Energie: Erstaunliches Burgenland

1 09 2008

Das Burgenland ist ja in vielerlei Hinsicht ein erstaunliches Bundesland. Unter anderem auch in Sachen Energieversorgung.

Erst kürzlich hat ein Artikel in der renommierten “Zeit” das international viel beachtete Energiewunder Güssing portraitiert. Güssing ist schon seit Jahren zu 100% energieautark und setzt in der Energieversorgung auf einen Mix aus erneuerbaren Energieträgern (Biomasse, Solar) und Energieeffizienz. Auch in Sachen Technologieentwicklung und wirtschaftlich tut sich viel in Güssing. Lt. “Zeit” haben sich dank des erneuerbaren Energiebooms bereits über 50 Firmen in Güssing angesiedelt und dabei mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadtverwaltung hat dabei ihre Energiekosten von 6,5 auf knapp drei Millionen Euro gesenkt. Laufend kommen internationale Delegationen, um das Energiewunder zu besuchen. Es zeigt sich, dass die Energiewende tatsächlich eine Investition ist und auch ökonomisch Sinn macht.

Die Geschichte der Windkraft im Burgenland ist ähnlich bemerkenswert. Aufgrund der hervorragenden Standorte und des Ausbauprogramms des Energieversorgers Bewag bzw. vieler engagierter Initiativen werden seit 2006 über 1 Milliarde Kilowattstunden aus Windenergie produziert. Der Haushaltsbereich kann im Burgenland rechnerisch komplett aus erneuerbarer Energie abgedeckt werden.

Nicht zuletzt diese energiewirtschaftlichen Spezifika des Burgenlands machen ein Projekt interessant, das seit vergangener Woche online ist. (und bei dem ich in Kooperation mit den Blogexperten von Knallgrau mitwirke): das neue Ökocenter Blogportalder Bewag. Dabei stellen sich die Fachexperten der Bewag dem Diskurs zu mehreren Schwerpunkthemen der Öko-Energie: Solar, Biomasse, Windkraft, Wärmepumpe, Energiesparen. Die Experten bloggen regelmäßig Beiträge zu diesen Themen, was sicher einen neuer kommunikativer Zugang für einen etablierten Energieversorger in Österreich ist. Dabei werden sowohl Informationen für allgemeine Interessenten als auch spezifische Beiträge für Energieexperten geboten. Interessant z.B., warum gerade die Parndorfer Platte als Windstandort so besonders ist; oder eine Einschätzung der Photovoltaik Förderung im Burgenland.

Bild: Das neue Ökocenter Blogportal der Bewag





Von der visionären Idee zur Realität: das Biomassekraftwerk in Wien

5 08 2008

Der Ursprung der Projektgeschichte liegt eine Weile zurück.

Es war im Jahr 2000, als erstmals in kleinen Zimmer des Klubobmanns der Grünen im Rathaus, Christoph Chorherr, die Idee eines Biomassekraftwerks für Wien angedacht wurde. Biomasse? In Wien? Für viele eine verrückte Idee. Als damaliger Mitarbeiter von Christoph Chorherr hatte ich die Gelegenheit bei der Ideenentwicklung, politischen Betreuung und dem Projektmanagement der ersten Jahre dabei zu sein.

Letzte Woche, wir schreiben das Jahr 2008, hatte ich endlich Gelegenheit, das vor zwei Jahren eröffnete Kraftwerk der Wien Energie gemeinsam mit einigen der beteiligten Experten zu besichtigen. Und wenn ich daran denke, welch skeptischen Reaktionen unsere Idee von damals zunächst erntete, können heute viele Projektbeteiligte auf die Realisierung stolz sein.

Ich will kurz beschreiben, wie es letztlich zum Projekt kam und in weitere Folge, welche Bausteine (politisch, energiewirtschaftlich, strategisch-kommunikativ) meiner Meinung nach wichtig waren, dass am Ende tatsächlich das größte Waldbiomassekraftwerk Österreichs in Betrieb gegangen ist. Viele Bedenken mussten im Verlauf der Jahre aus dem Weg geräumt werden (gibt´s so viel Holz? Hält das der Kessel aus? Ist das wirtschaftlich betreibbar? Macht das in der Stadt einen Sinn? Funktioniert das überhaupt?)

Vorweg: ohne Politik wäre es nie zu diesem Projekt gekommen. Das Biomassekraftwerk ist ein Beispiel dafür, dass Politik auch in einem komplexen, liberalisierten Bereich wie dem Energiemarkt, mit Gestaltungswillen zu tun hat. Und das es geht. Wenn man will und Bündnispartner findet.

Im Mai 2001 – nach der Gemeinderatswahl in Wien – wurde zwischen SPÖ und GRÜNEN 23 gemeinsame Projekte vereinbart. Ergebnis der Verhandlungen war eine schriftliche Projektvereinbarung, die vom Wiener Bürgermeister Häupl und dem Klubobmann der Grünen, Chorherr Chorherr, gemeinsam präsentiert wurde.

Vereinbar wurde, dass eine Machbarkeitsstudie alle Rahmenbedingungen für ein Biomasse Kraftwerk in Wien klärt: technisch, wirtschaftlich, standortbezogen. Die laufende Unsicherheit über die Rahmenbedingungen des Ökostromgesetzes machten die Planungen schwierig. Ohne die Inputs wichtiger Experten wäre es ebenfalls kaum zur Realisierung gekommen.

Der Knackpunkt in der Meinungsbildung von Stadt Wien und „Wien Energie“ war interessanter weise ganz ein anderes Erlebnis: nämlich eine Reise nach Skandinavien, zur Besichtigung von damals schon bestehenden Kraftwerken wie zb. Eskilstuna in Schweden.

Ich werde nie die langen Busfahren zwischen den Kraftwerksbesuchen vergessen, in denen die Experten ihre Eindrücke austauschten und so im Für und Wider ein echte Perspektive für das Projekt entstand. Und der Wille, wir schauen uns das ganz genau an, ob es geht.

Die Anlage hat nun eine Brennstoffwärmeleistung von 66 Megawatt. Die Wald-Biomasse wird am Hackplatz am Alberner Hafen (Bahn, Schiff, Lkw- Anschluß) der Österreichischen Bundesforste, aufbereitet. Das Kraftwerk ist für rund 600.000 Schüttraummeter ausgelegt. In geplanten Normalbetrieb bedeutet das Kraftwerk eine CO2-Vermeidung von 144.000 Tonnen. Rund 12.000 Haushalte können mit Wärme und 48.000 mit Strom versorgt werden.

Dass es dabei auch heikle Punkte gibt, wird im nächsten Beitrag dazu nicht verschwiegen…