Die politisch heftig umstrittene sog. Energiewende in Deutschland hinterlässt auch ihre Spuren in Österreich. Wie schon zuletzt beschrieben wird die Debatte rund um Kosten und Barrieren des Ausbaus erneuerbarer Energie auch hierzuland genutzt, um Stimmung gegen die Energiewende im Strombereich zu machen. Und tatsächlich ist es so, dass die Systemintegration der Erneuerbaren in die Stromversorgung einige Fragestellungen mit sich bringt, die zu lösen sind. Darum geht es in diesem Beitrag aber nicht. Sondern es geht um das Kernargument vieler Energiewendegegner, die gegen eine Kostenlawine durch Strom aus Erneuerbaren wettert.
Ein genauerer Blick zeigt, wie sehr mit einseitigen Relationen, falschen Argumenten, aber auch bewusst gesetzen Spins die Debatte beeinflusst wird. Die Diskussion orientiert sich in hohem Maße an Deutschland, wo der tatsächlich deutlich höhere Ökostromzuschlag (EEG-Umlage 5,3 ct/kWh im Jahr 2013) spürbarer ist als z.B. in Österreich. Hier sind die durchschnittlichen Kosten für den Haushalt um zwei Drittel geringer. Dennoch: mehrere Energieversorger (allen voran der Verbund), die sozialpartnerschaftlich organisierten Interessensvertreter wie die IV und die AK wettern gegen den Ökostrom als großes Kostenproblem. Schaut man sich jedoch die Verhältnisse an, sieht man, dass wir ein ganz anderes Energiekostenproblem haben als den Ökostromzuschlag. Ein Blick nach Deutschland:
Anteil der Stromkosten wie vor 20 Jahren
Wie Andreas Löschel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg und tätig am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), kürzlich bei einem Vortrag in Wien erläuterte, betrugen die Gesamtausgaben für Elektrizität in Deutschland (inkl Abgaben und EEG-Umlage aber ohne MWSt) im Jahr 2011 63,3 Milliarden Euro. Dieser Betrag ist nach dem Preisverfall kurz nach der Liberalisierung der Strommärkte zuletzt tatsächlich wieder signifikant gestiegen (2012 Richtung 70 Mrd Euro), aber in Relation zum BIP liegt dieser Anteil auf ungefähr dem gleichen Niveau wie vor 20 Jahren. Löschel sieht übrigens einige Aspekte der sog. Energiewende kritisch, in diesem Punkt verweist er aber richtigerweise auf die Relationen, welche die Kostensituation deutlich weniger dramatisch zeigen als öffentlich kommuniziert wird.
Klar, dieser Anteil wird weiter steigen, aber es relativiert sich doch etwas, wenn man ständig das mediale Pauken über das Ökostromdesaster zu hören bekommt. Wir reden von aktuell 2,5% und vielleicht in naher Zukunft von 3% Anteil am BIP. Für den gesamten Strombereich!
Strom ist ein relativ kleiner Faktor bei Haushaltsausgaben
Aufgrund des ungleichen Verhältnisses zwischen Industrie und Haushalten bei der EEG-Umlage (viele Industriezweige haben Ausnahmegenehmigungen) ist es insbesondere vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Energiearmutsdiskussionen wert, einen Blick auf die Kostenstruktur von Haushalten zu werfen.
Der Strompreis ist in den vergangenen Jahren für Industrie- und Gewerbekunden ungefähr gleich geblieben. (siehe Graphik). Bei Haushaltskunden hingehen ist er im selben Zeitraum von ca 20ct/kWh auf durchschnittlich 24 ct/kWh gestiegen. Man sieht also die innere Verhältnismässigkeit der Kostenaufteilung. Der Strompreis für stromintensive Industiekunden ist übrigens in den letzten Jahren sogar leicht gesunken. Insofern könnte man die Warnungen etwa der Arbeiterkammer vor Entwicklungen wie in Deutschland sogar verstehen. Wenn da nicht noch ein anderer maßgeblicher Faktor wäre:
Die Stromkosten machen bei durchschnittlichen Haushalten zwischen ca. 2 Prozent (Ein-Personen-Haushalt) und 3 Prozent (Vier-Personen-Haushalt) am Nettoeinkommen aus. Bei einkommensschwachen Haushalten liegt der Anteil zwischen 3 und rund 4 Prozent.
Heißt das, dass die Energiekosten irrelevant sind für das Haushaltseinkommen? Nein. Denn bei deutschen Durchschnittsverdienern beträgt der Anteil der Energiekosten am Jahresnettoeinkommen zwischen 7 und 11%. Bei niedrigen Einkommen zwischen 1o und 16%. Man sieht eines wieder mal: der Strom macht den kleinsten Anteil der Energiekosten aus. Die liegen in erster Linie bei der Raumwärme und vor allem bei den Treibstoffkosten. Jeder zweite Haushalt ist in Deutschland übrigens gasversorgt. Hier die zwei dazugehörigen Graphiken, aus denen ich die oben genannten Stromanteile berechnet habe:
Hier die Graphik mit den einkommensschwachen Haushalten, ebenso aus dem Monitoringbericht der deutschen Bundesregierung.
Wie Spiegel Online kürzlich berichtet, hat sich die Situation für Öl- und Gasheizer deutlich verschärft. Haushalte, die mit Heizöl heizen, hatten 2012 die höchsten Kosten ever.
Die Verhältnisse sind in Österreich übrigens nicht unähnlich. Die Energiekosten steigen. Aber auch hier hat der Strom nur einen geringen Anteil. Und der Ökostrom-Zuschlag ist völlig vernachlässigbar. Die steigenden Kosten werden angetrieben von jenen Bereichen, die von fossiler Energie am meisten abhängig sind. Also Treibstoff und Raumwärme. Angesichts von über 700.000 Ölheizungen, die z.B. völlig unverständlicherweise im Energiepreismonitoring der Arbeiterkammer nicht erfasst sind, ist völlig klar, worüber man eigentlich diskutieren sollte, wenn man über den Preistreiber Energie spricht.
Es wird Zeit, dem teils irrationalen und weitgehend von Eigentinteressen beflügeltem Lobbyismus gegen die Energiewende im Strombereich etwas entgegen zu setzen. Z.B. klare Verhältnisse, wenn wir über Kosten reden.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass Österreich auch einen Monitoringbericht zur Energiewende bräuchte, der von unabhängigen Fachexperten begleitet wird.
Aktuell ist im deutschprachigem Raum die Doku „Climate Crimes“ des Umwelt- und Naturschützers Ulrich Eichelmann zu sehen (vergangene Woche auch im ORF/„Kreuz & Quer“). Der Film beleuchtet einige Beispiele von Umwelt- und Naturzerstörung, die – wie er suggeriert – im Namen des Klimaschutzes erfolgen. „Climate Crimes“ wird teils intensiv diskutiert und hinterlässt manch verstörten Besucher. Das regt zum Nachdenken an, kann aber meiner Meinung auch eine falsche Botschaft hinterlassen.
Ohne mich als Dokumentarfilmkritiker zu sehen, erlaube ich mir wie beim Film Bulb-Fiction einige inhaltliche Anmerkungen. Denn der Film ist inhaltlich im Kern hochinteressant, bringt richtige Fakten und starke, emotionalisierende Bilder, aber meiner Meinung nach kontextualisiert er falsch, indem Klimaschutz pauschal mit Umweltzerstörung gleich setzt. Das ist natürlich eine PR-technisch interessante Botschaft, aber die Pauschalisierung ist angefangen beim Titel mehr als heikel. Denn meiner Meinung ist der Antrieb der meisten genannten Projekt nicht der Klimaschutz, sondern schlicht und ergreifend Profitinteressen in massiv wachsenden Ökonomien und aufstrebenden Industriezweigen. Und das hat viel weniger mit der teils berechtigen Kritik an Green Growth Konzepten zu tun als im Film resumiert wird.
Vorweg zum Film, damit klar ist, worum es geht:
Die “Reise zu den Tatorten der grünen Energie” begibt sich auf folgende Stationen:
Brasilien im Amazonas Regenwald, wo der gigantische Belo-Monte-Staudamm (unglaubliche 11.000 MW) am Xingu-Fluss eine Waldfläche größer als der Bodensee überschwemmen soll und damit viele Arten bedroht und 20.000 Menschen zum Umsiedeln zwingt.
In die Türkei, wo der Ilisu-Damm durch die Umleitung des Tigris nicht nur eine der ältesten Städte Anatoliens, Hasankeyf, zerstört, sondern südlich im Irak auch zur Austrocknung der mesopotamischen Sümpfe führen wird, die Lebensgrundlage für viele Menschen ist.
Nach Deutschland, wo riesige Mais-Anbauflächen Grundlage für die Gewinnung von Biogas sind.
Indonesien, wo in Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, der Regenwald riesigen Palmölplantagen Platz machen muss und die letzten Orang Utans ihren natürlich Lebensraum verlieren.
Um es gleich vorweg zu sagen: jedes der genannten Projekte ist kritikwürdig. Aber es ist nicht der Klimaschutz, der dafür verantwortlich zu machen ist. Konkreter:
Sind es wirklich Climate Crimes?
Im Standard-Interview erläutert Eichelmann, “warum der derzeitige Klimaschutz Mensch und Natur mehr schadet als der Klimawandel“. Und hier passiert der Fehler, denn die genannten Projekte stehen meiner Meinung nach nicht für den “derzeitigen Klimaschutz”. Der Klimaschutz, der sich ja international politisch eben nicht durchsetzt, sondern dramatischerweise massiv opponiert wird, hat nur bedingt mit der Entstehungsgeschichte der genannten Projekte zu tun, wiewohl er manchmal missbräuchlich als Argument eingesetzt wird. Diese Differenzierung ist aber wichtig. Inhaltlich verweist der Film richtigerweise auf einen relativ hohen Treibhausgas-Impact der Projekte (z.B. durch die Methanfreisetzung der zuvor gefluteten Stauseen und die Abholzung der Regenwälder).
