Warum Web 2.0. nicht nur was für Jugendkampagnen ist…

30 01 2009

“Mutter hat dich als FreundIn auf Facebook hinzugefügt.
Wir benötigen deine Bestätigung, dass du Mutter kennst, damit ihr Freunde auf Facebook sein könnt.
Mutter sagt, “…ach mein Kleiner, endlich weiß ich, was du den ganzen Tag  so treibst…”
Um die Freundschaftsanfrage zu bestätigen, klicke auf den untenstehenden Link:
… Danke, Das Facebook-Team”

Wer hätte das für möglich gehalten? Die Elterngenerationen erobern Facebook. Gut, die Meldung oben ist ein Fake und mir selbst nicht passiert, aber jetzt, wo die Social Webplattformen immer stärker Mainstream werden, gilt es zu hinterfragen, ob Web 2.0. wirklich ausschließlich für “jugendliche” Zielgruppen geeignet sind. Denn oft höre ich, “ja und für die Jugend, da mach´ma was im Internet” – und für den Rest nicht?

Kürzlich war ich in einer Expertenrunde für ein Kampagnenbrainstorming im Umweltbereich eingeladen. Natürlich kamen wir – wie derzeit alle politischen
Kommunikationsmenschen – auf die Sogwirkung der Obamakampagne zu sprechen. All roads lead to Obama, könnte man meinen.
Kommunikations- und Werbeexperte Harald Betke (lesens- bzw. sehenswert übrigens auch sein Blog) liess in einem Nebensatz etwas fallen, was mich noch weiter
beschäftigte. Er meinte sinngemäß, dass es ein Irrtum sei, dass das Internet nur die Jugend erreiche. Rein quantitativ sei die Gruppe der 55+ stärker im Web vertreten als Jugendliche, was schlicht und einfach mit der Gruppengröße zu tun hat.

Jetzt ist vor wenigen Tagen via Blogpiloten die Meldung über eine Pew Internet Studie reingekommen, in der die Nutzung von Social Networking Sites durch Erwachsene in den USA untersucht worden ist.
Demnach hat sich die Zahl der erwachsenen Internetnutzer, die ein Profil bei einem der Social Networks pflegen von 2005 bis 2008 mehr als vervierfacht – von
8 Prozent auf jetzt 35 Prozent.  18-24 Jährige sind weitergin am stärksten vertreten , was wenig überraschend ist. Ein Blick in die Studie zeigt jedoch, dass sich die Nutzung von Web 2.0 bei weitem nicht nur auf diese Gruppe beschränkt.

“Young people are much more likely than older adults to use social networks.

  • 75% of online adults 18-24 have a profile on a social network site
  • 57% of online adults 25-34 have a profile on a social network
  • 30% of online adults 35-44 have one
  • 19% of online 45 to 54 year olds have a profile
  • 10% of online 55 to 64 year olds have a profile
  • 7% of online adults 65 and older have a profile”

Klar, die Studie erfasst ausschließlich Personen, die schon online sind (was aber mittlerweile doch eine Mehrheit ist) und die USA ist nicht ganz mit Europa vergleichbar. Facebook, MySpace etc. haben hier sicher früher den Mainstream erfasst. Ebenso eindeutig ersichtlich ist, dass die Kurve pro Altersgruppe signifikant fällt, aber dennoch:  jeder fünfte Onlinenutzer zwischen 40 und 54 und fast jeder Dritte zwischen 35 und 44 hat ein Social Networking Profil. Das ist viel!
Meine Schlußfolgerung: Da diese Gruppen quantitativ eindeutig größer sind als die Jugendgruppen, wäre es falsch, strategische Kampagnenaktivitäten im Web 2.0 ausschließlich auf Jugendzielgruppen zu beschränken. Außer natürlich, es geht prinzipiell bei der Kampagne nur um jene. Aber die 3 Millionen Obama Freunde auf Facebook und 15 Millionen auf allen Plattformen waren auch nicht alle Teenager.

