Die Macht der Stereotypen – zur medialen Rezeption der Wiener Grünen

2 09 2010

Jetzt ist schon wieder was passiert.
Es scheint bei den GRÜNEN turbulent zuzugehen. Der Wechsel von Stefan Schennach zur Wienes SPÖ ist natürlich eines der medialen Top-Themen seit gestern. Ziemlich zeitgleich mit dem Ende der Fußball-Transferzeit wurde sozusagen noch ein echter Knaller gemeldet. Jetzt braucht man gar nicht darüber zu diskutieren, ob das für die Grünen, insbesondere in Wien, schadhaft ist. Der Schaden ist zumindest öffentlich da und wird von den Meinungsforschern und Politikwissenschaftern eilig attestiert (wie im heutigen Ö1-Morgenjournal durch Wolfgang Bachmayer und Fritz Plasser – auf welcher Basis deren Urteil wie z.B. “Katastrophale Auflösungserscheinungen” erfolgt, ist jedoch unklar bzw. pure Vermutung).

Grünes Chaos – ein Stereotyp, das tief verankert ist
Die Berichterstattung und Kommentierung baut im wesentlichen auf einem Stereotyp auf, das ganz stark verankert ist, wenn es um die GRÜNEN geht. Chaostruppe, Streit, Partei nicht im Griff. Helge Fahrnberger hat das vor einigen Wochen schon in einem Posting auf seinem Blog gut beschrieben.
Das manifeste Chaos-Stereotyp ist auch dahin gehend interessant, weil Print-Kommentatoren in den vergangenen Jahren – im wesentlichen während der Van der Bellen-Ära – moniert hatten, es gäbe keine neuen Köpfe, zuviel Mainstream, die GRÜNEN seien ach-so-etabliert geworden. Auch dieses Bild (“fade Grüne”) hatte sich zeitweilig recht stark verankert – das alte Stereotyp des grünen Chaos ist jedoch noch stärker und schlägt im Zweifelsfall alles.
Ich will die Probleme der GRÜNEN nicht kleinreden und es geht auch nicht um Medien-Lamento, aber es fragt sich, ob die Relationen hier stimmen. Franz-Joseph plädiert in seinem Blog z.B. für einen entspannteren Zugang.

Um Inhalt geht´s nicht!
Gäbe es dieses alte, stereotype Chaos-Motiv der GRÜNEN nicht, das von den politischen Mitbewerbern weidlich genutzt wird, wäre der mediale Effekt jedenfalls deutlich geringer.
Die Gründung einer eigenen Liste für die Bezirkswahl im 6ten einiger – sorry – öffentlich ziemlich unbekannter, wiewohl langjähriger Bezirksräte ist unter anderen Umständen kaum mehr als eine Kurzmeldung wert.
Schmerzvoller natürlich für die GRÜNEN ist die eigenständige Kandidatur des regierenden Bezirksvorstehers in der Josefstadt, Heribert Rahdjian, der zugleich aber für die Landtags- und Gemeinderatswahl eine grüne Wahlempfehlung ausgesprochen hat. Inhaltliche Differenzen zwischen den GRÜNEN und Echt Grün wurden übrigens von keiner Seite angeführt. Es ging ausschließlich um Personal-Entscheidungen.
Ebenso wenig inhaltlich begründet ist der Wechsel von Stefan Schennach.

Es stellt aber in der heutigen Berichterstattung kein einziger die Frage nach dem Inhalt. Es interessiert offenbar niemandem, wenn Schennach meint, die SPÖ biete ihm neue europapolitische und internationale Perspektiven. Ja, welche sind denn das? Geht es um sein Engagement als Vorsitzender der Euromediterranen Parlamentarischen Versammlung (EMPA), wo ist da ein unterschiedlicher Bezug zwischen SP und Grünen? Aber: gibt es z.B. Einhelligkeit in der europapolitischen Linie, die die SPÖ unter Faymann im Wahlkampf eingeschlagen hatte – Stichwort Krone-Brief? Wie wird Schennach abstimmen, wenn neue Fremdenrechts- und Asylpakete durch Nationalrat und Bundesrat müssen? Hat er seine Position diesbezüglich geändert? Jetzt bin ein großer Freund dessen, dass es freiere Mandate gibt und die Parteiorientierung in er Ausübung des Mandats reduziert wird, aber sie ist (leider!) nicht Teil der aktuellen politischen Kultur.

