Wahlwetten – Trends aus drei Wochen Betmonitoring

26 09 2008

Rund drei Wochen hab ich mir nun nahezu jeden Tag die Quoten der einzelnen Wettanbieter in Österreich angesehen, um einen Stimmungsbarometer aus Sicht der Buchmacher zu erhalten. Nicht, dass dies treffsicherer ist als Umfragen; jedoch fliessen Eindrücke aus Konfrontationen, Berichterstattung etc. teilweise stärker ein. Meines Erachtens ist dies ähnlich zu den Wettbörsen. Und gar nicht uninteressant. Seit meinem ersten Eintrag dazu hat sich doch einiges getan – nicht nur in der Qualität der Excel Graphiken 😉

Zeit also für ein kurzes Resumée.

The rise of SPÖ and fall of ÖVP

Das ist doch sehr eindeutig. Jedenfalls klarer als bei den Umfragen. Auch in den letzten Tagen wurde nochmals der Trends verstärkt, dass die SPÖ nun klarer Favorit ist, stimmenstärkste Partei zu werden. Die ÖVP ist zum Außenseiter geworden. Verstärkt hat dies eindeutig die Performance von Wilhelm Molterer bei den TV-Konfrontationen. Dieser Trend ist bei allen Wettbüros gleich; auch wenn die Quoten Unterschiede aufweisen.

Unterschiedliche Einschätzung Wahlbeteiligung

Diese Wette ist in den vergangenen Tagen bei bet-at-home und schon länger bei Bwin hinzugekommen. Interessant, dass die Einschätzungen doch sehr variieren. Während bei bet-at-home die Quoten massiv zurecht gestutzt wurden, im Sinne die Wahlbeteiligung wird unter 80% liegen (hier kann man nur unter bzw. über 80% wetten), ist bei bwin die Quote auf “über 80%” gesunken. Jedoch auf deutlich höherem Niveau. Hier muss man jedoch genauer setzen, da vier Intervalle angeboten werden. Meines Erachtens war bet-at-home zu Beginn doch zu optimistisch, was die Wahlbeteiligung betrifft.

Der Absturz des nunmehrigen Außenseiter Fritz Dinkhauser…

Wer weiß, vielleicht täuschen sich ja alle und die Liste Fritz sorgt für eine Überraschung. Vorstellen kann ich mir das aber nicht. Dinkhauser´s Kurve ist eindeutig. Wurde vor drei Wochen noch mit seinem Einzug spekuliert, ists er jetzt totaler Außenseiter. Und zwar bei allen Wettbüros. Das hat wohl nicht nur mit seiner geringen Präsenz rund um die TV-Konfrontationen sein.

… und der Aufstieg von Jörg Haider

Aus Sicht der Buchmacher ist der Wahlkampf von Jörg Haiders BZÖ gut gelaufen. Die Quoten haben sich im Verlauf der vergangenen Wochen enorm entwickelt. Die Meßgrößen wurden immer wieder adaptiert. War zu Beginn noch die Frage, ob das BZÖ 5% erreicht, muss man jetzt teilweise auf 9% over/under wetten. Bei Admiral z.b. konnte man am am 7.9. noch setzen, dass das BZÖ bei einer Quote von 1:1,95 über  6,9% kommt; mittlerweile gibt es eine ausgeglichene Quote von 1:1,8, dafür dass es 8,9% erreicht,

Die 5% Wette gibt es noch bei bet-at-home, ist jedoch unattraktiv, da man für das Überschreiten der Grenze nur 1:1,2 erhält. Sollte das BZÖ drunter bleiben, gibts 1:3,6 (am 7.9. waren es noch 1:2,7)


Weniger Bewegung bei FPÖ und Grün

Wenig Bewegung gab es hingegen bei den Grünen, wo es nur marginale Änderungen der weitgehend ausgeglichenen Quoten zwischen 1,8 und 1,9 dafür gab es, dass die Grünen 11% (Admiral) oder 12% unter- oder überschreiten (bwin und bet-at-home). Die FPÖ wird zwischen 18 und 19% gewettet. Auch hier weniger Verschiebungen in den letzten Wochen.

Ach, schwankend Lif

Das Liberale Forum war ein wenig flatterhaft aus Sicht der Buchmacher. Die Affäre und um mittlerweile ex-Vorsitzenden Alexander Zach hat sich doch ausgewirkt in der EInschätzung der Wettbüros. Über einen längeren Zeitraum betrachtet werden die Chances des Lif als intakt gesehen; jedoch wie gesagt mit einem Dämpfer gegen Ende.

