Der Shale Hype: Das Imperium schlägt zurück

29 01 2013

Wer die internationalen Medien zur Entwicklung der Energiemärkte verfolgt, wird signifikante Änderungen in der Schwerpunktsetzung festgestellt haben. Die Debatte rund um die Energiezukunft dreht sich in eine völlig andere Richtung. Schiefergas (Shale Gas) und Schieferöl (Tight Oil) geben nun den Ton an. Auch vor Österreich wird diese Trend nicht Halt machen. In diesem Beitrag geht es nicht nur um hochbrisante inhaltliche Dimension der nicht-konventionellen Gewinnung von Öl und Gas, sondern auch darum, wie sehr sie die medienöffentliche energiepolitische Diskussion beeinflusst und von den Proponenten der Energiewende keineswegs unterschätzt werden darf. Denn justament in Zeiten, wo es um massive Investitionen in die Energieinfrastruktur der Zukunft geht, ist das kein Zufall.

Terry Macalister, seit vielen Jahren beim Guardian verantwortlicher Redakteur für Energie, schrieb in einem Tweet im Dezember 2012:

“In two decades I have never come across such heavy lobbying than for shale gas. What a pity renewables cant get that financial muscle.

Und tatsächlich ist dies kein britisches Spezifikum. Shale ist international das große Energiethema. Erst vor wenigen Tagen – am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos – haben die Ukraine und Shell einen 10Mrd US-D Deal zur Gewinnung von Schiefergas präsentiert, der das Land mit dem drittgrößtem Schiefergaspotenzial in Europa erschließen soll. Die Fragezeichen, die dahinter stehen  – es beginnt ja erst die Exploration – sind nicht mehr öffentliches Thema. Shell Generaldirektor Peter Voser sagt in diesem BBC-Interview, dass man erst nach der Exploration entscheiden könne, ob die Kosten der Gewinnung überhaupt marktkompatibel seien. Ein entscheidender Punkt: denn ua durch unterschiedlichen geologische Voraussetzungen variieren die Kosten der Shale Gas Gewinnung enorm.

Die Rolle des IEA World Energy Outlook

Der World Energy Outlook 2012 der Internationalen Energie Agentur (siehe ua eine Analyse auf Guensblog) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Zug in diese Richtung abfährt. Die Kernbotschaft wurde in die ganze Welt gespinnt: Die USA werden dank unkonventioneller Öl- und Gasgewinnung “energieunabhängig”! Dass dies bei genauer Betrachtungsweise zwar nur dank des signifikant sinkenden Energieverbrauchs zu bewerkstelligen ist, wurde kaum mehr kommuniziert. Aber dennoch sei auch an dieser Stelle festgehalten: die Trendwende in den USA ist tatsächlich bemerkenswert. Auch wenn noch nicht abschätzbar ist, wie lange diese Entwicklung anhält, so denke ich auch, dass er von Peak Oil Experten unterschätzt wurde. Hier eine Graphik der US Energy Administration zur Shale Gas Entwicklung der vergangenen Jahre:

USShaleGasProd

Die Implikation des Booms sind weitreichend. Kommuniziert werden 600.000 neue Jobs in den USA; mit Ziel 3 Millionen bis 2020. Da Erdgas in den USA billig ist, der Strompreis für die Industrie ebenso, werden energieintensive Branchen in die USA gelockt (die Voest folgt diesem Ruf); insbesondere die chemische Industrie feiert ein US-Revival, was sich auch in Anlage- und Investmentstrategien niederschlägt (siehe Welt Artikel)

Der World Energy Outlook, mit Fatih Birol als Chief Economist als wichtigsten Kommunikator, der nun wochenlang schon mit dieser Botschaft auf Welttour ist, gibt der Öffentlichkeit die Sicherheit, dass sich dieser Trend durchsetzt. Dankenswerterweise vergisst Birol nicht darauf zu erwähnen, dass wir alle Klimaziele verpassen, aber dieser redundanten Botschaft fehlt wohl die mediale Attraktivität.

Die Shale Diskussion in Europa – ist der US Boom transferierbar?

Die Schiefergasdebatte ist schon länger in Europa angekommen; es gibt in einzelnen Staaten (etwa Frankreich) Förderverbote aufgrund von Umweltbedenken (Grundwasserverschmutzung); andere wie Polen wollen bei Non-Conventionals einsteigen. Die Kommission berät heuer gemeinschaftliche Strategien.

Es wird medial großer Druck aufgebaut. Europa würde Terrain verlieren, wenn es sich den Non-Conventional verschliesst. (siehe FT-Artikel va zur Petrochemie oder Europe must be sold on shale´s merits) Auch in Österreich wird diese Meinung mittlerweile stark vertreten. (siehe ua OÖN “Österreich kann auf Schiefergas nicht verzichten oder Presse Interview mit OMV Roiss und Huijskes “In Österreich ist nicht mal Nachdenken erlaubt)” Es war kein Zufall, dass die OMV den World Energy Outlook 2012 in Wien präsentiert hat, sondern der perfekte Anlass den Shale Boom in Österreich zu platzieren.

Der Spin hat sich tatsächlich in den vergangenen Monaten gedreht. War vor einem Jahr noch von “Energieunabhängigkeit” die Rede, meinte man energieunabängig auf Basis Erneuerbare Energie. Jetzt ist dieser Begriff international vom Shale Boom vereinnahmt worden. Angesichts der gigantischen Summen, die für Energieimporte drauf gehen, kein Wunder, dass großes Thema ist. Wie ProPellets kürzlich aufgezeigt hat, importierte die Europäische Union nach Angaben der DG Energy im Jahr 2005 4.510 Milliarden Barrel Rohöl. im Jahr 2011 waren es durch Einsparungen und den Umstieg auf erneuerbare Energie nur mehr 3.870 Milliarden Barrel. Trotz der gesunkenen Menge stieg in diesem Zeitraum der finanzielle Aufwand der EU für Rohölimporte von 232 Milliarden $ auf 427 Milliarden $, ein Plus von fast 200 Milliarden $. Grund: der gestiegene Preis.

Nun ist die Shale Situation in Europa in vielerlei Hinsicht anders als in den USA. Exxon Mobile ist in Polen mit der Shale Exploration gescheitert (“no demonstrated sustained commercial hydrocarbon flow rates”/siehe FT-Artikel); die Umweltauflagen sind dankenswerterweise höher. Die Besiedelung ist meist dichter – auch in Nähe der vermuteten Shale Vorkommen. Auch die Preiszusammensetzung ist in Europa anders als in den USA. Dies alles ist sowohl in der Strategieentwicklung wie auch in der öffentlichen Debatte zu berücksichtigen. Diese Strategie braucht es auf politischer Ebene, denn was aktuell passiert, ist, dass die fossilen Multis schnell agieren und ihre Reviere sichern. (“We go where the resources are”  Peter Voser/Shell im oben erwähnten BBC Interview) Und angesichts der Tatsache, dass sich die Liste der gewinnstärksten Unternehmen der Welt wie ein Who is Who der Öl- und Gaskonzerne liest, ist klar, wie voll die Kassen gefüllt sind, um weitere Eroberungen abzuschließen. Doch wie schaut unsere Antwort darauf aus?

