OÖ Energiebericht´09 zeigt: es geht!

16 07 2009

Diesmal ist´s nicht trotz, sondern wegen Politik. Seit geraumer Zeit macht Oberösterreich in Sachen Energiepolitik auf sich aufmerksam. Das hat nicht nur mit dem medialen hohen Aktivitätslevel von Landesrat Rudi Anschober zu tun, sondern auch mit seiner Politik. Der grüne Regierungseintritt bzw. das schwarz-grüne Arbeitsübereinkommen hatte einen Schwerpunkt: die Energiewende in Oberösterreich.Tatsächlich wurden sehr viele Aktivitäten gestartet – ausgehend davon, dass in Oberösterreich schon davor einiges passiert ist.

Anschober präsentierte heute gemeinsam mit dem Landesenergiebeauftragten Gerhard Dell die Bilanz im Rahmen des Energieberichts 2009. Das Fazit: alle Ziele, die sich Oberösterreich gesteckt hat, wurden erreicht. Und diese Vorgaben waren durchaus anspruchsvoll. Die ausführlichen Unterlagen dazu sind hier zu finden.

Auf einzelne Highlights will ich kurz eingehen. (alle Graphiken aus dem OÖ Energiebericht 2009)

ooe_sonnenkollektorflaeche1 Million Quadratmeter Fläche wollte das Land bis 2010 mit thermische Solaranlagen ausgestattet wissen. Das kontinuierliche Wachstum – unterstützt von entsprechenden Fördermaßnahmen – macht es heuer (Mai 09) möglich. (Graphik links – Click to enlarge)

ooe_biomasseSo wie bei nahezu allen erneuerbaren Energien gibt es auch bei der Biomasse im Wärmebereich eine laufende Steigerung. Dies schafft auch einen entsprechenden Heimmarkt für die OÖ tätigen Unternehmen. Bereits jede fünfte Solaranlage und jeder sechste Pelletskessel in der EU stammen aus oberösterreichischer Produktion.

Im oberösterreichischen Energiebericht 2009 gibt es weitere Graphiken und Zielvergleiche. Beachtenswert scheinen mir die Erfolge in Sachen Energieeffizienz, weil sie politisch schwieriger umzusetzen sind.

Das Ziel Oberösterreichs war und ist bis 2010 die Steigerung der Gesamt-Energieeffizienz um 10 % des Endenergieverbrauchs bis zum Jahr 2010 – ausgehend von 2000 also durchschnittlich um 1 %. Mit Stand 2007 konnte die spezifische Energieeffizienz (bezogen auf das Bruttoregionalprodukt) um 11,7 %  gesteigert werden. (jährlich 2000-2007 um 1,7%)

ooe_statistikaustriaDie Entwicklung des Energieverbrauchs der letzten Jahre zeigt, dass der davor rasante Anstieg gestoppt werden konnte. 2007 ist er signifikant geringer geworden ist, also VOR Beginn der Wirtschaftskrise, wobei dies im Wärmebereich sicher auch stark witterungsbedingt erfolgt ist.  Der gesamte Endenergieverbrauch von Oberösterreich 2007 ist gegenüber 2006 um 2,3 % gesunken. Das Wirtschaftswachstum lag laut Statistik Austria in OÖ bei 4,6%.

Während das aktuelle österreich- bzw. europaweite Sinken des Energieverbrauchs in erster Linie mit der Wirtschaftskrise und dem Minus-Wachstum zu erklären ist, kann man in Oberösterreich erkennen, dass auch ein politischer Schwerpunkt entsprechend greifen kann.





Ölpreis<50 USD: Alles in Butter statt alles im Öl?

24 11 2008

Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen, durchaus dramatischen Phase weltwirtschaftlicher Entwicklungen. Finanzkrise – Wirtschaftskrise – Energiekrise. Die Dependenzen zwischen den drei Krisen sind insbesondere beim Energiethema noch zu wenig beachtet.

