Blick über den großen Teich, Teil 2: Shale Economy – Spiel mit falschen Erwartungen

27 03 2014

Etwas später als erhofft folgt nun Teil 2 der Guensblog-Serie zum US Shale Boom. Teil 1 setzt sich vor allem mit der Klimaschutz-Perspektive auseinander und mit der Frage, inwieweit Schiefergas Kohle ersetzt. Im aktuellen Beitrag geht es um einige ökonomische Aspekte in der Bewertung der Schiefergas Entwicklung. Die aktuelle politische Lage rund um die Russland/Ukraine-Krise wird angesichts der enormen Importabhängigkeit vieler europäischer Staaten von Russland die Schiefergas-Debatte in Europa intensivieren. Relevant scheint mir: welche Erwartungshaltungen an die mögliche Shale-Förderung in Europa sind realistisch?

Europa ist abhängig von fossilen Energieimporten. 54% der in Europa genutzen Energie muss importiert werden. Die Kosten dafür steigen deutlich. Nicht, weil die Importmenge in den vergangenen Jahren so dramatisch gestiegen ist, sondern weil die EU-Staaten nach dem enormen Ölpreisanstieg – ich wiederhole mich, aber die möglicherweise wichtigste Veränderung der vergangenen zehn Jahre am Energiemarkt! – jährlich mehr als 500 Milliarden Euro netto für fossile Energieimporte ausgeben. Das sind 200 Milliarden Euro mehr als noch vor wenigen Jahren. Österreich ist übrigens zu rund zwei Drittel von Energieimporten abhängig. Die Kosten dafür liegen bei jährlich netto ca 13 Milliarden Euro. (Brutto – also ohne Einbeziehung des Wertes von Energieexporten – sind es 17 Milliarden Euro gewesen, Stand 2012)

Die Abhängigkeit ist bei Gas, aber noch mehr bei Ölimporten zu spüren. (geredet wird aufgrund der Russland/Ukraine-Krise aber nur über Gas, weil 50% des russischen Erdgas nach Europa durch die Ukraine transportiert wird; deutlich weniger ist es bei Rohöl) 2012 importierte Österreich Gas im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro und Rohöl- bzw. Rohölprodukte im Wert von 8,8 Milliarden Euro.  70% der österreichischen Gasimporte kommen dabei aus Russland bzw. – wie der Mineralölbericht ausweist – den GUS-Staaten (bei einer Importquote von 85% ist Österreich damit zu 57% von Russland/GUS-Gas abhängig).

Man hat also guten Grund, über Alternativen nachzudenken. Also z.B. darüber, ob Schiefergas mittels Fracking, eine realistische Option ist. Werfen wir also einen Blick in die USA, wo Shale tatsächlich die Energie-Landschaft massiv verändert hat:

 Shale-Boom = Shale Gas + Light Tight Oil

Ein Blick auf die produzierten Mengen zeigt, dass tatsächlich die vielzitierte Post abgegangen ist.  Hier zwei Graphiken aus der lesenswerten Studie des Geologen David Hughes für das Post Carbon Institute. (Drill, Baby, Drill)

Graphik: Anstieg der US Schiefergas-Mengen zwischen 2000 und Mai 2012

(Quelle: David Hughes, Drill)

http://www.postcarbon.org/drill-baby-drill/

Graphik: Anstieg der nordamerkainsichen Schieferöl-Mengen zwischen 2005 und Anfang 2014  (Quelle: EIA)

Dabei sollte man eine Sache bedenken. Alle reden über Schiefergas. Aber nicht weniger wichtig ist die deutlich erhöhte Ölproduktion aus Shale Feldern. Die Graphik zeigt, dass die USA mittlerweile über 3 Mio Barrel/Tag Light Tight Oil produzieren. Eine beachtliche Menge mit Folgen für den Weltmarkt. Die Menge entspricht über 4 Prozent der Rohölproduktion am Weltmarkt.

Tatsächlich haben die erhöhten Mengen dazu geführt, dass – wie schon in Teil 1 erläutert – die Kluft zwischen Produktion und Verbrauch in den USA zurückgegangen ist. Zur viel zitierten Energieunabhängigkeit wird es zwar nicht reichen, aber die Importkosten konnten dadurch reduziert werden.

Graphik: Entwicklung von US-Gesamtenergieverbrauch und US-Produktion seit 1980 (Daten EIA)

usenergy

Laut dem Buch “Fueling Up” lagen die US-Ausgaben für Energieimporte im Jahr 2012 bei 284 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 lagen sie noch bei 408 Milliarden US-Dollar. (der Höhepunkt bei den Importkosten). Trotz der gestiegenen Eigenproduktion importieren die USA  derzeit ungefähr die gleiche Menge Öl wie vor 20 Jahren. Der Wert dessen ist jedoch sogar inflationsbereinigt drei Mal so hoch wie damals. Eine Reduktion der Importsabhängigkeit ist also für viele ein Gebot der Stunde. Wieder ist aber in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass dies auch der zumindest temporären Energieverbrauchsreduktion zu verdanken ist.

Dennoch ist vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die USA immer noch in beträchtlichem Nettoenergieimporteur sind, das Angebot, verflüssigtes Erdgas nach Europa zu liefern um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, kritisch zu sehen. Erstens ist die Option teuer; zweitens um es mit Richard Heinberg zu sagen: “There’s just one tiny problem with all these fervent desires and good intentions. On a net basis, the US has no oil or gas to export.”

 

Boom oder Bubble: die Mär vom billigen Schiefergas

Eines der hartnäckigen Gerüchte, die sich halten, ist, dass Schiefergas günstig sei, was insbesondere mit dem deutlichen Unterschied zwischen US-amerikanischen und europäischem Gas argumentiert wird. Zu den Kosten von Fracking und Schiefergas sei auf diesen sehr interessanten Beitrag von Cornelia Daniel verwiesen, die auch auf die stets lesenswerte Seite des Energieanalysten Steffen Bukold verweist. Bukold verdeutlicht in seinem Global Energy Briefings immer wieder die enormen regionalen Unterschiede innerhalb des US-amerikanischen Gasmarkts hin.

Die enorme Produktionssteigerung aus US-Shale hat dazu beigetragen, dass die Gaspreise relativ gering bleiben. Mehr Angebot bei in den vergangenen Jahren niedrigerer Nachfrage (Krisenjahre nach 2008) sind die simple Ursache. Dazu massive Investments aus dem Kapitalmarkt, die nach dem Finanzcrash neue Zukunftsmärkte aufspüren und eine Öl- und Gasbranche, die zu den finanzstärksten und mächtigsten der Welt gehört.