Was jetzt wichtig wäre:

  1. Don´t simply trust the hype! Dass der US-Shale Boom wie eine Blase zerplatzt (wie manche Experten meinen) glaube ich mittlerweile nicht. Es wird in einigen Regionen auf Teufel-komm-raus gefracked. Die Perspektive einer neuen Industrialisierungswelle ist in den USA zu verheissungsvoll. Aber dieser Weg ist nicht 1:1 transferierbar. Geologische, ökonomische aber auch politische Gründe sprechen dagegen und sind in der Analyse aber auch Berichterstattung zu berücksichtigen. Würde sich jeder industriell intendierte Medienhype schnell realisieren, müssten wir alle schon superflockigen Elektroautos rumkurven. Also: Ball flach halten.
  2. Es gibt Klarheit: Peak Oil wird das Klima nicht retten. Angesichts einer versagenden Klimapolitik war die Hoffnung da, dass die Implikationen des Peak Oil das Problem quasi von selbst lösen. Und tatsächlich ist der Peak Conventional Oil evident, ebenso wie das 4-fache Niveau des Ölpreises im Vergleich zu den Jahren vor 2008.  Aber dennoch: es ist noch genug gebundender Kohlenstoff in der Erde da, mit dem wir das Klima völlig ins Kippen bringen können. Ergo:
  3. Es braucht eine klare Priorität der Politik: Klimaschutz! Nicholas Stern, der im Jahr 2006 den weltberühmten Stern-Report zum Klimaproblem herausgegeben hat, meinte kürzlich sinngemäß: Ich hab mich damals geirrt beim Klimawandel. Es ist noch viel schlimmer als gedacht. Stern erläutert (siehe Guardian), dass wir aktuell Richtung 4Grad C globale Temperaturerwärmung hinarbeiten, was dramatische Konsequenzen mit sich bringt. Die internationalen Instrumente des Klimaschutzes versagen völlig. Der Shale Boom darf jedenfalls nicht losgelöst von der Klimafrage eingeschätzt werden. Wir haben es schlicht mit einem öffentlichen Comeback der Fossilen zu tun. (Real waren sie nie weg)
  4. Kommt es zum alten Konfliktmuster Umwelt gegen Wirtschaft? In gewisser Weise ja: viele der unkonventionellen Fördermethoden gehen mit massiven Umweltauswirkungen (neben dem Klimawandel) einher. Sei es durch den Einsatz von Chemikalien, gigantischem Wasserverbrauch aber auch durch die Erschließung neuer Gebiete – Stichwort Antarktis. Es braucht eine klare Trennlinie und NoGo´s, die Natur- und Umweltschutz voranstellen. An dieser Stelle sei auch auf den sehr gut aufbereiteten Greenpeace Bericht “Point Of No Return” verwiesen.
  5. Dem medialen Zerrbild etwas entgegen setzen: Was kostet welche Energiewende? Schiefergas billig – Erneuerbare teuer. So ist zur Zeit das mediale Abbild. Und es ist falsch. Wie der World Energy Outlook 2012 gezeigt hat, sind 2011 88 Milliarden US-D an öffentlichen Subventionen in Erneuerbare Energie gegangen (+24% im Vgl zu 2010) und 523 Milliarden US-D an öffentlichen Förderungen in fossile Energie (+30% im Vgl zu 2010). Auch die Diskussion zur Energiewende in Deutschland ist stark davon geprägt, dass die Ökostromumlage weitgehend dem Haushalt überantwortet wird. Es braucht Kostentransparenz. Es sind die fossilen Energieträger und eine verschwenderische Energiekultur, die Energiearmut forciert und zu hohen Kosten führt.
  6. Die Energiewende als kulturelles Projekt: Die Energiewende ist  mehr als der einfache Austausch von Energieträgern im selben System. Es geht auch um einen kulturellen Wandel, der den Verbrauch wieder stärker ins Zentrum rückt und der dezentralen Produktion mehr Bedeutung einräumt. Die Energiewende ist nicht von oben verordnet; sie geht von den Menschen selbst aus, die ihrerseites unabhängiger werden wollen und einen Beitrag für eine saubere zukünftige Energieversorgung leisten wollen.  Die vielen BürgerInnen-Beteiligungsprojekte sind ein gutes Beispiel dafür.
  7. Capacity Building: Österreich ist zwar in einer privilegierten Situation, weil die Erneuerbaren nicht nur das Rückgrat der Stromversorgung bilden, sondern auch auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Dennoch hat man zur Zeit den Eindruck, dass es kaum eine politische wie auch Kommunikationsstrategie gibt, wie man auf internationaler Ebene der enormen Dynamik am Energiemarkt gerecht werden kann. Es ist wichtig, dem aktuellen Medienhype auch kritische Analyse entgegen zu halten. Sei es aus den konventionellen Institutionen heraus oder auch durch neue Akteure.
  8. Es braucht eine Strategie zur enormen Dynamik am Energiemarkt. Shale Hype, Ökostrom Boom, geopolitische Verschiebungen, Klimakrise. Man hat den Eindruck, dass die Politik diesen Trends, die tatsächlch viel Veränderbarkeit mit sich bringen, ohne klare Strategie gegenüber stehen. Dabei haben die Erneuerbaren in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht. Auch in Österreich. Die Vorteile der erneuerbaren Energiewende liegen auf der Hand: Klimaschutz, regionale Wertschöpfung, Beschäftigungspotenzial, mehr Unabhängigkeit.Es wird jedoch noch mehr Dynamik kommen. Innovative Speichertechnologien, effizientere Verfahren, Siedlungsentwicklung, neue Marktmodelle – durch eine Fortschreibung der gängigen Konzepte werden wir den Weg in eine nachhaltige Energieversorgung verpassen. Wir müssen schneller und in der Analyse besser werden. Das ist Aufgabe der Politik, aber auch der öffentlich agierenden Institutionen. Sonst haben andere das Heft in der Hand. Mit Eigeninteressen. Die Energiefrage ist aber viel zu wichtig, um sie Eigeninteressen anderer zu überlassen.




“Wohin unser Geld geht” am Beispiel Energie

10 09 2012

Dieses Posting ist (nicht am Gewinnspiel teilnehmender) Teil der Blogparade “Und wohin soll Dein Geld gehen?” des Oekoenergie-Blogsportals.
Viele aktuelle Fragestellungen bieten sich zur Zeit an, das Thema zu behandeln. Von der Finanz- und Währungskrise über Anlagestrategien bis hin zur Zukunft fossiler bzw. erneuerbarer Energie oder auch der Biotreibstoffe.
Dazu ist jedoch eine Frage zentral:

Wohin geht denn derzeit unser Geld? Insbesondere durch unseren Energieverbrauch.
Ein aktueller Anlaß: Zu Recht wird derzeit über die Nutzung der Biotreibstoffe diskutiert. Verständlich ist die Angst, dass es zu einem Konkurrenzverhältnis zwischen Lebensmittel- und Treibstoffproduktion kommt. Angesichts des Umstands, dass 40% der Maisernte in den USA für die Herstellung von Treibstoff verwendet wird, ist dies nicht außer Acht zu lassen. Allerdings: weltweit nehmen Biotreibstoffe noch einen geringen Anteil ein. Was viele außer Acht lassen ist die hohe Nutzung von Getreide als Tierfutter. Die Fleischproduktion ist seit 1970 von 100 Millionen Tonnen pro Jahr auf 300 Millionen Tonnen gestiegen. Die Auswirkungen auf Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen sind enorm. Es braucht eine differenzierte Sicht auf die Entwicklung und Produktion von Biotreibstoffen. Aber warum ich schreib ich das hier? Weil intensiv darüber diskutiert wird, woher Biotreibstoffe kommen, was es in den Herstellerländern auslöst, welche ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien man an die Produktion und den Import anwenden kann etc.