Der Ölpreis fällt derzeit radikal und schnell. Derzeit liegt er um die 50 $. Und schon kann gemunkelt werden, dass er aufgrund von Spekulationen bald bei 40$ liegt. Angesichts der entscheidenden Frage, welche Maßnahmen nun konjunkturell angegangen werden, ist die Verführung groß, klassisch-fossil Gas zu geben. Das Ergebnis wird darauf hin aber sein, dass der Ölpreis wieder massiv ansteigt – etwa in zwei Jahren, wenn man erwarten kann, dass das weltweite Wirtschaftswachstum sich wieder erfängt und die Nachfrage nach Öl wieder massiv steigt. Aber wir fahren damit – ganz unabhängig von der Klimafrage – erst recht wieder den gleichen negativen Zyklus, die sich aus der Abhängigkeit von Öl und Gas ergibt.

Dieses kleine Youtube  “Lehrvideo” von Aaron Wissner zeigt sehr vereinfacht aber ganz gut die Preiselastizität bei Öl. Klar, hier finden sich viele Faktoren nicht wieder, etwa der Spekulationsanteil; aber dennoch ist das eine verständliche Grundlage, den aktuellen Preisverfall beim Öl zu  erklären. Klar, einfacher könnte man sagen, die Nachfrage ist halt zurückgegangen. Aber was kommt danach?

Das skurrile ist ja, dass insbesondere jene, die Interesse haben müssten, dass der Ölpreis gering bleibt, auf Alternativen setzen müssten, um die Nachfrage im Lot zu halten. Denn wie gesagt, die Wirtschaftskrise verdeckt nur das eigentliche Problem des fossilien Industriezeitalters bzw. ist Teil dessen. Die Maßnahmen der kommenden Monate werden jedenfalls massiven Impact auf viele unserer aktuellen Probleme haben. Und ist auch ein Zeitfenster für nachhaltige Maßnahmen.





World Energy Outlook … und doch ein kleiner Lichtblick

17 11 2008

Wie gestern berichtet, bietet der vergangene Woche präsentierte World Energy Outlook düstere Aussichten für die Zukunft. Eine kleine positive Überraschung hat er meiner Meinung nach dennoch zu bieten.

Weniger inhaltlich als politisch. Dazu ist vorab zu sagen, dass der jährlich erscheinende Bericht immer wieder mit Kritik konfrontiert war, weil er sagen wir fossilkonservativ war. Die Policy hat über viele Jahre sehr den Angaben über Ölreserven vertraut und den fossilen Weg als alternativenlos gesehen. Erneuerbare wurden als irrelevant geachtet. Nicht, dass sich das jetzt zu 100% geändert hat, aber die politische Aussage ist doch beachtenswert.

Zunächst die Kernaussage: Die Zeit des billigen Öls ist vorbei. Es braucht sechs mal Saudi Arabien der Jetztzeit, um 2030 den Ölhunger zu stillen. Das ist erstens explorativ nicht realistisch, zweitens sehr sehr teuer.

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Quelle: World Energy Outlook 2008, IEA

Die Kernaussagen des Chefökonomen Fatih Birol sind eindeutig wie nie zuvor. Die aktuellen Energietrends sind in keinster Weise nachhaltig, die Ära des billigen Öls ist vorbei, wir brauchen dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel. Decarbonisation des Weltenergiesystems lautet das Schlagwort (über die Methoden dafür wird man mit Birol sicher gut streiten können, Stichwort CO2-Sequestrierung)

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World Energy Outlook 08 – schlimme Aussichten…

16 11 2008

Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise zieht verständlicherweise die öffentliche Aufmerksamkeit nahezu vollständig auf sich. Aber wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die Energiekrise nicht unabhängig davon zu sehen. Der kürzlich präsentierte jährliche World Energy Outlook der IEA (International Energy Agency)/OECD wurde in Österreich kaum diskutiert; diese Aussichten sind jedoch nicht minder alarmierend.

