…ich geh heut wählen.

1 03 2010

Ein weiser, lebenserfahrender Mann aus diesem Lande, der im nächsten News Weisen-Ranking nicht weit hinter Paolo Coehlo liegen dürfte, sagte kürzlich im persönlichen Gespräch:
“Es is wia´s is und waun´s net war wia´s is, dann warat´s oba ah net vü aunders”

Na eh. Aber neben Lebensweisheiten dieser Art, die alle sachlichen Argumente in Schach halten können, gibt´s dennoch die Frage nach den Wegen und Möglichkeiten. Und nachdem jene (nämlich die Wege) bekanntlicherweise ja nicht nur nach Alfred Gusenbauer im Gehen entstehen, geh ich heute. Und zwar wählen.

Denn Menschen, die wie ich einen Gewerbeschein haben, sind derzeit wahlberechtigt, wenn es darum geht, “ihre” Vertreter in der Wirtschaftskammer zu wählen.
Das absurde ist, dass ich der Meinung bin, dass der Einfluß dieser Institution aufgrund der politikkulturellen, durch Lagermentalität geprägten Gegebenheiten in diesem Land eigentlich zu hoch ist. Fühl ich mich als Unternehmer derzeit durch die Kammer “vertreten”? Ja, ist es gar angemessen von “Wirtschafts”kammer zu sprechen, wo es doch eigentlich eine “UnternehmerInnen”kammer ist? Neither nor.
Weder wirtschaftspolitisch noch gesellschaftspolitisch fühl ich mich meist von der Kammer vertreten. Zu eindeutig sind die vertretenen Einzelinteressen der Big Player.
Der gesellschaftliche Kontext in dem sich Wirtschaft bewegt, ist zu wichtig, um ihn insbesondere in der Wirtschaftspolitik zu ignorieren. Und genau das passiert in vielen klassisch wirtschaftspolitischen Zugängen.
Und gerade deshalb gehe ich wählen.

Über Serviceleistungen der Kammer kann ich übrigens nichts Negatives berichten; die waren zu Beginn meiner Unternehmerschaft durchaus ok. Aber die Hürden in meiner Branche (PR-Berater) halten sich in Grenzen.

Das an der mittelalterlich anmutenden Gewerbeordnung orientierte Kammersystem ist jedoch undurchsichtig und abschreckend, aber eben weil es nicht als gottgegeben zu akzeptieren ist, ist eine Beteiligung bei der Wahl wichtig. Hier ist eine Liste mit den Wahllokalen zu finden.

Vor allem wichtig. Die Krise erfordert einen neuen wirtschaftspolitisches Zugang. Eine Auseinandersetzung mit den wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart. Etwa die Frage, wie wir unsere Energieversorung nachhaltig gestalten, um vom nächsten oil-crash unabhängig zu bleiben oder eine Bildungspolitik, die Menschen befähigt und ermutigt und nicht nur “fit” für einzelne Jobs macht. Die Zeiten des “Wir wissen, was gut für dich ist” sind vorbei und das Kammerzeitalter von Einheitslisten ebenso. Ich erwarte mir auch von einer Kammer, dass sie sich systemischen Fragen stellt und z.b. den Diskurs darüber führt, welches Wachstum wir brauchen. Sich nur an Aschermittwochen für einen Sager mal an Goldman Sachs abzuputzen, ist zu billig und populistisch, wenn man nicht Struktur & Kultur unseres heutigen Wirtschaftens selbst hinterfragt hat.

Daher wer kann, bitte nicht vergessen: heute oder morgen wählen gehen, damit´s vielleicht doch noch “a bissl aunders is waun´s nimmer is wia´s is” wird.

