Quo vadis Automobilindustrie?

29 10 2008

Die Automobilindustrie ist natürlich einer der ersten betroffenen, “realwirtschaftlichen” Bereiche der Finanzkrise. Der Konsument wird vorsichtiger, Umsätze sinken, Arbeitsplätze wackeln.  Während das Klimaproblem zu keinerlei maßgeblichen Änderung in der Automobilwirtschaft geführt hat, ist nun die Frage, was Energiekrise und Finanzkrise für Folgen mit sich bringen. Es wird wohl nicht änderbar sein, dass es jetzt zu einem Einbruch kommt. Aber möglicherweise kann man die drei Krisen unserer Jetztzeit, also den Kollaps im Finanzsystem (ein Kollaps ist noch nicht das Ende),  die Klimakrise und die Energiekrise nutzen. Auch für die Frage der Subventionen stellt sich die Frage, wohin? Wo lohnt es sich, zu investieren?

Leider hat es die Automobilindustrie nahezu tutto completto verschlafen, in den letzten 10-15 Jahren neue Konzepte der Automobilität zu entwickeln. Ein verheerender Fehler, der nur durch Interessenskonstellationen und Blindheit erklärt werden kann.  Es heißt oft, die Politik denke nie länger als bis zur nächsten Wahl; aber ist es in der “Wirtschaft” wirklich anders?

Aber von der Vergangenheit in die Zukunft – jede Krise ist eine Chance. Und die heißt Innovationsentwicklung, neue Modelle, neue Achsen.

– Innovationsentwicklung: Wie zuletzt berichtet, hatte ich kürzlich die Gelegenheit, in Berlin den Eco-move Kongress zu besuchen. Mittlerweile hat auch der Pariser Autosalon stattgefunden und es zeigt sich der Trend ganz klar: die Big Player entwickeln endlich (wieder!!) Richtung Elektromobilität. Chevrolet Volt, der fesche Nissan Nuvu (hier ein schöner Bericht der Oekonews), Peugeot, Ligier, der Mini E und viele viele mehr – sind Beispiele, dass der Weg zu neuen Antrieben führt. Jene werden neue (Infra-)strukturen brauchen, neue Standards. Sarkozy hat schon 400 Mio EUR für den Infrastrukturausbau in der Elektromobilität angekündigt. Hier sind Investitionen angesagt (und ich weiß – Dilemma: weil Frankreicht Nuklearenergie)

– Neue Modelle: richtigerweise würden Ökologen gleich einwenden, dass das Automobil strukturell ein Problem ist (Stichworte: Grenzen des Wachstums, Ressourcencverbrauch). Ja, daher braucht es neue Mobilitätsmodelle. Von Carsharing, über Verleihstationen über sinnvolle EInbindung in Gesamtverkehrskonzepte. Warum soll das kein Thema für die Branche sein? Der strukturelle Shift wird aber auch mehr als ein paar Jahre dauern.

– Neue Achsen: Automobilindustrie – E-Wirtschaft – Solarwirtschaft. Lange haben die miteinander nix zu tun gehabt. Die Elektromobilität erfordert hier, wenn sie sinnvoll gestaltet ist, neue Kooperationsachsen. Einerseits um neue Innovationen zu ermöglichen, andererseits um zu Standards zu kommen. Die Big Player haben sich ehrlich gesagt nicht als große Öko-Innovatoren ausgezeichnet; vielleicht kommen die Innovationen aber über Kooperationen. Hier gilt es Barrieren abzubauen. In Österreich wird darüber leider kaum diskutiert

Wie am BEWAG Ökocenter Blog richtig erläutert wird, sind in naher Zukunft insbesondere lokale, regionale und städtische Konzepte verheißungsvoll. Denn es wird noch Jahre dauern bis wir standardisierte Infrastruktur zur Verfügung haben.

Aber auch hier gilt es, von aktuellen Fahrzeugen zu z.B. Stadtautos zu kommen, die in Sachen Design, Funktionalität und Effizienz in einer anderen Liga spielen. Der Weg dorthin ist wohl nicht mehr aufzuhalten; aber genau sind jetzt Investitionen in Modelle, Technologie und soziale Innovation als Antwort auf die drei großen Krisen unserer Zeit gefragt.





