BlogDay 2009

31 08 2009

badge_red

Peter Drössler hat mich ehrenwerterweise in seinem (ebenso empfehlenswerten) Weblog in die Liste der 5 Blogs hinzugefügt, die er am heutigen Blog Day vorstellt.

Gerne schließe ich mich dieser Idee an, und erlaube mir, kurz 5 weitere Blogs vorzustellen, die ich lesens- und verfolgenswert finde – aus unterschiedlichen Gründen. Die Liste ist natürlich schnell zusammen gestellt; letztlich hat auch die Blogroll rechts unten in gewisser Weise Empfehlungscharakter.

Worldchanging

Gefällt mir einfach vom Ansatz her, auch wenn das Worldchanging Blogs stark Online-Magazin Charakter hat und die Kommentar-Funktionen kaum genutzt wird. Das Ziel ist es in einem Netzwerk an unabhängigen Journalisten, “Denkern” und Designern zukunftsfähige Lösungen, Ideen und Konzepte zu präsentieren. Die Beispiele und Ansätze sind meist konkret, inspirierend und gut aufbereitet. Ebenso empfehlenswert ist das Worldchanging Buch.

Copenhagenize

Find ich sehr gut, weil es um Kultur geht. Mobilitätskultur bzw. speziell Fahrradkultur. Und Amsterdam und Kopenhagen gehören einfach zu den Paradestädte für Cyclisten. Copenhagenize ist sympatisch, witzig, kompetent und offeriert immer wieder spannende Ideen zum Abschauen.

Niko Alm

Gar nicht leicht, sich aus dem Kreis der persönlich bekannten Blogger einen rauszufischen. Ich hab mich für Niko Alm entschieden, weil er sehr unterschiedliche Inhalte (Musik, Werbung,  Kommunikation, Politik, Kultur) bringt, dabei immer wieder amüsant und geistreich ist, und er sein Blog im Rahmen der Nutzung unterschiedlicher Web 2.0-Medien so anlegt, dass es einem nie durch übertriebene Selbstdarstellung am Geist geht.

Ökocenter Blog

Zugebenermaßen ist die Empfehlung nicht frei von Eigeninteresse, da ich bei diesem BEWAG-Projekt gemeinsam mit Knallgrau kooperiere. Ich halte es insofern für ein erstaunliches Portal, da es noch sehr wenige Corporate Blogs in Österreich zum Thema Energie gibt und die BEWAG damit neue Wege der Kommunikation geht. Viele Energieanbieter bzw insb. jene, die früher klassischer Energieversorger (EVU) waren, sind da unternehmenskulturell noch nicht so offen. Das Ökoenergie-Blog von Raiffeisen Leasing wär noch ein Beispiel für ein gelungenes Corporate Blog im Energiebereich.

Johannes Rauch

Jetzt musste ich kurz überlegen, welches Politikerblog ich nehmen soll. Christoph Chorherr wäre die naheliegendste Variante, aber das kennt fast jeder, der hier vorbei kommt und auf ihn verweise ich immer wieder bei einzelnen Postings. Seltener passiert dies mit dem Blog von Johannes Rauch, der ebenso ein sehr gutes Blog führt. Es ist vom Design her recht schlicht, aber dadurch fokussiert auf den Inhalt. Und da ist Johannes Rauch ein Politiker, der eben nicht nur Politsprech drauf hat, sondern an Gedankenaustausch interessiert ist und ihn auch pflegt. Nicht alle Positionen würde ich teilen, aber genau darum geht es. Wer beim Bloggen und Readen nur Selbstbestätigung sucht, ist für mich fehl am Platze. Nachdem Politikommunikation im Kern eine Frage von Kultur ist, kann ich einen Blick auf Rauch´s Blog ebenso empfehlen.


Blogday 2009

Advertisements




New Sustainable Cities Blogposting on electric cars

26 08 2009

I´ve written a new blogposting on sustainablecities on the electric car and the development of mobility solutions.

The development of electric cars is a chance for sustainable mobility. But only when developers think in systems and not only in technologies. The cities will be the playfield of innovation again.

Here´s the direct link.

Follow-Up next week.





The sprint Usain Bolt has not won ;)

22 08 2009

Berlino the bear for gold! Bolt will accept. For sure!