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Es geht um die Mobilität der Zukunft, nicht nur um das Auto der Zukunft

18 08 2009

Die Dynamik der vergangenen Monate in Sachen Elektromobilität ist prinzipiell sehr erfreulich. Lange – zu lange – hat die Automobilindustrie die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Elektromotor als moderne Antriebstechnologie unterschätzt. Jetzt könnte man fast den Eindruck gewinnen, alle wollen noch schnell auf den Zug aufspringen.

trendcoverSehr viele Konzeptfahrzeuge wurden zuletzt präsentiert. Der Tesla ziert samt Verbund-Generaldirektor das Trendcover; jede Autobeilage hat regelmäßig Specials zum Elektroauto. Kaum ein Automobilkonzern kann es sich leisten, das Thema zu ignorieren. Eine sehr gute Übersicht über die historische Entwicklung und den Stand der Dinge findet sich hier auf dem Ökoenergie-Blog. Auch für die Stromwirtschaft bietet sich nicht nur ein neuer Markt für den Stromabsatz, sondern in Kombination mit den intelligenten Netzen (Smart Grids) offenbaren sich lange ungeahnte Synergien. Insofern ist auch die Achse zwischen Verbund, Siemens, Magna, KTM , AVL und AIT im Rahmen von Austrian Mobile Power zu begrüssen. Es ist  gut und richtig, wenn sich einige big Player im Land zusammentun. Auch die Plattformen wie e-connected rund um den Klimafonds oder – auf ganz anderer Ebene – der neue Bundesverband Nachhaltige Mobilität zeigen den Wunsch nach Austausch und Organisation.

Strom statt Benzin, so wird vermittelt, lautet das Motto der Zukunft.

Doch halt. Wird es so einfach gehen? Ist es wirklich so, dass wir überall Ladestationen als Tankstellen haben werden und wir das Auto in gleicher Art und Weise  nutzen werden wie jetzt?

Obwohl ich das Geschehen in der Elektromobilität seit Jahren mit positiver Grundhaltung und Optimismus verfolge, glaube ich: nein! Die Debatte greift derzeit zu kurz: nicht um das Auto der Zukunft geht es, sondern um die Mobilität der Zukunft. Und darüber wird zu wenig diskutiert. Daher ein paar Gedanken dazu:

Das Auto der Zukunft muss neu gedacht werden

tesla@grafeneggIch find ihn ja auch cool, den Tesla. (hier ein Bild von der Präsentation im Rahmen des Save the World Kongresses vor einigen Wochen in Grafenegg in Niederösterreich). Er ist ein Türöffner, weil er zeigt, was geht. Design matters!

Mit ihm weckt man Interesse und öffnet die Sinne des Homo Motoricus meist männlicher Prägung. Noch besser gefallen mir aber die norwegischen Think Fahrzeuge, wie unten am Bild einer aus der Vlotte. Er spricht mich nicht nur von der Ästethik her an, sondern er kommt dem näher, was das Elektromobil realistischerweise in den kommenden Jahren sein wird: ein leichtes, kompaktes Fahrzeug. Hervorragend geeignet für kurze und mittlere Strecken und Ballungsräume (nicht zwingend nur die Stadt)

vlotte@grafenegg

Was derzeit manche in der Automobilindustrie vermitteln, ist, dass Elektrofahrzeuge die fossilen Fahrzeuge 1:1 ersetzen werden. Nicht, dass dies technisch unmöglich sein wird, aber die Kosten- und Ressourcenfrage (Batterie, Rohstoffe,..), die noch fehlende Infrastruktur bzw. das Netz, und auch der kulturelle Wandel brauchen mehr Zeit als manche derzeit glauben. Es ist weiters aus energie- und klimapolitischer Sicht nicht egal, woher der Strom kommt. Auch wenn das Stromaufkommen durch die Elektromoblität nicht eklatant steigen dürfte (siehe PWC Studie im Auftrag des Klimafonds), sollte die Strategie an Strom aus zusätzlichen erneuerbare Energiequellen orientiert sein. In Österreich klingt das machbar; aber international?