Als Anlaß zur Beweisführung nutzt Eichelmann die Klimakonferenz in Cancun und spricht mit einzelnen Teilnehmern. Die sind aber auch nicht repräsentativ für Klimaschutz. Man muss dazu sagen, dass bei diesen Konferenzen mehr als 10.000 TeilnehmerInnen dabei sind, von denen viele als NGOs gewertet werden, die aber nur teilweise zivilgesellschaftliche Organisationen sind. Auch Interessens-Vereinigungen aus dem Businessbereich sind zu Tausenden dabei. Die stehen für Eigeninteressen und Business-Repräsentanz, aber nicht für echte Klimaschutzinteressen. Das ist auch eine Lobbyingveranstaltung. Es wär fair, dies auch nicht anders wirken zu lassen.
Wachstum als “major drive”
Was ist der Treiber für die genannten Projekte?
Es sind wirtschaftliche Interessen und meist der Energiehunger aufstrebender Regionen und Staaten, die neue Energiequellen erschliessen. In Brasilien ganz spezifisch auch durch den enormen Energieverbrauch im Bergbau und insbesondere durch die stark wachsende Aluminiumindustrie. Es wird prognostiziert, dass in den kommenden Jahren der brasilianische Stromverbrauch um mehr als 500 Terawattstunden (Twh) bis 2020 ansteigen wird. Brasilien ist ja nicht ein kleines, unbedeutendes Land, sondern wir reden von der weltweit sechstgrößten Wirtschaftskraft, die enorm hohes Wirtschaftswachstum (meist über 4% jährlich) aufweist, starke Exportzuwächse verzeichnet und seine Leistungsbilanz in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert hat. Siehe unter anderem einige beeindruckende Zahlen im Länderprofil “Brasilien” der Wirtschaftskammer.
Es geht um Wachstum für ganz konventionelle Industriezweige und nicht um nette Klimaschutzprojekte. Es geht auch nicht einmal um das im Film angesprochene Green Growth. Es geht nur um economic Growth!
Dass eine Sprecherin von Electrobas wie im Film am Rande des Klimakonferenz in Cancun die brasilianische Wasserkraft Projekt als sauber und grün verkauft, mag sein, aber das ist weder der Kern noch der Antrieb für das Projekt. Oder anders: auch ohne jegliches Klimaschutz-Comittment gäbe es die Riesenstaudamm-Projektpläne.
Nicht viel anders ist es bei Ilisu. Der Stromverbrauch der Türkei steigt um über 7% jährlich. (siehe auch steigender pro Kopf Energievebrauch) Die Kosten für Energieimporte werden ebenso immer höher. Erklärtes Ziel der Projektbetreiber ist mehr Wachstum, Infrastruktur, weniger Energieimporte. Klimaschutz ist weitgehendst kein Thema.
Insofern ist es irreführend, wenn im Film reißerische Textpassagen kommen wie:
“Ist das der Preis für den Schutz des Klimas?”, “Todesursache: Klimaschutz.”, “Menschen würden verdursten, in Folge grüner Energie“
Dass sich die letzten Minuten der TV-Fassung noch mit Wachstumskritik und den ökologischen Grenzen auseinander setzen, ist OK, aber es ändert nichts am gesamten Klimaschutz-fokussierten Frame des Filmes.
Ähnlich aber doch anders verhält es sich bei den anderen Beispielen. Tatsächlich hat es in Deutschland einen enormen Biogas-Boom gegeben, der jedoch 2012 nach einer Beschränkung für Mais im deutschen EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) deutlich abflachte. (siehe Zahlen der deutschen Biogasvereinigung) Dies wird möglicherweise für die Verarbeitung im Film ein zu aktueller Trend gewesen sein, ist aber wichtig, weil nun verstärkt Kriterien berücksichtigt werden. Weiters wird meiner Erinnerung nach im Film nicht erwähnt, dass der Anteil der energetischen Nutzung im Vergleich zur Futtermittel-Produktion immer noch relativ gering ist. Schauen wir uns die Zahlen des absoluten Boomjahress 2011 an: Die Gesamt-Ackerfläche für Silo- und Körnermais machte deutschlandweit insgesamt 2,5 Mio. Hektar aus. 1,8 Mio. Hektar dienen der Futtermittelgewinnung. Energiemais für die Biogasproduktion macht 2011 ca. 0,7 Mio. Hektar aus. (Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe) Wie gesagt, aufgrund der Kritik und der mittlerweile tatsächlich bestehenden Flächenkonkurrenz wurde das Wachstum nun begrenzt.
Unerwähnt bleibt auch, dass Energiemais nur eine Form der Biogas-Nutzung darstellt. Die z.B.sinnvolle Verwertung landwirtschaftlicher Abfälle (oder sonstiger biogener Abfälle – etwa in Kommunen) zur Produktion von Strom und Wärme bleibt völlig unerwähnt. Diese Form der Pauschalisierung ist kontraproduktiv.
Berechtigt ist die Kritik an der Palmöl-Gewinnung in Indonesien. Aber es ist auch hier anzumerken, dass der größte Teil des Palmöls von der Nahrungsmittelindustrie verbraucht wird. Zu finden ist es als “pflanzliche Öle” in Backwaren, Fertiggerichten (z.B. Pizza, Suppen), Chips, Aufstrichen, Schokoware, Margarine etc. Auch in der chemischen Industrie spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Ja, die energetische Nutzung ist zusätzlich hinzukommen und sie ist klimapolitisch kritisch zu sehen. Die Treibhausbilanz ist immer sehr stark von der Art der Flächennutzung abhängig und von der Gesamtenergiebilanz. Das im Film portraitierte Indonesien ist mit rund 23 Millionen Tonnen pro Jahr zum weltweit größten Hersteller von Palmöl geworden. Die Motivation der Regierung: Motor für wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten (3 Millionen Beschäftigte), Steigerung der Exportquote (Hauptabnehmer EU und Indien), konkrete Business-Interessen etc.
Kein zentraler Motor: Klimaschutz.
Fossile reiben sich die Hände
Bei aller persönlicher und inhaltlicher Wertschätzung für den ausgewiesenen Experten und Aktivisten Ulrich Eichelmann, scheint mir diese Form der Pauschalierung und des Framings informativ, aber kontraproduktiv. Nicht der Klimaschutz zerstört die Natur, sondern – wie zuletzt im Film angemerkt – das ungebremste Wachstum und Profitinteressen, wobei wir als westliche Industriewelt der Intention insbesondere in Schwellenländern ja auch schlecht entgegen treten können. Der Konflikt Öko gegen Öko ist nicht das zentrale Gefecht, wiewohl sich schon einige der Klimaskeptiker des Filmes mit Vergnügen annehmen. Siehe etwas das Posting zum Film der Global Warming Policy Foundation oder auch des Blogs NoTricksZone. Jetzt darf man deren Rolle nicht zu ernst nehmen. Aber es ist schon schräg, dass die fossile Industrie nach und nach ihr Schiefergas- und Tight Oil Revier erobert, die mediale Landschaft vereinnahmt (siehe Das Imperium schlägt zurück), ganz spitz ist auf die Ausbeutung des Amazonas (siehe Amazonas Beitrag im Oil & Gas Journal oder die Potenzialkarte in der Welt) und wir führen den Öko vs. Öko-Konflikt. Dass die inhaltlich in “Climate Crimes” aufgeworfenen Fragen relevant sind, ist keine Frage. Dass es eine Grenzziehung geben muss, ebenso:
Antworten auf bestehende Zielkonflikte
Dieser Blogbeitrag soll keinen Wischi-Waschi Kompromiss abbilden, sondern letztlich geht es wie häufig auf Guensblog um ein Plädoyer für Differenzierung. Wie mehrmals erläutert sind viele Umweltfragen höchst komplex. Wer auf einfache Antworten auf komplizierte Probleme hofft, wird scheitern. Es braucht Lösungen und einen Diskurs, der fähig ist, zu differenzieren und das eigentliche Problem benennt. Und das ist nicht der angewandte Klimaschutz, sondern der fehlende Klimaschutz.
Daher ist es auch nicht zu verschweigen, dass die sogenannte Energiewende tatsächlich Zielkonflikte mit sich bringt. Der Ausbau der Wasserkraft ist ein Teil davon. Fragen der Flächennutzung ein anderer. Für viele zählen z.B. auch Landschaftsbildfragen dazu. Bei dieser letztgenannten Frage bin ich ehrlich gesagt relativ Hardcore auf Seiten der Erneuerbaren. Grenzziehung muss manchmal auch manchmal Grenzerweiterung.
Daher ist es wichtig, den Weg zu skizzieren, wie der Weg raus aus der fossilen Energienutzung aussieht. Dazu gehört einerseits die deutliche Reduktion des Energieverbrauchs aber auch ein massiver Ausbau erneuerbarer Energie. Dort wo es Interessenskonflikte etwa mit dem Naturschutz gibt, braucht es klare Kriterien, an denen sich die Energiewirtschaft orientieren muss. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man in Österreich jedes Fließgewässer zubauen muss, sehe aber sehr wohl noch Potenzial für den weiteren Ausbau.
Viel gäbe es dazu noch zu sagen, aber der Beitrag ist eh schon zu lang.
