nochmals vom Politikkongress…

5 12 2008

politikawardWie gestern schon berichtet, steht viel beim Politikkongress 2008 unter dem Eindruck der Obama Kampagne. Und zugleich auch wieder nicht, denn klar:  deutsche Politik (in Deutschland werden 2009 wieder Bundestagswahlen abgehalten) funktioniert kommunikativ ganz anders als US-amerikanische. Was natürlich auch auf Österreich zutrifft. Umso spannender ist es, was aus dem US-Wahlkampf mitgenommen wird. Gestern hattes es ja noch die Verleihung des Politik Awards gegeben. Finanzminister Steinbrück wurde als Politiker des Jahres und Klaus Töpfer (ex.Umweltminister und acht Jahre lang CHef der wichtigen UNEP – des UN Umweltprogramms) für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Ein paar subjektive, durchaus selektive Eindrücke und Einschätzungen zu Politikkongress & Politikaward.

* 2009 wird es Bemühungen in Deutschland geben, Webtools stärker in den Wahlkampf zu integrieren; aber bei keiner der Parteien zeichnet sich ab, dass es wirklich den absolut geeigneten Kandidaten bzw. die Strategie gibt, nächstes Jahr schon echte Masseneffekte in diesem Segment zu erzielen. Das bestätigt eigentlich meinen Eindruck aus den letzten Politikkongressen. Die soziale und kommunikative Energie des Webs schlägt sich in Deutschland nur sehr langsam nieder. Insofern ist Deutschland keinen Deut weiter als Österreich.

* Ein systematischens Monitoring der Online Kommunikation dürfte noch kaum etabliert sein. Die Parteizentralen dürften hier ressourcenmässig schlicht zu schwach ausgestattet sein, um ähnlich der US-amerikanischen Verhältnisse das Internet all zentrales Feld für Aktion, Beobachtung und Reaktion zu haben. (vielleicht auch besser so) Es wird wohl noch eine Zeit brauchen, bis es soweit ist. Eigentlich unverständlich, denn hier gäbe es einen first mover Effekt für jene Akteure, die schnell investieren.

* Die Rhetorik deutscher Politiker dürfte über dem Niveau in Österreich liegen. Den Eindruck hab ich eigentlich jedes mal beim Politikkongress, auch wenn die Generalsekretärsebene dann erst Recht in die klassische Parteienkampfrhetorik verfällt. Aber Politiker wie Gysi, Westerwelle, Steinbrück und gestern sogar Koch spielen in einer anderen Liga ist die meisten vergleichbaren österreichischen Politiker.

* Damit zusammenhängend. Worüber auch hier wieder kaum gesprochen wurde, ist Sprache. Die Rhetorik Obamas wird bewundert, aber ohne zu hinterfragen, welch sprachlichen Muster eigentlich unsere Politik ausmacht? Wir diskutieren hier, wie toll es ist, ein Mail von der Obama Kampagne zu erhalten, aber dass die erklärende, emotionale und klare Sprache dahinter noch viel wichtiger ist, wird meist ausgeblendet. Gerade die österreichischen Parteien, allen voran die GRÜNEN, müssten sich mehr mit Sprache auseinander setzen. Die sog. Politikverdrossenheit hat viel mit der kommunikativen und sprachlichen Schwäche der handelnden Akteure zu tun.

* Manches kann man sich von der US-amerikanischen Kultur abschauen, aber natürlich nicht alles. Positiv ist zB die gesetzlich festgelegte Transparenz zu erwähnen, bei allen fundings. Das ist in Österreich noch ein Witz. Klar, da geht´s auch um eine gewachsene politische Kultur, aber nehmen wir ein Beispiel. In den USA gibt´s die sogenannten „Independent Expenditures“ (IEs). Als IEs bezeichnet man in den USA finanzkräftige Wahlkampfarbeit im Namen politischer Kandidaten, die nicht mit diesen abgestimmt ist. Meist in Spots, Webinitiativen etc.

Berühmt wurden z.B. die Swiftvets, die 2004 John Kerry mit Spots diskreditiert haben. Was natürlich heißt, dass derartige Initiativen meist GEGEN einen Kandidaten verwendet werden. Diese Kultur ist im deutschsprachigem Raum noch kaum angekommen. Denn die “unabhängigen” Personenkomitees für Politiker im Wahlkampf in Österreich sind meist erst recht durch die Parteizentralen angesprochen worden. Issue Advocacy ist in Österreich generell ausbaufähig.