Hier ein kleiner Einblick. Oder: Wenn “business as usual” direkt gegen die Wand führt.

Der Weltenergieverbrauch steigt bis 2030 weiterhin dramatisch an. Die fossilen Energieträger bleiben dabei absolut dominant. Das Comeback der Kohle in den vergangenen Jahren wird insbesondere durch die Nicht-OECD Staaten forciert.

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Quelle: IEA/OECD 2008

weo08_co2_referenzszenarioEntsprechend entwickeln sich auch die CO2-Emissionen. Von einer Trendumkehr keine Spur. Im kommenden Jahr wird in Kopenhagen die möglicherweise wichtigste UN-Klimakonferenz der Geschichte stattfinden. Ziel ist es, die sogenannte Post-Kyoto Periode zu bestimmen, also Reduktionsziele für die Jahre nach 2012 zu formulieren. Es ist zu hoffen, dass nicht zuletzt durch die Wahl Barack Obamas und einem möglichen Positionswechsel der USA, angemessene Schritte erfolgen. Zu befürchten ist jedoch, dass die Prioritätensetzung andersrum ist. Nämlich Wirtschaftskrise zuerst, Klimaschutz nur als add-on.

Die Strategien zur Wirtschaftskrise brauchen eine Verschränkung mit der Energiekrise. Denn “so” kann´s nicht weiter gehen. Zeit für die Effizienzrevolution, die neue Technologien und Dienstleistungen forciert und nachhaltig Beschäftigung schafft. Leider bleibt genau jene auf der Strecke. Auch am Rande der Regierungsverhandlungen ist kein echtes Signal in Richtung “time for a change” zu spüren. Obwohl sogar schon die IEA sagt: die Zeit des billigen Öls ist vorbei. Und allein das bitteschön ist eine kleine Revolution.

Mehr dazu morgen auf guensblog.





Das Strompickerl gegen die “Fernseh-SUVs”

29 08 2008

Sehr interessant ein Spiegel Artikel kürzlich zum Thema “Wie grün ist ihr Fernseher?” (danke an reinhard für den hinweis!)

Oft reden wir richtigerweise über die Energiesparlampe und die Energieeffizienzklassen bei Kühlschränken und Geschirrspülern, wo dankenswerter weise endlich die Menschen einen schärferen Blick auf´s “Pickerl” werfen. Völlig unterschätzt jedoch andere elektronische Geräte, wo es noch (!) keine Kennzeichnung gibt. Auf EU-Ebene laufen derzeit Vorbereitungen dafür, und die Art und Weise bzw. entsprechende Benchmarks werden maßgeblich für die Weiterentwicklung des Stromverbrauchs sein.

Und jener ist nicht unerheblich.

Der Spiegel schreibt:Gemäß einer Aufstellung der Deutschen Energieagentur verschlingt ein altes Röhrengerät mit 76 cm Bildschirmdiagonale 176 Kilowattstunden Strom im Jahr. Ein neuer 141 cm großer Plasmabildschirm bringt es sogar auf 730 Kilowattstunden. Das sind, je nach Stromanbieter, rund 130 Euro. Zum Vergleich: Gute Kühlschränke verbrauchen zwischen 100 und 200 Kilowattstunden – trotz Dauerbetriebs. Für den Strompreis eines einzigen schicken Plasmafernsehers ließen sich also bis zu sieben Kühlschränke parallel betreiben.