Letztlich und wiederholt: Die Energiewende ist viel mehr als eine technische Frage. Er ist ein kulturelles Projekt, das auch in unser Konsumverhalten eingreifen wird. Das Schwarzenegger Modell – “Klimaschutz ist nur super, wenn ich mit meinem Pflanzenöl-betriebenem Hummer weiterfahren darf” – wird ebenso scheitern. Denn genau hier greifen die Ressourcengrenzen.
Dieser Diskurs ist zu führen. Aber bitte nicht, indem der Klimaschutz pauschal für etwas verantwortlich gemacht hat, was er nicht zu verantworten hat.
(Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Film ist auf klimaretter.info zu lesen.)
Nun ist es also soweit. Mehrere Zeitungen (der KURIER online lieferte den ersten Beitrag) berichten von einem “gewaltigen Gasfeld” in Niederösterreich. Dieses “Gasfeld” ist jedoch kein herkömmliches Erdgasfeld, sondern gewonnen werden soll sog. Schiefergas (Shale Gas wie der internationale Begriff heißt; ich verwende einfach beide). In Poysdorf bei Mistelbach startet ein entsprechendes Pilotprojekt der OMV. Damit kommt eine Debatte nach Österreich, die in vielen anderen Staaten schon seit Jahren intensiv geführt wird. Vor allem in den USA, die an der Spitze der Shale Gas Exploration stehen, aber auch in einigen europäischen Staaten wie Frankreich, Deutschland oder Polen, wo gigantische Vorkommen bestehen sollen. Ich will diesen Beitrag nutzen, um eher nüchtern die mögliche Schiefergas Exploration in Österreich einzuschätzen, wissend, dass noch ein Begriff hinter Shale Gas steht, der Emotionen hervorruft: Fracking. Eine aufwendige Methode, das Gas zu gewinnen, die mit einigen relevanten Umweltrisiken und relativ hohen Kosten verbunden ist.
Die internationale Bedeutung von Shale Gas
Ganz kurz zur Erläuterung. Kaum ein Faktor hat die Prognosen des Erdgasmarktes in den vergangenen Jahren derart beeinflusst wie Shale Gas. Ähnlich wie bei Peak Oil hatten viele Staaten auch schon ihren Peak Gas. Wobei man konkret ergänzen muss, sie hatten ihren Peak Conventional Gas. Der Höhepunkt der neu entdeckten Gasfelder war weltweit bereits in den 60er bzw. 70er Jahren. Ähnlich wie bei Rohöl ging dann die Anzahl bzw. Gesamtkapazität der neuen Erdgasfelder zurück. Dies betrifft auch solche Staaten, die von Erdgas stark abhängig sind, wie etwa der größte Verbraucher, die USA (siehe Graphik) Die enormen Potentiale durch Schiefergas haben jedoch die Prognosen vor einigen völlig durcheinander gewirbelt. (im Link eine Übersicht über die großen Shale Gas Gebiete in den USA)
Ähnlich wie bei Öl hängen die Zukunftsprognosen auch bei Erdgas von der Gewinnung von Unconventional Gas ab. Wobei das Unkonventionelle daran nicht das Gas selbst, sondern eben die Förderung ist. Zum Unconventional Gas gehört neben Schiefergas auch Kohleflözgas und sog. Tight-Gas, wo das Gas in Sandstein zu finden ist. In den USA macht Unconventional Gas bereits mindestens 40% der Erdgas-Gesamtproduktion aus. (inkl Kohleflözgas müssten es sogar 50% sein)
In Österreich werden derzeit rund 1,3 Mrd Kubikmeter Erdgas produziert (Ende der 70er Jahre waren es knapp 2 Mrd Kubikmeter) Der Verbrauch liegt in Österreich hingegen bei 8,5 Mrd Kubikmeter (2008). Man sieht gleich, wie sich die Abhängigkeit Österreichs bei Erdgas ergibt. Daher ist die Überlegung, die Importabhängigkeit zu reduzieren prinzipiell nicht falsch.
Die Kehrseite der unkonventionellen Gasgewinnung: Was ist Fracking?
Das Problem ist, dass all diese unkonventionellen Vorkommen nur sehr aufwendig zu fördern sind. Bleiben wir beim Schiefergas. Es befindet ich in tiefen Gesteinslagen (4.000 – 10.000 m Tiefe) und wird mit Hilfe von künstlichem Druck aufgesprengt, sodass Risse im Gestein entstehen, damit das Gas entweichen kann. Im wesentlichen werden dafür viel Wasser, Sand und Chemikalien verwendet.
Diese Methode nennt man Hydraulic Fracturing (kurz Fracking). Die Schieferplatten sind sehr hart (härter als bei Tight Gas im Sandstein, wo Hydraulic Fracturing auch schon eingesetzt wird), was auch einen enormen Energieinput und eben diese Methode bedarf. Der Sand und die Chemikalien sind u.a. deshalb notwendig, damit die Risse nicht zufallen bzw. später verstopfen. Das Verfahren ist übrigens gar nicht neu; jedoch hat es sich bislang nicht gelohnt, es in großem Stil für Schiefergas einzusetzen.
Schätzungen sagen, dass pro Bohrloch ca 35 Tonnen Chemikalien (darunter Toluol, Benzol und Xylol) genutzt werden, wovon viele davon toxische Eigenschaften haben. Das sog. Frack-Wasser fällt in die Kategorie Sondermüll. In den USA gab es schon eine Vielzahl an Grundwasserbeeinträchtigungen.
Und hier noch ein relevanter Punkt. Denn es ist nicht so, dass man – wie der Kurier-Titel vermittelt – ein großes Gasfeld hat, in das man eben einfach reinbohrt, sondern es sind sehr sehr viele Bohrungen notwendig. (abhängig von der Flächengröße)
Hier liegt auch eine der wesentlichen Unterschiede zu Tight Gas. Die Gesteinsschichten für Schiefergas erstrecken sich über große Gebiete, sodass auch horizontal angebohrt werden muss. Technisch machbar, aber aufwendig.
Insbesondere die Gefährung des Trinkwasser durch Chemikalien aber auch die lokalen Auswirkungen durch die aufwendigen Bohrungen führten zu Widerstand. In Frankreich hat das Parlament Ende Juni dieses Jahres Fracking verboten; erst vor wenigen Wochen wurden neue Anträge von TOTAL und anderen Unternehmen auf neue Förderstandorte für Schiefergas von Umweltministerin Kosciusko-Morizet nicht genehmigt werden.
Der Film Gasland von Josh Foy hat in den USA diesbezüglich viel zur Bewusstseinbildung beitragen. Berühmt ist die Szene, bei der durch entweichendes Gas in der Wasserleitung Feuer entzündet werden konnte. Empfehlenswert ist übrigens auch diese NANO-Sendung auf 3sat: ?101109_gasrau_nano.rm
Nun, was bedeutet die Schiefergas-Perspektive für Österreich? Vorweg: meine persönlichen Einschätzung ist, dass es noch lange dauern wird, bis es tatsächlich dazu kommt. Denn
erstens ist eine gewinnbringende Förderung bei den aktuellen Preisen noch schwer darstellbar;
zweitens hat die OMV angekündigt, auf Hydraulic Fracking wie oben geschrieben zu verzichten, sondern Schiefergas umweltfreundlich zu fördern, was aktuell meines Wissens nicht möglich ist;
drittens wird die Genehmigung der Förderung im großen Stil nicht konfliktfrei ablaufen.
Was schon wichtig ist, ist die Auseinandersetzung mit der österreichischen Shale Gas Perspektive. Und hier orte ich drei wesentliche Zielkonflikte:
Zielkonflikt 1 Klimaschutz: die schlechte Treibhausbilanz von Schiefergas
Der Zufall will es, dass das Thema eine Woche vor der nächsten Klimakonferenz hoch kommt. Wenn sich niemand verzählt hat, ist es COP 17. Und zugegeben, von einer substanziellen Annäherung an eine Problemlösung ist man aktuell weit entfernt als.
Auch Österreichs Treibhausgasbilanz ist verheerend. Vom Kyoto-Ziel ist man meilenweit entfernt.
Doch was bedeutet es für die heimische Klimabilanz, wenn Schiefergas in diesen großen Mengen gefördert wird? (präzise quantifiziert wurde ja die förderbare Menge noch nicht, außer “riiiiieeesengroß”)
Bei der ASPO US-Konferenz in Washington hörte ich kürzlich zwei interessante Experten. Robert W. Howarth und Anthony Ingraffea von der Cornell University. Sie analysierten die Schiefergas-Förderung und bilanzierten derenTreibhausrelevanz. Denn: Obwohl Schiefergas auch nur Erdgas ist, hat es aufgrund der Fördermethode deutlich höhere Emissionen, weil viel Methan entweicht. Die Autoren, die ihre Erkenntnisse in der September-Ausgabe von Nature publiziert haben, raten von einer offensiven Shale Gas Strategie ab. Die Umweltrisken seien zu hoch und die Treibhausgasrelevanz deutlich höher als bei anderen fossilen Energieträgern. Im Papier heißt es: <a href=”Methane is a major component of this footprint, and we estimate that 3.6–7.9% of the lifetime production of a shale gas well (compared with 1.7–6% for conventional gas wells) is vented or leaked to the atmosphere from the well head, pipelines and storage facilities.” The Atlantic hatte schon im April die Daten der Studie von Howarth, Ingraffea, Engleder veröffentlicht. Sie sind für einen 20-Jahres Zyklus berechnet. Sie sind insofern erstaunlich, weil auch der herkömmlichen Erdgasförderung ein entsprechender Anteil entweichendes Methan zugeschrieben wird, was aber auch mit den in den USA verbreiteten Fördermethoden zu tun haben könnte. Bei Shale Gas ist dieser Anteil nochmals signifikant höher. Leider habe ich die Graphik für denn 100-Jahre Periode nicht. Hier ist Kohle deutlich über Erdgas; aber Shale Gas auf vergleichbarem Wert. (mit Kohle)
Ein interessanter Vortrag der beiden Wissenschafter ist auf Youtube zu finden.
