Neue USA-Studie zeigt: Klimawirksamkeit des Urban Sprawl ist evident.

9 05 2008

Neu ist die Erkenntnis nicht, aber offenbar braucht es manchmal Beweise. Kürzlich wurde eine der umfassendsten Studien zum Thema Urban Sprawl in den USA als Buch veröffentlicht.

Growing Cooler: The Evidence on Urban Development and Climate Change

bietet nicht nur Zusammenhänge, Strategien und Beobachtungen, sondern auch Zahlen und Fakten. Das Buch wurde von führenden Autor Reid Ewing bei der Ecocity Konferenz präsentiert und wird derzeit in den USA diskutiert.

Kurz zusammengefasst belegt die Studie den Zusammenhang zwischen Zersiedelung, urban sprawl und erhöhter durchschnittlicher Fahrleistung, erhöhtem CO2-Ausstoß und zeigt Strategien auf, wie man bei den aktuelle Wachstumsszenarien durch Stadtplanungsmaßnahmen konkret Emissionen einsparen kann. Ein paar Zahlen:

Bewohner einer eher zersiedelten Stadt wie Atlanta fahren im Schnitt mehr als 30 Meilen, während BewohnerInnen in kompakteren Städten wie Bosten oder Portland mit weniger als 24 Meilen täglich auskommen. Je nachdem, wie Städte in den vergangenen 25 Jahren entwickelt wurden (kompakt vs. zersiedelt), hat sich auch die durchschnittliche km-Anzahl um 20-40 % entwickelt.

Insgesamt ist die km/Meilen-Leistung in den USA drei mal mehr gewachsen als die Bevölkerungszahl.

Bei einer Entwicklung wie derzeit wird erwartet, dass die gesamte durchschnittliche km bis 2030 um 59% steigt. Der Hauptgrund: die Siedlungsentwicklung. Jegliche Bemühungen in Richtung effizientere Fahrzeuge, neue Treibstoffe etc. würde damit den Einsparungseffekt jedenfalls in die falsche Richtung überkompensieren. Daher ist klar, dass es strukturell greifende Maßnahmen braucht.

Die Autoren des Berichts haben kalkuliert, dass eine kompatkere Siedlungsentwicklung in der Zukunft die zurückgelegten Fahrleistung um 12 – 18 Prozent und die CO2-Emissionen um 7-10 Prozent reduzieren könnte. Das Potential ist enorm, der zwei Drittel der Immobilien für das Jahr 2050 sind noch nicht errichtet worden.

Es ist jedenfalls erfreulich, dass angesichts der Klimadebatte und der Ölpreisentwicklung auch in den USA über strukturelle Fragen der Stadtentwicklung diskutiert wird. Das Problem des Urban Sprawl ist aber kein spezifisch nord-amerikanisches Problem, sondern eigentlich ein weltweites. Städte (sofern diese Bezeichnung gerechtfertigt ist) wie Los Angeles sind aber symbolisch für die klassische Siedlungsentwicklung in vielen Regionen der USA. Aber: es gibt einen anderen Weg und dafür steigt derzeit das Bewußtsein.

Hier eine Videodokumentation von Reid Ewings Rede.

Einige seiner Folien, die auch Methode und den sog. Sprawlometer erklärt, ist hier zu finden.





Ecocity 2008: The city is the solution, not the problem

9 05 2008

Vorweg, San Francisco ist immer eine Reise wert. Eine wunderbare Stadt mit vielen inspirierten Menschen – und damit mein ich nicht die Alt-Hippies (denen die Inspiration aber auch nicht abgesprochen werden soll 😉

Noch mehr ist San Francisco eine Reise wert, wenn man Teil des Ecocity World Summit 2008 sein kann; einer Zusammenkunft von ca. 700 TeilnehmerInnen aus über 70 Staaten, die über nachhaltige Modelle der Stadt nachdenken und konkrete Lösungen diskutieren. Die Ecocity Konferenz fand heuer zum siebenten mal statt und verfolgt zumeist einen 2-Jahres Rhythmus. Zu meinem eigenen Erstaunen war ich wohl der einzige Teilnehmer aus Österreich.

Die Themenpalette war äußerst vielfältig und viele Eindrücke werden erst sukzessive in meine Arbeit und dieses Blog einfliessen. Nachhaltige Stadtentwicklung, sanfte Mobilität, Fragen der sozialen Segregation, Suburbanisierung, Dichte der Stadt etc. von theoretischen Modell bis zu praktischen Beispielen wurde wohl nichts ausgelassen.

Die TeilnehmerInnen eint jedenfalls der Gedanke, dass die Städte der Schlüssel sein werden, wenn es um die Frage des Klimawandels und nachhaltiger Lösungen geht. Oder wie Jaime Lerner, der legendäre Bürgermeister von Curitiba in Brasilien und heutige Innovationsentwickler meinte, the city is the solution, not the problem.

Die Welt wird immer stärker von Städten geprägt. Der Anteil an Menschen, die in Städten leben, nimmt rasant zu. 80% der Treibhausgasemissionen erfolgen in Städten. Zugleich ermöglicht die Dichte des Raumes und damit auch die Dichte des Akteursnetzwerks die raschere Implementierung von Lösungen und neuen Modellen als z.B. in zersiedelten Regionen. Denken wir nur an den zentralen Bereich Mobiltät.

Das schöne an der Konferenz war es auch zu sehen, dass nahezu alle Städte weitgehend ähnliche strukturelle Probleme haben: Schnelles Wachstum, Suburbanisierung, Wasserversorgung, Luftqualität, und natürlich auch unterschiedliche Lebensstilfragen. D.h. nämlich auch, dass wir unglaublich viel voneinander lernen können. Dies zu wollen ist ua. Teil der politischen Kultur eines Lebensraumes, denn es heißt offen sein für Neues, Anderes und möglicherweise auch Fehler einzugestehen. Naja, an dieser Kultur gibt es in unseren Breiten einiges zu arbeiten.

More to come…