COP 15: Apokalypse No Na? Nein, weil das WANN nicht egal ist.

24 11 2009

Wir leben in einer komplexen Welt. No doubt about that! Auch ob dieser Tatsache ist das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Medien nicht frei von Spannungen. So auch heute, als der renommierte Glaziologe Prof. Georg Kaser von der Uni Innsbruck brandaktuelle Untersuchungsergebnisse zum Klimawandel präsentierte.

Kaser ist Teil einer internationalen Forschergruppe bestehend aus 26 WissenschafterInnen, die teilweise an früheren IPCC-Berichten beteiligt waren, und heute in mehreren Teilen der Welt ihren Bericht “Copenhagen Diagnosis” präsentierten. Kaser ist Wissenschafter genug, um die Unsicherheiten von Klimamodellen nicht zu verleugnen, und zugleich ist er dennoch keineswegs einer der sog. Klima-Skeptiker, die den Klimawandel auf Basis des menschgemachten Treibhauseffekts in Abrede stellen. Im Gegenteil: Der Bericht kommt zum Resumée, dass einige Aspekte des Klimawandels früher und stärker eintreten werden bzw. schon eingetreten sind als noch vor wenigen Jahren durch das IPCC (International Panel on Climate Change) vermutet.

Der vollständige Bericht der Wissenschaftergruppe ist auf dieser Website zu finden. Hier nur ein paar Beispiele, damit der Umfang eines Blogbeitrags nicht wieder gesprengt wird.

Die globale Kohlendioxid Emissionen aus fossilem Brennstoff waren im Jahr 2008 fast 40% höher als 1990. Legt man die aktuellen CO2-Daten der vergangenen Jahre über die IPCC Prognosen, zeigt sich, dass die Linie dem schlimmsten Anstiegsszenario folgt. Wir haben also global noch gar nichts erreicht. Trotz Kyoto.

Dieses Szenario des  IPCC hatte übrigens gar nicht mehr im Executive Summary Niederschlag gefunden. Es ist somit nicht Teil der politischen Schlußfolgerungen der IPCC Berichte geworden.

(click to enlarge/alle Graphiken: The Copenhagen Diagnosis, 2009: Updating the World on the Latest Climate Science)

Die Temperaturerwärmung findet bereits statt. Die berühtem 0,6 Grad C globale Durchschnittstemperatur seit 1850 verteilen sich natürlich unterschiedlich. Auch in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Erwärmungstrend fortgesetzt, obwohl sich solare Einflüsse vermindert haben und andere Kühlungseffekte temporär eingesetzt  haben. Natürliche, kurzzeitige Schwankungen kommen wie gewohnt vor, aber es gab keine einschneidenden Veränderungen im grundlegenden Erwärmungstrend.

Einige der Modelle werden von den aktuellen Beobachtungen sogar übertroffen. Beispiel das Eis der Arktis. Es schwindet schneller und stärker als nach den Projekten der Klimamodelle zu erwarten war. Der Eisverlust war in den Sommern der Jahre 2007 bis 2009 jeweils um rund 40 Prozent größer als der Mittelwert der IPCC Berechnungen 2007. Bad News auch aus Grönland und von der Antarktis. Sowohl der Grönländische als auch der Antarktische Eisschild verlieren an Masse.

In der Studie sind auch weitere Beispiele erwähnt, die zeigen, dass die globale Temperaturerwärmung weitreichende Folgen hat. In diesem Zusammenhang will ich auch auf die Rolle der Städte verweisen, die kürzlich in diesem WWF Bericht geschildert wurde.

So, und jetzt zum entscheiden Punkt. Die Prognosen ergeben, dass wir – wenn wir nicht ausreichend und schnell handeln – mit einem massiven Ungleichhewicht äquivalent +6 bis +7 Grad C bis 2100 zu tun haben werden. Der Guardian hatte letzte Woche schon über die +6 Grad bis 2100 berichtet. Aber wichtig ist, was heißt die Prognose der globalen Temperaturerhöhung? Hier geht es nicht darum, sich die +6 oder +7 Grad Erdoberflächentempetaur wie Wärme auf der Haut vorzustellen, sondern wir reden vom energetischen Ungleichgewicht,  das wir unserem Klimasystem zumuten. Dem Klimasystem wird durch Treibhausgase Energie zuführt, die dieses Ungleichgewicht auslöst. Die Projektion entspricht eben einem Äquivalent von +7 Grad C, mit allen den Folgen wie Stürmen und Unwettern, Meeresspiegel-Anhebung, Permafrost Schmelzen, Gletscher etc.

Das Bild des Energiezuführens ist wichtig, denn dadurch ist es auch nicht egal, wann wir die Treibhausgase reduzieren. Je später wir damit beginnen, desto mehr müssen wir reduzieren. Es geht nicht darum, irgendwie bis 2050 um 80 – 90 % zu reduzieren, sondern wir müssen den Gesamttreibhausgaseintrag der kommenden Jahrzehnte massiv verringern. Schauen wir uns die Szenarien und wir wissen:

Leute, zaht´s an in Kopenhagen!

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Kleine nachträgliche Ergänzung. (21:35)

Medienberichte zur Studie sind mittlerweile auch ua. auf Spiegel Online, Standard Online, Zeit.de, orf at etc. verfügbar.








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