Zu beantworten ist also die Frage, ob man angesichts der schlechten Treibhausbilanz Österreichs tatsächlich diese zusätzliche Emissionen in Kauf nehmen will?
Zielkonflikt 2 Energieautarkie: das war eigentlich anders gemeint
Energieautarkie ist ein zentrales Motiv für viele energiepolitischen Programme in Österreich. Umweltminister Berlakovich propagiert das Ziel, dass Österreich bis 2050 „energieautark“ sein soll. Zur Zeit liegen wir knapp über 30 Prozent. Auch viele Bundesländer setzen aktuell auf Energieautarkie-Szenarien, wobei das immer nur eine bilanztechnische Frage ist – es geht nicht um technische Autarkie, also der infrastrukturellen Unabhängigkeit vom Rest der Welt. Niederösterreich beschloss vergangene Woche den Energiefahrplan 2030. Bis 2015 will man hier 100% Erneuererbare beim Strom und bis 2020 erreichen und den Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergiebedarf von 30 auf 50% steigern. Burgenland wird bis 2014 100% Erneuerbare im Strombereich haben; bei der Wärme dauert es natürlich auch etwas länger. Für Salzburg präsentierte gestern der für Raumplanung verantwortliche Abteilungsleiter Friedrich Mayr den Plan, ebenso 50% Erneuerbaren Anteil bis 2020 anzuvisieren.
Und hier kommt der Punkt. Energieautarkie ist in Österreich mit dem Gedanken verknüpft den Anteil der Erneuerbaren Richtung 100% zu erhöhen. Wie passt da eine proaktive Schiefergas-Vorgehensweise ins Konzept? Man könnte natürlich argumentieren, dass Energieautarkie nicht zwingend erneuerbar sein muss. Aber war das die Idee? Ich glaube nicht.
Zielkonflikt 3 Wo investitieren: Schiefergas & Nabucco? Too much, guys.
Nun, ehrlicherweise ist das kein unmittelbarer Zielkonflikt, denn im Sinne der oben beschriebenen Ziele ist wahrscheinlich weder das eine noch das andere anstrebenswert. Aber es mag schon einen guten Grund haben, warum die – lange vermuteten Schiefergas-Vorkommen in Niederösterreich – bislang in dieser erahnten Dimension nicht an die große kommunikative Glocke gehängt wurden. Es ist schlicht schwer zu erklären, dass man einerseits massiv in eigene Schiefergas-Vorkommen investiert, die sich nur rentieren, wenn Gas entsprechend teuer ist, und andererseits 8 Milliarden Eur in die 3300 km lange Pipeline investiert. Logisch, Nabucco dient ohnehin nicht primär dem österreichischen Markt, aber dennoch wird die Argumentation für beide Unterfangen nicht ganz widerspruchsfrei sein.
Eines beweist die aktuelle, am Beginn stehende Diskussion jedenfalls. Derartige Projekte sind nur möglich, wenn der Gaspreis entsprechend hoch ist. Damit ist zu rechnen, denn die konventionellen fossilen Energieträger werden dem steigenden weltweiten Bedarf nich folgen können und damit teurer werden. Diese Zielekonflikte zu klären, wird entscheidend sein für die Zukunft von Schiefergas bzw. der gesamten Energieversorgung in Österreich. Es geht tatsächlich um strategische Weichenstellungen mit langfristigen Folgen.
Kürzlich hatte ich mir “Bulb Fiction” (Regisseur Christoph Mayr) angesehen, ein “Dokumentarfilm” zur Energiesparlampe. Der Film verfolgt eine klare Intention, die letztendlich darauf hinausläuft, die Glühbirne wieder als Massenprodukt zurück zu fordern und die Energiesparlampe zu hinterfragen. Die Website untertitel etwas reißerisch mit “Die Lüge von der Energiesparlampe” Ob es ein Beitrag zu Aufklärung und Mündigkeit ist, wie auf der Website postuliert, darüber kann man diskutieren. Ich orte einige interessante, wissenswerte Informationen, sehe einige Aspekte im Film jedoch durchaus kritisch. Interessanterweise findet man derzeit kaum kritische Stellungnahmen zum Film. Hier einige Eindrücke dazu und eine differenzierte Meinung über Stärken und Schwächen von “Bulb Fiction”.
Zunächst muss man mal zum Titel gratulieren. Der ist einfach, aber ziemlich genial.
Bulb Fiction ignoriert aktuelle Entwicklungen
Der Film kritisiert massiv die EU-Effizienz-Kriterien für Haushaltslampen und den dazugehörigen Phase-Out Plan, weil jene Kriterien von herkömmlichen Glühlampen nicht erfüllt werden und sie daher Schritt für Schritt aus dem Handel verschwinden – so wie zuletzt die 60W Glühbirne, die seit 1.9.2011 nicht mehr angeboten wird. Irrtümlich wird öffentlich ja oft angenommen, dass die Glühlampe als solche verboten worden wäre. Korrekt ist jedoch, dass es strenge Effizienzkriterien gibt. (der Film selbst beschreibt das zwischendrin auch richtig) Als Alternative dazu wird im Film ausschließlich die Energiesparlampe behandelt. Jede/r, der sich jedoch mit aktuellen Beleuchtungstechnologien auseinander setzt, weiß, dass der aktuelle Trend eindeutig in Richtung LED (Leuchtdioden) geht und die Energiesparlampe noch nicht das Ende der Technologienentwicklung darstellt. Die EU-Verordnung hat bewirkt, dass seit einigen Jahren ein enormer Innovationsschub eingesetzt hat. Meine These: ohne ordnungspolitische Maßnahmen wäre es nicht dazu gekommen, weil Energieeffizienz aufgrund billiger Energie den KonsumentInnen und dem Markt leider weitgehend egal sind. (mehr dazu später)
Das einmal als Kernargument.
Interessenslagen: Verschwörungstheoretische Ansätze oder fundierte Marktanalyse
Nun, es ist keine Frage, dass die großen europäischen Konzerne im Beleuchtungssektor Einfluss auf die Entscheidung der EU-Kommission gehabt haben dürften. No na konsultieren Entscheidungsträger die Industrie, wenn es um die Umsetzung von Maßnahmen geht. Dass dies manchmal zu weit gehen kann, sehen wir hierzulande immer wieder, wie kürzlich, als ein Entwurf des Umweltministeriums zum Klimaschutzgesetz sehr offensichtlich von Vertretern der Industriellenvereinigung geschrieben wurde. (siehe Presse-Artikel “Wer Österreichs Gesetze schreibt”)
Der Film vermittelt jedoch den Eindruck, dass ein Kartell existiere, das die Entscheidung ausschließlich im Eigeninteresse der marktbeherrschenden Unternehmen erwirkt hätte. Nachweise gibt es dazu nicht. Was im Film fehlt ist eine fundierte Analyse des Glühbirnen-Marktes und der Akteure im LED-Bereich. In letzt genannter kann ich anmerken, dass es eine Vielzahl kleiner innovativer Firmen (davon einige hierzuland) gibt, die interessante Lösungen entwickeln und anbieten. Ist nicht viel mehr anzunehmen, dass sich der Markt durch die EU-Richtlinie letztendlich mehr ausdifferenzieren wird? Vieles spricht dafür. Was stimmt, ist, dass die qualitativ hochwertigeren Produkte teurer sind als die alte Glühbirnen und damit natürlich mehr Umsatz bringen. Zugleich sollen sie jedoch auch länger halten und dadurch seltener erworben werden (was der Film in Sachen Energiesparlampe teilweise anzweifelt)
Interessant, aber meiner Meinung nach manipulativ aufbereitet ist die Darstellung des sog. Phöbuskartells. Hier vermischen sich historische Dokumente mit der aktuellen Sachlage. Wenn man keinen genauen Blick auf die gezeigten Dokumente wirft, wird im Film nicht deutlich erklärt, dass es sich um Papiere aus den 30er Jahren handelt. So, das ist historisch interessant, aber was hat das mit der aktuellen Debatte zur Beleuchtung zu tun?
Vermittelt wird, das Kartell könnte jetzt noch aktiv sein. Dafür gibt´s jedoch keine substantiellen Indizien. Angesichts der wüsten, verschwörungstheoretischen 09/11-Dokus der letzten Wochen, wo teils sehr platt teils sehr geschickt Machenschaften postuliert werden, ist Vorsicht im Umgang mit derartigen Kontexten geboten. Menschen sind offenbar extrem zugänglich dafür.
Efficiency matters
In der PR-Arbeit rund um Bulb Fiction wird vermittelt, dass die EU nachgerade ausschließlich durch das Phase-Out ineffizienter Glühbirnen das Klima retten wollte. Tatsächlich war die Intention die einfach erzielbare Energieeinsparung im Haushaltsbereich und damit ein Beitrag zum Klimaschutz. Das betrifft jedoch eine Menge anderer Produktgruppen auch. Wer sich auch nur ansatzweise mit Klimaschutz auseinander setzt, weiß, dass die Reduktion der Treibhausgase nur durch eine Vielzahl an – unterschiedliche Sektoren betreffende – Maßnahmen erreicht werden kann. (oder durch eine deutlich Erhöhung der Energiepreise)
Der diesbezügliche Populismus im Film ist mir etwas zu billig, denn mit dieser Art der Kommunikationslinie kann ich jedes ansatzweise komplexe Problem auf dieser Welt aufmachen. Ja, unsere Welt ist komplex und daher wird auch die Lösung dessen nicht einfach. Dass die Energiesparlampe jedoch signikante Einsparungen beim Stromverbrauch erzielt (im Normalfall rund 80% im Vergleich zur Glühlampe), ist unbestritten. Dass bei den Energiesparlampen jedoch auch qualitativ schlechte Produkte auf den Markt geworfen wurden, ist sicher auch richtig, aber ja nicht der Kernpunkt im Film.
