eco-move berlin: was bewegt uns morgen?

16 10 2008

Ja klar, die Finanzkrise zieht berechtigerweise die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Notfallspakete für angeschlagene Banken sind zentrale Schritte gewesen. (wer weiß, vielleicht tragen sie ja auch noch zur Identitätsstiftung Europas bei? internationale Krisen brauchen Kooperationsstrukturen – vielleicht begreifen das auch die Europaskeptiker)

Dadurch werden jedoch auch die anderen großen Krisen unserer Zeit ein wenig verdrängt: z.B. die Energiekrise und der Klimawandel.

Daher Szenenwechsel: Ich bin derzeit in Berlin und nehme ua. am eco-move Kongress (samt Ausstellung) teil, der sich mit Zukunftskonzepten und aktuellen Entwicklungen der Mobilität auseinandersetzt und vom Bundesverband Solare Mobilität veranstaltet wird. Das Motto lautet  “Was bewegt uns morgen?” Im Fokus: die Elektro-Mobilität.

Wer sich mit der Energiefrage länger auseinander setzt, weiß, dass das Elektroauto schon vor ca. zwanzig Jahren großes Thema war. Insbesondere Kalifornien galt als Vorreiter bei emissionsarmen Fahrzeugen – bedingt durch den Clean Air Act und teils rigorosen Maßnahmen und Quoten für emissionsfreie Vehikel. Leider kam es dann durch massives Lobbying der Auto- und Fossilindustrien und – wie ich einschätzen würde – einen generellen politischen Backlash für Ökothemen in der Reagan-Ära zu Rückschritten und einem Einfrieren vieler innovativer Entwicklungen.  Meine Aufenthalte in Kalifornien haben mir das immer wieder gezeigt. Im Elektrobereich hat letztlich aber die Automobilindustrie weltweit viele Pläne auf Eis gelegt.

Werner Zittel, einer der renommiertesten Peak Oil Experten im deutschsprachigen Raum, erläutert im Rahmen von eco-move, dass man sich nicht täuschen lassen darf vom derzeit aktuell gefallenen Ölpreis. Denn erstens liegt der Ölpreis immer noch auf deutlichem höheren Niveau als vor 2-3 Jahren (und all die Jahrzehnte davor). Und der Anstieg um 100% zwischen Juni 2007 und Juni 2008 auf rund 140$ pro Faß ist nicht nur auf eine Spekulationsblase zurückzuführen. Der explodierende Ölpreis blieb übrigens nicht ohne Folgen. So ist der Ölverbrauch der USA 2008 bislang um 10% geringer als im Vorjahr. Zittel meint zu Recht, dass man erstmals die Vorläufer und Folgen des weltweiten Ölfördermaximums spürt, das knapp bevor steht.  Manche meinen, wir hatten schon Peak Oil; andere sagen, er würde erst kommen. Am strukturellen Problem und dem notwendigen strukturellen Wandel ändert das nichts.

Der Mobilitätsbereich ist dabei einer der vielen Schlüssel (für ein Mehrfachschloß namens Energiewende). Und ehrlich gesagt, die strukturellen Schwierigkeiten, die wir aufgrund der Abhängigkeit vom Automobil haben, werden nicht so schnell zu lösen sein. Dafür haben sich unsere Siedlungsräume zu wenig nachhaltig entwickelt (Stichwort Zersiedelung). Die Frage, wie das Auto der Zukunft aussieht, ist daher essentiell. In einigen Bereichen wie Elektrofahrrädern oder Scootern gibt es derzeit schon marktnahe und -taugliche Modelle; beim Auto selbst schaut die Sache noch diffiziler aus.

Ich werde in den kommenden Tagen einige meiner Eindrücke der Konferenz bloggen, hier eine erste ZUsammenfassung:

  • Die Zeit, wo die großen Autoproduzenten Elektromobilität ignorieren konnten, sind vorbei. Dahezu alle Big Player investieren derzeit massiv in Konzeptfahrzeuge; einige schon in serienmäßige Modelle. Der Hybrid wird weiterentwickelt. Großes Thema derzeit ist der Plug-in-Hybrid, bei dem man den Akku zwischenzeitlich an´s Netz hängt und auflädt und er damit noch effizienter wird. Außerdem kündigen sich effiziente Hybride in deutlich mehr Autoklassen als derzeit an.
  • Am Markt sind derzeit Nischenmodelle, etwa Leichtfahrzeuge wie der Twike, der auch vor Ort ausgestellt wurde. Aber es ist kein Zufall, dass bei den großen Automessen, etwa dem derzeitigen Autosalon in Paris, Konzeptfahrzeuge für Serienmodelle präsentiert werden. Das neue herausgekommene Magazin Eco-mobil gibt eine beeindruckende aktuelle Marktübersicht.
  • Infrastruktur, Akku, Reichweite und – wie ich es nennen würde – Design (z.B. das „Tank“konzept) bleiben die zentralen Fragen, an denen intensiv gearbeitet wird. (mehr dazu in einem der kommenden Beiträge)
  • Die Stadt als dichter Raum ist der ideal Raum, um die Elektromobilität voranzutreiben. Insofern ist es völlig richtig, dass der Klimafonds mit der aktuellen Ausschreibung hier einen neuen Schwerpunkt setzt.
  • Generell: ohne staatliche Aktivitäten und Initiativen wird´s nicht gehen. Denn die Verquickung von Infrastruktur, Versorgungsfragen, Technologie, einheitlicher Standards uvm. braucht einen gemeinsamen Rahmen und Anreize. Israel zeigt diesbezüglich, wo´s lang geht.
  • Die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist natürlich stark davon abhängig, aus welchen Quellen der Strom produziert wird. Wenn China (was durchaus der Fall ist) auf E-Mobilität setzt, ist das innovativ, aber aufgrund des massiven AUsbaus von Kohlekraftwerken nicht zwingend nachhaltig im Sinne des Klimaschutzes. Daher ist klar: wir sollten primär über Elektromobilität auf Basis erneuerbare Energiequellen reden.
  • Das Thema Netzintegration von Elektrofahrzeugen wird sehr spannend. Hier wird´s auch für die E-Wirtschaft, also in dem Fall die Netzbetreiber interessant, denn die netzintegrierten E-Fahrzeuge können ein idealer Speicher für die schwankende StromProduktion sein. (in Deutschland z.B. mit der Windkraft ein Thema). Es ist Zeit, dass Solarwirtschaft und E-Wirtschaft, die historisch ein eher angespanntes Verhältnis haben, möglicherweise genau hier eine Brücke bauen.
  • Die Elektromobilität ist derzeit DAS Megathema der Szene. Und das ist gut so. Auch für Österreich bieten sich hier Chancen. Einerseits aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils Erneuerbarer an der Stromproduktion, andererseits durch konkrete Technologieentwicklung – etwa im Bereich Batterien und Solar.





hei solar light: design + innovation made in Vienna

2 10 2008

Wer meint, dass die Photovoltaik eine Technologie sei, die ausschließlich Unternehmen im Ausland zum Erfolg verhilft, liegt total falsch. Firmen wie der Wechselrichter-Erzeuger Fronius oder Solon Hilber beweisen das seit vielen Jahren.

Vergangenen Dienstag war ich bei der Klimafonds-Präsentation einer neuer Innovation im Photovoltaikbereich aus Österreich: hei solar light™ ist eine netzunabhängige, autarke Solarleuchte, die keinen Stromanschluss benötigt und ausschließlich durch Sonnenenergie betrieben wird. Entwickelt wurde das Produkt von HEI, einem Unternehmen aus Wien, das ua. bei gebäudeintegrierten Solarfassaden mit erstaunlichen Produktinnovationen für Furore gesorgt hat. Aber zurück zur Solarleuchte:

Vieles spricht für diese Neuentwicklung. Der Strom aus Sonnenenergie ist kostenlos, die Leuchte braucht keine Erdarbeiten für Zuleitungen oder Straßenquerungen, keine Kabelverlegungen, keine externe Stromversorgung, sie bietet Allwettertauglichkeit und ist aufgrund hochwertiger , langlebiger Komponenten wartungsarm (im Gegensatz zu manch solaren Gimmicks) und last but not least: LED´s ziehen keine Insekten an (genau, das Problem kennen wir alle!)

Die Leuchte wirkt ideal für viele Anwendungen im privaten und öffentlichen Raum. Und genau deshalb wird sie jetzt breit getestet. Der Klimafonds finanziert ein Projekt, in dem in 50 Klimabündnisgemeinden unterschiedliche Erfahrungen mit der neuen Solarleuchte gesammelt werden. Die Referenz wird für die Entwicklung und letztlich Marktdurchdringung entscheidend sein. Ein kritisches Thema derzeit ist z.B. noch die Beleuchtungsstärke, die für gewisse Anwendungen im öffentlichen Raum nicht ausreicht.