Neighbor: ‘georgi Always Seemed So Normal’ – viral genial

24 10 2008

Die Obama Kampagne zeigt´s wieder mal. Sehr geniale Viralkampagne.

Nicht ganz neu die Methode, aber super eingesetzt zur Mobilisierung von Obama Anhängern.

Leider hat das embedding nicht geklappt. Hier gehts zum CNNBC-Video.

siehe auch Niko Alm´s Blog,

In diesem Sinne: GOTV (GET OUT THE VOTE)





First things first: Fink in Berlin

19 10 2008

Was für ein Timing. Nicht nur die Last Shadow Puppets spielen ihren einzigen Deutschland Gig grad, wenn ich dort bin, sondern auch Fink is in town. Ebenso eine Seltenheit, denn es ist das erste mal, dass Fink eine Headliner Tour nach Deutschland führt. Und es ist noch dazu sein letztes Konzert heuer. Auch Fink hat´s leider nicht nach Wien verschlagen.

Fink heißt eigentlich Finian Greenall und ist über viele Jahre als DJ bekannt geworden. Mittlerweile hat er zwei Alben herausgebracht. “Distance and Time” ist ganz wunderbar. Ruhige, hervorragend geschriebene Songs irgendwo zwischen Folk, Pop, Songwriter, manchmal auch bluesig, jazzig – getragen jedenfalls von Fink´s großartiger Stimme.

Als regelmäßiger Leser von Doris Knecht bin ich erstmals über ihre Kolumne auf Fink gestoßen. Da ich ihre Zeilen aber nicht nur oft, sondern auch manchmal schnell lese, dachte ich zunächst, das wär irgendein Vorarlberger, mit dem sich Frau Knecht immer wieder zum jassen trifft (geschickt konnte ich jetzt umgehen, ob man “jasst” oder anders schreiben würde, any suggestion?). Dann dachte ich, nachdem ich “This is the thing” gehört hab, wow arg, welche coolen Songwriter mit tollem Englisch Vorarlberg hat. Bis Jutta mich auf das Gesamtwerk von Fink aufmerksam machte und ich feststellen konnte, der ist doch aus Brighton.

Auch ok, er war jedenfalls gestern in Berlin. Samt Bassist und Schlagzeuger, die nebenbei bemerkt noch hervorragende Zweitstimmen sind. Und es war unglaublich gut.

Die Location namens frannz in der Kulturbrauerei ist ebenfalls sehr fein; Sennheiser sponsorte irgendwas bei dem Event; jedenfalls ich war einer von ca 50 der insgesamt ca 200 Besucher, die kein Sennheiser Band um den Hals gewickelt hatten.

Kurzum: die Stimme von Fink ist unglaublich. Schon bei den Aufnahmen kommt das zur Geltung; live aber noch mehr. Er singt tief, weich und kann so rauh werden, dass er an manchen Stellen an den leider viel zu früh im Drogenmix verstorbenen Layne Staley erinnert, dem Sänger der Rockband Alice in Chains, die in der Grungeära der 90er Jahre klasse Alben herausgebracht hat . Klar, anderes Genre, aber stimmlich eine Assoziation des Abends.

Extrem stark die Band von Fink. Drummer Tim Thornton beherrscht das dynamische Spiel mit den Beserln perfect und bringt auch leicht triphoppige Elemente rein; Bassist Guy Whittaker spielt durchaus anspruchsvolle Linien; und Greenall selbst ist ein wirklich passabler Gitarrist. Die Band war bester Laune; das Publikum schwer begeistert. “Trouble is what you´re in” wurde extra für das Berlin Konzert ins Programm genommen und davor noch nie live gespielt.  Eine glänzende Idee. Exzellent auch die Version von Kraftwerk´s “The Model”, die grad als Vinyl Single herausgekommen ist. Die Hits wie This is the thing” waren natürlich auch dabei.

Extrem sympathisch, generell eine coole Socke und trinkfest ist der Mann auch. Immer wieder der Griff zur Rotweinflasche und unter dem Motto “first things first” kräftig einschenken. Der wunderbaren Stimme schadet´s eindeutig nicht.

