Blick über den großen Teich: wie geht´s dem Shale-Boom? Teil 1: Der Klimaschutz-Effekt.

31 01 2014

Motivation: Häufig ist in der europäischen Energiedebatte zu hören, dass der US-Shale Boom die Grundlage für eine wirtschaftliche Renaissance ist und dabei auch noch einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz leistet, weil die die CO2-Emissionen durch den Ersatz von Kohle durch Gas sinken würden. Dieser Beitrag versucht – jetzt wo man nach einigen Jahren des Booms eine erste Zwischenbilanz ziehen kann – einige Pro-Shale Argumente kritisch und sachlich unter die Lupe zu nehmen. Nicht nur die Argumente der Kritiker verfolge ich, sondern insbesondere auch jene der Shale-Promotoren. Drei Beiträge sind vorerst geplant: 1. Zum Klimaschutzaspekt 2. Zu Ökonomischen Effekten in den USA 3. Zu weiteren ökologischen Fragestellungen und europäischen Perspektiven.
Here we go…

Der US-amerikanische Shale Boom ist angesichts der erhöhten Öl- und Gasproduktion tatsächlich eine der bemerkenswertesten Energie-Entwicklungen in den vergangenen Jahren. Der Boom dient auch als Anlass für Akteure aus dem Energiesektor und der energieintensiven Industrie, stark Richtung Shale Optionen für Europa zu pushen und für billigere Energie zu werben. Die sogenannte Reindustrialisierung der USA wird einer möglichen Deindustrialisierung Europas entgegengesetzt. Zudem wird vermittelt, dass Schiefergas die Klimabilanz der USA nachhaltig verbessert, weil die Kohle aus dem Markt gedrängt wird. Zuletzt beschrieb der neue Siemens-Chef Kaeser die USA als Energiewende-Vorbild (siehe Tagesspiegel), ebenso wie in Österreich schon E-Control Vorstand Walter Boltz (siehe USA als besserer Klimaschützer in der Presse) und gerade erst vor wenigen Tagen Standard Redakteur Eric Frey.

Ein konkreter Blick:

Ersetzt Schiefergas die Kohle?
Tatsächlich zeigen die US-amerikanischen Energieverbrauchsdaten einen Rückgang der Kohlenutzung von 2008 bis 2012 (bei gleichzeitigem Anstieg des Kohleexports – insbesondere nach Europa und auch nach Österreich).
Ein Grund dafür ist der in diesem Zeitraum geringer gewordene Preisunterschied zwischen Kohle und Gas in den USA. Dazu hat einerseits die erhöhte Gasproduktion bei zugleicher schwächelnder Energienachfrage (Krisenjahre post 2008) und andererseits ein Anstieg des Kohlepreises geführt.
houser6567Vor wenigen Wochen wurde vom Peterson-Institutes for International Economics das sehr lesenswerte Buch “Fueling Up” präsentiert, in dem sich – übrigens mitfinanziert von Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie und dadurch definitiv nicht dem üblichen Kritikerlager zuzurechnen – die Autoren Trevor Houser und Shashank Mohan intensiv mit den Folgen des neuen Öl- und Gasbooms beschäftigt. Sie erläutern die Entwicklung am Beispiel Stromproduktion folgendermaßen: Zwischen 2000 und 2007 lag der Kohlepreis bei durchschnittlich 1,42 US-$ pro MMBtu (Million British thermal Units), während Erdgas $ 5,81/MMBtu kostete. 2010 und 2011 änderten sich die Preise schon auf $ 2,30 für Kohle, während Gas auf $ 4,90 fiel. Und 2012 lag das Niveau bei durchschnittlich $ 2,41 für Kohle und $3,43 für Gas. Also innerhalb von 5 Jahren änderte sich das Verhältnis von 1:4 auf 1:1,4. 2012 bot den geringsten Spread seit Anfang der 70er Jahre, wie die Autoren erläutern.
Der Anteil der Kohle an der Stromproduktion fiel in diesem Zeitraum von 48 Prozent auf 32,6 Prozent im April 2012, während der Erdgas-Anteil von 21 auf 32,3 Prozent stieg.

Jedoch zeigen die ganz aktuellen Daten der EIA, dass dieser Trend möglicherweise gestoppt ist. 2013 ist der Kohleverbrauch auf ähnlichem Niveau wie 2012.

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Und auch die preisbezogene Grundlage für den Trend dürfte sich ändern, denn der Erdgaspreis zieht aktuell – weitgehend unbemerkt in Europa – wieder stark an. Das ist teilweise witterungsbedingt (kalter Winter), aber nicht nur. Nach Einschätzung vieler Experten wird die Förderung von Schiefergas auf dem geringen Preisniveau der vergangenen zwei Jahre nicht profitabel sein. (dazu mehr in Teil 2)

