knapp daneben…ist manchmal weit am ziel vorbei

23 03 2009

Die aktuelle Inseraten-Auseinandersetzung zwischen Wiener FPÖ und Wiener SPÖ erweckt auch mein Interesse. Max Kossatz stellt auf  Wissen Belastet im heutigen Posting zwei Inserate gegenüber. Ich hab mich gestern schon bei der Lektüre der Kronen Zeitung geärgert. Und zwar über das Inserat der Wiener SPÖ:
knapp_daneben

Ich verstehe nicht, welches Ziel dieses Bild verfolgt. Ok, die Botschaft ist ein Statement gegen HC Strache. Das Bild mit dem Kreuzeck soll wohl die Assoziation Fußball wecken und damit Interesse bei bestimmten Zielgruppen generieren  (?). Möglicherweise ist das ein Hinweis, dass vor allem Jugendliche die Adressaten sind. Man denke nur an die hohe Szenezugehörigkeit Jugendlicher zum Thema “Fußball” (siehe zB. T-Factory)

Aber für wen macht man so ein Inserat?

Option 1:  Für die substantielle Schnittmenge zwischen SP/FP-WählerInnen?

Die werden aber durch dieses Bild von gar nichts überzeugt. Es gibt null inhaltliche Botschaft, was denn an Strache schlecht sei. Und zu glauben, dass man dasden  WählerInnen im gemeinsamen SP/FP-Potential nicht erläutern müsse, ist schlicht falsch. Und wie gesagt, das gemeinsame Potential ist quantitativ nicht unerheblich.

Option 2: Für SP-SympathisantInnen oder Personen aus dem Rot/Grün Potential mit dem Ziel, vorhersehbare Zustimmung (weil gegen Strache)  zu erzielen?

krone_wahlverhaltenDie erreiche ich aber über die Kronen Zeitung kaum. Ich erinnere nur an die Auswertung nach der Nationalratswahl, wen Kronen Zeitung-LeserInnen wählen. Genau hier würde die Kampagne SP-FP WählerInnen erreichen. Insofern ist das Inserat aber falsch platziert, denn – siehe oben – genau dafür biete ich keine Botschaft.

Ich glaube immer noch, dass die Antwort auf die FPÖ eine inhaltliche und zugleich emotionale sein muss. Insbesondere jugendliche WählerInnen, die derzeit stark von der FPÖ vereinnahmt werden , brauchen klare Antworten, die zeigen, dass die FPÖ überhaupt kein substantielles Konzept hat, sondern nur Sündenböcke für soziale Probleme bietet.  Nicht alle davon sind rechtsaußen sozialisiert, sondern werden derzeit – offenbar mangels Alternativen – zur FPÖ verleitet. Es wäre Aufgabe insbesondere der SPÖ, aber auch der anderen Parteien, hier zu antworten.

Ein zweites Beispiel ist das FPÖ-Coverinserat im Bezirksjournal für die “Freiheitlichen Arbeitnehmer”. Die Botschaften sind Förderung der Lehrlingsausbildung, Freifahrt für Berufssschüler, aktives und passives AK-Wahlrecht ab 16 usw… so blöd es klingt: die bieten zielgruppenadäquaten Inhalt.

unter_30Die Daten der WählerInnengruppe der “Unter 30jährigen” hatte bewiesen, wie erschreckend schwach sie SPÖ in diesem Segment geworden ist und dass ihre Jugendkampagnen offenbar ihre Zielgruppen nicht erreichen; zugleich ist die FPÖ genau in diesem Segment stark.

Die Antwort darauf muss Substanz bieten, nicht nur ein weitgehend  inhaltsleeres Motiv.

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Was ich ja gar nicht versteh – Verzicht auf Kinowerbung?

19 09 2008

Also, vielleicht war ich in letzter Zeit zu selten im Kino  – oder auch in den falschen Kinos? Aber wo blieben die Spots der wahlwerbenden Parteien?

Den von den Grünen, ja, den hab ich gesehen. Sympathisch, bissl Lifestyle, Van der Bellen (dass die Leute dort einen Bart haben, hab ich erst später kapiert, aber gut). Sogar Robert Misik lobt ihn.

Ein persönliches Gespräch mit Cinecom Geschäftsführer Christof Federle bestätigt mir, dass es offenbar keine Spots der anderen Parteien gibt, die derzeit geschalten werden. Was mich ja doch wundert.

Auf der anderen Seite:

Wer – so wie ich berufsbedingt und/oder leidenschaftlich – die täglichen Zeitungen verfolgt, sieht sofort: die werden zugepickt mit Inseraten insbesondere von SPÖ, FPÖ (Schwerpunkt Krone – ganzseitig), BZÖ (Schwerpunkt “Österreich”), ÖVP.  Auch, aber in Maßen von Liberal und Grün. Irgendwelche “Werbeexperten” bewerten derzeit in fast jedem Blatt, wie gut oder schlecht die Plakate sind. Die einzige Einigkeit besteht in der Kritik an der ersten Plakatwelle der ÖVP, wo es um so viel Kleingedrucktes geht. Sonst wird alles unterschiedlich interpretiert.

Aber hallo: welches Werbemedium erringt die höchte Aufmerksamkeit beim Rezipienten? die Kinowerbung! Irgendwie freut man sich ja sogar drauf, gut gemachte, kreative Spots im Kino zu sehen  – im Gegensatz zum TV-Spot.

Klar, die Reichwerte ist geringer, aber offenbar gilt für die meisten Parteien: Quantität vor Qualität, sonst würde wohl jede Partei auf Kinowerbung setzen. Kino und auch ihre Werbung ist Emotion, Spaß, Spannung, Konzentration und bei politischen Akteuren – wenn´s noch irgendwie geht – Botschaft/Inhalt. Genau das sollte auch Wahlkampf sein.

Dass darauf verzichtet wird und anstatt dessen auf die Klassiker Printinserat, Plakat und ok, diesmal auch mehr Web, investiert wird, versteh ich einfach nicht.

Ps. sollte mir ein Spot einer Partei entgangen sind, bitte um Information. Klarerweise berücksichtige ich das dann gerne in meiner Meinungsbildung…und auf guensblog.