Video: Was heisst Smart Grids/Metering für den Haushalt

21 05 2009

In Fachkreisen wird derzeit viel über die intelligenten Stromnetze und Stromzähler diskutiert: Smart Metering und Smart Grids. Warum das wichtig ist und was das ua für den Konsumenten bedeuten kann, ist in folgendem englischsprachigen Video gut erklärt. Die Basics:

1. Das Konsumverhalten bzw. die ähnlichen Tagesabläufe vieler Haushalte sorgen für Spitzenbelastungen beim Stromverbrauch, die zusätzliche teure Stromkapazitäten erfordern. Teuer – auch für den Stromanbieter.

2. Das Ziel ist es, ua diese Spitzen zu kappen und damit sowohl dem Anbieter wie auch dem Konsumenten Kosten zu ersparen.

3. Neben Bewusstseinsbildung erlaubt das intelligente Netz auch die Fernsteuerung von Geräten. Dies ist derzeit zwar noch ungewohnt, aber wer z.B. ein geringeres Tarifniveau in Anspruch nehmen will, kann dies vom intelligenten Netz und Smart Meter steuern lassen. So wird z.B. der – meist übrigens ohne überflüssige – Wäschetrockner – um 17:00 nicht auf volle Stufe aktiviert, sondern nur im Sparmodus oder verzögert. Auch Pump- und Warmwassersysteme – eigentlich alle Elektrogeräte – können so gesteuert werden.

Im folgenden Video veranschaulicht General Electric anschaulich, worum es geht. Aber bitte nicht von den Neonleuchten in den Geräten irriteren lassen 😉

via Earth2Tech





Take back the city … Snow Patrol in Copenhagen

21 05 2009

Kopenhagen ist eine äußerst nette Stadt. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit; Radfahrer sind in Scharen präsente und zugleich meist respektvolle Verkehrsteilnehmer; es sorgt für basses Erstaunen bei den Menschen, dass es zuletzt sowas wie eine Schießerei gegeben habe, denn sowas gibts hier einfach nicht; es gibt viel zu entdecken; das Wasser beruhigt die Seele und es gibt eine Reihe spannender Menschen, mit denen man interessante Gespräche führen kann.

snowpatrol_vegaDa trifft es sich gut, dass genau zur Zeit meines Besuchs (also am 19.5.), ein Auftritt von Snow Patrol in einer wunderbare Location namens  Vega stattfindet. Overwhelming sympathy, könnte man meinen, wenn Sänger Gary Lightbody das Publikum daueranstrahlt. Gesanglich ist der Mann an diesem Abend übrigens in ausgezeichneter Verfassung (was nicht immer der Fall ist wie man auf diversenYoutube Videos verfolgen kann)

Doch die durchdringende Freundlichkeit wird einem allmählich nicht geheuer. Zumindest mir. Nach einer halben Stunde regt sich in mir Unmut: Irgendwas stimmt nicht bei diesem Gig. Was ist los mit Snow Patrol?

Sollten sie also zb kommende Woche im Wiener Gasometer (ein denkbar ungünstiger Ort für diesen Act) das Snow Patrol Konzert besuchen, könnten Sie sich nach einer halben Stunde denken, dass

… die Leadguitar äußerst dünn daher kommt und selbige als Rhythmusgitarre einen faden, trockenen Ton aufweist, der bieder ist und  nicht mitreisst

…die sogar perkussiv unterstütze Rhythmuspartie wenig Druck erzeugt, insbesondere das Schlagwerk nachgerade traumwandelt

… die Nummern souverän aber ohne spezifische Dynamik gespielt werden

… das alles so wahnsinnig positiv ist, aber genau das eben nicht die spezfische Stärke der hits dieser Band ist (es sind eher die dramatischen Elemente und das Antreiben auf den Achteln/Vierteln – je nach Nummer)

… die in einigen Nummern wichtige zweite Stimme nirgendwo ist

etc.

