Jenseits der Grenze…Krone Campaigning im Wahlkampf

20 09 2008

Natürlich, jeder weiß es.

Und diesmal wird sogar oft darüber berichtet. Die Kronen Zeitung positioniert sich sehr eindeutig in diesem Wahlkampf als aktiver Part. Sie versucht auf Meinungsbildung von WählerInnen und LeserInnen massiv Einfluss zu nehmen. Ausgehend von der Kampagne gegen den EU-Vertrag hat die Krone nach der Repositionierung der SPÖ durch den Brief an den Herausgeber auch im Rahmen des Wahlkampfes Partei ergriffen.

Die allseits vorhandene subjektive Beobachtung, dass die Berichterstattung sehr wertend ist, wollte ich genauer erheben. Im Rahmen einer einfachen Inhaltsanalyse werden nun seit einigen Wochen – gemeinsam mit Politikwissenschaftstudentin Brigitte Naderer – die Artikel und Kommentare in mehreren Medien laufend analysiert. Dies ist keine umfassende Textanalyse, sondern lediglich eine Zusammenschau, wie viele Artikel, Kommentare und Titel mit wertendem Charakter im Sinne einer Partei oder gegen sie erschienen sind.

Heute mal ein Blick auf die Krone. Eh klar, wird jeder sagen. Das Ergebnis zeigt, die Krone macht kontinuierlich Stimmung. In Kommentaren, Artikeln, Titeln. Die Kontinuität ist dabei ein wichtiger Faktor. Sie zeigt, dass die Wertung in der Berichterstattung nicht auf einen einzelnen Anlaß reduziert werden kann, sondern fortlaufend erfolgt. Anzumerken ist hierbei, dass nicht allein Kommentare, die ja Raum für Stellungnahme bieten sollen, wertend eingesetz werden, sondern auch die Berichterstattung selbst klare Position oder zumindest Tonalität haben.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung und Kommentierung liegt bei den Großparteien. Schon frühzeitig wurden im Wahlkampf Präferenzen für die SPÖ und gegen die ÖVP sichtbar. Auch Wolf Martins Lobgesänge auf Werner Faymann fallen hier ins Gewicht.

Die Politikberichterstattung wird aggressiver. Die SPÖ-Linie wird weiter unterstützt. Skepsis und Häme ernten ÖVP; aber auch Grüne wg. des Einsatzes für die inhaftierten Tierschützer (Kandidatur Balluch) und das Liberale Forum.

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Der Trend bleibt; die Grünen kriegen noch mehr ab. Interessanterweise werden die Kleinparteien entweder ignoriert oder kaum wertend betrachtet – überraschend im Fall Dinkhauser und Rettö, die für die Kandidatur noch unterstützt wurden.

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Ich denke, dass ein derart massives Campaigning der größten Tageszeitung des Landes nicht ohne Folgen im von SP, BZÖ, FPÖ und VP umbuhlten WählerInnensegment bleibt, vor allem da die SPÖ mit Werner Faymann einen Kandidaten hat, der offensichtlich sehr boulevard-affin und auch -kompatibel ist. Das hatte die SP viele Jahre nicht.   Warum die ÖVP dennoch versucht, primär dieses gleiche Segment mit ihrer inhaltlichen Linie anzusprechen, wird mir zumindest bis 28.September ein Rätsel bleiben.

Weitere Auswertungen (auch anderer Zeitungen) folgen in den nächsten Tagen…


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