Ich denke, dass die Möglichkeiten des Community Buildings über social web dazu führen werden, dass sich immer mehr Menschen in Wahlkämpfen für oder gegen eine Partei oder einen Inhalt engagieren werden, ohne dass mit den jeweiligen Parteien abzusprechen. Und eigentlich fänd ich es gut, wenn es neben der Umfeld von IV, Kammern, Gewerkschaften für ihre jeweils nahestehenden Parteien, wirklich unabhängige Initiativen gäbe. Müssen ja nicht gleich Millionenkampagnen wie in den USA sein. Und die Parteien müssten endlich die Angst vor allem ablegen, was nicht in ihren Zimmern geschmiedet wurde.

Advertisements




We just made history – Obama´s mail

5 11 2008

Also, wunderbar. Es gibt doch keinen 5. November, an dem wir alle in kollektive Depression verfallen müssen.

Eines der meist unterschätzten Medien der Obama Kampagne ist meiner Meinung nach übrigens das simple E-Mail gewesen. Viel wurde über die Web 2.0. Kampagne geschrieben und gesagt, die auch wirklich genial war. Aber der direkte Kontakt über Mail war schlicht perfekt. Schnell, Exklusivität vermittelnd und persönlich formuliert. Mal von Barack Obama, mal vom Kampagnenleiter, mal von Michelle oder den Clintons als Absender. Man erinnere sich nur an die Obama SMS Aktion zur Bekanntgabe des Vize-Kandidaten.

Und während man in Österreich am Tag danach standardmässig “DANKE” Überkleber über die alten Wahlplakate pickt und jeder Kandidat auch bei hohen Verlusten sein Sprücherl “Lassen mich zuerst die Gelegenheit nutzen, mich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken”, schreibt die Obama Kampagne wenige Stunden nach dem Triumph ein Mail.

Der Person, die diese Mails formuliert, ist ua dieser Wahlsieg zu verdanken:

Georg --

I'm about to head to Grant Park to talk to everyone gathered there, but I wanted to
write to you first.

We just made history.

And I don't want you to forget how we did it.

You made history every single day during this campaign -- every day you knocked on
doors, made a donation, or talked to your family, friends, and neighbors about why
you believe it's time for change.

I want to thank all of you who gave your time, talent, and passion to this campaign.

We have a lot of work to do to get our country back on track, and I'll be in touch
soon about what comes next.

But I want to be very clear about one thing...

All of this happened because of you.

Thank you,

Barack




Neighbor: ‘georgi Always Seemed So Normal’ – viral genial

24 10 2008

Die Obama Kampagne zeigt´s wieder mal. Sehr geniale Viralkampagne.

Nicht ganz neu die Methode, aber super eingesetzt zur Mobilisierung von Obama Anhängern.

Leider hat das embedding nicht geklappt. Hier gehts zum CNNBC-Video.

siehe auch Niko Alm´s Blog,

In diesem Sinne: GOTV (GET OUT THE VOTE)





Neue USA-Studie zeigt: Klimawirksamkeit des Urban Sprawl ist evident.

9 05 2008

Neu ist die Erkenntnis nicht, aber offenbar braucht es manchmal Beweise. Kürzlich wurde eine der umfassendsten Studien zum Thema Urban Sprawl in den USA als Buch veröffentlicht.

Growing Cooler: The Evidence on Urban Development and Climate Change

bietet nicht nur Zusammenhänge, Strategien und Beobachtungen, sondern auch Zahlen und Fakten. Das Buch wurde von führenden Autor Reid Ewing bei der Ecocity Konferenz präsentiert und wird derzeit in den USA diskutiert.

Kurz zusammengefasst belegt die Studie den Zusammenhang zwischen Zersiedelung, urban sprawl und erhöhter durchschnittlicher Fahrleistung, erhöhtem CO2-Ausstoß und zeigt Strategien auf, wie man bei den aktuelle Wachstumsszenarien durch Stadtplanungsmaßnahmen konkret Emissionen einsparen kann. Ein paar Zahlen:

Bewohner einer eher zersiedelten Stadt wie Atlanta fahren im Schnitt mehr als 30 Meilen, während BewohnerInnen in kompakteren Städten wie Bosten oder Portland mit weniger als 24 Meilen täglich auskommen. Je nachdem, wie Städte in den vergangenen 25 Jahren entwickelt wurden (kompakt vs. zersiedelt), hat sich auch die durchschnittliche km-Anzahl um 20-40 % entwickelt.