Ich glaube nicht, dass die GRÜNEN gut beraten sind, sich auf diesen Diskurs einzulassen, denn Nachhakeln hilft niemandem. Es verstärkt nur das Streit-Bild. Rausreißen kann man die Situation kurzfristig auch nicht. Aber es bleibt schon ein schaler Beigeschmack, dass Inhalt medial völlig egal zu sein scheint, hingegen ganz schnell auf Denk- und Begriffsmuster zurückgegriffen wird, die weitgehend unreflektiert medial transportiert werden. Nun, die medialen Muster wird man nicht ändern, aber dennoch braucht es öffentlich vermittelbare Ansätze. (auch über nicht-mediale Kanäle)

Der Verunsicherung vieler (mancher?) WählerInnen können die GRÜNEN in den kommenden Wochen nur durch Sicherheit und Klarheit ihrerseits begegnen. Sicherheit in dem, was sie inhaltlich für die Stadt wollen. Klarheit in der Unterscheidung zu den anderen Parteien und dennoch im strategisch klar formulierten Gestaltungsanspruch bzw. dem Angebot an WählerInnen. Denn letztendlich wird es immer noch darum gehen. Alexander Van der Bellen – auch ein Faktor, der potentiellen GrünwählerInnen Sicherheit gibt – beschreibt z.B. Eckpfeiler seiner Linie in einem heutigen Kommentar für die Wiener Zeitung.





Keine Überraschung so eine Überraschung

8 06 2009

Na, hab ich´s nicht gesagt? Hab ich´s nicht letzten Freitag gesagt?

Nein, ich hab´s nicht gesagt.

Wobei doch. Irgendwie halt. Dass es eine Überraschung geben muss, ist fast logisch bei Wahlbeteiligungen unter 50%. Es zu viel im Fluß, um Kontinuität zu haben. Wobei es erstaunlich ist, dass die Wahlbeteiligung bei dieser Wahl sehr genau gleich geblieben ist wie vor vier Jahren. Wählerstromanalysen sind übrigens ganz schwierig bei diesem Setting.

Ich habe viele Berichte zur Wahl gestern nicht gesehen, denn ich kann nicht verhehlen, dass die Runde Erst- und Zweitreaktionen auf  Hochrechnungen immer zum schlimmsten eines Wahlkampfes gehören. Z.B. die völlig etablierte aber zweckentfremdete Kultur, dass bei Live-Einstiegen aus Partei- und/oder Partylocations gegrölt und gejubelt werden muss, z.B. die immer die gleichen Antwortstereotypen. Immer die gleichen Muster. Wenigstens hat man bei GRÜNEN, SPÖ und BZÖ nicht versucht, das Ergebnis als Erfolg zu verkaufen.

Was kann man in aller Kürze erkennen:

- Es geht ganz stark um Personen. Gerade weil das Europäische Parlament für viele Wähler ein anonymes Gebilde der Polit-Technokratie  ist (nicht zuletzt ein Versäumnis der langjährigen Mandatare, die jetzt aber gern lamentieren), werden Typen dorthin gewahlt. HP Martin ist vieles nicht, aber er steht für was. Was Unangenehmes, und das schickt man dann – massiv unterstützt von der Krone – gern Brüssel. Die Kronen Zeitung ist dabei aber nur Unterstützung, nicht Grund für den Erfolg.

Ob der Faktor Karas für die ÖVP ausschlaggebend war, wird man erst bei der Auszählung der Vorzugsstimmen sehen, aber es gilt als wahrscheinlich. Strasser dürfte letztlich doch nicht so viele Wähler abgeschreckt haben und die VP-Stammwählerdisziplin war einfach höher als bei der SP. Zumindest bei EP-Wahlen.

- Dass die regierende Sozialdemokratie europaweit in Zeiten der Wirtschaftskrise selbst in die Krise schlittert, ist augenscheinlich. Eine ganz schwierige Situation für die sozialdemokratischen Parteien, weil es offenbar Konservativen mehr gelingt, Krisensicherheit zu vermitteln. Das ist zwar politisch nicht immer leicht argumentierbar, aber die sozialdemokratischen Parteien haben sich zudem immer schwer getan für Europa zu mobilisieren (was viel mit der Wählerstruktur zu tun hat)  – siehe die miserablen Ergebnisse der SPD. Nicht nur  jetzt, sondern schon bei der letzten EP-Wahl 2004 (Stand der Dinge von 21,5% 2004 nun auf knapp 21%)

- Das Ergebnis der FPÖ mit knapp 13 Prozent ist deutlich unter den Erwartungen. Denn wir immer gilt, dass der Vergleich nur zum vorangegangenen Wahlgang nicht ausreicht. Und da hatte die FPÖ schon deutlich höheres Niveau.