Große Klasse!





kurz, aber groß: The Last Shadow Puppets in Berlin

18 10 2008

Die beste Art, eine Stadt zu entdecken, ist für mich als Mensch mit hoher musikalischer Affinität, der Besuch von Konzerten. Teil 1 war gestern und das hatte fast was Exklusives: The Last Shadow Puppets bei ihrem einzigen Deutschland Konzert in Berlin (Österreich ist leider nicht am Tourplan – generell ist die Europatournee eher kurz gehalten, abgesehen von England wird in keinem Land mehr als ein Konzert gespielt) Mit dem Album The Age of the Understatement haben sich Arctic Monkeys Sänger Alex Turner und The Rascals Gitarrist Miles Kane für ein Bandprojekt zusammengetan, das heuer gleich für Aufsehen gesorgt hat. Und weitgehend sehr gefiel. Schon das Album besticht durch die Streicher-Arrangements, für die sich wieder ein anderer Szenestar auszeichnet: Owen Pallett, besser bekannt als Final Fantasy.

Also, die Gunst der Stunde genutzt und nix hin wie ins Tempodrome zu einem Abend voller Überraschungen.

Überraschung 1: es kommt doch auf die Größe an

Beim Eingang wird mir leider gleich meine CANON Eos 400d abgeknöpft. Sie wäre zu groß, wird mir gesagt. Ich fragte noch betont freundlich, ob sie als potentieller Wurfgegenstand zu gefährlich wäre, oder ob Fotographieren nicht erlaubt sei, kam die freundliche (wirklich!) Antwort, dass professionelle Kameras nicht erlaubt seien – und die werden durch Größe bestimmt. Na gut, kommt vor.

Überraschung 2: Auf den Sitz(!)platz – fertig – los

Das Tempodrome vermittelt den Charme der Stadthalle in einem Zirkuszelt. Arenahafte Sitzplatzgallerien und erstaunlicherweise Sitzplatzreihen auch in der Mitte.

Der Vorteil: man sieht hervorragend;

der Nachteil: how to move ass?

Überraschung 3: Kommt man 20 Minuten zu spät hat die Vorband schon fertig gespielt.

Tja, mein Fehler (die U1 ist auch nicht gefahren, aber ist ja egal), und ich erspare mir clichéhafte Andeutungen über deutsche Pünktlichkeit und zugleich wiederum nicht, sonst hätt ich diesen Satz jetzt nicht schreiben dürfen.

Überraschung 4: Großes Orchester.

Die zwei 22jährigen Burschn wagen es also tatsächlich, gleich mit Orchester auf Tournee zu gehen.  Mutig, kann man nur sagen. Denn sowas kann gigantisch in die Hosen gehen. Ich mag ja den Einsatz von Streicherensemles in der Popmusik durchaus; ewig in Erinnerung bleibt mir der fantastische Auftritt des 50 Mann/Frau Heritage Orchestra beim Wilsconic in Bratislava 2007. Die Last Shadow Puppets werden auf ihrer ersten richtigen Konzerttour von einem 16-köpfigen Orchester begleitet, zu ihrer Liveband gehört übrigens unter anderem Produzent und Simian Mobile Disco-Mastermind James Ford. Dem Mann sei auch gedankt; der hat Großes geleistet mit den Last Shadow Puppets.

Überraschung 5:  der Sound

Als vor Konzertbeginn das Schlagwerk noch kurz gecheckt wird, ahne ich übles. Nämlich, dass die Halle die Kombination Rockband und Orchester nicht verträgt: Großer Irrtum: der Sound war fantastisch; lediglich die Vocals waren zu Beginn etwas abgehoben, aber auch das wurde wunderbar eingebettet.

Überraschung 6: 22 jährige Rockstars

Wenn denen nix passiert, sind die am Weg zu großen Rockstars. Turner und Kane sind stimmlich absolut top, harmonieren miteinander, dass die Gallagher Brüder blass werden müssen, spielen rockig aber extrem präzise, integrieren Band und Orchester perfekt und haben enormen Spaß dabei.

Ich hatte – auch aufgrund der musikalischen Anlehnungen an die 60er und 70er Jahre und der passenden Anzüge der jungen Herren – das Gefühl, sowas wie die jungen Beatles zu sehen. Aber in der heutigen Zeit angekommen, mit ihrem eigenen Stil. Dass das mit Orchester passt, dachte ich  vorher nicht; war aber ganz großartig.

Beim letzten Stück des eine gute Stunde dauernden Konzerts (mehr ist bei grad einem einzigen Album einfach nicht drin) – Standing Next To Me – tobt die Halle: Nicht fixierte SItzplätze werden ignoriert.