Unbestritten ist: Der Öl- und Gassektor ist für den Kapitalmarkt nach 2009 noch wichtiger geworden. Zwischen 2009 und 2011 sind 41 Prozent aller gewerblichen Investitionen der USA in den Öl- und Gassektor geflossen. (Quelle: Fueling Up). Auch der britische Aktienindex ist ein Indikator:  Vor etwas mehr als zehn Jahren noch hatten Öl-, Gas- und Kohleunternehmen einen Anteil von rund zehn Prozent. Heute liegt er bei rund einem Drittel. (Quelle: Die Zeit “Bohren bis die Blase platzt“, Carbon Tracker). Hier wird auf Teufel-komm-raus gefracked mit einer klaren Erwartungshaltung: neue Markterschließung, neue Abhängigkeiten und in Zukunft will man auch Rendite sehen. Der Shale-Hype ist die Folge davon. Daher kommt auch der Begriff Bubble. Einerseits gibt es die Carbon Bubble, die platzt, wenn sich die Weltgemeinschaft zur notwendigen Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet und damit viele fossile Investitionen unrentabel macht; andererseits die Shale Bubble:

henryhubDenn hier kommt die nächste Frage: woher kommt die Rendite? Bei den US-Preisen vergangener Jahre ist Schiefergas nicht profitabel. Es ist schwierig, aus den besteheden Untersuchungen standardisierte Werte für den Break-Even rauszufiltern, denn kaum ein Schiefergas-Feld gleicht dem anderen. Manche Quellen sprechen von langfristig 4 $/MMBtu; manche von 7$/MMBtu. (Million British thermal unit) Die Preiskurve der vergangenen beiden Jahre zeigt notwendigerweise auch schon wieder nach oben. Parallel dazu sind laut IHS-Herold Analyse die Investitionen in neue Felder vergangenes Jahr signifikant zurückgegangen (siehe Sueddeutsche). Und strukturell ist relevant zu wissen:

  • 68% der gesamten US-Schiefergasproduktion kommt aus 3 Feldern
  • 74% der gesamten US-Schieferölproduktion kommt aus 2 Feldern  (Quelle: Hughes Präsentation Jänner 2014)

Die sogenannten Low Hanging Fruits werden zuerst abgeschöpft.

Dazu ist auch anzumerken, dass Shale bemerkenswerte Declineraten hat, d.h. es wird gleich zu Beginn der größte Output geschöpft und dann sinken die Förderraten rasch ab. D.h. um die Produktionsmengen aufrecht zu erhalten, wird simpel gesagt, ein Loch nach dem nächsten gebohrt. Die Anzahl der Bohrtürme wird weiter steigen, während die Produktionsraten nicht zwingend mitsteigen werden. Der Input erhöht sich; der Output aber nicht. Wie viele Jahre kann die Party dauern?

Klar ist: die Profitabilität ist bei US Light Tight Oil dank eines Weltmarktpreises rund um 100 US-Dollar/Barrel besser als bei Schiefergas. Man kann gespannt sein, wie sich die Kluft der unterschiedlichen Märkte noch auswirken wird. Der Ölpreis bleibt hoch; aber auch der Gaspreis wird zwangsläufig in den USA steigen müssen.

 

Job- und Wirtschaftswunder Schiefergas?

Der Schiefergas-Boom wird in der politischen Diskussion in Europa oft mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der USA in Zusammenhang gebracht und einer möglichen Re-Industrialisierung, die ihre Grundlage in billigem Gas bildet. Auch hier gilt es kritisch zu analysieren.

priceratiogasJa, die Price Disparity zwischen den unterschiedlichen Regionen bei Erdgas-Preisen ist gegeben. Siehe Graphik links aus dem World Energy Outlook 2013 der IEA. Aber wie oben beschrieben: die Gaspreise steigen aktuell in den USA relativ stark an. (nicht nur witterungsbedingt). 2012 hatten wir auch nach Meinung der IEA den Höhepunkt der Preiskluft zwischen Europa und den USA. Ob die Strategie der USA, mit billigem Gas energieintensive Industriezweige wie die Chemie-, Düngemittel- oder die Stahlindustrie anzuwerben, auch mittelfristig aufgeht, kann hinterfragt werden. Während man fälschlicherweise pauschal von der Industrie oder manchmal auch nur der energieintensiven Industrie spricht, ist genaue Differenzierung notwendig (für die in der politischen Debatte meist kein Platz ist) Der World Energy Outlook verweist auf die Unterschiede in den Anteilen der Energiekosten an den Gesamtkosten.

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Wie die aktuelle hervorragende Studie im Rahmen von Climate Strategies zeigt (Mitwirkende ua London School of Economics, DIW Berlin und auch Prof. Stefan Schleicher vom Wegener Zentrum in Graz) auf Daten aus Deutschland basierend zeigt, sind Energiekosten nicht der entscheidende Faktor für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Für 92 Prozent der Industrie machen die Energiekosten nicht mehr als 1,6 Prozent der Kosten aus. Das bedeutet nicht, dass die anderen acht Prozent irrelevant sind, aber es relativiert sich doch einiges, wenn man die enorme Priorität möglichst unambitionierter Klima- und Energieziele auf der Agenda der Industrielobbys sieht. Oder wie ich mir erlaubt habe, in einem Presse-Kommentar zu fragen: wen vertreten eigentlich die Industrievertreter?

Welchen wirtschaftlichen Effekt hat also der Shale-Boom in den USA: Wieder aus Fueling Up: In jenen Gegenden, wo entsprechende Bohraktivitäten erfolgen, ist natürlich der Bedarf an Dienstleistungen und wirtschaftlichen Gütern gestiegen. Aber der US-weite Aufschwung wird viel mehr durch die verbesserte Gesamtsituation, insbesondere durch erhöhte Konsumausgaben getragen.

Was Jobzahlen betrifft, wird relativ willkürlich mit Zahlen herumgeworfen. Die Chemie-Industrie sieht zusätzlich 400.000 Jobs; Wood MacKenzie 1,4 Millionen Jobs bis 2030 durch Öl- und Gasboom (inkl Alaska). Mc Kinsey das Potentzial von 1 bis 1,7 Millionen bis 2020. IHS sieht gar 3,5 Millionen Jobs bis 2036. Alle Zahlen sind brutto zu verstehen; Netto-Effekte sind kaum mitberücksichtigt.

Bei aller gebotenen Vorsicht, zeigt ein Blick in die aktuelle US-Arbeitsmarktstatistik, dass in der industriellen Produktion vergangenes Jahr 77.000 neue Jobs geschaffen wurden, in der Öl- und Gasindustrie 26.000; zugleich aber in der Gastronomie 306.000.

Das Konzept der Reindustrialisierung durch billige Produktionsfaktoren erinnert an ein Zurück in die 60er und 70er Jahre. Im Gegensatz zu anderen Innovationen im Energiesektor hat der Öl und Gasboom keinen transformativen Effekt. Der Wechsel von Holz auf Kohle ermöglichte neue Arten industrieller Aktivitäten, weil der Energiegehalt der Kohle höher war und der Transport leichter. Die Entwicklung der Elektrizität hatte ebenso transformativen Effekt, weil Strom vielseitiger und flexibler ist. Öl ebenso. Aber der neue unkonventionelle Öl- und Gasboom bietet keine neue oder unterschiedliche Form des Wirtschaftens. Er ist nicht vergleichbar mit dem IT-Boom der 90er Jahre,  der komplett neue Anwendungen und Dienstleistungen ermöglichte. Das fossile Comeback kann hilfreich sein, wenn man das alte auf fossiler Energie aufbauende System noch irgendwie durch die Runden bringen will, aber bringt es auch den Strukturwandel, der zukunftsfähig ist? Nach aktuellem Stand muss man sagen: nein!

Und genau hier ist der Punkt, wo meiner Meinung nach eine europäische Energiewende greifen müsste:

 

Quo vadis, Europa?