(click pics to enlarge)

Pictures taken on August 20th 2009 in the Berlin Olympic Stadium after Usain Bolt´s breathtaking new world record of 19,19 sec over 200m and Berlino´s crash into stapled hurdles carrying Jamaican 400m Hurdles winner Melaine Walker on his back. (here´s the youtube video on Berlino/Walker´s crash)





Es geht um die Mobilität der Zukunft, nicht nur um das Auto der Zukunft

18 08 2009

Die Dynamik der vergangenen Monate in Sachen Elektromobilität ist prinzipiell sehr erfreulich. Lange – zu lange – hat die Automobilindustrie die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Elektromotor als moderne Antriebstechnologie unterschätzt. Jetzt könnte man fast den Eindruck gewinnen, alle wollen noch schnell auf den Zug aufspringen.

trendcoverSehr viele Konzeptfahrzeuge wurden zuletzt präsentiert. Der Tesla ziert samt Verbund-Generaldirektor das Trendcover; jede Autobeilage hat regelmäßig Specials zum Elektroauto. Kaum ein Automobilkonzern kann es sich leisten, das Thema zu ignorieren. Eine sehr gute Übersicht über die historische Entwicklung und den Stand der Dinge findet sich hier auf dem Ökoenergie-Blog. Auch für die Stromwirtschaft bietet sich nicht nur ein neuer Markt für den Stromabsatz, sondern in Kombination mit den intelligenten Netzen (Smart Grids) offenbaren sich lange ungeahnte Synergien. Insofern ist auch die Achse zwischen Verbund, Siemens, Magna, KTM , AVL und AIT im Rahmen von Austrian Mobile Power zu begrüssen. Es ist  gut und richtig, wenn sich einige big Player im Land zusammentun. Auch die Plattformen wie e-connected rund um den Klimafonds oder – auf ganz anderer Ebene – der neue Bundesverband Nachhaltige Mobilität zeigen den Wunsch nach Austausch und Organisation.

Strom statt Benzin, so wird vermittelt, lautet das Motto der Zukunft.

Doch halt. Wird es so einfach gehen? Ist es wirklich so, dass wir überall Ladestationen als Tankstellen haben werden und wir das Auto in gleicher Art und Weise  nutzen werden wie jetzt?

Obwohl ich das Geschehen in der Elektromobilität seit Jahren mit positiver Grundhaltung und Optimismus verfolge, glaube ich: nein! Die Debatte greift derzeit zu kurz: nicht um das Auto der Zukunft geht es, sondern um die Mobilität der Zukunft. Und darüber wird zu wenig diskutiert. Daher ein paar Gedanken dazu:

Das Auto der Zukunft muss neu gedacht werden

tesla@grafeneggIch find ihn ja auch cool, den Tesla. (hier ein Bild von der Präsentation im Rahmen des Save the World Kongresses vor einigen Wochen in Grafenegg in Niederösterreich). Er ist ein Türöffner, weil er zeigt, was geht. Design matters!

Mit ihm weckt man Interesse und öffnet die Sinne des Homo Motoricus meist männlicher Prägung. Noch besser gefallen mir aber die norwegischen Think Fahrzeuge, wie unten am Bild einer aus der Vlotte. Er spricht mich nicht nur von der Ästethik her an, sondern er kommt dem näher, was das Elektromobil realistischerweise in den kommenden Jahren sein wird: ein leichtes, kompaktes Fahrzeug. Hervorragend geeignet für kurze und mittlere Strecken und Ballungsräume (nicht zwingend nur die Stadt)

vlotte@grafenegg

Was derzeit manche in der Automobilindustrie vermitteln, ist, dass Elektrofahrzeuge die fossilen Fahrzeuge 1:1 ersetzen werden. Nicht, dass dies technisch unmöglich sein wird, aber die Kosten- und Ressourcenfrage (Batterie, Rohstoffe,..), die noch fehlende Infrastruktur bzw. das Netz, und auch der kulturelle Wandel brauchen mehr Zeit als manche derzeit glauben. Es ist weiters aus energie- und klimapolitischer Sicht nicht egal, woher der Strom kommt. Auch wenn das Stromaufkommen durch die Elektromoblität nicht eklatant steigen dürfte (siehe PWC Studie im Auftrag des Klimafonds), sollte die Strategie an Strom aus zusätzlichen erneuerbare Energiequellen orientiert sein. In Österreich klingt das machbar; aber international?

Das Auto der Zukunft darf daher nicht so wie das Auto der Vergangenheit gedacht werden. Es geht um die Nutzung, nicht um den Erwerb und Besitz des Autos. Klar, schlechte Nachrichten für den Kfz-Handel, aber die Entwicklungen ändern sich nunmal in einer Gesellschaft. Und genau das wird in Krisenzeiten cachiert, wobei genau jetzt das Fenster für echte Veränderungen offen ist.