Vielleicht ist der Schlüssel ja ein anderer, nämlich dass die Zielgruppendefinition nach Altersklassen nur bedingt hilfreich ist – es geht viel mehr um soziokulturelle Aspekte,  Milieus und Medienaffinitäten.

Dass rein quantitativ die jungen Altersgruppen in Österreich noch kleiner sind als ältere zeigt ein Blick auf die aktuelle Bevölkerungspyramide Österreichs der Statistik Austria:
023106

Oder es ist eine andere Binsenweisheit, nämlich: Wir werden halt auch nicht jünger…





Obama und wir

20 01 2009

Irgendwie kann er einem schon leid tun. Die Erwartungshaltungen, die alle Richtung Barack Obama strömen, sind derartig vielfältig und hoch, dass wohl kein Mensch der Welt dem gerecht werden kann. Erwartungshaltungsmanagement wird – wie so oft in der Politik – an der Tagesordnung stehen. Bin schon sehr gespannt, wie es Obama heute anlegt. Und bin mir sicher, dass viele Kommentare und Schlagzeilen in den kommenden Tage lauten werden: “The party´s over”.

Sehr interessant ja das Interview im heutigen Standard Online mit Rhetoriktrainer Stefan Gössler, der die Sprachmusters in den Reden Baracks Obamas analysiert hat. Und der Mann schaut genau:

“Was an Obama so neu ist, ist seine Gabe, verschiedene Kommunikationsmuster zu kombinieren wie kein anderer vor ihm. Wenn man sich seine Reden genauer ansieht, findet man sofort eine Anapher (Wortwiederholung am Satzanfang, Anm.) gefolgt von einer Brevitas (eine plötzliche Verkürzung, Anm.). Und so eine Verkürzung wirkt wie ein Katapult, das die Botschaft nach Hause bringt. Diese Kombination verstärkt die Aussage und bringt die Botschaft viel besser ans Publikum. “

Man kann viel lernen von Obama – von seiner Sprache, seinen Methoden, auch den vermittelten Werten und dem Kampagnenmanagement. Thomas Hofer schreibt heute im Standard richtigerweise  (leider nicht online) , dass ein blindes Kopieren von Obama jedoch peinlich werden kann. Die deutschsprachigen Abwandlungen auf “Ja, wir können´s” holpern sehr. Der hessische SPD Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel ist ein gutes Beispiel. Er wollte auch mit derartigen Sprüchen den Karren aus dem Dreck ziehen, aber da braucht´s eben mehr als paar Obama-angelehnte Sprüche und Youtube Videos.

Dennoch ua. über

  • Sprache,
  • der klaren Vermittlung von Botschaften & Werten,
  • Teilhabe an einer Kampagne,
  • Aktivisten & Freiwilligen-Management,
  • Empowerment,
  • neuen Kommunikationsstrukturen fernab des klassischen Parteien-Bottom-Up,
  • authentischen Politikerpersönlichkeiten
  • die Tag-nach-der-Wahl-Strategie
  • und den Einsatz von Web 2.0 Anwendungen

müssen die Parteien nachdenken. Insbesondere in Sachen Web gibt es derzeit nahezu keine öffentliche Diskussion darüber, welche Bedeutung es einnehmen kann. Und das, obwohl auch wir ein Superwahljahr haben. In Deutschland, wo die Politikkommunikation ebenso desaströs weit weg von US-amerikanischen Verhältnissen ist, wird zumindest ansatzweise diskutiert. Dennoch hab ich den Eindruck, dass Deutschland keinen Schritt weiter ist als Österreich.