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Entwicklung der US-Treibhausgasemissionen
2012 lagen die US Treibhausgas-Emissionen – nach gängiger Berechnungsmethode (siehe später) – 12 Prozent unter dem Niveau von 2005. Zum Vergleich: jene der EU-Staaten waren 10 Prozent niedriger als 2005. Im Vergleich zum Kyoto Basisjahr 1990 sieht die Bilanz der EU jedoch deutlich besser aus als jene der USA. Im Gegensatz zu Europa sind die USA-amerikanischen Emissionen immer noch höher als 1990,  obwohl die USA generell einen deutlich höheren pro Kopf Ausstoß verzeichnet.
usenergyInteressant ist die Analyse, warum die Emissionen in den USA in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Im Vergleich der CO2-Emissionsverringerung mit den ursprünglich angenommenen Szenarien stellt die Studie „Fueling Up“ fest, dass zwei Drittel des Emissionsrückgangs 2012 der deutlich geringeren Wirtschaftsleistung nach 2008 zu verdanken ist. Der Energieverbrauch ist zurückgegangen. (siehe Graphik/Datenquelle EIA) Der Wechsel von Kohle zu Gas hatte zwar einen signifikanten Effekt bei der Stromproduktion, wo er laut Hochrechnung zu 65 Prozent des Emissionsrückgangs zwischen 2005 und 2012 beiträgt. Bemerkenswerte 30 Prozent werden übrigens dem ebenso stark gestiegenen Windkraftanteil zugerechnet. Ein Faktor, der in der europäischen Debatte über den US-Weg häufig vergessen wird.
Aber auch hier zeigt sich. Der Trend wurde 2013 gestoppt. Die Treibhausgasemissionen sind nach aktuellem Berechnungsstand um zwei Prozent gestiegen. Der Grund ist klar: die Konjunktur springt wieder an; der Kohleverbrauch ist nicht weiter gesunken.

emissions-rising2
(Graphik: US Treibhausgasemissionen sind 2013 wieder gestiegen)

Blick in die Zukunft
Bei allen Unwägbarkeiten, die in der Entwicklung von Szenarien bestehen, können sie doch aufschlussreiche Fingerzeige liefern sein. Während in unseren Breiten mancherorts kommuniziert wird, dass der US-amerikanische Weg dank Schiefergas Boom das Klimaproblem gleich mitlöst, sind fundierte US-amerikanische Einschätzungen vorsichtiger. Langfristig sehen etwa die Autoren von “Fueling Up” nur einen bescheidenen Klimaschutz-Effekt, was bei der Präsentation der Studie für einige enttäuschte Reaktionen sorgte. Alle drei Szenarien der Studie gehen von einem Anstieg der Treibhausgasemissonen Richtung 2030 aus. Zwar dürfte das Niveau unter jenem von 2005 bleiben, aber zugleich über jenem von 1990. Dass die Emissionen übrigens nur leicht steigen werden ist insbesondere dem Umstand zu verdanken, dass in den USA Effizienzstandards insbesondere im Transportsektor greifen werden. Ein Umstand, auf den schon die Internationale Energie Agentur verwiesen hat. Eine Folge von – hört hört – entsprechenden Regulativen und des kontinuierlich über 100 US-$ liegenden Öl-Weltmarktpreises.
Der Kern der Aussage ist, dass der Energieverbrauch weiter ansteigen wird, insbesondere wenn Energiepreise niedrig bleiben (was man anzweifeln kann). Es gibt sozusagen auch hier den viel zitierten Reboundeffekt. Die einzige Variante, in der die Autoren eine signifikante Reduktion der Treibgasemissionen errechneten, ist jene in der ein eine CO2-Steuer bzw. ein Preis von 15 US-$ pro Tonne CO2 in den Markt einwirkt. Nicht unähnlich übrigens den Annahmen des World Energy Outlook, nur dass das Preisniveau noch deutlich höher angesetzt wird, um die aus Klimaschutzgründen notwendige Reduktion zu erreichen.
Was das bedeutet, ist aus meiner Sicht klar: will man die Treibhausgase reduzieren, braucht es einen entsprechende Preis für fossile Energie. Die Verfügbarkeitsgrenzen wurden durch den Schiefergasboom temporär ausgedehnt, aber das Konzept Billige Energie ist hauptverantwortlich dafür, dass wir am Klimaschutz scheitern werden.

Höhere Treibhausgasemissonen durch Leakage
Kurz zu einem Aspekt, der möglicherweise ebenso unterschätzt wird und Gegestand von mittlerweile einer Reihe von Analysen mit unterschiedlichen Ergebnissen ist. Denn nicht einberechnet in die Treibhausgasbilanzen ist, dass die Schiefergasförderung möglicherweise mit deutlich höheren Methanemissionen einhergeht. Methan ist für 9% der Gesamttreibhausgasemsisionen der USA verantwortlich) Laut US-Umweltagentur EPA trägt die Produktion, Umwandlung und der Transport von Erdgas 25% der US-Amerikanischen Methanemissionen bei. Der Verlust durch Leakage wird mit 1,5% Leakage angenommen.
Wie auch der deutsche Energieexperte Werner Zittel (Ludwig Bölkow Systemtechnik) kürzlich als Gast des Klima- und Energiefonds und des EEÖ in Wien ausführte, ist diese Annahme deutlich optimistischer als Studien etwa der Cornell University. Mehrere Quellen gehen von durchschnittlich über 3% Leakage aus. Siehe auch diesen Nature Artikel. Insofern sind jedoch die oben dargestellten Emissionsdaten mit Vorsicht zu genießen. Entweicht mehr Methan durch die ausgedehnte Schiefergas-Förderung, zeigt die Kurve wieder stärker nach oben.

Die Autoren von “Fueling Up” schliessen aus ihren Analysen:„On balance, the oil and gas boom is neither the environmental saviour that industry proponents claim nor the existential threat that many in the environmental community see.”

