Eine Graphik sagt oft mehr als tausend Worte…

8 03 2010

Ich wiederhole heute in wesentlichen einen Beitrag, den ich schon im vergangenen Jahr zum Internationalen Frauentag gepostet habe. Die Graphik steht schlicht und ergreifend für das Kernproblem, das wir ökonomisch im Verhältnis von Mann und Frau haben: Die Einkommensentwicklung, bei der Frauen im Schnitt einen Einbruch ab 30 Jahren haben (mit sinkendem Medianeinkommen bis Ende 30), von dem an sich das Einkommen nicht einmal ansatzweise jedem der Männer angleichen kann. Ein nochmaliger Abfall ist beim Pensionsantritt zu bemerken.
In dieser Graphik liegt der Kern. Darum kann sie gar nicht oft genug herzeigen(click to enlarge):

Es gibt mehrere Gründe dafür. Einerseits: Frauen sind vergleichweise lange in Karenz und gehen dann – im Gegensatz zu Männern – oft einer Teilzeitbeschäftigung (meist schlechter) bezahlten Erwerbsarbeit ohne realistische Aufstiegschancen nach. Außerdem sind Frauen generell eher in Berufen und Branchen tätig, in denen meist schlechter bezahlt wird.
Man wird diesen Knick wohl nie ganz verhindern können, aber so extrem wie in Österreich ist er wohl nur in wenigen europäischen Staaten. Politisch geht es meines Erachtens um eine Struktur, welche die Möglichkeiten schafft Beruf und Kinderbetreuung zu vereinen und zwischen den Elternteilen fair aufzuteilen. Und es geht auch um die Kultur in diesem Land, die das gut heißt und fördert.
Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass auch bei vergleichbaren bzw. gleichen Jobs Frauen oft weniger verdienen als Männer, was schon gar nicht akzeptabel ist.
Ich finde ja, Frauenministerin Heinrich-Hosek macht diesbezüglich einen guten Eindruck und wirkt durchaus initiativ. Begrüßenswert ist ebenso, dass sich die EU der Gleichstellung verstärkt widmet.

Die Daten habe ich übrigens aus dem auch heuer wieder lesenswerten Grünen Frauenbericht 2010.





…ich geh heut wählen.

1 03 2010

Ein weiser, lebenserfahrender Mann aus diesem Lande, der im nächsten News Weisen-Ranking nicht weit hinter Paolo Coehlo liegen dürfte, sagte kürzlich im persönlichen Gespräch:
“Es is wia´s is und waun´s net war wia´s is, dann warat´s oba ah net vü aunders”

Na eh. Aber neben Lebensweisheiten dieser Art, die alle sachlichen Argumente in Schach halten können, gibt´s dennoch die Frage nach den Wegen und Möglichkeiten. Und nachdem jene (nämlich die Wege) bekanntlicherweise ja nicht nur nach Alfred Gusenbauer im Gehen entstehen, geh ich heute. Und zwar wählen.

Denn Menschen, die wie ich einen Gewerbeschein haben, sind derzeit wahlberechtigt, wenn es darum geht, “ihre” Vertreter in der Wirtschaftskammer zu wählen.
Das absurde ist, dass ich der Meinung bin, dass der Einfluß dieser Institution aufgrund der politikkulturellen, durch Lagermentalität geprägten Gegebenheiten in diesem Land eigentlich zu hoch ist. Fühl ich mich als Unternehmer derzeit durch die Kammer “vertreten”? Ja, ist es gar angemessen von “Wirtschafts”kammer zu sprechen, wo es doch eigentlich eine “UnternehmerInnen”kammer ist? Neither nor.
Weder wirtschaftspolitisch noch gesellschaftspolitisch fühl ich mich meist von der Kammer vertreten. Zu eindeutig sind die vertretenen Einzelinteressen der Big Player.
Der gesellschaftliche Kontext in dem sich Wirtschaft bewegt, ist zu wichtig, um ihn insbesondere in der Wirtschaftspolitik zu ignorieren. Und genau das passiert in vielen klassisch wirtschaftspolitischen Zugängen.
Und gerade deshalb gehe ich wählen.

Über Serviceleistungen der Kammer kann ich übrigens nichts Negatives berichten; die waren zu Beginn meiner Unternehmerschaft durchaus ok. Aber die Hürden in meiner Branche (PR-Berater) halten sich in Grenzen.

Das an der mittelalterlich anmutenden Gewerbeordnung orientierte Kammersystem ist jedoch undurchsichtig und abschreckend, aber eben weil es nicht als gottgegeben zu akzeptieren ist, ist eine Beteiligung bei der Wahl wichtig. Hier ist eine Liste mit den Wahllokalen zu finden.

Vor allem wichtig. Die Krise erfordert einen neuen wirtschaftspolitisches Zugang. Eine Auseinandersetzung mit den wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart. Etwa die Frage, wie wir unsere Energieversorung nachhaltig gestalten, um vom nächsten oil-crash unabhängig zu bleiben oder eine Bildungspolitik, die Menschen befähigt und ermutigt und nicht nur “fit” für einzelne Jobs macht. Die Zeiten des “Wir wissen, was gut für dich ist” sind vorbei und das Kammerzeitalter von Einheitslisten ebenso. Ich erwarte mir auch von einer Kammer, dass sie sich systemischen Fragen stellt und z.b. den Diskurs darüber führt, welches Wachstum wir brauchen. Sich nur an Aschermittwochen für einen Sager mal an Goldman Sachs abzuputzen, ist zu billig und populistisch, wenn man nicht Struktur & Kultur unseres heutigen Wirtschaftens selbst hinterfragt hat.

Daher wer kann, bitte nicht vergessen: heute oder morgen wählen gehen, damit´s vielleicht doch noch “a bissl aunders is waun´s nimmer is wia´s is” wird.