Video: Was heisst Smart Grids/Metering für den Haushalt

21 05 2009

In Fachkreisen wird derzeit viel über die intelligenten Stromnetze und Stromzähler diskutiert: Smart Metering und Smart Grids. Warum das wichtig ist und was das ua für den Konsumenten bedeuten kann, ist in folgendem englischsprachigen Video gut erklärt. Die Basics:

1. Das Konsumverhalten bzw. die ähnlichen Tagesabläufe vieler Haushalte sorgen für Spitzenbelastungen beim Stromverbrauch, die zusätzliche teure Stromkapazitäten erfordern. Teuer – auch für den Stromanbieter.

2. Das Ziel ist es, ua diese Spitzen zu kappen und damit sowohl dem Anbieter wie auch dem Konsumenten Kosten zu ersparen.

3. Neben Bewusstseinsbildung erlaubt das intelligente Netz auch die Fernsteuerung von Geräten. Dies ist derzeit zwar noch ungewohnt, aber wer z.B. ein geringeres Tarifniveau in Anspruch nehmen will, kann dies vom intelligenten Netz und Smart Meter steuern lassen. So wird z.B. der – meist übrigens ohne überflüssige – Wäschetrockner – um 17:00 nicht auf volle Stufe aktiviert, sondern nur im Sparmodus oder verzögert. Auch Pump- und Warmwassersysteme – eigentlich alle Elektrogeräte – können so gesteuert werden.

Im folgenden Video veranschaulicht General Electric anschaulich, worum es geht. Aber bitte nicht von den Neonleuchten in den Geräten irriteren lassen 😉

via Earth2Tech

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Smart Grids & Smart Metering als Megathema der nächsten Jahre

13 05 2009

Schon vor einigen Monaten habe ich auf guensblog über die verheißungsvollen Perspektiven von Smart Metering und damit verbunden Smart Grids geschrieben. Man kann mittlerweile festhalten: das Thema intelligenter Netze und Stromzähler rückt auch für die Elektrizitätswirtschaft und IT-Unternehmen weit oben auf die Agenda. Nicht zuletzt Obama´s Milliarden Stimulusprogramm, das einen Schwerpunkt auf Smart Grids legt, sondern auch die Pläne vieler EU-Staaten erwecken den Eindruck, dass im Moment kein Weg dran vorbeiführt.

In Sachen Smart Metering legt Großbritannien den Weg vor. So ist  ein weitgehenden Roll-Out und die Vollausstattung aller Haushalte bis 2020 geplant – wie der Guardian Anfang der Woche berichtete. (via Worldchanging)

Und das ist gut so. Denn tatsächlich ist der intelligente Strom eine wesentliche Säule der Strategie Richtung Nachhaltigkeit. Sie ist quasi die Schnittstelle zwischen den Stärken der einzelnen erneuerbaren Energieträger und Energieeffizienz – zwischen sauberer Stromproduktion und Konsumenten. Und durch anwendungsfreundliche Stromzähler soll dem Konsumenten ein Instrument gegeben werden, selbst den Energieverbrauch zu überwachen und zu steuern.

Auch in Österreich regt sich einiges. Bis Freitag dauert die Smart Grids Week in Salzburg an, bei der auch der Entwurf für die Smart Grids Roadmap präsentiert wird.

In Sachen Smart Metering ist das Projekt der oberösterreichischen Energie AG deutlicher Vorreiter. Seit Oktober 2008 läuft bei  Vöcklabruck der Probebetrieb mit 10.000 AMIS-Zählern (AMIS – Automated Metering and Information System).  Ab Oktober 2009 ist der Normalbetrieb geplant. Der engagierte Plan ist, jährlich 100.000 neue Endgeräte einzubauen.

Mit Smart Metering wird der Stromverbrauch punktgenau gemessen, sowohl zeitlich wie auch räumlich, also ich weiß genau, wann welches Endgerät den Stromverbrauch in die Höhe schaubt. Vorbei sind dann die Zeiten einer einmal jährlichen Stromabrechnung, wo ich weder weiß, wie noch wo ich meinen Strom verbraucht habe.

Wichtig scheint mir jedoch neben der Technik auch die Visualisierung von Smart Metering für den Kunden. Der intelligente Stromzähler muss ein emotionales Erlebnis bieten, damit Stromsparen auch Spaß macht und Erfolgsaussichten bietet.

Die Kombination aus Smart Grid und Smart Metering ist deshalb so bestechend, weil es dann möglich ist, Lastschwankungen im Netz und das Verhalten des Endkonsumenten aufeinander abzustimmen und auszugleichen. Auch Modelle der Fernsteuerung von Geräten auf Basis des Stromverbrauchs und Abstimmung auf Tarifmodelle sind dann leichter umsetzbar. Und wer glaubt, dass wir das alles nicht brauchen, weil der Strompreis ohnehin so niedrig ist…der Strompreis wird ohne intelligente Netze definitiv massiv in die Höhe schrauben, nämlich spätestens, wenn die Nachfrage wieder steigt.