Man kann insbesondere gespannt sein, wie sehr die Europawahl im Juni  eine gemeinsame (also über nationale Grenzen hinausgehende) Webstrategie der jeweiligen Parteien bringt. Eine Riesenherausforderung, weil die Voraussetzungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten total unterschiedlich sind. Aber es wär ein wichtiges Projekt: Denn nachdem die klassischen Medien daran scheitern, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen, wäre das Web eigentlich prädestiniert dafür – wissend, dass dies vorerst nur einige Zielgruppen erreicht. Aber es wäre ein Beginn. Nicht einer Obama Look-alike-Campaign, sondern eines identitätsstiftenden Projekts mit konkreten, wichtigem Anlaß: der Wahl zum Europäischen Parlament.





Zeit der Megatrends

30 12 2008

Viele  nutzen den Jahreswechsel dazu, das Vergangene Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorn zu wagen. Es ist auch Zeit der Interviews mit Trendforschern, vor allem Matthias Horx in österreichischen Medien.  (siehe gestrigen Kurier) Und klar, angesichts der Wirtschaftskrise will man ja auch wisssen, was denn da eigentlich los ist und warum man das nicht vorher gewusst hat.

Neben diesem meiner Meinung durchaus recht subjektivem Zugang zu Trends und sog. Megatrends (also solche, die sich über einen längerern Zeitraum zb 10 Jahre erstrecken), gibt es auch interessante Zahlen & Fakten Compilationen. Etwa in folgendem Video von Karl Fisch, Scott McLeod, and Jeff Bronman, das Peter Glaser kürzlich  in seinem Blog gepostet hatte. Das Video hat übrigens schon eine mehrjährige Geschichte; diese Version dürfte nun die neueste (3.0.) sein, die Jeff Bronman adaptiert hat.

Gut gemacht, find ich, (der Musiktrack ist “Right here, Right now” von Fatboy Slim), vor allem wenn man an die Trägheit der Politik denkt. Paar Sachen fehlen natürlich (Urbanisierung z.B.) . Aber aus meiner Sicht werden drei der Megatrends durch das inszenierte Zahlenkonvolut offensichtlich:

  • Die enorme Beschleunigung ganzer Lebensbereiche durch neue Informations- und Kommunkationsmedien – mit all den Implikation auf Arbeitsmarkt, Bildung, soziales Verhalten. Meiner Meinung ist Beschleunigung einer DER Unterschiede zwischen der Generation im heutigen Arbeitsleben und der vorangegangenen. Umso wichtiger find ich übrigens auch entschleunigte Räume bzw. Reflexionsräume.
  • Die Bedeutung aber auch Macht der sozialen Netzwerkmedien, die nun einfach den Mainstream erreicht haben und somit unglaublich groß geworden sind.
  • Das enorme Wachstum von China und Indien mit all der weltpolitischen Bedeutung und dem Verschieben von Kräfteverhältnissen. Hier sei aber vor der Verführung gewarnt, sich mit dem Argument (China und Indien sind schuld) aus der Verantwortung der sog. westlichen Welt zu ziehen.




nochmals vom Politikkongress…

5 12 2008

politikawardWie gestern schon berichtet, steht viel beim Politikkongress 2008 unter dem Eindruck der Obama Kampagne. Und zugleich auch wieder nicht, denn klar:  deutsche Politik (in Deutschland werden 2009 wieder Bundestagswahlen abgehalten) funktioniert kommunikativ ganz anders als US-amerikanische. Was natürlich auch auf Österreich zutrifft. Umso spannender ist es, was aus dem US-Wahlkampf mitgenommen wird. Gestern hattes es ja noch die Verleihung des Politik Awards gegeben. Finanzminister Steinbrück wurde als Politiker des Jahres und Klaus Töpfer (ex.Umweltminister und acht Jahre lang CHef der wichtigen UNEP – des UN Umweltprogramms) für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Ein paar subjektive, durchaus selektive Eindrücke und Einschätzungen zu Politikkongress & Politikaward.