Die EU ist also eingeklemmt zwischen der Abhängigkeit von russischem Gas (und auch Öl) und den nicht minder von Eigeninteressen geprägten Angeboten, Europa mit us-amerikanischem LNG (Liquified Natural Gas) zu beglücken bzw. die Schiefergas-Exploration voranzutreiben.

Und hier ist der Punkt: es gibt aktuell keinen Hinweis, dass ein Shale-Boom ähnlich den USA in Europa funktionieren könnte.

Ein Beispiel: Die österreichische RAG bohrt seit 2009 in Polen nach Schiefergas. Wie der Standard schreibt, wird aktuell der Rückzug überlegt. Grund: “wirtschaftlich nicht darstellbar”. Wie gesagt, Schiefergasfelder unterscheiden sich stark von einander . Unterschiedliche Geologie aber auch andere Flächennutzungen, höhere Bevölkerungsdichte, Umweltauflagen und die fehlende industrielle Infrastruktur sind Gründe, warum man die Erwartungshaltung an eine europäische Schiefergas-Gewinnung deutlich runterschrauben muss. Das Risiko, hier auf ein falsches Pferd zu setzen, ist auch ökonomisch hoch.

Wie Cornelia Daniel richtig schriebt, fehlt in Europa eine eigenständige Energiestrategie.  Was mit unterschiedlichen inneren (also nationalen bzw. kommerziellen) Eigeninteressen zu tun, aber auch damit, dass die Klarheit bei den Klima- und Energiezielen verloren gegangen ist. Weshalb der laufende 2030-Prozess umso wichtiger ist.

Mein Wunsch wäre, dass Europa sich der Eigenständigkeit und auch der eigenen Stärke besinnt. Eine Strategie, die darauf aufbaut, möglichst billige Produktionsfaktoren bieten zu können, ist ein Schritt zurück. Europa muss auf Effizienz, Innovation, die besten Köpfe und Klarheit bei idealerweise ambitionierten Zielen setzen. Hier hat Europa seine Stärken entwickelt. Man ist gerade dabei, jene zu verspielen.

 

Zusammenfassend:

  • Der US-Shale Boom trägt dazu bei, die Kosten für den Import fossiler Energie deutlich zu reduzieren. Ein zweiter Schlüssel dafür ist die Verringerung des Energieverbrauchs.
  • Wie lange der Boom anhält, ist schwer vorherzusagen. Es gibt ernst zu nehmende Indizien, dass die Party nach wenigen Jahren wieder vorbei sein wird. Es ist davon auszugehen, dass der US-Gaspreis mittelfristig weiter signifikant steigen wird.
  • Bei den positiven Effekten der US-amerikanischen Wirtschaft spielt das fossile Comeback nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zur allgemeinen Konjukturerholung. Achtung auf die Phase, wenn das Zinsniveau wieder steigt.
  • Die US-amerikanische Weg ist keineswegs auf Europa übertragbar. Europa braucht eine eigenständige Strategie, um die fossile Importabhängigkeit zu reduzieren. Der Ausbau erneuerbarer Energieträger und eine Verringerung des Energieverbrauchs sind die sichereren Investitionen zur Reduktion der fossilen Importabhängigkeit  im Vergleich zu übertriebenen Shale Erwartungen. 




Bulb Fiction – kritisch betrachtet

21 09 2011

Kürzlich hatte ich mir “Bulb Fiction” (Regisseur Christoph Mayr) angesehen, ein “Dokumentarfilm” zur Energiesparlampe. Der Film verfolgt eine klare Intention, die letztendlich darauf hinausläuft, die Glühbirne wieder als Massenprodukt zurück zu fordern und die Energiesparlampe zu hinterfragen. Die Website untertitel etwas reißerisch mit “Die Lüge von der Energiesparlampe” Ob es ein Beitrag zu Aufklärung und Mündigkeit ist, wie auf der Website postuliert, darüber kann man diskutieren. Ich orte einige interessante, wissenswerte Informationen, sehe einige Aspekte im Film jedoch durchaus kritisch. Interessanterweise findet man derzeit kaum kritische Stellungnahmen zum Film. Hier einige Eindrücke dazu und eine differenzierte Meinung über Stärken und Schwächen von “Bulb Fiction”.
Zunächst muss man mal zum Titel gratulieren. Der ist einfach, aber ziemlich genial.

Bulb Fiction ignoriert aktuelle Entwicklungen
Der Film kritisiert massiv die EU-Effizienz-Kriterien für Haushaltslampen und den dazugehörigen Phase-Out Plan, weil jene Kriterien von herkömmlichen Glühlampen nicht erfüllt werden und sie daher Schritt für Schritt aus dem Handel verschwinden – so wie zuletzt die 60W Glühbirne, die seit 1.9.2011 nicht mehr angeboten wird. Irrtümlich wird öffentlich ja oft angenommen, dass die Glühlampe als solche verboten worden wäre. Korrekt ist jedoch, dass es strenge Effizienzkriterien gibt. (der Film selbst beschreibt das zwischendrin auch richtig) Als Alternative dazu wird im Film ausschließlich die Energiesparlampe behandelt. Jede/r, der sich jedoch mit aktuellen Beleuchtungstechnologien auseinander setzt, weiß, dass der aktuelle Trend eindeutig in Richtung LED (Leuchtdioden) geht und die Energiesparlampe noch nicht das Ende der Technologienentwicklung darstellt. Die EU-Verordnung hat bewirkt, dass seit einigen Jahren ein enormer Innovationsschub eingesetzt hat. Meine These: ohne ordnungspolitische Maßnahmen wäre es nicht dazu gekommen, weil Energieeffizienz aufgrund billiger Energie den KonsumentInnen und dem Markt leider weitgehend egal sind. (mehr dazu später)
Das einmal als Kernargument.

Interessenslagen: Verschwörungstheoretische Ansätze oder fundierte Marktanalyse
Nun, es ist keine Frage, dass die großen europäischen Konzerne im Beleuchtungssektor Einfluss auf die Entscheidung der EU-Kommission gehabt haben dürften. No na konsultieren Entscheidungsträger die Industrie, wenn es um die Umsetzung von Maßnahmen geht. Dass dies manchmal zu weit gehen kann, sehen wir hierzulande immer wieder, wie kürzlich, als ein Entwurf des Umweltministeriums zum Klimaschutzgesetz sehr offensichtlich von Vertretern der Industriellenvereinigung geschrieben wurde. (siehe Presse-Artikel “Wer Österreichs Gesetze schreibt”)
Der Film vermittelt jedoch den Eindruck, dass ein Kartell existiere, das die Entscheidung ausschließlich im Eigeninteresse der marktbeherrschenden Unternehmen erwirkt hätte. Nachweise gibt es dazu nicht. Was im Film fehlt ist eine fundierte Analyse des Glühbirnen-Marktes und der Akteure im LED-Bereich. In letzt genannter kann ich anmerken, dass es eine Vielzahl kleiner innovativer Firmen (davon einige hierzuland) gibt, die interessante Lösungen entwickeln und anbieten. Ist nicht viel mehr anzunehmen, dass sich der Markt durch die EU-Richtlinie letztendlich mehr ausdifferenzieren wird? Vieles spricht dafür. Was stimmt, ist, dass die qualitativ hochwertigeren Produkte teurer sind als die alte Glühbirnen und damit natürlich mehr Umsatz bringen. Zugleich sollen sie jedoch auch länger halten und dadurch seltener erworben werden (was der Film in Sachen Energiesparlampe teilweise anzweifelt)
Interessant, aber meiner Meinung nach manipulativ aufbereitet ist die Darstellung des sog. Phöbuskartells. Hier vermischen sich historische Dokumente mit der aktuellen Sachlage. Wenn man keinen genauen Blick auf die gezeigten Dokumente wirft, wird im Film nicht deutlich erklärt, dass es sich um Papiere aus den 30er Jahren handelt. So, das ist historisch interessant, aber was hat das mit der aktuellen Debatte zur Beleuchtung zu tun?
Vermittelt wird, das Kartell könnte jetzt noch aktiv sein. Dafür gibt´s jedoch keine substantiellen Indizien. Angesichts der wüsten, verschwörungstheoretischen 09/11-Dokus der letzten Wochen, wo teils sehr platt teils sehr geschickt Machenschaften postuliert werden, ist Vorsicht im Umgang mit derartigen Kontexten geboten. Menschen sind offenbar extrem zugänglich dafür.