Meine Rückschlüsse daraus:

  • Ein Rückgang der US-Treibhausemissionen kann zwischen 2008 und 2012 konstatiert werden. Gestiegene Methanemissionen aus der Schiefergas-Förderung sind  dabei jedoch ein Unsicherheitsfaktor.
  • Haupttreiber des Emissionsrückgangs war die Wirtschaftskrise, die den Energieverbrauch drosselte. Seit 2013 zeigt die Emissionskurve leider wieder nach oben.
  • Schiefergas löst das Klimaproblem nicht. Es kann unter Voraussetzungen wie in den USA ein temporäre Alternative zur Kohle sein, wird aber nicht wirken, wenn nicht unabhängig davon regulative oder preissteigende Maßnahmen für die CO2-Schleuder Kohle ergriffen werden.
  • Jede Strategie, die darauf abzielt, fossile Energie möglichst billig anzubieten, wird letztlich zu einem Anstieg des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen führen – auch wenn das die Lobbies einzelner Branchen nicht gerne hören.

Teil 2 folgt demnächst.





WEO 2013 or The Art of Reframing the Energy Challenge (part 1)

15 11 2013

Preface: this blogpost has been written in collaboration with Austrian energy experts Michael Cerveny and Andreas Veigl. Thanks for their substantial contributions!

A few days ago the new World Energy Outlook has been released by the International Energy Agency (IEA). For many experts, consultants, stakeholders it is like an annual “bible” providing tons of informations, scenarios, graphics, and analysis on a high level. And indeed it is worth reading. But even more important than the 700+ pager itself are the summaries and the presentations to press. There is intense media coverage of the report and statements by IEA chief economist Fatih Birol. The question of media focus is decisive for the energy debate in many countries. Vienna again had the privilege to host a presentation of the World Energy Outlook only one day after the worldwide release in London. Again OMV invited to magnificent Hofburg for the WEO presentation and a panel discussion with Birol, OMV CEO Gerhard Roiss and Fabrizio Barbaso, who represents the EU-Commission. A webcast of the event can be watched online.

Why is that important? As the WEO provides so many different information the question is what do decision makers and stakeholders take with them? In 2012 the public message was clear: shale revolution, Saudi America, new geopolitical situation, enormous importance of China. It left traces in the public energy debate. Everybody believed the shale boom, substantial critics were overheard for a long time.

So what message can be picked this year? WEO2013 provides a variety of possibilities.

weo_carbonIn Fatih Birol´s presentation it became very obvious that the challenge of tackling climate change is substantial and – according to the “New Policy Scenario” (the central one of the WEO) – we are now on track to a global warming of 3,6 degree C. A real disaster remembering the messages of the recently published IPCC-report. In his chart Birol very clearly pointed out that after 2035 we have nearly burned up our carbon budget to keep the 2 degree C target. Until 2035 a further increase of energy demand and fossil energy supply is projected with only a weak decrease of the fossil energy share.  (82 percent now to 74 percent in 2035) The increase will primarily come from non-OECD countries. (source: World Energy Outlook: Presentation to press)

So what have the main stories been in European media?

Has it been the climate disaster we are facing? Has it been the message that the shale revolution looks like a temporary phenomenon as Birol stated too? No, a new disaster has been identified. Some examples:

Guardian: US’s cheap energy pricing out UK industry

Neue Zürcher Zeitung claims Europe to become the loser on energy markets “Europa ist der Verlierer am Energiemarkt

Der Spiegel focuses on shale gas, price and competitiveness: “Fracking verschafft US-Industrie Vorteile gegenüber Europa

Sueddeutsche Zeitung “Quellen der Angst“ (mentioning at least some critical aspects on this sort of industrial panic)

See also FAZ here (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/welt-energiebericht-amerika-wird-groesster-erdoelproduzent-der-welt-12660919.html) or Austrian “Die Presse” and “Kurier” and many others.

So the focus has been lead from climate change to competitiveness powered by this chart taken from the presentation to press. It shows a scenario for the development of market shares for energy intense goods between 2011 and 2035:

share_energyintenseindustry(source: World Energy Outlook: Presentation to press)

The inability to understand the implications of exponential growth

The media attendance to WEO2013 highlights the relation between energy and competitiveness. Disparities in energy prices between countries and regions, especially for natural gas and electricity, have widened significantly and will – according to the IEA – not vanish completely in the next two decades. Especially the fact that the US-industry enjoys gas and electricity prices that are two to three times lower than in Europe has fueled the “hype” for “cheap” shale gas around the world. Industry leaders in Europe are pushing governments clearly into the direction of making fracking possible and of reducing the “market-distorting” subsidies for renewables. Fatih Birol himself stated several times that he is not optimistic that the US shale boom can be transferred to Europe and China. (eg this interview a few days ago)

The slide above is a major reference for industry representatives like Georg Kapsch, who is President of the Federation of Austrian Industries. In his opening speech in Hofburg he interpreted it as “a nightmare for us” to lose one third of our energy intensive industries exports till 2035.

BUT!

Is Europe’s energy-intensive industry[1] really going to lose one third of its exports according to the IEA’s World Energy Outlook? Does it lose anything?