Neue, integrierte  Angebote: Mobilität statt nur Vehikel verkaufen

Wilfried Sihn, Österreich-Chef der Fraunhofer Forschungsgesellschaft, argumentierte im Kurier vor einigen Tagen völlig richtig: “Verkauft wird in Zukunft nicht das Auto, sondern die Mobilität. Wenn ich also als Autokunde in der Stadt bin, erwerbe ich mir eine Mitfahrgelegenheit oder ein Elektroauto, für längere Strecken aufs Land nehme ich mir an diesem Tag ein Benzinauto. Ich kaufe mir also nicht ein Fahrzeug, sondern die Nutzungsmöglichkeiten. Das sind aber natürlich noch Zukunftsmodelle”

Klar, Carsharing gibt´s schon lange, wurde aber nie wirklich breitenwirksam. Die Kultur des eigenen Autobesitzes ist auch bei Stadtmenschen weit ausgeprägt. Aber gerade wenn jetzt Geld für neue Modelle in die Hand genommen wird, dann bitte nicht nur für die Entwicklung des Autos. Das macht die ganze Welt derzeit. Ein Fahrzeug ist etwas, das in erster Linie einer konkreten Nutzung dient. Und diese Nutzungen sind sehr unterschiedlich. Transporte, Wochenendausflüge, Familienkutsche, kurze Wege, Pendeln von/aus der Stadt…die Vielfalt ist groß. Warum nicht auch das Angebot für den einzelnen vervielfältigen?

Ein Auto zu besitzen, kostet viel Geld. Und wer glaubt, dass ein Elektroauto in der Anschaffung substantiell weniger kosten wird, irrt. Die “Treibstoff”kosten werden tatsächlich sinken. Dass der Besitz eines Autos Normalität geworden ist, ist einerseits zu akzeptieren, andererseits ist die ökonomische Bilanz meist eine Katastrophe. Die Kosten für Mobilität sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Und steigen weiter. Laut Verkehrsclub Österreich wurden im Jahr 1970 noch zehn Prozent des Haushaltseinkommens für Mobilität ausgegeben, hingegen werden es im Jahr 2020 bereits 25 Prozent sein. (siehe VCÖ) Eine derartige Verteilung (neben dem dominanten Teil “Wohnkosten”) ist völlig sinnentfremdet.

Neue Modelle und neue Akteure für die Mobilität der Zukunft

Wo entsteht Innovation? Meist nicht in der zentralen Planungsabteilung, sondern durch Trial & Error in periphären Strukturen (nicht örtlich, sondern organisationstechnisch gemeint). Daher ist genau jetzt die Zeit, neue Sachen auszuprobieren und  entstehen zu lassen.

Was neue Modelle auslösen können, beweist Shai Agassi mit dem Better Place Projekt. Toll, was er bewirkt, aber ob das wirklich das sich durchsetzende Modell sein wird, kann derzeit noch kein Mensch sagen.

Wir brauchen daher nicht nur die Achse aus Technologieunternehmen, E-Wirtschaft und Automobilbranche, sondern Player, um die es derzeit noch recht ruhig in Sachen Elektromobilität ist. Z.B.

  • Kommunale Verkehrsbetriebe, die sich als integrierte Mobilitätsdienstleister verstehen und dabei eine Vielfalt an Möglichkeiten offerieren, auch die Elektromobilität.
  • Taxi-Unternehmen und Autoverleiher, die über Infrastruktur verfügen und damit auch einfache Lademöglichkeiten.
  • Bauträger, die in Wohnprojekten nicht nur Wohnraum anbieten, sondern z.B auch Mobilitätsnutzungen (warum nicht bei größeren Bauprojekten gleich die Mobilität als Angebot mitverkaufen? Ich biete nicht ein Auto, sondern viele Nutzungsformen inkl Stromtankestelle am Siedlungsgelände)
  • Große Unternehmen, die in ihrem eigenen Bereich auf Elektromobilität bauen und ebenfalls über Infrastruktur verfügen. Das Elekto-Dienstfahrzeug ist leichter zu versorgen als die Privatkutsche, die immer woanders steht.
  • Die ÖBB, die über nachgerade ungeahnte Möglichkeiten verfügt, wenn sie denn nicht ständig andere Sorgen hätte.
  • und viele viele mehr. Als Teil einer Projektentwicklungsgruppe in diesem Bereich diskutieren wir viele Konzepte und es stellt sich heraus, dass sich die Kernfrage nicht primär um das Auto dreht, sondern um die Infrastruktur. Aber diese ist vorhanden. Und zwar nicht an der klassischen Tankstelle.

Die Modellregionen wie die Vlotte in Vorarlberg, jene von Austrian Mobile Power und anderen Projekten werden viele Learnings bringen, aber dabei soll es nicht bleiben. Mutige Unternehmen und Projekte braucht das Land, die jetzt Neues probieren.

Und es braucht auch eine mutige Politik. Eine Politik, die auch ihre Verantwortung in der Stadt- und Regionalentwicklung wahrnimmt und dabei nicht primär für die fossile Automobilität einzelner plant, sondern den Ansprüchen und Bedürfnissen der Zukunft versucht, gerecht zu werden. Das wäre dann einer jener Ansätze, wo der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur als Worthülse verwendet werden könnte. Auch das gehört zentral für die Mobilität der Zukunft mitgedacht.

More to come…