Das Auto der Zukunft darf daher nicht so wie das Auto der Vergangenheit gedacht werden. Es geht um die Nutzung, nicht um den Erwerb und Besitz des Autos. Klar, schlechte Nachrichten für den Kfz-Handel, aber die Entwicklungen ändern sich nunmal in einer Gesellschaft. Und genau das wird in Krisenzeiten cachiert, wobei genau jetzt das Fenster für echte Veränderungen offen ist.

Neue, integrierte  Angebote: Mobilität statt nur Vehikel verkaufen

Wilfried Sihn, Österreich-Chef der Fraunhofer Forschungsgesellschaft, argumentierte im Kurier vor einigen Tagen völlig richtig: “Verkauft wird in Zukunft nicht das Auto, sondern die Mobilität. Wenn ich also als Autokunde in der Stadt bin, erwerbe ich mir eine Mitfahrgelegenheit oder ein Elektroauto, für längere Strecken aufs Land nehme ich mir an diesem Tag ein Benzinauto. Ich kaufe mir also nicht ein Fahrzeug, sondern die Nutzungsmöglichkeiten. Das sind aber natürlich noch Zukunftsmodelle”

Klar, Carsharing gibt´s schon lange, wurde aber nie wirklich breitenwirksam. Die Kultur des eigenen Autobesitzes ist auch bei Stadtmenschen weit ausgeprägt. Aber gerade wenn jetzt Geld für neue Modelle in die Hand genommen wird, dann bitte nicht nur für die Entwicklung des Autos. Das macht die ganze Welt derzeit. Ein Fahrzeug ist etwas, das in erster Linie einer konkreten Nutzung dient. Und diese Nutzungen sind sehr unterschiedlich. Transporte, Wochenendausflüge, Familienkutsche, kurze Wege, Pendeln von/aus der Stadt…die Vielfalt ist groß. Warum nicht auch das Angebot für den einzelnen vervielfältigen?

Ein Auto zu besitzen, kostet viel Geld. Und wer glaubt, dass ein Elektroauto in der Anschaffung substantiell weniger kosten wird, irrt. Die “Treibstoff”kosten werden tatsächlich sinken. Dass der Besitz eines Autos Normalität geworden ist, ist einerseits zu akzeptieren, andererseits ist die ökonomische Bilanz meist eine Katastrophe. Die Kosten für Mobilität sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Und steigen weiter. Laut Verkehrsclub Österreich wurden im Jahr 1970 noch zehn Prozent des Haushaltseinkommens für Mobilität ausgegeben, hingegen werden es im Jahr 2020 bereits 25 Prozent sein. (siehe VCÖ) Eine derartige Verteilung (neben dem dominanten Teil “Wohnkosten”) ist völlig sinnentfremdet.

Neue Modelle und neue Akteure für die Mobilität der Zukunft

Wo entsteht Innovation? Meist nicht in der zentralen Planungsabteilung, sondern durch Trial & Error in periphären Strukturen (nicht örtlich, sondern organisationstechnisch gemeint). Daher ist genau jetzt die Zeit, neue Sachen auszuprobieren und  entstehen zu lassen.

Was neue Modelle auslösen können, beweist Shai Agassi mit dem Better Place Projekt. Toll, was er bewirkt, aber ob das wirklich das sich durchsetzende Modell sein wird, kann derzeit noch kein Mensch sagen.

Wir brauchen daher nicht nur die Achse aus Technologieunternehmen, E-Wirtschaft und Automobilbranche, sondern Player, um die es derzeit noch recht ruhig in Sachen Elektromobilität ist. Z.B.