Efficiency matters
In der PR-Arbeit rund um Bulb Fiction wird vermittelt, dass die EU nachgerade ausschließlich durch das Phase-Out ineffizienter Glühbirnen das Klima retten wollte. Tatsächlich war die Intention die einfach erzielbare Energieeinsparung im Haushaltsbereich und damit ein Beitrag zum Klimaschutz. Das betrifft jedoch eine Menge anderer Produktgruppen auch. Wer sich auch nur ansatzweise mit Klimaschutz auseinander setzt, weiß, dass die Reduktion der Treibhausgase nur durch eine Vielzahl an – unterschiedliche Sektoren betreffende – Maßnahmen erreicht werden kann. (oder durch eine deutlich Erhöhung der Energiepreise)
Der diesbezügliche Populismus im Film ist mir etwas zu billig, denn mit dieser Art der Kommunikationslinie kann ich jedes ansatzweise komplexe Problem auf dieser Welt aufmachen. Ja, unsere Welt ist komplex und daher wird auch die Lösung dessen nicht einfach. Dass die Energiesparlampe jedoch signikante Einsparungen beim Stromverbrauch erzielt (im Normalfall rund 80% im Vergleich zur Glühlampe), ist unbestritten. Dass bei den Energiesparlampen jedoch auch qualitativ schlechte Produkte auf den Markt geworfen wurden, ist sicher auch richtig, aber ja nicht der Kernpunkt im Film.
Bei aller Affinität zur Glühbirne: sie ist ein schlicht extrem energieineffizientes Produkt! Und beim allem Verständnis für die Befürworter des reinen Marktliberalismus, sorry to say: wir leben in einer Welt, wo es eben nicht nur darum geht, für sich selbst verantwortlich zu sein, sondern wo die Art, wie wir Energie verbrauchen eben auch Auswirkungen auf alle hat. Deshalb werden u.a. Treibstoffe effizienter gemacht, Gebäude sollen weniger Energie verbrauchen und eben auch unsere Haushaltsprodukte weniger Energie verschwenden. Vom notwendigen verhaltensbezogenem Systemwandel in Sachen Energieverbrauch ganz zu schweigen. Es ist legitim zu sagen, dass man die Gewichtung zwischen den einzelnen Sektoren oder Produktgruppen nicht angemessen findet. Aber das wird im Film nicht getan, denn wie wir Energie einsparen ist den Machern von Bulb Fiction offenbar ziemlich egal. Das ist wie gesagt legitim, aber meiner Meinung nach eben falsch.

Der Umgang mit Umweltgiften & die Schwäche bei Kontrolle bzw. Entsorgung
Hier macht Blub Fiction einen wichtigen Punkt, indem er den unsachlichen Umgang mit Umweltgiften wie Quecksilber thematisiert. Es mangelt an Kontrollen und beim Recyceln sind die Zustände offenbar auch unbefriedigend. Das betrifft sehr viele Bereiche und Stoffe und ist wahrlich kein Energiesparlampen-Spezifikum.
Blub Fiction konzentriert sich jedoch ausschließlich auf das Quecksilber-Problem in der Energiesparlampe und ignoriert – abgesehen von einem zu Wort kommenden Umweltmediziner – die Probleme, die sich in vielen anderen Substanzen und Produkten befinden. (man denke nur an Batterien und Elektrogeräte aller Art) Die Quecksilber-Diskussion ist übrigens nicht neu. Ich erinnere nur an die jahrelangen Amalgam-Debatten bei Zahnfüllungen oder – wie wir es noch als Kinder gelernt haben – den Umgang mit quecksilberhaltigen Fieberthermometern, die auch das eine oder andere mal in Haushalten kaputt gegangen sind. Nur zum Vergleich: Bei Untersuchungen der Stiftung Warentest wird angegeben, dass in einer Energiesparlampe meist etwa zwei Milligramm Quecksilber enthalten sind. (meist sollten es noch weniger sein) Fünf Milligramm soll das Maximum laut EU-Verordnung sein. Das (mitterweile in der EU verbotene) Quecksilber-Fieberthermometer enthielt 1 Gramm Quecksilber, also das 500fache einer durchschnittlichen Energiesparlampe.
Dennoch ist natürlich Vorsicht geboten, insbesondere wenn die Energiesparlampe zerbricht während sie brennt. Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass man im Bereich Entsorgungsangebote und Informationsmaßnahmen deutlich besser agieren könnte. Immer noch landen laut GLOBAL 2000 80 Prozent der Energiesparlampen im Restmüll.

Schwache EU-Performance
Stichwort Informationspolitik. Wie sich die EU-Kommission im Film präsentiert, ist auch nicht gerade ruhmbekleckernd. Es gibt eine Szene, in der die Pressesprecherin der EU-Kommission (anstelle der angefragten EU-Kommissare) auf Fragen antwortet, und dabei immer wieder den Fachexperten konsultiert, der nicht im Bild ist bzw. – wie erläutert wird – sein darf. So wird nicht gerade Vertrauen bei BürgerInnen geschaffen. Dass es offenbar keine Klarheit bei der Aufnahme gegeben hat, wann man on -und wann offrecords sei, ist aber auch ein kleines Foul von Mayr. Üblich und fair ist, wenn man das mit dem Interviewpartner klärt. Aber das nur am Rande.
Generell ist der Auswahl der Akteure recht einseitig. Das ist natürlich legitim, wenn es der Intention des Filmes entspricht. FDP-Abgeordnete Holger Krahmer, der BWL-Professor und Hedgefonds-Manager Max Otte oder die beiden Vertreter der Lichtdesigner-Vereinigung, die sehr viel Platz im Film erhalten, kontextualisieren den Inhalt natürlich entsprechend ihrer Agenda. Dass die Umweltseite nicht besonders gut aussteigt, wird geschickt dargestellt. Unverständlich eigentlich, denn die Umweltorganisationen beziehen sehr konkret Position sowohl zum Energiesparen wie auch zur Quecksilberbelastung.
Der Kernvorwurf der Filmemacher ist, dass die Öffentlichkeit bzw. Politik in Sachen Energiesparlampen manipuliert wurde, um die EU-Verordnung durchzusetzen. Konkret ist von “Propaganda” die Rede. Streng genommen arbeitet der Film selbst jedoch ebenso recht einseitig und wirkt in meiner Wahrnehmung potentiell manipulativ. Tatsächlich muss man mündiger, gut informierter Bürger sein, um aus den unterschiedlichen Quellen nützliche Informationen zu beziehen.