No, not at all! Austrian energy experts Michael Cerveny and Andreas Veigl allowed themselves to calculate the growth based on the data in the WEO: Having a closer look at the growth rates in this scenario Europe’s exports of energy-intensive goods will grow by 2.2 percent per year!

annualgrowthrates
How did they calculate this figure? On page 33 the IEA reveals the underlying assumptions for their scenario. The growth rate for world GDP is assumed with 3.6 % per year (from the base year 2011) through to 2035. As the IEA does not reveal which growth rate for the exports of the energy-intensive industry they assumed,  above mentioned annual growth rate of 3.6 % for world GDP has been taken into account. (a plausibel assumption in our view) The graph shows the result of applying the IEA’s assumption of exponential growth to the export volume.
Within the 24 years period between 2011 and 2035 the global volume of exports of energy-intensive goods grows by a staggering 134 %. As usual the implications of (exponential) growth over a longer period are ignored by most people.
exportmarketintensivegoods
Europe’s loss of ten percent-POINTS of the market-SHARE does not mean that the European exports are set to shrink. In fact they are going to grow by more than two percent per year. As even higher growth rates for other countries or regions (e.g. 5.2 to 6.6 % per year for China, India and Middle East) are predicted by the IEA the logical result is the loss of Europe’s market SHARE. By the way, China’s natural gas and electricity price levels are and will be in the same range as those in Europe. So there might be other reasons for the “low” growth rates of Europe’s export industry than just the price of energy.

Talking about disaster… and the industrial spin.

So the interpretation of the WEO2013 chart is really misleading as it indicates that the European energy-intensive industry is about  to shrink.  Despite scepticism that the assumed growth rates in the WEO scenario will be possible (talking about “Limits to Growth”) the WEO2013 data is not a substantial reason to panic for European industry. Expect possibly one: the fact that if the IEA-scenario will come true, our climate will collapse and this might be the real disaster of our and coming generations. But that is not part of a spin succesfully placed by industry represenatives.

Postface: This blog post is an invitation for further discussion. Do not hesitate to comment (and criticize) our assumptions and interpretations.

Another interesting blog post on the WEO2013 has been written by Andreas Lindinger.

A different German language FactSheet on the messages of WEO2013 can be found here: Klima- und Energiefonds


[0] Wikipedia:  Framing in the social sciences refers to a set of concepts and theoretical perspectives on how individuals, groups, and societies organize, perceive, and communicate about reality. Framing is commonly used in media studies, sociology, psychology, and political science.

[1] The energy-intensive industry employs almost 10 % of all industry jobs and comprises the following industries: Chemicals, Aluminium, Cement, Iron and steel, Pulp and paper, Glass, Refining





Vor dem World Energy Outlook 2013: der Shale Boom wird überschätzt, die Kosten des fossilen Booms ignoriert.

8 11 2013

In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Die Energiewelt wird ihre Augen nach London richten, wo wie jedes Jahr der World Energy Outlook (WEO2013) der Internationalen Energieagentur präsentiert werden wird. Der WEO ist wesentlicher Gradmesser für Szenarien und Trends der globalen Energieentwicklung und ein maßgeblicher Einflussfaktor in der energiepolitischen Debatte. Doch mehr noch als der überaus lesenswerten Bericht sind die Kernbotschaften der Präsentation im medialen Fokus. (siehe auch meinen Guensblog Kommentar zum WEO2012).  Im vergangenen Jahr hatte die Präsentation des WEO stark dazu beigetragen, den US-Boom durch die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas zu etablieren. (Stichwort „Saudi America“ und US-Energieunabhängigkeit) Dies hat die Debatte über die Energiezukunft substanziell beeinflusst. Nicht mehr die erneuerbaren Energieträger gelten für viele als Weg zur Energieunabhängigkeit, sondern die Fossilen auf Basis nicht-konventioneller Fördermethoden wie z.B. für Schiefergas oder Schieferöl. (Tight Oil)

Doch die – auch von massivem internationalen Lobbying begleitete – Welle für die neuen fossilen Energiequellen wird möglicherweise nicht halten, was sie der Öffentlichkeit und den Kapitalmärkten verspricht. Eine Veranstaltung des Klima- und Energiefonds und von Erneuerbare Energie Österreich diskutierte kürzlich die Perspektive des kommenden World Energy Outlook vor dem Hintergrund des aktuellen IPCC-Berichts und die Frage, ob der Shale Hype gerechtfertigt ist. Schliesslich trägt er dazu bei, die Erneuerbaren in der öffentlichen Debatte unter Druck zu bringen.

Boom or Bubble?

Ein Jahr nach dem WEO 2012 werden nun auch die kritischen Stimmen wahrnehmbarer. Viele geologische, ökonomische und ökologische Faktoren wurden beim Shale Hype außer Acht gelassen. Einige Schiefergas-Explorationsversuche wurden mangels Erfolg und nicht darstellbarer Profitabilität wieder eingestellt ( z.B. Polen). Mehrere große Unternehmen verzeichneten zuletzt hohe Abschreibungen, weil sich Shale-Projekte als nicht profitabel herausstellten. Sogar Shell-CEO Peter Voser meinte kürzlich (6. Oktober 2013) in der Financial Times, dass noch negative Überraschungen bei Schiefergas- und Schieferöl Explorationen bevorstünden und die Shale Revolution „overhyped“ sei. “Unconventionals did not exactly play out as planned. We expected higher flow rates and therefore more scalability for a company like Shell” wird Voser in der FT zitiert.