  • Kommunale Verkehrsbetriebe, die sich als integrierte Mobilitätsdienstleister verstehen und dabei eine Vielfalt an Möglichkeiten offerieren, auch die Elektromobilität.
  • Taxi-Unternehmen und Autoverleiher, die über Infrastruktur verfügen und damit auch einfache Lademöglichkeiten.
  • Bauträger, die in Wohnprojekten nicht nur Wohnraum anbieten, sondern z.B auch Mobilitätsnutzungen (warum nicht bei größeren Bauprojekten gleich die Mobilität als Angebot mitverkaufen? Ich biete nicht ein Auto, sondern viele Nutzungsformen inkl Stromtankestelle am Siedlungsgelände)
  • Große Unternehmen, die in ihrem eigenen Bereich auf Elektromobilität bauen und ebenfalls über Infrastruktur verfügen. Das Elekto-Dienstfahrzeug ist leichter zu versorgen als die Privatkutsche, die immer woanders steht.
  • Die ÖBB, die über nachgerade ungeahnte Möglichkeiten verfügt, wenn sie denn nicht ständig andere Sorgen hätte.
  • und viele viele mehr. Als Teil einer Projektentwicklungsgruppe in diesem Bereich diskutieren wir viele Konzepte und es stellt sich heraus, dass sich die Kernfrage nicht primär um das Auto dreht, sondern um die Infrastruktur. Aber diese ist vorhanden. Und zwar nicht an der klassischen Tankstelle.

Die Modellregionen wie die Vlotte in Vorarlberg, jene von Austrian Mobile Power und anderen Projekten werden viele Learnings bringen, aber dabei soll es nicht bleiben. Mutige Unternehmen und Projekte braucht das Land, die jetzt Neues probieren.

Und es braucht auch eine mutige Politik. Eine Politik, die auch ihre Verantwortung in der Stadt- und Regionalentwicklung wahrnimmt und dabei nicht primär für die fossile Automobilität einzelner plant, sondern den Ansprüchen und Bedürfnissen der Zukunft versucht, gerecht zu werden. Das wäre dann einer jener Ansätze, wo der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur als Worthülse verwendet werden könnte. Auch das gehört zentral für die Mobilität der Zukunft mitgedacht.

More to come…





Wann, wenn nicht jetzt: Förderalismusreform am Beispiel der thermischen Sanierung?

30 06 2009

Vergangene Woche, am 26.6., meldete das Lebensministerium: “Förderung thermischer Sanierung für Privathaushalte abgeschlossen”. Damit ist nach rund zehn Wochen eine der Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgelaufen. 50 Millionen Euro wurden für energetische Sanierungsmaßnahmen  aber auch den Heizkesseltausch auf erneuerbare Energieträger bereitgestellt; ebenso 50 Millionen Euro für Betriebe. Im privaten Bereich war die Nachfrage also derart hoch, sodaß die Förderung nicht wie geplant bis Jahresende läuft, sondern eben nur für etwas mehr als zwei Monate offen war. Da die Regierung vorerst nicht plant, die Förderaktion zu verlängern, müssen sich private Interessenten wieder ausschließlich an das jeweilige Bundesland oder manchmal auch Gemeinden wenden. Zum Verständnis: die Bundesförderung konnte zusätzlich zu Landes- oder Gemeindeförderungen beantragt werden.

Im folgenden will ich kurz erläutern, was wir daraus lernen können und will argumentieren, warum der Rückschluß Anlaß für eine schon lange notwendige Reform im föderalistischen Fördersystem sein sollte.  Zugebenermaßen bin ich nicht sicher, ob die Sache zu Ende gedacht ist, aber es ist einen Versuch wert.

Warum die Bundesförderung erfolgreich gelaufen ist:

  • Zunächst muss man festhalten, dass 50 Millionen Euro für energetische Sanierungsmaßnahmen im privaten Wohnbau wenig Geld ist. Mindestens die fünffache Summe wäre angemessen gewesen.
  • Dennoch zeigt sich, dass es offenbar Nachfrage und Investitionsbereitschaft Privater gibt, um thermische Sanierungen umzusetzen.  Laut Lebensministerium wurden “seit dem 14. April 2009 wurden rund 12.000 Anträge für nicht-rückzahlbaren Zuschüssen für die Dämmung der Außenhülle eines Gebäudes sowie den Tausch von Heizkesseln und Fenstern eingereicht. Die durchschnittliche Förderhöhe betrug rund 4.300 Euro mit der Investitionen in der Höhe von durchschnittlich 34.000 Euro getätigt werden. Allein durch die Sanierungstätigkeiten der privaten Haushalte werden somit rund 400 Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen initiiert”. 12.000 Anträge in diesem Zeitraum sind meiner Meinung nicht übel. In Zeiten wie diesen muss investiert werden; und Privatpersonen sind offenbar bereit dazu!
  • Der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist jedoch, dass diese Förderung im Gegensatz zur sonst üblichen Wohnbauförderung einige Vorteile hatte: sie war konkret,  leicht verständlich ist, wurde relativ unbürokratisch über die KPC abgewickelt, und bot als nicht-rückzahlbarer Zuschuß auch den effizientesten weil direktesten Mitteleinsatz. Klar, die Sonderaktion hat nicht alle Bereiche der Wohnbauförderung erfasst, sondern nur die energetische Sanierung und den Kesseltausch. Aber immerhin. Seit Jahren sagen Wirtschaftsforscher, dass die energetische Sanierung enormes Potential für Beschäftigung, Energieeinsparung und Treibhausgasreduktion bietet.
  • Dies ist im krassen Gegensatz zur Förderkultur in einígen Bundesländern erfolgt, wo unterschiedliche Modalitäten und Standards gelten. Die 15a Vereinbarung zwischen Bund und Ländern schafft hier zwar Mindeststandards, aber dennoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Sowohl inhaltlich wie auch abwicklungstechnisch. Vom unterschiedlichen Beratungsangebot ganz zu schweigen.

Da derzeit viel über die Verwaltungs- und Staatsreform geredet wird, wäre es interessant, die Erkenntnisse aus dem Erfolg der Sanierungsförderung des Bundes mit einer Reform der Wohnbauförderung zu verknüpfen, welche der Verländerung des Fördersystems einmal entgegen tritt. In Österreich ist dies seit Jahren undurchsetzbar, aber zugleich: wir sind derzeit mit schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, deren Folgen bei weitem noch nicht angekommen sind. Wie eine gestige Diskussionsveranstaltung mit Alexander Van der Bellen, Wirtschaftswissenschafterin Helene Schubert und Investmentbanker Willi Hemetsberger gezeigt hat, ist die Krise bei noch lange nicht ausgestanden. Und die Frage, who pays the bill, ist noch ungelöst. Denn die gleichzeitige Überschuldung vieler Staaten wird eine gigantische Zinslast mit sich bringen. Wenn die Krise nicht der Anlaß für strukturell tiefgreifende  Maßnahmen für die Zukunft ist, wann ist dann der richtige Zeitpunkt? Oder anders gefragt: kann man sich neun unterschiedliche Verwaltungssysteme zur Abwicklung von FÖrdermaßnahmen zur energetischen Sanierung leisten?

Warum denken wir nicht darüber nach, das Fördersystem im Wohnbau so umzudefinieren, dass es eine einfach abwickelbare Bundesförderung gibt, die engagierte aber realistische Mindesstandards legt (Experten halten es zB. für nur schwer möglich, dass derzeit eine Luftwärmepumpe wie in der burgenländischen Förderung eine Jahresarbeitszahl von 4 erreicht). Zugleich wird über einen Verteilungsschlüssel festgelegt, dass es eine faire Mittelvergabe quer über die Bundesländer geben muss (angedacht z.B. derzeit bei der Photovoltaik-Förderung des Klimafonds). Und: die Länder könnten über eigene Fördermittel zusätzliche Add-Ons formulieren und dabei z.B. noch strengere Standards zusätzlich fördern oder eigene Schwerpunkte und den Förderanteil erhöhen setzen. Diesmal war ja die Bundesförderung ein Add-On.

Aber: der Sockel würde nach diesem Gedankengang von einer einheitlichen Bundesförderung getragen werden und nicht umgekehrt.

