Guensblog Top5 – Music 2012

27 12 2012

Wenige Tage vor Neujahr: Die Jahresrückblicke sind meist schon abgespult; die Listen und Rankings geniessen Hochkonjunktur. Der New Yorker hat soeben sowas die Liste der Listen aller Zeiten veröffentlicht. Jene von Guensblog finden sich natürlich nicht auf einer Liste wieder, auf der es die Wine Spectators Top 100 auf Platz 84 und Rolling Stones´Top 500 Alben aller Zeiten auf Platz 81 schaffen. Nicht mal die zehn Geboten haben´s unter die Top 3 geschafft.

Sei´s drum. Ich werde heuer zwei resumierende Postings machen, einerseits den alljährliche Musikrückblick und andererseits im nächsten Beitrag ein inhaltliches Resumée über das abgelaufene Jahr mit einigen Social Media Top 5 (ein neues Unterfangen)

Ich lese gerne die Musik-Listen diverser Medien und Blogs, stelle aber fest, dass es immer weniger Übereinstimmung mit meinen Präferenzen gibt.  Das macht gar nichts, denn mit der Zeit ist es gut, sein eigenes Referenzsystem zu basteln und dennoch jene anderer Quellen zu nutzen, um auf Unentdecktes, Nicht-Berücksichtigtes oder gar Neues zu kommen. Dies ist eigentlich der wichtigste Zweck der jährlichen Top 5. Falls es wen  interessiert, die aggregierte Version (samt Spotify Playlist) und eine Übersicht diverser Musiklisten hat giga.de veröffentlicht. Auch inspirierend jedes Jahr die Jahresliste  von metacritic.com.

2008, 2010 und 2011 hat es schon Guenblog-Listen gegeben. Es ist interessant, die alten Beiträge nochmals zu lesen. 2011 war rückblickend betrachtet kein gutes Musikjahr. Hingegen gab es 2008 in der “Best “Wow! Never Heard Before – Artist” 2008” Kategorie mit Efterklang eine Band, deren Werk mich tatsächlich kontunierlich weiter begleitet hat. Wie sehr Musik mit der eigenen Geschichte verknüpfbar, habe ich versucht, in einem Posting an Hand des Jazzfestival Saalfelden zu exemplifizieren. Darum geht´s irgendwie.

So then, here we go:

Top 5 Tracks of 2012

Extrem schwierige Selektion in einem starken Musikjahr mit guten Neuerscheinungen. Alle genannten Top 5 Listen sind übrigens nicht gereiht.

Heave von The Maccabees: Ein Highlight eines ausgezeichneten Albums der britischen Band, die ich davor noch nicht am Radar hatte.

Point Of No Return von Tina Dico: Diese Dänen – sie schaffens häufig auf diese Liste. Außergewöhnliche, kraftvolle Stimme, die grad bei ruhigen Nummen wie Point Of No Return bestens zur Geltung kommt. (Youtube Link zu einer Akkustik Aufnahme in Kopenhagen)

Dreams Today von Efterklang: Schon wieder Dänen. Während ich – wohl ob der Erinnerungen an famose frühere Konzerte – heuer vom etwas zu glatten Gig leicht enttäuscht war, sind einige der neuen Nummern von Piramida nicht nur aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte stark. Dreams Today beginnt mit den Geräuschen von Laufschritten über einen Steg, die den Rhythmus der Nummer vorgeben.

Violently von Archive: Auch hier eine schwierige Entscheidung zwischen drei Nummern des neuen Albums. Letztlich ist es Violently, weil sie die unterschiedlichen Qualitäten der Band vereint. Auch dank der neuen, zusätzlichen Sängerin Holly Martin (Archive haben als Kollektiv vier Sänger/Innen).

Rowboats von Regina Spektor: Der Song ist schlicht exzellent geschrieben, gespielt und programmiert.

 

Top 5 Albums of 2012

Rhythm and Repose von Glen Hansard: Eigentlich das erste Solo-Album des irischen Sängers. Die Frames, deren Frontman Hansard gewesen ist, waren früher schon Favoriten von mir. Das neue Album unter eigenem Namen samt  Band ist erste Klasse. Hier ein Mitschnitt auf Youtube eines Konzerts in Bremen:

Given To The Wild von The Maccabees: siehe oben

Thread Of Life von Magnus Öström. Das Album des ehemaligen E.S.T Schlagzeugers, ist schon 2011 erschienen, hat sich aber erst 2012 bei mir eingespielt. Viele Sounds erinnern an die  E.S.T. Ära, die leider nach dem tragischen Tod von Esbjorn Svensson viel zu früh beendet werden musste. Dennoch ist Thread of Life ein hocheigenständiges Werk, das für die Zukunft noch einiges erwarten lässt. Apropos E.S.T.: Mit 301 ist heuer ein ebenso großartiges Nachlasswerk veröffentlicht worden, das bislang unveröffentlichtes Material einer Session rund um Leucocyte zu Tage bringt.