* 2009 wird es Bemühungen in Deutschland geben, Webtools stärker in den Wahlkampf zu integrieren; aber bei keiner der Parteien zeichnet sich ab, dass es wirklich den absolut geeigneten Kandidaten bzw. die Strategie gibt, nächstes Jahr schon echte Masseneffekte in diesem Segment zu erzielen. Das bestätigt eigentlich meinen Eindruck aus den letzten Politikkongressen. Die soziale und kommunikative Energie des Webs schlägt sich in Deutschland nur sehr langsam nieder. Insofern ist Deutschland keinen Deut weiter als Österreich.

* Ein systematischens Monitoring der Online Kommunikation dürfte noch kaum etabliert sein. Die Parteizentralen dürften hier ressourcenmässig schlicht zu schwach ausgestattet sein, um ähnlich der US-amerikanischen Verhältnisse das Internet all zentrales Feld für Aktion, Beobachtung und Reaktion zu haben. (vielleicht auch besser so) Es wird wohl noch eine Zeit brauchen, bis es soweit ist. Eigentlich unverständlich, denn hier gäbe es einen first mover Effekt für jene Akteure, die schnell investieren.

* Die Rhetorik deutscher Politiker dürfte über dem Niveau in Österreich liegen. Den Eindruck hab ich eigentlich jedes mal beim Politikkongress, auch wenn die Generalsekretärsebene dann erst Recht in die klassische Parteienkampfrhetorik verfällt. Aber Politiker wie Gysi, Westerwelle, Steinbrück und gestern sogar Koch spielen in einer anderen Liga ist die meisten vergleichbaren österreichischen Politiker.

* Damit zusammenhängend. Worüber auch hier wieder kaum gesprochen wurde, ist Sprache. Die Rhetorik Obamas wird bewundert, aber ohne zu hinterfragen, welch sprachlichen Muster eigentlich unsere Politik ausmacht? Wir diskutieren hier, wie toll es ist, ein Mail von der Obama Kampagne zu erhalten, aber dass die erklärende, emotionale und klare Sprache dahinter noch viel wichtiger ist, wird meist ausgeblendet. Gerade die österreichischen Parteien, allen voran die GRÜNEN, müssten sich mehr mit Sprache auseinander setzen. Die sog. Politikverdrossenheit hat viel mit der kommunikativen und sprachlichen Schwäche der handelnden Akteure zu tun.

* Manches kann man sich von der US-amerikanischen Kultur abschauen, aber natürlich nicht alles. Positiv ist zB die gesetzlich festgelegte Transparenz zu erwähnen, bei allen fundings. Das ist in Österreich noch ein Witz. Klar, da geht´s auch um eine gewachsene politische Kultur, aber nehmen wir ein Beispiel. In den USA gibt´s die sogenannten „Independent Expenditures“ (IEs). Als IEs bezeichnet man in den USA finanzkräftige Wahlkampfarbeit im Namen politischer Kandidaten, die nicht mit diesen abgestimmt ist. Meist in Spots, Webinitiativen etc.

Berühmt wurden z.B. die Swiftvets, die 2004 John Kerry mit Spots diskreditiert haben. Was natürlich heißt, dass derartige Initiativen meist GEGEN einen Kandidaten verwendet werden. Diese Kultur ist im deutschsprachigem Raum noch kaum angekommen. Denn die “unabhängigen” Personenkomitees für Politiker im Wahlkampf in Österreich sind meist erst recht durch die Parteizentralen angesprochen worden. Issue Advocacy ist in Österreich generell ausbaufähig.

Ich denke, dass die Möglichkeiten des Community Buildings über social web dazu führen werden, dass sich immer mehr Menschen in Wahlkämpfen für oder gegen eine Partei oder einen Inhalt engagieren werden, ohne dass mit den jeweiligen Parteien abzusprechen. Und eigentlich fänd ich es gut, wenn es neben der Umfeld von IV, Kammern, Gewerkschaften für ihre jeweils nahestehenden Parteien, wirklich unabhängige Initiativen gäbe. Müssen ja nicht gleich Millionenkampagnen wie in den USA sein. Und die Parteien müssten endlich die Angst vor allem ablegen, was nicht in ihren Zimmern geschmiedet wurde.