Aja, und falls wer Außenseiter-Wetten mag: Wer darauf setzt, dass Wolfang Schüssel nochmals Kanzler wird, kriegt für 10,- Eur 300,- retour. Da kann man fast schon auf Alfred Gusenbauer setzen. Der hat eine Quote von 1:200 bei bet-at-home 🙂

Alle Quotenangaben ohne Gewähr. Die aktuellen Quoten sind auf den Websites von Admiral, Bwin und Bet-at-home zu finden.

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Der Parlamentsmarathon am Schirm – eine Würdigung und mehr

25 09 2008

Die gestrige Sitzung des Nationalrates brachte nicht nur interessante Mehrheiten, Beschlüsse und Emotionen, sondern auch die Medienbeobachtung regt zum Nachdenken an.

Ich kann mich nicht erinnern, dass so viele Menschen eine Plenardebatte bis spät in die Nacht verfolgt haben. Nämlich einerseits im Fernsehen, andererseits Online. Am Nachmittag sahenlaut ORF-Quotenangaben mehr Menschen die Nationalratsdebatte (um 13:11 waren es 179.000) als im besser gelegenen Vorabendprogramm Sendungen wie “Scrubs und die Anfänger” (135000) oder der Straßenfeger “Anna und die Liebe” (118.000). Die Zahlen von TW  1 liegen mir nicht vor, aber rein subjektiv haben gar nicht wenige auch am späten Abend noch die Debatte verfolgt.

Klar, es ist Wahlkampf und daher spannender.

Das eigentliche Highlight spielte sich jedoch woanders ab. Der Standard Online ist wieder mal seinem Ruf als eines der besten Online Medien gerecht geworden. Zumindest was die Live-Coverage betrifft. Mehrere RedakteurInnen verfolgten gestern die Debatte teils im Saal, teils vor dem Schirm und begleiteten die Geschehnisse auf kompetente und witzige Art. Fakten zur Sitzung, Stimmungen, Beobachtungen, Erlebnisse in der Kantine und insbesondere die Interaktion mit Usern waren Teil der Show. 6.000 Postings ist absolut rekordverdächtig. Erfreulich dabei: Der Anteil an destruktiv-dummen Postings und überraschenderweise auch an klassischen Parteikampfpostern hielt sich in Grenzen.

Ob die “Lange Nacht des Parlaments” (c Martin Putschögl, standard.at) tatsächlich eine Sternstunde des Parlaments war, darüber lässt sich streiten. Das Husch-Pfusch und Populismus Argument lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Aber dennoch kann man viel mitnehmen:

  1. Klar, ohne neue parlamentarische Kultur wird alles schwierig. Das polit-kulturelle Merkmal, dass die Regierung alles determiniert und keine freien Mehrheiten möglich sind, muss – auch von einer Mehrheitsregierung – aufgebrochen werden. Weg mit der übertriebenen Koalitionsdisziplin. Die führt nur in den Frust. Wir brauchen Diskurs, Widerspruch, gepflegten Konlikt und dennoch konkretes politisches Handeln. Mal zu scheitern, muss erlaubt sein. Auch im Parlament. Auch in der Öffentlichkeit.
  2. TW 1 könnte österreichischer Parlamentssender werden. Die Auto-, Kultur-, Tourismus und Sportsendungen sollen schon weiterlaufen. Aber während Parlamentssessions sollte TW 1 live dabei sein. Immer! Das erscheint mir fast sinnvoller als die kurzen Übertragungen bei Dringlichen bzw. Sondersitzungen auf ORF 2. Denn da streiten sich alle peinlicher Weise um die Rede- und Sendezeiten udn lassen pursten Populismus nur für die Kamera vom Stapel. Wie Hans Peter Lehofer erläutert, gibt es hier durchaus rechtliche Diskrepanzen mit dem Auftrag von TW1. Die Verschränkung ist  nicht unheikel. Da braucht es wohl eine saubere Lösung. Aber man sollte das ernsthaft andenken.
  3. Dass Parlament spannend sein kann, haben die Sitzung und der Standard Online bewiesen. Die enorme Beteiligung kann ein Impuls sein, dieses Format weiterzuentwickeln. Der Live Online Journalismus bietet durch Tempo & Interaktionsmöglichkeit definitiv Mehrwert  in der politischen Auseinandersetzung. Doch auch hier gilt: wenn die herkömmlichen Akteure des politischen Geschehens (= die Parteien) das Forum  nur als Schlachtfeld verstehen, wo es ausschließlich darum geht,  die aktuellen Sager durchzubringen, ist´s vorbei mit der Attraktivität.

