ASPO 2011, Teil II: Peak Cheap Oil oder “What we see is the end of growth”

1 05 2011

Mit Verspätung setze ich den kurzen Bericht über die ASPO-Konferenz in Brüssel fort. (hier Teil 1) Leider war die Zeit limitiert, um just-in-time zu bloggen. Und leider ist es auch nicht möglich, alle relevanten Infos hier zu verarbeiten.

Auch aufgrund der teils widersprüchlichen Einschätzungen, z.B. zur Rolle der Eneuerbaren im Energiemix der Zukunft. Das liegt aber in der Natur der Sache. Wer eine objektive, eindeutige Information zur Zukunft der Energieversorgung erwartet, wird möglicherweise daran scheitern. Und wer Linearität in der zukünftigen Entwicklung erwartet, übrigens noch mehr. Aber dazu demnächst noch ein Nachschlag.

Ich verspreche Teil 3, wenn alle ASPO Präsentationen online sind.

Die Krise & die Krise. Korrelation, aber auch Kausalität?

Was hatte die globale Wirtschaftskrise mit fossiler Energie zu tun? Viel. Sehr viel, sogar wenn man renommierten Ökonomen Glauben schenken darf. Und hier liegt einer der Brüche zwischen ASPO und dem medialen Mainstream bei der Einschätzung der Krise bzw. der Krisenbewältigung. Denn in den gegenwärtigen Konzepten, die den Weg aus der Krise deuten und zur Zeit tatsächlich für Entspannung sorgen, ist von der zu hohen Abhängigkeit von fossiler Energie kaum mehr die Rede. Viel haben mittlerweile vergessen, was vor dem Crash war: massiv gestiegene Ölpreise und hohe Inflation. Und tatsächlich, die Wirtschaft wächst wieder, trotz eines Ölpreises von 120 USD und mehr. Doch Vorsicht. Denn es gibt definitiv eine Korrelation zwischen Ölkrisen und den internationalen Rezessionen. Ob Korrelation gleich Kausalität bedeutet, wird eben unterschiedich gesehen. Oder wie es der angesehene Ökonom Jeff Rubin formuliert: “Every major global recession over the last forty years has had oil´s fingerprints all over it.” Sowohl der OPEC Ölschock wie auch die Krise nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait hatte Folgen auf den Preis fossiler Energie und das Wachstum der Wirtschaft. Insb. für die USA. Das Bindeglied zwischen steigendem Ölpreis und der Krise ist die hohe Inflation. Man beachte die aktuellen Preisentwicklungen auch bei Lebensmitteln und die Inflationsrate in China (> 5%) und Indien (> 8%)
Aber die entscheidende Frage ist, welcher Ölpreis ist kritisch für die globale Ökonomie? Gibt es den Punkt, wo es kippt? Sind es 150 US-Dollar? Rubin ist überzeugt, dass die globale Wirtschaft wie wir sie kennen va eine tragende Säule hat. Öl. Oder konkret: billiges Öl. Das wird es aber nicht mehr geben, da die Ölförderung teurer wird, denn konventionelles Rohöl wird den Bedarf nicht mehr decken können. Ob wir den Höhepunkt – also Peak Oil – schon überschritten haben oder er erst kommt, ist dabei zu nicht so entscheidend. Denn die unbekanntere Größe ist das unkonventionelle Öl. Und das ist eben nicht mehr so billig zu haben.

“What we see is the end of growth”
Generell zeichnet Rubin ein düsteres Bild der Weltwirtschaft, zumindes wenn man in herkömmlichen Kategorien denkt. Er sieht die Eurozone wie sie jetzt existiert als nicht mehr lange haltbar und verweist auf den unglaublich hohen Anteil, den China an US-amerikanischen Staatsleihen hält -über 1 Billion US-Dollar. Die gesamte Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten beläuft sich auf rund 4,5 Billionen US-Dollar. 14,3 Billionen US-Dollar umfassen nach offiziellen Zahlen die Gesamt-Verbindlichkeiten der USA. Man könnte meinen, die USA haben derzeit ein wirklich substantielles Problem. (auch wenn Barack Obama derzeit durchaus amüsante Reden hält – wie hier kürzlich beim White House Correspondents Dinner)