Dass EP-Wahlen nationale Protestwahlen sind, war sehr oft so. Die Frage vor der Wahl war, wer diese Stimmen an sich ziehen kann. Da bei der EP-Wahl 2004 die FPÖ ihre große Krise hatte, war nicht klar, ob HP Martin nur davon profitiert hatte und FP Stimmen ausgeborgt hatte oder selbst das Proteststimmenpotential anspricht. Nun wissen wir, es ist zweiteres. Nicht vergessen, die FP hatte 1996 27,5 % und 1999 23,4%. Der Jubel der FPÖ ist also normal, aber nicht berechtigt. Hier die Übersicht dazu:

ep_wahlen_vgl_fp

So weit mal für´s erste. Warten wir die Vorzugsstimmenergebnisse und die Wahlkarten ab.

Zum Thema Rückschlüsse ein ander mal.





Neuwahlen = höhere Wahlbeteiligung?

10 10 2008

Dem Motto folgend, dass fachliche Selbstgeißelung nicht nur Übel bringt, will ich kurz einen meiner großen Irrtümer vor dieser Wahl reflektieren. Die Annahme, dass die Wahlbeteiligung signifikant sinken würde, war total falsch. Ich hatte damit gerechnet, dass eine Art Politikverdrossenheit und die Unsicherheit vieler Wähler, dazu führt, dass viele einfach nicht zur Wahl gehen.

So blieb es dann eine der großen Überraschungen, dass die Wahlbeteiligung diesmal nicht gesunken ist. Ein interessantes Phänomen: Ein Blick auf die Nationalratswahlen der letzten Jahrzehnte zeigt, dass es sogar meist so ist, dass bei Neuwahlen – also vorgezogenen Wahlgängen – die Wahlbeteiligung höher war als davor. Bei der Wiederwahl 1995 war das frappant der Fall (damals sind auch die Grünen arg abgestürzt); 2002 war das so und jetzt – in schwächerem Ausmaß – wieder. Der generelle Trend zeigt natürlich abwärts, aber dennoch gibts eben Brüche (siehe rote Linien)

(click auf´s bild für volle größe)

Folgende Erklärungen könnte es geben:

1. Neuwahlen geht meist ein schwerwiegender politischer Konflikt voraus – das hilft den beteiligten Parteien bei der Mobilisierung.

2. Wahlkämpfe werden dadurch emotionaler. Es ist leichter vermittelbar, dass es “diesmal” (aber ganz wirklich) um was geht. Politik ist was emotionales – auch wenn das nicht alle Parteien immer vermitteln können.

3. Wenn es ein Auffangbecken für Proteststimmen gibt, wird die allgemeine Zufriedenheit mit der Politik eben dort ausgedrückt – siehe NR-Wahl 2008. Geht auch leichter, wenn eine Regierung krachen gegangen ist.

4. Die Briefwahl stellt natürlich ein zusätzliches Instrument dar, doch zu wählen. Ob es wirklich signifkant dazu beiträgt, dass die Wahlbeteiligung nicht sinkt, ist schwer zu sagen. Aber zumindest ein kleiner Teil dürfte 2008 drinnen stecken.

Ob der Zusammenhang Neuwahl = höhere Wahlbeteiligung auch für die Zukunft gilt, lässt sich daraus kaum ableiten. Aber die Annahme Neuwahl = geringe Wahlbeteiligung war definitiv falsch. Interessant übrigens ist zu sehen, wie selten die volle Legistlaturperiode ausgeschöpft wird. (umso skurriler wirkt die Ausdehnung auf 5 Jahre…)





Jugend wählt blau! Bedauerlich, aber nicht neu.

3 10 2008

Viel wird derzeit darüber diskutiert, wie es passieren kann, dass so viele Jugendliche bei der Nationalratswahl FPÖ gewählt haben. Sowohl die SORA-Wahlanalyse wie auch Gfk haben die FPÖ bei den Werten der “Unter 30-jährigen” vorne. Für viele ist das ein Schock. Ua.  Standard Online und die aktuelle Ausgabe der Zeit halte ich für lesenswert.

WIe immer, empfehle ich jedoch einen Blick auf die längerfristigen Entwicklungen der Stimmenanteile. Die Erkenntnis daraus: So neu ist das nicht! Schon bei Haider´s über 20% Ergebnissen in der 90er Jahren war das so. Damals hatte die FPÖ in dieser Altersgruppe 35%. Neu ist hingegen, dass BZÖ und FPÖ gemeinsam noch mehr rausholen.

Für Vollansicht Graphik anklicken! (Quelle: Gfk Wahltagsbefragungen: Daten 86-06: Plasser/Ulram: Wechselwahlen. Analysen zur Nationalratswahl 2006; Daten 2008: Presse 30.9.)