Ein wichtiger Grund für die wachsende Skepsis (sogar bei US-Energy Information Agency wird man vorsichtiger) ist die „Depletion Rate“. So geht etwa die Ausbeute im größten Revier, der Bakken Formation, nach einem Jahr um 69% und nach fünf Jahren um 94% zurück. In Barnett, einer weiteren wichtigen Formation, geht die Ausbeute nach 5 Jahren um 50% zurück. D.h. nicht, dass nicht weiter gefördert wird, aber es wirkt sich auf die Profitabilät aus. David Hughes, Geologe und Autor des Reports „Drill Baby Drill“(Post-Carbon Institute) meinte im Mai dieses Jahres nach einer genauen Feldanalyse: „The cheap price bubble in the US will burst within two-to-four years”.  Zu Bakken ist auch dieser Beitrag von Christoph Senz lesenswert.

Steffen Bukold, Keynote-Speaker bei der Veranstaltung, erläuterte, warum Shale Gas in Europa keine relevante Option in naher Zukunft sein wird:

  • Die Mengen in Europa sind zu gering, um die Importabhängigkeit nennenswert abzubauen
  • Weltweit gibt es noch über Jahrzehnte hinweg mehr als genug konventionelles Gas
  • Shale Gas ist in Europa nicht billiger als konventionelles Erdgas
  • Die Gewinnung ist ein industrieller Produktionsprozess; es braucht tausende von Bohrungen – ein großer Unterschied zur konventionellen Öl- und Gasgewinnung
  • Hohe Umweltrisiken (Große Fracjobs benätigen in den USA: 50.000 t Sand; 1 Mio. Tonnen Wasser; 30.000 Tonnen Chemikalien)
  • Klimabelastung durch Methanemissionen

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Die Folie aus dem Vortrag von Steffen Bukold zeigt, dass auch Shale Oil keinen maßgeblichen Anteil an Weltölversorgung beitragen wird. Die konventionell förderbaren Mengen gehen jedoch zurück – im Sinne dessen, dass die Förderrate zurückgehen wird. Um die Steigerbarkeit der Öl-Fördermenge zu erreichen, muss also der gesamte Mix an nicht-konventionellen Öl Methoden herhalten. Das wird jedenfalls teuer und auch riskant im Sinne massiver Umweltzerstörung.

Es wird Zeit über die Kosten fossiler Energie zu reden.

Neben dem wichtigsten Aspekt, der Klimafrage, ist auch eine ökonomische Bewertung der fossilen Energiezukunft notwendig. Während Teile von Politik und Industrie nach billiger Energie rufen, steigen die jährlichen Kosten für fossile Energieimporte um Milliarden. War ein Barrel Öl vor einigen Jahren $25-30 wert, ist der Preis mittlerweile konstant bei rund $100. Die Verfügbarkeit von billigem Öl ist deutlich zurückgegangen.  Die gängigen Szenarien gehen jedoch von einer weiteren Steigerung der Nachfrage aus.

bukold_kostenfossiledeBukold hat in einer Studie für die Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag die Kosten der fossilen Energieimporte berechnet und für die Zukunft projeziert. Die Graphik zeigt den enormen Anstieg der Kosten für fossile Energieimporte. 2012 waren es 94 Milliarden Euro. Zehn Jahre davor waren es noch 33 Milliarden Euro. Bei den Regierungsverhanldungen ist dies jedoch kein Thema. Sehr wohl die Kosten für den im Land selbst produzierten Ökostrom. Es ist offensichtlich, dass die Politik hier die fossile Seite ignoriert und im aktuellen Machtkampf der deutschen Energiepolitik die Erneuerbaren gezielt unter Beschuss steht. Ungeachtet notwendiger Adaptionen im deutschen und auch europäischen Strommarkt, ist dies ein Ungleichgewicht in der Debatte, das sich ändern sollte. Wir müssen über die Kostenbelastung durch fossile Energie reden!

Auch Fatih Birol warnt vor überzogenen Shale Erwartungen!

Die Erwartungshaltungen an Shale sind – insbesondere fernab der USA- deutlich übertrieben, eine Transferierbarkeit des US-Shale Booms auf Europa oder China ist aktuell nahezu unmöglich und die Ära billigen Öls ist definitiv vorbei. Sagt das eine der Peak Oil Forscher? ASPO? Nein, das sagte Fatih Birol, Chiefeconomist der IEA und Hauptverantwortlich für den World Energy Outlook, vor wenigen Tagen. Ein Indiz dafür, dass die IEA den Spin, der im vergangenen Jahr aus dem WEO2012 herausgelöst wurde, heuer relativieren wird. Man beachte dieses Interview, das vor wenigen Tagen in Channel NewsAsia gegeben hat. Mögen auch die europäischen Medien diese Differenzierung wahrnehmen:

birol(picture link to ChannelNewsAsia)

Es wird Zeit, den massiven, heftig lobbyierten fossilen Spin der vergangenen Jahre wieder zurechtzurücken.





Replik auf den Presse-Gastkommentar von Walter Boltz zu Europas Klima- und Energiepolitik

21 08 2013

Walter Boltz, Vorstandsmitglied der Regulierungsbehörde E-Control, veröffentlichte in der „Presse“ am 17.8. einen Gastkommentar als  Plädoyer für eine Neuausrichtung der europäischen Klima- und Energiepolitik. Runter mit den Förderungen für erneuerbare Energie und weg mit alleinigen Klimaschutzbestrebungen, so sein Credo. Jedoch sind die von Boltz angeführten Argumente zumindest irreführend. Daher der Versuch einer sachlichen Zurechtrückung. Eine gekürzte Version dieses Beitrags wurde dankenswerterweise von der Presse am 22. August ebenso als Gastkommentar veröffentlicht.

