Warum die Grünen noch eine Chance haben…

22 09 2008

In vielen Gesprächen und Kommentaren hört und liest man derzeit, dass die Chancen der Grünen schwinden, bei der kommenden Nationalratswahl zuzulegen. Platz 3 wird ihnen nicht mehr zugetraut. Auch die Umfragen sehen die FPÖ weit vor den GRÜNEN.

Ich glaube, dass die GRÜNEN sehr wohl noch Chancen auf einen Erfolg haben. 3 Gründe und ein Bild dafür:

1. Das Parteienspektrum: Die meisten fischen im anderen Teich

Die Grundthese, die ich schon in den letzten Beiträgen zur Wahl kurz angesprochen habe, lautet, dass sich nahezu alle Parteien um die potentiellen FP-WählerInnen kümmern wollen.

  • Die SPÖ, indem sie die Krone Achse geschmiedet hat, seitdem intensiv pflegt und ihre EU-Position entsprechend angepasst hat.
  • Die ÖVP, die seit 2002 glaubt, ohne FP-PotentialwählerInnen keine Wahlen gewinnen zu können, daher wird Deutschkurse vor Zuwanderung plakatiert etc.
  • Das mit Haider als Spitzenkandidat stärker werdende BZÖ, das ohnehin auf diese WählerInnen abzielt.
  • Und natürlich die Strache-FPÖ selbst.

Es gibt natürlich viele WählerInnensegmente, aber ganz grob kann man sie als Abgrenzung in zwei Bereiche differenzieren.

  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die FPÖ zu wählen (FP-Potential), und
  • WählerInnen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen (Grün-Potential)

Hier gibt es nahezu keine Überschneidungen. So schaut derzeit meines Erachtens der Wahlkampf aus:

(Anklicken zum vergrößern; vielen Dank an Jutta für die Illustration)

Klar, alle Parteien haben in unterschiedlichem Ausmaß StammwählerInnen (insb. SPÖ und ÖVP), nach denen man nicht extra fischen muss (die aber dennoch mobilisiert werden müssen)

Da sich SPÖ und ÖVP auf den rechten Teich konzentrieren, müsste sich für die Angler im bildbezogen linken Teich mehr Möglichkeiten für den Stimmenfang bieten. Denn auf die Köder für rechts beißen die Fische im anderen Teich meist nicht an – ganz im Gegenteil. Und ob die Botschaften derart differenziert werden können? Da hab ich meine Zweifel.

2. Der verunsicherte Wähler und die Wahlbeteiligung

These 2 ist, dass viele WählerInnen maximal verunsichert sind. Der Grad der Unentschlossenen ist hoch wie selten zuvor. Und viele Menschen sind ang´fressen auf die Politik – und gehen vielleicht gar nicht zur Wahl. Genau deshalb entscheidet die Mobilisierungsfähigkeit der Parteien.

Generell gilt: Je geringer die Wahlbeteiligung, desto höher der Anteil der GRÜNEN und Liberalen am Stimmenanteil, da deren WählerInnenschaft tendentiell eher schon zu einer Wahl geht als das klassisch rot-blaue Soziomilieu.

Demokratiepolitisch ist das zwar nicht gut, aber meines Erachtens gibt es da eine Korrelation.

3. Platz 1 dürfte entschieden sein.

Nicht nur bei den Wettquoten wird klar. Wenn es nicht noch ein großes Momentum für die ÖVP gibt, in dem sich die Stimmung dreht, wird die SPÖ Erster. Es könnte sich daher die Richtungsentscheidung auf Platz 3 konzentrieren. Und da kämpfen Grüne gegen Blaue.  Bei der letzten Wahl war das ein entscheidendes Mobilisierungsargument für grüne WählerInnen. Meist leiden die GRÜNEN darunter, dass sie im Rennen um Platz 1 nicht mehr vorkommen. Es entscheiden die kommenden Tage, welches Rennen wichtiger ist.

Klar, möglicherweise liegt das alles völlig daneben. Denn letztlich wird entscheiden, wer zur Wahl hingeht. Aber genau aus diesem Grund seh ich die aktuellen Umfragewerte mit Skepsis. Mehr als allgemeiner Trend ist da nicht rauszulesen. Und wie sagte Josef Broukal schon einmal bei einer Hochrechnung: Meine Damen und Herren, eines kann ich jetzt schon sagen, es bleibt kein Stein auf dem anderen…


Actions

Information

8 responses

22 09 2008
boomerang

Stellt sich nur die Frage, wie groß die einzelnen Seen sind?