Ein mehr als betrübliches Signal ist das Ergebnis hingegen für SPÖ und Grüne.

  • Für die SPÖ, weil sie einen deutlichen Schwerpunkt auf den Jugendwahlkampf mit Laura Rudas an der Spitze gesetzt hat. Hier ist es nicht gelungen, die Zielgruppe zu überzeugen. Offenbar war es viel leichter, in der Opposition bei der letzten Wahl zu punkten.
  • Für die GRÜNEN, weil sie in dieser Gruppe zuletzt signifikant bessere Werte hatte (bei der letzten Wahl über 20%) als in allen anderen Altersgruppen. Und diesmal hat sie anteilsmäßig deutlich mehr bei unter 30-Jährigen verloren als in den anderen Alterskategorien. Ein Zeichen dafür, dass die GRÜNEN neue Wege, Kommunikationskanäle und auch Personen brauchen, um die Zielgruppe zu erreichen. Ein Nachdenken muss insbesondere darüber einsetzen, wie man diese Altersgruppe in Milieus erreicht, die nicht von vornherein grün-affin sind. Also nicht nur Alternatives und Indies.




Wahlwetten – Trends aus drei Wochen Betmonitoring

26 09 2008

Rund drei Wochen hab ich mir nun nahezu jeden Tag die Quoten der einzelnen Wettanbieter in Österreich angesehen, um einen Stimmungsbarometer aus Sicht der Buchmacher zu erhalten. Nicht, dass dies treffsicherer ist als Umfragen; jedoch fliessen Eindrücke aus Konfrontationen, Berichterstattung etc. teilweise stärker ein. Meines Erachtens ist dies ähnlich zu den Wettbörsen. Und gar nicht uninteressant. Seit meinem ersten Eintrag dazu hat sich doch einiges getan – nicht nur in der Qualität der Excel Graphiken ;)

Zeit also für ein kurzes Resumée.

The rise of SPÖ and fall of ÖVP

Das ist doch sehr eindeutig. Jedenfalls klarer als bei den Umfragen. Auch in den letzten Tagen wurde nochmals der Trends verstärkt, dass die SPÖ nun klarer Favorit ist, stimmenstärkste Partei zu werden. Die ÖVP ist zum Außenseiter geworden. Verstärkt hat dies eindeutig die Performance von Wilhelm Molterer bei den TV-Konfrontationen. Dieser Trend ist bei allen Wettbüros gleich; auch wenn die Quoten Unterschiede aufweisen.

Unterschiedliche Einschätzung Wahlbeteiligung

Diese Wette ist in den vergangenen Tagen bei bet-at-home und schon länger bei Bwin hinzugekommen. Interessant, dass die Einschätzungen doch sehr variieren. Während bei bet-at-home die Quoten massiv zurecht gestutzt wurden, im Sinne die Wahlbeteiligung wird unter 80% liegen (hier kann man nur unter bzw. über 80% wetten), ist bei bwin die Quote auf “über 80%” gesunken. Jedoch auf deutlich höherem Niveau. Hier muss man jedoch genauer setzen, da vier Intervalle angeboten werden. Meines Erachtens war bet-at-home zu Beginn doch zu optimistisch, was die Wahlbeteiligung betrifft.

Der Absturz des nunmehrigen Außenseiter Fritz Dinkhauser…

Wer weiß, vielleicht täuschen sich ja alle und die Liste Fritz sorgt für eine Überraschung. Vorstellen kann ich mir das aber nicht. Dinkhauser´s Kurve ist eindeutig. Wurde vor drei Wochen noch mit seinem Einzug spekuliert, ists er jetzt totaler Außenseiter. Und zwar bei allen Wettbüros. Das hat wohl nicht nur mit seiner geringen Präsenz rund um die TV-Konfrontationen sein.

… und der Aufstieg von Jörg Haider

Aus Sicht der Buchmacher ist der Wahlkampf von Jörg Haiders BZÖ gut gelaufen. Die Quoten haben sich im Verlauf der vergangenen Wochen enorm entwickelt. Die Meßgrößen wurden immer wieder adaptiert. War zu Beginn noch die Frage, ob das BZÖ 5% erreicht, muss man jetzt teilweise auf 9% over/under wetten. Bei Admiral z.b. konnte man am am 7.9. noch setzen, dass das BZÖ bei einer Quote von 1:1,95 über  6,9% kommt; mittlerweile gibt es eine ausgeglichene Quote von 1:1,8, dafür dass es 8,9% erreicht,

Die 5% Wette gibt es noch bei bet-at-home, ist jedoch unattraktiv, da man für das Überschreiten der Grenze nur 1:1,2 erhält. Sollte das BZÖ drunter bleiben, gibts 1:3,6 (am 7.9. waren es noch 1:2,7)


Weniger Bewegung bei FPÖ und Grün

Wenig Bewegung gab es hingegen bei den Grünen, wo es nur marginale Änderungen der weitgehend ausgeglichenen Quoten zwischen 1,8 und 1,9 dafür gab es, dass die Grünen 11% (Admiral) oder 12% unter- oder überschreiten (bwin und bet-at-home). Die FPÖ wird zwischen 18 und 19% gewettet. Auch hier weniger Verschiebungen in den letzten Wochen.

Ach, schwankend Lif

Das Liberale Forum war ein wenig flatterhaft aus Sicht der Buchmacher. Die Affäre und um mittlerweile ex-Vorsitzenden Alexander Zach hat sich doch ausgewirkt in der EInschätzung der Wettbüros. Über einen längeren Zeitraum betrachtet werden die Chances des Lif als intakt gesehen; jedoch wie gesagt mit einem Dämpfer gegen Ende.

Aja, und falls wer Außenseiter-Wetten mag: Wer darauf setzt, dass Wolfang Schüssel nochmals Kanzler wird, kriegt für 10,- Eur 300,- retour. Da kann man fast schon auf Alfred Gusenbauer setzen. Der hat eine Quote von 1:200 bei bet-at-home :)

Alle Quotenangaben ohne Gewähr. Die aktuellen Quoten sind auf den Websites von Admiral, Bwin und Bet-at-home zu finden.





„Politik im TV“ zum Abgewöhnen – erste Rückschlüsse

24 09 2008

Wenn man mit Politikkommunikation zu tun hat – sei es beruflich oder aus Berufung – ist man einiges gewohnt in Österreich. Aber das gestrige TV Duell Molterer-Faymann (Kanzlerduell???) war ein Sinnbild dafür, wie sehr der politische Diskurs in Österreich am Boden grundelt. Schlicht: Politik zum Abgewöhnen.

Man sieht dieser niveaulosen Schlammschlacht zu und denkt sich, ok kriegt der Strache halt doch 20%. Ich weiß, ein Widerspruch zu meinem letzten Beitrag, wo ich den Grünen noch eine Chance zurechne, deutlich zuzulegen und damit das Rennen um Platz 3 nicht aufzugeben. Nur zur Präzision: Ich schrieb über ihre Chance. Nicht davon, dass die Grünen jedenfalls gewinnen werden.


Aber zurück zu den Medien. Christoph Chorherr hatte ja kürzlich das interessante Gespräch mit Florian Klenk im Videoblog. Wichtige Punkte wurden da angesprochen.

Und ich erlaube mir, (nicht nur) nach dem gestrigen TV Duell ein paar erste Rückschlüsse zum Thema „Politik im TV“:

  1. Alarmglocken: Der politische Diskurs ist in Österreich in verheerendem, alarmierendem Zustand. Schuld daran sind die handelnden Akteure, also Politiker und Medien und strukturelle Defizite der Medienlandschaft. Es ist dringend an der Zeit, aus dieser Spirale im auszubrechen und darüber öffentlich zu diskutieren.
  2. ORF – no more of the same: Der ORF braucht nach der Wahl eine äußerst kritische Reflexion seiner Diskussionsformate. More of the same, geht nimmer. Es braucht da keine Adaption, sondern eine Revolution. Es wird so viele in neue Unterhaltungsformate investiert – genau das braucht´s auch in den politischen Diskussionssendungen. Ob die Sonntag abend Sendung „im Zentrum“, „Offen Gesagt“, „In Form“ oder „Statt Inhalt“ heißt, ist egal. Es ist immer das gleiche Format und das gehört geändert; und neue entwickelt. Internationale Beispiele muss es ja genug geben.
  3. Privat-TV als Chance? Die Privat-TV-Sender nehmen hoffentlich aus dem Wahlkampf mit, dass Politik ein Quotenbringer sein kann. Sowohl PULS 4 wie auch ATV hatten die höchsten Einschaltquoten ever. Das PULS 4 Format war übrigens überraschend gut. Vielleicht entwickeln sich ja die Privat-TV Sender endlich als Innovatoren?
  4. Mehr Akteure: Warum diskutieren – auch in Nicht-Wahlkampfzeiten – eigentlich immer VertreterInnen der Parteien und meist die gleichen ExpertInnen (von denen einige schon ok sind)? Is Austria too small for more communicators? Was ist mit der Zivilgesellschaft (da gibt´s auch mehr als Attac und Greenpeace)?
  5. Steigende Bedeutung Webdiskurs: Der aktuelle Peak in der politischen Web 2.0. Kommunikation darf nach der Wahl nicht wieder stark abfallen, sondern muss weiter gehen. Je mehr Akteure und Beteiligung, desto mehr wird auch Crossmedia passieren. Ideen, Diskussionen aus dem Webdiskurs werden zunehmend von anderen Medien aufgegriffen werden. Und das heißt nicht nur Frage-Antwort über Youtube Videos einsenden zu können, sondern den inhaltlichen Diskurs in der Substanz aufzugreifen. Das ist ja einer der Gründe, warum in den USA Web 2.0. politisch ernster genommen wird. Es gibt höhere Reichweite bei Meinungsbildern und mehr Rückwirkung auf andere Träger der öffentlichen Kommunikation ein. (Der noch wichtigere Grund ist die enorme Fähigkeit von Web als Organisatonsinstrument)
  6. Gefahr Mehrheitswahlrecht: Die Diskussion über den Zustand der Demokratie in Österreich wird nach der Wahl kommen. Doch Vorsicht: die Gefahr ist groß, dass sie primär genutzt wird, das Mehrheitswahlrecht zu lancieren. Nicht nur, dass ich inhaltlich davon nichts halte, sondern insbesondere vor dem Hintergrund der Krise des politischen Diskurses in Österreich wäre es falsch, genau hier anzusetzen. Ein Mehrheitswahlrecht würde erst recht die Vielfalt der Akteure reduzieren und eine Fokussierung auf den Boulevard und die absolute Mehrheitsfrage bewirken. Es geht wie immer um die politische Kultur im Land. Und die verändert auch ein Mehrheitswahlrecht keineswegs zum Besseren.