Wie gesagt, unsere Gesellschaft ist in Zeiten einer tiefen Vertrauenskrise in öffentliche Informationen und Institutionen, sehr zugänglich für die Darstellung von “Machenschaften” und Verschwörungen aller Art. Nahezu JEDER Inhalt – auch aus dem ökologischen Bereich – ist in irgendeiner Weise angreifbar. Für nahezu jedes Gutachten ist ein Gegengutachten heranziehbar. Unser Ziel als Gesellschaft muss jedoch sein, dass sachliche Entscheidungen im öffentlichen Interesse eben keine Glaubensfrage darstellen. Und öffentliches Interesse ist unter anderem die Reduktion des Energieverbrauchs wie auch der substantielle Beitag zum Klimaschutz. (und ja, natürlich auch der Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen) Ohne ordnungspolitische Maßnahmen wird das nicht gehen.
Es ist schade, dass es bei Bulb Fiction nicht wirklich gelungen ist, sich von Glaubensfragen zu entkoppeln, sondern der Dokumentarfilm letztendlich eine Bewegung für die Wiedereinführung eines (eben leider ineffizienten) Produkts darstellen will. Wo der Film wie gesagt richtig ansetzt ist bei der Schwächeanalyse und Bewusstseinsbildung für Auflagen bei der Verwendung von Quecksilber und bei der Entsorgung. Nicht bewerten kann ich die diversen lichttechnischen Aspekte ehrlich gesagt.

In einem Folgepost widme ich mich demnächst – anlässlich von Bulb Fiction – der Regulierung komplexer Materien. Ein schwieriges Thema, zugebenermaßen.

Abschlußanmerkung “in Zeiten wie diesen”: Im Sinne der Transparenz verweise ich darauf, dass ich in keinerlei geschäftlichem- oder Auftragsverhältnis zur Leuchtmittel-Industrie stehe.

Lesenswert ist übrigens dieser Praxistest von Roland Giersig, der seinen Haushalt soeben auf LED umstellt.





Post-Oil City

10 02 2011

Zurzeit ist die Ausstellung “Post-Oil City – Die Geschichte der Zukunft der Stadt” in Wien zu Gast. Nach Stuttgart und Berlin ist Wien die dritte Stadt, die “Post-Oil City” beherbergt. Bis kommenden Montag, 14.2., kann sie noch im Semper-Depot an der Akademie der bildenden Künste Wien besucht werden.
Sie ist es wert. Denn tatsächlich bietet die Ausstellung jede Menge Information über brennende, durchaus komplexe Fragestellungen und mögliche Antworten auf stadtplanerische und ökologische Fragen. Es wird der Bogen gespannt von Entwürfen und Ansätzen aus der Vergangenheit (etwas Buckminster Fuller) zu aktuellen Plänen wie etwa dem vieldiskutierten Masdar-Projekt.

Andere aktuelle Beispiele sind etwa Xeritown, das Konzept Energie-Inkubator Tempelhof, The High Line in New York, und wie so oft das Paradebeispiel für Ecocities Curitiba in Brasilien.
Die Ansätze reichen dabei von utopistisch, fast absurd anmutend wie bei der Skycar City (Winy Maas) bis hin zu aktuell konkret diskutierten und in Umsetzung befindlichen E-Mobilitätskonzepten wie Shai Agassis Better Place. Aber auch die Zusammenhänge wie zum Beispiel zwischen Dichte, Verkehrs-Hubs und Mobilitätsentwicklung werden kurz erklärt. Generell extrem viel Stoff für eine Ausstellung. Insofern kann man im Rahmen so einer Ausstellung nur reinschnuppern.

Bei einer Frage bin ich mir aber nicht sicher: Kann man davon ausgehen, dass die Besucherinnen und Besucher wissen, warum wir von Post-Oil sprechen? Wissen die Menschen tatsächlich schon derart gut Bescheid, warum das Zeitalter des billigen Öls vorbei ist und welchen tief greifenden Strukturwandel der Energieshift mit sich bringt? Die aktuellen Rohölpreise von über US-$ 100 sind ein guter Bezugspunkt für manch Besucher. Aber das ist eher eine zeitlich, günstig gelegene Koinzidenz. Im Mainstream von Lehre und Anwendern ist das meiner Meinung noch nicht etabliert.
Die sehr gut besuchte Eröffnungsveranstaltung, die von Vizebürgermeisterin Vassilakou eröffnet wurde, lockte ein Publikum, das ich bislang kaum bei Energieveranstaltungen gesehen habe. Das ist gut so und spricht für die engagierte Arbeit der Ausstellungsorganisatoren. Ob die Zusammenhänge zwischen Peak-Oil, Rohstoffknappheit, Wachstum, Dichte uvm. schon etabiert sind? Ich weiß es nicht. Aber diese Brücke müssen wir schaffen, denn einige portraitierte Modelle wirken trotz ihrer Umsetzungsfähigkeit eben wie Modelle. An denen wird man viel lernen – aber der Faktor Zeit drängt. Es geht nicht nur darum, artifizielle Mikro-Kosmen zu erschaffen, die man als Spielwiese nutzt, sondern Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in den Planungsprozess zu integrieren und dabei konkret und zugleich dennoch visionär zu denken. Zu letztgenanntem trägt die Ausstellung maßgeblich bei, insofern empfehle ich einen Besuch sehr.

Wichtig scheint mir auch, dass der Diskurs über die Stadt nach dem Zeitalter billigen Öls mit der Ausstellung nicht beendet ist, sondern nur ein Baustein eines Gesamtdiskures wird. Im Gegensatz zu Deutschland führte die Ausstellung – abgesehen von einzelnen kurzen Artikeln – hierzulande kaum zu einer medialen Auseinandersetzung, was schade ist. Denn auch die Beispiele aus Asien, dem arabischen Raum oder Südamerika sind gute Anlässe über die Nachhaltigkeit der europäischen Stadt zu diskutieren.

Die Post-Oil City hat natürlich auch einige Bezugspunkte zur derzeit von der EU propagierten Smart City. Viele der aktuellen Konzepte sind extrem stark technologiegetrieben. Smart Grids, Smart Energy, Smart Metering etc. Das ist nicht per se schlecht. Aber Technologie allein reicht reicht nicht, denn eine Gesamtenergiebilanz hat auch den unglaublichen Materialaufwand (z.B. der viel zitierten seltenen Erden) der eingesetzt Technologien zu berücksichtigen. Es braucht neben neuer Technologie einen Wandel der Strukturen und der Kultur im Umgang mit Energie. Und genau da übernimmt die Stadt- und Raumplanung eine zentrale Funktion. Insofern ist es auch gut, dass auf baukulturelle Aspekte bei der Ausstellung verwiesen wird. Etwa mit dem Hinweis auf das Mexicali-Projekt des Architekturtheoretikers Christopher Alexander (A Pattern Language) oder dem äthiopischen N.E.S.T-Projekt.

