Warum Web 2.0. nicht nur was für Jugendkampagnen ist…

30 01 2009

“Mutter hat dich als FreundIn auf Facebook hinzugefügt.
Wir benötigen deine Bestätigung, dass du Mutter kennst, damit ihr Freunde auf Facebook sein könnt.
Mutter sagt, “…ach mein Kleiner, endlich weiß ich, was du den ganzen Tag  so treibst…”
Um die Freundschaftsanfrage zu bestätigen, klicke auf den untenstehenden Link:
… Danke, Das Facebook-Team”

Wer hätte das für möglich gehalten? Die Elterngenerationen erobern Facebook. Gut, die Meldung oben ist ein Fake und mir selbst nicht passiert, aber jetzt, wo die Social Webplattformen immer stärker Mainstream werden, gilt es zu hinterfragen, ob Web 2.0. wirklich ausschließlich für “jugendliche” Zielgruppen geeignet sind. Denn oft höre ich, “ja und für die Jugend, da mach´ma was im Internet” – und für den Rest nicht?

Kürzlich war ich in einer Expertenrunde für ein Kampagnenbrainstorming im Umweltbereich eingeladen. Natürlich kamen wir – wie derzeit alle politischen
Kommunikationsmenschen – auf die Sogwirkung der Obamakampagne zu sprechen. All roads lead to Obama, könnte man meinen.
Kommunikations- und Werbeexperte Harald Betke (lesens- bzw. sehenswert übrigens auch sein Blog) liess in einem Nebensatz etwas fallen, was mich noch weiter
beschäftigte. Er meinte sinngemäß, dass es ein Irrtum sei, dass das Internet nur die Jugend erreiche. Rein quantitativ sei die Gruppe der 55+ stärker im Web vertreten als Jugendliche, was schlicht und einfach mit der Gruppengröße zu tun hat.

Jetzt ist vor wenigen Tagen via Blogpiloten die Meldung über eine Pew Internet Studie reingekommen, in der die Nutzung von Social Networking Sites durch Erwachsene in den USA untersucht worden ist.
Demnach hat sich die Zahl der erwachsenen Internetnutzer, die ein Profil bei einem der Social Networks pflegen von 2005 bis 2008 mehr als vervierfacht – von
8 Prozent auf jetzt 35 Prozent.  18-24 Jährige sind weitergin am stärksten vertreten , was wenig überraschend ist. Ein Blick in die Studie zeigt jedoch, dass sich die Nutzung von Web 2.0 bei weitem nicht nur auf diese Gruppe beschränkt.

“Young people are much more likely than older adults to use social networks.

  • 75% of online adults 18-24 have a profile on a social network site
  • 57% of online adults 25-34 have a profile on a social network
  • 30% of online adults 35-44 have one
  • 19% of online 45 to 54 year olds have a profile
  • 10% of online 55 to 64 year olds have a profile
  • 7% of online adults 65 and older have a profile”

Klar, die Studie erfasst ausschließlich Personen, die schon online sind (was aber mittlerweile doch eine Mehrheit ist) und die USA ist nicht ganz mit Europa vergleichbar. Facebook, MySpace etc. haben hier sicher früher den Mainstream erfasst. Ebenso eindeutig ersichtlich ist, dass die Kurve pro Altersgruppe signifikant fällt, aber dennoch:  jeder fünfte Onlinenutzer zwischen 40 und 54 und fast jeder Dritte zwischen 35 und 44 hat ein Social Networking Profil. Das ist viel!
Meine Schlußfolgerung: Da diese Gruppen quantitativ eindeutig größer sind als die Jugendgruppen, wäre es falsch, strategische Kampagnenaktivitäten im Web 2.0 ausschließlich auf Jugendzielgruppen zu beschränken. Außer natürlich, es geht prinzipiell bei der Kampagne nur um jene. Aber die 3 Millionen Obama Freunde auf Facebook und 15 Millionen auf allen Plattformen waren auch nicht alle Teenager.