Von Obama lernen? live vom Politikkongress in Berlin

4 12 2008

Bin wieder mal beim Politikkongress in Berlin, der in gewisser Weise State-of-the-art der Auseinandersetzung mit Politikkommunikation in Deutschland darstellt. Auch aus Österreich sind einige Politikberater und Kommunikationsexperten der Parteien und von Unternehmen da.

Klarerweise liegt der thematische Fokus der Keyspeeches auf der US-Wahl und dem Triumph von Barack Obama.

Da schwant mir ja schon übles in Europa. Alle Parteien pilgern derzeit in die USA (gut), schauen sich die Obama Strategie an (auch gut), übernehmen technologische Mittel (auch nicht schlecht) und betten sie potentiell in eine total andere politische Kommunikationskultur ein (sehr schlecht), nämlich die ihrer Parteien. Bin gespannt, wie die Resultate in den Superwahljahren in Deutschland und Österreich aussehen.

Dabei kann man von Obama wirklich viel lernen. Es wurde ohne schon viel darüber geschrieben. Der Beitag von Stefan Büffel auf blogpiloten.de war zuletzt spannend, auch weil der politikkommunikative Zugang von Obama´s Wahlkampf nun auch auf die Zeit danach übernommen werden soll. Partizipativ, community-orientiert, transparent, aber doch mit stringentem inhaltlichem Design.  change.gov ist ein großartiges Beispiel dafür.

Christie Findlay, Chefredakteurin des Campaigns and Elections Politics Magazine, geht in ihrer Keyspeech natürlich auch primär auf Obama ein. Paar Eindrücke und Zahlen:

  • Die Hälfte aller Ausgaben für politische Webkommunikation im Jahr 2008 wurden von der Obama Kampagne getätigt. Das war expilizit Teil der Strategie
  • 8 mio hat die Obama Kampagne für Online Werbemaßnahmen, vor allem Google Ads usw ausgegeben
  • Ein Schwerpunkt waren die Social Networks, wobei die Ausgaben da eher verhalten wirken (Facebook US-D 467 k, My Space US-D 11k)
  • Bemerkenswert: 4/5 der Spenden für Obama´s Kampagne kamen aus Online Fundraising Instrumenten. Im Schnitt hat jeder Online-Spender uSD 100,- gespendet.
  • Das Internet nimmt dennoch nur 2% der Gesamtkosten des us-amerikanischen Wahlkampfs ein.
  • Die Werbestrategie der Demokratie basierte auf: Humor, Rapid Response, Microsites, Google Adwords
  • Sehr schnell wurde insbesondere auf Angriffe der Gegner reagiert. (sowohl Clinton in den Primaries wie auch Mc Cain in der Präsidentschaftswahl). Dazu gehört auch professionelle Opposition Research und Monitoring.

Was in den USA seit Jahren anders läuft als bei uns, ist das Microtargeting. Waren früher – wie meine Aufenthalte in den USA gezeigt haben – die Republikaner dabei führend, haben jetzt die Demokraten das Heft in die Hand genommen. Perfekte Einschulung der Aktiven, bessere wissenschaftliche Methoden, hohes Vertrauen,  perfekte Datenauswertung waren hier entscheidend.

Das alles hat dazu beigetragen, dass sich Menschen für eine Kampagne engagieren, die sich vorher noch gar nicht politisch engagiert haben. Und genau davon können viele was abschauen.

Der Kernpunkt ist jedoch, dass der politische Träger einer Kampagne genau diese Kommunikationskultur repräsentieren muss. Wertemässig und rhetorisch. Ohne diesem Wandel wirkt´s meist patschert.

Aus meiner Sicht gilt immer: It´s all about culture.