Das ist richtig und gut so, aber es stellt sich die Frage, welche Kriterien wir denn an die Nutzung fossiler Energie gekoppelt haben und ob jene ähnlich sind?

“Unser Geld” für fossile Energie
71% des österreichischen Energieverbrauchs (Stand 2010) werden laut Statistik Austria und Umweltbundesamt mit fossilen Energieträgern gedeckt: Erdöl und Erdölprodukte verzeichnen einen Anteil von 38%, Gas liegt bei 24% und Kohle hat einen Anteil von 10%.
Die Importabhängigkeit bei fossiler Energie liegt bei deutlich über 80%. Woher kommt z.B. das in Österreich verbrauchte Öl, das für mehr als die Hälfte der fossilen Energieimporte verantwortlich ist? 2011 z.B. aus Kasachstan (29%), Nigeria (17%), Russland (16%), Saudi-Arabien (11%), Irak (11%), Libyen (7,1%). (Quelle: Mineralölbericht Österreich)
Das Energiehandelsdefizit Österreichs beträgt über 11 Milliarden Euro.
Was passiert mit diesem Geld, das die ÖsterreicherInnen für den Konsum fossilere Energie ausgeben?
Geht es in Strukturen und in Wirtschaften, die unterstützenswerte demokratische, soziale, ethische Grundsätze befolgen? Angesichts der Importliste muss man klar sagen: Nein! Aber im Gegensatz zum höchstenergierelevanten Bereich der Agro-/Biotreibstoffe stellen wir die Frage bei der sonstigen Energieproduktion nicht mehr. Und das ist falsch.

Fossile Energie fördert Ungleichheit
Ein Aspekt noch dazu, zum Nachdenken. Eines der größten Probleme unseres Planeten ist neben ökologischen Herausforderungen die enorme Ungleichheit. In ihr stecken Armut, Ausbeutung, authoritäre Regime, Kriege, Hunger.
Kürzlich wurde eine Studie präsentiert, die Steueroasen analysiert.
Autor James Henry war früher Chefökonom bei Mc Kinsey und hat in der Studie für das Tax Justice Netzwerk die Geldflüsse in diese Steueroasen analysiert. Neben den gigantischen Summen, die hier fliessen, ist insbesondere auch interessant, aus welchen Staaten das Geld kommt. Hier ein Artikel im Guardian und die dazugehörige Karte:

Die These mag gewagt sein, aber ist es wirklich Zufall, dass viele der betroffenen Staaten wichtige Öl- und Gasproduzenten sind und über entsprechende Ressourcen verfügen? Dass es gerade jene sind, die ressourcenreich sind, aber häufig dennoch von Armut betroffene Staaten? Die Grundannahme ist, dass “unser” Geld, das wir dank fossiler Industrierevolution und Wachstumsabhängigkeit in Öl, Gas, Kohle stecken, massiv zu Ungleichheit, Ausbeutung und Kriege führt.

Und die Kohle für die Kohle?
Schauen wir in das Land mit der weltweit diskutierten Energiewende, Deutschland. Neben dem ambitionierten Ausstieg aus der Atomkraft und dem Forcieren der erneuerbaren Energie ist eines auffallend: Die enorme Kohleabhängigkeit. Über 40% der Stromproduktion erfolgt in Deutschland auf Basis von Kohle. Ein Irrtum, wer glaubt, dies wäre primär die geförderte deutsche Kohle. Ein Anteil von 70% wird importiert. Die Steinkohle kommt aus: 25% Kolumbien, 23,5% Russland, 18,7% USA, 10% Australien (Daten 2011). Nur als Beispiel: Neben den globalen Folgen der Kohleverbrennung (Klimawandel) sind auch etwa in Kolumbien Menschenrechtsverletzungen, massive Konflikte mit den Einheimischen, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Landnutzungskonflikte und auch in Folge dessen auch Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion bekannt. Aber wer diskutiert darüber?
Hier eine interssante Website einer deutschen NGO zum Kohleimport

Heilsbringer nicht-konventionelle Förderung?
Nun gehört es zur Strategie vieler Staaten, unabhängiger werden zu wollen. Auch die immer schon im Naheverhältnis der Ölindustrie befindlichen US-Republikaner predigen mittlerweile Energieunabhängigkeit. Tatsächlich hat es eine erste Trendwende gegeben (siehe diesen Bericht) Die Hoffnung der US-Amerikaner, dass die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas, also z.B. Öl und Gas aus Schiefergesteinen, Sandstein, Tiefseebohrungen etc., ihre Lösung sein wird, ist skeptisch zu betrachten. Nicht nur, dass auch hier die Abgängigkeit von fossilen Energieträgern prolongiert wird, sondern auch durch die zunehmenden Konflikte rund um Landnutzung, ökologische Konsequenzen (Chemikaliennutzung, Wasserverbrauch) gibt es teils massive Widerstände. Nicht nur in den USA (siehe diesen aktuellen <a href=TAZ-Artikel), sondern auch in Europa (teils mit Erfolg – siehe Frankreich mit dem Schiefergas-Verbot) und Südamerika wächst der Widerstand.
Dass auch die ökonomische Einschätzung von Schiefergas auf unsicheren Beinen steht, hat Arthur Bermans Vortrag bei der ASPO-Konferenz in Wien gezeigt:

Ressourenkriege als Folge von fossiler Abhängigkeit
Die ASPO-Konferenz Ende Mai in Wien hatte mit den Fragen nach geopolitischen Zusammenhängen und Energiesicherheit ein wichtiges Feld aufgebracht. Mit Michael Klare war einer der weitweit anerkanntesten Experten Redner zu diesem Thema. Sein Vortrag gibt eine gute Übersicht über die Zusammenhänge und aktuelle Konfliktfelder. Er zeigt auch, wie sehr die weltpolitische Aufmerksamkeit Richtung China notwendig ist.

Investments in die Zukunft
Die Vorstellung einer erneuerbaren Energiezukunft soll keine naive sein. Wir werden noch einige Jahrzehnte brauchen, um den großflächigen Umstieg zu schaffen. Aber es braucht jede Ambition in diese Richtung, um den Shift zu erreichen. Denn das Geld soll in die Zukunft angelegt werden – sei es durch unsere (reduzierten) Energieverbrauch, oder auch durch Investments in erneuerbare Energie. Die Erfolge der BürgerInnen-Beteiligungskraftwerke (wie etwa in Wien) oder der 80.000 Energiegenossenschafter in Deutschland zeigt, dass Menschen zunehmend bereit sind, auch ihr eigenes Geld für die Energiewende in die Hand zu nehmen. Denn letzlich soll (hier aber auch in vielen anderen Staaten) im positiven Sinne Wert geschaffen und nicht nur durch fossile Energieabhängigkeit Ungleichheit, soziale Probleme und der Klimawandel weiter forciert. Denn diese Rechnung zahlen wir mehrfach.

Nachtrag 30.09.2012:
An dieser Stelle sie auch auf die anderen Beiträge dieser Blogparade hingewiesen:





Boom or doom? Oder irgendwas dazwischen… Teil 1 der ASPO-Nachlese

6 07 2012

5 Wochen nach der ASPO-International Konferenz in Wien, dem weltweit größten Treffen von Peak Oil ExpertInnen im heurigen Jahr, ist es Zeit für eine Nachlese. Denn in den vergangenen Wochen hat sich die Diskussion um das Maximum der Ölförderung noch einmal verschärft; man könnte sogar konstatieren, sie ist in der Bewertung von Peak Oil und der zukünftig förderbaren Ölmengen in einer entscheidenden Phase.

