Buchpräsentation: “Der geplünderte Planet” (mit Ugo Bardi)

9 12 2013

Kommenden Mittwoch, am 11.12.2013, findet in Wien die Präsentation von Ugo Bardis Buch “Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen” statt. Die Veranstaltung im Rahmen von Wachstum im Wandel  wird Anlaß sein, Einblick in den Status Quo der Entwicklung kritischer Rohstoffe zu erhalten und gemeinsam mit dem Buchautor und den Ökonomen Sigrid Stagl (Professorin für Umwelt- und Regionalwirtschaft, Wirtschaftsuniversität Wien) und Kurt Bayer  (langjähriger Boarddirector der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) darüber zu diskutieren, wie der Umgang mit limitierten Ressourcen in einem gleichzeitig völlig wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystem aussehen könnte.

Alle Details zur Veranstaltung sind auf der Wachstum im Wandel Seite zu finden. (hier auch englischsprachig; die Veranstaltung wird in englischer Sprache stattfinden) In Kooperation mit der ÖGUT organisieren wir diese Veranstaltung.

Ugo-Bardi_Der-geplünderte-Planet1-182x300Das Buch, das zugleich 33. Bericht an den Club of Rome ist, kann sehr empfohlen werden. Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität in Florenz, zeigt gemeinsam mit 15 weiteren renommierter Experten die Zusammenhänge von Ressourcen, Umwelt, Wirtschaft und Politik auf. Ausgehend von der Geschichte des Bergbaus erhält man ein Update über viele Rohstoffe, die zentral für unser wirtschaftliches Handeln sind.  Bardi verweist bereits in seiner Einleitung auf die viel zitierten Limits to Growth vor über 40 Jahren. Es sei eines der großen Missverständnisse im öffentlichen Umgang mit Limits to Growth, dass viele der besagten  Rohstoffe einfach ausgehen würden. Die ökoligischen aber auch ökonomischen (und teils auch politischen) Implikationen von schlicht steigender Nachfrage bei zugleich kritischer Verfügbarkeit sind die zentrale Message. Ein wesentlicher Faktor dabei ist der Preis. Neue Technologien werden uns nur teilweise helfen können, das Dilemma eines wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems bei limitierten Ressourcen zu lösen. Teurer wird es jedenfalls. Ob Seltene Erden, Kupfer, Zink, Nickel, natürlich Erdöl und viele mehr – ihr Fördermaximum könnte bald erreicht sein. (Phosphor ist ebenfalls ein gutes Beispiel. siehe auch den Beitag aus dem HEUREKA Wissenschaftsmagazin)

All das ist nicht nur aus ökologischen Gründen hochbrisant, sondern auch unser Wirtschaften wird nachhaltig von der Rohstoffentwicklung beeinflusst. Doch lauten die Prioritäten derzeit andere. Billiger müsse unserer Standort laut Industriellenvereinigung werden; quantitatives Wachstum scheint die zentrale Strategie aller europäischen Regierungen zu sein. Differenziert wird kaum, welche Bereiche wachsen sollen und welche kontraproduktiv seien. Die enormen Risiken dieser Strategie werden weitgehend ausgeblendet. Politisch teilsweise verständlich, denn aktuell bedeutet schwachses Wachstum mehr Arbeitslose.

Letztendlich schauen die Szenarien dann folgendermaßen aus: Der World Energy Outlook 2013 der Internationalen Energie Agentur ist dafür ein gutes Beispiel. Er geht in den zentralen Szenarien von einem globalen jährlichen 3,6 Prozent BIP Wachstum ist. Klingt vielleicht für manche harmlos, bedeutet aber letztlich eine nahezu Verdopplung des Gesamt-BIP innerhalb von gut 20 Jahren (exponentielles Wachstum). Dieses Wachstumsszenario basiert zu über drei Viertel auf fossiler Energie, dessen Verbrauch ebenso mitsteigen wird.

weoenergydemand(Quelle World Energy Outlook 2013)

Ein weiteres Szenario, das kürzlich bei einem Vortrag vom Stefan Giljum von der Forschungsgruppe „Sustainable Resource Use“ an der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen der Reihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ gezeigt und kritisch betrachtet wurde: der globale Ressourcenverbrauch der vergangenen 30 Jahre und die Projektion in die Zukunft. Siehe auch dieses lesenswerte orf.at Interview mit Giljum.

materialscenarioQuelle ist der äußerst interessante und gut aufbereitete Bericht “Greening economies around the world? (ua. SERI)

Weiterwachsen lautet das Motto. Die Treiber dafür sind insbesondere die Nicht-OECD Staaten. Etwaige Preiseffekte aufgrund limitierter Verfügbarkeit bei steigender Nachfrage sind hier übrigens nicht berücksichtigt. Wie generell Ressourcenknappheit keine Auswirkungen auf die Szenarien und entsprechende Politiken haben dürfte. Was zur simplen Frage ungeachtet aller zentralen ökologischen Fragestellungen führt: wie soll sich das alles ausgehen? Martin Kugler beschrieb zuletzt in der Presse einige aktuelle Forschungsarbeiten, die zeigen, dass sich das angestrebte Wirtschaftswachstum  nicht auf umweltschonende Weise erreichen lässt.

Technologie allein wird dieses Problem nicht lösen. Der Ruf nach billigerer Energie schon gar nicht. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt aber auch nix, denn sogar dieser wird zum hochbegehrten Rohstoff des Bausektors.

Also bleibt die Frage, wie die Alternative aussieht?

Möge uns der 11.12.  einige Hinweise liefern.
to be continued…


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