Bei aller Affinität zur Glühbirne: sie ist ein schlicht extrem energieineffizientes Produkt! Und beim allem Verständnis für die Befürworter des reinen Marktliberalismus, sorry to say: wir leben in einer Welt, wo es eben nicht nur darum geht, für sich selbst verantwortlich zu sein, sondern wo die Art, wie wir Energie verbrauchen eben auch Auswirkungen auf alle hat. Deshalb werden u.a. Treibstoffe effizienter gemacht, Gebäude sollen weniger Energie verbrauchen und eben auch unsere Haushaltsprodukte weniger Energie verschwenden. Vom notwendigen verhaltensbezogenem Systemwandel in Sachen Energieverbrauch ganz zu schweigen. Es ist legitim zu sagen, dass man die Gewichtung zwischen den einzelnen Sektoren oder Produktgruppen nicht angemessen findet. Aber das wird im Film nicht getan, denn wie wir Energie einsparen ist den Machern von Bulb Fiction offenbar ziemlich egal. Das ist wie gesagt legitim, aber meiner Meinung nach eben falsch.
Der Umgang mit Umweltgiften & die Schwäche bei Kontrolle bzw. Entsorgung
Hier macht Blub Fiction einen wichtigen Punkt, indem er den unsachlichen Umgang mit Umweltgiften wie Quecksilber thematisiert. Es mangelt an Kontrollen und beim Recyceln sind die Zustände offenbar auch unbefriedigend. Das betrifft sehr viele Bereiche und Stoffe und ist wahrlich kein Energiesparlampen-Spezifikum.
Blub Fiction konzentriert sich jedoch ausschließlich auf das Quecksilber-Problem in der Energiesparlampe und ignoriert – abgesehen von einem zu Wort kommenden Umweltmediziner – die Probleme, die sich in vielen anderen Substanzen und Produkten befinden. (man denke nur an Batterien und Elektrogeräte aller Art) Die Quecksilber-Diskussion ist übrigens nicht neu. Ich erinnere nur an die jahrelangen Amalgam-Debatten bei Zahnfüllungen oder – wie wir es noch als Kinder gelernt haben – den Umgang mit quecksilberhaltigen Fieberthermometern, die auch das eine oder andere mal in Haushalten kaputt gegangen sind. Nur zum Vergleich: Bei Untersuchungen der Stiftung Warentest wird angegeben, dass in einer Energiesparlampe meist etwa zwei Milligramm Quecksilber enthalten sind. (meist sollten es noch weniger sein) Fünf Milligramm soll das Maximum laut EU-Verordnung sein. Das (mitterweile in der EU verbotene) Quecksilber-Fieberthermometer enthielt 1 Gramm Quecksilber, also das 500fache einer durchschnittlichen Energiesparlampe.
Dennoch ist natürlich Vorsicht geboten, insbesondere wenn die Energiesparlampe zerbricht während sie brennt. Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass man im Bereich Entsorgungsangebote und Informationsmaßnahmen deutlich besser agieren könnte. Immer noch landen laut GLOBAL 2000 80 Prozent der Energiesparlampen im Restmüll.
Schwache EU-Performance
Stichwort Informationspolitik. Wie sich die EU-Kommission im Film präsentiert, ist auch nicht gerade ruhmbekleckernd. Es gibt eine Szene, in der die Pressesprecherin der EU-Kommission (anstelle der angefragten EU-Kommissare) auf Fragen antwortet, und dabei immer wieder den Fachexperten konsultiert, der nicht im Bild ist bzw. – wie erläutert wird – sein darf. So wird nicht gerade Vertrauen bei BürgerInnen geschaffen. Dass es offenbar keine Klarheit bei der Aufnahme gegeben hat, wann man on -und wann offrecords sei, ist aber auch ein kleines Foul von Mayr. Üblich und fair ist, wenn man das mit dem Interviewpartner klärt. Aber das nur am Rande.
Generell ist der Auswahl der Akteure recht einseitig. Das ist natürlich legitim, wenn es der Intention des Filmes entspricht. FDP-Abgeordnete Holger Krahmer, der BWL-Professor und Hedgefonds-Manager Max Otte oder die beiden Vertreter der Lichtdesigner-Vereinigung, die sehr viel Platz im Film erhalten, kontextualisieren den Inhalt natürlich entsprechend ihrer Agenda. Dass die Umweltseite nicht besonders gut aussteigt, wird geschickt dargestellt. Unverständlich eigentlich, denn die Umweltorganisationen beziehen sehr konkret Position sowohl zum Energiesparen wie auch zur Quecksilberbelastung.
Der Kernvorwurf der Filmemacher ist, dass die Öffentlichkeit bzw. Politik in Sachen Energiesparlampen manipuliert wurde, um die EU-Verordnung durchzusetzen. Konkret ist von “Propaganda” die Rede. Streng genommen arbeitet der Film selbst jedoch ebenso recht einseitig und wirkt in meiner Wahrnehmung potentiell manipulativ. Tatsächlich muss man mündiger, gut informierter Bürger sein, um aus den unterschiedlichen Quellen nützliche Informationen zu beziehen.
Wie gesagt, unsere Gesellschaft ist in Zeiten einer tiefen Vertrauenskrise in öffentliche Informationen und Institutionen, sehr zugänglich für die Darstellung von “Machenschaften” und Verschwörungen aller Art. Nahezu JEDER Inhalt – auch aus dem ökologischen Bereich – ist in irgendeiner Weise angreifbar. Für nahezu jedes Gutachten ist ein Gegengutachten heranziehbar. Unser Ziel als Gesellschaft muss jedoch sein, dass sachliche Entscheidungen im öffentlichen Interesse eben keine Glaubensfrage darstellen. Und öffentliches Interesse ist unter anderem die Reduktion des Energieverbrauchs wie auch der substantielle Beitag zum Klimaschutz. (und ja, natürlich auch der Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen) Ohne ordnungspolitische Maßnahmen wird das nicht gehen.
Es ist schade, dass es bei Bulb Fiction nicht wirklich gelungen ist, sich von Glaubensfragen zu entkoppeln, sondern der Dokumentarfilm letztendlich eine Bewegung für die Wiedereinführung eines (eben leider ineffizienten) Produkts darstellen will. Wo der Film wie gesagt richtig ansetzt ist bei der Schwächeanalyse und Bewusstseinsbildung für Auflagen bei der Verwendung von Quecksilber und bei der Entsorgung. Nicht bewerten kann ich die diversen lichttechnischen Aspekte ehrlich gesagt.
In einem Folgepost widme ich mich demnächst – anlässlich von Bulb Fiction – der Regulierung komplexer Materien. Ein schwieriges Thema, zugebenermaßen.
Abschlußanmerkung “in Zeiten wie diesen”: Im Sinne der Transparenz verweise ich darauf, dass ich in keinerlei geschäftlichem- oder Auftragsverhältnis zur Leuchtmittel-Industrie stehe.
Mit Verspätung setze ich den kurzen Bericht über die ASPO-Konferenz in Brüssel fort. (hier Teil 1) Leider war die Zeit limitiert, um just-in-time zu bloggen. Und leider ist es auch nicht möglich, alle relevanten Infos hier zu verarbeiten.
Auch aufgrund der teils widersprüchlichen Einschätzungen, z.B. zur Rolle der Eneuerbaren im Energiemix der Zukunft. Das liegt aber in der Natur der Sache. Wer eine objektive, eindeutige Information zur Zukunft der Energieversorgung erwartet, wird möglicherweise daran scheitern. Und wer Linearität in der zukünftigen Entwicklung erwartet, übrigens noch mehr. Aber dazu demnächst noch ein Nachschlag.
Ich verspreche Teil 3, wenn alle ASPO Präsentationen online sind.
Die Krise & die Krise. Korrelation, aber auch Kausalität?
Was hatte die globale Wirtschaftskrise mit fossiler Energie zu tun? Viel. Sehr viel, sogar wenn man renommierten Ökonomen Glauben schenken darf. Und hier liegt einer der Brüche zwischen ASPO und dem medialen Mainstream bei der Einschätzung der Krise bzw. der Krisenbewältigung. Denn in den gegenwärtigen Konzepten, die den Weg aus der Krise deuten und zur Zeit tatsächlich für Entspannung sorgen, ist von der zu hohen Abhängigkeit von fossiler Energie kaum mehr die Rede. Viel haben mittlerweile vergessen, was vor dem Crash war: massiv gestiegene Ölpreise und hohe Inflation. Und tatsächlich, die Wirtschaft wächst wieder, trotz eines Ölpreises von 120 USD und mehr. Doch Vorsicht. Denn es gibt definitiv eine Korrelation zwischen Ölkrisen und den internationalen Rezessionen. Ob Korrelation gleich Kausalität bedeutet, wird eben unterschiedich gesehen. Oder wie es der angesehene Ökonom Jeff Rubin formuliert: “Every major global recession over the last forty years has had oil´s fingerprints all over it.” Sowohl der OPEC Ölschock wie auch die Krise nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait hatte Folgen auf den Preis fossiler Energie und das Wachstum der Wirtschaft. Insb. für die USA. Das Bindeglied zwischen steigendem Ölpreis und der Krise ist die hohe Inflation. Man beachte die aktuellen Preisentwicklungen auch bei Lebensmitteln und die Inflationsrate in China (> 5%) und Indien (> 8%)
Aber die entscheidende Frage ist, welcher Ölpreis ist kritisch für die globale Ökonomie? Gibt es den Punkt, wo es kippt? Sind es 150 US-Dollar? Rubin ist überzeugt, dass die globale Wirtschaft wie wir sie kennen va eine tragende Säule hat. Öl. Oder konkret: billiges Öl. Das wird es aber nicht mehr geben, da die Ölförderung teurer wird, denn konventionelles Rohöl wird den Bedarf nicht mehr decken können. Ob wir den Höhepunkt – also Peak Oil – schon überschritten haben oder er erst kommt, ist dabei zu nicht so entscheidend. Denn die unbekanntere Größe ist das unkonventionelle Öl. Und das ist eben nicht mehr so billig zu haben.