Neben der medialen Berichterstattung zur Konferenz (einige Beispiele sind hier zu finden) sei voran noch eine Übersicht zu Blogbeiträgen gestellt, die sich mit der Konferenz auseinander gesetzt haben. Erfreulich, dass der kritische Diskurs durchaus weitergeht.

Steht ein neuer Ölboom bevor?

Diverse Berichte und Beiträge vermitteln derzeit, Peak Oil sei eine These gewesen, die sich als unrichtig herausgestellt hätte. Eine Steigerung der Kapazitäten (die auch eine entsprechende Nachfrage abzudecken hätte) sei ohne weiteres möglich sei.

George Monbiot meint im Guardian überhaupt “We were wrong on peak oil. There’s enough to fry us all”. (Eine deutschsprachige Übersetzung gibt es dazu auf www.freitag.de) Er bezieht sich dabei auf einen Bericht “Oil – The Next Revolution” von Leonardo Maugeri, Senior Fellow der Harvard University (John Kennedy School, Belfer Center for Science and International Affairs) und langjährigen ENI-Manager. Demnach sei es kein Problem, die heutige Ölfördermenge von knapp über 90 Millionen Barrel Tagesproduktion auf über 110 Millionen Barrel Tagesproduktion bis 2020 zu steigern. Voraussetzung dafür sei ein Ölpreis von 70 US$ pro Barrel. Es sei nur eine Frage von Technologie und Politik. Aus Sicht Maugeris hätten die Beschränkungen der vergangenen zehn Jahre mehr finanzielle als geologische Gründe gehabt.  Aber die hohen Preise der vergangene paar Jahre hätten die Investitionsbereitschaft erhöht und damit neue Potentiale erschlossen. Neben dem Irak wird insbesondere in den USA ein neuer Ölboom beschrieben, der auf den unkonventionellem Öl, vor allem Schieferöl basiert. Monbiots Schlußfolgerung: “Es befindet sich genügend Öl unter der Erdoberfläche, um uns alle zu frittieren, und es gibt kein Mittel, um Regierungen und Industrie davon abzuhalten, es dort rauszuholen.

…oder ist es nur der neue Spin des fossilen “Technology will fix-it” Mainstreams?

Dem stehen viele kritische Stimmen entgegen. Richard Heinberg schreibt etwa über den Peak Denial. Einige Fakten seien schlicht nicht zu leugnen. Etwa die deutlich gestiegenen Preise für die Ölexploration und Rohöl selbst. Die größten Ölfelder, die immer noch 60% der weltweiten Rohölproduktion ausmachen, sind alt und eine Verringerung ihrer Produktionskapazität unausweichlich. Die neu entdeckten Ölfelder sind bei weitem nicht in der Lage, einen entsprechenden Rückgang zu kompensieren. Eine gute Zusammenfassung über diese Peak Oil Kernargumente bieten die ASPO-Vorträge der ersten Session von Kjell Aleklett und ex-BP Petroleum Ingenieur, Jeremy Gilbert. Siehe links eine der Illustrationen von Olle Qvennerstedt aus dem Aleklett Buch.

Jeremy Leggett, Mitglied der UK Industry Taskforce on Peak Oil and Energy Security, argumentiert in einem Guardian Gegenbeitrag zu Monbiot, dass es ein grundsätzliches Missverständnis sei, zu glauben, dass es bei Peak Oil in erster Linie um die Gesamtmenge ginge, die noch in einem Ölfeld zu vermuten sei. Viel mehr ist die Durchflußmenge, die aus den Ölfeldern gewinnbar sei, entscheidend. Wie hoch kann die tägliche förderbare Menge gehalten bzw. erweitert werden? Und zu welchem Preis? Er argumentiert, dass die Akteure im ASPO-Netzwerk selbst ja meist aus der Ölindustrie kommen und nun offener über die Problemlage sprechen könnten. Der Zugang zu gesicherter Information ist im Ölmarkt schwierig und Misstrauen höchst angebracht. Also kein Grund zu Optimismus für die Öl- und Gasindustrie.

Offensichtlich sind übrigens auch die Preisverschiebungen und eine deutlich gestiegene Volatilität. Vor 10 Jahren war die Weltwirtschaft 20-25 US-Dollar pro Barrel Rohöl gewohnt. Jetzt schreiben schon viele Medien von einem beispiellosen Sinkflug, wenn wir mal  unter 90 US-Dollar landen. Vielleicht ist dies aber auch nur ein Beispiel für die Kurzfristigkeit des Markt- und Mediendenkens. Aber dieser Shift ist nicht zu leugnen.

“All numbers are wrong: that much we know…

The question is: how wrong?” Diese ältere Zitat von Colin Campbell zeigt auf welchen unsicheren Boden sich auch Experten bewegen. Insofern geht es auch nicht darum, wer nun recht hätte. Die Welt und damit auch die Information über sie entwickelt sich ständig weiter. Es ist kein Wunder, dass sich die Prognosen auf allen Seiten laufend verschieben. Insofern ist das Duell zwischen Leggett und Monbiot eigentlich nicht derKern. Dennis Meadows hatte bei der ASPO-Konferenz völlig recht, als er sagte, dass jeder zur Bestätigung seiner These immer neue Daten finden könne, aber dass es darum nicht ginge. Es geht nicht mehr darum, vor Peak Oil zu warnen, sondern zu einem besseren Verständnis beizutragen, um Gegenstrategien -und maßnahmen zu entwickeln. Hier das Video der bemerkenswerten Diskussion bei der ASPO-Konferenz zwischen Kjell Aleklett, Jeremy Gilbert, Dennis Meadows und Nebosja Nakicenovic (IIASA, TU-Wien, Global Energy Assessment)

Es ist genug unter der Erde…

Eine realistische Einschätzung der Non-Conventionals ist nicht leicht, weil mit sehr unterschiedlichen Annahmen gerechnet wird. Wer die  Präsentation des schottischen Energieexperten und Oildrum Autoren Euan Mearns sieht, kommt zum Schluß: es ist genug fossiles Material in der Erde, das grundsätzlich für die energetische Nutzung gewinnbar ist.

Aber der fundamentale Wandel ist, dass nicht-konventionelle Quelle wie Ölschiefer, Schiefergas, Teersande etc. ökonomisch aber auch in ihrer geologischen Charakteristik völlig anders zu beurteilen sind als konventionelles Erdöl und Erdgas. Die Gewinnung selbst ist deutlich teurer, die Förderkurve ist unterschiedlich (sie fällt bei Shale Gas teilweise rapide ab nach dem Fördermaximum), der Energy Return On Investment (EROI) ist deutlich schlechter, was bedeutet: Wir werden immer mehr Energie brauchen, um neue Energie zu produzieren.

Der “große Goldrausch” in den USA (siehe den äußerst sehens- und hörenswerten Vortrag von Arthur Berman) aber auch Teilen Europas zu Shalegas, der zur aktuellen Euphorie führt, ist geblendet vom Wunsch nach kurzfristigem Profit. Aber langfristige Versorgungssicherheit ist dadurch noch nicht absehbar. Dass dabei über Umweltinteressen hinweg gefahren wird, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

…aber das Problem liegt oberhalb.

Auf die Frage, ob die Non-Conventionals letztlich ein Gamechanger sein können, meint Mearns: “Peak cheap oil was the game changer. Unconventional oil and gas production is the system response to the new game.”

