Elektromobilität: Eindrücke von der Vienna Auto Show

18 01 2010

Gestern nutzte ich die Gelegenheit, der Vienna Auto Show einen Besuch abzustatten. Ehrlicherweise war ich noch nie auf einer klassischen Automesse und ich wollte wissen, wie sehr die österreichischen Autohändler auf die Themen Elektromobilität und CO2-Ausstoß eingehen.

Klar ist gleich, dass die Vienna Auto Show mit den wirklich großen internationalen Automessen nicht vergleichbar ist. Dennoch wurde ein repräsentativer Überblick über Neuerscheinungen und Entwicklungen gegeben, der mir für den österreichischen Markt realistisch scheint. In Sachen Elektromobilität heißt das z.B., dass einige Anbieter ihre Elektrokonzepte vorstellen; ein echter Schwerpunkt wie bei internationalen Messen war aber bei der Vienna Auto Show nicht festzustellen. Dies entspricht wohl auch der Strategie der Händler. Einige maßgebliche Produzenten wie Renault setzen vergleichsweise früh auf Elektromobilität; der große bzw. österreichische Kernmarkt liegt aber in den kommenden Jahren definitiv bei konventionellen Antrieben bzw. fossilen Energieträgern. Und der ist für die Händler entscheidend. Der Anteil der Hybridautos ist aber ebenso weiter gestiegen.

Auch dass Kleinwagen derzeit im Trend liegen, war bei der Messe zu sehen. Ehrlich gesagt hab ich bei einigen Modellen jedoch Zweifel, ob den Verbrauchsangaben zu trauen ist. Nicht, dass 4-5 l/100 km unrealistisch sind, aber Tests zeigen, dass dies doch tendentiell idealtypische Werte sind.Vielleicht ist das aber auch nur als Indiz dafür zu werten, dass spritsparend Autofahren auch gelernt sein muss.

Dass es dennoch auch in Österreich eine Reihe von interessanten Modellprojekten gibt, ist unter anderem im Ökocenter-Blog (BEWAG), auf der saubereautos.at Plattform, im Ökoenergie-Blog (Raiffeisen Leasing) oder regelmäßig in Ökonews zu lesen.

Hier einige Beispiele der präsentierten Fahrzeuge: (click pics to enlarge)

Renault hatte das Kangoo Z.E.Concept als Feature. Löblich, denn obwohl in Österreich erst 2012 am Markt, stand das Modell, das ein wenig an Mac Design erinnerte, im Zentrum der Präsentation. Das Serienmodell Kangoo Express Z.E wird Renault im ersten Halbjahr 2011 als Transporter mit reinem Elektroantrieb produzieren. Der Fokus auf gewerbliche Nutzungen wirkt vielversprechend. Das Konzeptauto verfügt über einen E-Motor mit einer Leistung von umgerechnet 95 PS. Die Reichweites liegt bei 160 km. Lademöglichkeit für die Lithium-Ionen-Batterie soll es in drei Varianten geben. Daheim, in öffentlichen Ladestationen und durch Batterietausch. Ohne Batterie werden die Fahrzeuge gleich viel kosten wie die konventionelle Variante. Und naja, in Sachen Batterieanschaffung hofft man laut Renault Vertreter auf öffentliche Förderungen.
Ärgerlich find ich jedoch, dass bei alternativen Antrieben häufig von Zero Emission die Rede ist. So auch bei Renault. Das ist schlicht falsch und irreführend, denn der Strom wird bekanntlich nicht in der Steckdose produziert. Vom zusätzlichen Aufwand in einer gesamtenergetischen Betrachtung rede ich da noch gar nicht.

Auch Opel hatte was in Sachen Elektromobilität bzw. Hybrid dabei. Der Ampera, der 2011 europaweit angeboten werden soll, wurde quasi hüllenlos präsentiert, sodaß man den Antrieb genauer unter die Lupe nehmen konnte. Interessante Inszenierung. Eigentlich ist der Ampera ein Hybrid, der aber ausschließlich elektrisch fährt. Der eingebaute Verbrennungsmotor dient lediglich zur Aufladung der Batterie, er verlängert so die Reichweite. Den Verbrauch gibt Opel mit 1,6 l/100 km für die ersten 100 km an. Danach geht er jedoch ohne Zwischenladung signifkant in die Höhe. (4,8 l/100km)

Nicht unwitzig auch, dass Opel gleich daneben ein Elektrorad präsentierte. Offenbar ist das diesbezügliche Potential auch bei Automobilherstellern angekommen.

mitsubishi miev vienna auto showMitsubishi hatte den kleinen i-MiEV, am Podium. Der ist schon in Produktion und z.B. in Japan am Markt. In Österreich und anderen europäischen Ländern kommt er im Laufe des Jahres. Der i-MiEV bietet dichtgedrängt Platz für vier Personen und ht eine Reichweite von rund 140 Kilometern. Kein Foto hab ich leider vom Mila EV Elektro-Konzept von Magna. Zu finden gibt´s dazu jedoch was im Ökonews-Bericht von der Messe.

