…ich geh heut wählen.

1 03 2010

Ein weiser, lebenserfahrender Mann aus diesem Lande, der im nächsten News Weisen-Ranking nicht weit hinter Paolo Coehlo liegen dürfte, sagte kürzlich im persönlichen Gespräch:
“Es is wia´s is und waun´s net war wia´s is, dann warat´s oba ah net vü aunders”

Na eh. Aber neben Lebensweisheiten dieser Art, die alle sachlichen Argumente in Schach halten können, gibt´s dennoch die Frage nach den Wegen und Möglichkeiten. Und nachdem jene (nämlich die Wege) bekanntlicherweise ja nicht nur nach Alfred Gusenbauer im Gehen entstehen, geh ich heute. Und zwar wählen.

Denn Menschen, die wie ich einen Gewerbeschein haben, sind derzeit wahlberechtigt, wenn es darum geht, “ihre” Vertreter in der Wirtschaftskammer zu wählen.
Das absurde ist, dass ich der Meinung bin, dass der Einfluß dieser Institution aufgrund der politikkulturellen, durch Lagermentalität geprägten Gegebenheiten in diesem Land eigentlich zu hoch ist. Fühl ich mich als Unternehmer derzeit durch die Kammer “vertreten”? Ja, ist es gar angemessen von “Wirtschafts”kammer zu sprechen, wo es doch eigentlich eine “UnternehmerInnen”kammer ist? Neither nor.
Weder wirtschaftspolitisch noch gesellschaftspolitisch fühl ich mich meist von der Kammer vertreten. Zu eindeutig sind die vertretenen Einzelinteressen der Big Player.
Der gesellschaftliche Kontext in dem sich Wirtschaft bewegt, ist zu wichtig, um ihn insbesondere in der Wirtschaftspolitik zu ignorieren. Und genau das passiert in vielen klassisch wirtschaftspolitischen Zugängen.
Und gerade deshalb gehe ich wählen.

Über Serviceleistungen der Kammer kann ich übrigens nichts Negatives berichten; die waren zu Beginn meiner Unternehmerschaft durchaus ok. Aber die Hürden in meiner Branche (PR-Berater) halten sich in Grenzen.

Das an der mittelalterlich anmutenden Gewerbeordnung orientierte Kammersystem ist jedoch undurchsichtig und abschreckend, aber eben weil es nicht als gottgegeben zu akzeptieren ist, ist eine Beteiligung bei der Wahl wichtig. Hier ist eine Liste mit den Wahllokalen zu finden.

Vor allem wichtig. Die Krise erfordert einen neuen wirtschaftspolitisches Zugang. Eine Auseinandersetzung mit den wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart. Etwa die Frage, wie wir unsere Energieversorung nachhaltig gestalten, um vom nächsten oil-crash unabhängig zu bleiben oder eine Bildungspolitik, die Menschen befähigt und ermutigt und nicht nur “fit” für einzelne Jobs macht. Die Zeiten des “Wir wissen, was gut für dich ist” sind vorbei und das Kammerzeitalter von Einheitslisten ebenso. Ich erwarte mir auch von einer Kammer, dass sie sich systemischen Fragen stellt und z.b. den Diskurs darüber führt, welches Wachstum wir brauchen. Sich nur an Aschermittwochen für einen Sager mal an Goldman Sachs abzuputzen, ist zu billig und populistisch, wenn man nicht Struktur & Kultur unseres heutigen Wirtschaftens selbst hinterfragt hat.

Daher wer kann, bitte nicht vergessen: heute oder morgen wählen gehen, damit´s vielleicht doch noch “a bissl aunders is waun´s nimmer is wia´s is” wird.


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1 03 2010
wolfgang

Bleibt noch die Frage wen wählen. In der UBIT beispielsweise hat man ja mittlerweile geschätzte 34 verschiedene grüne Listen zur Auswahl…

LG,

Wolfgang,
Ex-Nachbar

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