Klimahero USA?

Die Euphorie von Boltz über den – dank Schiefergas – „besseren Klimaschützer USA“ ist unangebracht. Die Treibgasemissionen in der Europäischen Union sind seit 1990 um rund 15% gesunken; in den USA jedoch im selben Zeitraum um ca. 15% gestiegen. Erst in den vergangenen fünf Jahren ist eine leichte Trendwende in den USA zu erkennen. Zudem kann nicht außer Acht gelassen werden, dass die Treibhausgas-Emissionen pro Kopf in den USA nahezu doppelt so hoch sind wie in Europa. Von derart hohem Niveau ist es bei vergleichbaren ökonomischen Bedingungen auch leichter hinunter zu steigen.

Hauptverantwortlich für das erwähnte US-Szenario „Energieimportunabhängigkeit“ ist jedoch neben dem Schiefergas-Boom ein anderer Faktor. Wie die von Internationale Energie Agentur (IEA) vorrechnet, wird der prognostizierte Wandel noch mehr der Reduktion des Energieverbrauchs geschuldet sein, die ab 2020 durch die neuen Treibstoff-Effizienzbestimmungen in den USA greifen wird. Dieser Effekt ist nicht das Ergebnis ambitionierter Marktkräfte, sondern Folge von Politik, nämlich Klimapolitik der Obama-Administration. Ein wesentlicher Antrieb für diese Effizienzmaßnahmen waren übrigens die stark  gestiegenen Öl- und Treibstoffpreise.

Alles im Öl? Eine Preisfrage.

Walter Boltz schreibt fälschlicherweise in seinem Beitrag von in den USA „runter prasselnden Öl- und Gaspreisen“. Davon kann zumindest bei Öl keine Rede sein. Auch die größere Spanne zwischen den Roholsorten WTI (US) und Brent in den vergangenen Jahren ändert nichts an der Tatsache, dass der Ölpreis mit rund 100 US-Dollar/Barrel um das 3-4fache über dem Niveau von vor zehn Jahren. Der Hype rund um die nicht-konventionelle Förderung von Öl und Gas hat auch ökonomisch einen schalen Beigeschmack: sie liefert deutlich häufiger als erwartet keine Gewinne ab ist jedoch vollgepumpt mit Milliarden der Ölkonzerne und des Kapitalmarkts, der den Verheißungen der Shale Industrie folgt.  Mehrere große Unternehmen verzeichneten zuletzt hohe Abschreibungen, weil sich Schieferöl Projekte als nicht profitabel herausstellten. Shell war davon – wie die Financial Times kürzlich berichtete – stark betroffen. Folglich ist trotz des deutlich gestiegenen Ölpreises Profitabilität nicht in jenem Maß gegeben ist wie meist angenommen. Dies ist auch ein entscheidender Faktor für die Einschätzung der Ölvorkommen („proven reserves). Die von Boltz genannte mehr als Verdopplung bezieht sich ausschließlich auf sogenannte 1P Öl-Reserven. Diese Angaben sind als Teil des politischen Spiels der Ölkonzerne mehr als zweifelhaft. Mehrere wissenschaftliche Publikationen weisen auf einen signifikanten Rückgang bei sog. 2P Öl-Reserven aus. (proven and probable reserves). Die langfristig mangelnde Profitabilität ist ein Grund dafür. Die Endlichkeit von fossilen Reserven definiert sich nicht dadurch, dass keine Öl- und Gasgewinnung mehr möglich ist, sondern dadurch, dass ihre Gewinnung bei stets wachsender Nachfrage und entsprechender Wirtschaftsleistung ökonomisch nicht mehr darstellbar ist. Wir gelangen an Grenzen, auch wenn diese durch einen höheren Preis leicht verschiebbar sind.

Subventionen für Fossile dominieren den Weltmarkt

Eine Anmerkung zur der von Walter Boltz häufig kritisieren Höhe der Förderung erneuerbarer Energie im Strommarkt. Erstens sollten die Relationen gewahrt werden: Wie der World Energy Outlook 2012 der IEA gezeigt hat, sind 2011 rund 88 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Subventionen in Erneuerbare Energie geflossen. Und in fossile Energie?  523 Milliarden US-Dollar!  Übrigens ein Plus von 30% bei den Fossilen im Vergleich zum Vorjahr.

Es ist unbestritten, dass es neue Kraftwerkskapazitäten braucht. Wo investiert wird, ist die entscheidende Frage. Billig wird es jedenfalls nicht. Schon gar nicht, wenn man plant, in Europa Schiefergas lukrativ gewinnen zu können, wie kürzlich eine Studie der TU-Delft konstatierte.  Ist es schon aufgefallen, dass seit 2001 kaum mehr größere Kraftwerke in Österreich errichtet wurden? Wirklich schuld der Energiewende? Oder vielleicht doch der Folge der Liberalisierung selbst? Ohne öffentliche Finanzierungsmechanismen (in Deutschland das EEG; in Österreich das Ökostromgesetz) wären in den vergangenen Jahren kaum neue Stromerzeugungskapazitäten hierzuland ans Netz gegangen. Sie sind eine Notwendigkeit – auch wenn gewisser Adaptionsbedarf im Strommarktdesign nicht zu leugnen ist.  (etwa um die Verdrängung von Gas durch Kohle zu verhindern, was insbesondere wiederum mit dem versagenden Emissionshandel zu tun hat)