Insgesamt ist die km/Meilen-Leistung in den USA drei mal mehr gewachsen als die Bevölkerungszahl.

Bei einer Entwicklung wie derzeit wird erwartet, dass die gesamte durchschnittliche km bis 2030 um 59% steigt. Der Hauptgrund: die Siedlungsentwicklung. Jegliche Bemühungen in Richtung effizientere Fahrzeuge, neue Treibstoffe etc. würde damit den Einsparungseffekt jedenfalls in die falsche Richtung überkompensieren. Daher ist klar, dass es strukturell greifende Maßnahmen braucht.

Die Autoren des Berichts haben kalkuliert, dass eine kompatkere Siedlungsentwicklung in der Zukunft die zurückgelegten Fahrleistung um 12 – 18 Prozent und die CO2-Emissionen um 7-10 Prozent reduzieren könnte. Das Potential ist enorm, der zwei Drittel der Immobilien für das Jahr 2050 sind noch nicht errichtet worden.

Es ist jedenfalls erfreulich, dass angesichts der Klimadebatte und der Ölpreisentwicklung auch in den USA über strukturelle Fragen der Stadtentwicklung diskutiert wird. Das Problem des Urban Sprawl ist aber kein spezifisch nord-amerikanisches Problem, sondern eigentlich ein weltweites. Städte (sofern diese Bezeichnung gerechtfertigt ist) wie Los Angeles sind aber symbolisch für die klassische Siedlungsentwicklung in vielen Regionen der USA. Aber: es gibt einen anderen Weg und dafür steigt derzeit das Bewußtsein.

Hier eine Videodokumentation von Reid Ewings Rede.

Einige seiner Folien, die auch Methode und den sog. Sprawlometer erklärt, ist hier zu finden.





Ecocity 2008: The city is the solution, not the problem

9 05 2008

Vorweg, San Francisco ist immer eine Reise wert. Eine wunderbare Stadt mit vielen inspirierten Menschen – und damit mein ich nicht die Alt-Hippies (denen die Inspiration aber auch nicht abgesprochen werden soll 😉

Noch mehr ist San Francisco eine Reise wert, wenn man Teil des Ecocity World Summit 2008 sein kann; einer Zusammenkunft von ca. 700 TeilnehmerInnen aus über 70 Staaten, die über nachhaltige Modelle der Stadt nachdenken und konkrete Lösungen diskutieren. Die Ecocity Konferenz fand heuer zum siebenten mal statt und verfolgt zumeist einen 2-Jahres Rhythmus. Zu meinem eigenen Erstaunen war ich wohl der einzige Teilnehmer aus Österreich.

Die Themenpalette war äußerst vielfältig und viele Eindrücke werden erst sukzessive in meine Arbeit und dieses Blog einfliessen. Nachhaltige Stadtentwicklung, sanfte Mobilität, Fragen der sozialen Segregation, Suburbanisierung, Dichte der Stadt etc. von theoretischen Modell bis zu praktischen Beispielen wurde wohl nichts ausgelassen.

Die TeilnehmerInnen eint jedenfalls der Gedanke, dass die Städte der Schlüssel sein werden, wenn es um die Frage des Klimawandels und nachhaltiger Lösungen geht. Oder wie Jaime Lerner, der legendäre Bürgermeister von Curitiba in Brasilien und heutige Innovationsentwickler meinte, the city is the solution, not the problem.

Die Welt wird immer stärker von Städten geprägt. Der Anteil an Menschen, die in Städten leben, nimmt rasant zu. 80% der Treibhausgasemissionen erfolgen in Städten. Zugleich ermöglicht die Dichte des Raumes und damit auch die Dichte des Akteursnetzwerks die raschere Implementierung von Lösungen und neuen Modellen als z.B. in zersiedelten Regionen. Denken wir nur an den zentralen Bereich Mobiltät.

Das schöne an der Konferenz war es auch zu sehen, dass nahezu alle Städte weitgehend ähnliche strukturelle Probleme haben: Schnelles Wachstum, Suburbanisierung, Wasserversorgung, Luftqualität, und natürlich auch unterschiedliche Lebensstilfragen. D.h. nämlich auch, dass wir unglaublich viel voneinander lernen können. Dies zu wollen ist ua. Teil der politischen Kultur eines Lebensraumes, denn es heißt offen sein für Neues, Anderes und möglicherweise auch Fehler einzugestehen. Naja, an dieser Kultur gibt es in unseren Breiten einiges zu arbeiten.

More to come…