Gerade weil COP 15 gescheitert ist…Städte im Klimafokus

27 01 2010

Es ist zwar schon ein Zeit lang her, aber dennoch begleitet mich noch das Global Urban Summit, das vergangenen Dezember in Rotterdam stattgefunden hat. Inspirierte Personen, gute Projekte, konkrete Perspektiven. Vor allem aber die Frage, die sich während und nach der Klimakonferenz in Kopenhagen noch mehr aufgetan hat: wer ist der Motor im Klimaschutz? Klar ist: ein UN-Agreement wird es in absehbarer Zeit nicht sein.
Ich glaube, dass neben Organisationen, Initiativen und Unternehmen insbesondere die Rolle der Städte diesbezüglich beleuchtet werden muss. Laut aktueller IEA Studie werden bei aktueller Projektion Städte bis 2030 für 76% aller globalen energiebezogenen CO2-Emissionen verantwortlich sein. Schon jetzt liegt der Anteil bei 70%. Mehr Gedanken dazuin meinem Beitrag auf der dänischen Web-Plattform sustainable cities.

Mittlerweile ist auch die bemerkensrede Rotterdam-Rede von Jeremy Rifkin auf Youtube zu sehen, der die Teilnehmer sehr positiv inspiriert und motiviert hat. Viele seiner Ansichten würde ich unterschreiben. Etwa über die Endlichkeit von Öl und seiner wirtschaftlichen Bedeutung, der Notwendigkeit einer neuen, post-fossilen Revolution, kritische Aspekte zum Fleischkonsum und – logisch – die Chancen von erneuerbaren Energietechnologien und Energieeffizienz.
Aber bei einigen Punkten bin ich skeptisch. Etwa dem Optimismus einer globalen Empathiegesellschaft und dem Glauben an Wasserstoff als perfektem Energieträger.
Interessant ist seine Rede – ohne Powerpoint oder anderen Visualisierungen – dennoch.

Hier Teil 1. Die anderen Teile sind am Youtube Channel der Rotterdam Climate Initiative zu sehen.





Nachhaltigkeit in Österreichs Politik: Fremdwort & Phrase

25 01 2010

Ein heutiger Artikel von Martin Stuhlpfarrer in “Die Presse” sorgt für Irritation. Er titelt: “Rechnungshofbericht: Drei Länder als Umweltsünder”
Dabei geht es um einen – wie immer – vertraulichen Rohbericht, der die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien überprüft. Ein lobenswertes Unterfangen, denn wie Stuhlpfarrer richtig schreibt, wird der Begriff “Nachhaltigkeit” gerne von Politikern als Phrase für alles Mögliche verwendet. Das reicht von Umweltthemen über nachhaltiger Budgetpolitik (unabhängig davon, was mit dem Geld finanziert wird) bis hin zu allen möglichen teils sinnentleerten Formulierungen, die sich zwecks Attributzuweisung ebenso der “Nachhaltigkeit” bemächtigen.

Überprüft wurden drei Bundesländer: Wien, Oberösterreich, Kärnten. Und zwar nur diese Bundesländer.
Richtigerweise wird festgestellt, dass es in allen drei Bundesländern eine halb- bis gar nicht herzige Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien gibt. Jedoch passieren hier meines Erachtens im Artikel oder im Rohbericht ein paar Missverständnisse, die genau das Problem darstellen:

“Drei Länder als Umweltsünder”. Die Formel Nachhaltigkeit=Umwelt ist falsch
Nachhaltigkeit ist aber nicht nur eine ökologische Frage. Die drei Bundesländer sind durch die genannten Sachverhalte nicht spezifisch als Umweltsünder zu sehen. Klar hat Nachhaltigkeit auch mit Umwelt zu tun, aber Öko ist neben Sozial und Demokatie eine von drei Säulen. Die drei spezifisch als Umweltsünder zu bezeichnen, ist schlicht falsch.

