Die geopolitische Dimension von Peak Oil und Ressourcenknappheit – ASPO Konferenzvorschau (Teil 2)

27 05 2012

Leider komme ich aktuell nicht in jenem Ausmaß zum bloggen wie erhofft. Es sind nur mehr wenige Stunden bis zum Beginn der ASPO-Konferenz in Wien. Nach einer ersten Übersicht, warum die “Lessons Learned” gerade in der  Peak Oil-Diskussion so relevant sind, widme ich den heutigen Beitrag kurz der geopolitischen Perspektive.

Wer die internationalen Nachrichten verfolgt, wird in Konfliktfällen häufig direkt oder indirekt auf Ressourcenfragen aufmerksam. Ob im Nahen Osten, im Sudan, aktuell im südchinesischen Meer (siehe ARD-Bericht), im wieder aufkeimenden Konflikt rund um die Falkland-Inseln (siehe Spiegel Bericht). Sehr oft steht der Streit um Ansprüche an Ressourcen und insbesondere Öl und Gas im Zentrum. Siehe etwa auch die Folgewirkung auf nervöse Märkte und Öffentlichkeit im Rahmen der Auseinandersetzungen in Libyen oder mit dem Iran (Straße von Hormus)

Es wäre wohl reduzierend, wenn man jeden internationalen Konflikt auf Energiefragen runterbrechen würde, aber ein Zusammenhang ist offensichtlich. Daher widmet sich die ASPO auch ausführlich der internationalen Politik und zentralen Fragestellungen rund um Energiesicherheit und geopolitische Aspekte. Die Above-Ground Faktoren werden schlicht immer wichtiger in der Analyse.

Die Abhängigkeit von Importen bei Öl und Gas führt auch zur politischen Abhängigkeit. Die Rohölimporte Österreichs beliefen sich im Jahr 2010 auf etwa 6,8 Mio. Tonnen, wobei Österreichs wichtigste Rohöllieferanten im genannten Jahr Kasachstan (1,8 Mio. t), Libyen (1,6 Mio. t) und Russland (0,7 Mio. t) waren. In den Jahren 2008 und 2009 war noch der Irak an zweiter Stelle. Nicht viel anders is das Bild bei Erdgas. 80% Prozent des österreichischen Gasbedarfs wird importiert, davon der überwiegende Teil aus Russland.

Es ist daher eine große Ehre, dass mit Michael Klare einer der renommiertesten Experten zum Themenkomplex “Internationale Konflikte” und Ressourcen zur ASPO-Konferenz nach Wien kommen wird. Klare hat kürzlich das Buch “The Race for What´s Left. The Global Scramble for the World’s Last Resources” veröffentlicht. (hier ein Beitrag auf Huffington Post zum Buch) Er ist Five-College Professor zu Friedens- und Sicherheitspolitik und unter anderem auch Korrespondent für sicherheitspolitische Fragen von “The Nation”.  In seinem Buch gibt er einen sehr guten Überblick über die Verquickung von Ressourcenfragen mit den aktuellen Konfliktherden. Es zeigt deutlich, wie zentral die Frage des Zugangs zu Energieressourcen und entsprechendem Vermögen für viele Staaten ist und dass entsprechend keine Wege und Mittel gescheut werden, den Zugang sicherzustellen oder zu erhalten. Bedingt bzw beschleunigt wird dies eben dadurch, das Öl und Gas nicht mehr in jenem Maße bzw zu jedem Preis verfügbar ist wie früher.

Zur Frage der Energiesicherheit Erneuerbarer Energieträger (mit ebenso einer spezifischen geopolitischen Einschätzung) wird Karen Smith-Stegen sprechen. Sie ist Professorin für Erneuerbare Energie und Umweltpolitik an der  Jacobs University und am Bremer Energie Institut.

Weitere Experten am Podium sind Karin Kneissl, Jörn Richert und Daniele Ganser (ASPO Schweiz)

Karin Kneissl ist in Österreich als Nahost-Expertin bekannt und publiziert seit vielen Jahren auch zu Energiethemen, siehe u.a. “Der Energiepoker”  Wie eng die großen Infrastrukturprojekte im Energiebereich mit höchst brisanten, politischen Fragen verknüpft sind, ist auch am Nabucco-Projekt zu sehen, worüber Karin Kneissl kürzlich diesen lesenswerten Kommentar in der Presse geschrieben hat.

Vor zwei Jahren hat die Bundeswehr Studie “Peak Oil – sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen” für enormes Aufsehen gesorgt. Auch hier werden die unterschiedlichsten Facetten im Verhältnis Ressourcen/Energie und Sicherheitspolitik, internationale Konflikte analysiert. Jörn Richert vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr, Dezernat Zukunftsanalyse, wird ein Redner am Podium sein, der die Studie und Folgeaktivitäten bestens kennt.