Daher ist es verantwortungslos, dem Mainstream der Öl- und Gascompanies blind zu folgen. Auf den bestehenden Daten über nicht-konventionelles Öl- und Gas kann aktuell noch keine langfristige Strategie aufgebaut werden. Wie Nebojsa Nakicenovic ausführt, braucht es in der aktuellen Transformationsphase politisch notwendige Langzeitentscheidungen, was bei der enormen Preisvolatität der auf Fossilen aufgebauten Energiemärkte extrem schwierig ist. Es geht nicht um ein bisschen hier und bisschen dort, sondern um echte Transformation. Denn richtigerweise sieht er in erster Linie den Klimawandel als Kernargument, den es zu bekämpfen gilt (was manche im ASPO-Netzwerk anders sehen)

Unser Planet ist kein Spielplatz.

Wie ich schon im Posting vor der ASPO-Konferenz beschrieben habe, ist es Michael Cerveny (ÖGUT) und mir bei der Organisation der Konferenz nicht darum gegangen, auf die  Frage nach dem “WANN kommt Peak Oil” zu fokussieren, sondern viel mehr die Struktur der Energieversorgung noch besser verständlich zu machen, die Unwägbarkeiten und Risiken zu thematisieren, und mögliche  Strategien und Wege zu beschreiben.

Die hohen Öl- und Gaspreise der vergangenen Jahre haben stark zu einem Bewusstseinswandel beigetragen, der letztlich auch den politischen Wunsch bestärkt hat, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern  zu reduzieren. Es braucht ohne Zweifel Strategien, die eine signifikante Reduktion des Ölanteils und letztlich ein nahezu Phase-Out von Öl bewirken. (siehe Nakicenovic) Der Klimawandel ist der wichtigste Grund dafür, aber nicht der einzige. Die Unsicherheiten der Öl- und Gasversorgung mit allen umweltbezogenen Konsequenzen (Fracking etc.) gehören weiterhin dazu genauso wie die geopolitischen Facetten (siehe nächster Teil der ASPO-Nachlese)

Oder wir Richard Heinberg in seinem Beitrag “Peak Denial” so schön geschrieben hat:

The Peak Oil debate is not a sporting event. What matters is not which side wins, but what reality awaits us.”





Die geopolitische Dimension von Peak Oil und Ressourcenknappheit – ASPO Konferenzvorschau (Teil 2)

27 05 2012

Leider komme ich aktuell nicht in jenem Ausmaß zum bloggen wie erhofft. Es sind nur mehr wenige Stunden bis zum Beginn der ASPO-Konferenz in Wien. Nach einer ersten Übersicht, warum die “Lessons Learned” gerade in der  Peak Oil-Diskussion so relevant sind, widme ich den heutigen Beitrag kurz der geopolitischen Perspektive.

Wer die internationalen Nachrichten verfolgt, wird in Konfliktfällen häufig direkt oder indirekt auf Ressourcenfragen aufmerksam. Ob im Nahen Osten, im Sudan, aktuell im südchinesischen Meer (siehe ARD-Bericht), im wieder aufkeimenden Konflikt rund um die Falkland-Inseln (siehe Spiegel Bericht). Sehr oft steht der Streit um Ansprüche an Ressourcen und insbesondere Öl und Gas im Zentrum. Siehe etwa auch die Folgewirkung auf nervöse Märkte und Öffentlichkeit im Rahmen der Auseinandersetzungen in Libyen oder mit dem Iran (Straße von Hormus)

Es wäre wohl reduzierend, wenn man jeden internationalen Konflikt auf Energiefragen runterbrechen würde, aber ein Zusammenhang ist offensichtlich. Daher widmet sich die ASPO auch ausführlich der internationalen Politik und zentralen Fragestellungen rund um Energiesicherheit und geopolitische Aspekte. Die Above-Ground Faktoren werden schlicht immer wichtiger in der Analyse.

Die Abhängigkeit von Importen bei Öl und Gas führt auch zur politischen Abhängigkeit. Die Rohölimporte Österreichs beliefen sich im Jahr 2010 auf etwa 6,8 Mio. Tonnen, wobei Österreichs wichtigste Rohöllieferanten im genannten Jahr Kasachstan (1,8 Mio. t), Libyen (1,6 Mio. t) und Russland (0,7 Mio. t) waren. In den Jahren 2008 und 2009 war noch der Irak an zweiter Stelle. Nicht viel anders is das Bild bei Erdgas. 80% Prozent des österreichischen Gasbedarfs wird importiert, davon der überwiegende Teil aus Russland.

Es ist daher eine große Ehre, dass mit Michael Klare einer der renommiertesten Experten zum Themenkomplex “Internationale Konflikte” und Ressourcen zur ASPO-Konferenz nach Wien kommen wird. Klare hat kürzlich das Buch “The Race for What´s Left. The Global Scramble for the World’s Last Resources” veröffentlicht. (hier ein Beitrag auf Huffington Post zum Buch) Er ist Five-College Professor zu Friedens- und Sicherheitspolitik und unter anderem auch Korrespondent für sicherheitspolitische Fragen von “The Nation”.  In seinem Buch gibt er einen sehr guten Überblick über die Verquickung von Ressourcenfragen mit den aktuellen Konfliktherden. Es zeigt deutlich, wie zentral die Frage des Zugangs zu Energieressourcen und entsprechendem Vermögen für viele Staaten ist und dass entsprechend keine Wege und Mittel gescheut werden, den Zugang sicherzustellen oder zu erhalten. Bedingt bzw beschleunigt wird dies eben dadurch, das Öl und Gas nicht mehr in jenem Maße bzw zu jedem Preis verfügbar ist wie früher.

Zur Frage der Energiesicherheit Erneuerbarer Energieträger (mit ebenso einer spezifischen geopolitischen Einschätzung) wird Karen Smith-Stegen sprechen. Sie ist Professorin für Erneuerbare Energie und Umweltpolitik an der  Jacobs University und am Bremer Energie Institut.

Weitere Experten am Podium sind Karin Kneissl, Jörn Richert und Daniele Ganser (ASPO Schweiz)

Karin Kneissl ist in Österreich als Nahost-Expertin bekannt und publiziert seit vielen Jahren auch zu Energiethemen, siehe u.a. “Der Energiepoker”  Wie eng die großen Infrastrukturprojekte im Energiebereich mit höchst brisanten, politischen Fragen verknüpft sind, ist auch am Nabucco-Projekt zu sehen, worüber Karin Kneissl kürzlich diesen lesenswerten Kommentar in der Presse geschrieben hat.

Vor zwei Jahren hat die Bundeswehr Studie “Peak Oil – sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen” für enormes Aufsehen gesorgt. Auch hier werden die unterschiedlichsten Facetten im Verhältnis Ressourcen/Energie und Sicherheitspolitik, internationale Konflikte analysiert. Jörn Richert vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr, Dezernat Zukunftsanalyse, wird ein Redner am Podium sein, der die Studie und Folgeaktivitäten bestens kennt.

Die Diskussion soll zu einem noch besseren Verständnis der komplexen internationalen Zusammenhänge beitragen und auch einen anderen Blickwinkel auf das Weltgeschehen ermöglichen. Letztlich ist dieses Verständnis auch wesentlich für Fragen der Energiesicherheit und eine entsprechende strategische Ausrichtung, die nicht nur durch sicherheitspolitische, sondern auch durch energiepolitische Entscheidungen getragen werden muss.