Auch VW hatte was dabei, aber die Strategie schaut anders aus. VW wird mit dem E-Up erst im Jahr 2013 auf den Markt geht. Die konventionelle Up-Variante wird im Zuge der sog. New Small Family Linie jedoch schon 2011 erhältlich sein.  Zur Elektrovariante des 3+1 Sitzers: Lithium-Ionen-Batterie, Reichweite bis zu 130 Kilometer. An einer der künftigen City-Stromsäulen soll laut die Konzept in gut einer Stunde auf bis zu 80 Prozent ihrer Gesamtkapazität nachgeladen werden können. Am herkömmlichen Garagenanschluß dauert das Aufladen nach Herstellerangaben maximal fünf Stunden.

Dass die Automesse auch für andere Verkehrsmittel gut genutzt werden kann, hat der Railjet bewiesen. Ich finde die Strategie, sich genau dort zu platzieren, eigentlich ganz gut. Und die Menschenschlange vor dem Eingang hat bewiesen, dass Bahnfahren auch für diese Zielgruppe attraktiv in Szene gesetzt werden kann. (Ein eher konventionelles Promo-Video dazu gibt´s hier) Klar, dies wird andere Probleme (Fahrgastservice etc.) der ÖBB nicht lösen – wie etwa dieser heutiger “Reise”-Bericht im Standard offenbart. Aber der gelungene Auftritt im Rahmen der Vienna Auto Show zeigt, welche Potentiale da sind.

Weitere Berichte von der Vienna Auto Show sind auf Standard Online und auf SaubereAutos.at zu finden.


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5 responses

21 01 2010
Sandro

Angebot bestimmt eben die Nachfrage, deswegen wird , wie du sagst in nächster Zeit nicht die Revolution am heimischen Automarkt zu erwarten sein.
Über kurz oder lang werden sich die Händler aber damit auseinandersetzen müssen und tun es zum Teil auch schon (siehe z.b. car4you mit eigener eco Modellsuche).
Ich denke mal, dass auf den international renomierteren Messen wieder konzentrierter auf dieses Thema eingegangen wird. Es fehlen ja einige Hersteller auf der VAS. Nissan will ja auch dieses Jahr mit dem Elektroauto Leaf in Serie gehen, oder Toyota mit dem Hybrid Prius.

22 01 2010
MissPS

Glaube auch, dass die eco Modelle noch Zeit brauchen, aber in absehbarer Zeit von den Autofahrern angenommen werden…finde es dennoch gut, dass Plattformen schon jetzt Möglichkeiten bieten danach zu suchen…
LG

27 01 2010
AUTOLOS

ich stelle in meinem Bekanntenkreis fest, dass einige Leute gerne ein Elektroauto kaufen würden, aber die Industrie so lange geschlafen hat und heute eigentlich kein Fahrzeug effektiv erhältlich ist

27 01 2010
guensberg

danke für die comments.
das stimmt schon. die automobilindustrie hat sich viel zu lange geweigert, neue konzepte zu entwickeln und hat ausschließlich auf den klassischen, fossilen weg gesetzt. derzeit tut sich aber viel, und es dauert eben nicht mehr lang, bis serienreife modelle erhältich sein werden.
auch das elektroauto ist nicht per se öko. aber ein schritt in die richtige richtung. und ein anlaß über die strukturellen probleme unserer mobilität nachzudenken. und was zu ändern.
eben weil das elektroauto nicht auf die bestehende infrastruktur 1:1 aufsetzen kann.

30 01 2010
FLOG

Pro Bahn Vorarlbeg und Pro Bahn Schweiz kritisieren Verspätungen und mangelnden Komfort beim #railjet http://ow.ly/127lT #tagi Vergleich mit Cisalpino Plastik Pannenzug… Selbst bin ich noch nicht gefahren.

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