22 09 2008
Wird der Kampf um Platz 3 noch spannend? · Helge's Blog

[…] Überlegungen im Günsblog, illustriert von Jutta. Aus meiner Sicht einleuchtend: Das Nichtwählerargument. Viele Nichtwähler […]

22 09 2008
Noch Hoffnung für die Grünen? | Feuerhaken

[…] wie Christoph Chorherr und Helge Fahrnberger konnte heute Georg Guensberg mit dem Artikel “Warum die Grünen noch eine Chance haben…” auf sich ziehen. Darin legt er drei Thesen dar, wieso die Grünen Chancen auf Platz 3 […]

22 09 2008
smime » Blog Archive » Die Überraschungen des Wahlkampfs

[…] Ansichten rittern das einen wesentlichen Stimmenanteil der Grünen ausmacht. Da nützt auch die spannende Betrachtung von Georg Günsberg oder der Feel-Good Fernsehspot mit VdB […]

23 09 2008
MasterOfDesaster

> Aber genau aus diesem Grund seh ich die aktuellen Umfragewerte
> mit Skepsis. Mehr als allgemeiner Trend ist da nicht rauszulesen.

Gehts bei der wahl nicht um den allgemeinen trend? Halt den allgemeinen trend vom 28., und nicht den von gestern, heute oder morgen.

Ich find die spekuliererei ziemlich fuer die Katz. (Auch wenn ich den ganzen Artikel gelesen hab) halt ich das fuer ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Man koennte jeden Aussage in dem Beitrag entraeften und 4 mal umdrehn und es wuerd “genauso plausibel scheinen”.

Fakt ist doch das Arbeit nicht heisst einen Koalitionspackt zu unterzeichen und dann 1-5 Jahre rumzumotzen (zumindest halt ich das eher fuer einen urlaubsbewilligung). Sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden!

Und wenn das mal die Waehler (und Wahlkommentatoren) kapieren, ist es obsolet wer mit wem eine Koalition machen kann und erst recht wer den ersten, zweiten oder den dritten Platz macht.

Aber Hirnwichsen is ne tolle Sache. Zeigt dass es wenigstens noch ein paar Leute gibt die spass daran haben sich ueber die oesterreichische Politik gedanken zu machen.

23 09 2008
guensberg

> Gehts bei der wahl nicht um den allgemeinen trend?
> Halt den allgemeinen trend vom 28., und nicht den von gestern, heute oder morgen.

mit allgemeiner trend meinte ich, dass man anhand umfragen über einen längeren zeitraum gewisse trends beobachten kann, z.b. fpö verliert leicht seit dem das bzö haider als spitzenkandidat, oevp hat einen abwärtstrend, grüne haben leicht verloren seitdem das lif wieder antritt. aber nicht, wie die wahl ausgehen wird.

die umfragen der letzten wahlen sind völlig daneben gelegen, ua. weil sie eben nicht erfasst haben, wer zur wahl geht und wie untentschlossene wählen werden.
interessanter artikel zu umfragen heute in den salzburger nachrichten:
http://www.salzburg.com/nwas/index.php?article=DText/*idvju-rd7-c6_j06edh2fh&img=&text=&mode=&section=suche&channel=service&sort=

ansonsten denke ich, dass wir in vielen punkten halt nicht übereinstimmen; mir ist es eben nicht wurscht, welche partei wie stark in den nationalrat zieht und wer mit wem in österreich eine regierung bildet. also z.b. diejenigen, die mit neonazis in köln gegen moscheen kämpfen (fpö) oder jene, denen der klimawandel und die energiezukunft wurscht sind, oder jene, die halt ähnliche werte und einstellungen haben wie ich,

24 09 2008
„Politik im TV“ zum Abgewöhnen – erste Rückschlüsse « g u e n s b l o g

[…] und denkt sich, ok kriegt der Strache halt doch 20%. Ich weiß, ein Widerspruch zu meinem letzten Beitrag, wo ich den Grünen noch eine Chance zurechne, deutlich zuzulegen und damit das Rennen um Platz 3 […]

24 09 2008
Werden die Grünen Dritte?

[…] Georg Günsberg argumentiert die Grünen Chancen für den dritten Platz. […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s




%d bloggers like this: