Quo vadis Automobilindustrie?

29 10 2008

Die Automobilindustrie ist natürlich einer der ersten betroffenen, “realwirtschaftlichen” Bereiche der Finanzkrise. Der Konsument wird vorsichtiger, Umsätze sinken, Arbeitsplätze wackeln.  Während das Klimaproblem zu keinerlei maßgeblichen Änderung in der Automobilwirtschaft geführt hat, ist nun die Frage, was Energiekrise und Finanzkrise für Folgen mit sich bringen. Es wird wohl nicht änderbar sein, dass es jetzt zu einem Einbruch kommt. Aber möglicherweise kann man die drei Krisen unserer Jetztzeit, also den Kollaps im Finanzsystem (ein Kollaps ist noch nicht das Ende),  die Klimakrise und die Energiekrise nutzen. Auch für die Frage der Subventionen stellt sich die Frage, wohin? Wo lohnt es sich, zu investieren?

Leider hat es die Automobilindustrie nahezu tutto completto verschlafen, in den letzten 10-15 Jahren neue Konzepte der Automobilität zu entwickeln. Ein verheerender Fehler, der nur durch Interessenskonstellationen und Blindheit erklärt werden kann.  Es heißt oft, die Politik denke nie länger als bis zur nächsten Wahl; aber ist es in der “Wirtschaft” wirklich anders?

Aber von der Vergangenheit in die Zukunft – jede Krise ist eine Chance. Und die heißt Innovationsentwicklung, neue Modelle, neue Achsen.

– Innovationsentwicklung: Wie zuletzt berichtet, hatte ich kürzlich die Gelegenheit, in Berlin den Eco-move Kongress zu besuchen. Mittlerweile hat auch der Pariser Autosalon stattgefunden und es zeigt sich der Trend ganz klar: die Big Player entwickeln endlich (wieder!!) Richtung Elektromobilität. Chevrolet Volt, der fesche Nissan Nuvu (hier ein schöner Bericht der Oekonews), Peugeot, Ligier, der Mini E und viele viele mehr – sind Beispiele, dass der Weg zu neuen Antrieben führt. Jene werden neue (Infra-)strukturen brauchen, neue Standards. Sarkozy hat schon 400 Mio EUR für den Infrastrukturausbau in der Elektromobilität angekündigt. Hier sind Investitionen angesagt (und ich weiß – Dilemma: weil Frankreicht Nuklearenergie)

– Neue Modelle: richtigerweise würden Ökologen gleich einwenden, dass das Automobil strukturell ein Problem ist (Stichworte: Grenzen des Wachstums, Ressourcencverbrauch). Ja, daher braucht es neue Mobilitätsmodelle. Von Carsharing, über Verleihstationen über sinnvolle EInbindung in Gesamtverkehrskonzepte. Warum soll das kein Thema für die Branche sein? Der strukturelle Shift wird aber auch mehr als ein paar Jahre dauern.

– Neue Achsen: Automobilindustrie – E-Wirtschaft – Solarwirtschaft. Lange haben die miteinander nix zu tun gehabt. Die Elektromobilität erfordert hier, wenn sie sinnvoll gestaltet ist, neue Kooperationsachsen. Einerseits um neue Innovationen zu ermöglichen, andererseits um zu Standards zu kommen. Die Big Player haben sich ehrlich gesagt nicht als große Öko-Innovatoren ausgezeichnet; vielleicht kommen die Innovationen aber über Kooperationen. Hier gilt es Barrieren abzubauen. In Österreich wird darüber leider kaum diskutiert

Wie am BEWAG Ökocenter Blog richtig erläutert wird, sind in naher Zukunft insbesondere lokale, regionale und städtische Konzepte verheißungsvoll. Denn es wird noch Jahre dauern bis wir standardisierte Infrastruktur zur Verfügung haben.

Aber auch hier gilt es, von aktuellen Fahrzeugen zu z.B. Stadtautos zu kommen, die in Sachen Design, Funktionalität und Effizienz in einer anderen Liga spielen. Der Weg dorthin ist wohl nicht mehr aufzuhalten; aber genau sind jetzt Investitionen in Modelle, Technologie und soziale Innovation als Antwort auf die drei großen Krisen unserer Zeit gefragt.

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eco-move berlin: was bewegt uns morgen?

16 10 2008

Ja klar, die Finanzkrise zieht berechtigerweise die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Notfallspakete für angeschlagene Banken sind zentrale Schritte gewesen. (wer weiß, vielleicht tragen sie ja auch noch zur Identitätsstiftung Europas bei? internationale Krisen brauchen Kooperationsstrukturen – vielleicht begreifen das auch die Europaskeptiker)

Dadurch werden jedoch auch die anderen großen Krisen unserer Zeit ein wenig verdrängt: z.B. die Energiekrise und der Klimawandel.

Daher Szenenwechsel: Ich bin derzeit in Berlin und nehme ua. am eco-move Kongress (samt Ausstellung) teil, der sich mit Zukunftskonzepten und aktuellen Entwicklungen der Mobilität auseinandersetzt und vom Bundesverband Solare Mobilität veranstaltet wird. Das Motto lautet  “Was bewegt uns morgen?” Im Fokus: die Elektro-Mobilität.