“What we see is the end of growth” Generell zeichnet Rubin ein düsteres Bild der Weltwirtschaft, zumindes wenn man in herkömmlichen Kategorien denkt. Er sieht die Eurozone wie sie jetzt existiert als nicht mehr lange haltbar und verweist auf den unglaublich hohen Anteil, den China an US-amerikanischen Staatsleihen hält -über 1 Billion US-Dollar. Die gesamte Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten beläuft sich auf rund 4,5 Billionen US-Dollar. 14,3 Billionen US-Dollar umfassen nach offiziellen Zahlen die Gesamt-Verbindlichkeiten der USA. Man könnte meinen, die USA haben derzeit ein wirklich substantielles Problem. (auch wenn Barack Obama derzeit durchaus amüsante Reden hält – wie hier kürzlich beim White House Correspondents Dinner)
Was passiert, wenn es bei 150 US-Dollar wieder kracht? Wie soll sich das alles ausgehen? Rubin, der Ökonom, kühler Rechner und wahrlich kein Öko ist, skizziert ein Bild, das stark abweicht von herkömmlichen US-Bild. Insbesondere die OECD-Staaten werden ihren Verbrauch reduzieren müssen, denn die aufstrebenden Märkte werden dies nicht tun. „But excuse me, the world doesnt grow with tripple digit oil prices“ Oder wie er pessimistisch meint:
“The last recession was an energy shock. We are moving inexorably closer to another oil price induced recession. Possibly in the timeframe of 12 month.
What we see is the end of growth.”
Ist Jeff Rubin also nur einer der sogenannte Doomer? Einer, der sich am potentiellen Untergang ergötzt? Nein, seine Analyse ist eher nüchtern und als langjähriger Chefökonom der CIBC World Markets hat er anderen Background.
Ähnlich wie übrigens auch Erik Townsend, einem Investor, der auf Ölmärkte spezialisiert ist. Seiner Meinung nach hat im Mai 2005 Peak Conventional Oil stattgefunden. Die Welt hängt nun ab vom nicht-konventionellen Öl, das tief aus der Meeresboden oder z.B. aus Teersanden gewonnen wird. Der Unterschied ist die deutlich aufwendigere Gewinnung. Kalkulierte man für konventionelles Öl einen Barrelpreis von 20 USD, ist es bei nicht-konventionellem 70USD.
Game-Changing Event Townsend beschreibt, wie die Finanzmärkte darauf reagieren. Sie fragen: Peak what? Das Thema ist auch dort nicht im Bewusstsein. Worauf der Markt schon reagiert, ist hingegen der Preis. Townsend wirft z.b. einen Blick auf die Futures. Der Markt erwartet substantiell höhere Preis als früher. Es wird jetzt schon für die Jahren 2012 – 2014 um über 100 US-Dollar/Barrel gekauft.
Townsend beschreibt unterschiedliche Phasen, z.B. ein sog. Krisenfenster zwischen 2012 und 2015. “That´s when reality hit the financial markets. Traders still don´t understand what we´re really facing.” Und zwar insbesondere dann, wenn sich der saudische Mythos von der ständigen Verfügbarkeit großer Mengen Rohöls als falsch erweist. Oder: tja, wenn die politische Situation kippt. Man lese nur die aktuellen Nachrichten.
Wir sind derzeit übrigens in der ACH-Phase. (Anything Could Happen). Möglich ist z.B. “the big sell off”, da die US-Wirtschaft sehr fragil sei. Die Situation im Nahen Osten könnte das Game Changing Event sein.
Seine Analyse, die ebenso stark aus US-Perspektive zu sehen ist: “Energy prices had a lot to do with the crisis. Unaffordable energy breaks the back of an economy.”
Betrübliche Aussichten also, mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Nicht nur in der Energiepolitik.
Und zum Abschluss dieses Beitrags noch ein TV-Beitrag, vom australischen Sender ABC, der vor wenigen Tagen ausgestrahlt wurde und ganz gut gemacht ist. Er soll zum Verständnis für Peak Oil beitragen.
Originalquelle: http://www.abc.net.au/catalyst/stories/3201781.htm
“Das ist alles kein Problem – die Technologien sind ja da.” Nicht selten habe ich dieses Argument bei Veranstaltungen, in Medien oder in Gesprächsrunden gehört, als es darum ging, die Energiewende – also den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen – zu erklären. Auch der Einstieg in den Film “Die vierte Energierevolution. Energy Autonomy” mit Hermann Scheer ist nicht unähnlich. Scheer ist im Taxi in Los Angeles unterwegs und erläutert, dass all diese Glasfassaden völlig verfehlterweise keine Photovoltaik-Zellen integriert hätten. Prinzipiell stimmt das auch. Es mangelt weder an erneuerbaren Energieformen noch an Technologen zu ihrer energiewirtschaftlichen Nutzung. Und auch ich bin der Meinung, dass es Ziel sein muss, zu 100% von der fossilen Energiewirtschaft auf solare Energie umzusteigen. Aber dennoch: manche unterschätzen die Komplexität und den Aufwand, den es braucht, um neue Technologien in die jeweilige Kultur zu integrieren. Die sog. Energiewende ist letztlich eine Energiekulturrevolution.
Ein Projekt, das diesbezüglich wertvolles geleistet hat, wurde in den vergangenen zwei Jahren zum Thema gebäudeintegrierte Photovoltaik abgewickelt. Es ging um den “Technologietransfer zur Markteinführung multifunktionaler photovoltaischer Solarfassaden” und wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen des Impulsprogramms Nachhaltig Wirtschaften durchgeführt. Die Projektleitung hatte HEI Consulting inne. Ergebnis ist u.a. die informative Service-Website solarfassade.info, die schon seit vergangenem Jahr online ist. Der Projektbericht ist in dieser Projektbeschreibung zu finden.
Wesentliches Ziel des Projekts war es, den Wissensstand jener Personen und Institutionen, die an der Umsetzung künftiger Projekte mit gebäudeintegrierter Photovoltaik (GIPV) beteiligt sein werden, deutlich anzuheben, Interesse an dieser neuen technologischen Lösung zu stimulieren und mittelfristig einen entscheidenden Beitrag zur vermehrten Anwendung von GIPV in Österreich zu leisten. Es geht auch darum, Sicherheit im Einsatz dieser vergleichsweise jungen Technologie zu geben. Meines Erachtens eminent wichtig, weil neuen Technologien tendentiell meist mit Unsicherheit bzw. Skepsis begegnet wird.
Dafür war es jedoch wichtig, zu Beginn des Projektes die Hemmnisse kennen zu lernen, die bislang für potentielle Zielgruppen bei der Anwendung von GIPV relevant waren. In diesem Bereich war ich Teil des Projektteams.
Vorweg: Die gebäudeintegrierte Photovoltaik (GIPV) gilt als eine der solaren Zukunftsanwendungen und ist durch eine enorme dynamische Entwicklung gekennzeichnet. Der weltweite Markt für GIPV wird laut Prognosen von derzeit (2008) 1,1 Milliarden Euro bis 2016 auf rund 5,8 Milliarden Euro ansteigen. Auch Österreich verfügt über ein enormes Flächenpotential; aktuell werden jedoch weniger als 0,001% (ca. 7.000 m²) dieser Flächen für GIPV genutzt.
Der Vorteil liegt nicht nur in der Stromproduktion durch die Fassade, sondern auch durch unterschiedliche Funktionen wie etwa dem Sonnenschutz. Trotz dieser Multifunktionalität und eines internationalen Photovoltaik-Booms konnte sich GIPV am österreichischen Markt noch nicht durchsetzen. Der Marktanteil von GIPV ist noch gering. Die Investitionskosten für eine GIPV-Fassade ist natürlich höher als bei konventionellen Fassaden, jedoch insbesondere bei repräsentativen (meist gewerblichen) Projekten etwa mit Natursteinfassaden absolut wettbewerbsfähig. Aber auch hier hängt die Wirtschaftlichkeit von enorm vielen Faktoren ab.
Wer baukulturell Innovationen forcieren will, braucht nicht nur eine Gruppe als Bündnispartner, etwa Architekten dazu. Es geht darum, vom Auftraggeber bis zum umsetzenden Baugewerbe alle Teile mit der neuen Technologie zu konfrontieren, idealerweise zu überzeugen und das notwendige, teils komplexe Know-How zu vermitteln.
Daher war es wichtig, in Erfahrung zu bringen, wo die Akteure die Barrieren sehen. Im Rahmen des Projekts wurde mit Online-Befragungsmethoden und Experteninterviews wertvolle Eindrücke und Meinungen eingeholt haben.