Die drei Länder sind nicht schlimmer als die anderen
Der Artikel (insb. der Titel) suggiert, die drei Länder wären besonders schlecht im Vergleich zu anderen Bundesländern. Die anderen dürften aber nicht Gegenstand des Rohberichts sein. Insbesondere bei der genannten Treibhausreduktion zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre in der Entwicklung keinen signikanten Unterschied zwischen den Bundesländern. Im Text wird zwar richtiger weise gesagt, dass sich die Klimadaten österreichweit nicht verbessern, aber wie gesagt: der Gesamtspin ist, dass die drei Länder spezifisch schlecht seien. (siehe die aktuellen Daten aus 2006)
Und da der Wiener VP-Klubobmann Matthias Tschirf als einziger Politiker zitiert wird, womit man nicht viel spekulieren muss, wo der Quell der Information zu finden ist, geht es dabei spezifisch um die Stadt Wien.
Dabei ist die Kritik an Kärnten deutlich schärfer.
Oberösterreich tut man meines Erachtens ein wenig unrecht mit der umweltpolitischen Kritik. Auch hier greift Nachhaltigkeit ebenso nicht quer durch alle Politikmaterien (siehe Verkehr); in den klassischen Umweltbereichen ist in den vergangenen Jahren aber viel passiert, was sich derzeit noch kaum in der Klimabilanz auswirken wird (Bundesländer-Daten gibt es aktuell nur bis zum Jahr 2006) Im Energiebereich gibt es z.B. ein sehr genaues Monitoring der einzelnen Maßnahmen.

Damit kommen wie zum Kern. Der Rohbericht geht natürlich prinzipiell in die richtige Richtung, weil er aufdeckt, dass Nachhaltigkeit ein leere Hülse ist. Aber das hat eigentlich nicht in erster Linie mit diesen Bundesländern zu tun, sondern gilt wohl für Gesamtösterreich: Nachhaltigkeit als Wert, als eine Art Prinzip, das quer durch alle Politikbereiche greift, wird noch in keinster Weise ernst genommen. Dabei gibt es Nachhaltigkeitsstrategien, -prozesse etc. Doch zwischen Deklaration und ernsthafter Implementierung klafft die berühmte Lücke.
Ich hab schon vor einigen Monaten in Zusammenhang mit der ÖBB auf Nachhaltigkeit als Wert verwiesen. Welchen Werten ist ein öffentliches Unternehmen, eine Gebietskörperschaft etc. verpfichtet? Wäre es nicht an der Zeit, Managerboni in öffentichen Unternehmen an Nachhaltigkeitskriterien statt an Einsparungs bzw. Jahresbilanzzielen zu binden. Würde man Nachhaltigkeit ernst nehmen, wären riskante Finanzspekulationen öffentlicher Institutionen nie und nimmer passiert, da langfristige Effekte und Risiken automatisch mitberücksichtigt werden würden. Nachhaltigkeit ist ein Fremdwort hierzuland. Und das hat nichts mit “drei Bundesländern als Umweltsünder” zu tun, sondern damit, dass Politik im Kern zur wertfreien Zone wird.

Und da es doch ambitionierte Initiativen zum Diskurs nachhaltiger Fragestellungen gibt, zum Schluß noch ein Veranstaltungshinweis. Die Konferenz “Wachstum im Wandel” stellt sich kommenden Donnerstag und Freitag genau einer Kernfrage: welches Wachstum ist nachhaltig?





Elektromobilität: Eindrücke von der Vienna Auto Show

18 01 2010

Gestern nutzte ich die Gelegenheit, der Vienna Auto Show einen Besuch abzustatten. Ehrlicherweise war ich noch nie auf einer klassischen Automesse und ich wollte wissen, wie sehr die österreichischen Autohändler auf die Themen Elektromobilität und CO2-Ausstoß eingehen.

Klar ist gleich, dass die Vienna Auto Show mit den wirklich großen internationalen Automessen nicht vergleichbar ist. Dennoch wurde ein repräsentativer Überblick über Neuerscheinungen und Entwicklungen gegeben, der mir für den österreichischen Markt realistisch scheint. In Sachen Elektromobilität heißt das z.B., dass einige Anbieter ihre Elektrokonzepte vorstellen; ein echter Schwerpunkt wie bei internationalen Messen war aber bei der Vienna Auto Show nicht festzustellen. Dies entspricht wohl auch der Strategie der Händler. Einige maßgebliche Produzenten wie Renault setzen vergleichsweise früh auf Elektromobilität; der große bzw. österreichische Kernmarkt liegt aber in den kommenden Jahren definitiv bei konventionellen Antrieben bzw. fossilen Energieträgern. Und der ist für die Händler entscheidend. Der Anteil der Hybridautos ist aber ebenso weiter gestiegen.

Auch dass Kleinwagen derzeit im Trend liegen, war bei der Messe zu sehen. Ehrlich gesagt hab ich bei einigen Modellen jedoch Zweifel, ob den Verbrauchsangaben zu trauen ist. Nicht, dass 4-5 l/100 km unrealistisch sind, aber Tests zeigen, dass dies doch tendentiell idealtypische Werte sind.Vielleicht ist das aber auch nur als Indiz dafür zu werten, dass spritsparend Autofahren auch gelernt sein muss.