Was passiert, wenn es bei 150 US-Dollar wieder kracht? Wie soll sich das alles ausgehen? Rubin, der Ökonom, kühler Rechner und wahrlich kein Öko ist, skizziert ein Bild, das stark abweicht von herkömmlichen US-Bild. Insbesondere die OECD-Staaten werden ihren Verbrauch reduzieren müssen, denn die aufstrebenden Märkte werden dies nicht tun. „But excuse me, the world doesnt grow with tripple digit oil prices“ Oder wie er pessimistisch meint:
The last recession was an energy shock. We are moving inexorably closer to another oil price induced recession. Possibly in the timeframe of 12 month.
What we see is the end of growth.”

Ist Jeff Rubin also nur einer der sogenannte Doomer? Einer, der sich am potentiellen Untergang ergötzt? Nein, seine Analyse ist eher nüchtern und als langjähriger Chefökonom der CIBC World Markets hat er anderen Background.
Ähnlich wie übrigens auch Erik Townsend, einem Investor, der auf Ölmärkte spezialisiert ist. Seiner Meinung nach hat im Mai 2005 Peak Conventional Oil stattgefunden. Die Welt hängt nun ab vom nicht-konventionellen Öl, das tief aus der Meeresboden oder z.B. aus Teersanden gewonnen wird. Der Unterschied ist die deutlich aufwendigere Gewinnung. Kalkulierte man für konventionelles Öl einen Barrelpreis von 20 USD, ist es bei nicht-konventionellem 70USD.

Game-Changing Event
Townsend beschreibt, wie die Finanzmärkte darauf reagieren. Sie fragen: Peak what? Das Thema ist auch dort nicht im Bewusstsein. Worauf der Markt schon reagiert, ist hingegen der Preis. Townsend wirft z.b. einen Blick auf die Futures. Der Markt erwartet substantiell höhere Preis als früher. Es wird jetzt schon für die Jahren 2012 – 2014 um über 100 US-Dollar/Barrel gekauft.
Townsend beschreibt unterschiedliche Phasen, z.B. ein sog. Krisenfenster zwischen 2012 und 2015. “That´s when reality hit the financial markets. Traders still don´t understand what we´re really facing.” Und zwar insbesondere dann, wenn sich der saudische Mythos von der ständigen Verfügbarkeit großer Mengen Rohöls als falsch erweist. Oder: tja, wenn die politische Situation kippt. Man lese nur die aktuellen Nachrichten.
Wir sind derzeit übrigens in der ACH-Phase. (Anything Could Happen). Möglich ist z.B. “the big sell off”, da die US-Wirtschaft sehr fragil sei. Die Situation im Nahen Osten könnte das Game Changing Event sein.
Seine Analyse, die ebenso stark aus US-Perspektive zu sehen ist: “Energy prices had a lot to do with the crisis. Unaffordable energy breaks the back of an economy.”

Betrübliche Aussichten also, mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Nicht nur in der Energiepolitik.

Und zum Abschluss dieses Beitrags noch ein TV-Beitrag, vom australischen Sender ABC, der vor wenigen Tagen ausgestrahlt wurde und ganz gut gemacht ist. Er soll zum Verständnis für Peak Oil beitragen.
Originalquelle: http://www.abc.net.au/catalyst/stories/3201781.htm


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25 09 2011
Zum Thema “Urbane Mobilität der Zukunft” | AndreasLindinger.AT

[…] urbaner Gebiete wird in den Städten entschieden, ob uns der angesichts von Klimawandel, Peak Oil und Co. notwendige Übergang in eine Low-Carbon-Society gelingen […]

21 02 2012
Noch 99 Tage: Die 10. ASPO-International Konferenz in Wien « g u e n s b l o g

[…] der vergangenen ASPO Konferenz 2011 in Brüssel hatte ich auch hier auf Guensblog berichtet (“What we see is the end of growth“, “ASPO 2011“) Damals wurden wir vom ASPO International Vorstand gebeten, eine […]

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