Krone Campaigning gegen das Wifo

20 04 2009

Die Krone hat ein neues Lieblingsthema. Der Kampf gegen Vermögenssteuern. Eine interessante Sache, da ja eigentlich die deutliche Mehrheit der Krone Leserinnen und Leser aller Voraussicht nach nicht zu jenen gehören sollte, die Vermögenssteuern zahlen müssten. Aber die Meinungsbildung in der Kronen Zeitung folgte nie ganz eindeutig logischen Motiven.

Politisch heißt das, dass es ganz schwer sein wird, Vermögenssteuern in Österreich durchzusetzen, denn insbesondere die Faymann-SPÖ wird nur sehr unwahrscheinlich gegen die Krone derartige Maßnahmen durchsetzen. Josef Pröll hingegen – Gegner von Vermögenssteuern – erhält durchaus positive Resonanz in der Krone (im Gegensatz zu seinen Vorgängern -wir erinnern uns)

Wieder mal bedenklich sind jedoch die die Methoden mit denen die Krone Politik macht. Insbesondere die harte ganzseitige Attacke gegen das Wirtschaftsforschungsinstitut vergangenen Sonntag war unsauber. Hier werden zwei Exponenten (Margit Schratzenstaller-Altzinger, Markus Marterbauer), die in unterschiedlichem Kontext für eine Vermögenssteuer plädiert haben, herausgegriffen und als linke wissenschaftliche Anhängsel von Parteien hingestellt. Ein paar Zitate:

Seitdem Franz Voves forsch vorwärts stürmend seinen Platz in der Geschichte der Neuen Ökonomischen Politik sucht, fragt so mancher, woher der Genosse Landeshauptmann (…) das Unterfutter ihrer Retro-Ideologie beziehen? (..)  Da führt beispielsweise eine Frau Schratzenstaller, die für die weit links angesiedelte Rosa-Luxemburg-Stiftung Grundsatzpapiere geschrieben hat, das große Wort. Oder macht sich ein Herr Marterbauer breit, der seit langem mit wenig beachteten Publikationen (“Wem gehört der Wohlstand?”) Anhänger sucht – und nun in Franz Voves (und Gabi Burgstaller?) Verehrer gefunden hat . . . (…) Plausibel der Verdacht, bei den Grünen könnten ebenso Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstituts, kurz WIFO als flockiges Akronym, zu Gange sein. (…)

Das ist gezielt schädigend für den Ruf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des gemeinnützigen, unabhängigen Instituts und untergräbt ihre wissenschaftliche Kompetenz. Selbstverständlich dienen derartige Attacken zur quasi Ruhigstellung der Experten, denn jene werden mit öffentlichen Aussagen noch vorsichtiger sein, da ihnen ab jetzt immer die unterstellte Parteilichkeit entgegen gehalten werden könnte. Artikel dieser Art haben diskreditierenden Charakter.

Dabei ist es selbstverständlich, dass ein Wirtschaftsforschungsinstitut Aufträge von Parteien und Interessensvertretungen erfüllt; jetzt wird jedem in Österreich ja schnell unterstellt, der Auftraggeber bestimmt das Ergebnis, aber genau hier hat sich das Wifo immer erfolgreich gegen den Verdacht der Gefälligkeitsgutachen gestellt.

“Nix neues”, dass die Krone zu diesen Mitteln greift, könnte man meinen, aber dennoch sollte dies nicht unwidersprochen bleiben.

Advertisements




Der Krone-Effekt

1 10 2008

Nach ein paar Tagen Blogstille, die weniger mit post-elektoraler Depression als mit den unterschiedlichen Haufen Arbeit am Desktop zu tun haben, beginne ich mit einer kleinen Serie an Einschätzungen zur Wahl.

Ich bin ohnehin der Meinung, dass es falsch ist, gleich am Wahlabend oder dem Tag danach alle Analysen und Erklärungen parat zu haben, weil es meistens nur darum geht, das zu bestätigen, was man “eh schon immer gesagt oder gedacht hat”. Ich gestehe offen, dass ich in einigen Einschätzungen daneben gelegen bin.

Wohltuend hebt sich auch Helge´s Analyse zu den GRÜNEN ab. Er hat in vielen Punkten Recht, insbesondere was die Medieneinschätzung betrifft, aber auch die Kommunikationsarbeit als Partei oder eben Mittlerweile-Zu-sehr-Partei.

Aber kommen wir zu was anderem und zugleich auch wieder nicht: Der gestrige Standard hat die Gfk Daten interessant aufbereitet und auch solche enthalten, die nicht in der Ulram/Plasser Presseaussendung drin waren. Nämlich ua. zum Wahlverhalten der LeserInnen bzw. Nicht-LeserInnen der Kronen Zeitung. Die folgende Graphik auf Basis dieser Daten zeigt,

  • einerseits den jeweiligen Anteil der WählerInnen nach unterschiedlicher Kronen Zeitungsnutzung (z.B. Exklusivleser der Krone machen 17% der Gesamtheit aus),
  • andererseits wie innerhalb dieser Nutzungsgruppen die Personen gewählt haben.