Die Diskussion soll zu einem noch besseren Verständnis der komplexen internationalen Zusammenhänge beitragen und auch einen anderen Blickwinkel auf das Weltgeschehen ermöglichen. Letztlich ist dieses Verständnis auch wesentlich für Fragen der Energiesicherheit und eine entsprechende strategische Ausrichtung, die nicht nur durch sicherheitspolitische, sondern auch durch energiepolitische Entscheidungen getragen werden muss.





Peak Oil abgesagt? To doom or not to doom…that is NOT the question. ASPO-Konferenzvorschau (Teil 1)

7 05 2012

Also, was nun? Ist er jetzt abgesagt, der Peak Oil wie das IWO, das Institut für Wärme und Öltechnik (früher Institut für die wirtschaftliche Ölheizung), per OTS verlautbart. Oder gibt es ihn doch, den Höhepunkt der Erdölförderung, der in einen Decline übergeht und ob der weiter hohen Nachfrage für sehr hohe Ölpreise sorgen wird?

Wie auch immer: die Frage nach der Energieversorgung der Zukunft ist aktueller denn je. Nicht nur aufgrund der Stimmung an der Zapfsäule.

Wie hier auf Guensblog schon angekündigt, findet in wenigen Wochen die 10. ASPO International Konferenz in Wien statt. Vom 30. Mai bis 1. Juni werden sich namhafte ExpertInnen und Akteure aus dem Energiebereich und anderen Fachzweigen mit Fragen der zukünftigen Energieversorgung auseinander setzen. Das Phänomen “Peak Oil” steht dabei im Zentrum und ist Anlass über relevante wirtschaftliche, soziale und ökologische Zukunftsfragen zu diskutieren, die alle an der Energiefrage hängen. (zur Auseinandersetzung mit dem Begriff Peak Oil siehe auch den Beitrag von Cornelia Daniel auf Ökoenergie-Blog)

Ich werden in den kommenden Tagen und Wochen einige der Inhalte dieser Konferenz portraitieren. Gemeinsam mit Michael Cerveny (siehe auch Twitter) und dem Team der ÖGUT organisiere ich die 10. ASPO Konferenz und freue mich sehr auf eine inhaltlich anspruchsvolle Debatte, wie sie zumindest in dieser Konstellation hierzuland noch nie zuvor stattgefunden hat.

Vorweg verweise ich auch gerne noch darauf, dass Anmeldungen zur 10.ASPO Konferenz immer noch möglich sind. Siehe ASPO-Website.

Peak Oil: Lessons Learned?

Das heutige Posting setzt sich mit der ersten Session und damit der Frage auseinander, warum wir im 10-jährigen Jubiläum von ASPO International die Frage nach den “Lessons Learned” aufwerfen.

Wer die Peak Oil Debatte verfolgt, weiß, dass sie sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt hat. Vor zehn Jahren war noch die Frage, WANN denn Peak Oil sein würde, entscheidend. Diese Diskussion fußte unter anderem darauf, dass viele Staaten tatsächlich schon ihren eigenen Peak lange überschritten hatten und in hohem Maße importabhängig gewesen sind. Damals musste man auch um Verständnis werben, dass es überhaupt einen Peak geben könnte. Der Mainstream ging davon aus, dass sich die auf billigem Öl aufbauende Entwicklung einfach fortschreiben ließe. Und damals, das war nicht nur die Zeit, in denen es im Fußball noch einen Libero und sowas wie Walkmen mit Audiokassetten zum Musikhören gab, sondern auch, wo Rohöl zwischen 20 und 30 US-Dollar wert war. Also unglaublich billig.

Jetzt, da stehen wir seit über einem Jahr bei signifikant über 100 US-Dollar für die Sorte Brent und die Märkte hängen mitunter von den gängigen Wirtschaftsprognosen ab, ob sie den Ölpreis rauf- und runterwerten. Der wirtschaftspolitische Mainstream hatte damals offenbar geirrt.

Uns ist für die Konferenz eines wichtig: Wir wollen – nicht frei von selbstkritischen Tönen – der Frage nachgehen, welche Parameter sich in den vergangenen Jahren verändert haben, um die Energieszenarien der Zukunft besser einschätzen zu können. Tatsächlich haben sich auch die Prognosen zu Peak Oil verschoben. Es gibt keine einheitliche Meinung, wann denn nun Peak Oil sei. Aber der Kern ist, dass es darum auch nicht mehr in erster Linie geht. Relevant ist die strukturelle Abhängigkeit von Öl und Gas. Auch die IEA hat seit Jahren kritischere Töne angeschlagen.

