COP 15: Wie mit dem Basisjahr getrickst wird

7 12 2009

Die Welt blickt zwei Wochen lang nach Kopenhagen. Heute hat die viel Aufmerksamkeit erregende 15. Vertragsstaatenkonferenz zur UN-Klimarahmenkonvention (COP15) begonnen. Alle Zeitungen sind voll mit Berichten dazu. Die Erwartungshaltungen sind hoch. Die Stimmung wieder leicht positiv. Ich persönlich bleibe eher skeptisch.

Wie notwendig ein radikaler Wechsel ist, haben kürzlich veröffentlichte Berichte gezeigt. Immerhin sind auch große Staaten nun mit nationalen Klimaschutzzielen ausgerückt. Ein erster Fortschritt. Die EU hat mit ihren 20 bzw. 30% bis 2020 frühzeitig eine Art Benchmark gesetzt. (die Entwicklung in der EU – siehe Graphik links) Barack Obama spricht von  Minus 17 Prozent bei den Treibhausgasen ebenfalls bis 2020. Peking will bis 2020 die Menge der Treibhausgase, die pro erwirtschafteter Einheit des Bruttosozialprodukts ausgestoßen wird, gegenüber dem Jahr 2005 um 40 bis 45 Prozent senken. Beim prognostizierten Wachstum Chinas heißt das natürlich, dass es zu einem weiteren Anstieg der Treibhausgasemissionen kommt. Auch Indien ist mit einem Ziel ausgerückt, das sich auf die Treibhausintensität und das BIP bezieht. Beiden ist auch meiner Meinung nach ein limitierter Anstieg der Emissionen zuzustehen.

An den Vorschlägen zeigt sich, dass mit völlig unterschiedlichen Berechnungsmethoden rumgetrickst wird. Am liebsten mit dem Basisjahr.

Obama´s 17 Prozent bis 2020 klingen auf den ersten Blick gut. Aber sie beziehen sich auf 2005. Und nicht auf 1990, das Basisjahr für das Kyoto-Abkommen. Nimmt man jenes als Grundlage entspricht die Reduktion der Treibhausgase im US-Vorschlag nur 3,4 Prozent.

Ebenso verständlich ist, dass China nach der enormen Wachstumsphase, die noch lange nicht abgeschlossen ist, 2005 als Grundlage herannzieht, als die Emissionen deutlich höher waren als 1990. Das Spiel ist durchschaubar: jene Staaten bzw. Regionen, die ihre Emissionen reduzieren oder stabilisieren konnten, wollten 1990 als Basisjahr. (EU, Japan) Jene, die einen Anstieg hatten, wollen das höhere Emissionsniveau als Grundlage. Ein verständliches Argument für ein späteres Basisjahr ist, dass sich in den vergangenen 20 Jahren einiges getan hat auf diesem Planeten – politisch, wirtschaft etc. – man braucht nur an die Konsequenzen von 1989 denken. Für eine differenzierte Herangehensweise gibt  es jedoch die unterschiedlichen Emissionsziele, auch Burden Sharing genannt. Dafür braucht es eine Änderung des Basisjahrs nicht.

Allein die Einigung auf ein Basisjahr wird nicht leicht in Kopenhagen zu erreichen sein. Möglich ist, dass man zwischen Industriestaaten, Schwellenländern und Entwicklungsstaaten (die Staatengruppierung ist im Annex der Klimarahmenkonventionen geregelt) auch beim Basisjahr differenziert, was aber keinesegs anstrebenswert ist, denn die Vergleichbarkeit ist weiter wichtig.

Wenn wir etwas aus den Warnungen der Klimaforscher in der vergangenen Wochen gelernt haben, dann ist es die Erkenntnis, dass es eben nicht egal ist, WANN die Treibhausgase reduziert werden. Je später wir reduzieren, desto mehr müssen wir runter mit den Emissionen. Insofern ist es nur fair und angemessen, wenn 1990 als Basisjahr herangezogen wird und die Aktivitäten der letzten 20 Jahre miteinbezogen werden.

Die Treibhauskonzentrationen in der Atmosphäre werden sich nicht durch Tricks beschönigen lassen. An ihnen lässt sich der Erfolg nämlich messen, und nicht nur berechnen.








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