Sehr empfehlenswert für den Einstieg in das Thema ist das aktuelle Siemens Hi-Tech Heft (via Ökoenergie-Blog von Raiffeisen Leasing).





Weil die EU doch Sinn macht: Beispiel Smart Metering

19 12 2008

Viel ist wieder über die Europäische Union zu lesen. Der EU-Ratsgipfel mit dem Konjunkturprogramm, das Klimapaket, die Diskussionen bei den GRÜNEN, die teilweise Ratlosigkeit mancher Politiker im Transfer von EU-Themen (siehe heutiges Swoboda standard.at Interview). Irgendwie sind die politischen Vorgänge in Brüssel immer noch nicht in Österreich angekommen – insbesondere wenn wir über Inhalte reden. Wieso hat in Österreich keine mehrwöchige Debatte zur Position der Bundesregierung bei den Klimazielen stattgefunden? Was bedeutet das sog. Konjunkturpaket eigentlich für Österreichs Wirtschaft? Welches Problem haben die österreichischen Banken nun bei der Inanspruchnahme des staatlichen Kapitalangebots durch die Entscheidung Brüssels, die geplanten Zinssätze nicht zu akzeptieren?

Es wird schon im nachhinein berichtet, was beschlossen wurde, aber das ist kein Diskurs. Und jenen zu führen wäre die Aufgabe von Mandataren – auf EU- und auf nationaler Ebene. Die Frage der Volksabstimmung zum Lissabon Vertrag ist inhaltlich viel weniger interessant als die Entwicklungen bei sehr vielen  Themen, welche die Menschen unmittelbar betreffen.

Ein Beispiel: schon mal was von Smart Metering gehört? Mir ist das Thema in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ohren gekommen, insbesondere in den USA, wo sowohl PG & E in San Francisco wie auch der Energieversorger in New York intelligente Stromzähler testweise tausenden Haushalten installiert haben. Dabei wird der Stromverbrauch in kurzen Zeitintervallen erfasst und entsprechend verständlich aufbereitet. Die Information soll dem Kunden helfen, seinen Stromverbrauch zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn der Verbrauch zu hoch ist.

Was man bei uns – außer auf Expertenebene – kaum jemand weiß: Smart Metering ist Teil der EU-Energieeffizienzrichtlinie vor, die bis zum Jahr 2013 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Smart Metering kommt – auch in Österreichs Haushalten.

Es ist in allen europäischen Staaten ein Problem, dass die Stromabrechnung nahezu keine relevanten Information für den Kunden enthält, außer wie hoch sein Jahresstromverbrauch ist. Aber ohne Zeitverlauf und idealerweise auch einer Analyse, wo der Verbrauch am höchsten ist, hat er wenig davon.

Smart Metering käme durch den zeitnahen Abgleich von Energieangebot und -nachfrage neben dem Kunden auch den Energieversorgungsunternehmen (EVU) entgegen. Denn der hat durchaus Interesse daran, die teure Spitzenlast zu reduzieren.  Da die Sache natürlich nicht unkomplex ist, braucht es hier einheitliche Standards um die Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Daher gibt es relativ lange Übergangsfristen für die Umsetzung der Richtlinie.

Eine deutsche PricewaterhouseCoopers (PwC) Studie (“Smart Metering – Umsetzungsstand und strategische Implikationen für die Energiewirtschaft”) hat jedoch kürzlich erhoben, dass sich die meisten Energieversorger noch nicht ausreichend mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Dankenswerterweise sind hier einige innovative Projekte schon im Laufen, aber eigentlich müssten sich Unternehmen darum raufen, wer hier das beste System entwickelt. Und die österreichische Energiepolitik müsste sich damit auseinandersetzen, was da auf uns zukommt und wie man das am besten nutzen kann.

Smart Metering wird in paar Jahren in gewisser Weise  eine Revolution für Haushalt & Gewerbe bringen. Aber es braucht einfach viel Zeit bis das sickert. So wie auch der Energieausweis mental noch nicht angekommen ist in Österreich, obwohl jener de facto geltendes Recht ist. Aber vielleicht sollte man sich nicht zu viel erwarten in einem Land, wo einige wesentliche Bestandteile des Energieausweis von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt werden. Irgendwie ist es ja skurril. Da versucht man europaweit Standards zu definieren, damit dann im kleinen  Österreich der Umgang mit genau jenen bundesländerspezifisch geregelt wird. Z.B. die Frage, wer den Energieausweis ausstellen darf.  Nein,  in gewisser Weise sind wir  politisch noch nicht in Europa  angekommen.

Mehr zu Smart Metering (Kosten, Projekte, Chancen) demnächst hier am guensblog.