Vielleicht ist der Schlüssel ja ein anderer, nämlich dass die Zielgruppendefinition nach Altersklassen nur bedingt hilfreich ist – es geht viel mehr um soziokulturelle Aspekte,  Milieus und Medienaffinitäten.

Dass rein quantitativ die jungen Altersgruppen in Österreich noch kleiner sind als ältere zeigt ein Blick auf die aktuelle Bevölkerungspyramide Österreichs der Statistik Austria:
023106

Oder es ist eine andere Binsenweisheit, nämlich: Wir werden halt auch nicht jünger…


Actions

Information

5 responses

30 01 2009
alm

Georg, deine Schlussfolgerung ist natürlich richtig. Nimm uns beide als Beispiel und überleg wie alt dein Buddy-Network im Schnitt so ist in den Social Networks und welche sich hier als Blogger etc. besonders hervortun. Das sind all jene, die mit den Technologien aufgewachsen sind.

3 02 2009
pierre

georg, ich würde es gut finden, wenn du deine sicht bzgl. grüne und voggenhuber einmal kundtun würdest. man würde es nicht glauben, aber es gibt leute, die das interessieren würde….

11 02 2009
guensberg

pierre, du hast recht. ich hab letzte woche aufgrund der hohen arbeitsberge und einem kurzurlaub das blog generell vernachlässigt und so auch bedauernswerterweise nicht geantwortet. sorry.
bin aber natürlich entzückt vom interesse an meiner meinung, danke dafür!

was die voggenhuber sache betrifft seh ich das phänomen, dass sich wieder mal zeigt, wie sehr die grünen projektionsfläche für alles mögliche sind. es geht bei voggenhuber nur teilweise um voggenhuber, sondern um das ventil einer viele jahre aufgestauten, wachsenden unzufriedenheit mit den grünen. die jedoch sehr sehr unterschiedlich gestaltet ist. es ist teilweise absurd, wie sehr manche, die eigentlich sehr wenig bezug zur politik von j.voggenhuber hatten, jetzt auf die barrikaden steigen, weil er nicht kandidiert.
auf einmal ist er die projektionsfläche für kritik an den grünen. daher glaube ich, dass es weniger um die person geht als um die entwicklung der politischen kultur bei den grünen. und da gehts in wahrheit nicht um die einzelpersonen, sondern sachen wie diversität von erwartungshaltungen, durchlässigkeit, das innen und das außen, politische vision, mainstreaming, kommunikationsfähigkeit etc.
die grünen hatten bei den letzten eu-wahlen ganz ok abgeschnitten, aber das potential ist aufgrund der geringen wahlbeteiligung viel höher. insofern teile ich ja die einschätzung nicht, dass das so ein großer wahlerfolg war. dieses ergebnis wieder zu erreichen ist auch in der (aktuell wahlstrategisch schwierigeren) position möglich.
das einzige, was mir ja wichtig wäre, ist, dass die grünen einen wirklich europäischen wahlkampf führen – mit einer konstruktiv-kritischen positionierung zu den themen der Jetztzeit, aber zugleich einer klar pro-EU Haltung.

du siehst, pierre, grosse weisheiten hab ich da nicht zu verkünden😉

17 02 2009
pierre

danke für die antwort, interessant wie du das siehst.
deine weisheiten sind mir groß genug, und könnten anregungen für mehr sein. dein satz: “daher glaube ich, dass es weniger um die person geht als um die entwicklung der politischen kultur bei den grünen.” unterschreibe ich auch, aber ob das den handelnden akteure auch bewußt ist? da habe ich so meine zweifel.

18 02 2009
doris

schrieb meine mutter (62) gestern per yahoo mail “kannst du bitte nicht auch ein paar fotos oder videos auf facebook stellen (anm.: so wie mein bruder und freunde von mir, die meine mutter inzwischen auch be-friended hat), wir wuerden dich gerne beim surfen sehen”.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s




%d bloggers like this: