Guensblog Top 5 – Musik 2013

30 12 2013

Heuer ohne große einführende Erläuterungen. Wie schon 2008, 2010, 2011 und 2012 dient mir selbst die Liste als Art Rückschau und vielleicht dem einen oder der anderen LeserIn als mögliche Quelle für Versäumtes und ggbfalls Nachzuholendes. Bin jedenfalls wie immer für Hinweise dankbar. Ich weiß, die Liste ist stilistisch recht breit, aber so ist eben mein Zugang. Selten gab es dafür so wenig Übereinstimmung mit den Rankings diverser Medien. (wiewohl da schon einige Hinweise auf mir Entgangenes dabei sind)

2013 war kein besonders gutes Jahr was Neuerscheinungen betrifft. Ganz anders jedoch was Konzerterfahrungen betrifft. Hier war die Reduktion auf 5 denkwürdige Highlights wirklich schwierig.
Schamlos bediene ich mich wieder einiger Youtube-Videos. Dank an allen Bereitstellern.

Best Song 2013

Gregory Porter: No Love Dying
. Quasi die Stimme des Jahres.



The Bad Plus – Seven Minute Mind
. Das Album ist bereits 2012 erschienen. Herrliche rhythmische Wechsel, wunderbare Linien. Großartige Band.


Villagers – Waves
Die irischen Vllagers sind sowas wie die Band des Jahres.
Editors: Sugar. Das Album ist meiner Meinung nach schwach, aber der Song bietet mehr als nur Pathos.
Bat For Lashes – Laura: Auch schon aus 2012, aber bei mir eben erst 2013 etabliert. Dass der Song auch auf großer Bühne funktioniert, ist erstaunlich. Einige nette Coverversionen kursieren im Netz. (etwa von Amanda Palmer)

Best Album 2013

Villagers: Awayland


Olafur Arnalds: For Now I´m Winter. Schon wieder. Island!
Magnus Östrom: Searching for Jupiter. Dieeeeeeeese Schweden (c Hans Huber, 1997) Aktuelles Album des Schlagzeugers der unvergessenen E.S.T.
Sweet William Van Ghost: For God and Christoph Marek. In vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Musikalisch, textlich und durch die rare Live-Präsenz des Künstlers.
Das Comeback der alten Helden. Black Sabbath haben nicht nur nach 43 Jahrn mit “13 ” die UK-Album-Charts erklommen, sondern auch tatsächlich ein wirklich starkes Album in fast Originalbesetzung hingelegt. Manchmal wird mal belächelt, wenn man Deep Purple erwähnt. Aber “Now What?!” ist ein gelungenes Album. (Platz 1 Albumcharts DE)

Top Concerts 2013

Amanda Palmer – Porgy & Bess, 14.11.
Hatte zwei mal heuer das Vergnügen, AFP zu sehen. Das Solokonzert im Zuge des Bluebird wird für wohl alle Besucher als denkwürdigst in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen ihrer musikalischen Performance, sondern auch ihre Erzählungen schaffen einen Kontext, der viele BesucherInnen sehr spezifisch adressiert. Es bleibt jedesmal was hängen.
Diesmal kein Konzertvideo, sondern ein dänisches Interview samt Backstage-Eindrücken.

Efterklang – Stockholm Arts & Music Festival, 14.8.
Die Dänen gehören seit einigen Jahren zu meinen Favoriten. Wirkten zuletzt schon etwas überspielt, aber Stockholm hatte wieder Klasse. Außerdem tolles Festival.
The Bad Plus, Porgy & Bess, 20.5.
siehe oben.
The Irrepressibles, Brut, 16.3.
Scott Matthew – Porgy & Bess, 1.11.
Blendend gelaunt, großartig begleitet und sehr stimmungsvoll.

Kein Zufall, dass so oft Porgy & Bess angegeben ist. Das Programm heuer war sensationell. Das Porgy macht die Stadt seit 20 Jahren zu einem noch besseren Ort. Danke dafür!

Sonst noch länger in Erinnerung:
Die unglaublichen Grooves von Drummer Luke Flowers beim Cinematic Orchestra Auftritt im Burgtheater.
Die außergewöhnlichen Klangforum-Konzerte 2013 im Wiener Konzerthaus.
Die schottische Band Glasvegas in Edinburgh.(kein Konferenz- ohne Konzertbesuch) Ob die dortigen Bekanntschaften in ewige Freundschaft, Schlägereien vor dem Club oder beides gleichzeitig übergehen, war mir zeitweise nicht klar. Die Crowd war jedenfalls sehr begeisterungsfähig.
Und neu am Radar: die estnische Band I Wear* Experiment, die ich nur dank der Credits auf der Weihnachtskarte des estnischen Präsidenten erkundet habe. Eine Premiere. Twitter sei Dank!





