Strukturen im Wandel. Wie das Netz Österreichs Musiklandschaft verändert.

17 11 2008

Der von mir geschätzte personifizierte Musikhub (hub =bedeutsamer Knotenpunkt eines oder mehrerer Netzwerke) Walter Gröbchen schreibt Kluges im heutigen Profil und auf seinem Blog zur österreichischen Musikszene. Er beschreibt die Vielzahl an spannenden Künstlern, die fernab von Ö3 und Starmania aus Nischenbereichen kommen und immer erfolgreicher werden.

Tatsächlich tut sich seit einigen Jahren Erstaunliches in der österreichischen Musikszene, insbesondere im Indie-Bereich. Die Anzahl interessanter Acts nimmt laufend zu und die unentdeckten Talente kriechen dank günstigerer Produktionsmethoden und dem Netz (myspace) aus ihren Löchern und ermutigen damit  weitere MusikantInnen aus ihren Höhlen hervorzukommen. Irgendwann sind es dann soviele, die angeführt von ein paar ganz Erfolgreichen ein Bild von etwas Größerem vermitteln. “Da tut sich was in Österreich.” Vielleicht fehlt es noch an diesen 1-2 Berühmten, um wirklich international als Szenephänomen Aufmerksamkeit zu erregen (einzelnen KünstlerInnen wie Gustav oder Clara Luzia) gelingt dies jedoch bereits. Wer weiß, vielleicht wird es aber auch ein noch recht unbekannter aber wunderbarer Act wie Martin Klein sein, der im großen Stil für Furore sorgt?

Ich kann mich erinnern, als wir in Wien vor vielen Jahren mit den Grünen und in Kooperation mit der SP die allererste Creative Industries Förderung initiiert haben, galt unser Augenmerk der elektronischen Musikszene. Für viele Nicht-MusikliebhaberInnen hatten die zwei Namen: Kruder & Dorfmeister. Die kannten mittlerweile alle. Und die hatte es jedoch gebraucht, um verständlich zu machen, dass dahinter viele strukturelle Faktoren liegen, die ökonomisch relevant sind (Label, Vertrieb, Produktion, Booking, Clubszene, Magazine etc. -). Departure hat einige Hebel in die richtige Richtung gesetzt, aber es gibt noch viel zu tun.

In gewisser Weise ist die durch das Netz veränderte Musiklandschaft auch mit der Politik vergleichbar. Wer das Netz nicht versteht, wird sich in Zukunft auch in der Politikkommunikation schwer tun. Obama ist nur das beste Beispiel dieser Entwicklung, aber nicht das einzige. In Österreich passiert das alles langsamer, weil auch hier Österreich strukturkonservativ ist und kulturell nicht grad offen. Je näher an Politik, desto starrer, möchte man meinen. Und so wie immer noch die Ö3´s und Starmanias den Musikmarkt der Masse diktieren, sind auch jetzt noch in Österreichs Politik die Mainstreammedien dominant. Doch im Ö3-Stream von Politik wird keine Innovation entstehen, sondern more of the same.  Emergenz entsteht nicht aus dem Nix, nur weil´s unerwartet ist, sondern aus einem Umfeld, wo kleine Teile den Wandel beschreiten. Und wer weiß, vielleicht könnte es auch in der Politik bald soweit sein, dass eine neue Kommunikationskultur sich von der Nische hinausbewegt und aus vielen kleinen Nischen der Blogosphere was grosses entsteht? Vielleicht fehlt´s aber auch einfach an den Kruder & Dorfmeisters der Politik. Nicht weil sie die besten sind, sondern weil sie symbolisch für etwas gestanden sind, das viele kannten. Und jetzt hat sich´s ausgekruderdorfmeistert, denn eigentlich kann ich´s als Beispiel nimmer hören…gibt wirklich so viel andere.

Daher back to music, zwei Empfehlungen: Donnerstag bis Samstag das spannende Bluebird Festival der heldInnenhaften Vienna Songwriting Association. Seit Jahren ein kleine Festival Highlight in Wien.  Dienstag eine wohl interessante Standard Diskussion im Haus der Musik: Die Grenzen der Weltberühmtheit.


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2 responses

24 12 2008
axelwolph

Hm, kenn dich nicht. Hab nur diesen Artikel gelesen. Zwischen dir und Gröbchen liegen Welten. Tatsache. Ja, VSA nett und schön. Totzler lustig und fromm. Wo ist der net-affine Zugang wirklich? Wo sind die Guten in deinem Zudammenhang? Wer ist Jon Brion? Wer Mike Andrews? Wer Gary Jules? Who cares?
Wir hier in Ö versuchen immer die Welt zu erklären, ohne sie wahrlich zu kennen respektive erlebt zu haben. Schön, aber schlecht. Man kann einfach nicht das Maul aufreißen ohne es zu kennen. Ich tue das auch nicht.
Österreich ist und bleibt eine Insel der jammernden Seeligen. Prost und Amen.
Wir werden hier nie die Popkultur formen geschweigedenn bestimmen. Bitte jetzt nicht an Falco denken.
Somit: such dir aus was dir gefällt, aber halt dein Maul bzgl. größeren Dimensionen.
Frohe Weihnacht!
Axel

25 12 2008
guensberg

hello,
wow, da war wer gut gelaunt gestern. also:
1. danke für deinen comment – mir geht´s eh nicht nur um zuspruch.
2. ist das kein artikel, sondern ein posting – was keine begriffstechnische klugscheisserei sein soll, sondern der hinweis darauf, dass zugang zu fach- bzw. zeitungsartikeln und postings in einem blog doch sehr unterschiedlich sein kann.
3. macht das ja nix, wenn du zwischen dem gröbchen kommentar und meinen gedanken, deren anlaß ua der gröbchen artikel war, welten erkennst. das ist halt so in der blogoshere. man nimmt den faden von einem anderen posting auf, und referenziert. kein anspruch auf konsens.
4. ich hab nicht behauptet, die (musik)welt zu kennen (dass du das musikbusiness als akteur besser kennst, ist eh keine frage). das bemühen, sachen in einem größeren kontext zu sehen, ist aber dennoch prinzipiell erstrebenswert. und der wunsch strukturen oder deren veränderungen zu erkennen, ist auch einer, der sozialwissenschaftlich aber auch ökonomisch und insbesondere politisch sinn macht. das hat nicht zwingend was mit “die welt erklären” zu tun. ich erspar mir jetzt literaturhinweise auf den wandel in der medien- und kommunikationswelt.
5. werd das gefühl dennoch nicht los, missverstanden worden zu sein. insbesondere was das “popkultur formen/bestimmen” betrifft. darum geht´s ja gar nicht.
6. @ “aber halt dein maul”: nehm ich als ausdruck des mißfallens zur kenntnis, scheint mir aber unangebracht. mit dem autoritären hab ich´s nicht so.
7. schön, konsens finden wir am end dennoch:
ebenso “frohe weihnacht”
g.

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