Ich hab mir die im Spiegel zitierte Studie des Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) “Ecodesign of EuP Products” angesehen. Die Zahlen sind beeindruckend:

In den kommenden Jahren wird es einen weiteren Schub an TV-Gerät-Verkäufen geben. Zwischen 2005 und 2010 wird die Anzahl der TV-Geräte um mindestens ein Drittel wachsen.  Der Trends zum Zwei-,  Dritt- oder gar Viertfernsehapparat hält an. Die neuen Geräte sind größer und leistungsstärker.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Entsprechend wird sich auch der Stromverbrauch entwickeln. In einem Business-as-usual Szenario heißt das zwischen 2005 und 2020 mehr als eine Verdopplung des Stromverbrauchs nur bei TV-Geräten. Allein bis 2010 explodiert der Verbrauch signifikant.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Durch entsprechende Effizienzmaßnahmen und -standards sind hier jedoch Steuerungsmöglichkeiten gegeben. Der Anstieg bis 2010 wird sich nicht vermeiden lassen, denn in diesem Zeitraum werden sich weder Konsumentenverhalten noch Technologiedurchdringung massiv verändern. Aber durch ein Labelling und Effizienzanreize kann es dann wieder zur Trendumkehr kommen – trotz größerer Geräte.

Der Grund des Anstiegs im Stromverbrauch liegt nicht nur in der Anzahl der verkauften Geräte, sondern auch und gerade darin, dass die großen Geräte mehr verbrauchen. Es gibt sozusagen den Trend zum TV-SUV. Wie beim Auto heisst es derzeit oft auch hier: je größer und stärker, desto mehr Verbrauch. Technologisch ist das nicht zwingend notwendig. Genau können Politik- und Marktinstrumente sinnvoll eingreifen.






Öko-Kennzeichnung ad absurdum

10 08 2008

Immer wieder lesenswert ist die Wiener Zeitung am Wochenende (ja, ich zahle wirklich dafür…ich bin das) , nicht nur wegen dem “Extra”, sondern es finden sich generell immer wieder interessante Artikel. Zum Beispiel dieser mit dem Titel “Wie man Spritfresser zu Energiewundern macht”.

Dabei wird auf einen spannenden Beitrag des Zdf Magazins Frontal Bezug genommen, der vorige Woche die Abgasverordnung in Deutschland beleuchtet. Es geht um die Klassifizierung und letztlich auch Kennzeichnung von Autos nach Klimaschutzkriterien. Was derzeit in Deutschland in Diskussion ist: eine Formel, bei der die Gewichtsklasse ein maßgebliches Kriterium bei der Bewertung ist. Sprich das Auto einer schweren Klasse mit hohem (aber in seiner Gewichtsklasse vergleichsweise geringerem) Treibhausgas-Ausstoß kann ggbfalls besser abschneiden als ein leichtes, emissionsarmes Auto, das aber in seiner Kategorie nicht top ist. So wird der Konsument verwirrt – und eigentlich ist er es schon. Das Zdf nimmt als Beispiel: Der VW Golf hat einen durchschnittlichen Spritverbrauch von 6,9 Liter, sein Gewicht beträgt 1150 Kilogramm, pro Kilometer bläst er 164 Gramm CO2 in die Luft. (was tatsächlich verbesserungswürdig scheint) Nach der komplizierten deutschen Regelung reicht es für den Golf nur zur vorletzten Energieeffizienz-Klasse F.

Der nächste Kandidat, der VW Touareg, hat einen Verbrauch von zehn Litern, sein Gewicht: 2230 Kilogramm – damit ist er fast doppelt so schwer wie der Golf. Und an CO2 stößt der Touareg sogar 254 Gramm aus. Doch nach der deutschen Zauberformel ist er eine Klasse besser als der Golf, nämlich in der Energieeffizienzklasse E.

Foto-Quelle: ZDF

Ein absurder Vorschlag, der das Prinzip der ökologischen Kennzeichnung (Ziel: Transparenz und Entscheidungshilfe für Konsumenten) zweckentfremdet. Derzeit hat die EU ihren Mitgliedsländern frei gestellt, wir sie Kennzeichnung der Kraftstoffverbrauchs- und der Emissionswerte darstellen. Deutschland hat in dieser Frage offenbar industriepolitische Interessen dem eigentlichen Ziel vorangestellt: nämlich dem Klimaschutz und der Reduktion der Treibhausgase.