Wer sich mit der Energiefrage länger auseinander setzt, weiß, dass das Elektroauto schon vor ca. zwanzig Jahren großes Thema war. Insbesondere Kalifornien galt als Vorreiter bei emissionsarmen Fahrzeugen – bedingt durch den Clean Air Act und teils rigorosen Maßnahmen und Quoten für emissionsfreie Vehikel. Leider kam es dann durch massives Lobbying der Auto- und Fossilindustrien und – wie ich einschätzen würde – einen generellen politischen Backlash für Ökothemen in der Reagan-Ära zu Rückschritten und einem Einfrieren vieler innovativer Entwicklungen.  Meine Aufenthalte in Kalifornien haben mir das immer wieder gezeigt. Im Elektrobereich hat letztlich aber die Automobilindustrie weltweit viele Pläne auf Eis gelegt.

Werner Zittel, einer der renommiertesten Peak Oil Experten im deutschsprachigen Raum, erläutert im Rahmen von eco-move, dass man sich nicht täuschen lassen darf vom derzeit aktuell gefallenen Ölpreis. Denn erstens liegt der Ölpreis immer noch auf deutlichem höheren Niveau als vor 2-3 Jahren (und all die Jahrzehnte davor). Und der Anstieg um 100% zwischen Juni 2007 und Juni 2008 auf rund 140$ pro Faß ist nicht nur auf eine Spekulationsblase zurückzuführen. Der explodierende Ölpreis blieb übrigens nicht ohne Folgen. So ist der Ölverbrauch der USA 2008 bislang um 10% geringer als im Vorjahr. Zittel meint zu Recht, dass man erstmals die Vorläufer und Folgen des weltweiten Ölfördermaximums spürt, das knapp bevor steht.  Manche meinen, wir hatten schon Peak Oil; andere sagen, er würde erst kommen. Am strukturellen Problem und dem notwendigen strukturellen Wandel ändert das nichts.

Der Mobilitätsbereich ist dabei einer der vielen Schlüssel (für ein Mehrfachschloß namens Energiewende). Und ehrlich gesagt, die strukturellen Schwierigkeiten, die wir aufgrund der Abhängigkeit vom Automobil haben, werden nicht so schnell zu lösen sein. Dafür haben sich unsere Siedlungsräume zu wenig nachhaltig entwickelt (Stichwort Zersiedelung). Die Frage, wie das Auto der Zukunft aussieht, ist daher essentiell. In einigen Bereichen wie Elektrofahrrädern oder Scootern gibt es derzeit schon marktnahe und -taugliche Modelle; beim Auto selbst schaut die Sache noch diffiziler aus.

Ich werde in den kommenden Tagen einige meiner Eindrücke der Konferenz bloggen, hier eine erste ZUsammenfassung:

  • Die Zeit, wo die großen Autoproduzenten Elektromobilität ignorieren konnten, sind vorbei. Dahezu alle Big Player investieren derzeit massiv in Konzeptfahrzeuge; einige schon in serienmäßige Modelle. Der Hybrid wird weiterentwickelt. Großes Thema derzeit ist der Plug-in-Hybrid, bei dem man den Akku zwischenzeitlich an´s Netz hängt und auflädt und er damit noch effizienter wird. Außerdem kündigen sich effiziente Hybride in deutlich mehr Autoklassen als derzeit an.
  • Am Markt sind derzeit Nischenmodelle, etwa Leichtfahrzeuge wie der Twike, der auch vor Ort ausgestellt wurde. Aber es ist kein Zufall, dass bei den großen Automessen, etwa dem derzeitigen Autosalon in Paris, Konzeptfahrzeuge für Serienmodelle präsentiert werden. Das neue herausgekommene Magazin Eco-mobil gibt eine beeindruckende aktuelle Marktübersicht.
  • Infrastruktur, Akku, Reichweite und – wie ich es nennen würde – Design (z.B. das „Tank“konzept) bleiben die zentralen Fragen, an denen intensiv gearbeitet wird. (mehr dazu in einem der kommenden Beiträge)
  • Die Stadt als dichter Raum ist der ideal Raum, um die Elektromobilität voranzutreiben. Insofern ist es völlig richtig, dass der Klimafonds mit der aktuellen Ausschreibung hier einen neuen Schwerpunkt setzt.
  • Generell: ohne staatliche Aktivitäten und Initiativen wird´s nicht gehen. Denn die Verquickung von Infrastruktur, Versorgungsfragen, Technologie, einheitlicher Standards uvm. braucht einen gemeinsamen Rahmen und Anreize. Israel zeigt diesbezüglich, wo´s lang geht.
  • Die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist natürlich stark davon abhängig, aus welchen Quellen der Strom produziert wird. Wenn China (was durchaus der Fall ist) auf E-Mobilität setzt, ist das innovativ, aber aufgrund des massiven AUsbaus von Kohlekraftwerken nicht zwingend nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes. Daher ist klar: wir sollten primär über Elektromobilität auf Basis erneuerbare Energiequellen reden.
  • Das Thema Netzintegration von Elektrofahrzeugen wird sehr spannend. Hier wird´s auch für die E-Wirtschaft, also in dem Fall die Netzbetreiber interessant, denn die netzintegrierten E-Fahrzeuge können ein idealer Speicher für die schwankende StromProduktion sein. (in Deutschland z.B. mit der Windkraft ein Thema). Es ist Zeit, dass Solarwirtschaft und E-Wirtschaft, die historisch ein eher angespanntes Verhältnis haben, möglicherweise genau hier eine Brücke bauen.
  • Die Elektromobilität ist derzeit DAS Megathema der Szene. Und das ist gut so. Auch für Österreich bieten sich hier Chancen. Einerseits aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils Erneuerbarer an der Stromproduktion, andererseits durch konkrete Technologieentwicklung – etwa im Bereich Batterien und Solar.