Noch 99 Tage: Die 10. ASPO-International Konferenz in Wien

21 02 2012

In 99 Tagen ist es soweit. In Wien findet dann (vom 30.Mai – 1. Juni im Palais Niederösterreich) die 10.  ASPO International Konferenz in Wien statt.

ASPO, die Association for the Study on Peak Oil & Peak Gas, ist ein internationales Netzwerk nationaler Organisationen, die sich mit dem Peak Oil-Phänomen auseinandersetzen und Auswirkungen bzw. Ursachen der Ölverknappung, die Entwicklung der Energiemärkte und mögliche Zukunftsszenarien analysieren. Gemeinsam mit Michael Cerveny von der ÖGUT, die für die Gesamtorganisation verantwortlich ist, und dem Peak Oil Experten Rembrandt Koppelaar aus den Niederlanden bin auch in die Vorbereitung und Abwicklung der Konferenz intensiv involviert. Von der vergangenen ASPO Konferenz 2011 in Brüssel hatte ich auch hier auf Guensblog berichtet (“What we see is the end of growth“, “ASPO 2011“) Damals wurden wir vom ASPO International Vorstand gebeten, eine Konferenz in Wien auf die Beine zu stellen, was uns dank Zusagen einer Sponsoren erfreulicherweise auch gelungen ist. Die Internationale ASPO Konferenz wird durch die Unterstützung von Land Niederösterreich, des Dachverbandes Energie & Klima der Wirtschaftskammer Österreich, der Stadt Wien, dem Klima- und Energiefonds, Pro Pellets und IG Windkraft ermöglicht. So freuen wir uns auf die Peak Oil Größen wie Colin Campbell, viele Experten der ASPO Community und einige Energieexperten, die nicht unmittelbar mit ASPO zu tun haben. Denn unser Ziel ist die Weiterentwicklung der Diskussion.

Ich werde in den kommenden Wochen immer wieder über Highlights und Prospects der kommenden Konferenz berichten.

Zu Beginn vielleicht nur ein kurzes Streiflicht, warum diese Konferenz so wichtig ist.

Neben dem Klimaschutz und umweltpolitischen Fragen ist die Verfügbarkeit und der Preis von  Energieressourcen die zentrale Frage der strategischen Ausrichtung von Energiepolitik. Und hier hat es in den vergangenen Jahren enorme Dynamik gegeben. Wer hätte vor einigen Jahren noch gedacht, dass der Ölpreis (Brent in USD) seit mittlerweile über einem Jahr kontinuierlich über 100 USD liegt. (außer zB einige der ASPO Experten) Welche Rückwirkung hat das auf das globale Wirtschaftswachstum (und vice versa)?

Die heutige Graphik in der Presse (Daten APA) zeigt, wo wir derzeit – auch in Folge der Irankrise – stehen.

Welche geopolitischen Szenarien gibt es und welche Abhängigkeiten ergeben sich politisch aufgrund der Abhängigkeit vom Import von Öl aus Gas aus Staaten, die oft weit entfernt von demokratischen Systemen sind?

Dies wird auch eine der wichtigen aktuellen Fragestellungen sein, mit denen sich die ASPO Konferenz auseinander setzten wird.

Die Themenpalette ist jedoch breit. Wie im Programm ersichtich ist, geht es unter anderem um

  • Die Zukunft von Energieangebot & Nachfrage
  • Lessons Learned: was hat sich in 10 Jahren ASPO verändert?
  • Die Rolle von nicht-konventionellem Öl- und Gas
  • Schiefergas in Europa
  • Die Verfügbarkeit von fossiler Energie
  • Die geopolitische Perspektive der Öl- und Gasförderung
  • Ökonomische und soziale Folgen der Verknappung fossiler Energie
  • Strategische Alternativen und die Rolle der Erneuerbaren Energieträger
  • Peak Oil & Urban Design. Welche Herausforderungen und Lösungen entstehen für Städte.
  • Mögliche politische Antworten

Die Liste der bestätigen Vortragenden und Diskutanten kann sich sehen lassen. Wir freuen uns insbesondere auf die Verknüpfung internationaler Expertennetzwerke mit Akteuren aus Österreich. Mit einigen hochrangigen Speakern sind wir aktuell noch im Gespräch. Die Liste wird also noch um einige hochrangige Namen ergänzt werden.

Wer rechtzeitig bucht, kommt noch in den Genuss der vergünstigten Early Bird Registration.

 





Normalität in Zeiten radikaler Brüche. Vergesst “Business-as-usual”

23 05 2011

Fukushima, Deepwater Horizon, massive Umwälzungen in der arabischen Welt… an dramatischen Anlässen gab es zuletzt keinen Mangel. Die kurzfristige Betroffenheit einer globalen Öffentlichkeit ist all diesen Anlässen gewiß. Meist nur kurzfristig. Gewöhnen wir uns einfach an alles? Wahrscheinlich zwangsläufig. Die emotionale Aufmerksamkeit muss wohl zurückgehen, allein schon aus Selbstschutz. Aber was folgt daraus? Ein paar Gedanken zwischen der großen Welt und der Niederungen hierzuland.

Was den genannten Ereignisse gemeinsam ist, ist der Bezug zur Energiefrage. Kein Wunder, dass der Rohölpreis seit über 2 Monaten kontinuierlich über 100 US-Dollar leigt.
Die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft in der Energiefrage ist offensichtlich, und zwar einer Gesellschaft, die weitgehend relativ stabiles Wachstum, hohes Wohlstandsniveau und ein gewisses Maß an Reichtum gewohnt ist bzw. als normal betrachtet. Die diversen Krisen unserer Zeit werden jedoch den Umgang mit dieser Normalität ändern, denn ihre (durchaus vielfältigen) Ursachen gehen möglicherweise an die Quelle von Wohlstand und Wachstum.

Die Krise mit der Krise
Vor einer Woche nahm Erste Bank-Chef Andreas Treichl jene zwei Worte in den Mund, die für ca. eine Woche für eine breite Diskussion gesorgt hat: blöd und feig. Neben der Art des Statements wurde über einen Teil des Inhalts diskutiert, nämlich die tatsächlich diskussionswürdigen Richtlinien bei Kreditvergaben. (Basel III) Treichl wird aber mit noch einem Satz zitiert, der kaum für öffentliche Beachtung gesorgt hat:
Ich sehe jetzt eine riesige Gefahr dadurch, dass meine Branche relativ wenig aus der Krise gelernt hat. Denn die Chancen unfassbar schnell unfassbar viel Geld mit nicht traditionellem Geschäft zu verdienen, sind unheimlich hoch. Ich glaube, dass die nächste Krise nicht über die Immobilien, sondern über die Rohstoffe kommen wird” (Quelle Die Presse/APA)

Was bedeutet eine “nächste Krise” angesicht hoch verschuldeter Staaten und gegenseitiger Abhängigkeit in unserer Finanzgebahrung? Die Folgen der letzten Krise sind immer noch spürbar in unseren Gesellschaftssystem, siehe Budgetpolitik, siehe Griechenland, aber auch Spanien derzeit, wo viele Menschen durchaus berechtigerweise sagen: “Es reicht”.
Eine Verschärfung bzw. Wiederholung von 2008 wird Systeme zum Crash führen, und zwar auch politische Systeme.