Klar. So etwas wäre eine Kraftakt, da dies Wohnbauförderung und damit auch den Finanzausgleich betrifft. Und nicht zwingend würde dies insbesondere kurzfristig mehr Effizienz und Investitionen bringen. Aber wie gesagt: Wann, wenn nicht jetzt! Österreich kann es sich als kleines Land bald nicht mehr leisten, in der Förderlandschaft derartig viel Mehrfachstrukturen aufzuweisen.

Oder seh ich da was falsch? Widerspruch erwünscht!





Woher die Krise kam und was bleibt von ihr? Ein Veranstaltungshinweis

24 06 2009

Wir erleben derzeit die größte weltwelte Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Immer noch ist unsicher, ob derzeit schon ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, oder wir eigentlich erst am Beginn der Krise stehen. Wie im gestrigen Posting erläutert, sind die sozialen Auswirkungen der Krise bei weitem noch nicht in vollem Umfang angekommen.

Nachdem man einige Monate lang das Gefühl haben konnte, dass die Krise tatsächlich auch bei politischen Meinungsbildern ein Hinterfragen systemimmanter Faktoren des Finanz- und Weltwirtschaftssystmes zulässt, ebbt dies zur Zeit wieder ab. So zumindest mein Eindruck. Wohl ist von zuviel Gier die Rede, unmöglichen Renditvorstellungen etc., aber welche Handlungsoptionen fern ab dieser kulturellen Aspekte unserer Gesellschaft, hat die Politik? Das heutige Interview im Standard mit Franz Josef Radermacher ist diesbezüglich lesenswert und alarmierend zugleich.

Im Sinne dessen, dass der Diskurs zur Krise noch lange nicht abgeschlossen sein kann, freue ich mich auf ein neues Veranstaltungsformat, bei dem Alexander Van der Bellen spannende Gesprächspartner über diverse Themen rund um die Krise lädt. Die Veranstaltungsreihe ist nicht als Fachdiskussion von Ökonomen für Ökonomen zu verstehen, sondern soll zur Verständlichkeit der komplexen Prozesse rund um die Krise beitragen.

Hier alle Infos dazu.

Einladung Veranstaltung 290609

vdb_tellerrandÜber den Tellerrand …
Woher kam die Krise und was bleibt von ihr?

Montag (!) , 29. Juni 2009
19:00 Uhr, Eintritt frei

Ort: Haus der Musik, Annagasse 4, 1010 Wien

Alexander Van der Bellen im Gespräch mit dem langjährigen Investmentbanker Willi Hemetsberger und Wirtschaftswissenschafterin Helene Schuberth (Österreichische Nationalbank)

Moderation: Ute Woltron
Die größte Finanzkrise seit 80 Jahren und ihre weltweiten Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft werfen eine Vielzahl an Fragen für unser politisches Handeln auf. Welche unmittelbaren und mittelbaren Ursachen gibt es für die Krise? War diese dramatische Entwicklung vorhersehbar? Stellen wir uns vor, die Krise geht vorüber – was bleibt dann von ihr bzw. wird anders sein?

Wenige Wochen nach der Wahl zum Europäischen Parlament wird es auch darum gehen, wie die weitere Krisenstrategie aussehen kann. Nationale Antworten greifen zu kurz.
In einem neuen Gesprächsformat wird Alexander Van der Bellen mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wesentliche Fragen aktueller internationaler Entwicklung diskutieren. Wir laden Sie zu diesem Blick über „den Tellerrand“ ein.
Gesprächspartner von Alexander Van der Bellen sind der langjährige Investmentbanker und Berater Willi Hemetsberger und die Wirtschaftswissenschafterin Helene Schuberth von der Österreichischen Nationalbank.

Anmeldung: event@gruene.at





Von der Subprime-Crisis zur Suburb-Crisis. Spannendes zum Verhältnis von Erdöl und Weltwirtschaft.