Und hier mein Lieblings-Maschekvideo aus dem Hohen Haus, das ich hin und wieder auch in Seminaren zeige. Ich schaff es immer noch nicht, beim Zusehen ruhig zu bleiben.





„Politik im TV“ zum Abgewöhnen – erste Rückschlüsse

24 09 2008

Wenn man mit Politikkommunikation zu tun hat – sei es beruflich oder aus Berufung – ist man einiges gewohnt in Österreich. Aber das gestrige TV Duell Molterer-Faymann (Kanzlerduell???) war ein Sinnbild dafür, wie sehr der politische Diskurs in Österreich am Boden grundelt. Schlicht: Politik zum Abgewöhnen.

Man sieht dieser niveaulosen Schlammschlacht zu und denkt sich, ok kriegt der Strache halt doch 20%. Ich weiß, ein Widerspruch zu meinem letzten Beitrag, wo ich den Grünen noch eine Chance zurechne, deutlich zuzulegen und damit das Rennen um Platz 3 nicht aufzugeben. Nur zur Präzision: Ich schrieb über ihre Chance. Nicht davon, dass die Grünen jedenfalls gewinnen werden.


Aber zurück zu den Medien. Christoph Chorherr hatte ja kürzlich das interessante Gespräch mit Florian Klenk im Videoblog. Wichtige Punkte wurden da angesprochen.

Und ich erlaube mir, (nicht nur) nach dem gestrigen TV Duell ein paar erste Rückschlüsse zum Thema „Politik im TV“:

  1. Alarmglocken: Der politische Diskurs ist in Österreich in verheerendem, alarmierendem Zustand. Schuld daran sind die handelnden Akteure, also Politiker und Medien und strukturelle Defizite der Medienlandschaft. Es ist dringend an der Zeit, aus dieser Spirale im auszubrechen und darüber öffentlich zu diskutieren.
  2. ORF – no more of the same: Der ORF braucht nach der Wahl eine äußerst kritische Reflexion seiner Diskussionsformate. More of the same, geht nimmer. Es braucht da keine Adaption, sondern eine Revolution. Es wird so viele in neue Unterhaltungsformate investiert – genau das braucht´s auch in den politischen Diskussionssendungen. Ob die Sonntag abend Sendung „im Zentrum“, „Offen Gesagt“, „In Form“ oder „Statt Inhalt“ heißt, ist egal. Es ist immer das gleiche Format und das gehört geändert; und neue entwickelt. Internationale Beispiele muss es ja genug geben.
  3. Privat-TV als Chance? Die Privat-TV-Sender nehmen hoffentlich aus dem Wahlkampf mit, dass Politik ein Quotenbringer sein kann. Sowohl PULS 4 wie auch ATV hatten die höchsten Einschaltquoten ever. Das PULS 4 Format war übrigens überraschend gut. Vielleicht entwickeln sich ja die Privat-TV Sender endlich als Innovatoren?
  4. Mehr Akteure: Warum diskutieren – auch in Nicht-Wahlkampfzeiten – eigentlich immer VertreterInnen der Parteien und meist die gleichen ExpertInnen (von denen einige schon ok sind)? Is Austria too small for more communicators? Was ist mit der Zivilgesellschaft (da gibt´s auch mehr als Attac und Greenpeace)?
  5. Steigende Bedeutung Webdiskurs: Der aktuelle Peak in der politischen Web 2.0. Kommunikation darf nach der Wahl nicht wieder stark abfallen, sondern muss weiter gehen. Je mehr Akteure und Beteiligung, desto mehr wird auch Crossmedia passieren. Ideen, Diskussionen aus dem Webdiskurs werden zunehmend von anderen Medien aufgegriffen werden. Und das heißt nicht nur Frage-Antwort über Youtube Videos einsenden zu können, sondern den inhaltlichen Diskurs in der Substanz aufzugreifen. Das ist ja einer der Gründe, warum in den USA Web 2.0. politisch ernster genommen wird. Es gibt höhere Reichweite bei Meinungsbildern und mehr Rückwirkung auf andere Träger der öffentlichen Kommunikation ein. (Der noch wichtigere Grund ist die enorme Fähigkeit von Web als Organisatonsinstrument)
  6. Gefahr Mehrheitswahlrecht: Die Diskussion über den Zustand der Demokratie in Österreich wird nach der Wahl kommen. Doch Vorsicht: die Gefahr ist groß, dass sie primär genutzt wird, das Mehrheitswahlrecht zu lancieren. Nicht nur, dass ich inhaltlich davon nichts halte, sondern insbesondere vor dem Hintergrund der Krise des politischen Diskurses in Österreich wäre es falsch, genau hier anzusetzen. Ein Mehrheitswahlrecht würde erst recht die Vielfalt der Akteure reduzieren und eine Fokussierung auf den Boulevard und die absolute Mehrheitsfrage bewirken. Es geht wie immer um die politische Kultur im Land. Und die verändert auch ein Mehrheitswahlrecht keineswegs zum Besseren.