Großer Abend, großes Orchester, tolle Band, und zwei kommende Stars!

Ob es “The Last Shadow Puppets in Berlin – Ich war dabei” T-Shirts entzieht sich meiner Kenntnis. Man will ja nicht auf wichtig machen hier… 😉

Heute abend, Teil 2. endlich die Gelegenheit, Fink zu sehen.





Deutschland plant Energieeffizienz-Gutschein – gut so!

17 10 2008

In nehreren deutschen Tageszeitungen ist heute zu lesen, dass der deutsche Umweltminister Gabriel plant, schon im November einkommensschwachen Haushalten einen Zuschuss von bis zu 150 Euro zu zahlen, damit sie sich stromsparende Kühlschränke anschaffen können. Neben der Süddeutschen (die leider den Bericht online dazu nicht hat), gibt es ua. in FAZ und TAZ Artikel dazu.

Die Idee ist nicht neu, wird aber gerade in Zeiten der Finanzkrise noch wichtiger. Der Ansatz erinnert mich daran, was Christoph Chorherr mal den intelligenten Heizkostenzuschuß genannt hat. Nur, dass es diesmal um stromsparende Geräte geht.

Die Debatte läuft schon länger und wie immer liegt der Hund im Detail. Das Konzept sieht vor, dass es einen Öko-Bonus an die Empfänger von Hartz IV-Leistungen geben soll. Das Umweltministerium will mit sozialen Organisationen, wie etwa der Caritas zusammenarbeiten. Diese will Berater einstellen, die die Haushalte im Energiesparen beraten und nach der Beratung einen Gutschein für den Kauf eines Kühlschranks oder Herdes der höchsten Effizienzklasse (A++) verteilen. Der Bonus von 150 Euro soll die Differenz zwischen einem billigen und einem energieeffizienten Kühlschrank ausgleichen.

Aus meiner Sicht sollte erwogen werden, dieses Modell nicht nur für Kühlschränke gelten zu lassen, sondern auch für andere Haushaltsgeräte der höchsten Energieklasse. Jedenfalls sollte es die Bindung an qualifizierte Energiesparberatung geben. Evtl überlegenswert wäre auch die Ausweitung der Ziel- bzw. Nutzergruppen. Aus mehreren Gründen wirkt das sinnvoll:

  • Man hilft jenen, die sich energieeffiziente Geräte nicht leisten können, ihre Stromkosten zu reduzieren. Das ist viel treffsicher als jede Lebensmittel-Ust Senkung.
  • Die Maßnahme ist konjunkturfördernd, da der Handel dadurch unterstützt wird und jener durch die rezessive Stimmung mit Einbußen konfrontiert sein wird.
  • Energiedienstleistungen wie Effizienzberatung werden dadurch stimuliert; ohne Finanzierungsanreize werden insbesondere einkommensschwache Haushalte nicht auf diese Wissens-Investition setzen. Daher liegen auch hier wichtige, qualifizierte Arbeitsplätze, denn die Finanzkrise wird sehr bald den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen.
  • Der Druck wird erhöht, dass Produzenten noch stärker auf effiziente Geräte setzen. Am besten nicht nur beim Kühlschrank, sondern auch vielen anderen Haushaltsgeräten.

Zeit, dass auch in Österreich derartige, öko-soziale Maßnahmen lanciert werden.





eco-move berlin: was bewegt uns morgen?

16 10 2008

Ja klar, die Finanzkrise zieht berechtigerweise die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Notfallspakete für angeschlagene Banken sind zentrale Schritte gewesen. (wer weiß, vielleicht tragen sie ja auch noch zur Identitätsstiftung Europas bei? internationale Krisen brauchen Kooperationsstrukturen – vielleicht begreifen das auch die Europaskeptiker)

Dadurch werden jedoch auch die anderen großen Krisen unserer Zeit ein wenig verdrängt: z.B. die Energiekrise und der Klimawandel.

Daher Szenenwechsel: Ich bin derzeit in Berlin und nehme ua. am eco-move Kongress (samt Ausstellung) teil, der sich mit Zukunftskonzepten und aktuellen Entwicklungen der Mobilität auseinandersetzt und vom Bundesverband Solare Mobilität veranstaltet wird. Das Motto lautet  “Was bewegt uns morgen?” Im Fokus: die Elektro-Mobilität.