Die Liste kann freilich stark erweitert werden…





Wettquoten: kein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 1

21 09 2008

Wieder ein kurzes Update in der Entwicklung der Wettquoten; insgesamt hat´s in den letzten Tagen wenig Bewegung gegeben – ähnlich den Umfragen (die jedoch zb bei der FPÖ signfikante Unterschieden aufweisen – siehe ORF Übersicht oder neuwal.com)

Auch wenn sich ÖVP und SPÖ nun darum bemühen, das Rennen um Platz 1 und damit den Kanzler zuzuspitzen, aus Sicht der Wettbüros (und auch meiner persönlicher) ist dieses Rennen nicht knapp, sondern weitgehend entschieden. Bzw. aus Wettsicht gibt es einen klaren Favoriten.

Die Quoten sind damit eindeutiger als die Umfragen, und das entspricht auch der Stimmung im Land. Die SPÖ liegt deutlich vorne. Ihre Quoten auf “stimmenstärkste Partei” sind folglich weiter gesunken. Jene der ÖVP gestiegen – von einem knappen Rennen kann hier nicht mehr die Rede sein.

Lustig übrigens auch, dass man auf die Koalitionsvarianten setzen kann. Bet-at-home hat das schon länger im Angebot. Klar, dass die große Koalition Favorit ist. Bei bwin kann man seit einigen Tagen ebenso auf die Koalitionsform setzen; hier werden aber nur Varianten ohne BZÖ, Liberale und GRÜNEN angeboten. Dafür gibts die Kategorie “Jede andere Variante”. (also auch Minderheitsregierung, Dreierkoalitionen etc.). Die Quote vor drei Tagen lag bei enorm attraktiven 1:14! Und wurde tagsdarauf auf 1:6 runtergeschraubt ;)

Erstaunlich auch, dass es bei Admiral eine Quote von 1:1,8 gibt, wenn die ÖVP über 25,999% der Stimmen erreicht. Vor zwei Wochen gab´s diese Quote bei der ÖVP noch für ein Ergebnis über 27,999%.

Attraktiv auch die Quote von 1:1,8 dafür, dass die Grünen über 11% kommen (ebenso bei Admiral). Bei Bwin und bet-at-home gibt´s die ausgeglichene Quote dafür dass sie über/unter 12% kommen.





Jenseits der Grenze…Krone Campaigning im Wahlkampf

20 09 2008

Natürlich, jeder weiß es.

Und diesmal wird sogar oft darüber berichtet. Die Kronen Zeitung positioniert sich sehr eindeutig in diesem Wahlkampf als aktiver Part. Sie versucht auf Meinungsbildung von WählerInnen und LeserInnen massiv Einfluss zu nehmen. Ausgehend von der Kampagne gegen den EU-Vertrag hat die Krone nach der Repositionierung der SPÖ durch den Brief an den Herausgeber auch im Rahmen des Wahlkampfes Partei ergriffen.