22 06 2009

Wie zuletzt schon erläutert, glaube ich, dass der Konnex zwischen der Weltwirtschaftskrise und der Energiekrise unterschätzt wird. Ob die Ölpreisentwicklung in den Jahren 2007 und 2008 der eigentliche Motor der Rezession ist, wage ich nicht unmittelbar zu behaupten, es gibt jedoch erstaunliche Zusammenhänge wie dieser lesenswerte Artikel von Andreas Postner darlegt. (via Blog von Johannes Rauch). Auch der Konnex zwischen Subprime-Crises und den Folgen der insbesondere in den USA ausgeprägten Suburbanisierung rund um Ballungszentren ist spannend. Die energiewirtschaftlichen Aspekte von Verkehrswegen bleiben in der Diskussion weitgehend unterbeleuchtet.

Es gilt jedenfalls, die strukturellen Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern auch im Sinne einer langfristigen Wachstums (sofern jene nicht überhaupt wieder hinterfragt werden wird – was ich ja nicht glaube) zu lösen, sonst stehen wir nach der Krise unmittelbar vor der Krise.

peakoil_vbgIm Artikel ist übrigens eine Studie erwähnt, die mir bislang unbekannt war.  “Peak Oil…Die internationale Diskussion und mögliche Auswirkungen auf Vorarlberg”, datiert mit November 2008. Autoren sind Andreas Postner und Willi Sieber vom Österreichischen Ökologieinstitut. Sehr ausführlich wird hier im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung auf Ursachen und Folgen der Erdölverknappung eingegangen. Im Sinne was bedeutet die Preisexplosion bei fossilen Energieträgern durch die nicht mehr entsprechend gedeckte Nachfrage nach Öl für das Land? Details dazu alsbald.

Zu finden auf der Website der Vorarlberger Landesregierung.





It´s a shame! Österreichs Windkraftausbau im europäischen Vergleich.

10 03 2009

Zugegeben, zuerst dachte ich, für diesen Beitrag wäre ein halbwitziger Titel mit “The answer, my friend, is blowing in the wind” oder ein Wortspiel mit Rückenwind/Gegenwind oder etwas a la “Der Windkraft wird die Luft aus den Segeln genommen etc.” angemessen. Aber eigentlich ist das einzige, was angemessen ist, schlicht und ergreifend purer Ärger. Die folgende Liste ist meines Erachtens  wirklich eine Schande für Österreichs Umwelt- und Klimaschutzpolitik.

newpowercapacity08Dank Martin Pröll´s heutigem Blogposting auf dem Ökocenter Blog und der IG Windkraft Aussendung vor einigen Wochen, wurde ich auf die Studie der European Wind Energy Association aufmerksam, die sehr zeitgerecht die installierte Leistung nach Energieträgern 2008 in Europa vergleicht. Der Jubel ist berechtigt und groß, dass die Windkraft jener Energieträger ist, der den größten Anteil neu installierter Leistung zur Stromproduktion aufweist. In Europa geht echt die Post ab in Sachen Windkraft. Dank vieler Einspeiseregelungen und funktionierender Fördermechanismen ist das möglich.

Umso erschreckender ist es, wenn man einen Blick darauf wirft, wie es derzeit in Österreich aussieht. Jenem Land, das vor wenigen Jahren dank eines funktionierenden Ökostromgesetzes zu den Vorreitern im Ausbau der Windkraft gehörte. Und jetzt? Bitte im Jahr 2008 wurden ganze 14 MW neu installiert. Das entspricht ca 7 modernen Windrädern.  Die Liste zeigt: damit gehört Österreich zu den blamablen Schlusslichtern.

eu_vergleich

Schuld sind die Novellierungen des Ökostromgesetzes in den vergangenen Jahren, die bewusst und mit System verhindern sollten, dass Strom aus erneuerbaren Energieträgern weiter ausgebaut wird, indem man einen Fördergesamtdeckel draufgeknallt hat (17 Mio EUR/a) und die Tarife in unwirtschaftlichen Größenordnungen bleiben. Die Liste zeigt: diese Intention wurde erfolgreich umgesetzt.

windkraft_ausbau1Man beachte nur in der Graphik der IG Windkraft die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Österreich baut massiv ab. Die kürzliche herausgegebene Ökostromtarif-Verordnung bestätigt diesen Kurs. Darin wurden bzw. mussten alle Tarife um 0,01 cent abgesenkt werden. Erwartete Entwicklung 2009: Stillstand! Grund dafür. Laut gültigem Ökostromgesetz müssen die Tarife sinken. Na bravo.


