Kosten oder Investition? Die entscheidende Frage zur “Photovoltaik in Österreich”

29 11 2010

Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, eine Veranstaltung zur “Photovoltaik als Chance für Österreich” im Rahmen der Energiegespräche-Reihe zu moderieren. Leider komme ich erst jetzt dazu, einige meiner Eindrücke auf Guensblog zu schildern. Hierbei handelt es sich um eine subjektive Zusammenfassung der Diskussion. Und jahrelange Erfahrung zeigt, dass die Photovoltaik noch mehr als andere Themen mit Leidenschaft und polarisierend diskutiert wird. Im Gegensatz zu vergangenen Veranstaltungen war mein Eindruck aber, dass die Phase des reinen Lamentierens über die schlechten Rahmenbedingungen einem gewissen Maß an Selbstbewusstsein der Branche gewichen ist. Die internationalen Marktentwicklung hat auch in Österreich Spuren hinterlassen.

Alle Vorträge sind übrigens auf der Website des Technischen Museums bzw. der Energy Economics Group an der TU-Wien als Audiofiles und/oder PDF zum Download bereit.

Ich will nur einige der nennenswerten Punkten der Vorträge & Diskussion erwähnen:

  • Seit über 20 Jahren diskutieren wir die Photovoltaik, ihre Perspektive und politische Forderungen. Man kann festhalten, dass diese Technologie nun nicht mehr Zukunftsmusik ist, sondern in der Gegenwart angekommen ist. Hubert Fechner hat den Vergleich gebracht, dass 1992 68MW weltweit installiert wuerden. Heuer werden es wohl ca 17.000 MW sein.
    Wie die Folie von Reinhard Haas zeigt, ist Deutschland als Markt sehr dominant und das, obwohl im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetz der Fördertarif für PV degressiv angelegt ist. Seine These ist übrigens, dass eben genau das ein Anreiz ist, damit investiert wird.
  • Der Vergleich mit Deutschland wird in Österreich immer wieder herangezogen. Nur ein paar Zahlen zur Marktentwicklung. Die war in Österreich 2009 im Vergleich zum Vorjahr gar nicht so schlecht. Laut Markstatistik 2009 waren im Vorjahr insgesamt 52,6 MWpeak in A installiert. (davon letztes Jahr rund 20 MWp – vier mal so viel wie 2008) Mit den 3,9 Gigawatt die in Bayern mittlerweile am Netz sind (allein 1,5 GW letztes Jahr), kann man das natürlich nicht vergleichen. Wäre die Leistung der 2010 installierten deutschen PV-Anlagen in Tirol und Salzburg installiert worden, wäre die Jahres-Stromversorgung in diesen beiden Bundesländern gedeckt. Theoretisch. Aber nur als Modell: 9 Gigawatt würden in Ö 10.000 GWh/a produzieren. Der Stromverbrauch liegt in Salzburg bei ca. 4.000 GWh und in Tirol bei ca. 6.000 GWh. (Beispiel Fechner)
  • Österreichs produzierende Photovoltaik Unternehmen sind am Weltmarkt erfolgreich und sehen enorme Chancen. Österreich hat bereits heute ab der Solarzelle alle Teile der Photovoltaik Wertschöpfungskette im Land. Unternehmen sind unter anderem Blue Chip-Energy, Cellstrom, Energetica, Ertex-Solar, Fronius, Isovoltaic, Kioto Photovoltaics oder Hilber Solar. Im Bereich der Photovoltaik-Module liegt die Exportquote bei 91 Prozent. Die spezifischen Kosten bei netzgekoppelten PV-Anlagen konnten übrigens gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent gesenkt werden. Das Potential für Wachstum & Beschäftigung ist enorm. Was es jedoch braucht, ist ein Heimmarkt mit klar kalkulierbaren Rahmenbedingungen. Und zwar Rahmenbedingungen, die unterstützend wirken.
  • Was von der Branche gefordert wird, sind klare energiepolitische Rahmenbedingungen und Ziele, ein innovationsförderndes Umfeld, qualifizierte Arbeitskräfte und ein Heimmarkt. In einem Business-as-usual Szenario liegt der Anteil der PV an der Stromproduktion deutlich unter 1% im Jahr 2020. Die Photovoltaik Roadmap 2020 zeigt jedoch Wege, diesen Anteil massiv zu erhöhen (5 oder 8% Szeanrio)  und hat die Kosten errechnet. Die kumulierte Gesamtbelastung für alle Strom-Endkonsumenten liegt zwischen 130 und 489 Mio € im Zeitraum 2010 bis 2020. Dies bei einem Gesamtumsatz aufgrund der zu installierenden PV-Anlagen von 7,6 (im 5% Szenario) bzw.12,2 Milliarden im 8% Szenario. Insofern ist es naheliegend von Investitionen statt von Kosten zu reden.