Es zeigt sich, dass die Exkusivleser der Krone überproportional SPÖ wählen (surprise surprise) und die FPÖ.  ÖVP und noch extremer die Grünen sind in der Gruppe weit unter ihren Werten. Nun hat das natürlich nicht nur mit Mediennutzung, sondern auch mit Milieu, Bildung etc. zu tun, aber sieht man sich folgende Zwischenbilanz in der subjektiven Präferenz der Krone-Berichterstattung an, ist klar, wie der Hase läuft. Das BZÖ wird z.B. nicht mehr überdurchschnittlich von Exklusiv-Krone Lesern gewählt, hat aber auch in der Berichterstattung weniger positiven Rückenwind erhalten.

Die letzte Wahlkampfwoche sowie andere Zeitungen sind noch in Auswertung., Dank an Brigitte Naderer für ihre diesbezügliche Arbeit.

Interessant übrigens in der Graphik oben ist die Kategorie Nicht-Leser von Tageszeitungen. Der hohe Wert der GRÜNEN (12%): wächst da eine Generation an InternetNewsern an, die auf das gedruckte Blatt nicht mehr angewiesen ist? Wär spannend zu wissen.

more to come…





Jenseits der Grenze…Krone Campaigning im Wahlkampf

20 09 2008

Natürlich, jeder weiß es.

Und diesmal wird sogar oft darüber berichtet. Die Kronen Zeitung positioniert sich sehr eindeutig in diesem Wahlkampf als aktiver Part. Sie versucht auf Meinungsbildung von WählerInnen und LeserInnen massiv Einfluss zu nehmen. Ausgehend von der Kampagne gegen den EU-Vertrag hat die Krone nach der Repositionierung der SPÖ durch den Brief an den Herausgeber auch im Rahmen des Wahlkampfes Partei ergriffen.

Die allseits vorhandene subjektive Beobachtung, dass die Berichterstattung sehr wertend ist, wollte ich genauer erheben. Im Rahmen einer einfachen Inhaltsanalyse werden nun seit einigen Wochen – gemeinsam mit Politikwissenschaftstudentin Brigitte Naderer – die Artikel und Kommentare in mehreren Medien laufend analysiert. Dies ist keine umfassende Textanalyse, sondern lediglich eine Zusammenschau, wie viele Artikel, Kommentare und Titel mit wertendem Charakter im Sinne einer Partei oder gegen sie erschienen sind.

Heute mal ein Blick auf die Krone. Eh klar, wird jeder sagen. Das Ergebnis zeigt, die Krone macht kontinuierlich Stimmung. In Kommentaren, Artikeln, Titeln. Die Kontinuität ist dabei ein wichtiger Faktor. Sie zeigt, dass die Wertung in der Berichterstattung nicht auf einen einzelnen Anlaß reduziert werden kann, sondern fortlaufend erfolgt. Anzumerken ist hierbei, dass nicht allein Kommentare, die ja Raum für Stellungnahme bieten sollen, wertend eingesetz werden, sondern auch die Berichterstattung selbst klare Position oder zumindest Tonalität haben.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung und Kommentierung liegt bei den Großparteien. Schon frühzeitig wurden im Wahlkampf Präferenzen für die SPÖ und gegen die ÖVP sichtbar. Auch Wolf Martins Lobgesänge auf Werner Faymann fallen hier ins Gewicht.

Die Politikberichterstattung wird aggressiver. Die SPÖ-Linie wird weiter unterstützt. Skepsis und Häme ernten ÖVP; aber auch Grüne wg. des Einsatzes für die inhaftierten Tierschützer (Kandidatur Balluch) und das Liberale Forum.

.

Der Trend bleibt; die Grünen kriegen noch mehr ab. Interessanterweise werden die Kleinparteien entweder ignoriert oder kaum wertend betrachtet – überraschend im Fall Dinkhauser und Rettö, die für die Kandidatur noch unterstützt wurden.

.

Ich denke, dass ein derart massives Campaigning der größten Tageszeitung des Landes nicht ohne Folgen im von SP, BZÖ, FPÖ und VP umbuhlten WählerInnensegment bleibt, vor allem da die SPÖ mit Werner Faymann einen Kandidaten hat, der offensichtlich sehr boulevard-affin und auch -kompatibel ist. Das hatte die SP viele Jahre nicht.   Warum die ÖVP dennoch versucht, primär dieses gleiche Segment mit ihrer inhaltlichen Linie anzusprechen, wird mir zumindest bis 28.September ein Rätsel bleiben.

Weitere Auswertungen (auch anderer Zeitungen) folgen in den nächsten Tagen…