Eine Frage der Begriffsdeutung: Anmerkungen zur Energie-Autarkie

12 01 2009

Die gestrige “Im Zentrum” Diskussion “ÖSTERREICH IN DER ENERGIEFALLE?”, bei der Vertreter der großen Energiewirtschaftsunternehmen (OMV, Verbund), der Industrie (Voest) gemeinsam mit Eva Glawischnig, Wirtschaftsminister Mitterlehner und Experten Franz Wirl von der TU diskutierten, zeigte wieder die Wichtigheit von Begrifflichkeiten und ihrer Deutung. Prinzipiell ist vorauszuschicken, dass in der Diskussion einzig Glawischnig die Meinung vertreten hatte, dass die Gaskrise ein weiterer Anlaß für einen sehr weitgehenden, durchaus visionären Wandel in der Energieversorung sein muss. Die anderen Herrschaften haben eher die sehr konventionelle energiepolitsche Haltung vertreten. Ein strategisch entscheidender Moment in der Diskussion war meiner Meinung nach der Begriff  “Autarkie”. An jenem haben sich – nach einem Glawischnig Statement – gleich mehrere Diskutanten aufgehängt (Wirl, Eder, Mitterlehner etc.), um dagegen  zu argumentieren. Man kann sich nicht abschotten, ist Teil internationaler Netze etc. sind die Argumente. (“Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass… also wirklich…nein, das geht ja gar nicht”, wird dann milde lächelnd gestreut)

Technisch stimmen diese Argumente alle, aber der Punkt ist, sie wurden rein taktisch verwendet, um das eigentliche Ansinnen, nämlich Österreich von den Gas- und Ölimporten unabhängiger zu machen, von der Agenda zu bringen. Diese Unabhängigkeit war dann nämlich nicht mehr im Zentrum der Debatte, was angesichts der Tatsache, dass rund 63% des in Österreich genutzten Erdgas aus Russland kommt, schade ist. Beim Öl schaut die Bilanz noch schlimmer aus.

Ein einfaches Beispiel. So hat sich das Burgenland zum Ziel gesetzt, 100 Prozent der Haushalte mit Ökostrom zu versorgen und damit das Land in der Stromversorgung bis 2013 möglichst unabhängig zu machen.”  (Zitat Niessl 2007). Der damalige Umweltlandesrat und jetzige Umweltminister Niki Berlakovich nannte bei einer PK 2007 als langfristiges Ziel die 100 %ige Versorgung des Burgenlands mit erneuerbarer Energie – bei Strom, Wärme und Treibstoffen. Niemand glaubt bitte, dass die Burgenländer ihre Stromleitungen an der Grenze kappen werden. Strom ist genauso Handelsgut wie bislang . Es geht um den Eigen- und den erneuerbaren Anteil im Verhältnis Produktion – Verbrauch. Und nicht um Autarkie im Sinne technischer Selbstversorgung.

Das Konzept der technischen Energieautarkie gibt es zwar auch, ist aber primär im lokalen bzw. regionalen Maßstab umsetzbar und attraktiv. Alles andere ist eine Frage der Bilanzierung. Doch genau jene ist entscheidend, wenn wir über Österreichs bzw. Europas Energieversorgung reden.


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2 responses

13 01 2009
Georg Pichler

Danke für die anschauliche Begriffsklärung. Ich hab mir überlegt, selbst sowas zu versuchen, es dann aber gelassen weils zu kompliziert geworden wäre. Zudem sind mir Glawischnigs Diskussionspartner mit ihren verbohrten Positionen rund um “dann bauen wir halt Leitungen um die Ukraine herum” und ähnliche Argumente derart auf den Geist gegangen, dass ich die letzten 10,15 Minuten nur noch halb zugehört hab.

In diesem Sinne auch willkommen auf meiner Blogroll😉

13 01 2009
guensberg

danke georg.
ist auch eine gute erinnerung daran, dass ich mich mal um meine blogroll kümmern sollte😉

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