Dass es dennoch auch in Österreich eine Reihe von interessanten Modellprojekten gibt, ist unter anderem im Ökocenter-Blog (BEWAG), auf der saubereautos.at Plattform, im Ökoenergie-Blog (Raiffeisen Leasing) oder regelmäßig in Ökonews zu lesen.

Hier einige Beispiele der präsentierten Fahrzeuge: (click pics to enlarge)

Renault hatte das Kangoo Z.E.Concept als Feature. Löblich, denn obwohl in Österreich erst 2012 am Markt, stand das Modell, das ein wenig an Mac Design erinnerte, im Zentrum der Präsentation. Das Serienmodell Kangoo Express Z.E wird Renault im ersten Halbjahr 2011 als Transporter mit reinem Elektroantrieb produzieren. Der Fokus auf gewerbliche Nutzungen wirkt vielversprechend. Das Konzeptauto verfügt über einen E-Motor mit einer Leistung von umgerechnet 95 PS. Die Reichweites liegt bei 160 km. Lademöglichkeit für die Lithium-Ionen-Batterie soll es in drei Varianten geben. Daheim, in öffentlichen Ladestationen und durch Batterietausch. Ohne Batterie werden die Fahrzeuge gleich viel kosten wie die konventionelle Variante. Und naja, in Sachen Batterieanschaffung hofft man laut Renault Vertreter auf öffentliche Förderungen.
Ärgerlich find ich jedoch, dass bei alternativen Antrieben häufig von Zero Emission die Rede ist. So auch bei Renault. Das ist schlicht falsch und irreführend, denn der Strom wird bekanntlich nicht in der Steckdose produziert. Vom zusätzlichen Aufwand in einer gesamtenergetischen Betrachtung rede ich da noch gar nicht.

Auch Opel hatte was in Sachen Elektromobilität bzw. Hybrid dabei. Der Ampera, der 2011 europaweit angeboten werden soll, wurde quasi hüllenlos präsentiert, sodaß man den Antrieb genauer unter die Lupe nehmen konnte. Interessante Inszenierung. Eigentlich ist der Ampera ein Hybrid, der aber ausschließlich elektrisch fährt. Der eingebaute Verbrennungsmotor dient lediglich zur Aufladung der Batterie, er verlängert so die Reichweite. Den Verbrauch gibt Opel mit 1,6 l/100 km für die ersten 100 km an. Danach geht er jedoch ohne Zwischenladung signifkant in die Höhe. (4,8 l/100km)

Nicht unwitzig auch, dass Opel gleich daneben ein Elektrorad präsentierte. Offenbar ist das diesbezügliche Potential auch bei Automobilherstellern angekommen.

mitsubishi miev vienna auto showMitsubishi hatte den kleinen i-MiEV, am Podium. Der ist schon in Produktion und z.B. in Japan am Markt. In Österreich und anderen europäischen Ländern kommt er im Laufe des Jahres. Der i-MiEV bietet dichtgedrängt Platz für vier Personen und ht eine Reichweite von rund 140 Kilometern. Kein Foto hab ich leider vom Mila EV Elektro-Konzept von Magna. Zu finden gibt´s dazu jedoch was im Ökonews-Bericht von der Messe.

Auch VW hatte was dabei, aber die Strategie schaut anders aus. VW wird mit dem E-Up erst im Jahr 2013 auf den Markt geht. Die konventionelle Up-Variante wird im Zuge der sog. New Small Family Linie jedoch schon 2011 erhältlich sein.  Zur Elektrovariante des 3+1 Sitzers: Lithium-Ionen-Batterie, Reichweite bis zu 130 Kilometer. An einer der künftigen City-Stromsäulen soll laut die Konzept in gut einer Stunde auf bis zu 80 Prozent ihrer Gesamtkapazität nachgeladen werden können. Am herkömmlichen Garagenanschluß dauert das Aufladen nach Herstellerangaben maximal fünf Stunden.

Dass die Automesse auch für andere Verkehrsmittel gut genutzt werden kann, hat der Railjet bewiesen. Ich finde die Strategie, sich genau dort zu platzieren, eigentlich ganz gut. Und die Menschenschlange vor dem Eingang hat bewiesen, dass Bahnfahren auch für diese Zielgruppe attraktiv in Szene gesetzt werden kann. (Ein eher konventionelles Promo-Video dazu gibt´s hier) Klar, dies wird andere Probleme (Fahrgastservice etc.) der ÖBB nicht lösen – wie etwa dieser heutiger “Reise”-Bericht im Standard offenbart. Aber der gelungene Auftritt im Rahmen der Vienna Auto Show zeigt, welche Potentiale da sind.

Weitere Berichte von der Vienna Auto Show sind auf Standard Online und auf SaubereAutos.at zu finden.