Es geht in der Debatte letztlich nicht darum, vor zehn Jahren Recht gehabt zu haben, sondern darum, der Zukunftsfähigkeit einen Schritt näher zu kommen, indem man das komplexe System der weltweiten Energieversorgung besser versteht. Einige interessante Daten hat kürzlich The Oil Drum (Autorin Gail The Actuary) zusammengefasst.

Hochkarätige Gäste

Daher freuen wir uns, dass die Speaker dieser ersten Session am Vormittag des 30. Mai sehr unterschiedliche Aspekte abdecken werden:

Kjell Aleklett ist Präsident von ASPO International und Physik-Professor an der Universität in Uppsala (Schweden). Er wird in Wien – quasi als Weltpremiere – sein neues Buch “Peeking at Peak Oil” (Springer Verlag) präsentieren, in dem er dem Phänomen Peak Oil auf den Grund geht und es auch dank der intensiven Mitwirkung von einem der führenden schwedischen Illustratoren, Olle Qvennerstedt, nachvollziehbar und verständlich veranschaulicht.

Jeremy Gilbert kennt das Ölgeschäft von der Pike auf. Viele Jahrzehnte war er für BP als Chefingenieur tätig. Gilbert kennt die Insights der Ölexploration und hat seit Jahren einen kritischen Blick auf die weltweiten Entwicklungen. Man kann gespannt sein, wie er die vergangenen Jahre einschätzt.

40 Jahre nach Limits to Growth wird Dennis Meadows auch an der Podiumsdiskussion zum Thema “Lessons Learned” teilnehmen. Meadows verfolgt die Peak Oil Debatte aufmerksam (ich hatte ihn zuletzt bei der ASPO USA Konferenz getroffen) und wird mit Sicherheit auch einige Punkte in die Diskussion einbringen, die aus systemischer Sicht den Peak Oil-Akteuren zu denken geben werden. Dass er an der Konferenz in Wien teilnehmen wird, ist uns als Organisatoren eine große Ehre.

Einen Neuzugang auf der “Confirmed Speakers” Liste darf ich hier quasi noch ankündigen. Gestern kam die Zusage von Nebojsa Nakicenovic, an der Diskussion teilzunehmen. Dies ist besonders erfreulich, da Nakicenovic nicht nur Professor an der TU in Wien  und Deputy Director am IIASA in Laxenburg, sondern auch als Director des Global Energy Assessment international eine relevante wissenschaftliche Persönlichkeit in der Einschätzung von Energieszenarien und Trends ist.

Zudem werden zum Thema “Lessons Learned” Helga Kromp-Kolb sprechen, die den aktuellen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel, dem Energie- und Ressourcenverbrauch analysieren wird und hierzulande vielleicht weniger bekannt, der schottische Geologe, Euan Mearns. Er wird der Frage nachgehen, wieweit die sog. unkonventionellen Formen der Öl- und Gasgewinnung mögliche “Gamechanger” in der Energieversorgung sein können. Denn eines ist klar: in den USA z.B. hat sich die energiepolitische Debatte aufgrund der stark gestiegenen Eigenproduktion wesentlich geändert. Doch was sind die Folgen und welche Perspektiven gibt es wirklich, wenn Schiefergas oder Öl aus kanadischem Teersand die Energieversorgung der Zukunft bestreiten?

Ist das in Wirklichkeit alles kein Problem und die Welt wird diesem Artikel im European Energy Review folgen?  Cheer up. The world has plenty of oil.

Was bedeutet dies für das Klima? Und welchen Preis hat man für diese Form der Energiegewinnung zu zahlen?

Oder wird Peak Oil tatsächlich die Weltwirtschaft von einer Rezession in die nächste stürzen, damit am Ende alles zusammenbricht, weil das Schmiermittel eines kontinuierlichen globalen Wachstums, nämlich Öl, einfach nicht mehr günstig zur Verfügung steht?

Optimismus ist jedenfalls nicht angebracht, denn möglicherweise befindet sich die (positive) Einschätzung gar in der Mitte, nämlich dass es an maßgeblichen strategischen Weichenstellungen unsererseits liegen wird, wie wir unsere Zukunft gestalten und die richtigen Entscheidungskriterien für die zukünftige Energieversorgung anlegen.

Wir werden es nicht wissen, wenn wir nicht in der Lage sind, in einem nächsten Schritt die vergangene, äußerst dynamische Entwicklung richtig einzuschätzen.

Auch dazu soll die 10. ASPO Konferenz in Wien beitragen. You´re very welcome!

Die 10. Internationale ASPO-Konferenz wird durch die finanzielle Unterstützung folgender Institutionen ermöglicht: Land Niederösterreich, Dachverband Energie-Klima der Wirtschaftskammer Österreich, Stadt Wien – MA 20 Energieplanung, Klima- und Energiefonds, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Pro Pellets Austria, IG Windkraft.