Ebenso lang wie die Photovoltaik selbst wird auch die angestrebte Kostenreduktion und Annäherung an den Marktpreis diskutiert. Die lange diskutierte Kostensenkung dürfte vor einigen Jahren tatsächlich eingesetzt haben. Je nachdem wie sehr der Strompreis weitersteigt, wird die sogenannte Netzparität in wenigen Jahren erreicht sein. (siehe Kurve) Netzparität heißt, dass der von Endverbraucher durch PV selbst produzierte Strom dieselben Kosten je kWh verursacht wie der Bezug von einem Anbieter. (Endkundenpreis) Das heißt aber nicht, dass man einfach paar Jahre zuwarten kann, nach dem Motto “Der Weltmarkt wird´s schon richten”. Irgendwann ist man nämlich als Markt nicht nur nicht vorne dabei, sondern hat den Zug verpasst.

  • Klarerweise ist in so einer Diskussion die am Podium durch Cristina Kramer (statt dem erkrankten Stephan Schwarzer) vertretene Wirtschaftskammer Österreich in einer schwierigen Position. Innerhalb der Kammer gibt es unterschiedliche Interessen, die einerseits von der wachsenden PV-Branche noch mehr jedoch von der vor Kosten warnenden Industrie geprägt ist. Entsprechend gibt es von der WKÖ ein Comittment  zur Photovoltaik, aber große Zurückhaltung, wenn es um die Ziele für Erneuerbare Energie und Instrumente geht. Konsens gibt es jedoch auf zwei Ebenen. Erstens zur Analyse der Energiestrategie, wo sich auch laut WKÖ die Regierung bisher zu keiner systematischen und integralen Umsetzung der im März 2010 präsentierten Strategie entschlossen hat. Zweitens in der Forderung nach einem Ende der Stop & Go-Förderpolitik und dem Wunsch nach klaren Rahmenbedingungen. Die Kritik mehrere Experten, dass das 34% Ziel (Anteil erneuerbare Energie am Energieverbrauch bis 2020 ) angesichts der mitterweile erreichten knapp 30% nicht gerade ambitioniert ist, ist jedoch durchaus nachvollziehbar.

Was die Kosten betrifft, wird zu Recht darauf hingewiesen, dass sich selbstverständlich auch die anderen, weitgehend abgeschriebenen Kraftwerke wie die Großwasserkraftwerke im Preis niedergeschlagen hatten und von bezahlt wurden, nämlich ebenso vom Konsumenten. Die Folie von Reinhard Haas zeigt die Entwicklung der Stromproduktion in Österreich inkl Import und Exportquote. Das Umlagesystem, das den Ökostromzuschlag auf der Rechnung ausweist bzw. jedes mal AK und IV hochrechnen lässt, wieviel denn nun für die Ökostromanlagen “zusätzlich” zu zahlen seien, schafft nicht mehr Transparenz, sondern einseitige Argumentationshilfe. Vielleicht ist es in der aktuellen Form auch zu hinterfragen. Denn viele Preis- bzw Kosteneffekte bzw. Rückwirkungen mit dem Markt (Windfall Profits CO2-Zertifikate – siehe Haas Vortrag) sind nicht berücksichtigt und auch kaum unmittelbar berücksichtigbar.

