Weil die EU doch Sinn macht: Beispiel Smart Metering

19 12 2008

Viel ist wieder über die Europäische Union zu lesen. Der EU-Ratsgipfel mit dem Konjunkturprogramm, das Klimapaket, die Diskussionen bei den GRÜNEN, die teilweise Ratlosigkeit mancher Politiker im Transfer von EU-Themen (siehe heutiges Swoboda standard.at Interview). Irgendwie sind die politischen Vorgänge in Brüssel immer noch nicht in Österreich angekommen – insbesondere wenn wir über Inhalte reden. Wieso hat in Österreich keine mehrwöchige Debatte zur Position der Bundesregierung bei den Klimazielen stattgefunden? Was bedeutet das sog. Konjunkturpaket eigentlich für Österreichs Wirtschaft? Welches Problem haben die österreichischen Banken nun bei der Inanspruchnahme des staatlichen Kapitalangebots durch die Entscheidung Brüssels, die geplanten Zinssätze nicht zu akzeptieren?

Es wird schon im nachhinein berichtet, was beschlossen wurde, aber das ist kein Diskurs. Und jenen zu führen wäre die Aufgabe von Mandataren – auf EU- und auf nationaler Ebene. Die Frage der Volksabstimmung zum Lissabon Vertrag ist inhaltlich viel weniger interessant als die Entwicklungen bei sehr vielen  Themen, welche die Menschen unmittelbar betreffen.

Ein Beispiel: schon mal was von Smart Metering gehört? Mir ist das Thema in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ohren gekommen, insbesondere in den USA, wo sowohl PG & E in San Francisco wie auch der Energieversorger in New York intelligente Stromzähler testweise tausenden Haushalten installiert haben. Dabei wird der Stromverbrauch in kurzen Zeitintervallen erfasst und entsprechend verständlich aufbereitet. Die Information soll dem Kunden helfen, seinen Stromverbrauch zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn der Verbrauch zu hoch ist.

Was man bei uns – außer auf Expertenebene – kaum jemand weiß: Smart Metering ist Teil der EU-Energieeffizienzrichtlinie vor, die bis zum Jahr 2013 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Smart Metering kommt – auch in Österreichs Haushalten.

Es ist in allen europäischen Staaten ein Problem, dass die Stromabrechnung nahezu keine relevanten Information für den Kunden enthält, außer wie hoch sein Jahresstromverbrauch ist. Aber ohne Zeitverlauf und idealerweise auch einer Analyse, wo der Verbrauch am höchsten ist, hat er wenig davon.

Smart Metering käme durch den zeitnahen Abgleich von Energieangebot und -nachfrage neben dem Kunden auch den Energieversorgungsunternehmen (EVU) entgegen. Denn der hat durchaus Interesse daran, die teure Spitzenlast zu reduzieren.  Da die Sache natürlich nicht unkomplex ist, braucht es hier einheitliche Standards um die Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Daher gibt es relativ lange Übergangsfristen für die Umsetzung der Richtlinie.

Eine deutsche PricewaterhouseCoopers (PwC) Studie (“Smart Metering – Umsetzungsstand und strategische Implikationen für die Energiewirtschaft”) hat jedoch kürzlich erhoben, dass sich die meisten Energieversorger noch nicht ausreichend mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Dankenswerterweise sind hier einige innovative Projekte schon im Laufen, aber eigentlich müssten sich Unternehmen darum raufen, wer hier das beste System entwickelt. Und die österreichische Energiepolitik müsste sich damit auseinandersetzen, was da auf uns zukommt und wie man das am besten nutzen kann.

Smart Metering wird in paar Jahren in gewisser Weise  eine Revolution für Haushalt & Gewerbe bringen. Aber es braucht einfach viel Zeit bis das sickert. So wie auch der Energieausweis mental noch nicht angekommen ist in Österreich, obwohl jener de facto geltendes Recht ist. Aber vielleicht sollte man sich nicht zu viel erwarten in einem Land, wo einige wesentliche Bestandteile des Energieausweis von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt werden. Irgendwie ist es ja skurril. Da versucht man europaweit Standards zu definieren, damit dann im kleinen  Österreich der Umgang mit genau jenen bundesländerspezifisch geregelt wird. Z.B. die Frage, wer den Energieausweis ausstellen darf.  Nein,  in gewisser Weise sind wir  politisch noch nicht in Europa  angekommen.

Mehr zu Smart Metering (Kosten, Projekte, Chancen) demnächst hier am guensblog.


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13 05 2009
Smart Grids & Smart Metering als Megathema der nächsten Jahre « g u e n s b l o g

[…] als Megathema der nächsten Jahre 13 05 2009 Schon vor einigen Monaten habe ich auf guensblog über die verheißungsvollen Perspektiven von Smart Metering und damit verbunden Smart Grids […]

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