Von Obama lernen? live vom Politikkongress in Berlin

4 12 2008

Bin wieder mal beim Politikkongress in Berlin, der in gewisser Weise State-of-the-art der Auseinandersetzung mit Politikkommunikation in Deutschland darstellt. Auch aus Österreich sind einige Politikberater und Kommunikationsexperten der Parteien und von Unternehmen da.

Klarerweise liegt der thematische Fokus der Keyspeeches auf der US-Wahl und dem Triumph von Barack Obama.

Da schwant mir ja schon übles in Europa. Alle Parteien pilgern derzeit in die USA (gut), schauen sich die Obama Strategie an (auch gut), übernehmen technologische Mittel (auch nicht schlecht) und betten sie potentiell in eine total andere politische Kommunikationskultur ein (sehr schlecht), nämlich die ihrer Parteien. Bin gespannt, wie die Resultate in den Superwahljahren in Deutschland und Österreich aussehen.

Dabei kann man von Obama wirklich viel lernen. Es wurde ohne schon viel darüber geschrieben. Der Beitag von Stefan Büffel auf blogpiloten.de war zuletzt spannend, auch weil der politikkommunikative Zugang von Obama´s Wahlkampf nun auch auf die Zeit danach übernommen werden soll. Partizipativ, community-orientiert, transparent, aber doch mit stringentem inhaltlichem Design.  change.gov ist ein großartiges Beispiel dafür.

Christie Findlay, Chefredakteurin des Campaigns and Elections Politics Magazine, geht in ihrer Keyspeech natürlich auch primär auf Obama ein. Paar Eindrücke und Zahlen:

  • Die Hälfte aller Ausgaben für politische Webkommunikation im Jahr 2008 wurden von der Obama Kampagne getätigt. Das war expilizit Teil der Strategie
  • 8 mio hat die Obama Kampagne für Online Werbemaßnahmen, vor allem Google Ads usw ausgegeben
  • Ein Schwerpunkt waren die Social Networks, wobei die Ausgaben da eher verhalten wirken (Facebook US-D 467 k, My Space US-D 11k)
  • Bemerkenswert: 4/5 der Spenden für Obama´s Kampagne kamen aus Online Fundraising Instrumenten. Im Schnitt hat jeder Online-Spender uSD 100,- gespendet.
  • Das Internet nimmt dennoch nur 2% der Gesamtkosten des us-amerikanischen Wahlkampfs ein.
  • Die Werbestrategie der Demokratie basierte auf: Humor, Rapid Response, Microsites, Google Adwords
  • Sehr schnell wurde insbesondere auf Angriffe der Gegner reagiert. (sowohl Clinton in den Primaries wie auch Mc Cain in der Präsidentschaftswahl). Dazu gehört auch professionelle Opposition Research und Monitoring.

Was in den USA seit Jahren anders läuft als bei uns, ist das Microtargeting. Waren früher – wie meine Aufenthalte in den USA gezeigt haben – die Republikaner dabei führend, haben jetzt die Demokraten das Heft in die Hand genommen. Perfekte Einschulung der Aktiven, bessere wissenschaftliche Methoden, hohes Vertrauen,  perfekte Datenauswertung waren hier entscheidend.

Das alles hat dazu beigetragen, dass sich Menschen für eine Kampagne engagieren, die sich vorher noch gar nicht politisch engagiert haben. Und genau davon können viele was abschauen.

Der Kernpunkt ist jedoch, dass der politische Träger einer Kampagne genau diese Kommunikationskultur repräsentieren muss. Wertemässig und rhetorisch. Ohne diesem Wandel wirkt´s meist patschert.

Aus meiner Sicht gilt immer: It´s all about culture.

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das nenn ich Exklusivität: das Obama SMS!

12 08 2008

Ja, auch ich hab wie Millionen andere das Mail von Obama Barack´s Kampagnenmanager David Plouffe erhalten:

“Barack Obama is about to make one of the most important decisions of this campaign — choosing a running mate.
You have helped build this movement from the bottom up, and Barack wants you to be the first to know his choice.
Sign up today to be the first to know:”

Verdammt, was für ein geniales Mail. Die Obama Kampagne hat völlig richtig erkannt, dass Exklusivität (be the first) und Schnelligkeit zu den wichtigsten Assets gehören, die das Web bzw. die mobile Kommunikation bieten kann. Man vermittelt dem Adressaten etwas Besonderes zu sein, schafft damit Verbindlichkeit (weil Dankbarkeit), macht auch jene neugierig, die noch keine Fans sein und stabilisiert jene, die schon Fans sind.

Und ja, man kommt wohl so an jede Menge toller Adressen. Natürlich ist die Exklusivität nur eine vermittelte. Denn zeitgleich werden alle Medien genau diese Info featuren. Aber dennoch: man wird direkt informiert und nicht NACH den medien. Das hat schon Qualität, keine Frage.

Man muss was bieten, wenn man über Web eine echte Beziehung zum Aktivisten oder potentiellen Wähler aufbauen will. Und das tut die Obama Kampagne definitiv. Im Gegensatz übrigens zu den meisten österreichischen Webkampagnen im Wahlkampf. Dass man auf die social community tools von FlickR über youtobe bis hin zu Xing und myspace zurückgreifen kann, ist schon mal ein richtiger Schritt, um die eigenen Sympathisanten zu vernetzen und an den Kampagnencontent anzudocken. Aber welchen spezifischen Anreiz biete ich? Welches Dokument krieg ich exklusiv online?

Wichtig ist neben Unterhaltung eben exklusive Information zu bieten. Und naja, die find ich mit wenigen Ausnahmen noch kaum was hierzulande.

Die vielzitierte Aktion von Christoph Chorherr und den GRÜNEN, bei der man Plakatvorschläge machen kann, war da ein völlig richtiger Ansatz, der funktioniert hat. Das Versprechen lautet: wir setzen uns mit euren Vorschlägen auseinander und setzen auch um, weil: wir nehmen euch ernst. Dass die meisten Vorschläge sehr wohl beweisen, warum es doch professionelle Agenturen braucht, ist da zweitrangig bzw. eigentlich ja beruhigend. Denn sooooo einfach ist es dann doch nicht, ein strategisch sinnvolles, gut designtes Plakat zu kreiieren.Abstimmen kann man übrigens derzeit über die Plakatvorschläge der GRÜNEN am Chorherr Blog

Ein schönes Beispiel für die starke Kombination von Mitmach, Web 2.0 und Kreatitvität kam kürzlich von Greenpeace in Kooperation mit super-fi. Im Zuge der SUV Kampagne konnte man Spots einreichen, die von einer Fachjury bewertet und awarded wurden. Auch das sieht man in Österreich noch recht selten, insb. im politischen Bereich.

So, und jetzt bin ich wieder sehr gespannt, wer Obama´s Running mate sein wird…