  • Interessant ist die Auseinandersetzung mit dem Fördersystem. Reinhard Haas definierte Krierien für ein gut funktionierendes Fördersystem. Die Maximierung der Zahlungsbereitschaft, die Berücksichtigung von „Technologischem Lernen“ über dynamische Förderkomponente. Überhöhte Förderungen schaden der Akzeptanz und der Effektivität der PV-Verbreitung! Von Effizienz kann dann kaum die Rede sein. Es gibt international erprobte Förder-Strategien, die funktionieren und aus gesellschaftlicher Sicht optimale Lösungen liefern! Der breite Konsens am Podium war: “Die österreichische ist nicht dabei …” (Zitat Haas)
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3 responses

6 12 2010
Cornelia Daniel

Danke für den Beitrag! Es ist traurig, wie viel Unwissenheit in Österreich herrscht. Die funktionierenden Systeme gibt es da draussen, man bräuchte sie nur kopieren. Leider gehen wir gerne den österreichischen Weg (siehe Nichtrauchergesetz, das auch Fechner erwähnt hat).

Was mich bei der Debatte um den hohen Preis besonders ärgert ist, dass immer vergessen wird, welche Chancen durch der Stromerzeugung im eigenen Land bestehen und wie viel Energieimporte man sich über die Jahre ersparen könnte. Nicht zu sprechen von den Möglichkeiten die Subventionierung der herkömmlichen Energieträger auf die Erneuerbaren umzuschichten…

12 01 2011
Helmut

Mit Geld läßt sich natürlich alles machen, leider ist es begrenzt und deshalb stellt sich die Frage, wo wir es sinnvoll einsetzen.

Wenn es z.B. darum geht die Energieimporte zu reduzieren, dann ist jeder € der in Wärmedämmung investiert wird 5 mal so “rentabel” als wenn man dieses Geld in Photovoltaik investiert.

Auch die österreichische Wertschöpfung ist dabei höher als bei Photovoltaik-Modulen (sogar im Muster-Förderland Deutschland kommt die meiste Ware bereits aus China …).

Ein weiterer Gedanke: Die Förderpolitik für Photovoltaik beruht auf langjährigen Förderzusagen, die im Effekt nicht anders wirken, als Kreditraten die – vorwiegend die Haushalte – über die nächsten Jahre auf ihren Stromrechnungen abstottern dürfen.

12 01 2011
Cornelia Daniel

Wärmedämmung ist natürlich ein Riesenhebel und die inländische Wertschöpfung enorm. (Es sei denn wir arbeiten nur mit Stypropor) Dass es jedoch sogar bei diesem Thema noch Gegner gibt, zeigt wie der Hase läuft in Ö. Es ist für mich jedoch völlig unverständlich wie man das Thema Wärmedämmung gegen die Förderung von Erneuerbaren auspielen kann, natürlich gehen Effizienzmaßnahmen und Erneuerbare Energieerzeugung Hand in Hand.

Außerdem kann ich das vom “Spiegel” forcierte Argument der Verteuerung von Stromkosten durch Ökostrom einfach nicht mehr hören.
1. Ist unsere Energie nur so billig weil er über Jahrzehnte subventioniert wurde, es stand aber leider nicht direkt auf der Stromrechnung. Über den Merit Order Effekt können wir uns bei Gelegenheit auch unterhalten, würde aber den Kommentarrahmen sprengen.
2. Erneuerbare sind so angreifbar, weil jeder Punkt transparent ist, von der Herkunft der Rohstoffe, bis zum Benzin das der Installateur zum ausliefern verwendet. Würden wir dieselben Maßstäbe auf alle Energieträger anwenden, hätten wir ein ganz anderes Bild.
3. Das Zeitalter der billigen Energie ist hoffentlich bald vorbei, also sollte man etwas weiter denken, als bis zur nächsten Stromrechnung, die übernächste wird nämlich (nicht nur aufgrund der Erneuerbaren) ein wenig anders aussehen.

China steckt selbst ungeheure Summen in die Förderung Erneuerbarer, da dürfen wir uns nicht wundern, warum die Produkte auch in Europa die Qualitätstests bestehen und verkauft werden, schließlich sind die Anlagenhersteller für die Produktionsanlagen großteils aus Deutschland.

Ich weiß, letzteres löst nicht das Problem der 100% Wertschöpfung aber schließlich sind immer noch ca. 50% davon im Inland im Gegensatz zu einem viel kleineren Prozentsatz bei importierter Energie.

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