Und hier meine Empfehlung nach dieser halben Stunde: BLEIBEN SIE – GEHEN SIE NICHT WEG!

snowpatrol_erstrahlDenn es kommt die grosse Wende. Mit jener Nummer, die auch für die Band die Wende zum großen Erfolg war. „Run“! Diesmal zu Beginn solo gespielt von Lightbody. Zwei Verse, ein Refrain akkustisch, dann die gesamt Band. Und auf einmal kippt der Gig. Ins Wundersame. Es ist alles da…. Die Achteln (oder auch Vierteln) werden in Gleichklang von Gitarre, Bass, Schlagzeug druckvoll gespielt, was eigentlich der Motor für fast all diese Nummern ist. Der Sound wird fetter, hin und wieder kommt die wohl subcutane Aggressivität hervor, die in dieser Band ja steckt, man muss sie nur rauskitzeln.

Es folgt ein Feuerwerk der großen Hits (davon sind manche auch einfach personal favourites). Chasing Car.  Crack the Shatters, Take back the City, Make This Go on Forever und am Ende des regulären Sets ein begeisternd dargebrachtes “Open Your Eyes”

Schade nur, dass die Zugabe zwar mit dem “The Lighning Strike”  eröffnet wird, aber hier nur der erste Teil dieses Opus Magnum des letztem Album gespielt wird.

snowpatrol_byeWas bleibt ist, dass Snow Patrol auch live eine Band ist, die einige wirklich große Nummern hat, hin und wieder aber auf den berüchtigen Kick-Ass  vergessen sollte. Und das hat gar nix damit zu tun, wie schnell oder langsam ein Song ist.

snowpatrol_er





Smart Grids & Smart Metering als Megathema der nächsten Jahre

13 05 2009

Schon vor einigen Monaten habe ich auf guensblog über die verheißungsvollen Perspektiven von Smart Metering und damit verbunden Smart Grids geschrieben. Man kann mittlerweile festhalten: das Thema intelligenter Netze und Stromzähler rückt auch für die Elektrizitätswirtschaft und IT-Unternehmen weit oben auf die Agenda. Nicht zuletzt Obama´s Milliarden Stimulusprogramm, das einen Schwerpunkt auf Smart Grids legt, sondern auch die Pläne vieler EU-Staaten erwecken den Eindruck, dass im Moment kein Weg dran vorbeiführt.

In Sachen Smart Metering legt Großbritannien den Weg vor. So ist  ein weitgehenden Roll-Out und die Vollausstattung aller Haushalte bis 2020 geplant – wie der Guardian Anfang der Woche berichtete. (via Worldchanging)

Und das ist gut so. Denn tatsächlich ist der intelligente Strom eine wesentliche Säule der Strategie Richtung Nachhaltigkeit. Sie ist quasi die Schnittstelle zwischen den Stärken der einzelnen erneuerbaren Energieträger und Energieeffizienz – zwischen sauberer Stromproduktion und Konsumenten. Und durch anwendungsfreundliche Stromzähler soll dem Konsumenten ein Instrument gegeben werden, selbst den Energieverbrauch zu überwachen und zu steuern.

Auch in Österreich regt sich einiges. Bis Freitag dauert die Smart Grids Week in Salzburg an, bei der auch der Entwurf für die Smart Grids Roadmap präsentiert wird.

In Sachen Smart Metering ist das Projekt der oberösterreichischen Energie AG deutlicher Vorreiter. Seit Oktober 2008 läuft bei  Vöcklabruck der Probebetrieb mit 10.000 AMIS-Zählern (AMIS – Automated Metering and Information System).  Ab Oktober 2009 ist der Normalbetrieb geplant. Der engagierte Plan ist, jährlich 100.000 neue Endgeräte einzubauen.

Mit Smart Metering wird der Stromverbrauch punktgenau gemessen, sowohl zeitlich wie auch räumlich, also ich weiß genau, wann welches Endgerät den Stromverbrauch in die Höhe schaubt. Vorbei sind dann die Zeiten einer einmal jährlichen Stromabrechnung, wo ich weder weiß, wie noch wo ich meinen Strom verbraucht habe.

Wichtig scheint mir jedoch neben der Technik auch die Visualisierung von Smart Metering für den Kunden. Der intelligente Stromzähler muss ein emotionales Erlebnis bieten, damit Stromsparen auch Spaß macht und Erfolgsaussichten bietet.