Die lange Nacht der Kolumnisten – warum nicht auch eine für Blogger?

1 12 2008

Gestern also die zweite Lange Nacht der Kolumnisten im Rabenhof (in Kooperation mit Datum). Eine feine Sache. 24 KolumnistInnen österreichischer Medien lesen einen oder mehrere Beiträge ihres Schaffens. Die Vorgabe lautet fünf Minuten; das mit dem Einhalten funktioniert noch nicht – insofern kann der Abend wirklich lang werden. Florian Scheuba & Thomas Maurer moderieren launig durch den Abend und bieten selbst manch Highlights (großartig die Lesung der “Die Vier Da” Szene aus der Folge “Der vierte Mann”)

Insgesamt ist die Lange Nacht der Kolumnisten ein sehr gelungenes Format, weil´s meist wirklich witzige und geistreiche Beiträge zu hören gibt und man – auch als Zeitungsvielleser – auf noch nicht so bekannte Namen stösst.  Klar, die Klassiker wie Daniel Glattauer, Rainer Nikowitz, Christian Seiler oder Doris Knecht (zugleich Erfinderin der Langen Nacht der Kolumnisten) sind eh auch dabei und machen das richtig gut. Gut lesen z.B. (ganz wichtig)

Die – weil eben noch nicht so bekannten – Überaschungen sind dann aber Leute wie Manfred Gram aka Illbilly The K.I.T.T.,, der regelmäßig in The Gap eine Kolumne schreibt oder auch Hosea Ratschiller, der FM4 Obmudsmann. Beide haben das live gut über die Rampe gekriegt.

Mir kam dabei der Gedanken, ob es eigentlich auch Lesungen für Blogs gibt? In Deutschland ist mir das mal untergekommen. Gab´s das nicht auch mal in Österreich?

Ich fänd, das wär keine schlechte Idee, denn einerseits könnte man dem Format Blog einen über die Online Community hinausreichenden Stellenwert verpassen. Es gibt viele Beiträge, die hohe sprachliche Qualität haben (keine Sorge, meine zähl ich nicht dazu…), geistreich und intelligent sind und nicht ausschliesslich als Community Tools funktionieren, sondern auch als eigenständige Texte. Blogger sind quasi die Kolumnisten des Internets.

Und es wäre gar nicht unwitzig, die Personen mal in anderem Kontext zu erleben und Texte in anderem Format zu hören. Aber es bräuchte einen angemessenen Rahmen dafür.

Das erste, was ja jemandem einfällt, wenn´s zu derartigen Überlegungen kommt, ist warum nicht gleich einen Award? Ich find aber, das bräuchts gar nicht, denn es geht nicht drum, wer von den guten besser ist. Was es schon bräuchte, wäre hingegen eine Auswahl nach gewissen Kriterien (Sprache, Storytelling etc. – evtl. gar eine Jury?). Es braucht auch keine “Lange Nacht der Blogger”, denn lange Nächte gibt´s eh schon ein paar. Aber warum nicht ein ähnliches, adaptiertes Veranstaltungsformat entwickeln?

Oder gibt´s da eh schon, und ich hab nix mitbekommen? Wenn ja, bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar.





Spendenabsetzbarkeit: “Ja”, “Ja”, “Ja, “Ja”, Ja” – und was jetzt?

28 11 2008

Galt früher das Archiv als natürlicher Feind des Politikers ist es heute wohl – zumindest in diesem Sinne – Youtube. Das beste Beispiel: das klare Bekenntnis aller im Parlament vertretenen Parteien bei der sog. ORF Elefantenrunde zur Absetzbarkeit von Spenden für Non-Profit-Organisationen. Alle Fraktionsvertreter antworten auf die Frage von Ingrid Thurnher kurz mit “Ja”, “Ja”, “Ja, “Ja”, Ja”. Ein seltener Konsens. Dann wird bissl gegrummelt, Werner Faymann lacht herzlich (aber nicht, dass alle dann NGOs werden), Molterer will das aber nur dort, wo Spenden sinnvoll eingesetzt werden. Na bitte, dafür gibt´s sogar ein Gütesiegel, das sog. Spendengütesiegel (siehe Website der Interessensgemeinschaft Gemeinnütziger Organisationen)

Viele der betroffenen Organisationen haben vorgestern mit einer Protestaktion an dieses wichtige Anliegen erinnert. Im Regierungsübereinkommen ist das nämlich nicht vorgesehen.  Kein Wort dazu.

Am 9. Dezember kommt lt. OTS von Werner Kogler ein diesbezüglicher Antrag in den parlamentarischen Finanzausschuß. Kommt die Spendenabsetzbarkeit nicht, rechnen die heimischen NGOs wie Ärzte ohne Grenzen, Caritas, Diakonie, GLOBAL 2000, Greenpeace, Hilfswerk, Rotes Kreuz, WWF und viele mehr mit weiteren gravierenden AUswirkungen, da im Zuge der Wirtschaftsflaute das Spendenvolumen sinken wird; der Bedarf an NGO Leistungen wird jedoch steigen. Eine kritische Situation, wo genau jetzt der Staat durch entsprechende Rahmenbedingungen steuern kann und muss.

Hier nochmals der diesbezügliche Reminder ua mit dem zukünftigen Bundeskanzler.

    




Strukturen im Wandel. Wie das Netz Österreichs Musiklandschaft verändert.

17 11 2008

Der von mir geschätzte personifizierte Musikhub (hub =bedeutsamer Knotenpunkt eines oder mehrerer Netzwerke) Walter Gröbchen schreibt Kluges im heutigen Profil und auf seinem Blog zur österreichischen Musikszene. Er beschreibt die Vielzahl an spannenden Künstlern, die fernab von Ö3 und Starmania aus Nischenbereichen kommen und immer erfolgreicher werden.

Tatsächlich tut sich seit einigen Jahren Erstaunliches in der österreichischen Musikszene, insbesondere im Indie-Bereich. Die Anzahl interessanter Acts nimmt laufend zu und die unentdeckten Talente kriechen dank günstigerer Produktionsmethoden und dem Netz (myspace) aus ihren Löchern und ermutigen damit  weitere MusikantInnen aus ihren Höhlen hervorzukommen. Irgendwann sind es dann soviele, die angeführt von ein paar ganz Erfolgreichen ein Bild von etwas Größerem vermitteln. “Da tut sich was in Österreich.” Vielleicht fehlt es noch an diesen 1-2 Berühmten, um wirklich international als Szenephänomen Aufmerksamkeit zu erregen (einzelnen KünstlerInnen wie Gustav oder Clara Luzia) gelingt dies jedoch bereits. Wer weiß, vielleicht wird es aber auch ein noch recht unbekannter aber wunderbarer Act wie Martin Klein sein, der im großen Stil für Furore sorgt?

Ich kann mich erinnern, als wir in Wien vor vielen Jahren mit den Grünen und in Kooperation mit der SP die allererste Creative Industries Förderung initiiert haben, galt unser Augenmerk der elektronischen Musikszene. Für viele Nicht-MusikliebhaberInnen hatten die zwei Namen: Kruder & Dorfmeister. Die kannten mittlerweile alle. Und die hatte es jedoch gebraucht, um verständlich zu machen, dass dahinter viele strukturelle Faktoren liegen, die ökonomisch relevant sind (Label, Vertrieb, Produktion, Booking, Clubszene, Magazine etc. -). Departure hat einige Hebel in die richtige Richtung gesetzt, aber es gibt noch viel zu tun.