Und wer es nicht hinschafft: die hervorragende ARCH+ Ausgabe 196/197 “Post-Oil City” beinhaltet fast alle Inhalte und ist eine äußerst anregende Lektüre.

Hier noch einige ältere Bezugspunkte auf Guensblog zum Thema:

Peak Oil oder Peak Demand? Annäherung an das Mysterium Ölpreis vom 2.12.2009
“Dichte” – ein umweltpolitisch unterbeleuchteter Aspekt vom 26.2.2010
Es geht um die Mobilität der Zukunft, nicht nur um das Auto der Zukunft vom 18.8.2009
Ecocity 2008: The city is the solution, not the problem vom 9.5.2008
Von der Subprime-Crisis zur Suburb-Crisis. Spannendes zum Verhältnis von Erdöl und Weltwirtschaft. vom 22.6.2009





Wann, wenn nicht jetzt: Förderalismusreform am Beispiel der thermischen Sanierung?

30 06 2009

Vergangene Woche, am 26.6., meldete das Lebensministerium: “Förderung thermischer Sanierung für Privathaushalte abgeschlossen”. Damit ist nach rund zehn Wochen eine der Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgelaufen. 50 Millionen Euro wurden für energetische Sanierungsmaßnahmen  aber auch den Heizkesseltausch auf erneuerbare Energieträger bereitgestellt; ebenso 50 Millionen Euro für Betriebe. Im privaten Bereich war die Nachfrage also derart hoch, sodaß die Förderung nicht wie geplant bis Jahresende läuft, sondern eben nur für etwas mehr als zwei Monate offen war. Da die Regierung vorerst nicht plant, die Förderaktion zu verlängern, müssen sich private Interessenten wieder ausschließlich an das jeweilige Bundesland oder manchmal auch Gemeinden wenden. Zum Verständnis: die Bundesförderung konnte zusätzlich zu Landes- oder Gemeindeförderungen beantragt werden.

Im folgenden will ich kurz erläutern, was wir daraus lernen können und will argumentieren, warum der Rückschluß Anlaß für eine schon lange notwendige Reform im föderalistischen Fördersystem sein sollte.  Zugebenermaßen bin ich nicht sicher, ob die Sache zu Ende gedacht ist, aber es ist einen Versuch wert.

Warum die Bundesförderung erfolgreich gelaufen ist:

  • Zunächst muss man festhalten, dass 50 Millionen Euro für energetische Sanierungsmaßnahmen im privaten Wohnbau wenig Geld ist. Mindestens die fünffache Summe wäre angemessen gewesen.
  • Dennoch zeigt sich, dass es offenbar Nachfrage und Investitionsbereitschaft Privater gibt, um thermische Sanierungen umzusetzen.  Laut Lebensministerium wurden “seit dem 14. April 2009 wurden rund 12.000 Anträge für nicht-rückzahlbaren Zuschüssen für die Dämmung der Außenhülle eines Gebäudes sowie den Tausch von Heizkesseln und Fenstern eingereicht. Die durchschnittliche Förderhöhe betrug rund 4.300 Euro mit der Investitionen in der Höhe von durchschnittlich 34.000 Euro getätigt werden. Allein durch die Sanierungstätigkeiten der privaten Haushalte werden somit rund 400 Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen initiiert”. 12.000 Anträge in diesem Zeitraum sind meiner Meinung nicht übel. In Zeiten wie diesen muss investiert werden; und Privatpersonen sind offenbar bereit dazu!
  • Der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist jedoch, dass diese Förderung im Gegensatz zur sonst üblichen Wohnbauförderung einige Vorteile hatte: sie war konkret,  leicht verständlich ist, wurde relativ unbürokratisch über die KPC abgewickelt, und bot als nicht-rückzahlbarer Zuschuß auch den effizientesten weil direktesten Mitteleinsatz. Klar, die Sonderaktion hat nicht alle Bereiche der Wohnbauförderung erfasst, sondern nur die energetische Sanierung und den Kesseltausch. Aber immerhin. Seit Jahren sagen Wirtschaftsforscher, dass die energetische Sanierung enormes Potential für Beschäftigung, Energieeinsparung und Treibhausgasreduktion bietet.
  • Dies ist im krassen Gegensatz zur Förderkultur in einígen Bundesländern erfolgt, wo unterschiedliche Modalitäten und Standards gelten. Die 15a Vereinbarung zwischen Bund und Ländern schafft hier zwar Mindeststandards, aber dennoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Sowohl inhaltlich wie auch abwicklungstechnisch. Vom unterschiedlichen Beratungsangebot ganz zu schweigen.

Da derzeit viel über die Verwaltungs- und Staatsreform geredet wird, wäre es interessant, die Erkenntnisse aus dem Erfolg der Sanierungsförderung des Bundes mit einer Reform der Wohnbauförderung zu verknüpfen, welche der Verländerung des Fördersystems einmal entgegen tritt. In Österreich ist dies seit Jahren undurchsetzbar, aber zugleich: wir sind derzeit mit schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, deren Folgen bei weitem noch nicht angekommen sind. Wie eine gestige Diskussionsveranstaltung mit Alexander Van der Bellen, Wirtschaftswissenschafterin Helene Schubert und Investmentbanker Willi Hemetsberger gezeigt hat, ist die Krise bei noch lange nicht ausgestanden. Und die Frage, who pays the bill, ist noch ungelöst. Denn die gleichzeitige Überschuldung vieler Staaten wird eine gigantische Zinslast mit sich bringen. Wenn die Krise nicht der Anlaß für strukturell tiefgreifende  Maßnahmen für die Zukunft ist, wann ist dann der richtige Zeitpunkt? Oder anders gefragt: kann man sich neun unterschiedliche Verwaltungssysteme zur Abwicklung von FÖrdermaßnahmen zur energetischen Sanierung leisten?

Warum denken wir nicht darüber nach, das Fördersystem im Wohnbau so umzudefinieren, dass es eine einfach abwickelbare Bundesförderung gibt, die engagierte aber realistische Mindesstandards legt (Experten halten es zB. für nur schwer möglich, dass derzeit eine Luftwärmepumpe wie in der burgenländischen Förderung eine Jahresarbeitszahl von 4 erreicht). Zugleich wird über einen Verteilungsschlüssel festgelegt, dass es eine faire Mittelvergabe quer über die Bundesländer geben muss (angedacht z.B. derzeit bei der Photovoltaik-Förderung des Klimafonds). Und: die Länder könnten über eigene Fördermittel zusätzliche Add-Ons formulieren und dabei z.B. noch strengere Standards zusätzlich fördern oder eigene Schwerpunkte und den Förderanteil erhöhen setzen. Diesmal war ja die Bundesförderung ein Add-On.

Aber: der Sockel würde nach diesem Gedankengang von einer einheitlichen Bundesförderung getragen werden und nicht umgekehrt.

Klar. So etwas wäre eine Kraftakt, da dies Wohnbauförderung und damit auch den Finanzausgleich betrifft. Und nicht zwingend würde dies insbesondere kurzfristig mehr Effizienz und Investitionen bringen. Aber wie gesagt: Wann, wenn nicht jetzt! Österreich kann es sich als kleines Land bald nicht mehr leisten, in der Förderlandschaft derartig viel Mehrfachstrukturen aufzuweisen.

Oder seh ich da was falsch? Widerspruch erwünscht!





