Feine Animation. Zur Darstellung von Umfragen…

17 02 2009

In Österreich wird a meiner Meinung nach recht schlampig mit Umfragen umgegangen. Insbesondere die recht kurzfristigen Abfragen mit bspw. 400er samples sind – im gewählten Design – meist kaum aussagekräftig. Die Ausweisung von Samples erfolgt in manchen Medien oft gar nicht; die Auswertung von Subgruppen bzw. gekreuzten Auswertungen wird meist nicht mehr mit den Erhebungsdaten (Anzahl der Personen) versehen. Der teils gezielten Fehlinterpretation wird Tür und Tor geöffnet, was natürlich nicht pauschal gelten soll.

Sehr gut gefällt mir hingegen die Flashanimation der Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland. Hier sind z.B. die Sonntagsfrage-Daten von Anfang Februar (n=2000) dynamisch ausgewertet. D.h. ich sehe extrem übersichtlich und spielerisch z.B. die demographische Verteilung der einzelnen Wählergruppen nach Parteien, oder auch berufliche Segmentierung, Ost/West Gefälle etc. Fein ist, dass man bei jeder Anwendung gleich die Gruppengrösse erfährt. Wenn ich z.B. sehe, dass 20% der grünen WählerInnen über 60 Jahre als sind, habe ich gleich die Information mitgeliefert, dass es sich um 30 Personen handelt, die in diese Gruppe reinfallen, was natürlich die Repräsentativität beeinflusst. Auch die Differenzierung zwischen “allen Befragten” und “Befragte mit Parteipräferenz” ist relevant, sodass auf Nichtwähler und Unentschlossene Rückschlüsse gezogen werden können.

bpb_infratest2Fein auch, dass man alle Daten direkt mit den Bundestagswahlen 1998, 2002 und 2005 vergleichen kann. Interessant z.B., wie sehr “Die Linke” immer mehr zur Männerpartei wird. (derzeit über 60% Männeranteil), während Grüne konstant leicht überproportional mehr weibliche WählerInnen haben.

“Wer wählt was” ist eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit infratest dimap/ARD DeutschlandTREND und der Köln International School of Design

Gut wäre noch, wenn man die einzelnen Gruppen nach Parteipräferenz darstellen könnte, also nicht nur, wieviele Prozent der Grünen sind über 60 Jahre alt, sondern wieviele der über 60jährigen wählen Grün.

Wäre schön, wenn es so ein Projekt auch in Österreich gäbe. SORA macht zwar die Flashanimationen für die Wählerstromanalysen, aber für die Entwicklung der Sonntagsfrage habe ich vergleichbares im Netz noch nicht gesehen. Falls es das doch gibt, wäre ich für Information dankbar.

via Netzpolitik.org


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Sofa Surfers live: getrieben im Rhythmus der Stadt

10 02 2009

Seit vielen Jahren (fast Anbeginn) sind die Sofa Surfers ein konstanter, hoch geschätzter Begleiter meiner Playlists. Ihre Liveevents zählen fast immer zu den Highlights (kleine Ausnahmen eigentlich nur dann, wenn der lokale Sound überfordert wird)

Gestern war nach recht langer Zeit wieder Gelegenheit, die Sofa Surfers auch mit neuem Material live zu hören. Das noch dazu in der wunderbaresten Musiklocation der Stadt, dem Porgy & Bess. Eingeladen hat Monkey Music, Rahmen war die Präsentation des neuen Music Store von Nokia.

sofa2Was soll man sagen. Die Sofa Surfers gehören schlicht zu den aufregendsten Bühnenperformern des Landes. Die treibenden Beats, schweren Bässe, subtile aber teils knallharte Instrumentierung und der seit dem letzten Album (2005) agierende Sänger Mani Obeya geben ihren Nummern etwas ganz spezifisches. Die Sofa Surfers haben trotz ihrer ständigen Erneuerung einen spezifischen Sound kreiiert, mit dem sie sofort identifizierbar sind. Das neue Material hat gestern  gleich erstaunlich gut funktioniert; teils sehr direkt – Sofa Surfers Metal hab ich mir mal zwischendrin gedacht, aber zugleich immer nuanciert und treibend.

bild303Und die Sofa Surfers zeichnet noch was: mir ist kaum eine Band bekannt, die ihre Visuals derartig explizit in ihre Musik einbaut und damit die Brücke zwischen Musik, Film und mE auch Architektur schafft. Das war immer so und es ist kein Wunder, dass die Sofa Surfers seit Jahren für erstaunliche Filmprojekte wie die Wolf Haas Verfilmungen herangezogen werden. Sie erzeugen auch dort genau jenes düstere Klangbild, das  der Stimmung der Geschichten entspricht. (zumindest in meinem Kopf). Genial vor einigen Jahren übrigens auch das “Life in Loops” Filmremix-Projekt von Timo Novotny, der Michael Glawoggers Megacities neu gestaltet hat. Auch bei den gestrigen Visuals war Stadt & Architektur omnipräsent. Hier ein interessantes CHilli.cc Interview mit Novotny zur Arbeit an Life in Loops.

Die Sofa Surfers spielen in den kommenden Wochen einige Gigs zu ihrem Soundtrack:  Triple score of private eye “Brenner”.  Nicht verpassen!

Danke an Peter Drössler für das erste und dritte Foto!

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