen 2005 und 2010 wird die Anzahl der TV-Geräte um mindestens ein Drittel wachsen.  Der Trends zum Zwei-,  Dritt- oder gar Viertfernsehapparat hält an. Die neuen Geräte sind größer und leistungsstärker.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Entsprechend wird sich auch der Stromverbrauch entwickeln. In einem Business-as-usual Szenario heißt das zwischen 2005 und 2020 mehr als eine Verdopplung des Stromverbrauchs nur bei TV-Geräten. Allein bis 2010 explodiert der Verbrauch signifikant.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Durch entsprechende Effizienzmaßnahmen und -standards sind hier jedoch Steuerungsmöglichkeiten gegeben. Der Anstieg bis 2010 wird sich nicht vermeiden lassen, denn in diesem Zeitraum werden sich weder Konsumentenverhalten noch Technologiedurchdringung massiv verändern. Aber durch ein Labelling und Effizienzanreize kann es dann wieder zur Trendumkehr kommen – trotz größerer Geräte.

Der Grund des Anstiegs im Stromverbrauch liegt nicht nur in der Anzahl der verkauften Geräte, sondern auch und gerade darin, dass die großen Geräte mehr verbrauchen. Es gibt sozusagen den Trend zum TV-SUV. Wie beim Auto heisst es derzeit oft auch hier: je größer und stärker, desto mehr Verbrauch. Technologisch ist das nicht zwingend notwendig. Genau können Politik- und Marktinstrumente sinnvoll eingreifen.