LED statt Glühbirne – ein Verbot als Innovationsmotor

22 12 2008

Viele Pro´s und Contra´s gab´s in letzter Zeit zum Glühbirnen-Verbot in der Europäischen Union. DNahezu alle Medien haben darüber berichtet. Der Kurier hatte eine kontroverse Diskussion, auch im Standard erschien ein interessanter, kritischer Beitrag eines Lichtplaners. as Ökocenter Blog hat die aktuellen Entwicklungen rund um das Glühbirnen-Aus kürzlich in einem Posting zusammengefasst.

Prinzipiell habe ich auch für jene Verständnis, die Bedenken äußern, insbesondere was die Qualität der Energiesparlampen betrifft (wobei manche Kritikpunkte insbesondere im Haushaltsbereich  leicht zu entkräften sind). Bei vielen Produkten, die am Markt erhältlich sind, gibt es tatsächlich Problem mit Lichtqualität, Haltbarkeit und Dimmbarkeit. Es flackert schlicht bei einigen Energiesparlampen grausam, wenn man versucht die zu dimmen – ich kenn das Problem.

Warum ich dennoch der Meinung bin, dass das stufenweise Glühbirnen Verbot sinnvoll ist, ist der enorme Innovationsschub der für neue Produkte ausgelöst wird. Insbesondere in der LED Technologie, aber auch in der Weiterentwicklung der Energiesparlampe.

Es gibt genug Beispiele, wo ohne ordnungspolitische Maßnahmen der Druck für neue Innovationen nicht ausreichend gewesen wäre. All die Alternativen zu den FCKW in den 80er und 90er Jahren hätte es kaum gegeben, wäre nicht klar gewesen, dass es zum (nahezu) weltweiten Phase-out kommt. Auch die Autoindustrie hätte wahrscheinlich deutlich früher schärfere Effizienzkriterien gebraucht. Denn der Markt interessiert sich nicht für Energieeffizienz relativ wenig.

Aber nochmals zur Alternative in der Beleuchtung.

LED steht für Licht Emittierende Diode. LED-Beleuchtung ist schon seit längerem im Einsatz, vor allem in der Signal- und Reklamebeleuchtung; jedoch aufgrund vergleichsweise geringer Lichtausbeute und fehlender Verfügbarkeit aller Lichtfarben nur in Nischen im Einsatz und kaum im Haushalt.

Das wird sich jedoch ändern. Alle großen Unternehmen im Beleuchtungsbereich arbeiten an neuen LED Lösungen. Und insbesondere für die kleinere Unternehmen, die schon lange innovativ in diesem Segment forschen, ist nun die Chance größer.

zetalux_led_buy_now_mediumErst kürzlich wurde ein Produkt präsentiert, das zeigt, dass es in die richtige Richtung geht. Earth LED ist schon seit einigen Jahren im LED Bereich aktiv und hat nun mit der Earth LED ZetalLux Leuchte ein weiteres interessantes Produkt vorgestellt, das  sich offenbar schon den Qualitäten der Glühbirne nähert. Die 7 Watt Lampe ist vergleichbar mit einer herkömmlichen 60 Watt Glühbirne. Mit rund $ 50,-  ist der Ankaufspreis natürlich nicht gering; die Betriebskosten sind jedoch derart gering, dass es einen Versuch wert ist. (ich erlaube mir einen Selbsttest) Insbesondere das Lichtspektrum macht die Sache qualitativ interessant.

Ich bin gespannt; die Produktbeschreibung und einige Onlinetests versprechen einiges (siehe unten). Und das ist nur Beginn einer Vielzahl neuer innovativer Entwicklungen.

Klar gäbe es Innovationen auch ohne Verbot – aber zumindest eine Beschleunigung der Entwicklungen und ein Rennen um den Wettbewerbvorteil wird erreicht.

“ZetaLux is built upon the latest LED Engine from CREE allowing for amazing efficiency, high output and a new benchmark in Color Rendering Index (CRI) performance. CRI is a a good way to determine the quality of light and its faithfulness to render colors correctly, EvoLux features a a CRI of 75 for cool white and 80 for Warm White making them exceptional for LED Light Bulbs.

The ZetaLux has been designed to the most exacting standards of any LED light bulb currently on the market. From its oversized aluminum heat sink to its flame retardant plastic, to its shatter proof lens, the ZetaLux is built to perform safely and efficiently for over 50,000 hours. The ZetaLux’s rugged design also allows it to perform under the harshest conditions including frigid -50 degree frost all the way up to scorching 180 degree heat with 95% humidity.”

(Quelle Pressetext ZetaLux)

via Cleantechblog





Deutschland plant Energieeffizienz-Gutschein – gut so!

17 10 2008

In nehreren deutschen Tageszeitungen ist heute zu lesen, dass der deutsche Umweltminister Gabriel plant, schon im November einkommensschwachen Haushalten einen Zuschuss von bis zu 150 Euro zu zahlen, damit sie sich stromsparende Kühlschränke anschaffen können. Neben der Süddeutschen (die leider den Bericht online dazu nicht hat), gibt es ua. in FAZ und TAZ Artikel dazu.

Die Idee ist nicht neu, wird aber gerade in Zeiten der Finanzkrise noch wichtiger. Der Ansatz erinnert mich daran, was Christoph Chorherr mal den intelligenten Heizkostenzuschuß genannt hat. Nur, dass es diesmal um stromsparende Geräte geht.

Die Debatte läuft schon länger und wie immer liegt der Hund im Detail. Das Konzept sieht vor, dass es einen Öko-Bonus an die Empfänger von Hartz IV-Leistungen geben soll. Das Umweltministerium will mit sozialen Organisationen, wie etwa der Caritas zusammenarbeiten. Diese will Berater einstellen, die die Haushalte im Energiesparen beraten und nach der Beratung einen Gutschein für den Kauf eines Kühlschranks oder Herdes der höchsten Effizienzklasse (A++) verteilen. Der Bonus von 150 Euro soll die Differenz zwischen einem billigen und einem energieeffizienten Kühlschrank ausgleichen.

Aus meiner Sicht sollte erwogen werden, dieses Modell nicht nur für Kühlschränke gelten zu lassen, sondern auch für andere Haushaltsgeräte der höchsten Energieklasse. Jedenfalls sollte es die Bindung an qualifizierte Energiesparberatung geben. Evtl überlegenswert wäre auch die Ausweitung der Ziel- bzw. Nutzergruppen. Aus mehreren Gründen wirkt das sinnvoll:

  • Man hilft jenen, die sich energieeffiziente Geräte nicht leisten können, ihre Stromkosten zu reduzieren. Das ist viel treffsicher als jede Lebensmittel-Ust Senkung.
  • Die Maßnahme ist konjunkturfördernd, da der Handel dadurch unterstützt wird und jener durch die rezessive Stimmung mit Einbußen konfrontiert sein wird.
  • Energiedienstleistungen wie Effizienzberatung werden dadurch stimuliert; ohne Finanzierungsanreize werden insbesondere einkommensschwache Haushalte nicht auf diese Wissens-Investition setzen. Daher liegen auch hier wichtige, qualifizierte Arbeitsplätze, denn die Finanzkrise wird sehr bald den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen.
  • Der Druck wird erhöht, dass Produzenten noch stärker auf effiziente Geräte setzen. Am besten nicht nur beim Kühlschrank, sondern auch vielen anderen Haushaltsgeräten.