Energiepolitische Prioritäten

Folgt man den Ausführungen von Walter Boltz wäre die Anforderung an die europäische Klima- und Energiepolitik, den Klimawandel weitgehend zu ignorieren und sich völlig einem Wettbewerbsfaktor „Billigenergie“ unterzuordnen. Es ist ein Irrglaube, dass der Wettbewerb um „Billigenergie“ der spezifische industriepolitische Vorteil Europas sein wird. Bildung, Innovationsfähigkeit und eine auf eigenen Stärken aufbauende Energiestrategie sind die Zukunft.  Neben der von Boltz zu Recht erwähnten Energieeffizienz, wird die Erneuerbare Energie dabei eine zentrale Rolle des europäischen Weges spielen. Die beiden Ansätze sind letztlich die einzigen leistbaren Mittel, um die Energieimportabhängigkeit Europas zu reduzieren.  Mehr als 1 Milliarde Euro täglich (!) beträgt der Wert der Öl- und Gasimporte der EU-Staaten. Die Energieimportrate liegt EU-weit bei 54% (in Österreich bei 69%). Allein innerhalb von drei Jahren sind die Ausgaben Europas für Energieimporte um mehr als 200 Milliarden Euro jährlich gestiegen. Grund: der höhere Öl- und Gaspreis. Ist das nicht im Gegensatz zur strategisch platzierten Erregung über die Förderung von erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen die eigentlich relevante Bedrohung für den Wirtschaftsraum Europa?





World Energy Outlook 2012: The difference between scenario and forecast

16 11 2012

The IEA World Energy Outlook 2012, recently released in London and presented by Fatih Birol at an OMV event in Vienna last Wednesday, is a kind of shock for many environmentalists. The rise of non-conventional oil and gas, especially the radical shift in the US energy landscape is massively affecting future energy scenarios. The reaction in media has been intense; a key message  is very clear: a comeback of fossil energy. The US will become energy sufficient based on developments of non-conventional oil and gas, especially shale gas and tight oil.

It is obvious that this message adresses the political playfield, too. Europe will have to react, playing a less important role in future. And of course the impact on climate politics is obvious. Fatih Birol, Chief Economist of IEA, emphazises the importance of energy efficiency and the focus on climate strategies, but it is clear that the market development goes in a opposite direction. The IEA says: “Taking all new developments and policies into account, the world is still failing to put the global energy system onto a more sustainable path.”  Some key points:

* “Global energy demand increases by over one‐third in the period to 2035. Energy‐related CO2 emissions rise from an estimated 31.2 Gt in 2011 to 37.0 Gt in 2035, pointing to a long‐term average temperature increase of 3.6 °C.

* Demand for oil, gas and coal grows in absolute terms through 2035, but their combined share of the global energy mix falls from 81% to 75% during that period.

* The United States, which currently imports around 20% of its total energy needs, becomes all but self‐sufficient in net terms by 2035 thanks to rising production of oil, shale gas and bioenergy, and improved fuel efficiency in transport.
Falling US oil imports mean that North America becomes a net oil exporter by around 2030.”

From a climate politics perspective one could say: “We´ve lost”

But wait…

The World Energy Outlook is really a great source of information providing excellent statistics and tons of scenarios. It´s one of the most important annual documents for international energy policy. But the great misunderstanding in media and politics is that the future projections are scenarios not forecasts. That´s why IEA offers different scenarios. The report clearly states that WEO 2012 projections “are subject  to a wide range of uncertainties” (page 38) Especially the link between economic growth and energy demand are the biggest source of uncertainity in the medium term.

So, the annual World Energy Outlook sometimes had to fail with its scenarios.

Example 1: One of the major shift in the last decade has been a dramatic change of the oil price which is 3 to 4 times higher than 10 years ago. It has not been foreseen by IEA. I collected the data of some old WOE reports just to show the difference:

Of course no one did foresee this price explosion a few years before, except some of the Peak Oilers who were critized for an “apocalyptic view”

I did the same graph with nominal price projections that of course looks more extreme. (see  chart on the left) You can see that former price assumptions by the IEA World Energy Outlook were signficantly wrong for many years. It mostly projects the current price niveau with some increase but high stability. But the dramatic change which might be linked very much to Peak Conventional Oil has not been anticipated until it has been there. (WEO 2008)

Another less dramatic example are the scenarios on  wind energy.

  • WEO 2002 projected wind power to increase by 10% a year over the 30-year projection period, to reach 539 TWh in 2030.
  • WEO 2008 projected global wind power output is to increase from 130 TWh in 2006 to more than 660 TWh in 2015 (not that much difference to the WEO 2002 projection for 2030) and 1.490 TWh in 2030. Its share in total electricity generation has been asumed to rises from less than 1% in 2006 to 2.7% in 2015 and 4.5% in 2030.
  • WEO 2012 now is based on  342 TwH in 2010 and projects 2.680 TWh in 2035 pushing up its share in total electricity generation from 1,6 to 7,3%.

So within 10 years the World Energy Outlook scenarios changed the assumption for wind energy to a number 4-5 x higher.

But what will be the projection of the World Energy Outlook in 2015? Maybe it will again be significantly different due to technological developments, political priorities etc. There is no one to blame but it´s important to be aware of the change of scenarios.

There are a lot of uncertainties in future energy scenarios.  E.g.