Buchpräsentation: “Der geplünderte Planet” (mit Ugo Bardi)

9 12 2013

Kommenden Mittwoch, am 11.12.2013, findet in Wien die Präsentation von Ugo Bardis Buch “Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen” statt. Die Veranstaltung im Rahmen von Wachstum im Wandel  wird Anlaß sein, Einblick in den Status Quo der Entwicklung kritischer Rohstoffe zu erhalten und gemeinsam mit dem Buchautor und den Ökonomen Sigrid Stagl (Professorin für Umwelt- und Regionalwirtschaft, Wirtschaftsuniversität Wien) und Kurt Bayer  (langjähriger Boarddirector der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) darüber zu diskutieren, wie der Umgang mit limitierten Ressourcen in einem gleichzeitig völlig wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystem aussehen könnte.

Alle Details zur Veranstaltung sind auf der Wachstum im Wandel Seite zu finden. (hier auch englischsprachig; die Veranstaltung wird in englischer Sprache stattfinden) In Kooperation mit der ÖGUT organisieren wir diese Veranstaltung.

Ugo-Bardi_Der-geplünderte-Planet1-182x300Das Buch, das zugleich 33. Bericht an den Club of Rome ist, kann sehr empfohlen werden. Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität in Florenz, zeigt gemeinsam mit 15 weiteren renommierter Experten die Zusammenhänge von Ressourcen, Umwelt, Wirtschaft und Politik auf. Ausgehend von der Geschichte des Bergbaus erhält man ein Update über viele Rohstoffe, die zentral für unser wirtschaftliches Handeln sind.  Bardi verweist bereits in seiner Einleitung auf die viel zitierten Limits to Growth vor über 40 Jahren. Es sei eines der großen Missverständnisse im öffentlichen Umgang mit Limits to Growth, dass viele der besagten  Rohstoffe einfach ausgehen würden. Die ökoligischen aber auch ökonomischen (und teils auch politischen) Implikationen von schlicht steigender Nachfrage bei zugleich kritischer Verfügbarkeit sind die zentrale Message. Ein wesentlicher Faktor dabei ist der Preis. Neue Technologien werden uns nur teilweise helfen können, das Dilemma eines wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems bei limitierten Ressourcen zu lösen. Teurer wird es jedenfalls. Ob Seltene Erden, Kupfer, Zink, Nickel, natürlich Erdöl und viele mehr – ihr Fördermaximum könnte bald erreicht sein. (Phosphor ist ebenfalls ein gutes Beispiel. siehe auch den Beitag aus dem HEUREKA Wissenschaftsmagazin)

All das ist nicht nur aus ökologischen Gründen hochbrisant, sondern auch unser Wirtschaften wird nachhaltig von der Rohstoffentwicklung beeinflusst. Doch lauten die Prioritäten derzeit andere. Billiger müsse unserer Standort laut Industriellenvereinigung werden; quantitatives Wachstum scheint die zentrale Strategie aller europäischen Regierungen zu sein. Differenziert wird kaum, welche Bereiche wachsen sollen und welche kontraproduktiv seien. Die enormen Risiken dieser Strategie werden weitgehend ausgeblendet. Politisch teilsweise verständlich, denn aktuell bedeutet schwachses Wachstum mehr Arbeitslose.

Letztendlich schauen die Szenarien dann folgendermaßen aus: Der World Energy Outlook 2013 der Internationalen Energie Agentur ist dafür ein gutes Beispiel. Er geht in den zentralen Szenarien von einem globalen jährlichen 3,6 Prozent BIP Wachstum ist. Klingt vielleicht für manche harmlos, bedeutet aber letztlich eine nahezu Verdopplung des Gesamt-BIP innerhalb von gut 20 Jahren (exponentielles Wachstum). Dieses Wachstumsszenario basiert zu über drei Viertel auf fossiler Energie, dessen Verbrauch ebenso mitsteigen wird.

weoenergydemand(Quelle World Energy Outlook 2013)

Ein weiteres Szenario, das kürzlich bei einem Vortrag vom Stefan Giljum von der Forschungsgruppe „Sustainable Resource Use“ an der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ gezeigt und kritisch betrachtet wurde: der globale Ressourcenverbrauch der vergangenen 30 Jahre und die Projektion in die Zukunft. Siehe auch dieses lesenswerte orf.at Interview mit Giljum.

materialscenarioQuelle ist der äußerst interessante und gut aufbereitete Bericht “Greening economies around the world? (ua. SERI)

Weiterwachsen lautet das Motto. Die Treiber dafür sind insbesondere die Nicht-OECD Staaten. Etwaige Preiseffekte aufgrund limitierter Verfügbarkeit bei steigender Nachfrage sind hier übrigens nicht berücksichtigt. Wie generell Ressourcenknappheit keine Auswirkungen auf die Szenarien und entsprechende Politiken haben dürfte. Was zur simplen Frage ungeachtet aller zentralen ökologischen Fragestellungen führt: wie soll sich das alles ausgehen? Martin Kugler beschrieb zuletzt in der Presse einige aktuelle Forschungsarbeiten, die zeigen, dass sich das angestrebte Wirtschaftswachstum  nicht auf umweltschonende Weise erreichen lässt.

Technologie allein wird dieses Problem nicht lösen. Der Ruf nach billigerer Energie schon gar nicht. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt aber auch nix, denn sogar dieser wird zum hochbegehrten Rohstoff des Bausektors.

Also bleibt die Frage, wie die Alternative aussieht?

Möge uns der 11.12.  einige Hinweise liefern.
to be continued…