… und sag schnell, willst Minister werden?

24 11 2008

Es ist ohnehin immer das Gleiche. Wenn sich zwei Parteien auf eine Koalition einigen, wird unmittelbar nach Fertigstellung des Koalitionspakts die Personalpolitik vorangetrieben. Das führt dann aber auch jedesmal zu den gleichen skurillen Situationen.

Für jene Ämter, wo die Besetzung nicht vorhinein klar war, werden ganz schnell Personen kontaktiert, die sich ganz schnell entscheiden müssen, ob sie ganz schnell ein Ministeramt übernehmen. Da wird´s dann auch kreativ. Gegen kreative Personalentscheidungen hab ich auch gar nix, aber diese Art der Personalpolitik ist dennoch kritikwürdig.

1. In der Schnelle ist kein klares AUfgabenprofil erstellbar. Was muss die Person können? Welche Qualifikationen braucht es?

2. Minister werden ist kein normaler Job, sondern eine lebenseinschneidende Entscheidung. Dafür soll auch die Person genug Zeit haben, zu entscheiden.

3. Insbesondere Quereinsteiger aber auch Akteure, die nicht unmittelbar aus dem Parteizentrum kommen (die es oft gibt, weil ja Landesorganisationen befriedet werden müssen) waren nicht in die Koalitionsverhandlungen eingebunden. Es ist zweifelhaft, ob sie sich mit dem vereinbarten Text zu 100% identifizieren. Ein unterschätztes Konfliktpotential, denn Faymann/Pröll verweisen auf die Bedeutung der Koalitionsvereinbarung. Der Handungsspielraum für einen eigenen Stempel ist endenwollend.

4. Daran angeknüpft: meines Erachtens wäre die (warum nicht transparente) Einbindung von Experten in Koalitionsverhandlungen sinnvoll (aus denen könnten ja ggbfalls auch Minister rekrutiert werden; nein – keine Expertenregierung, aber es geht um Fachleute, die eben nicht aus dem Politestablishment kommen).

5. In anderen Lebensbereichen (ja auch die Wirtschaft, wobei man sich da manchmal wundert…) wäre ein derartiges Entscheidungsprozedere undenkbar. Aber auch ein andere professionelle Unterstützungen sind in der Regierungspolitik offenbar verpönt, etwa die Arbeit mit…

6. … Mediatoren. Da gibt´s nix, wofür man sich genieren muss. Konflikte kommen vor. Warum gibts nicht einen professionellen Mediator, der im Fall der Fälle schnell eingreifen kann und klare Prozedere vereinbart. Gute Mediatoren gibt´s in Österreich en masse. Muss ja nicht gleich ein Staatssekretär für Mediation sein…wobei das ja auch mal originell wäre.

Zur Erinnerung als quasi polithistorisches Dokument, dieses Youtube Video von der Voves Pk bei der letzten Regierungsbildung, bei der Frau Silhavy dann in kürzester Zeit Staatssekretäin wurde…





Der Krone-Effekt

1 10 2008

Nach ein paar Tagen Blogstille, die weniger mit post-elektoraler Depression als mit den unterschiedlichen Haufen Arbeit am Desktop zu tun haben, beginne ich mit einer kleinen Serie an Einschätzungen zur Wahl.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass es falsch ist, gleich am Wahlabend oder dem Tag danach alle Analysen und Erklärungen parat zu haben, weil es meistens nur darum geht, das zu bestätigen, was man “eh schon immer gesagt oder gedacht hat”. Ich gestehe offen, dass ich in einigen Einschätzungen daneben gelegen bin.

Wohltuend hebt sich auch Helge´s Analyse zu den GRÜNEN ab. Er hat in vielen Punkten Recht, insbesondere was die Medieneinschätzung betrifft, aber auch die Kommunikationsarbeit als Partei oder eben Mittlerweile-Zu-sehr-Partei.

Aber kommen wir zu was anderem und zugleich auch wieder nicht: Der gestrige Standard hat die Gfk Daten interessant aufbereitet und auch solche enthalten, die nicht in der Ulram/Plasser Presseaussendung drin waren. Nämlich ua. zum Wahlverhalten der LeserInnen bzw. Nicht-LeserInnen der Kronen Zeitung. Die folgende Graphik auf Basis dieser Daten zeigt,

  • einerseits den jeweiligen Anteil der WählerInnen nach unterschiedlicher Kronen Zeitungsnutzung (z.B. Exklusivleser der Krone machen 17% der Gesamtheit aus),
  • andererseits wie innerhalb dieser Nutzungsgruppen die Personen gewählt haben.

Es zeigt sich, dass die Exkusivleser der Krone überproportional SPÖ wählen (surprise surprise) und die FPÖ.  ÖVP und noch extremer die Grünen sind in der Gruppe weit unter ihren Werten. Nun hat das natürlich nicht nur mit Mediennutzung, sondern auch mit Milieu, Bildung etc. zu tun, aber sieht man sich folgende Zwischenbilanz in der subjektiven Präferenz der Krone-Berichterstattung an, ist klar, wie der Hase läuft. Das BZÖ wird z.B. nicht mehr überdurchschnittlich von Exklusiv-Krone Lesern gewählt, hat aber auch in der Berichterstattung weniger positiven Rückenwind erhalten.

Die letzte Wahlkampfwoche sowie andere Zeitungen sind noch in Auswertung., Dank an Brigitte Naderer für ihre diesbezügliche Arbeit.

Interessant übrigens in der Graphik oben ist die Kategorie Nicht-Leser von Tageszeitungen. Der hohe Wert der GRÜNEN (12%): wächst da eine Generation an InternetNewsern an, die auf das gedruckte Blatt nicht mehr angewiesen ist? Wär spannend zu wissen.

more to come…