Die Liste kann freilich stark erweitert werden…





Warum die Grünen noch eine Chance haben…

22 09 2008

In vielen Gesprächen und Kommentaren hört und liest man derzeit, dass die Chancen der Grünen schwinden, bei der kommenden Nationalratswahl zuzulegen. Platz 3 wird ihnen nicht mehr zugetraut. Auch die Umfragen sehen die FPÖ weit vor den GRÜNEN.

Ich glaube, dass die GRÜNEN sehr wohl noch Chancen auf einen Erfolg haben. 3 Gründe und ein Bild dafür:

1. Das Parteienspektrum: Die meisten fischen im anderen Teich

Die Grundthese, die ich schon in den letzten Beiträgen zur Wahl kurz angesprochen habe, lautet, dass sich nahezu alle Parteien um die potentiellen FP-WählerInnen kümmern wollen.

  • Die SPÖ, indem sie die Krone Achse geschmiedet hat, seitdem intensiv pflegt und ihre EU-Position entsprechend angepasst hat.
  • Die ÖVP, die seit 2002 glaubt, ohne FP-PotentialwählerInnen keine Wahlen gewinnen zu können, daher wird Deutschkurse vor Zuwanderung plakatiert etc.
  • Das mit Haider als Spitzenkandidat stärker werdende BZÖ, das ohnehin auf diese WählerInnen abzielt.
  • Und natürlich die Strache-FPÖ selbst.

Es gibt natürlich viele WählerInnensegmente, aber ganz grob kann man sie als Abgrenzung in zwei Bereiche differenzieren.

  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die FPÖ zu wählen (FP-Potential), und
  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen (Grün-Potential)

Hier gibt es nahezu keine Überschneidungen. So schaut derzeit meines Erachtens der Wahlkampf aus:

(Anklicken zum vergrößern; vielen Dank an Jutta für die Illustration)

Klar, alle Parteien haben in unterschiedlichem Ausmaß StammwählerInnen (insb. SPÖ und ÖVP), nach denen man nicht extra fischen muss (die aber dennoch mobilisiert werden müssen)

Da sich SPÖ und ÖVP auf den rechten Teich konzentrieren, müsste sich für die Angler im bildbezogen linken Teich mehr Möglichkeiten für den Stimmenfang bieten. Denn auf die Köder für rechts beißen die Fische im anderen Teich meist nicht an – ganz im Gegenteil. Und ob die Botschaften derart differenziert werden können? Da hab ich meine Zweifel.

2. Der verunsicherte Wähler und die Wahlbeteiligung

These 2 ist, dass viele WählerInnen maximal verunsichert sind. Der Grad der Unentschlossenen ist hoch wie selten zuvor. Und viele Menschen sind ang´fressen auf die Politik – und gehen vielleicht gar nicht zur Wahl. Genau deshalb entscheidet die Mobilisierungsfähigkeit der Parteien.

Generell gilt: Je geringer die Wahlbeteiligung, desto höher der Anteil der GRÜNEN und Liberalen am Stimmenanteil, da deren WählerInnenschaft tendentiell eher schon zu einer Wahl geht als das klassisch rot-blaue Soziomilieu.

Demokratiepolitisch ist das zwar nicht gut, aber meines Erachtens gibt es da eine Korrelation.

3. Platz 1 dürfte entschieden sein.

Nicht nur bei den Wettquoten wird klar. Wenn es nicht noch ein großes Momentum für die ÖVP gibt, in dem sich die Stimmung dreht, wird die SPÖ Erster. Es könnte sich daher die Richtungsentscheidung auf Platz 3 konzentrieren. Und da kämpfen Grüne gegen Blaue.  Bei der letzten Wahl war das ein entscheidendes Mobilisierungsargument für grüne WählerInnen. Meist leiden die GRÜNEN darunter, dass sie im Rennen um Platz 1 nicht mehr vorkommen. Es entscheiden die kommenden Tage, welches Rennen wichtiger ist.