Die allseits vorhandene subjektive Beobachtung, dass die Berichterstattung sehr wertend ist, wollte ich genauer erheben. Im Rahmen einer einfachen Inhaltsanalyse werden nun seit einigen Wochen – gemeinsam mit Politikwissenschaftstudentin Brigitte Naderer – die Artikel und Kommentare in mehreren Medien laufend analysiert. Dies ist keine umfassende Textanalyse, sondern lediglich eine Zusammenschau, wie viele Artikel, Kommentare und Titel mit wertendem Charakter im Sinne einer Partei oder gegen sie erschienen sind.

Heute mal ein Blick auf die Krone. Eh klar, wird jeder sagen. Das Ergebnis zeigt, die Krone macht kontinuierlich Stimmung. In Kommentaren, Artikeln, Titeln. Die Kontinuität ist dabei ein wichtiger Faktor. Sie zeigt, dass die Wertung in der Berichterstattung nicht auf einen einzelnen Anlaß reduziert werden kann, sondern fortlaufend erfolgt. Anzumerken ist hierbei, dass nicht allein Kommentare, die ja Raum für Stellungnahme bieten sollen, wertend eingesetz werden, sondern auch die Berichterstattung selbst klare Position oder zumindest Tonalität haben.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung und Kommentierung liegt bei den Großparteien. Schon frühzeitig wurden im Wahlkampf Präferenzen für die SPÖ und gegen die ÖVP sichtbar. Auch Wolf Martins Lobgesänge auf Werner Faymann fallen hier ins Gewicht.

Die Politikberichterstattung wird aggressiver. Die SPÖ-Linie wird weiter unterstützt. Skepsis und Häme ernten ÖVP; aber auch Grüne wg. des Einsatzes für die inhaftierten Tierschützer (Kandidatur Balluch) und das Liberale Forum.

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Der Trend bleibt; die Grünen kriegen noch mehr ab. Interessanterweise werden die Kleinparteien entweder ignoriert oder kaum wertend betrachtet – überraschend im Fall Dinkhauser und Rettö, die für die Kandidatur noch unterstützt wurden.

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Ich denke, dass ein derart massives Campaigning der größten Tageszeitung des Landes nicht ohne Folgen im von SP, BZÖ, FPÖ und VP umbuhlten WählerInnensegment bleibt, vor allem da die SPÖ mit Werner Faymann einen Kandidaten hat, der offensichtlich sehr boulevard-affin und auch -kompatibel ist. Das hatte die SP viele Jahre nicht.   Warum die ÖVP dennoch versucht, primär dieses gleiche Segment mit ihrer inhaltlichen Linie anzusprechen, wird mir zumindest bis 28.September ein Rätsel bleiben.

Weitere Auswertungen (auch anderer Zeitungen) folgen in den nächsten Tagen…





Was ich ja gar nicht versteh – Verzicht auf Kinowerbung?

19 09 2008

Also, vielleicht war ich in letzter Zeit zu selten im Kino  – oder auch in den falschen Kinos? Aber wo blieben die Spots der wahlwerbenden Parteien?

Den von den Grünen, ja, den hab ich gesehen. Sympathisch, bissl Lifestyle, Van der Bellen (dass die Leute dort einen Bart haben, hab ich erst später kapiert, aber gut). Sogar Robert Misik lobt ihn.

Ein persönliches Gespräch mit Cinecom Geschäftsführer Christof Federle bestätigt mir, dass es offenbar keine Spots der anderen Parteien gibt, die derzeit geschalten werden. Was mich ja doch wundert.

Auf der anderen Seite:

Wer – so wie ich berufsbedingt und/oder leidenschaftlich – die täglichen Zeitungen verfolgt, sieht sofort: die werden zugepickt mit Inseraten insbesondere von SPÖ, FPÖ (Schwerpunkt Krone – ganzseitig), BZÖ (Schwerpunkt “Österreich”), ÖVP.  Auch, aber in Maßen von Liberal und Grün. Irgendwelche “Werbeexperten” bewerten derzeit in fast jedem Blatt, wie gut oder schlecht die Plakate sind. Die einzige Einigkeit besteht in der Kritik an der ersten Plakatwelle der ÖVP, wo es um so viel Kleingedrucktes geht. Sonst wird alles unterschiedlich interpretiert.

Aber hallo: welches Werbemedium erringt die höchte Aufmerksamkeit beim Rezipienten? die Kinowerbung! Irgendwie freut man sich ja sogar drauf, gut gemachte, kreative Spots im Kino zu sehen  – im Gegensatz zum TV-Spot.

Klar, die Reichwerte ist geringer, aber offenbar gilt für die meisten Parteien: Quantität vor Qualität, sonst würde wohl jede Partei auf Kinowerbung setzen. Kino und auch ihre Werbung ist Emotion, Spaß, Spannung, Konzentration und bei politischen Akteuren – wenn´s noch irgendwie geht – Botschaft/Inhalt. Genau das sollte auch Wahlkampf sein.