In gewisser Weise ist die durch das Netz veränderte Musiklandschaft auch mit der Politik vergleichbar. Wer das Netz nicht versteht, wird sich in Zukunft auch in der Politikkommunikation schwer tun. Obama ist nur das beste Beispiel dieser Entwicklung, aber nicht das einzige. In Österreich passiert das alles langsamer, weil auch hier Österreich strukturkonservativ ist und kulturell nicht grad offen. Je näher an Politik, desto starrer, möchte man meinen. Und so wie immer noch die Ö3´s und Starmanias den Musikmarkt der Masse diktieren, sind auch jetzt noch in Österreichs Politik die Mainstreammedien dominant. Doch im Ö3-Stream von Politik wird keine Innovation entstehen, sondern more of the same.  Emergenz entsteht nicht aus dem Nix, nur weil´s unerwartet ist, sondern aus einem Umfeld, wo kleine Teile den Wandel beschreiten. Und wer weiß, vielleicht könnte es auch in der Politik bald soweit sein, dass eine neue Kommunikationskultur sich von der Nische hinausbewegt und aus vielen kleinen Nischen der Blogosphere was grosses entsteht? Vielleicht fehlt´s aber auch einfach an den Kruder & Dorfmeisters der Politik. Nicht weil sie die besten sind, sondern weil sie symbolisch für etwas gestanden sind, das viele kannten. Und jetzt hat sich´s ausgekruderdorfmeistert, denn eigentlich kann ich´s als Beispiel nimmer hören…gibt wirklich so viel andere.

Daher back to music, zwei Empfehlungen: Donnerstag bis Samstag das spannende Bluebird Festival der heldInnenhaften Vienna Songwriting Association. Seit Jahren ein kleine Festival Highlight in Wien.  Dienstag eine wohl interessante Standard Diskussion im Haus der Musik: Die Grenzen der Weltberühmtheit.





We just made history – Obama´s mail

5 11 2008

Also, wunderbar. Es gibt doch keinen 5. November, an dem wir alle in kollektive Depression verfallen müssen.

Eines der meist unterschätzten Medien der Obama Kampagne ist meiner Meinung nach übrigens das simple E-Mail gewesen. Viel wurde über die Web 2.0. Kampagne geschrieben und gesagt, die auch wirklich genial war. Aber der direkte Kontakt über Mail war schlicht perfekt. Schnell, Exklusivität vermittelnd und persönlich formuliert. Mal von Barack Obama, mal vom Kampagnenleiter, mal von Michelle oder den Clintons als Absender. Man erinnere sich nur an die Obama SMS Aktion zur Bekanntgabe des Vize-Kandidaten.

Und während man in Österreich am Tag danach standardmässig “DANKE” Überkleber über die alten Wahlplakate pickt und jeder Kandidat auch bei hohen Verlusten sein Sprücherl “Lassen mich zuerst die Gelegenheit nutzen, mich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken”, schreibt die Obama Kampagne wenige Stunden nach dem Triumph ein Mail.

Der Person, die diese Mails formuliert, ist ua dieser Wahlsieg zu verdanken:

Georg --

I'm about to head to Grant Park to talk to everyone gathered there, but I wanted to
write to you first.

We just made history.

And I don't want you to forget how we did it.

You made history every single day during this campaign -- every day you knocked on
doors, made a donation, or talked to your family, friends, and neighbors about why
you believe it's time for change.

I want to thank all of you who gave your time, talent, and passion to this campaign.

We have a lot of work to do to get our country back on track, and I'll be in touch
soon about what comes next.

But I want to be very clear about one thing...

All of this happened because of you.

Thank you,

Barack




Neighbor: ‘georgi Always Seemed So Normal’ – viral genial

24 10 2008

Die Obama Kampagne zeigt´s wieder mal. Sehr geniale Viralkampagne.

Nicht ganz neu die Methode, aber super eingesetzt zur Mobilisierung von Obama Anhängern.

Leider hat das embedding nicht geklappt. Hier gehts zum CNNBC-Video.

siehe auch Niko Alm´s Blog,

In diesem Sinne: GOTV (GET OUT THE VOTE)