Es sind eine Vielzahl an Bedenken geäußert worden, insb. was die Wirtschaftlichkeit bzw. Kosten, Konstruktionsfragen oderr die Netzeinspeisung betrifft. Zugleich werden der Technologie gute Perspektiven eingeräumt. Als Kernproblem stellt sich aber raus, dass die einzelnen Schnittstellen bei Bauprojekten schlicht zu wenig wissen. Und genau diese Komplexität wird oft unterschätzt. Der in die Baukultur greifende Wandel braucht viel Zeit und Anstrengungen, weil das Wissen darüber eben auf alle Ebenen verankert werden muss. Es gibt kaum mühsameres als Schnittstellenprobleme bei Bauprojekten. Und das Interesse ist nicht auf allen Ebenen entsprechend hoch (Anmerkung: sonst würde man in Österreich häufig anders bauen)
Projekte und Websites wie Solarfassade.info können dazu beitragen, dass dieses Wissen sickert und Fragen beantwortet werden können. Der Stimulus, sich damit auseinander zu setzen, muss aber noch von woanders kommen. Von der Politik durch längerfristig kalkulierbare Förderungsinstrumente, durch das Wissen um steigende Energiepreise, welche die Kalkulationsgrundlagen massiv beeinflussen, durch Promotoren (also vertrauenswürdige öffentliche Akteure, die eine Technologie promoten), weitere Best-Practice Beispiele und umfangreiche Informationsaktivitäten auf allen (!) Ebenen.
Es passiert auf Expertenebene und zur Wissensvermittlung eigentlich recht viel in Österreich (siehe z.B. Nachhaltig Wirtschaften) Aber bis komplexe, prozess- und nicht nur produktorientierte Innovation Mainstream wird, braucht es auch Zeit und viele Faktoren, die mitspielen.
Hier auch noch ein Beispiel (oben zu sehen, die Fassade des Power Tower der Energie AG in Linz). Das Hotel Stadthalle in Wien, das generell zum ökologischen Vorzeigeprojekt geworden ist. (siehe auch Standard-Artikel)
Christoph Chorherr hat es in einem Nebensatz gestern abend gut beschrieben. Es gibt Diskussionsgespräche, die sind einfach nicht in österreichischen TV-Formaten zu sehen. Vielleicht ist das deshalb so, weil das intelligente Gespräch als Austausch von Argumenten, bei dem es nicht primär um das Gewinnen oder Verlieren einer Diskussion geht, kaum fernsehformatkompatibel ist.
Der gestrige zweite Teil der “Über den Tellerrand”-Gesprächsreihe war wieder so ein Gespräch. Er widmete sich der Frage, inwieweit die Weltwirtschaftskrise mit der Entwicklung des Ölpreises zu tun hat. Folgt nach der Wirtschaftskrise ein neuer Ölcrash? Gäste von Alexander Van der Bellen waren diesmal der Ölmarkt-Analyst Johannes Benigni (JBC Energy) und Energieexperte Michael Cerveny (ÖGUT). Moderiert hatte die Journalistin Ute Woltron. (Foto Beate Potzmader/Die Grünen zum Vergrößern klicken)
Wie schon bei der ersten Tellerrand Diskussion war auch diesmal der Ausgangspunkt, dass man die Krise bzw. die Krisen versucht besser zu verstehen, und nicht primär im politischen Schlagabtausch auf die Analyse zu vergessen. Unterschiedlichen Perspektiven sollen zu einem besseren Verständnis führen. Eine Herangehensweise, die im politischen Diskurs meist fehlt. Auch das mediale Interesse an so einer Diskussion hielt sich gestern wieder in engen Grenzen.
Ein kleines Abbild der Fragestellungen des gestrigen Abends:
Was bestimmt den Ölpreis? Angebot & Nachfrage oder Finanzinvestoren
Der Ölpreis entsteht an den Börsen. Laut Marktkenner Benigni gibt es seit 2004 eine signifkkante Zunahme der Marktteilnehmer und 3 mal so viel Volumen. Während früher die sog. Oilers den Markt bestimmt haben, sind es seit einigen Jahren auch die Finanzinvestoren. Es gibt also jedenfalls einen wesentlichen Einfluß der Finanzinvestoren am Ölmarkt, der auch den Rise-of-the oil-price mit bestimmt hat. Auch der Zugang zu Börsen ist prinzipiell leichter geworden, was nicht ohne Konsequenz geblieben ist.
Benigni meint, dass die Ölpreisentwicklung deutlich weniger mit den sogenannten Fundamentals von Angebot & Nachfrage zu tun hat. Eine Sichtweise, die Michael Cerveny von der ÖGUT anders beschreibt. Und zwar dahingehend, dass die enorme Nachfrage nach Öl, ausgehend von einem entsprechend deutlichem Zuwachs in Asien, nicht mehr durch das Angebot abgedeckt werden wird können. Zumindest werden die Kosten dafür deutlich höher.
Prinzipiell wird mit Rohstoffen gehandelt wie mit anderen Sachen auch. In den vergangenen Jahren hat sicher ein Zug Richtung Commodities statt gefunden. Siehe Entwicklung des Goldpreises, aber auch die Entwicklung am Ölmarkt.
Wieviel Öl ist da? Niemand weiß es wirklich.
Es ist nur am ersten Blick absurd, dass eigentlich niemand wirklich genau sagen kann, wieviel Öl noch verfügbar ist. Aber Informationspolitik war immer auch eine Art von Interessenspolitik.
Laut Benigni ist eine Spare Capacity, also verfügbare und ungenutzte Ölmenge von 5,5- 6 Millionen Fass da, die von den OPEC Staaten jederzeit auf den Markt geworfen werden können – auch um 15 US-D. Teurer ist hingegen die Förderung der darüber hinaus gehenden Menge. An jener orientiert sich jedoch der Preis, der daher auch höher ist als noch vor 3-4 Jahren. (derzeit bei rund 75 us-D/Barrel). Die Grenzkosten würden zwischen 60 und 90 Us-D liegen. Benigni meint, es ist massenhaft Öl da, aber die Frage ist, zu welchem Preis.
Damit ist aber auch klar: Wirklich billig wird Öl in einer Phase des Wirtschaftsmwachstums nicht mehr!
Peak Oil oder Peak Demand?
Seit einigen Jahren ist der sog. Peak Oil in Diskussion, also der Höhepunkt der Ölförderung, der in eine relativ steile Abnahme der Ölförderung mündet – ähnlich einer Glockenkurve. Manche meinen, Peak Oil war schon; andere sehen ihn erst kommen. Das gestrige Podium meinte, der Zeitpunkt ist nicht wo wichtig.
Aber der Druck auf den Preis wird laut Cerveny größer. Einerseits wegen der Investitionshemmnisse, andererseits aufgrund geologischer Faktoren. Die Internationale Energie Agentur sieht weiter einen massiven Zuwachs des Ölbedarfs. Aber sind die prognostizierten aktuell 80 bis 104 Mio Barrel bis 2030 überhaupt machbar? (unabhängig jetzt mal vom ökologischen Aspekt)
Eine Ölfeldanalyse der IEA, die immer eine eher konservative Haltung vertreten hat, hat gezeigt, dass von den 780 bedeutenden Ölfeldern 580 schon ihren Peak hatten. Es gibt einen Rückgang der Ölförderung von 5,1% pro Jahr dieser Felder nur durch ihre “Alterung”: Cerveny verweist auf Analysen, die einen Oilcrunch 2012/2013 sehen, wenn das Wirtschaftswachstum wieder greift.
Dies sind die Ingredientien einer neuer Weltwirtschaftskrise.
Für Benigni ist die Frage des Peak Oil nicht entscheidend. Er sieht einen Peak Demand. Durch den hohen Ölpreis 2008 gibt es einen Schub Richtung Effizienz. Siehe Mobilität in den USA, wo der Verbrauch derart hoch ist, dass es noch Jahre dauern wird bis das europäische Niveau erreicht werden kann, jetzt aber ein Umdenken eingesetzt hat. China wird weiter massiv wachsen, aber das Bewusstsein ist da,die Führerschaft im Bereich Solar und z.B Batterietechnologie zu erreichen. Man will die Fehler der USA nicht wiederholen, zugleich steht China erst am Anfang dieser Wohlstandsentwicklung. (zur Entwicklung CHinas und Indiens siehe auch den aktuellen Hans Rosling TED-Vortrag)
Keine klare Prognose zur Höhe des Ölpreises
Logisch, dass sich niemand ernsthaft über eine längerfristige Prognose traut. Aber für Beratungsunternehmen wie McKinsey und auch die IEA sind 200 us-Dollar+ möglich. Doch was heißt ein Ölpreis von 200 uS-D? Der Benzinpreis würde bei € 1,90 liegen. Heizöl bei €1,60 (derzeit 60-70ct), was bei einem Durchschnittsverrbauch von 200 l rund 2.000,- eur Mehrkosten pro Jahr entspricht. Der Ausstieg aus dem Öl ist somit auch eine soziale Frage. 2000 eur sind nicht einfach wegsparbar.
Insofern ist eine vorausschauende Energiepolitik, welche die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringert, nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch aus sozialen Überlegungen heraus relevant.
Hoher Ölpreis ist definitiv ein Motor für mehr Klimaschutz und Effizienz
Wie Alexander Van der Bellen beschreibt, ist ein Ölpreis von 140 US-D nichts Furchtbares. Nach 20 Jahren Debatte über den Treibhauseffekt hat es erstmals wirklich Bewegung in der Energiepolitik gegeben. Und zwar durch zwei Anlässe: den Ölpreisschock 2008 und die Russland/Ukraine-Gaskrise. Es braucht einen höheren Ölpreis, um den Wandel von der fossilen Industriegesellschaft Richtung Nachhaltigkeit zu schaffen.