Was mir unverständlich ist: Man spricht über Konjunkturprogramme, Kyoto, Energiekrise, Erneuerbare Energieziele in der EU, Anreizsysteme für Investitionen, Nachhaltige Jobs! Und dann das.

Stimulus ist das richtige Wort aus Obama´s Energieprogramm. Es braucht Anreize zum investieren; und die gibt es nur, wenn man durch Fördermaßnahmen wie faire Einspeisetarife genau jene beihilfenrechtlich machbaren Instrumente nutzt, die uns zur Verfügung stehen. Viele andere europäischen Staaten tun das ja auch.

Was soll man sagen, wir haben eine Krise und sollte irgendwer glauben, dass mit business-as-usual abgesehen von der Arbeitslosenzahlen irgendeine vielleicht erfreulichere Kurve in  den kommenden Jahren aufwärts zeigt, wird er sich täuschen.

Allein ein 1,5 -2 cent/kWh  höherer Einspeisetarife für Windkraft würde dafür sorgen, dass innerhalb kurzer Zeit nicht 14 MW, sondern über 100 MW locker errichtet werden.  Die Projekte sind alle in der Pipeline und brauchen nur ein förderpolitisches GO.

Wo bleibt er also, der österreichische Stimulus?

Ok, heute war das mal etwas emotionaler…





Zeit der Megatrends

30 12 2008

Viele  nutzen den Jahreswechsel dazu, das Vergangene Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorn zu wagen. Es ist auch Zeit der Interviews mit Trendforschern, vor allem Matthias Horx in österreichischen Medien.  (siehe gestrigen Kurier) Und klar, angesichts der Wirtschaftskrise will man ja auch wisssen, was denn da eigentlich los ist und warum man das nicht vorher gewusst hat.

Neben diesem meiner Meinung durchaus recht subjektivem Zugang zu Trends und sog. Megatrends (also solche, die sich über einen längerern Zeitraum zb 10 Jahre erstrecken), gibt es auch interessante Zahlen & Fakten Compilationen. Etwa in folgendem Video von Karl Fisch, Scott McLeod, and Jeff Bronman, das Peter Glaser kürzlich  in seinem Blog gepostet hatte. Das Video hat übrigens schon eine mehrjährige Geschichte; diese Version dürfte nun die neueste (3.0.) sein, die Jeff Bronman adaptiert hat.

Gut gemacht, find ich, (der Musiktrack ist “Right here, Right now” von Fatboy Slim), vor allem wenn man an die Trägheit der Politik denkt. Paar Sachen fehlen natürlich (Urbanisierung z.B.) . Aber aus meiner Sicht werden drei der Megatrends durch das inszenierte Zahlenkonvolut offensichtlich:

  • Die enorme Beschleunigung ganzer Lebensbereiche durch neue Informations- und Kommunkationsmedien – mit all den Implikation auf Arbeitsmarkt, Bildung, soziales Verhalten. Meiner Meinung ist Beschleunigung einer DER Unterschiede zwischen der Generation im heutigen Arbeitsleben und der vorangegangenen. Umso wichtiger find ich übrigens auch entschleunigte Räume bzw. Reflexionsräume.
  • Die Bedeutung aber auch Macht der sozialen Netzwerkmedien, die nun einfach den Mainstream erreicht haben und somit unglaublich groß geworden sind.
  • Das enorme Wachstum von China und Indien mit all der weltpolitischen Bedeutung und dem Verschieben von Kräfteverhältnissen. Hier sei aber vor der Verführung gewarnt, sich mit dem Argument (China und Indien sind schuld) aus der Verantwortung der sog. westlichen Welt zu ziehen.