Wer sich mit der Energiefrage länger auseinander setzt, weiß, dass das Elektroauto schon vor ca. zwanzig Jahren großes Thema war. Insbesondere Kalifornien galt als Vorreiter bei emissionsarmen Fahrzeugen – bedingt durch den Clean Air Act und teils rigorosen Maßnahmen und Quoten für emissionsfreie Vehikel. Leider kam es dann durch massives Lobbying der Auto- und Fossilindustrien und – wie ich einschätzen würde – einen generellen politischen Backlash für Ökothemen in der Reagan-Ära zu Rückschritten und einem Einfrieren vieler innovativer Entwicklungen.  Meine Aufenthalte in Kalifornien haben mir das immer wieder gezeigt. Im Elektrobereich hat letztlich aber die Automobilindustrie weltweit viele Pläne auf Eis gelegt.

Werner Zittel, einer der renommiertesten Peak Oil Experten im deutschsprachigen Raum, erläutert im Rahmen von eco-move, dass man sich nicht täuschen lassen darf vom derzeit aktuell gefallenen Ölpreis. Denn erstens liegt der Ölpreis immer noch auf deutlichem höheren Niveau als vor 2-3 Jahren (und all die Jahrzehnte davor). Und der Anstieg um 100% zwischen Juni 2007 und Juni 2008 auf rund 140$ pro Faß ist nicht nur auf eine Spekulationsblase zurückzuführen. Der explodierende Ölpreis blieb übrigens nicht ohne Folgen. So ist der Ölverbrauch der USA 2008 bislang um 10% geringer als im Vorjahr. Zittel meint zu Recht, dass man erstmals die Vorläufer und Folgen des weltweiten Ölfördermaximums spürt, das knapp bevor steht.  Manche meinen, wir hatten schon Peak Oil; andere sagen, er würde erst kommen. Am strukturellen Problem und dem notwendigen strukturellen Wandel ändert das nichts.

Der Mobilitätsbereich ist dabei einer der vielen Schlüssel (für ein Mehrfachschloß namens Energiewende). Und ehrlich gesagt, die strukturellen Schwierigkeiten, die wir aufgrund der Abhängigkeit vom Automobil haben, werden nicht so schnell zu lösen sein. Dafür haben sich unsere Siedlungsräume zu wenig nachhaltig entwickelt (Stichwort Zersiedelung). Die Frage, wie das Auto der Zukunft aussieht, ist daher essentiell. In einigen Bereichen wie Elektrofahrrädern oder Scootern gibt es derzeit schon marktnahe und -taugliche Modelle; beim Auto selbst schaut die Sache noch diffiziler aus.

Ich werde in den kommenden Tagen einige meiner Eindrücke der Konferenz bloggen, hier eine erste ZUsammenfassung:

  • Die Zeit, wo die großen Autoproduzenten Elektromobilität ignorieren konnten, sind vorbei. Dahezu alle Big Player investieren derzeit massiv in Konzeptfahrzeuge; einige schon in serienmäßige Modelle. Der Hybrid wird weiterentwickelt. Großes Thema derzeit ist der Plug-in-Hybrid, bei dem man den Akku zwischenzeitlich an´s Netz hängt und auflädt und er damit noch effizienter wird. Außerdem kündigen sich effiziente Hybride in deutlich mehr Autoklassen als derzeit an.
  • Am Markt sind derzeit Nischenmodelle, etwa Leichtfahrzeuge wie der Twike, der auch vor Ort ausgestellt wurde. Aber es ist kein Zufall, dass bei den großen Automessen, etwa dem derzeitigen Autosalon in Paris, Konzeptfahrzeuge für Serienmodelle präsentiert werden. Das neue herausgekommene Magazin Eco-mobil gibt eine beeindruckende aktuelle Marktübersicht.
  • Infrastruktur, Akku, Reichweite und – wie ich es nennen würde – Design (z.B. das „Tank“konzept) bleiben die zentralen Fragen, an denen intensiv gearbeitet wird. (mehr dazu in einem der kommenden Beiträge)
  • Die Stadt als dichter Raum ist der ideal Raum, um die Elektromobilität voranzutreiben. Insofern ist es völlig richtig, dass der Klimafonds mit der aktuellen Ausschreibung hier einen neuen Schwerpunkt setzt.
  • Generell: ohne staatliche Aktivitäten und Initiativen wird´s nicht gehen. Denn die Verquickung von Infrastruktur, Versorgungsfragen, Technologie, einheitlicher Standards uvm. braucht einen gemeinsamen Rahmen und Anreize. Israel zeigt diesbezüglich, wo´s lang geht.
  • Die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist natürlich stark davon abhängig, aus welchen Quellen der Strom produziert wird. Wenn China (was durchaus der Fall ist) auf E-Mobilität setzt, ist das innovativ, aber aufgrund des massiven AUsbaus von Kohlekraftwerken nicht zwingend nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes. Daher ist klar: wir sollten primär über Elektromobilität auf Basis erneuerbare Energiequellen reden.
  • Das Thema Netzintegration von Elektrofahrzeugen wird sehr spannend. Hier wird´s auch für die E-Wirtschaft, also in dem Fall die Netzbetreiber interessant, denn die netzintegrierten E-Fahrzeuge können ein idealer Speicher für die schwankende StromProduktion sein. (in Deutschland z.B. mit der Windkraft ein Thema). Es ist Zeit, dass Solarwirtschaft und E-Wirtschaft, die historisch ein eher angespanntes Verhältnis haben, möglicherweise genau hier eine Brücke bauen.
  • Die Elektromobilität ist derzeit DAS Megathema der Szene. Und das ist gut so. Auch für Österreich bieten sich hier Chancen. Einerseits aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils Erneuerbarer an der Stromproduktion, andererseits durch konkrete Technologieentwicklung – etwa im Bereich Batterien und Solar.





Neuwahlen = höhere Wahlbeteiligung?

10 10 2008

Dem Motto folgend, dass fachliche Selbstgeißelung nicht nur Übel bringt, will ich kurz einen meiner großen Irrtümer vor dieser Wahl reflektieren. Die Annahme, dass die Wahlbeteiligung signifikant sinken würde, war total falsch. Ich hatte damit gerechnet, dass eine Art Politikverdrossenheit und die Unsicherheit vieler Wähler, dazu führt, dass viele einfach nicht zur Wahl gehen.

So blieb es dann eine der großen Überraschungen, dass die Wahlbeteiligung diesmal nicht gesunken ist. Ein interessantes Phänomen: Ein Blick auf die Nationalratswahlen der letzten Jahrzehnte zeigt, dass es sogar meist so ist, dass bei Neuwahlen – also vorgezogenen Wahlgängen – die Wahlbeteiligung höher war als davor. Bei der Wiederwahl 1995 war das frappant der Fall (damals sind auch die Grünen arg abgestürzt); 2002 war das so und jetzt – in schwächerem Ausmaß – wieder. Der generelle Trend zeigt natürlich abwärts, aber dennoch gibts eben Brüche (siehe rote Linien)

(click auf´s bild für volle größe)

Folgende Erklärungen könnte es geben:

1. Neuwahlen geht meist ein schwerwiegender politischer Konflikt voraus – das hilft den beteiligten Parteien bei der Mobilisierung.

2. Wahlkämpfe werden dadurch emotionaler. Es ist leichter vermittelbar, dass es “diesmal” (aber ganz wirklich) um was geht. Politik ist was emotionales – auch wenn das nicht alle Parteien immer vermitteln können.

3. Wenn es ein Auffangbecken für Proteststimmen gibt, wird die allgemeine Zufriedenheit mit der Politik eben dort ausgedrückt – siehe NR-Wahl 2008. Geht auch leichter, wenn eine Regierung krachen gegangen ist.

4. Die Briefwahl stellt natürlich ein zusätzliches Instrument dar, doch zu wählen. Ob es wirklich signifkant dazu beiträgt, dass die Wahlbeteiligung nicht sinkt, ist schwer zu sagen. Aber zumindest ein kleiner Teil dürfte 2008 drinnen stecken.

Ob der Zusammenhang Neuwahl = höhere Wahlbeteiligung auch für die Zukunft gilt, lässt sich daraus kaum ableiten. Aber die Annahme Neuwahl = geringe Wahlbeteiligung war definitiv falsch. Interessant übrigens ist zu sehen, wie selten die volle Legistlaturperiode ausgeschöpft wird. (umso skurriler wirkt die Ausdehnung auf 5 Jahre…)