Greening the Ballhausplatz

8 09 2008

Heute hat Greenpeace eine interessante Presseaussendung gemacht. Unter dem Titel “ÖVP predigt Wasser und trinkt Wein” kritisiert die Umweltorganisation, dass die ÖVP Klimaschutz propagiert, und gleichzeit jedoch über zwanzig SUVs für den Wahlkampf verwendet. Die stark CO2 emittierenden “Sportgeländewagen” der Marke Toyota RAV 4 dienen der Volkspartei als fahrende Werbeflächen in den Städten, wo Autos dieser Größenordnung und dieses Treibstoffverbrauchs eigentlich nichts verloren hätten, so die Greenpeace Aussendung.

Vorweg, Greenpeace hat Recht. Sowas sollte nicht passieren, auch wenn nicht jede Sünde gleich in die Hölle führt. Das bringt mich aber auf die Idee, endlich über ein Programm zu schreiben, das mich im Rahmen der Ecocity Konferenz in San Francisco schwer beeindruckt hatte: “Green the Capitol”.

Denn wo unglaubliches Klimaschutzpotential liegt, ist der eigene Bereich der Verwaltung bzw. öffentlichen Hand: als Vorbild, als Auftraggeber, als Nachfrageimpuls. Und natürlich ist es interessant, die Parteien selbst im Auge zu haben. Daher der Bezug zur Greenpeace-ÖVP Aussendung.

Aber zurück zu Greening the Capitol. In einem wirklich beeindruckenden Referat präsentierte Dan Beard, der Verwaltungschef des Repräsentantenhauses ist und der Vorsitzenden Nancy Pelosi direkt untersteht, diese Initiative. Sie hat letztlich zum Ziel, das Repräsentantenhaus zum ersten CO2-neutralen Verwaltungskörper weltweit zu machen (was genau genommen ein rechnerisches Unterfangen ist, aber dennoch ein spannendes Modell)

Es wurde ein detailliertes Maßnahmenprogramm erarbeitet, das von der Energieeffizienz in Gebäuden, über die Beschaffung, die Beleuchtung, der Stromverbrauchsreduktion im Nutzerverhalten (dort arbeiten immerhin 10.000 Leute), der Fahrzeugflotte, dem Plastikgeschirr in der Küche und dem Abfall nahezu alle Bereiche umfasst. Der wichtigste Schritt zu Beginn: eine eingehende Analyse – mit teils erstaunlichen Daten.

Hier sieht man z.B. den gigantischen Anteil, den die Kühlung am Energieverbrauch der Gebäude einnimmt. Nur nur ein us-amerikanisches Problem, sondern überall ein Riesenthema.a.

Die Daten sind aus dem Bericht zu Green the Capitol.

Nur ein Beispiel: derzeit versorgt ein Kohlekraftwerk das Repräsentantenhaus mit Strom – in Zukunft wird es zu 100% mit Strom aus Windkraft versorgt.

Weiteres Ziel ist die Halbierung des Energieverbrauchs innerhalb von zehn Jahren.

Hier das Szenario von Green the Capitol. Was mir daran so gefällt, ist der kulturelle Zugang, nämlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im März 2007 begann das Green the Capitol Programm. im Dezember darauf gab es schon den ersten Fortschrittsbericht mit einer Vielzahl an Maßnahmen.

Man kann umweltpolitisch viel über die US-Amerikaner schimpfen und tatsächlich sind sie in vielen Bereichen ökologisch hinten, aber diesen Spirit des Anpackens und Durchziehens bei konkreten Initiativen vermisse ich manchmal in Österreich. Wie wär´s z.B. mal mit Greening the Ballhausplatz nach dem 28. September?

Hier der Vortrag von Dan Beard bei der Ecocity Konferenz in San Francisco.

Mehr Informationen auf der Website von Green the Capitol

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Ecocity 2008: The city is the solution, not the problem

9 05 2008

Vorweg, San Francisco ist immer eine Reise wert. Eine wunderbare Stadt mit vielen inspirierten Menschen – und damit mein ich nicht die Alt-Hippies (denen die Inspiration aber auch nicht abgesprochen werden soll 😉

Noch mehr ist San Francisco eine Reise wert, wenn man Teil des Ecocity World Summit 2008 sein kann; einer Zusammenkunft von ca. 700 TeilnehmerInnen aus über 70 Staaten, die über nachhaltige Modelle der Stadt nachdenken und konkrete Lösungen diskutieren. Die Ecocity Konferenz fand heuer zum siebenten mal statt und verfolgt zumeist einen 2-Jahres Rhythmus. Zu meinem eigenen Erstaunen war ich wohl der einzige Teilnehmer aus Österreich.

Die Themenpalette war äußerst vielfältig und viele Eindrücke werden erst sukzessive in meine Arbeit und dieses Blog einfliessen. Nachhaltige Stadtentwicklung, sanfte Mobilität, Fragen der sozialen Segregation, Suburbanisierung, Dichte der Stadt etc. von theoretischen Modell bis zu praktischen Beispielen wurde wohl nichts ausgelassen.

Die TeilnehmerInnen eint jedenfalls der Gedanke, dass die Städte der Schlüssel sein werden, wenn es um die Frage des Klimawandels und nachhaltiger Lösungen geht. Oder wie Jaime Lerner, der legendäre Bürgermeister von Curitiba in Brasilien und heutige Innovationsentwickler meinte, the city is the solution, not the problem.

Die Welt wird immer stärker von Städten geprägt. Der Anteil an Menschen, die in Städten leben, nimmt rasant zu. 80% der Treibhausgasemissionen erfolgen in Städten. Zugleich ermöglicht die Dichte des Raumes und damit auch die Dichte des Akteursnetzwerks die raschere Implementierung von Lösungen und neuen Modellen als z.B. in zersiedelten Regionen. Denken wir nur an den zentralen Bereich Mobiltät.

Das schöne an der Konferenz war es auch zu sehen, dass nahezu alle Städte weitgehend ähnliche strukturelle Probleme haben: Schnelles Wachstum, Suburbanisierung, Wasserversorgung, Luftqualität, und natürlich auch unterschiedliche Lebensstilfragen. D.h. nämlich auch, dass wir unglaublich viel voneinander lernen können. Dies zu wollen ist ua. Teil der politischen Kultur eines Lebensraumes, denn es heißt offen sein für Neues, Anderes und möglicherweise auch Fehler einzugestehen. Naja, an dieser Kultur gibt es in unseren Breiten einiges zu arbeiten.

More to come…