Die Kombination aus Smart Grid und Smart Metering ist deshalb so bestechend, weil es dann möglich ist, Lastschwankungen im Netz und das Verhalten des Endkonsumenten aufeinander abzustimmen und auszugleichen. Auch Modelle der Fernsteuerung von Geräten auf Basis des Stromverbrauchs und Abstimmung auf Tarifmodelle sind dann leichter umsetzbar. Und wer glaubt, dass wir das alles nicht brauchen, weil der Strompreis ohnehin so niedrig ist…der Strompreis wird ohne intelligente Netze definitiv massiv in die Höhe schrauben, nämlich spätestens, wenn die Nachfrage wieder steigt.

Sehr empfehlenswert für den Einstieg in das Thema ist das aktuelle Siemens Hi-Tech Heft (via Ökoenergie-Blog von Raiffeisen Leasing).





Emissionshandel als Irrweg?

11 05 2009

Hermann Scheer ist heute in Wien und hält gleich zwei Vorträge. Ua. am Abend im Rahmen der Erdgespräche 09 im Naturhistorischen Museum. In einem Gespräch mit dem STANDARD hat er kürzlich seine Kritik am Emissionshandel angebracht, die mich schon länger beschäftigt. Irgendwie haben wir alle, die wir mit Klimaschutz beschäftigt sind, dieses Instrument als gegeben akzeptiert, ohne dass es wirklich seine Tauglichkeit zur Erreichung von Klimaschutzzielen unter Beweis gestellt hat.

Kurz zu Scheers Argumenten, die er leider auch mit der Pauschalkritik an den UN-Klimakonferenzen verknüpft (eine Kritik, die in dieser Form nicht teile, aber dazu ein ander mal). Die globalen Klimaschutzzziele sind meistens ein Minimalkompromiss zwischen allen Staaten und jedenfalls sind sie Mindestziele. Verteilt man jedoch Emissionszertifikate und definiert die Minimalverpflichtung als zu erreichender Wert, wird sie zur Obergrenze. Und das führt dazu, dass obwohl der Klimawandel deutlich schärfere Reduktionsziele abverlangt, immer nur das Mindestziel erreicht wird.

Die Idee des Emissionshandels ist durchaus verlockend und stichhaltig. Im Kern geht es darum, Emissionen dort zu senken, wo es am günstigsten ist, z.B. auch durch Projekte in anderen Staaten. Entsprechend definierter Obergrenzen werden Emissionszertifikate im Sinne eines Verschmutzungsrechtes ausgegeben. Diese Obergrenze kann in den folgenden Jahren schrittweise gesenkt werden. Da diese Zertifikate frei handelbar sind, wird der Preis für diese Zertifikate durch die Nachfrage bestimmt. Emissionen, die ohne Emissionsrecht erfolgen, werden mit einer Strafe belegt.  ´Cap and trade´ist auch unter Obama ein leitendes Prinzip der Klimapolitik geworden, wobei Obama teils sehr weitgehende Ziele vorlegt, was die Sache engagierter aussehen lässt.

Was passiert aber nun, wenn wir so wie jetzt in einer rezessiver Phase sind und Energieverbrauch und zwangsläufig CO2-Emissionen sinken? Welche Anreize gibt es, wirklich einen Strukturwandel einzuleiten, wenn das Erreichen der Emissionsziele möglicherweise leichter wird als noch vor paar Jahren? Die Wirtschaftskrise zeigt, dass derartige Systeme  in ihren Szenarien stark an Kontinuitäten orientiert sind und nicht an unerwarteten Ereignissen. Scheers Argument, dass der Emissionshandel zu diesem Strukurwandel deutlich weniger beitragen kann als z.B. eine angemessene CO2-bezogene Energiebesteuerung ist schlüssig.

Denn erstens würde dieses Instrument nicht nur Teilbereiche umfassen (der Verkehr ist beim Emissionshandel weitgehend nicht erfasst), zweitens würde sie strukturell greifen und durch öffentliche Einnahmenlukrierungen Möglichkeiten schaffen, zusätzliche Anreizsysteme wie Förderungen oder Steuererleichterungen zu schaffen. Klar können Staaten Energiesteuern auch einführen, wenn sie am Emissionshandel beteiligt sind; ein lobbyistisches Gegenargument ist jedoch, dass durch das eine Instrumennt das andere nicht notwendig ist, weil es ja den Industriebetrieben selbst überlassen sein sollte, wo und wie einspart wird.