Klar, möglicherweise liegt das alles völlig daneben. Denn letztlich wird entscheiden, wer zur Wahl hingeht. Aber genau aus diesem Grund seh ich die aktuellen Umfragewerte mit Skepsis. Mehr als allgemeiner Trend ist da nicht rauszulesen. Und wie sagte Josef Broukal schon einmal bei einer Hochrechnung: Meine Damen und Herren, eines kann ich jetzt schon sagen, es bleibt kein Stein auf dem anderen…





Wettquoten: kein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 1

21 09 2008

Wieder ein kurzes Update in der Entwicklung der Wettquoten; insgesamt hat´s in den letzten Tagen wenig Bewegung gegeben – ähnlich den Umfragen (die jedoch zb bei der FPÖ signfikante Unterschieden aufweisen – siehe ORF Übersicht oder neuwal.com)

Auch wenn sich ÖVP und SPÖ nun darum bemühen, das Rennen um Platz 1 und damit den Kanzler zuzuspitzen, aus Sicht der Wettbüros (und auch meiner persönlicher) ist dieses Rennen nicht knapp, sondern weitgehend entschieden. Bzw. aus Wettsicht gibt es einen klaren Favoriten.

Die Quoten sind damit eindeutiger als die Umfragen, und das entspricht auch der Stimmung im Land. Die SPÖ liegt deutlich vorne. Ihre Quoten auf “stimmenstärkste Partei” sind folglich weiter gesunken. Jene der ÖVP gestiegen – von einem knappen Rennen kann hier nicht mehr die Rede sein.

Lustig übrigens auch, dass man auf die Koalitionsvarianten setzen kann. Bet-at-home hat das schon länger im Angebot. Klar, dass die große Koalition Favorit ist. Bei bwin kann man seit einigen Tagen ebenso auf die Koalitionsform setzen; hier werden aber nur Varianten ohne BZÖ, Liberale und GRÜNEN angeboten. Dafür gibts die Kategorie “Jede andere Variante”. (also auch Minderheitsregierung, Dreierkoalitionen etc.). Die Quote vor drei Tagen lag bei enorm attraktiven 1:14! Und wurde tagsdarauf auf 1:6 runtergeschraubt 😉

Erstaunlich auch, dass es bei Admiral eine Quote von 1:1,8 gibt, wenn die ÖVP über 25,999% der Stimmen erreicht. Vor zwei Wochen gab´s diese Quote bei der ÖVP noch für ein Ergebnis über 27,999%.

Attraktiv auch die Quote von 1:1,8 dafür, dass die Grünen über 11% kommen (ebenso bei Admiral). Bei Bwin und bet-at-home gibt´s die ausgeglichene Quote dafür dass sie über/unter 12% kommen.





Jenseits der Grenze…Krone Campaigning im Wahlkampf

20 09 2008

Natürlich, jeder weiß es.

Und diesmal wird sogar oft darüber berichtet. Die Kronen Zeitung positioniert sich sehr eindeutig in diesem Wahlkampf als aktiver Part. Sie versucht auf Meinungsbildung von WählerInnen und LeserInnen massiv Einfluss zu nehmen. Ausgehend von der Kampagne gegen den EU-Vertrag hat die Krone nach der Repositionierung der SPÖ durch den Brief an den Herausgeber auch im Rahmen des Wahlkampfes Partei ergriffen.

Die allseits vorhandene subjektive Beobachtung, dass die Berichterstattung sehr wertend ist, wollte ich genauer erheben. Im Rahmen einer einfachen Inhaltsanalyse werden nun seit einigen Wochen – gemeinsam mit Politikwissenschaftstudentin Brigitte Naderer – die Artikel und Kommentare in mehreren Medien laufend analysiert. Dies ist keine umfassende Textanalyse, sondern lediglich eine Zusammenschau, wie viele Artikel, Kommentare und Titel mit wertendem Charakter im Sinne einer Partei oder gegen sie erschienen sind.