Was mir an dem Projekt so gut gefällt, ist die Kombination aus technologischer Innovation und Design. Ein Schlüssel für nachhaltige Produkte, der immer noch unterschätzt wird. Die Brücke zwischen Innovatoren, Energietechnologien und z.B. der produktorientierten Kreativwirtschaft wird zu selten geschlagen; das Potential ist enorm. Mit HEI hat beispielsweise das Wiener Industriedesign-Büro GP designpartners aus Wien kooperiert.

Nun, wie funktioniert die Solarleuchte: Der Clou ist das völlig neuartige Photovoltaik-Element in Rohrform. Dazu werden hocheffiziente Photovoltaik-Zellen in ein gehärtetes Glasrohr eingebracht. Die senkrechte Orientierung des PV-Moduls und die allseitige Anordnung der PV-Zellen sorgt für Wintertauglichkeit.

Eine speziell dafür entwickelte LED-Technologie ermöglicht individuelle, an den Standort angepasste Lichtgestaltung. Gespeichert wird die Sonnenenergie in einem in die Leuchte integrierten Solarakku. Ausgeklügelte Elektronik überwacht den Ladezustand des Energiespeichers, sodaß die Beleuchtungsstärke adaptiert werden kann und sich am Bedarf orientiert (z.B. bei Schlechtwetter)

Wenn die zuverlässige Ganzjahrestauglichkeit der Leuchte erwiesen ist, wird sie zur echten Alternative für Straßen-, Platz- oder Gehwegbeleuchtung – und das völlig autark und ganz ohne Stromanschluss.

Weitere Informationen gibt´s auf der Website von HEI.






Energie: Erstaunliches Burgenland

1 09 2008

Das Burgenland ist ja in vielerlei Hinsicht ein erstaunliches Bundesland. Unter anderem auch in Sachen Energieversorgung.

Erst kürzlich hat ein Artikel in der renommierten “Zeit” das international viel beachtete Energiewunder Güssing portraitiert. Güssing ist schon seit Jahren zu 100% energieautark und setzt in der Energieversorgung auf einen Mix aus erneuerbaren Energieträgern (Biomasse, Solar) und Energieeffizienz. Auch in Sachen Technologieentwicklung und wirtschaftlich tut sich viel in Güssing. Lt. “Zeit” haben sich dank des erneuerbaren Energiebooms bereits über 50 Firmen in Güssing angesiedelt und dabei mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadtverwaltung hat dabei ihre Energiekosten von 6,5 auf knapp drei Millionen Euro gesenkt. Laufend kommen internationale Delegationen, um das Energiewunder zu besuchen. Es zeigt sich, dass die Energiewende tatsächlich eine Investition ist und auch ökonomisch Sinn macht.

Die Geschichte der Windkraft im Burgenland ist ähnlich bemerkenswert. Aufgrund der hervorragenden Standorte und des Ausbauprogramms des Energieversorgers Bewag bzw. vieler engagierter Initiativen werden seit 2006 über 1 Milliarde Kilowattstunden aus Windenergie produziert. Der Haushaltsbereich kann im Burgenland rechnerisch komplett aus erneuerbarer Energie abgedeckt werden.

Nicht zuletzt diese energiewirtschaftlichen Spezifika des Burgenlands machen ein Projekt interessant, das seit vergangener Woche online ist. (und bei dem ich in Kooperation mit den Blogexperten von Knallgrau mitwirke): das neue Ökocenter Blogportalder Bewag. Dabei stellen sich die Fachexperten der Bewag dem Diskurs zu mehreren Schwerpunkthemen der Öko-Energie: Solar, Biomasse, Windkraft, Wärmepumpe, Energiesparen. Die Experten bloggen regelmäßig Beiträge zu diesen Themen, was sicher einen neuer kommunikativer Zugang für einen etablierten Energieversorger in Österreich ist. Dabei werden sowohl Informationen für allgemeine Interessenten als auch spezifische Beiträge für Energieexperten geboten. Interessant z.B., warum gerade die Parndorfer Platte als Windstandort so besonders ist; oder eine Einschätzung der Photovoltaik Förderung im Burgenland.

Bild: Das neue Ökocenter Blogportal der Bewag