Theatre is Evil von Amanda Palmer & The Grand Theft Orchtestra. Cool war Amanda Palmer bislang  schon, aber mit dem Album zeigt sie insbesondere dank der neu zusammengestellten Band mehr Facetten, gutes Songwriting und breit aufgestellte Instrumentierung. Dank Kickstarter Projekt ist auch die crowdfunded Finanzierung des Albums denkwürdig.

FAT von Alexander Machacek, Raphael Preuschl und Herbert Pirker. Es ist schlicht eine Freude, zu sehen, wie sich drei österreichische Musiker, deren Schaffen man seit Jahren verfolgt, musikalisch weiterentwickeln. Machacek hat von LA aus die Gitarristengazetten erobert, Preuschl und insbesondere  Pirker sind nicht nur im Porgy regelmässig in unterschiedlichsten Konstellation auf der Bühne zu sehen. Großartige Scheibe mit extrem komplexen aber dennoch geniessbaren Tracks. Das vielleicht nicht völlig durchchoreographierte Promo-Video, lässt einen reinschnuppern:

 

Top 5 Concerts of 2012

Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra. 5. November 2011, Arena Wien.
Trotz schwerer Bronchitis von AFP ein auch dank einiger Sonderperformances von Mitmusikern außergewöhnliches Konzert. Die Improvisationsfähigkeit und exzessive Interaktion mit dem Publikum wird auch bei diesem Video des Konzerts in Paris augenscheinlich. Die Umstände waren ähnlich jenen in Wien.

Tina Dico, 17. Oktober 2012, WUK Wien.

Nicht nur weil Wegbegleiter Helgi Jonsson ein klasser Kerl ist. Starker Live-Auftritt.

Clara Luzia & Band, 4. August 2012, More Ohr Less, Lunz am See

Für mich eine kleine Überraschung, weil ich Clara Luzia zwar bislang OK fand, aber so richtig überzeugt war ich noch nicht. Der Abend hat meine diesbezügliche Wahrnehmung verändert. Die Band hat sich enorm weiter entwickelt. Das Ambiente auf der beschaulichen Seebühne hat ebenso zur idyllischen Gesamtstimmung beigetragen. Starke neue Platte auch!

Christian Muthspiel 4 feat. Steve Swallow, 23. August, Jazzfestival Saalfelden

Eine hochspannende Annäherung an die Renaissance Musik von John Dowland. Siehe Guensblog Beitrag zu Saalfelden 2012.

Archive, 26. November 2012, WUK Wien.

Es ist manchmal knapp am Abdriften in kaum erträglichen Schnulz bei dieser Band, aber sie kratzen jedes mal die Kurve und fetzen dann kraftvoll, elektronisch gestützt und mit viel Druck raus. Ein Mitschnitt von drei neuen Nummern, aufgenommen in Paris, verdeutlicht diese Dynamik

 

Top 5 – New Discoveries of 2012

RED Trio: Die portugiesische Improvisations-Jazzszene war mir bislang eher unbekannt. Dank Saalfelden gibt es nun einen Anker.

Giantree: Wieder was aus Österreich. Starkes Album, das auch live standhält. Communicate ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Jherek Bischoff: Der Bassist von Amanda Palmers Grand Theft Orchestra zeigte im Vorprogramm des Arena-Konzerts seine Fähigkeiten als Komponist und Arrangeur. Sein Album “Composed” mit einigen prominenten Gästen wäre auch auf der Alben-Liste gelandet. Für mich sowas wie DIE Entdeckung des Jahres. Hier ein Eindruck:

Kasar: Hier gilt das gleiche wie bei Jherek Bischoff. Eher zufällig bei einem Konzert auf ihn gestossen. Bei Pianist Arnold Kasar war es gleich zwei mal, in Lunz und im Porgy. Ausgezeichnetes Album “Put A Light On Me”. Hier “En Automne” als Beispiel:

Ramona Falls : Brent Knopf war viele Jahre Teil von Menomena, die auf der Best of Liste 2010 zu finden sind. Nun kümmert er sich nur mehr um sein eigenes Projekt, Ramona Falls, und ehrlicherweise überzeugt mich dieses Album deutlich mehr als die neue Menomena Scheibe.

Also, irgendwen  habe ich sicher vergessen. Wenn´s ganz arg ist, wird das noch ergänzt😉


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30 12 2013
Guensblog Top 5 – Musik 2013 | g u e n s b l o g

[…] ohne große einführende Erläuterungen. Wie schon 2008, 2010, 2011 und 2012 dient mir selbst die Liste als Art Rückschau und vielleicht dem einen oder der anderen LeserIn als […]

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