Conclusio aus meiner Sicht:
Der Ölmarkt ist on the long term schwer zu prognostizieren. Aber billig wird Öl nicht mehr – außer wir schlittern wieder in eine tiefe Rezession. (was bei den aktuellen neuen Blasen auch nicht ganz aususchließen ist)
Die Anreize für Finanzinvestoren, ihr Geld in Barrel anzulegen, sind nicht geringer geworden, sondern im Gegenteil. Ein Indiz dafür, dass so etwas wie 2008 definitiv wieder passieren kann. Es gibt teilweise die Haltung: Ich kaufe Öl, weil das Geld ist möglicherweise eh nix mehr wert. Öl ist zu einem beliebten Objekt der Begierde von Finanzinvestoren geworden.
Ob dieser Preissprung tatsächlich auf die Knappheit zurückzuführen ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Aber fix ist, dass die Ölgewinnung auch unabhängig von den Finanzinvestoren teurer werden wird.
Ausgehen muss weiters davon, dass – im Gegensatz zu früher – weiter starke Schwankungen geben wird.
Das muss – glaub ich – noch in viele Köpfe, auch in meinen eigenen. Der Schwerpunkt hat sich verschoben. Waren die USA und (schon mit Abstrichen) Europa die entscheidenden Märkte, hat sich der Fokus eindeutig Richtung Asien bewegt. Ob wir wollen oder nicht.
Wie schon bei Tellerrand 1 (Woher kam die Krise?): Es ist nicht Aufgabe des Martkes, sondern der Regulatoren zu sagen, was man handeln darf und in welche Bereiche man investieren darf. Der Finanzmarkt wird sich nicht selbst beschränken. Hier sind die Staaten am Zug.
Aus ökologischen, wirtschaftspolitischen und sozialen Gründen ist der Transformation unserer Energieversorgung Richtung Effizienz und Erneuerbare höchste Priorität einzuräumen. Wollen wir insbesondere vom Öl unabhängiger werden, führt der Weg eindeutig über sanfte Mobilität und dem Motto “Raus mit den Ölheizungen”.
Interessante Hinweise zum Thema sind ua zu finden:
Diesmal ist´s nicht trotz, sondern wegen Politik. Seit geraumer Zeit macht Oberösterreich in Sachen Energiepolitik auf sich aufmerksam. Das hat nicht nur mit dem medialen hohen Aktivitätslevel von Landesrat Rudi Anschober zu tun, sondern auch mit seiner Politik. Der grüne Regierungseintritt bzw. das schwarz-grüne Arbeitsübereinkommen hatte einen Schwerpunkt: die Energiewende in Oberösterreich.Tatsächlich wurden sehr viele Aktivitäten gestartet – ausgehend davon, dass in Oberösterreich schon davor einiges passiert ist.
Anschober präsentierte heute gemeinsam mit dem Landesenergiebeauftragten Gerhard Dell die Bilanz im Rahmen des Energieberichts 2009. Das Fazit: alle Ziele, die sich Oberösterreich gesteckt hat, wurden erreicht. Und diese Vorgaben waren durchaus anspruchsvoll. Die ausführlichen Unterlagen dazu sind hier zu finden.
Auf einzelne Highlights will ich kurz eingehen. (alle Graphiken aus dem OÖ Energiebericht 2009)
1 Million Quadratmeter Fläche wollte das Land bis 2010 mit thermische Solaranlagen ausgestattet wissen. Das kontinuierliche Wachstum – unterstützt von entsprechenden Fördermaßnahmen – macht es heuer (Mai 09) möglich. (Graphik links – Click to enlarge)
So wie bei nahezu allen erneuerbaren Energien gibt es auch bei der Biomasse im Wärmebereich eine laufende Steigerung. Dies schafft auch einen entsprechenden Heimmarkt für die OÖ tätigen Unternehmen. Bereits jede fünfte Solaranlage und jeder sechste Pelletskessel in der EU stammen aus oberösterreichischer Produktion.
Im oberösterreichischen Energiebericht 2009 gibt es weitere Graphiken und Zielvergleiche. Beachtenswert scheinen mir die Erfolge in Sachen Energieeffizienz, weil sie politisch schwieriger umzusetzen sind.
Das Ziel Oberösterreichs war und ist bis 2010 die Steigerung der Gesamt-Energieeffizienz um 10 % des Endenergieverbrauchs bis zum Jahr 2010 – ausgehend von 2000 also durchschnittlich um 1 %. Mit Stand 2007 konnte die spezifische Energieeffizienz (bezogen auf das Bruttoregionalprodukt) um 11,7 % gesteigert werden. (jährlich 2000-2007 um 1,7%)
Die Entwicklung des Energieverbrauchs der letzten Jahre zeigt, dass der davor rasante Anstieg gestoppt werden konnte. 2007 ist er signifikant geringer geworden ist, also VOR Beginn der Wirtschaftskrise, wobei dies im Wärmebereich sicher auch stark witterungsbedingt erfolgt ist. Der gesamte Endenergieverbrauch von Oberösterreich 2007 ist gegenüber 2006 um 2,3 % gesunken. Das Wirtschaftswachstum lag laut Statistik Austria in OÖ bei 4,6%.
Während das aktuelle österreich- bzw. europaweite Sinken des Energieverbrauchs in erster Linie mit der Wirtschaftskrise und dem Minus-Wachstum zu erklären ist, kann man in Oberösterreich erkennen, dass auch ein politischer Schwerpunkt entsprechend greifen kann.
Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen, durchaus dramatischen Phase weltwirtschaftlicher Entwicklungen. Finanzkrise – Wirtschaftskrise – Energiekrise. Die Dependenzen zwischen den drei Krisen sind insbesondere beim Energiethema noch zu wenig beachtet.
Der Ölpreis fällt derzeit radikal und schnell. Derzeit liegt er um die 50 $. Und schon kann gemunkelt werden, dass er aufgrund von Spekulationen bald bei 40$ liegt. Angesichts der entscheidenden Frage, welche Maßnahmen nun konjunkturell angegangen werden, ist die Verführung groß, klassisch-fossil Gas zu geben. Das Ergebnis wird darauf hin aber sein, dass der Ölpreis wieder massiv ansteigt – etwa in zwei Jahren, wenn man erwarten kann, dass das weltweite Wirtschaftswachstum sich wieder erfängt und die Nachfrage nach Öl wieder massiv steigt. Aber wir fahren damit – ganz unabhängig von der Klimafrage – erst recht wieder den gleichen negativen Zyklus, die sich aus der Abhängigkeit von Öl und Gas ergibt.
Dieses kleine Youtube “Lehrvideo” von Aaron Wissner zeigt sehr vereinfacht aber ganz gut die Preiselastizität bei Öl. Klar, hier finden sich viele Faktoren nicht wieder, etwa der Spekulationsanteil; aber dennoch ist das eine verständliche Grundlage, den aktuellen Preisverfall beim Öl zu erklären. Klar, einfacher könnte man sagen, die Nachfrage ist halt zurückgegangen. Aber was kommt danach?
Das skurrile ist ja, dass insbesondere jene, die Interesse haben müssten, dass der Ölpreis gering bleibt, auf Alternativen setzen müssten, um die Nachfrage im Lot zu halten. Denn wie gesagt, die Wirtschaftskrise verdeckt nur das eigentliche Problem des fossilien Industriezeitalters bzw. ist Teil dessen. Die Maßnahmen der kommenden Monate werden jedenfalls massiven Impact auf viele unserer aktuellen Probleme haben. Und ist auch ein Zeitfenster für nachhaltige Maßnahmen.
Wie gestern berichtet, bietet der vergangene Woche präsentierte World Energy Outlook düstere Aussichten für die Zukunft. Eine kleine positive Überraschung hat er meiner Meinung nach dennoch zu bieten.
Weniger inhaltlich als politisch. Dazu ist vorab zu sagen, dass der jährlich erscheinende Bericht immer wieder mit Kritik konfrontiert war, weil er sagen wir fossilkonservativ war. Die Policy hat über viele Jahre sehr den Angaben über Ölreserven vertraut und den fossilen Weg als alternativenlos gesehen. Erneuerbare wurden als irrelevant geachtet. Nicht, dass sich das jetzt zu 100% geändert hat, aber die politische Aussage ist doch beachtenswert.
Zunächst die Kernaussage: Die Zeit des billigen Öls ist vorbei. Es braucht sechs mal Saudi Arabien der Jetztzeit, um 2030 den Ölhunger zu stillen. Das ist erstens explorativ nicht realistisch, zweitens sehr sehr teuer.
Die Kernaussagen des Chefökonomen Fatih Birol sind eindeutig wie nie zuvor. Die aktuellen Energietrends sind in keinster Weise nachhaltig, die Ära des billigen Öls ist vorbei, wir brauchen dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel. Decarbonisation des Weltenergiesystems lautet das Schlagwort (über die Methoden dafür wird man mit Birol sicher gut streiten können, Stichwort CO2-Sequestrierung)
@b_lebowski Blogs seh ich tw in anderer Funktion. Die Kurzfrist-Erregung u Bewertung ist meist auf Twitter&Fb. Blogposts wirken langlebiger - 6 hours ago
@b_lebowski denke, man das schwer entkoppeln, weil sie sich oft aufeinander beziehen. SM verstärkt "Vergiftung", aber neu ist sie nicht. - 6 hours ago
@chorherr Aber was sicher stimmt. Es sind Schranken gefallen.u Mensch entblößt sich auf entlarvend Art im öffentl Raum. Anonym od auch nicht - 8 hours ago
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