In den letzten beiden Blogposts war über die ASPO-Konferenz in Brüssel zu lesen, wo unter anderen Jeff Rubin vor der nächsten globalen Krise gewarnt hat. Prognostizierter Zeitraum: die kommenden 12 Monate. Treichls Aussage hatte zwei Dimensionen. Einerseits: die Ressourenfrage in ihren Fundamentals. Andererseits: die kurzfristige Profitorientierung der Finanzmärkte. Treichl hatte somit eine andere Gewichtung bzw. Botschaft als Rubin. Ich will heute gar nicht bewerten, welche richtig sei oder nicht. Sehr wohl scheint evident, dass die Entwicklung der Rohstoffmärkte, des Ölpreises und der globalen Wirtschaft in einer intensiven Wechselbeziehung stehen. Die Schlußfolgerungen sind teils absurd, man blicke nur in die USA, wo aufgrund er hohen Ölpreise mit all ihren unmittelbaren Auswirkungen auf das tägliche Leben zu einem neuerlichen Change of Politics geführt hat. Es soll wieder vermehrt nach Öl und Gas gebohrt werden, sagt auch Obama.

Vereinfacht gesagt geht sich unser altes, auf billiger Energie aufbauendes Modell in dieser Form kaum mehr aus.
Was folgt aus steigender Nachfrage, sinkendem Angebot und der Abhängigkeit von unkonventionellem Öl? Ein höherer Ölpreis.
Was folgt aus der Atomdebatte nach Fukushima?
Ein höherer Strompreis.

Weitreichende Konsequenzen aus Fukushima
Die Gefahr des öffentlichen Kurzzeitbewusstsein ist, dass schnell vergessen wird. Derzeit können wir jedoch in einigen Bereichen anderes beobachten. Die Katastrophe von Fukushima lässt zentrale Akteure die Nutzung der Kernenergie tatsächlich hinterfragen.
Was in diesen Wochen in Deutschland diskutiert wird, wird tiefe Spuren zeigen. Wer Angela Merkels Interviews der letzten WOchen verfolgt hat, stellt einen deutlichen Wandel in manch ihrer Haltungen fest. (siehe dieses Zeit-Interview) Die Nuklearfrage ist zum Politikum geworden.
Die grünen Erfolge wie etwa in Baden-Würtemberg oder gestern in Bremen tragen ihren Teil dazu bei, weil die anderen Parteien sehen, dass die Menschen ihre politischen Rückschlüsse ziehen, auch an der Wahlurne. Auch bei Technologieunternehmen tut sich was: Siemens überlegt laut Handelsblatt den Ausstieg aus der Atomtechnologie.
Der Ausstieg wird den Bedarf nach neuer, zusätzlicher Energieproduktion weiter erhöhen. Die wird nicht billig sein.
Eine Politik, die wir hierzuland dem Credo “Energie muss billig sein” folgt , ist insofern unehrlich. Aufgrund der Rahmenbedinungugen und Marktentwicklung ist völlig klar, dass Energie im Falle von wirtschaftlichem Wachstum teurer werden muss.

Vergesst Eure Business-as-usual Szenarien.
Hier kommen wir zu einem Kernpunkt auch der österreichischen Energiepolitik. Ihr liegen jahrzehntelang eingespielte Business-as-usual Szenarien zu Grunde, die insbesondere auf kontinuierliche Preisentwicklungen setzen. Man geht von einem relativ stabilem Strompreis aus, leicht erhöhtem Energie- bzw. Stromverbrauch und rechnet vor, was man für neue Kapazitäten bräuchte. Das alles in relativ linearen Kurven.
Die Volatilität der Ölpreises, die Konsequenzen aus Fukushima, die Notwendigkeiten in der Klimapolitik, der auf Fundamentals aufgebaute Druck auf Ressourcenmärkte… das alles wird dabei nicht berücksichtigt.
Wo sich das wiederspiegelt? Z.B. in allen Energiestrategien oder jetzt im aktuellen Ökostromgesetz. Darauf werde ich im nächsten Posting noch genauer eingehen, aber ganz kurz: Wenn eine Fördermodell auf einem garantierten Einspeisetarif baut, das – grob gesprochen – den Förderbedarf aus der Differenz von Marktpreis und notwendigem Tarif berechnet, ist der Marktpreis unbestrittenerweise ein relevanter Faktor für die Kostenkalkulation. Gehe ich von einem niedrigen Marktpreis aus, ist der Förderbedarf hoch, sind ergo die Kosten höher. Ziehe ich hier bei den Kosten jedes Jahr einen Deckel ein, um die Errichtung neuer Anlagen zu limitieren, projeziert der Gesetzgeber Kosten für die nächsten ca 13. Jahre ohne zu wissen, wie sich der Marktpreis in den kommenden, zur Förderperiode zählenden Jahren entwickelt. Die Grundannahme, der Marktpreis bleibe in Zukunft gering, führt damit zu aktuell geringeren Investitionen. Gescheit? Nein!
Diese Methode hat zum weitgehenden Ausbaustopp für neue Ökostromanlagen geführt. So und hier kommt der Punkt: Die Kalkulation des Förderbedarf ist grundlegend anders, wenn ich einen deutlich stärker steigenden Marktpreise einberechne. 2008 – knapp vor dem Crash – war der Marktpreis z.B. kurzzeitig auf Höhe des Einspeisetarifs für Windkraft. Sowas wird wieder passieren in den kommenden Jahren.
Der Entwurf für das neue Ökostromgesetz baut jedoch auf Annahmen der Ära vor Fukushima, Deepwater Horizon und sonstiger Brücke der Jetztzeit. Fehler!

“Was ist normal?” und die Aufgabe von Politik
Insbesondere wenn sich vieles ändert, gehört es zu den Aufgaben der Politik, steuernd einzugreifen und Prioritäten zu setzen. Dazu gehört auch sowas wie ein Energiebewusstsein. Billige Energie ist z.b. stark in unserer Gesellschaft verhaftet. Kürzlich erzählte mir eine Bekannte, sie sei im Stress mit der Fliegerei,weil sie dieser Tage für paar Meetings nach Bangkok fliegen müsse und doch gerade erst vom Urlaub auf den Malediven käme. No one to blame. Jedem sei sowohl Urlaub wie auch ein spannendes berufliches Umfeld gegönnt, aber es führt zur Frage: was wird als normal betrachtet in unserer Gesellschaft; und was ist Luxus. Energie bzw Treibstoff muss sehr sehr billig sein, wenn es als normal betrachtet wird, hin und her zu jetten. Ich will´s niemandem verbieten, aber es geht eben um das Bewusstsein. Um so etwas wie Energiekultur. Seid Euch einfach bewusst, dass es Luxus ist und eben nicht normal und wisst es entsprechend zu schätzen.
Denn im Gesamtsystem wird sich das irgendwie alles nimmer so leicht ausgehen.

Die Aufgabe von Politik? Prioritätensetzung!
Es gilt zu vermitteln, was ist wichtig und warum ist genau das wichtig. Und auch, warum kostet es ggbfalls mehr. Es geht darum, mit den Verheißungen der Vergangenheit aufzuhören. 1 kWh Strom leistet so viel und ist so unglaublich billig am Markt. Eine Einladung zum Energieverschleudern. Das wird´s in dieser Form bald nicht mehr spielen und der Kampf jener, die unter allen Umständen unbedingt ihr Credo einlösen wollen, dass die Liberalisiierung der Strommärkte zu einer Verbilligung geführt hat, sollen bedenken, dass sich das Umfeld geändert hat.
Möglicherweise gibt es eben wichtigeres als das Versprechen aus einer abgelaufenene Dekade einzulösen.
Wie sagte gestern eine Demonstantin in Spanien in der ZIB 1. Es geht nicht um eine der politischen Parteien, es geht um so etwas wie Werte in unserer Gesellschaft. Recht hat sie.