Heute mal ein Blick auf die Krone. Eh klar, wird jeder sagen. Das Ergebnis zeigt, die Krone macht kontinuierlich Stimmung. In Kommentaren, Artikeln, Titeln. Die Kontinuität ist dabei ein wichtiger Faktor. Sie zeigt, dass die Wertung in der Berichterstattung nicht auf einen einzelnen Anlaß reduziert werden kann, sondern fortlaufend erfolgt. Anzumerken ist hierbei, dass nicht allein Kommentare, die ja Raum für Stellungnahme bieten sollen, wertend eingesetz werden, sondern auch die Berichterstattung selbst klare Position oder zumindest Tonalität haben.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung und Kommentierung liegt bei den Großparteien. Schon frühzeitig wurden im Wahlkampf Präferenzen für die SPÖ und gegen die ÖVP sichtbar. Auch Wolf Martins Lobgesänge auf Werner Faymann fallen hier ins Gewicht.

Die Politikberichterstattung wird aggressiver. Die SPÖ-Linie wird weiter unterstützt. Skepsis und Häme ernten ÖVP; aber auch Grüne wg. des Einsatzes für die inhaftierten Tierschützer (Kandidatur Balluch) und das Liberale Forum.

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Der Trend bleibt; die Grünen kriegen noch mehr ab. Interessanterweise werden die Kleinparteien entweder ignoriert oder kaum wertend betrachtet – überraschend im Fall Dinkhauser und Rettö, die für die Kandidatur noch unterstützt wurden.

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Ich denke, dass ein derart massives Campaigning der größten Tageszeitung des Landes nicht ohne Folgen im von SP, BZÖ, FPÖ und VP umbuhlten WählerInnensegment bleibt, vor allem da die SPÖ mit Werner Faymann einen Kandidaten hat, der offensichtlich sehr boulevard-affin und auch -kompatibel ist. Das hatte die SP viele Jahre nicht.   Warum die ÖVP dennoch versucht, primär dieses gleiche Segment mit ihrer inhaltlichen Linie anzusprechen, wird mir zumindest bis 28.September ein Rätsel bleiben.

Weitere Auswertungen (auch anderer Zeitungen) folgen in den nächsten Tagen…





Was ich ja gar nicht versteh – Verzicht auf Kinowerbung?

19 09 2008

Also, vielleicht war ich in letzter Zeit zu selten im Kino  – oder auch in den falschen Kinos? Aber wo blieben die Spots der wahlwerbenden Parteien?

Den von den Grünen, ja, den hab ich gesehen. Sympathisch, bissl Lifestyle, Van der Bellen (dass die Leute dort einen Bart haben, hab ich erst später kapiert, aber gut). Sogar Robert Misik lobt ihn.

Ein persönliches Gespräch mit Cinecom Geschäftsführer Christof Federle bestätigt mir, dass es offenbar keine Spots der anderen Parteien gibt, die derzeit geschalten werden. Was mich ja doch wundert.

Auf der anderen Seite:

Wer – so wie ich berufsbedingt und/oder leidenschaftlich – die täglichen Zeitungen verfolgt, sieht sofort: die werden zugepickt mit Inseraten insbesondere von SPÖ, FPÖ (Schwerpunkt Krone – ganzseitig), BZÖ (Schwerpunkt “Österreich”), ÖVP.  Auch, aber in Maßen von Liberal und Grün. Irgendwelche “Werbeexperten” bewerten derzeit in fast jedem Blatt, wie gut oder schlecht die Plakate sind. Die einzige Einigkeit besteht in der Kritik an der ersten Plakatwelle der ÖVP, wo es um so viel Kleingedrucktes geht. Sonst wird alles unterschiedlich interpretiert.

Aber hallo: welches Werbemedium erringt die höchte Aufmerksamkeit beim Rezipienten? die Kinowerbung! Irgendwie freut man sich ja sogar drauf, gut gemachte, kreative Spots im Kino zu sehen  – im Gegensatz zum TV-Spot.

Klar, die Reichwerte ist geringer, aber offenbar gilt für die meisten Parteien: Quantität vor Qualität, sonst würde wohl jede Partei auf Kinowerbung setzen. Kino und auch ihre Werbung ist Emotion, Spaß, Spannung, Konzentration und bei politischen Akteuren – wenn´s noch irgendwie geht – Botschaft/Inhalt. Genau das sollte auch Wahlkampf sein.

Dass darauf verzichtet wird und anstatt dessen auf die Klassiker Printinserat, Plakat und ok, diesmal auch mehr Web, investiert wird, versteh ich einfach nicht.

Ps. sollte mir ein Spot einer Partei entgangen sind, bitte um Information. Klarerweise berücksichtige ich das dann gerne in meiner Meinungsbildung…und auf guensblog.