Der Emissionshandel ist letztlich die Folge eines sehr markt- und bilanztechnischen, aber nicht zwingend maßnahmenorientierten Zugangs zur Klimapolitik. Emissionen als Handelsgut ermöglichen den Teilnehmern durch taktisches Vorgehen bei Kauf und Verkauf sehr gewinnorientiert vorzugehen. Dies ist natürlich nicht prinzipiell verwerflich, aber ist es Sinn der Sache? Passieren zudem Fehleinschätzungen wie die Überallokation von Emissionszertifikaten (EU-Emissonshandel Phase 1), wird das eigentliche Ziele, nämlich ein nachhaltiges Energiesystem und die Reduktion der Treibhausgase möglicherweise unterwandert.

Der Aufwand hinter diesem System ist übrigens auch nicht unbeträchtlich. Allein das wird übrigens schon ein Grund sein, warum der Emissionshandel nicht mehr prinzipiell hinterfragt werden wird; der Selbsterhaltungstrieb von Systemen ist zu stark. Aber angesichts der Krisen unserer Zeit wäre eine Diskussion der politschen Instrumente notwendig.

Lesenswert übrigens auch die Beiträge in der Zeitschrift Solarzeitalter dazu.





Faszinierend! Der Electoral Explorer der NY Times

8 05 2009

Ein ganz wunderbares Instrument für US-Wahlanalysen ist auf der Website der NY Times zu finden. Der Electoral Explorer, der eine Reihe von statistischen Daten US-amerikanischer Counties mit den Wahlergebnissen matched. Mit einem Schieberegler kann man die einzelnen Parameter verfolgen; die Übergange sind exzellent dargestellt, sodass auch differenzierte Analysen möglich sind.

electoral_explorer

Ein paar Eindrücke auf die schnelle:

  • Ganz signifikant und relevant: je höher die Bevölkerungsdichte, also städtischer das Gebiet, desto besser schneiden die Demokraten ab. Dies war schon bei den letzten Wahlen zu beobachten. Meines Erachtens wird das Stadt/Land Gefälle bei uns immer noch in der Wahlanalyse unterschätzt.
  • Klar: Je höher der Anteil der “black population”, desto eindeutiger das Ergebnis für Barack Obama. Ähnlich – wenn auch in etwas geringerem Verhältnis ist es bei der “hispanic population”
  • Durchwachsen ist das Ergebnis bei den unterschiedlichen Anteilen katholischer Wähler. Hier gibt es regionale Unterschiede. Sehr grob könnte man sagen, bei vergleichsweise sehr geringem und sehr hohem katholischen Anteil ist jeweils McCain stärker gewesen; im mittleren Bereich jedoch Obama.
  • Deutlich klarer ist der Trend natürlich bei den Southern Baptists. Je höher der Anteil, desto klarer die Präferenz für die Republikaner.
  • povertyIn den von Armut stark betroffenen Counties gibt es klare Präferenz für die Demokraten. Interessanterweise sehr ausgeglichen ist der Anteil bei den unterschiedlichen Einkommensstufen. Im obersten Segment also Counties mit hohem Prozentsatz von Spitzenverdienern ist Obama etwas stärker, aber insgesamt gibt es vergleichs wenig Unterschiede, abgesehen von sehr unterschiedlichen Zahlen in einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen.
  • hoher_anteil65plusAuch altersmässig interessant. In jenen Wahlkreisen mit einem hohem Anteil der 65+ Generaton, ist Mc Cain stärker, jedoch nicht so deutlich, wie ich es vermutet hätte.

Die Graphiken mit dem wunderbaren Schieberegler sind übrigens auch unabhängig von der Rot- oder Blaufärbung faszinierend.

Das und viel mehr ist wie auf der NY Times Election Results  Website zu verfolgen.

Dank an Alex Ostleitner für den Facebook-Link.