Dass darauf verzichtet wird und anstatt dessen auf die Klassiker Printinserat, Plakat und ok, diesmal auch mehr Web, investiert wird, versteh ich einfach nicht.

Ps. sollte mir ein Spot einer Partei entgangen sind, bitte um Information. Klarerweise berücksichtige ich das dann gerne in meiner Meinungsbildung…und auf guensblog.





Politik und die Kunst, Diskrepanzen zu überwinden … Teil 2: die ÖVP

18 09 2008

Nachdem ich mir erlaubt habe, vor einigen Wochen schon auf die Dilemmata der SPÖ hinzuweisen, heute ein Blick auf die ÖVP. Schliesslich diskutiert Wilhelm Molterer ja am Abend im ORF mit Alexander Van der Bellen.

Molterer hat nicht weniger Diskrepanzen im WählerInnen-Potential zu überwinden als Werner Faymann; sie schauen nur anders aus.

Zum einen: den sensationellen Wahlsieg im Jahr 2002 (42,30 Prozent – derzeit liegt sie in Umfragen bei 26-28%) hat die damalige Schüssel-ÖVP vor allem dem Niedergang der FPÖ (Rückfall von knapp 27 auf 10%) zu verdanken. Seit damals weiß oder besser gesagt glaubt die ÖVP, dass sie diese WählerInnen durch klare Signale behalten muss. Manchem ÖVP-Politiker ist alles recht, was rechts ist, könnte man meinen. Daher auch: Law and Order Politik; Schwerpunkt Sicherheit, Deutschkurs vor Einwanderung etc.

Es ist hier ähnlich wie bei der SPÖ: man kämpft um Potential aus dem rechten Lager, nur dass sich um jenes nicht nur Molterer und Strache selbst, sondern nun auch Haider und Faymann (mit der Krone im Rücken) bemühen. Eigentlich zu viele Mitbewerber für nur einen Teil des Kuchens.

Andererseits hat die ÖVP auch Milieus in ihrer WählerInnenschaft, die eher zu schwarzgrün tendieren. Und das nicht nur in den Städten (wie meist bei der SPÖ) – siehe Oberösterreich mit schwarz/grün. Es sind sog. bürgerliche (über den Begriff lässt sich trefflich streiten), die teils christlich-sozial geprägt sind, starken sozialen Bezug zu ÖVP-Netzwerken haben, aber offener sind. Sie verkehren nicht ausschließlich (wie das in den meisten ÖVP und klassischen SPÖ-Netzwerken der Fall ist) mit den eigenen Reihen, sondern haben höhere Diversität in ihren Netzwerken.

Jene können aber nichts damit anfangen, dass man einen Deutschkurs machen muss, bevor man nach Österreich kommt. Oder die es falsch finden, Mutter und Kinder der Familie Zogaj oder hunderter anderer Familien  abzuschieben, obwohl jene mittlerweile mehr (Ober)österreicher als z.B. Kosovo-Albaner sind.
Der von mir zuletzt formulierte DF (Maßzahl der zu überwindenden Diskrepanz im WählerInnenpotential; Maximum = 10) liegt etwas niedriger als bei der SPÖ (9), aber immer noch bei 7.
Schüssel hatte damals mobilisiert, weil er mit der Gusenbauer SPÖ und der „Bedrohung Rot-Grün“ ein Feindbild ausgegeben hat; das greift aber in vielen ÖVP Ländern taktisch nicht mehr so, weil Faymann zu soft ist dafür. Es fehlt der ÖVP das mobilisierende Element.
Und Molterer ist keiner, der die eigenen Leute auf seinen Wahlkampf einschwören kann.
Das Interessante ist, dass Molterer im letzten Interview mit dem Falter zeigt, dass er eigentlich das Potential gehabt hätte, die Brücke zu schlagen. Zwischen Bauernbund und urbanen WählerInnen. Und zwar in seiner eigenen politischen Sozialisierung, wo er beide Kulturen verinnerlicht hatte. Er hat es aber verabsäumt, den einen Teil weiter zu pflegen und Signale auszusenden. Sein Nachteil ist schlicht, dass er Teil der letzten Regierungen bzw. Klubobmann bei schwarz-blau/orange und da keine Akzente für einen Aufbruch Richtung schwarz-grün vermitteln konnte.
Und sollte er heute Abend drauf kommen, dass das ein Fehler war, ist es wohl zu spät für eine Imagekorrektur, denn das entsteht doch etwas langfristiger.








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