Zeit, dass auch in Österreich derartige, öko-soziale Maßnahmen lanciert werden.





Greening the Ballhausplatz

8 09 2008

Heute hat Greenpeace eine interessante Presseaussendung gemacht. Unter dem Titel “ÖVP predigt Wasser und trinkt Wein” kritisiert die Umweltorganisation, dass die ÖVP Klimaschutz propagiert, und gleichzeit jedoch über zwanzig SUVs für den Wahlkampf verwendet. Die stark CO2 emittierenden “Sportgeländewagen” der Marke Toyota RAV 4 dienen der Volkspartei als fahrende Werbeflächen in den Städten, wo Autos dieser Größenordnung und dieses Treibstoffverbrauchs eigentlich nichts verloren hätten, so die Greenpeace Aussendung.

Vorweg, Greenpeace hat Recht. Sowas sollte nicht passieren, auch wenn nicht jede Sünde gleich in die Hölle führt. Das bringt mich aber auf die Idee, endlich über ein Programm zu schreiben, das mich im Rahmen der Ecocity Konferenz in San Francisco schwer beeindruckt hatte: “Green the Capitol”.

Denn wo unglaubliches Klimaschutzpotential liegt, ist der eigene Bereich der Verwaltung bzw. öffentlichen Hand: als Vorbild, als Auftraggeber, als Nachfrageimpuls. Und natürlich ist es interessant, die Parteien selbst im Auge zu haben. Daher der Bezug zur Greenpeace-ÖVP Aussendung.

Aber zurück zu Greening the Capitol. In einem wirklich beeindruckenden Referat präsentierte Dan Beard, der Verwaltungschef des Repräsentantenhauses ist und der Vorsitzenden Nancy Pelosi direkt untersteht, diese Initiative. Sie hat letztlich zum Ziel, das Repräsentantenhaus zum ersten CO2-neutralen Verwaltungskörper weltweit zu machen (was genau genommen ein rechnerisches Unterfangen ist, aber dennoch ein spannendes Modell)

Es wurde ein detailliertes Maßnahmenprogramm erarbeitet, das von der Energieeffizienz in Gebäuden, über die Beschaffung, die Beleuchtung, der Stromverbrauchsreduktion im Nutzerverhalten (dort arbeiten immerhin 10.000 Leute), der Fahrzeugflotte, dem Plastikgeschirr in der Küche und dem Abfall nahezu alle Bereiche umfasst. Der wichtigste Schritt zu Beginn: eine eingehende Analyse – mit teils erstaunlichen Daten.

Hier sieht man z.B. den gigantischen Anteil, den die Kühlung am Energieverbrauch der Gebäude einnimmt. Nur nur ein us-amerikanisches Problem, sondern überall ein Riesenthema.a.

Die Daten sind aus dem Bericht zu Green the Capitol.

Nur ein Beispiel: derzeit versorgt ein Kohlekraftwerk das Repräsentantenhaus mit Strom – in Zukunft wird es zu 100% mit Strom aus Windkraft versorgt.

Weiteres Ziel ist die Halbierung des Energieverbrauchs innerhalb von zehn Jahren.

Hier das Szenario von Green the Capitol. Was mir daran so gefällt, ist der kulturelle Zugang, nämlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im März 2007 begann das Green the Capitol Programm. im Dezember darauf gab es schon den ersten Fortschrittsbericht mit einer Vielzahl an Maßnahmen.

Man kann umweltpolitisch viel über die US-Amerikaner schimpfen und tatsächlich sind sie in vielen Bereichen ökologisch hinten, aber diesen Spirit des Anpackens und Durchziehens bei konkreten Initiativen vermisse ich manchmal in Österreich. Wie wär´s z.B. mal mit Greening the Ballhausplatz nach dem 28. September?

Hier der Vortrag von Dan Beard bei der Ecocity Konferenz in San Francisco.

Mehr Informationen auf der Website von Green the Capitol





Das Strompickerl gegen die “Fernseh-SUVs”

29 08 2008

Sehr interessant ein Spiegel Artikel kürzlich zum Thema “Wie grün ist ihr Fernseher?” (danke an reinhard für den hinweis!)

Oft reden wir richtigerweise über die Energiesparlampe und die Energieeffizienzklassen bei Kühlschränken und Geschirrspülern, wo dankenswerter weise endlich die Menschen einen schärferen Blick auf´s “Pickerl” werfen. Völlig unterschätzt jedoch andere elektronische Geräte, wo es noch (!) keine Kennzeichnung gibt. Auf EU-Ebene laufen derzeit Vorbereitungen dafür, und die Art und Weise bzw. entsprechende Benchmarks werden maßgeblich für die Weiterentwicklung des Stromverbrauchs sein.

Und jener ist nicht unerheblich.

Der Spiegel schreibt:Gemäß einer Aufstellung der Deutschen Energieagentur verschlingt ein altes Röhrengerät mit 76 cm Bildschirmdiagonale 176 Kilowattstunden Strom im Jahr. Ein neuer 141 cm großer Plasmabildschirm bringt es sogar auf 730 Kilowattstunden. Das sind, je nach Stromanbieter, rund 130 Euro. Zum Vergleich: Gute Kühlschränke verbrauchen zwischen 100 und 200 Kilowattstunden – trotz Dauerbetriebs. Für den Strompreis eines einzigen schicken Plasmafernsehers ließen sich also bis zu sieben Kühlschränke parallel betreiben.

Ich hab mir die im Spiegel zitierte Studie des Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) “Ecodesign of EuP Products” angesehen. Die Zahlen sind beeindruckend:

In den kommenden Jahren wird es einen weiteren Schub an TV-Gerät-Verkäufen geben. Zwischen 2005 und 2010 wird die Anzahl der TV-Geräte um mindestens ein Drittel wachsen.  Der Trends zum Zwei-,  Dritt- oder gar Viertfernsehapparat hält an. Die neuen Geräte sind größer und leistungsstärker.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Entsprechend wird sich auch der Stromverbrauch entwickeln. In einem Business-as-usual Szenario heißt das zwischen 2005 und 2020 mehr als eine Verdopplung des Stromverbrauchs nur bei TV-Geräten. Allein bis 2010 explodiert der Verbrauch signifikant.

Quelle: IZM: “Ecodesign of EuP Products”

Durch entsprechende Effizienzmaßnahmen und -standards sind hier jedoch Steuerungsmöglichkeiten gegeben. Der Anstieg bis 2010 wird sich nicht vermeiden lassen, denn in diesem Zeitraum werden sich weder Konsumentenverhalten noch Technologiedurchdringung massiv verändern. Aber durch ein Labelling und Effizienzanreize kann es dann wieder zur Trendumkehr kommen – trotz größerer Geräte.

Der Grund des Anstiegs im Stromverbrauch liegt nicht nur in der Anzahl der verkauften Geräte, sondern auch und gerade darin, dass die großen Geräte mehr verbrauchen. Es gibt sozusagen den Trend zum TV-SUV. Wie beim Auto heisst es derzeit oft auch hier: je größer und stärker, desto mehr Verbrauch. Technologisch ist das nicht zwingend notwendig. Genau können Politik- und Marktinstrumente sinnvoll eingreifen.









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