ASPO 2011, Teil II: Peak Cheap Oil oder “What we see is the end of growth”

1 05 2011

Mit Verspätung setze ich den kurzen Bericht über die ASPO-Konferenz in Brüssel fort. (hier Teil 1) Leider war die Zeit limitiert, um just-in-time zu bloggen. Und leider ist es auch nicht möglich, alle relevanten Infos hier zu verarbeiten.

Auch aufgrund der teils widersprüchlichen Einschätzungen, z.B. zur Rolle der Eneuerbaren im Energiemix der Zukunft. Das liegt aber in der Natur der Sache. Wer eine objektive, eindeutige Information zur Zukunft der Energieversorgung erwartet, wird möglicherweise daran scheitern. Und wer Linearität in der zukünftigen Entwicklung erwartet, übrigens noch mehr. Aber dazu demnächst noch ein Nachschlag.

Ich verspreche Teil 3, wenn alle ASPO Präsentationen online sind.

Die Krise & die Krise. Korrelation, aber auch Kausalität?

Was hatte die globale Wirtschaftskrise mit fossiler Energie zu tun? Viel. Sehr viel, sogar wenn man renommierten Ökonomen Glauben schenken darf. Und hier liegt einer der Brüche zwischen ASPO und dem medialen Mainstream bei der Einschätzung der Krise bzw. der Krisenbewältigung. Denn in den gegenwärtigen Konzepten, die den Weg aus der Krise deuten und zur Zeit tatsächlich für Entspannung sorgen, ist von der zu hohen Abhängigkeit von fossiler Energie kaum mehr die Rede. Viel haben mittlerweile vergessen, was vor dem Crash war: massiv gestiegene Ölpreise und hohe Inflation. Und tatsächlich, die Wirtschaft wächst wieder, trotz eines Ölpreises von 120 USD und mehr. Doch Vorsicht. Denn es gibt definitiv eine Korrelation zwischen Ölkrisen und den internationalen Rezessionen. Ob Korrelation gleich Kausalität bedeutet, wird eben unterschiedich gesehen. Oder wie es der angesehene Ökonom Jeff Rubin formuliert: “Every major global recession over the last forty years has had oil´s fingerprints all over it.” Sowohl der OPEC Ölschock wie auch die Krise nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait hatte Folgen auf den Preis fossiler Energie und das Wachstum der Wirtschaft. Insb. für die USA. Das Bindeglied zwischen steigendem Ölpreis und der Krise ist die hohe Inflation. Man beachte die aktuellen Preisentwicklungen auch bei Lebensmitteln und die Inflationsrate in China (> 5%) und Indien (> 8%)
Aber die entscheidende Frage ist, welcher Ölpreis ist kritisch für die globale Ökonomie? Gibt es den Punkt, wo es kippt? Sind es 150 US-Dollar? Rubin ist überzeugt, dass die globale Wirtschaft wie wir sie kennen va eine tragende Säule hat. Öl. Oder konkret: billiges Öl. Das wird es aber nicht mehr geben, da die Ölförderung teurer wird, denn konventionelles Rohöl wird den Bedarf nicht mehr decken können. Ob wir den Höhepunkt – also Peak Oil – schon überschritten haben oder er erst kommt, ist dabei zu nicht so entscheidend. Denn die unbekanntere Größe ist das unkonventionelle Öl. Und das ist eben nicht mehr so billig zu haben.

“What we see is the end of growth”
Generell zeichnet Rubin ein düsteres Bild der Weltwirtschaft, zumindes wenn man in herkömmlichen Kategorien denkt. Er sieht die Eurozone wie sie jetzt existiert als nicht mehr lange haltbar und verweist auf den unglaublich hohen Anteil, den China an US-amerikanischen Staatsleihen hält -über 1 Billion US-Dollar. Die gesamte Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten beläuft sich auf rund 4,5 Billionen US-Dollar. 14,3 Billionen US-Dollar umfassen nach offiziellen Zahlen die Gesamt-Verbindlichkeiten der USA. Man könnte meinen, die USA haben derzeit ein wirklich substantielles Problem. (auch wenn Barack Obama derzeit durchaus amüsante Reden hält – wie hier kürzlich beim White House Correspondents Dinner)

Was passiert, wenn es bei 150 US-Dollar wieder kracht? Wie soll sich das alles ausgehen? Rubin, der Ökonom, kühler Rechner und wahrlich kein Öko ist, skizziert ein Bild, das stark abweicht von herkömmlichen US-Bild. Insbesondere die OECD-Staaten werden ihren Verbrauch reduzieren müssen, denn die aufstrebenden Märkte werden dies nicht tun. „But excuse me, the world doesnt grow with tripple digit oil prices“ Oder wie er pessimistisch meint:
The last recession was an energy shock. We are moving inexorably closer to another oil price induced recession. Possibly in the timeframe of 12 month.
What we see is the end of growth.”

Ist Jeff Rubin also nur einer der sogenannte Doomer? Einer, der sich am potentiellen Untergang ergötzt? Nein, seine Analyse ist eher nüchtern und als langjähriger Chefökonom der CIBC World Markets hat er anderen Background.
Ähnlich wie übrigens auch Erik Townsend, einem Investor, der auf Ölmärkte spezialisiert ist. Seiner Meinung nach hat im Mai 2005 Peak Conventional Oil stattgefunden. Die Welt hängt nun ab vom nicht-konventionellen Öl, das tief aus der Meeresboden oder z.B. aus Teersanden gewonnen wird. Der Unterschied ist die deutlich aufwendigere Gewinnung. Kalkulierte man für konventionelles Öl einen Barrelpreis von 20 USD, ist es bei nicht-konventionellem 70USD.

Game-Changing Event
Townsend beschreibt, wie die Finanzmärkte darauf reagieren. Sie fragen: Peak what? Das Thema ist auch dort nicht im Bewusstsein. Worauf der Markt schon reagiert, ist hingegen der Preis. Townsend wirft z.b. einen Blick auf die Futures. Der Markt erwartet substantiell höhere Preis als früher. Es wird jetzt schon für die Jahren 2012 – 2014 um über 100 US-Dollar/Barrel gekauft.
Townsend beschreibt unterschiedliche Phasen, z.B. ein sog. Krisenfenster zwischen 2012 und 2015. “That´s when reality hit the financial markets. Traders still don´t understand what we´re really facing.” Und zwar insbesondere dann, wenn sich der saudische Mythos von der ständigen Verfügbarkeit großer Mengen Rohöls als falsch erweist. Oder: tja, wenn die politische Situation kippt. Man lese nur die aktuellen Nachrichten.
Wir sind derzeit übrigens in der ACH-Phase. (Anything Could Happen). Möglich ist z.B. “the big sell off”, da die US-Wirtschaft sehr fragil sei. Die Situation im Nahen Osten könnte das Game Changing Event sein.
Seine Analyse, die ebenso stark aus US-Perspektive zu sehen ist: “Energy prices had a lot to do with the crisis. Unaffordable energy breaks the back of an economy.”

Betrübliche Aussichten also, mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Nicht nur in der Energiepolitik.

Und zum Abschluss dieses Beitrags noch ein TV-Beitrag, vom australischen Sender ABC, der vor wenigen Tagen ausgestrahlt wurde und ganz gut gemacht ist. Er soll zum Verständnis für Peak Oil beitragen.
Originalquelle: http://www.abc.net.au/catalyst/stories/3201781.htm