The history of tight oil and shale gas is very young and they are very much linked to each other (see the excellent analysis by Fiona Harvey in the Guardian points that out “Shale offers freedom and security – but it could be a trap”) or Gail Tverberg´s analysis on shale future projections) The exploitation of non-conventional oil and gas is not cheap. It is based on the rise of energy prices and benefits from the current situation. Decline rates are not promising for industry and the trend that it will be fracked as hell in the US might create severe conflicts.  So I am still sceptic on the development of non-conventionals although it is obvious that most of us have underestimated their potential. The ASPO2012 conference I have co-organized provided a lot of expertise on that very matter. (especially Arthur Berman´s video presentation)

Another example: The role of Irak providing enormous amounts of crude oil is highlighted in WEO 2012, too. A good example how important the geopolitical perspective is. But how will the geopolitical playfield change in future? Will China really grow the same way as projected? Revolutions, environmental and other catastrophes, conflicts never have been part of these projections. It´s the “above ground factors” that offer most of the uncertainties for a future prognosis.

Birol clearly stated in Vienna that the role of politics is crucial. The following  numbers really show the current priorities:

In 2011, global subsidies for renewable energy reached $88 billion, an increase of 24% compared to 2010.

In 2011, global subsidies for fossil-fuel consumption totalled $523 billion, almost 30% higher than in 2010

(source International Energy Agency, World Energy Outlook 2012)

So, it´s about politics. The World Energy Outlook 2012 gives enough reason to be sceptic for the future. But it´s not hopeless. For a conclusion I just want to quote WEO 2008:

But many of the key policy drivers (not to mention other, external factors) remain in doubt. It is within the power of all governments, of producing and consuming countries alike, acting alone or together, to steer the world towards a cleaner, cleverer and more competitive energy system. Time is running out and the time to act is now.”





Die vergessene Energiekrise

11 06 2009

Wirtschaftskrise, die Wahlen zum europäischen Parlament, Chronikales – das waren die bestimmenden Themen der vergangenen Monate. Alles zu Recht. Was dabei völlig aus den Augen verloren gegangen ist, ist der wieder stark steigende Ölpreis. Und das obwohl die Weltwirtschaft – abgesehen von einzelnen positiven Signalen  – weiterhin noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist.

rohoel5Hier die Tecson Chart (click to enlarge) zur aktuellen Rohölpreisentwicklung. Innerhalb weniger Monate klettert er wieder  von unter 40 auf über 70 US-Dollar.

Damit erreicht der Ölpreis heute am 11. Juni ein 8-Monatshoch. Das ist insofern interessant, da die Nachfrage gering bleibt. Die International Energy Agency (IEA) hatte Mitte Mai ihre aktuelle Ölverbrauch-Prognose veröffentlicht und erwartet für 2009 einen Rückgang auf 83,2 Million Barrel pro Tag. Die Nachfrage sinkt damit gegenüber dem Vorjahr gleich um drei Prozent. Jedoch erhellen sich die Wirtschaftsprognosen in den USA langsam, und Öl dürfte auch als Spekulationsobjekt wieder interessant werden. Dennoch: strukturell stecken da ganz andere Probleme dahinter, die leider öffentlich und noch mehr politisch ins Hintertreffen geraten: die weiterschwelende, möglicherweise bald wieder explodierende Ölkrise.

Die IEA hatte jedoch mit einer anderen Prognose international für Aufsehen gesorgt. Am 20.  Mai berichtete das Wall Street Journal darüber.  In Folge der Rezession sind die Investitionen in die Ölförderung um 170 Milliarden Dollar zurückgegangen, was einem Äquivalent von rund 2 Millionen Barrel/Tag der zukünftigen Ölversorgung entspricht. Die Preise sind aufgrund der geringen Nachfrage gesunken. Jedoch wird sich das radikal ändern, wenn die Weltwirtschaft wieder in die Gänge kommt. Die Nachfrage nach Öl und Gas wird durch das Angebot kaum abdeckbar sein und noch stärker als in den Jahren 2007 und 2008 wird der Ölpreis in die Höhe schnellen. Analysten gehen davon aus, dass Ölpreise von 100-150 US-Dollar wieder Normalität werden. Auch 200 bis 300 US-Dollar sind bei rapidem Wachstum absolut möglich.

Die Folge dessen: das Wachstum wird erst Recht wieder gehemmt. Oder anders: Nach der Krise  ist vor der Krise!

Der Rückschluss daraus. Angesichts der Wirtschaftskrise wurde viel über Konjunkturpakete, Verschrottungsprämien und Investitionsprogramme in Wirtschaft & Beschäftigung geredet. Doch es ist nicht egal, wo investiert werden soll. Ähnlich Obams´s Stimulus Programm braucht es auch in Europa und Österreich spürbare und gezielte Investitionen in die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Denn produzieren wir unsere Energie nicht verstärkt selbst und erneuerbar, werden die Kosten in einigen Jahren erst recht wieder enorm sein; die Österreicher hatten 2007 schon mehr als 9 Milliarden Euro (Quelle Biomasseverband) für Energieimporte zahlen müssen.

Daher ist genau jetzt die Zeit für Investitionen in Erneuerbare Energie  und Energieeffizienz und damit Beschäftigung und zukunftsfähiges Wirtschaften. Apropos: die Fördermittel des Bundes für thermische Sanierung werden in wenigen Wochen ausgeschöpft sind. Kein Wunder: beim 50 Mio Budget, das für private Haushalte bereit gestellt wird, dürfte ein Null am Ende gefehlt haben.